Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PojtMung. ' !>iU°.s> tkü ^«»r'iT SAi )t'i>I' ur/ U?I'^^ 30. Januar 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementspre!« 4V kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer. Postämter nud alle Bochhaudlouge» bezogen werden kann. Eine Blume der Erinnerung auf daS Grab Sr. Eminenz des Fürstbischofs und CardinalS Melchior von Diepenbrock. Wo ist das.sterblich Auge, das tieferhellt Die Wege schaute, welche sich Gott erwählt? „Wie weit der Himmel von der Erde Sind die Gedanke» des Herrn uns ferne." Zum Staub geneiget, betet das gläub'ge Herz Heut auch den hehren Rathschluß des Ew'gen an, Indeß mit stiller Thränen Wehmuth Es Dich, Geschiedenen! heiß beweinet. Dich, Fürst der Kirche, der, wie in gold'nem Schein Weithin ein Panncr über das Kampffeld weht, Geleuchtet durch die deutschen Marken Bis an die Hügel der ew'gc» Roma! Dort schon als Deutschland, brechend des Franken Joch, Der tapfern Söhne edelsten Heerbann rief; Da zogst auch Du, der Besten Vorbild, . Kühn in den Streit noch ein zarter Jüngling. Als dann dem Manne, Dir mit dem Hirtenstab Des Glaubens Schild vertrauend die Kirche gab; Da standst — ein Gottesheld im Streite — Mächtig Du, selbst von dem Feind bewundert! Und führtest rastlos, ritterlich treuer Hort! Für Ehristi Braut des stammenden Wortes Schwert, Zumal wenn je der Lügen Rotte Fernher das Haupt zu erheben wagte. Doch zu der Stärke eintest auch Liebe Du, Lieb', wie aus Jesu Herz sie Johannes trank, Ja, was aus Glaub' und Lieb' erblühet, Liebend Du sammeltest uns zum Strauße. ktkiftftls!l!^ ^^!ttk^?^k^?Ä Du, Sailers Jünger! wie durch der Zeiten Strom Den Namen Sailers dankbar die Nachwelt wahrt: Des großen Schülers Name glänzet Mit in dem Ruhme des großen Meisters, Wir aber klagen, — sieh mit uns Kindern klagt Er selbst der hohe Vater der Christenheit —, Der in dem Purpur den geliebten Sohn an die Seite des Throns sich stellte. Nun ruhst vom Streite; den amarant'nen Kranz Des Sieges reichet treue Dein Heiland Dir O trock'ne Deiner Waisen Kirche Thränen durch dein Gebet — Verklärter! Regensburg, 24. Jan. 1853. I. B. TafrathShofer. Pater Antontewiez. (Schles. K. Bl.) Der ausgezeichnete Man», dessen Verlust nicht bloß der Orden der Gesellschaft Jesu tief zu beklagen hat, der schmerzlich empfunden wird von Allen, die jemals Gelegenheit halten, nie interessante und erquickende Bekanntschaft dieses nickt gewöhnliche» PrieKerS zu machen, würde verdienen in unserm Blatte ein Denkmal der Liebe zu erhalten, auch wenn er nicht in dem letzten Jahre seines LebenS durch seine apostolische Thätigkeit in den polnischen Missionen Oberschlesiens in besondere, heilige Beziehung zu unserm Lande getreten wäre und in den Herzen von Tausenden ein segensreiches Andenken hinterlassen hätte. Nm so mehr ist es unsere Pflicht, diesen Kranz der Erinnerung, den auf unsere Bitte eine liebende, hochachtbare Hand gewunden hat, auf dem Grabe d'es selig Eulschlafenen niederzulegen, dessen die Welt nicht werth war, und den deßhalb der Herr, welcher der irdischen Wirksamkeit auch der Besten nicht bedarf, so frühzeitig zu sich genommen. Pater Carl BorromäuS Antoniewicz wurde 1807 zu Skwarzew in Galizien geboren, und stammte aus einer reichen, adelichen armenischen Familie, in welcher die liefste Religiosität herrschte. Nachdem er frühzeitig seinen Vater verloren, wendete die Mutter ihre ganze Sorgfalt auf seine Erziehung. Er sprach nie ohne die größte Rührung von seiner Mutter. „Ich liebte sie mehr als daS Leben," sagte er, denn ich verdankte ihr mehr als daS sterbliche Leben; sie lehrte mich jenes Leben deS Glaubens, der Hoffnung und der Liebe kennen, ohne welches unser Erdcndasevn nur eine Kette von Widersprüchen, ein Kampf ohne Sieg, ein Leiden ohne Verdienst wäre." Unter Ueberwachung eines solchen MutterherzenS vollendete er seine Studien auf dem Gymnasium zu Leopol und trat darauf mit 23 Jahren in den Militärdienst ein. Der unglückliche AuSgang des polnischen Krieges 1331 führte ihn inS Privatleben zurück. 