Dreizehnter - Jahrgang. Sonntags-Beiblatt v üjl^lli IllpIIN-) !UI !l>j ')-j!sj'I>l7^!ilI>> ^lssltt/t. ZIZ .^II^s->>. 1>I IIiM ^liüi^nial ...^ ,u»i ,.»i.z ,q -^j... i«r Augsburger Postzeitnng. - W'MioM. .üutt möi.jn^ ^^!^^»^!!.^ -.gim, chou ^«U ,»tm^ »i,^ 23. Januar M"-- ^t. 1853. II»kl?) .:' ->i . '/'üs.li ?n-, l.'jNs^I Nj'.' lliu zchji.t. Ut I. ^ .'-ülllltt --^- Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuements>ncis 4tt kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter und alle Buchhandlung« bezogen werden kaun. Einige Züge katholischen HauSvraucheS, wie sie sich vorzugsweise noch aus dem Lande vorfinden. Aus einer im Wiener Central-Severinusvcrcin von Cooperator Hrn. Chr. Schüller gehaltene» (und im Oest. V.-Fr. abgedruckten) Rede. Gott ist unser Urbild, wir sind seine Ebenbilder. Wir finden darum Gott zunächst in der Einrichtung unseres Geistes; kund wird er u»S aber auch aus seinen sichtbaren Werken. Die Welt ist sein Spiegelbild; in ihr schauen wir seine uner- schaffene Macht, Weisheit und Güte. Gott ist aber in Jesu/ Christus in seiner Erbarmung Mensch geworden, und hat uns in der mit sich vereinigten Menschen- Natur leibhaftig gezeigt, was Ebenbildlichkeil Gottes sey. Als Mensch ist unS JesuS Christus ein unübertreffliches Musterbild geworden zur Nachbildung deS Ebenbildes GotteS. Eine zweite Schöpfung setzle Er auf den Grund der ersten, und diese Schöpfung ist die Erlösung. DaS Werk der Erlösung wird fortgesetzt in der Kirche; in ihr finden wir Christus. Wie aber die sichtbare Schöpfung Spiegelbild Gottes ist, und wir in ihr GotteS Macht, Weisheit und Güte schauen, so ist die Kirche, diese Schöpfung Christi, in ihrer äußern. Erscheinung Spiegelung Christi, sie ist für unS Musterbild, dem wir unS nachbilden sollen. Die Kirche mit all ihrem Leben ist auch, ohne daß matt viel darüber nachdachte, Bildnerin deS gesammten Lebens geworden. Stillwirkend hat sie das ganze häusliche, bürgerliche und öffentliche Leben ergriffen und umgeschaffen in ihrem Geiste. DaS äußere Leben ist früher in all seinen Erscheinungen als ein kirchliches aufgetreten. Ein Beispiel hievon haben die v. V. G. an den Handwerke» und Zünften gehabt; auch der alte germanische Kaiserstaat war in seinen Einrichtungen und Grundgesetzen eine Schöpfung deS lebendigen, bildenden kirchlichen Geistes. Doch nicht den berührten Puncten wollen wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden, sondern einem andern. ES ist gewiß, daß der größte Theil des Lebens im Kreise deS HauseS, der Familie sich abwickelt. WaS mußte darum das Hauö für einen Typus an sich tragen, wenn eS als ein christliches erscheinen sollte? Den der Kirche; diese ist Musterbild, jenes ist Nachbild. So war eS auch, als der christliche Geist die Völker und in ihnen die Familie ergriffen hatte; nicht als ob die Kirche selbst bis ins kleinste Detail überall werkthätig ordnend eingeschritten wäre, nein, dieß machte sich wie von selbst, man konnte nicht anders. Ich führe Sie darum ein in daS Wohnzimmer einer christlichen Familie; darin wollen wir den TypuS der Kirche schauen, wie er sich wie von selbst durchgebildet hat. Ich will eine ländliche katholische Wohnung nehmen; nicht als ob eS in der Stadt keine gäbe, die den kirchlichen Typus an sich trüge; sondern deßwegen, weil uns dort Alles mehr gemüthlich entgegenkommt; weil man dort das Ursprüngliche .st»Mh-r(l»»T.2?,w(!5k.s'»M länger erhalten hat, um eS zu ehren, und weil ich, selbst in einer solchen aufgewachsen, darin mehr daheim bin. Wenn ich Ihnen heute einige Züge katholischen HauSbrauchcS vor Augen führe, will ich für dieses Genre die LandschaftSmalerei wählen, weil die Natur, wie Eie wissen, unübertrefflich ist; und bringen wir in sie entsprechende Nachbilder Christi als handelnde