Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. l»Ä ÄllÄ jiZllA^Ä l^Nt» Z^NUtÄ^^?^ DVtl^ chls Hl)^ ljtiu ,ili^l ln^j lZ. Februar 7. !85?. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der haldjähriqe Ab»nnement«prel» TV kr., wofür e» durch alle könlgl. ba>,er. Pvstämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Fräulein Aloisia Pisani auS dem Institute der englischen Fräulein in Burghanscn in Bayern, an Herrn Hofcaplan Mnller, Geschäftsführer des MissionsvercinS, (Schluß.) Am 16. Oktober verließen wir Alerandrien auf einem kleinen Dampfschiffe, daS unS den Nilcanal hinunter führte. Derselbe ist ziemlich breit und so lang, daß wir auch mit einem Dampfboot von früh acht Uhr bis Abends fünf Uhr zu fahren hatten. Seine Ufer sind Anfangs schön, da die herrliche Dattelpalme sie üppig ziert, später aber werden sie öle und einförmig. WaS besonders die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind die Wohnungen dieser Wilde», die man beinahe mit großen Maul- wurfShügeln vergleichen könnte, auS Koth und Lehm gebildet, vorn mit einem Loch, um hineinzukriechen, ohne Fenster oder andere Ocffnuug. Die Leute selbst sind äußerst schmutzig, von dunkelbrauner Farbe, entweder halb oder ganz unbekleidet, und gewöhnlich sehr lange, hagere Gestalten. Gegen fünf Uhr kamen wir auf deu Nil, ein schöner, majestätischer Strom, breiter als unser deutscher Rhein, doch mit trübe»!, schmutzigem Gewässer. Hier nahm uns ein anderes, größeres Dampfschiff auf. Wir träfe» da auch einige Türkinnen in ihrer sonderbaren Tracht, mit weiten, falligen Beinkleidern, einer reichen Tunika, einem zierlichen Tnrba» oder Diadem, und reich an Perlen und Geschmeiden. Sie saßen den ganzen Tag in einem Zimmer abgeschlossen auf ihrem Divan, nach ihrer gewöhnlichen Weise. Mit einer ander» Fran genieinen Standes machte man aber »icht so viele Complimenle, sondern um sie in Verwahr zu halten, öffnete man auf dem Verdeck ein Loch und ließ die Arme hinunter. Hier mußte sie den ganzen Tag im Finstern bleiben, Mittags und Abends gab man ihr das Esse» hinunter, und schloß wieder deu Deckel ober ihr. O heilige Religion, o Glaube, o Christenthum! wie roh und grausam ist der Mann! wie arm und unglücklich das Weib ohne dich! Die Gegend bietet hier wenig Interessantes, nur hie und da sieht man Felder von Zuckerrohr und einige Getreidarten. Endlich bei der Annäherung von Cairo sieht man in der Ferne die Weltwunder — die berühmten Pyramiden. Es sind drei, nicht ferne von einander, die letzte etwas niederer als die übrigen. Da ich sie aber nicht in der Nähe gesehen habe, kann ich davon nichts weiter erzählen. Cairo hat eben nicht viel Anziehendes, wenigstens in den Stadttheilen, die wir durchfahren haben. ES hat.sehr enge, schmutzige Gassen, schlechte Häuser und noch erbärmlichere Kaufläden. Der europäische Theil sieht wohl etwas besser aus, doch von schönen Gebäu- den habe ich nichts gesehen. Wir fuhren sogleich in daö Kloster der guten Hirtinnen, die unS sehr gastfreundlich aufnahmen. Sie haben hier die Schulen zu versehen, und sind etwa zehn Schwestern, darunter auch eine Deutsche. Auch einen deutschen Priester, einen FranclScaner, haben wir hier getroffen, dem wir unsere Beicht ablegten, waS für Schwester Augusta ein großer Trost war, da sie sich mit der englischen Sprache noch wenig befreundet hat. Am andern Tage fuhr unser hochwürdigster Bischof mit unS in daS hl. HauS, wo, der Tradition