1823 heiralhete er seine Cousine Sophie Nilkarowicz, gleich ausgezeichnet durch Schönheit wie durch Frömmigkeit. Es war dieß eine wahrhaft christliche Ehe! Die heilige Liebe dieses edlen Paares kannte keine Gränzen; im Besitz eines großen Reichthums, verwendete es denselben gänzlich im Dienste des Nächsten. Richt allein ihr Geld, auch ihre Zeit und ihre Sorge brachten sie der Armuth und dem Elend zum Opfer; ihr Schloß wurde zum Hospital, in welchem sie dem Herrn in seinen dürftigsten Brüdern dienten. Zu der Freude, die ihnen zu Th'eil ward, gesellte sich aber auch daS Leid. Fünf Kinder wurden, in kurzen Zwischenräumeu, zu Grabe getragen. Am Tode des letzten KindeS glaubten sie zu erkennen, daß der Wille GotteS sie zu einem noch vollkommnere» Leben berufe und sie beschlossen, sich zu trennen und den Rest deS Lebens dem Dienste GotteS zu weihe». Die 24jährige 35 Gemahlin bat um Ausnahme bei den Schwestern dcö heiligen Vincenz von Paul. Sie erkrankte vor ihrer Aufnahme, legte auf ihrem Sterbebette die Gelübde ab und ward im Ordenskleide begraben. Nachdem seine Mutter in das Kloster der Benedic« tinerinnen zu Leopol sich zurückgezogen, wo sie heiligmäßig ihr Leben schloß, ordnete Antoniewicz seine Angelegenheiten, vertheilte seine Güter, entzog sich der Trauer und den Thränen seiner zahlreichen Dienerschaft nnd trat in die Gesellschaft Jesu, in welcher er aus Demuth nnr Laienbruder seyn wollte. Seine Obern erkannten aber die Talente dieser so edlen und demüthigen Seele und trafen andere Bestimmung. Man verkürzte sogar die Zeit seines Noviziats', um seiner alten Mutter noch die Freude zu bereiten, den priefterlichen Segen ihres SohueS zu empfange». Der Herr hatte eS anders beschlossen; sie starb kurz vor seiner Weihe. Im Jahre 1844 begann Pater Carl seine apostolische Laufbahn. AIS im Jahre 1846 Galizien der Schauplatz schrecklicher Verwüstung wurde und das Blut in Strömen floß, und cntsesseltc, rachgierige Mörderbanden überall Opfer suchten, erhob sich in dem Gräucl eine Stimme, die Einheit gebot. Gliever der Gesellschaft Jesu, an ihrer Spitze Pater Antoniewicz, traten unter die Mörder, sprachen zu ihnen von dem ewigen Richter, von ihren Verbrechen und von der Bnße. Anfangs ist die Stimmung nicht günstig; man bedroht, man insultirt die Friedensboten; niemand will ihnen einen Zufluchtsort, ein Stück Brod geben. Sie ziehen sich in die Wälder zurück, und Pater Antoniewicz wirft sich in einer verödeten Capclle zum Gebet nieder. Bald sammeln sich die Kinder der nächsten Dörfer um ihn; er unterrichtet sie. Nach und nach sammeln sich immer größere Massen; man hört mit Stillschweigen sein Wort, das zugleich so mild und so erschütternd, und allgemach erwacht das Gewissen, nnd dieß irregeführte und gemißbrauchte Volk stürzt mit Reucthränen zu den Füßen des Priesters nieder und flehet zu ihm um Versöhnung mit Gott. — Ein volles Jahr durchwandert er Stätte und Dörfer und sein Wort bändigt die Leidenschaften, und die Rede führt die Ruhe und den Frieden in die Seelen zurück. Vom Morgen bis in die Nacht sind die Beichtstühle belagert. — AIS 1848 die Jesuiten vertrieben wurden, folgt Pater Antoniewicz seinen Brüdern in die Verbannung. Er herbcrgt