Personen, so wird sie dann zum wahren Lebensbilde. In einer katholischen Landwohnung finden Sie ein ächtes Nachbild der Kirche. Der Hauplplatz ist dem HauSaltare eingeräumt. Der Gekreuzigte, seine hochgebene- deite Mutter und noch einige Heiligenbilder machen denselben aus. Der Altartisch ist der Hauölisch, auf dem gegessen wird im Angesichte Gottes, der ganz gewiß wehmüthiger herunterschaucu würde an dem Tage, an welchem nicht gebetet und gedankt würde. Ueber dem Tische und vor dem Hanptbilde hängt eine Lampe, die zu Ehren der lieben Frau, der Vorsteherin und Schützerin deS HauseS, wenigstens am Samstage angezündet wird, und zu deren Verherrlichung an diesem Tage zu den sonst üblichen Abendgebeten noch die lanretanische Litanei, der Inbegriff alles LobeS auf Maria, hinzutritt. Können wir uns eine freundlichere Nachbildung der Kirche denken? Ich übergehe einige andere Züge dieser Nachbildung der Kirche im Hause, namentlich das Apostolat der Mutter; dieses ist Ihnen schon geschildert worden, wie sie dem kleinen Sprößling, vor diesem HauSaltare, den HimmelSvater, die liebe Frau und Jesum Christum mit heilig erhobener Rechten weiset und selbe ihn kennen lehrt. Ich will vor der Hand nicht sagen, was das für ein Buch ist, das alte, schwarze, welches besonders am Sonntage auf dem Tische liegt; wir werden es schon noch kennen lernen, weil wir heute noch ein Capitel daraus vorlese» werden. — Eine Menge Lebensbilder sind darin ausgezeichnet; wenn auch aus der alten Schule, dennoch lieb und anziehend, weil die Pietät sie zeichnete. Nur zur Thüre will ich Sie führen. Da ist der Gnadenbrunnen deS Hauses, der Weihbrunnen, und auch dessen Quelle, Jesus der Gekreuzigte. Wir leben ja nur durch die Gnade unseres Herrn; von Ihm kommt daS Wollen und Vollbringen, ohne Ihn gedeiht Nichts. Der Katholik konnte nicht anders, er mußte auch hier seine Kirche nachbilden. Hat das Haus keine Sacra- mente, so hat es doch seine SacramenlaUen. — Diese SegenSquelle des Hauses spielt eine große Rolle. Ich will nicht anführen, daß jedes Werk und jeder Tag mit einem demüthigen und vcrtrauungSvollen: „In Gotteö Namen!" von da seinen Lauf beginnt und daß es, weil mit Gott angefangen, mit wunderbarer Kraft und Zähigkeit fortgesetzt, wenn auch nicht immer gleich zu Ende geführt wird. Ich will nicht erwähnen, wie nach dem gemeinschaftlichen Abendgebete hier zuerst die Diener deS HauseS, dann die Kinder, dann der Vater und endlich die Mutter — denn diese kann nicht früher zur Rühe gehen, bis sie nicht das ganze HauS in Ordnung weiß — sich für die Nacht und vorbildlich für den Tod einsegnen, daö Kreuz küssen, und mit einem „Gelobt sey JesuS Christus!" sich entfernen. Ich meine nur, daß eS uns da mild anwehe, auch wenn eS Winter wäre. Auch dessen will ich nicht gedenken, wie hier der Vater und der Pathe, obwohl mit rauher Hand, doch mit zartem Her- zen dem neuen Sprößlinge eine Art Begierdtaufe ertheilten, bevor sie ihn zur Kirche trugen, mitten im Winter, und wie derselbe den katholischen Glaubenssatz von der Erdsünde, wenn auch nicht mit dem Verstände, so doch dnrch die Empfindung inne werden mußte, weil die Natur ob dem Fluche feindselig uns gegenüber tritt. Von allem Dem will ich nichts erzählen. Aber eine andere Gruppe will ich Ihnen vorführen vor diesem häuslichen Gnadenquell. — Das Kostüm ist festtäglich, wie eS nur immer seyn kann, und wie der Tag eS fordert. Im Vordergrunde sehen Sie eine, nebst ihrem sonstigen Schmucke, in Sittsamkeit und Ernst gekleidete Jungfrau; sie ist die Tochter deS HauseS. Ein Kranz hat bedeutsam die zierliche Haarflechte noch schöner gemacht; Rosenkranz und Gebetbuch heilige,, die Hände, und Rosmarin ist daS Feldzeichen. Dieser Meeresthau — er dx,,,^ auf einen ernsten, gnadenbedürftigen Gang. Aller Antlitze, diese