nach, die heilige/Familie während ihres Aufenthaltes in Egypten gewohnt hat, und das sich etwa Kne Stunde außerhalb Cairo befindet. ES sind da mehrere alte, fremdartige Gebäude, wir mußten mehrere Höfe und Winkel durchwandern, kamen auch in eine koptische Kirche, die ein zu sonderbares Aussehen hatte, als daß ich sie genau beschreiben könnte, und endlich in die heilige Stätte. Ueber derselben ist durch die fromme Kaiserin Helena eine Kirche erbaut, von der ich aber auch keine treffende Beschreibung geben kann, denn niemals habe ich eine ähnliche gesehen. In der Mitte derselben zieht sich ein hohes Gitter quer durch, innerhalb welchem aus der Seite eine Treppe hinabführt. Durch dasselbe gelangten wir in die eigentliche heil. Wohnung, e6 ist ein kleines enges Gewölbe, nach Art einer Capelle, an beiden Seiten mit niedern Säulen versehen, oben in der Mitte ein großer Altarstein. Hier bat die heilige Jungfrau mit ihrem göttlichen Kinde gewohnt, hier in dieser engen Grotte hat der menschgewordene Gott seine ersten Jahre verlebt, seine ersten Schritte gethan, seine ersten Werke zu unserm Heile verrichtet. Welche Gefühle von Andacht und Ehrfurcht flößt dieser Gedanke einem gläubigen Herzen ein! Von heiligem Schauer durchdrungen knieten wir unS da nieder, und beteten die Litanei zu jener erhabenen Jungfrau und Mutter, die hier so lange Zeit Gottes und ihren Sohn genährt und gepflegt. Leider ist diese Kirche in schismatischen Händen, und den Katholiken nur erlaubt, dort Messe zu lese«. Von da auS fuhren wir auf die Zitadelle, von wo auö man eine schone Aussicht über Cairo und die Umgebung hat. Hier wurde eben eine neue Moschee gebaut. Da sie noch unvollendet ist, durften auch unsere unheiligen Füße sie noch betreten. Schade, daß es kein christlicher Tempel ist, er würde für jede Hauptstadt eine Zierde seyn, so viel Gold und Marmor ist daran verschwendet. Nach 3tägigem Aufenthalte brachen wir endlich wieder auf, um unsere Reise durch die Wüste anzutreten. Abends sieben Uhr stiegen wir beim Fackelscheine in eine Art von Eilwagen, worin sechs Personen gut sitzen können. Da sie aber nur auf zwei große Räder gebaut sind, so ist das Fuhrwerk wirklich Lungen- und Lebererschütternd, und man muß sich wohl hüten, irgendwo anzulehnen, wenn man nicht Beulen davon trugen will. In diesen Reisekästen durchzogen wir also eine Nacht und einen halben Tag die Wüste. Die Reise ging ziemlich schnell, da wir vier Pferde hatten, die alle zwei Stunden gewechselt wurden. Es befinden sich da von Zeit zu Zeit kleine Gasthäuser am Wege, wo man zu Mittag und Abend speist, und besser bedient ist, als eS sich für solche Orte erwarten ließe. Von dieser Wüste kann ich keine andere Beschreibung geben, als daß eS eben eine Wüste ist, ohne Baum, ohne einen Grashalm, nichts als feiner, dürrer Sand, den der Wind einem in die Augen weht, wenn man nur ein wenig die Fenster des Wagens öffnet. Hie und da sahen wir die Ueberreste des CadaverS eines gefallenen KameelS, das hier seinen Tod fand, doch sonst kein lebendes Wesen. Endlich nach langem, ermüdendem Wege kamen wir gegen zwei Uhr in Suez an. Niemals habe ich einen ödern und wüstern Ort gesehen. Keine Pflanze, keinen Baum, kein grünes Gräschen, nur ausgebrannter dürrer Sand überall, und einige Häuser; dazu kein Tropfen genießbaren Wassers, sehr ungesunde Luft und eine sengende Hitze, das alles war wohl nicht geeignet, unsern Aufenthalt hier angenehm