zuerst in Krakau, predigt, hört Beichte, tröstet und hilft wo und wie er kann und daS Volk bängt mit inniger Liebe an ihm. Die Regierung, beunruhigt durch seinen Einfluß, verweist ihn deS Landes. Auf den Wunsch des Fürstbischofs von Breslau hält er 1851 mit seinen Brüdern Missionen in Oberschlcsien, ruft ihn der Crzbischof von Posen zu gleichem Zweck mit seinen unermüdlichen Brüdern nach dem Großhcrzogthum. Sie wollen eben am vierten Orte die Mission beginnen, als die Cholera hindernd entgegen tritt. Beim Anblick dieser schrecklichen Seuche nimmt vie Liebe dieser apostolischen Männer einen neuen Aufschwung. Tag und Nacht weilen sie an den Lagerstätten der Sterbenden und gönnen sich nicht Rast noch Ruhe; sie sind überall, wo die Epidemie am heftigsten wüthet und die Liebe GotteS und des Nächsten verdoppelt ihre Kräfte. Innerhalb zehn Tagen hatte Pater Antoniewicz, von einem Laienbruder unterstützt, mehr denn 200 Cholcrakrankc zum Tode vorbereite!. — Endlich scheint die Krankheit nachzulassen und Pater Antoniewicz begibt sich zur Ordnung einiger An- gelegenheiten nach Krakau, wird aber, kaum angelangt, auS der Stadr gewicscu. Tief ergriffen durch diese neue Ungerechtigkeit, aber seinen Verfolgern von Herzen verzeihend, und Gott dankend für das neue Kreuz, kehrt er nach dem Großherzog, thum zurück, um daS Kloster Obra in Besitz zu nehmen, daS der Erzbischos dem Orden zugewiesen. Am 5. November kam er an, beschäftigte sich mit Anordnungen, machte am 6. den OrtSbehörden seinen Besuch, predigte am 7. und hörte Beichte. Am 8. November bemerken seine Brüder, daß er selbst sehr leidend und bewegen ihn, daS Bett zu ') Bevor Pater Antoniewicz nach Obra ging, weilte er nach mehreren früheren Anwesenheiten da« letzte Mal einige Tage in Brcslan, Auf öfteres Andringen, doch noch einige Zeit hier z» bleiben , erwiderte er: Nein, nein; man hat mir geschrieben, daß die Cholera wieder stärker auftrete; ich muß bald hin. 3« hüten; am Abend desselben TagcS zeigen sich die Symptome der Krankheit. Pater Antoniewicz hatte oft von seinem nahen Tode gesprochen, cr sehnte sich nach der Auflösung; als er gewahrte, daß die Cholera ihn ergriffen, zweifelte er nicht mehr, daß seine letzte Stunde gekommen. Er redete seine um ihn versammelten Brüder an: „Meine lieben Brüder, ich werde sterben. Seit den vier Jahren der Verbannung haben wir mit einander gearbeitet, sind durch so viele und so verschiedene Orte gewandert. Ich flehte immer zu Gott um die Gnade, in einem Hause des OrdenS, in Mitte meiner Brüder zu sterben. Und sehet! kaum habe ich die Schwelle dieses Hauses überschritten, kaum wir uns hier durch Gottes unendliche Barmherzigkeit versammelt, da ruft mich der Herr, der Tod nahet. Uebergebct mich in meinem OrdenSkleive der Erde." Darauf verlangt er, mit seinem Beichtvater allein zu bleiben. Nach der Beichte versammelten sich seine Brüder wieder um ihn, und er sprach längere Zeit zu ihnen, gab ihnen Belehrung und Rath. Alsdann nahm er seinen treuen Begleiter, fein einziges Kleinod — sein MissionSkreuz in seine Hände, bedeckte eS mit Küssen undsprach: „Ich müßte den Tod fürchten, aber, o mein JesuS, du bist so gut, daß mich die Furcht nicht anwandeln will." Nach einer Pause sprach er von Neuem: „Mein Gott! du gibst mir armen, elenden Sünder einen so sanften Tod in einem Kloster; ich erkranke, und sieh! so viele Brüder bei mir, und daS arme Volk muß so ganz verlassen sterben," und Thränen des Dankes für sich und Thränen deS Mitleids für daS Volk, daö er so sehr liebte, rollten über seine Wangen. — Dieß war daS letzte Mal, daß er vor seinem Tode sprach, da er die Thränen