Dolmetscher d„ Seele Mgen von Z7 gefühlSschwangern Herzen. ES sind der Gefühle manche, sie ringe» nach Ordnung; und ich weiß nicht, welches derselben ich zum Chorführer der übrige» machen soll. Sie sehen einen Brautzug vor dem häuslichen Scgensauell, und da wird eS einleuchtend, wie die Gefühle »ach Gestaltung ringen, und daß ich die Bewegung auS ganz natürlichen Gründen in meinem Gemälde nicht firiren kann. Auch sind Sie gewiß nachsichtig, wenn ich auf die Staffage einige Farben zu verschwende» scheine. Ist eS ja der schönste Tag im LebenSfrühliiigc, wenigstens der feierlichste und inhaltsschwerste. ES vergißt ja auch die Natur im Frühlinge nicht, ihr letztes Blümlein inS Licht zu stelle», um ganz schö» z» seyn für ihren Bräutigam; und selbst der jungfräuliche Jünger Johannes sah das himmlische Jerusalem von, Himmel herabsteigen, geschmückt wie eine Braut, die für ihren Bräutigam geziert ist, und hier handelt eS sich um jene geheimnißvolle Verbinvung zur Auferbauung der Gemeinde der Heiligen, auS denen das himmlische Jerusalem bestehen wird. Meinen Sie nicht, meine LebenSblumen ständen nicht im verklärenden Lichte und mein LandsckastSbild entbehre der Weihe. Wie i» der Ehe sich ZarteS mit dem Ernsten paart, so feierte auch da, wie eS Auge und Miene sagt, lichte Freude und weicher Ernst auf Aller Antlitz ihre Vermählung. Still wird eS, »ur mehr der Gedanke schifft hin und her, und stellt seinen Mast hinauf zu Gott. DaS Haus feiert einen hauSpriesterlichen Act, dem auch die Kirche mit ihrem geweihten Priesterthiim, das Anrecht nickt streitig machen will. Die Jungfrau bricht inS Knie, und ihre stumme Bitte geht um den elterlichen Segen. Unter diesen nur will die reifgewordcue Jugend die Filiale stellen und daS Mutterhaus sie pflanzen. Da bleibt gewöhnlich kein Auge thränenleer, am wenigsten daS der Braut. — Auch die FnchlingSkinder sind nicht ohne Thaupcrlen, in denen sich die Sonne spiegelt. Diese Perlen aber sind ächte Waare, die auS des christlichen Gemüthes Tiefe der heilige Geist selbst zum Brautschmucke sendet. Ich glaube, wenn Hand und Herz zum Segen sich erhebt, daß da auch die Engel des Himmels vergnügt darein schauen, und, den Finger über den Mund erhoben, sich an diesem Schauspiele freuen; daß sie das süße Opfer deS Herzens auffangen, um eS dem Herrn darzubringen. Ich glaube, daß der Bater im Himmcl Ja und Amen sagt, wenn der Blick eines andern Engels frägt, ob er die Schaalc deS SegcnS vollends auSgießen soll, so wie auch Christus, der sich daS Institut der Ehe geheiligt hat znr Erbauung der Gemeinde der Heiligen, und der heilige Geist, der geheimnißvoll im Herzen wirkt. Wie die Maut in Demuth sich neigte, so steht sie auch in Demuth aus; sie merkt nicht einmal, daß die in. Höhern vergessene Hand den Blumenschmuck zerknitterte, und küßt die Hand, die sie segnete, und den Mund, der sie segnete. Hier das Sakramentale deS Hauses bei seinem SegenSbrunnen, hier daS Nachbild nach der Kirche Musterbild, hier ein Stück katholischen HausbraucheS! — Ich meine, darin möge seine Erklärung finden daS Sprichwort: „Ehen werden im Himmel geschlossen!" und daS andere: „Eine weinende Braut, ein lachendes Weib!" Gefällt Ihnen wohl diese Scenerie? Ich glaube, daß sie jedenfalls schöner sey, als eine Theatervorstellung; sie hat wenigstens den Vorzug der Natürlichkeit, Wirklichkeil, Weihe und Nachhaltigkeit. Was von Christus kommt, was sein heiliger Geist verklärt, daS ist immer schön; und dieß alles wirkt niemand Anderer, als derselbe heilige Geist, der auch die Hände der Patriarchen beim Segen führte, und der auch in die alte Schrift zeichnete da6 Wort: „Des VaterS Segen erbaut das HauS der Kinder." Hat näm- lich daS Stammhaus die Wahrheit anerkannt: Die Familie ist ein Heiligthum GotteS! und hat