zu machen. ES befindet sich da auch keine Kirche und kein Priester, da nur wenige Katholiken sich aufhalten, die vielleicht ein- oder zweimal im Jahre eine heilige Messe von irgend einem durchreisenden Missionär haben. Wir mußten drei Tage hier ver- 51 weilen, auf die Ankunft deS Calcutta-StcamcrS wartend. AbendS gingen wir gewöhn« lich am Ufer deS Meeres spazieren, mit unserm hochwürdigsten Bischof den Rosenkranz beiend. Am letzten Tage zogen wir nach seinem und unserm Wunsche unsere Ordens- kleidung wieder an, da wir bisher in weltlicher Kleidung reisten. Dock da man auf Schiffen gewohnt ist, Klosterfrauen in ihrer Ordenstracht reisen zu sehen, und ihnen viele Achtung beweist, hatten wir unS nicht mehr zu fürchten. Sonntags den 34. am Feste deS hl. Raphael, deS himmlischen ReiscbeschützerS, schifften wir uns gegen Mittag auf einem kleinen Dampfboot ein, das uns zu dem, etwa eine Stunde entfernten, großen, prächtigen Dampfer Prccursor führte. Welck ein majestätischer Anblick, so ein Schiff mit seinen Segeln und Masten, mit den gewaltigen Rädern, die cS wie zwei mächtige Flügel durch den Ocean tragen! — ES wurde eine lange Stiege vom Verdecke herabgelassen, und wir stiegen ein. Unser hochwürdigstcr Bischof führte unS sogleich in unsere Kajüte, ein nettcS Zimmerchen mit vier Betten. Ueberall auf dem Schiffe bemerkten wir die äußerste Reinlichkeit und größte Ordnung. Passagiere waren eS etwa 60 — 70, sowohl Herren als Damen, meistens Protestanten; sie bezeigten unS jedoch viele Achtung und Rücksicht, ja, der Capilän hatte so viele Güte für uns, in die erste Classe n»S aufzunehmen, obwohl wir nur für die zweite bezahlt hatten. Gegen fünf Uhr wurden endlich die Anker gelichtet, und das Schiff setzte sich in Bewegung. Die ersten Tage war die Hitze ziemlich erträglich; den 3. und 4. aber war eS beinahe zum verschmachten. Die Hitze hatte 9t Grade Fahrcnheit erreicht, der Schweiß rann in Strömen, und den ganzen Tag waren wir wie gebadet. Nachts war eS noch ärger. Die Meisten zogen auS ihrer Kajüte, und legten sich im Salon auf Boden, Tisch und Bank unter den herabhängenden Windfang, nur um Luft zu haben; andere schliefen auf dem Verdecke. Und doch war cS jetzt Winter und die kühle Jahreszeit. Diese große Hitze erzeugt aber hier die Enge deS Meeres, daS von beiden Seiten von Wüsten begränzt ist, deren glühender Sand die Hitze verdoppelt. Am siebenten Tage passirten wir die Meerenge Babel Mandet, da eS aber Nacht war, konnten wir das Land nicht sehen. Am folgenden Sonntage, am Vorabende aller Heiligen, kamen wir nach Aden, eine Stadt an der arabischen Küstc. Da hier einige Stunden gehalten wurde, um frische Kohlen aufzuladen, so fuhren wir mit unserm hochwürdigsten Bischöfe ans Land. Beim AuSsteigcn war der nämliche Ncgcrkrieg wie in Alerandrie». Einer wollte vor dem Andern sich mit seinem Kahne herbeidrängen; man mußte sie mit den Füßen zurückstoßen. In jedem Kahne sind vier bis sechs dieser Wilden, wenn sie einen dann ans Ufer fahren, so geht das Rudern nach dem Tacte, und Alle singen oder schreien zusammen eine gewisse Formel, die sie stets wiederholen nach Art einer Litanei. Aden ist ein zweites Suez, nur gebirgiger. Hohe, schwarze Felsen umgränzen daS Meer, und der dürre, ausgebrannte Boden zeigt keine Vegetation. Am Ufer sind einige Köhlerhütten und ein Gasthaus; weiter zwei Stunden davon die eigentliche Stadt Aden. Da eben Sonntag war, wollte der hochwürdigste