seiner Brüder gewahrte und ihren tiefen Schmerz nicht vermehren wollte. Unter den heftigsten Schmerzen vernahm man keine Klage aus seinem Munde; ruhig, sanft und von engelgleicher Heiterkeit, suchte cr die Freude in alle Herzen zurückzuführen. Am dritten Tage seiner Krankheit erklärte der Arzt, daß ihm kein Mittel mehr zu Gebote stehe, und er fügte bei: „daS Leben, welches wir noch wahrnehmen, liegt nicht mehr in den Kräfte» des Körpers, eS ist nur Seclcnthätigkeit; noch nie ist mir eine solche Geisteskraft vorgekommen." Nach und nach versenkte sich diese große Seele in ihren Gott. Er bewahrte seine Geistesgegenwart bis zum letzten Augenblicke und wiederholte am öftesten die Worte der Schrift: „Jesu! du Sohn Davids, erbarme dich meiner." Am 14. November, einem Sonntage, an welchem daS Fest deS heiligen StaniSlauS KoSkä gefeiert wird, empfing er früh Morgens die heilige Communion; die letzte Oelung war ihm bereits früher ertheilt worden. An diesem Tage konnte er nicht mehr sprechen; seine letzten Worte waren: „Jesu! Sohn Davids, erbarme dich meiner." Gegen 5'/z Uhr Nachmittags, als seine um daS Bett knicenden Brüder laut beteten: „JesuS, Maria, Joseph, in eure Hände empfehle ich meine Seele," machte er eine letzte Anstrengung, diese heiligen Namen auSzusprechen, und seine Seele kehrte zu ihrem Schöpfer zurück. Sein entseelter Körper bewahrte den Ausdruck der Ruhe und Milde, der ihm stetS eigen gewesen; mit dem OrdcnSkleidc angethan ward er in einem Saale deS Klosters ausgestellt und am 17. November in der Gruft der Kirche beigesetzt. Nur wenige Personen konnten bei dem Begräbnis; gegenwärtig seyn, da damals die Krankheit überaus heftig wüthete. — Lujus me- moris in tioneclietione ori't! Herr! gib ihm die ewige Ruhe und daS ewige Licht leuchte ihm! 5) Bekehrung eines protestantischen Bischofs. New-York. Bevor dieser Brief zu Ihnen gelangt, wird daS katholische Europa ohne Zweifel schon erfahren haben, daß der protestantische Bischof von Nord- Carolina in den Vereinigten Staaten Dr. JvcS, der augenblicklich sich schon in Rom befinden muß, seinen Irrthum in die Hände unsers heil. Vaters abgeschworen ') Die von dein Verstorbenen im Jahre t85t abgehaltenen Missionen sind unter dein Titel: „Missionserinnerungcn", aus dem Polnischen von A. Schwarzmann übersetzt, bei G, P, Aderholz in Bre«lau erschienen. 37 hat. Dr. JveS ist schon seit dem Oktober katholisch, der Erzbischof von New- York hat ihn in den Schooß der katholischen Kirche aufgenommen; aber der ehrwürdige Bekehrte wollte seine Wiedervereinigung mit der Kirche geheim gehalten wissen, um dem heiligen Vater die Tröstung zu bereiten, ihn öffentlich in die Zahl seiner Kinder aufzunehmen. Bevor 0r. Jves sich »ach Europa einschiffte, setzte er seine Abschwörung und sein neues Glaubensbekenntnis? schriftlich auf und ließ dieses Schriftstück dem Erz« bischof von New-York zurück, damit letzterer dasselbe veröffentliche, wett» dem Reisenden während seiner Ueberfahrt etwa ein Uuglück zustoßen sollte. Die schriftliche Erklärung sollte zum Beweise diene», daß der ehemalige protestantische Bischof sich in seinem Vaterlande seiner vollen geistigen Freiheit erfreut habe, indem er sich zu dem wichtigen Schritte deS GlaubenSwechselS entschloß, um seinem Gewissen de» Frieden zu geben. Die protestantische Welt wird nicht verfehle», um te» Einfluß eines für sie so harten Schlages zu vermeiden, die Behauptungen ausznsteUen, Dr. JveS sey krank, zu Rom von den Verführungen des päpstlichen Hofes umgarnt und von dem Glänze deS katholischen Kultus geblendet. Aber ei» Blick auf die Zeit, welche seiner Bekehrung voranging, macht