eS dieß im Segen verbildlicht, so kann daS nicht ohne Wirkung bleiben. ES geht vielmehr TypuS und Geist der Stammfamilie über auf die Filiale, und auch diese entwickelt sich" dann zu einer kleinen Gemeinde der Heiligen, und dieß heiße ich dann: „Des VaterS Segen erbaut daS HauS der Kinder." In die Zeichnung irgend eines Gegenstückes will ich mich nicht einlassen; ich habe auch keine Lust dazu. Dieses Stück katholischen HausbraucheS aber habe ich vor Ihre Augen geführt, weil eS noch eine Zierde vieler Familien ist, besonders aus dem Lande, weil dort S8 christliche Eltern diese schöne Silte dcS SegnenS sich nicht nehmen lassen; sie segnen die Kinder, wenn sie in die Fremde ziehen, sie segnen den Sohn, wenn er in die Studien geht, sie segnen ihn auch noch, wenn er das erste Mal das heiligste Opfer mit geweihten Händen dem Allerhöchsten darbringt, obgleich sie von ihm den Segen zu empfangen haben. Sie scheinen dadurch am besten anzudeuten, wie daS Priester- lhum sich deS GebeteS der Gläubigen ununterbrochen erfreuen sollte, damit der Segen desselben um so reichlicher wieder auf sie zurückströmen möchte. AIS wir für Se. Eminenz den vielverehrten Cardinal Freihcrrn v. Diepenbrock zu einem Bittgottesdienste in der St. PeterSkirche unS vereinigten, gab eS unter den Anwesenden auch solche, die nicht der heilige Geist hineingeführt hatte. Ich hörte nämlich Einen sagen: „Lauter Ceremonie! lauter Ceremonie!" Mir fiel ein daS Wort deS Herrn: I'lcm omnes egpiunt kov verbum, «ölZ czuibus clstum est. „Nicht Alle fassen oieß Wort, sondern nur diejenigen, denen eS gegeben ist." Diese Leute würden auch zu unserm Stück katholischen HauSbraucheö sagen: Lauter Ceremonie! Und wenn sie es auch in ihren Wohnungen aufführen, kann auch unter den Geladenen Einer seyn, der sich denkt: Lanter Ceremonie! Wir aber behaupten, Geist und Leben sey nicht bloß im Bilde dargestellt, sondern auch in der Wirklichkeit noch vorhanden, wie ich ja auch der Wirklichkeit mein Bild entnommen habe. Ich will darum nur noch sagen, wie eS den Personen in unserm Bilde gegeben ist, dem todten Körper der Ceremonie den belebenden Geist einzuhanchen. Wir lassen indeß unsern Brautzug in die Kirche gehen, dorthin wollen wir ihn nicht begleiten, weil wir ja nur vom häuslichen Leben sprechen, DaS nur will ich vom Kirchengange sagen, daß dieß heilige Sacrament am besten unter dem Segen der heiligen Messe, in welcher alle sacramentale Gnade wurzelt, auSgespendet wird; daS ist Kirchenbranch, der zum HauSbrauche wird in der katholischen Familie, jedenfalls schöner und entsprechender, als der in der Stadt eingcrissenc Gebrauch der Abend- Trauungen, die, weil sie gar so wenig SegenS-Ceremonie für sich haben, bei vielen nur mehr den Anstrich deS Erscheinens in einer Kanzlei haben, welches man am Ende bei Gelegenheit auch durch Andere in einer wirklichen Kanzlei abthun könnte. Doch, ich habe ja versprochen, sie mit der Scenerie einer Theaterhochzeit zu verschonen. Im lebendigen Geiste der Kirche, der auch auS der Ceremonie weht, ist die Familie herangewachsen; derselbe hat alles gesegnet, geweiht und geheiligt, Kindheil und Jugend, Herren, Gatten und Eltern. Die Kindheit, die geweihte, hat man gelehrt an der Kindheit Jesu. Jenes alte Buch nämlich auf dem Tisch ist daS Lebe» Jesu und der Heiligen. Sie glaube» aber gar nicht, wie zart da Alles geschrieben ist, wenn daS Buch auS alter Zeit herrührt. DaS Gemüch ist tief und weich auch bei rauhen Menschen, wenn er nur Religion hat. Der sanftmüthige Jesuö weiß Alles sanft zu machen. Nehmen Sie den Menschen nur da beim Gemüthe, und Sie haben ihn schon gewonnen. Ich weiß mich noch recht gut zu erinnern, wie gemüthlich und heilig erfreut wir den Christabend feierten, wenn unS auch kein Christbaum mit reichen Geschenken