Bischof die heilige Messe daselbst lesen. Nachdem er um die nöthigen Meßgcräthe in die Stadt geschickt hatte, brachte dieselben ei» Missionär, mit dessen Hilfe in einem kleinen Zimmcrchen deS Gasthauses auf eiucm Tische ein Alter errichtet wurde, dessen ganze Zierde daS Crucifix war. Hier hatten wir das Glück Zeuge zu seyn von der unendlichen Liebe und Verdemüthigung unsers GotteS, der da unsertwegen herabstieg in diese Wohnung deS Götzendienstes. Mit welchen Gefühlen ich dieser heiligen Messe beiwohnte, kann ich nicht sagen. Ich hätte von Herzen weinen können, so ergreifend und rührend kam mir dieser Anblick vor. Hier kamen mir die Worte jenes frommen Liedes recht zu Sinne: „Herr der Armuth, Herr der Demuth! sieh mich an in meiner Wehmuth, an der Hoffart böser Klippe laß mich nicht zu Grunde gehen." Am ll. Morgens früh sahen wir in der Ferne Ceylon vor unS liegen. Schon einige Stunden weit davon wehte unS die frische Morgenluft die köstlichen Wohlgerüche von Zimmet und Gewürz entgegen, an denen diese Insel so reich ist. Je näher man ihr kommt, desto schöner wird ihr Anblick. Von einer langen Reihe 5» von blauen Bergen durchzogen, an den Ufern mit Palm- und Orangen-Wäldern begränzt, die sich an den Hügeln hinaufziehen, bietet sie den Anblick eines blühenden, immergrüne» GartcnS. Niemals habe ich etwas malerischeres gesehen, als diesen Hafen, an dessen Spitze der Leuchtlhurm auf hohen Felsen steht, von scharfen- Klippen umgeben, an denen sich die Brandung bricht, die Wogen hoch zu ihm hinaus schleudernd, und in Schaum zerfließend, wie in ohnmächtiger Wuth zürnend über seine Festigkeit. Gibt eS wohl ein schöneres Bild der Kirche und ihrer Feinde! An diesem Hafen liegt Gall, ein hübsches Dörfchen, dessen Häuser zwischen den Palmen und Cypressen freundlich herausschauen. Auf einem Hügel außerhalb des OrteS steht von Bäumen beschattet daS katholische Kirchlein, da der Ort doch ein paar hundert Katholiken zählt. Als cS dunkel zu weiden anfing, schimmerte allmälig ein Lichtchen nach dem andern aus dem dichten WaldcSgürtel, und umgab uns wie ein Kranz von flimmernden Stcrnlein. Dazu der heiterste Himmel, und so frische, duftige Abendluft, in die daS Brausen der brandenden Wogen von Ferne herübertönte, daß eS mir schien, cS müsse die Sage wahr seyn, daß hier daS irdische Paradies einst gestanden habe. Leider stiege» wir hier nicht anS Land, da unser hochwürdigster Bischof und Bater krank und leidend war in Folge eines Unfalls, der unS in große Bestürzung versetzte. Freitags den 5. November fiel er nämlich die Stiege hinabgehend in ein unten geöffnetes Loch, das in ein Gewölbe hinabführt, wo daS Gepäck aufbewahrt wird. Unglücklicher Weise stieß er dabei gegen die Brust und brach sich eine Rippe. Er wurde sogleich zu Bette gebracht, und litt große Schmerzen. Der SchiffSarzt, der ihn behandelte, gab unS die trübe Aussicht, daß er vor zehn bis vierzehn Tagen das Bett nicht werde verlassen könne». Wir wiche» nicht mehr von seinem Lager, Eine die Andere abwechselnd, ihm frische Luft zuwehend, da die Hitze in der engen Kajüte beinahe erstickend war, und all die kleinen Dienste ihm erweisend, die in unsern Kräften standen. Hier hatten wir täglich Gelegenheit, seine uuerschütterliche Geduld und gründliche Frömmigkeit kennen zu lerne«. Kaum hatte der Arzt den Schaden verbunden, so war sein Erstes, daß er sein Brevier betete, obwohl er sich kaum rühren, noch athmen