diese treulosen Verdächtigungen zn nichte, und außerdem ist die Verzichtleistung auf eine sehr einträgliche Pfründe der schlagendste Beweis von der reine» Aufrichtigkeit u»d Unabhängigkeil deS neuen Katholiken. ES ist sonderbar, daß »r. JveS zur Stunde noch als der rechtmäßige protestantische Bischof von Nord-Carolina gelten muß. Seit der vorgeblichen Reformation im löten Jahrhundert ist Dr. JveS der einzige und erste prolestantiscke Bischos, der während seiner Amtsverwallung zur alten Wahrheit zurückkehrte. Die protestantischen Bischöse Amerikas haben noch keine Maaßregel» gelroffe», um die Stelle dessen wieder zu besetzen, der ihre Gemeinschaft verlassen. Sie hoffen immer noch, daß das Gerücht von seiner Bekehrung sich als unbegründet erweisen werde, denn schon mehrere Male war es, aber zu früh, in,den Vereinigten Staaten verbreitet gewesen. Dr. JveS ist fünfzig Jahre alt und genoß in seiner Gemeinschasl einer sehr großen Achtung, die ihm sowohl durch seine tiefen theologischen Kenntnisse, als auch durch seinen musterhaften sittlichen Wandel verschafft wurde. Er war das Haupt der puscyistische» Partei i» Nordamerika, und als solches seit zehn Jahren unablässig bemüht, die Gläubigen der anglikanische» Kirche den Lehren und Gebräuchen der katholischen Kirche näher zu bringen. Er hatte eine Art von Kloster gegründet, welches er „Thal deö Kreuzes" nannte unv bereitete dort junge Männer für den geistlichen Stand; er empfahl diesen insbesondere die Beicht und den «Zölibat. Dieses Seminar wurde eine wahre Pflanzschule katholischer Priester; mehrere Jünglinge deS I)r. JveS sind bereits zur Kirche zurückgekehrt, andere bereite» sich schon zum Empfang der heiligen Weihe». Daraus kau» man ermessen, welchen Einfluß auf vie Bewohner jenes Klosters ver Entschluß seines hochherzigen Gründers hervorbringen wird. Als vr. JveS noch Protestant und Bischof war, beichtete «r regelmäßig jeden Monat und sein Beichtvater war Dr. ForbeS, der seitdem auch schon katholischer Priester geworden ist. Vo» ihm habe ich Jhne» geschrieben im Juni, bei Gelegenheit der Einweihung der St. Annenkirche zu New-York, dieses ehemaligen protestantischen Tempels, den die Katholiken gekauft haben, und dessen Geistlichkeit ausschließlich aus bekehrten anglikanischen Geistlichen besteht. So vielfache Neuerungen mußten nothwendig die preSbyterianische Partei der Anglikaner in Aufregung bringen. Im Mai 1851 wurde eine Versammlung gehalten, um JveS abzusetzen. Allein eine Erklärung, die er abgab, besänftigte seine Gegner wiever, und so blieb er auf seinem Posten. Er suhr indeß fort, den strengen Protestanten zum Aergerniß zu seyn, durch die mehr und mehr romanistischen Tendenzen, welche sich in seinen beredten Erlassen und in seine» oberhirtlichen Erlasse» voll Salbung und Liebe kund gaben. Der Einfluß deS alte» Bischofs auf seine ReligionSgenossen war groß und man kann daraus kühn schließen, daß durch seine Bekehrung in der anglikanischen 38 Kirche seiner Diöcese eine große Bewegung zu Gunsten des katholischen Glaubens entstehen wird. Dr. JveS ist verheirathet; seine Frau aber will ihm in die katholische Kirche noch nicht folgen. Sie hat ihn indeß nach Rom begleitet und wir hoffen, daß die Gebete ver Gläubigen ihr Herz der Wahrheit öffnen werden. Zwei andere protestantische Damen haben ebenfalls die Reise mitgemacht, diese aber eilen zu dem Mittelpuncte der katholischen Einheit, um in Gemeinschaft mit ihrem ehemaligen Bischöfe ihre Irrthümer abzuschwören. Solche Thatsachen bezeugen, daß die rückläufige Bewegung der anglikanischen Kirche zur katholischen in Amerika zum mindesten eben