cntgegcnprangte und flimmerte. Mit einigen Trauben, Aepfeln und Nüssen waren wir zufrieden; aber wir lasen hernach vor auS dem alten theuern Hausbuche, von der gnadenreichen Geburt Jesu Christi; vom zarten Knäblein auf Stroh gebettet; wie es wunderbar geboren ward, dieß Wunder der Welt; wie eS seine jungfräuliche Mutter zuerst angebetet; wie der Himmel Ihm ein gar schönes Wiegenlied gesungen; wie die Natur über dieß Wunder sich verwundert; wie sie, fühlend die gekommene Erlösung, das Ende bald zum Anfange gemacht, und zum Paradies geworden wäre; wie nämlich dieselbe Nacht, obwohl im Winter, so lieblich wurde wie der Frühling, daß die Bäume um Bethlehem blühten und Früchte brachten; wie Trauben im Thalc Engadi reiften in dieser einen Nacht; wie ein Oelbrun- nen in der Erde entstand, und ich weiß nicht wohin floß; wie die Vöglein so schön und lieblich sangen, die Heerden fröhlich durcheinander liefen, wie ein Götzenbild zu Rom auf die Erde fiel, und der böse Geist daraus heulte, daß nun seine Mackt gebrochen sey u. s. w. « S9 Das war doch mehr als ein Christbaum; das waren Aepfel aus dem Paradiese, und Christus der Baum deS LebenS, den Gott in daS neue Paradies, in die seligste Jungfrau gepflanzt, und dem wir sie abpflückten. — So, glaube ich, lernen Kinder vom göttlichen Kinde Kinder seyn, und so wird die Kindheit geheiligt, so hat zarter Sinn und innige Liebe, die nimmer ganz schwindet, im Hause seine Nahrung gesunden. Wenn uns aber jetzt so Jemand von den Nüchternen gehört hätte! Der würde uns schelten, daß wir Märchen daS Wort reden; und auftreten könnte cr »och dazu gründlich gegen unS; denn von allem Dem steht kein einziges Wort in der heiligt Schrift. Aber mein Freund, wenn dieß wirklich nicht geschehen ist, hätte eS denn nicht geschehen können? Ist eS nicht dem Ereignisse, der Jvee der Erlösung, und in Folge dessen dem menschlichen Gefühle ganz angemessen? Sind diese Umstände nicht die zartesten poetischen Blüthen der kindlichsten Pietät, gestreut um die Krippe Jesu? Wer sollte jener und der heiligen Freude eS wehren, solche Blüthen aufschießen zu lassen, poetisch zart zu werden, da ja Gott Mensch geworden, um unS Menschenkinder heimzusuchen in den Stricken AdamS, in den Banden der Liebe? Da ist eS schon am Platze, gcfühlig zu werden, wie Kinder, ohne sich zn schämen; denn leider ist die Welt in der Affectation falscher Gefühle und Empfindcleien so weit gekommen, daß sie nicht mehr recht weiß, was Gefühl ist, und daß, um mit Mathias Claudius zu reden, ein ehrlicher Kerl fast sich schämen muß, gerührt zu seyn. Bald wäre eS so weit gekommen, daß die Fluth der fabriksmäßig betriebenen und ans Leidenschaften speculireuden Roman- und Theater-Literatur daS Herz fast ganz verwaschen hätte, wäre eS nicht so unergründlich tief, und hätte nicht Derjenige, welcher dem Slnrmc und dem Meere gebietet, und Der im ruhigen Spiegel deS Herzens sein Abbilv schauen will, sich nicht die Macht bewahrt, den Teufel, der aus Sturm spcculirl, um im Trüben zu fischen, auSzutreiben, und daS Gefühl wieder zu wecken für die anbetungswürdigen Geheimnisse der Erlösung, und für daS Leben deS WeltcrlöserS, in welchem alles Lebe» der Menschheit, im Großen wie im Kleinen, vorgespiegelt ist. Sie wissen ja, woher die Wunden der Gesellschaft sind. Sie sind ja zum Theile aufgebrochene Eiterbeulen von genossenen schlechten Speisen. — Sie wissen, wo die BilduugSschule der modernen Menschheit ist; Sie wissen, daß wir kein christliches Theater haben, und noch weniger ein solches, wo ein katholischer Geist durch die Charaktere weht; Sie wissen, wie die besten Stücke nicht viel nutz sind, wollen wir, wie wir sollen, ihren sittlichen Gehalt in Betracht ziehen. Sie wissen, wie viele Affenlarven, nach dort sich modellirend, durchg Leben gehen, wie bei jeder Kleinigkeit der Blick unnatürlich und lügenhaft in Thränen schwimmt, nimmer aber daS Herz weich wird, wenn der Engel des Himmels den Abgrund der Frendc meldet, wie Derjenige, welcher Erd' und Himmel schuf, aus Liebe zu uns ward ein kleines süßeS Kind. (Schluß folgt.) Die heilige»» Orte. Mit Strömen Blutes und später auch mit Geld hat die katholische Welt die heiligen Orte als ihr Eigenthum erworben; eine eigene Wehmuth, weil gemischt mit der tiefsten Entrüstung, ergreift das Herz eincS jeden wahren Katholiken, wenn er sieht, wie Fremde, die kein Recht auf diese heiligen Orte haben, nun kommen, um daS Wohlerworbene der katholischen Welt streitig zu machen, Stück für Stück davon sich aneignen und nicht undeutlich die Absicht durchblicken lassen, sie am Ende gänz> lich aus dem Besitz zu verdrängen. AIS daS christliche Reich in Palästina sich seinem Untergange zuneigte, wurden vom heiligen FranciScuS von Assissi, der eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande unternommen hatte, Glieder seines Ordens als Wächter der heiligen Orte bestellt. 30 Bei der Eroberung von Jerusalem durch die Sarazenen, so wie bei derjenigen von PtolomäuS, wurden alle OrdenSglieder von diesen ermordet. Allein neue strömten auS Europa herbei, um die Märtyrerkrone sich zu verdienen; die Türken, welche sie als eine Art Derwische ansahen, und Zeugen ihrer Frömmigkeit, Sanftmuth und Armuth waren, ließen sie allmälig gewähren, überließen ihnen sogar eine Wohnung auf dem Berge Sion und einen Play beim heiligen Grabe. König Robert von Sicilien und seine Frau Sancha kauften, um die heiligen Orte gegen die Muselmänner zu schützen, diese dem Sultan von Egypten um eine große Summe ab; ihre Bewachung wurde durch Bulle vom 2l. November 1342 vom Papst Clemens V. den FranciScanern übertragen. Die Königin Sancha ließ auf dem Berge Sion ein Kloster bauen, welches daS Cönaculum einschloß und setzte für zwölf Religiösen und drei Laienbrüder eine Dotation auS. Allein der türkische Fanatismus gestattete ihnen keincn ruhigen Besitz; im Jahre 139 l wurden alle Ordensglieder von den Türken massakrirt; auch später wiederholten sich solche Gräuelscenen an einzelnen oder mehreren der Wächter der heiligen Orte. Im Jahre 1561 wurden sie gänzlich vom Berge Sion vertrieben; doch jagte man sie nicht auS der Stadt; eS gelang ihnen sogar, daS Kloster und die Kirche deS heiligen Erlösers mit schwerem Gelde von den Türken zu kaufen. Die GlaubenSfpaltuug in Europa brachte die heiligen Orte in einem großen Theile des Abendlandes beinahe in Vergessenheit; die treuen Wächter aber, verlassen von aller Welt, verließen darum daS ihnen anvertraute Heiligthum nicht; sie sammelten die zerstreuten Gläubigen im Lande, errichteten Klöster, Spitäler und Schulen, und übten Gastfreundschaft gegen die vielen meistens armen Pilger, welche daS heilige Land besuchten. Die Türken ließen sie nach und nach in Ruhe; nun kamen aber andere Feinde, die bald gefährlicher als alle anderen zu werden drohten, die verschiedenen christlichen Secten, welche ihnen ihren rechtmäßigen Besitz streitig machten und bei der bestechlichen türkischen Regierung durch Gold leicht ihr Unrecht in sogenanntes Recht zu verwandeln vermochten. «Die guten Mönche wehrten sich, so gut sie konnten, allein verlassen von Europa blieb ihnen nichts als die Berufung auf ihr gutes Recht, die aber gewöhnlich vor dem Klang des GoldeS den Kürzern zog. So ist cS gekommen, daß nicht mehr die Hälfte der Heiligthümer im Besitze der Katholiken ist und daß sie Gefahr laufen, alle sammt und sonders zu verlieren, wenn nicht die katholischen Mächte Europas dazwischen treten. Gegenwärtig sinv die FranciScaner in Jerusalem nur noch im Besitz der Capelle der Geiselung, einiger Heiligthümer in der Kirche