so weit vorangeschritten ist wie in England. Wir für unsere Person sind der Ansicht, daß daS Werk der Wiedervereinigung in Amerika noch günstiger steht wie in England. Unter den 32 protestantischen Bischösen in den Vereinigten Staaten bekennen sich 9 offen zu den pusevistischen Lehren, und in England ist es der einzige Bischof von Ereter, der sich bemüht, seinen Klerus in katholischem Sinne zu reformiren. In Amerika hat die Corporalion der Bischöfe bei der Ernennung neuer Würdenträger die Hälfte der Stimmen, und ist so im Stande, die rationalistischen und preSbyterianischen Tendenzen der Laien zu bekämpfen, während in England die politische sich bei Ernennung der Bischöfe gar nicht um ihre Orthodoxie kümmert. Wir hoffen also, daß das Beispiel deS Dr. JveS zahlreiche Nachahmer finden wird, wenn auch nicht unter seinen ihm gleichstehenden Kollegen, welche allzureiche Interessen auf den Wegen des Irrthums festhalten, doch aber unter den zahlreichen Geistlichen, welche stets ihrem Bischöfe folgten und auö der Menge der Gläubigen, welche er durch seinen Eifer erbaute und durch seine Belehrungen leitete. (Wests. Kbl.) Einige Züge katholischen HauSvraucheS, wie sie sich vorzugsweise noch ans dem Lande vorfinden. Aus einer im Wiener Central-Severinusverein von Coopcrator Hrn. Chr. Schüller gehaltenen (und im Oest. V.-Fr. abgedruckten) Rede. (Schluß.) Da hat sich am Leben Christi und der Heiligen ein anderes Geschlecht gespiegelt; da ist man feierlich, wenn der heilige Friede herniederweht, und der weht, wenn man ein im Geiste Christi geschriebenes Buch lieSt; da ist man gerührt, wenn die heilige Freude sich daran entzündet, und Kindheit und Jugend, und Mann und Weib, und Vater und Mutter haben darin Muster und körnige Nahrung gefunden. Nicht am Baume der Dichtung sind diese Früchte des katholischen Lebens gereift, sondern am Baume deS LcbcnS, zu dem sich das Reis auS der Wurzel Jessc ausgewachsen Hai in seinen Nachbildern, den Heiligen. Von da auS wehte der Geist, und seine Lebenslust hat man eingeathmet, und cS blühte Kindersinn, zarte Frömmigkeit, Schamhaftigkeit, ungeheuchelte Demuth und Ernst. — Im Leben der Heiligen herrschte von jeher der beste HauSbrauch. Mögen Sie mir noch gestatten, auf ein besonderes Beispiel hinzuweisen, an welchem sich der Gegensatz veranschaulicht. Ich weiß mich zu erinnern, in einem solchen alten Legendenbuche, in welchen die Frömmigkeit nicht ohne zarte Poesie ist, ein Muster weiblicher Tugendschönheit gefunden zu haben, welches „die fromme Gri- seldiS" überschrieben war. Daraus nun hat auch der Theaterdichter seinen Stoff genommen. Aber wo in aller Welt wäre eS ihm möglich gewesen, die Tugend in GriseldiS schließlich zum Triumphe zu führen, wie sie in der Legende triumphirt, wo der Gatte beschämt dasteht, und die Gemahlin großmüthig um deS Herrn willen ihm verzeiht?! Der Dichter mußte mit der gemeinsten, armseligsten Hoffart kokettiren; er mußte die Leidenschaft, die unchristliche, abfüttern, oder sie erregen, wo sie nicht 39 vorhanden ist, und hat eS nicht merken wolle», wie der unverdorbene Geschmack mit Aerger erfüllt wird, wenn er ein Kunstgebilde vor sich entstehen sieht, herrlich und schmelzend in seinen Formen von unten auf, dem aber zuletzt die Stirne zu kurz wird, dem Hörnchen daraus hervorkeimen, dessen Ohren sich zuspitzen, und dessen Haar, wie daS der Eumeniden, sich unheimlich schlangelt. Oder wollen Sie dieses Mephistogesicht lieber dem Dichter lassen, so nennen wir das Stück eine Meernymphe, die in einen häßlichen Schwanz sich endet. Sie sehen, wie aus zwei verschiedenen Quellen verschiedenes Wasser fließt und eine verschiedene Luft weht. Sie sehen auch, wie der moderne Ton sich abhebt von katholischer Sitte; gerade wie ein Mephisto von einem verklärte» Heiligengestchte, wie falsche Theater- Charaktere vom körnigen Leben, wie ein moderner Städter in einer kerngesunde» christlichen Familie von deren Gliedern sich abhebt, zur Zeit, wo selbe sich zum Gebete anschickt mit andächtigem Kreuze, währenv jener, wie Kolping sagt, halb verlege», halb vornehm, ein großes Fragezeichen vor sich in die Luft zeichnet. Wollte Gott, daß, wie unS daS Land sonst gemüthlich anspricht, und wir zur Erheiterung und zur Befestigung der Gesundheit auf dasselbe gehen, uns auch die einzelnen Züge katholischen LebenS und Brauches von dort recht ansprechen, und wir unS derselben erfreuen möchten, als einer körnigen und gesunden Kost, mehr als deS witzig und heiter seyn sollenden Genres der Frivolität und deS wie eine Gassendirne herumschlendernden ChristianiSmuS vaguS (deS modernen Christenthums)! Wenn dieser Lumpaci VagabunduS an Ihre Wohnungen klopft, und zwar per- sonifizirt, und etwa gar einer Ihrer Töchter Visit- und Verlobungsanträge machen möchte, dann mnstern sie ihn nur von den Füßen bis zum Kopfe, und sagen Sie ihm, waS ich ein festes Landmädchcn zu solch einem Galcinlhomme aus der Stadt sagen hörte: „Sie, mit ihrem Ströhernen (Strohhut)! da — brennen Sie ab, und mir scheint, Sie sind nicht assekurirt." Wenn nur der moderne Ton überall abbrennen möchte; Assekuranz hat er ja keine. Lassen Sie ihn nur abbrennen; vielleicht verzweifelt er an sich, und bessert sich. Den katholischen HauSbrauch aber in Gebet und Segnungen insbesonderS müssen wir dadurch assekurire», daß wir in unsern Häusern daS Leben Jesu und der Heiligen als lebendige HauSpostillc aus den HauS- altar legen, überhaupt für eine christliche Lertüre sorgen, und cS am Commentare deS Lebens nicht fehlen lassen. Es wäre auch gar nicht übel, wenn die Eltern ganz bedeutungsvoll als christliches Heirathsgut der sich bildenden Filiale eine kleine katholische Bibliothek mitgeben möchten, deren FunduS auS dem Leben Jesn und der Heiligen, aus einem gute» Hausbuche, auch Katechismus u. dgl. bestehen würde. Sie sehen, wie eS möglich ist, daß die angeführten Züge katholischen LebenS nicht lauter Ceremonie seyen, sondern daß wirklich der heilige Geist, der Leiter und Bildner alles geistigen LebenS, auch in der christlichen Familie und ihrem Brauche zum Durchbruche und zur Gestaltung komme. Sie wissen auö Erfahrung und auS der Natur der Sache, daß daS Weib vorzugsweise zur Pflege häuslicher Sitte berufen ist. Auch die Zeit der Aufklärung schien die sociale Stellung deS weiblichen Geschlechtes und dessen Einfluß auf daS Wohl der Gesellschaft zu erkennen. Man kam der gedeihlichen Entwicklung desselben auf dem Felde der Literatur helfend entgegen. Man schrieb Bücher für Jungfrauen im Brautstände, für Mütter, für Frauen und für daS Weib dem Manne gegenüber. Wir kenne» die Eremplare nicht, die sich nach ^dieser Weisheit gebildet; wir sind aber doch der Ueberzeugung, daß alle zusammengenommen nicht Ein eremplarischeS Muster auch nur in Einer dieser vier Eigenschaften werden ausweisen könne», wenn ihnen keine andere als diese Hilfe kam. Wo aber der katholische HauSbrauch herrscht, wo der Odem Christi und der Heiligen weht, wo daS HauS Nachbild nach der Kirche Musterbild ist, da lebt in Einer Person Geliebte, Mutter, Frau und Weib. Möge daS Weib vorzüglich seine Auf- gäbe, christliche Sitte zu wahren und zu pflegen, nie vergessen! Der Herr selber hat ihr diese schöne Aufgabe übertragen in den Worten: „DaS Himmelreich ist