des heiligen Grabes und der kleinen Kirche zum heiligen Erlöser. Die übrigen gehören theils ausschließlich den Griechen und Armeniern, theils sind sie diesen und den Katholiken gemeinsam. Kein Mittel, auch nicht daS schlechteste, wird von den Griechen unversucht gelassen, um die Katholiken zu verdrängen. Wir wollen hier zwei Thatsachen auS den Mittheilungen unseres Reisenden erwähnen. Der Ort, wo daS heilige Kreuz aufgerichtet wurde, gehört den Griechen; allein die Katholiken haben daS Recht zu religiösen Functionen daselbst. EineS TageS bei einer feierlichen Procession war von den Griechen der ganze Boden daselbst und auch der Ort, wo daS heil. Kreuz stand, mit einem rothen Teppiche bedeckt worden. Die FranciScaner, wohl wissend, daß, wenn man dieses ohne Einspruch geschehen lasse, daraus in kurzer Zeit ein Recht des ausschließlichen Besitzes werde gefolgert werden, verlangten vom anwesenden griechischen Popen Entfernung deS Teppichs und, als dieser sich weigerte, schickten sie sich an, selbst den Teppich wegzunehmen. Jetzt aber fielen die Griechen mit Dolchen über die Proceffion her, und eS entspann sich ein blutiger Kampf in den geheiligten Räumen. Mehmet-Pascha, damals Pascha von Jerusalem, der dieses unserm Reisenden auf seiner Rückkehr selbst erzählte, stellte sich nachher selbst in die Nähe des Altars und hob mit dem Säbel den Teppich weg. Ei» anderes Factum ist Folgendes: Seit einiger Zeit suchte» die Griechen sowohl an dem heiligen Grabe, als an der darüber gewölbten Kuppel einige Veränderungen anzubringen. Die FranciScaner, wohl wissend, daß dieses nur in der Ab- 3l ficht geschehe, um dadurch für die Zukunft einen neuen RcchtStitel zum alleinigen Besitz zu begründen, widersetzten sich diesem Vorhaben. Um sie nun zum Nachgeben zu zwingen, beschädigten die Griechen die Bedachung der Kuppel; der Erzähler war selbst Augenzeuge, wie von ihnen Bleiplatten von der Bedachung abgerissen wurden. ES gereicht Frankreich, welches seit Jahrhunderten eine Art Protectorat der heiligen Orte ausgeübt hat, zur Ehre, daß eS sich seiner Pflichten in der neuesten Zeit wieder erinnerte, obwohl leider, wie eS scheint, keine Hoffnung vorhanden ist, daß die Katholiken zu ihrem vollen Rechte kommen werden. Es wäre Pflicht der katholischen Mächte, vereint und »lit Ernst Schritte zur Erlangung des guten Rechtes bei der nur zu sehr vom russischen Einflüsse bestimmten Pforte zu thun. Ist ja in der neuesten Zeit noch ein neuer Feind hinzugekommen, welcher allerdings keinen An« spruch auf die Heiligthümer macht, sondern seinen Tempel auf den Fundamenten der Burg deö HerodeS, des Schlächters der unschuldigen Kinder, aufgeführt hat, der aber auf eine andere, wohl noch schlimmere Art, durch Ausstreuung von Verdächtigungen gegen die katholische Kirche und durch Entstellung ihrer Lehren, die katholische Mission am heiligen Grabe und in Palästina angreift. Wir meinen das von England und Preußen neu gegründete protestantische BiSthum. Mgr, MiSlin widmete der Würdigung der MissionSthätigkeit des gegenwärtigen protestantischen Bischofs, Herrn Gobat, ein ganzes Capitel, und führt »ach Verdienst hiebet eine scharfe Feder. Die Aussichten auf Erfolg sind allerdings für den Protestantismus, der 300 Jahre lang vergessen hatte, daß eS ein heiliges Land und heilige Orte gibt, und nun erst, wo er in seiner vollen Auflösung begriffen ist, aus der HerodeSburg in Jerusalem sich breit zu machen sucht, nicht glänzend; allein eS ist immerhin ein neuer Feind und die Kräfte der verlassenen guten FranciScaner sind ohnehin so schwach. Dieser Erzählung der äußern Bedrängnisse der katholischen Mission im heiligen Lande wollen wir noch eine solche über ihren innern Zustand anfügen. Die Mission des heiligen Landes umfaßt Palästina, Syrien, Cypern