einem Sauerteige gleich, den ein Weib nimmt, und ihn unter drei Theile Mehles mischt, 4V bis eS ganz durchsäuert ist." Diese drei Theile sind füglich der Mann, die Kinder und das Gesinde, und in jecem Einzelnen: der Wille, die Vernunft und daS Gemüth. Möge auch Niemand sagen, daß wir der blvßen Form das Wort geredet haben, und nicht sich berufen auf die Ausrede: An Formen hängt nickt immer das Wesen. DiS Letztere kann ohne die Erscheinung auch nicht seyn. Die Seele hat ihren Leib, und der katholische Geist hat den katholischen HauSbrauch zu seinem Körper; an diesem haftet er, wie die Gnade an der Materie des SacramenteS. Darum, eS lebe der katholische HauSbrauch! - - Gelobt sey JesuS Christus! Christliche Lesefrüchte und Betrachtungen eines Laien. (Fortsetzung.) 27. Die Vergänglichkeit und wahrhaftig spurlos vorübergehende Nichtigkeit der weltlichen Gaben und Freuden (so daß unS oft nicht einmal für die Erin neru n g daran noch Kraft und Sinn verbleibt) wird von zweierlei Menschen am tiefsten und schmerzlichsten empfunden, von den geistigen und von den rein weltlichen; die Geistigen gelangen dahin, geführt vom Geist GotteS und auf ihrem Dornenpfad zum Ziel der Heiligung; Gott will sie durch die Empfindung dieses Gegensatzes so recht lüstern, so recht sehnsüchtig machen nach Seinem Reich; — die rein Weltlichen aber empfinden diesen Gegensatz ohne jenen göttlichen Zug und Trost; auf ihrem Rosen Pfad zeigt ihnen die betrügerische Welt daS hohle, grinsende Bild ihrer völligen Nichtigkeit; sie fühlen sie und verachten sie, und doch haben die Armen dafür keinen Ersatz in Aussicht; sie sehen Gott weder in sich noch außer sich; und so führt sie der Ekel am Weltliche» nicht zum Trost, nicht zum Göttliche», souderu zu», Weltschmerz, zur Trostlosigkeit ohne Aussicht auf Erlösung hinaus; der Weltschmerz führt in eine Wüste, der Gotteöschmerz der innigen, geprüften Seelen führt in ein ParadieS; von beiderlei Art der Trostlosen kann man mit Thomas von Kempiö (B. III., Kap. 51, I) sagen: „So lange du deinen sterblichen Leib herumträgst, „fühlest du Uebcrdruß und Beklemmung deS HcrzenS." Aber welcher Unterschied des WegeS und Zieles bei Beiden! 38. ''-:?l.7n7^jj!-m^,^I<.j!^E, ',Wl' Wenn ich Dich, o Herr! anflehe, Dich meiner zu erbarmen, der ich doch keine Erbarmung verdiene, so willst Du, indem Du mir willfahrest, doch nur Deine eigene Verherrlichung. Du bedarfst aber keines Zuwachses der Glorie und Verherrlichung, und indem Du Dich gleichwohl In mir, eine^m elenden und unwürdigen Geschöpfe, verherrlichest, thust Du eS, damit meine arme Seele erbaut und errettet werde, oder daß sich die Seelen Anderer an mir oder durch mich erbauen und heiligen. M ---»MM S^z j^nUiiA ,'.Ivi,H'»i5 iM, -HNmiMsM ?^ i-sZ -iZ chllZH- H! M Wenn Derjenige der Unglücklichste ist, der den größten Verlust erlitt, so ist gewiß Maria, die ihren allerheiligsten, allerliebsten Sohn verlor, die Unglücklichste gewesen. Und wenn Derjenige der Edelste ist, der für Jenen, welcher ihm sein Theuerstes entriß, noch eifrig und unablässig fürbittet, so ist gewiß Maria, die unablässig für u»S fürbittet, die Edelste aller Erschaffenen, daS Abbild der unbegreifliche« Liebe des VaterS, der uns, Seinen schwersten Beleidigern, den eingebornen Sohn hingab, deS Sohnes, der für unS litt und starb und ungeachtet unserer fortwährenden und schweren Versündigungen in unbegreiflicher Barmherzigkeit stetShi» für unS Sich dem Vater aufopfert und für unS elende Sünder fürbittet. mun» iji chinkwwi'K' tzvW n-? ni n,c.innsöS. »örkluK 5nSM -ÄZi i ,-!, Berautwortli'cher Redacteur: L. Schöncheu, Verlags-Juhaber: F. Krem er.