und Egvpten; sie zählt 23 Klöster und Hospitien mit 102 Priestern und 67 Laienbrüdern, mit 16 Pfarreien, 10 Schulen, 694 Schülern und mit 12,122 Katholiken. — DaS Kloster zum heiligen Erlöser in Jerusalem zählt allein 28 Priester und 32 Laienbrüder, wobei die 10 bis 12 Priester nicht gerechnet sind, welche abwechselnd Jahr auS Jahr ein zur Bewachung des heiligen Grabes in der Kirche desselben eingeschlossen sind. An der Spitze der Mission steht gegenwärtig ein Patriarch, welcher vom heiligen Stuhle im Jahre 1847 zur Unterstützung der so sehr angefeindeten und so macht- und schutzlosen Mönche nach Jerusalem geschickt wurde. ES ist über alle Maaßen demüthigend für die so große katholische Welt, auS dem Werke unseres PilgerS zu vernehmen, daß dieser zum Schutze der Rechte des heiligen Grabes abgesandte Kirchenfürst, Mgr. Valerga, so zu sagen in Armuth, nur von einer geringen Unterstützung der Propaganda lebt, daß er keine Wohnung, keinen Klerus, keine eigene Kirche, kein Seminarium hat, während die Griechen und Armenier herrliche Kirchen, die Muselmänner prachtvolle Moscheen, die Juden mehrere Synagogen, selbst der melchi- tische Patriarch nnd der protestantische Bischof eigene Kirchen besitzen. DaS Land selbst vermag nichio zur Bestreitung der großen Auslagen der Mission für Unterhalt der Priester, der Pilger, der Schulkinder — denn mit der geistigen müssen die Mönche den Kindern auch leibliche Nahrung reichen, um sie dadurch eher zum Schulbesuche anzulocken — beizutrage»; die Katholiken sind größtentheilS im ganzen Umfange der Mission sehr arm und eher unterstützungsbedürftig als unter« stützungsfähig. Zu diesen jährlichen Auslagen kommen dann noch von Zeit zu Zeit willkürliche von Seiten der türkischen Regierung auserlegte Contributionen. Ehemals mußte das Kloster von Jerusalem alkin dem dortige» Pascha eine jährliche Kontribution von circa 31,000 Franken bezahlen. In letzterer Zeit haben die Paschas diese Kontribution herabgesetzt, dafür aber treten nun die reichen Griechen mit Forderungen für Rechte auf, die sie nie gehabt, sondern nur usurpirt hatten. twN Die christliche Welt setzte einstmals für die heiligen Orte Gut und Blut ein: s k !?»«tty«L »gor«vk ' 2 '.«?AU^P-in?!»!?!- Änij Nn5M)siinF mZ».'g w»!»ltb!?!»4 cknn Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. .iw?'tt'i.jn,ik!i 7« <5nu 'üWoMchWz.)>,. ,ui '»s.'.M KZ iM« »» uuu^.'-' bk(T — .nMik'li> tz-i 5>MK ;gu<):A. m»?, ijk'Z , «s»q^,n?z? Wir wissen daß für unS der Winter nur durch eine veränderte Stellung der Erde zur Sonne, nur durch eine Aenderung an ihrer Laufbahn entsteht; eS ist dieselbe Erde, fähig, die schönsten Blumen und Blüthen, die herrlichsten Früchte hervorzubringen; eS ist dieselbe Sonne, der Quell von Licht und Wärme, sähig, überall Leben, Fröhlichkeit und Gedeihen hervorzurufen: allein eine kleine Veränderung der Laufbahn, der Stellung zur Sonne, welche Umwandlung bringt sie hervor, — wie ist nun Alles öde, kahl, erstarrt, düster, unfruchtbar! Sieh, o Mensch! darin «in Bild deines Verhältnisses zu Gott! Er ist immer derselbe, in Dir ruhen alle Anlagen, ein Engel zu werden, oder ein verworfener Geist; auf dem rechten Weg zu Gott, Äuf der richtigen Laufbahn nach Seinem Willen wird deine Seele reich werden an guten Früchten für die Ewigkeit, geschmückt mit himmlischer Schönheit; wie du aber allmälig abweichest von dieser Bahn, so eilst du unaufhaltsam dem Reich der Sünde, deS geistigen Todes zu; deine Seele wird verfinstert, kalt, unfruchtbar werden — unfähig, Früchte für die Ewigkeit hervorzubringen; sie wird erstarrt und todt seyn, Während Alles, waö auf der rechten Bahn geblieben ist, blüht, gedeiht und lieblich ist vor Gott und den Menschen! Verantwortlicher Redacteur: L> Schönchen, Verlag«-Zuhaber: F. E> Kremer.