konnte, ohne den heftigsten Schmerz. Niemals hörten wir eine Klage, niemals auch nur einen ungeduldigen Wunsch. Wenn wir unser Mitleid auSsprache», wies er gewöhnlich auf daS Crucifir und sagte: WaS ist das im Vergleiche mit uuserm Herrn? Dieß ist noch lange kein Fegfeuer, — lieber hier als dort! — Er war immer gleich heiter lind ruhig; täglich betete er mit unS die gewöhnlichen Gebete und den Rosenkranz, wie sonst. Auf seine» Wunsch hielten wir eine dreitägige Andacht zum heil. LavcriuS, und siehe da! zu unserer großen Freude und zur Verwunderung Aller konnte er schon am siebenten Tage außer dem Bette seyn. Seitdem besserte eS sich schnell, so daß er jetzt wenig mehr von diesem Uebel spürt. Da wir nicht a»S Land gingen, so kamen mehrere Neger zu uns an Bord, die den Bischof, oder wie sie sagten, den Priester und die Priesterinnc» sehen wollten. Sie brachten Früchte, Mccrmuschcln nnd sehr künstlich gearbeitete Schnitzwaren, Schatullen lc. die sie sich aber theuer genug bezahlen ließe». Wir gaben ihnen einige Rosenkränze, Bilder und Kreuzlein, mit denen sie große Freude hatten. Am 15. November erreichten wir Madras, die erste indische Stadt. Schon von Ferne sieht man eine lange Reihe niederer Gebirge, und die weißen, felsigen Ufer. Näher kommend breitet sich die große, schöne Stadt, mit etwa 200,000 Einwohnern vor den Blicken auS. Da sie aber keinen eigentlichen Hafen hat, und die Brandung an der Küste sehr heftig ist, so ist daS Lande» hier wirklich ein Wagestück und man braucht Muth sich dazu zu entschließen. Sobald das Schiff Halt gemacht hatte, kamen eine Menge Boote vom Ufer, von Indianern geleitet, um die Passagiere ans Land zu bringen. Doch die Gewalt der Strömung ist so heftig und daS Meer so unruhig, daß eS etwas sehr Schwieriges ist, vom Schiffe in dieselben zu gelangen. Man muß da gerade den rechten Augenblick erhäschen, einen Moment später, und der Kahn prallt wieder zurück, und der Hineinspringende liegt im Wasser. Das Anlanden selbst ist noch unangenehmer. Man wird da von der Gewalt der Wogen '^.-.'^ IllWWllllllllM 53 gleichsam anS Land geworfen, und oft über und über mit Wasser begossen. Deßhalb wollte »nser hochwürdigster Bischof auch nicht, daß «ir die Stadt besuchten. Noch ehe wir den Landungsplatz erreichten. sahen wir eine Menge Indianer zum Fischfange ausziehen. Nichts sonderbarer als vieser Anblick. Von Ferne glaubt man lauter schwarze Negerköpfe aus dem Wasser schwimmen ,u sehen, denn gewöhnlich sieht man davon nichts als den Kopf, da die Wellen sie beständig auf und nieder tauchen. Sie stehen nur auf einer Art Balken, ten sie mit einem kleinen Ruder lenken, und eS ist zu verwundern, wie sie sich bei der so heftigen Bewegung im Gleichgewichte erhalten können, ohne von den über sie hinweg rollenden Fluchen hinweggcspült zu werden. Gewöhnlich sind sie ganz ohne Kleidung; nur auf dem Kopfe haben sie eine spitzige Strohkappe, in denen sie auch die Briefe, Zeitungen zc. tragen, die sie an Bord bringen wollen. Am Ufer sieht man große, schöne Gebäude und mehrere Kirchen; weiter entfernt auf eine», Hügel die Kirche deS heiligen Apostels ThomaS, die über seinem Grabe erbaut ist. Leider ist aber auch diese in schismatischen Händen. Hier hat auch der große heilige XaveriuS eine Nacht durch gebetet und vom Teufel Verfolgung gelitten. ES macht mir immer Freude, wenn ich daran denke, daß über diese Meere ein heiliger Franz Xaver auch einst gesegelt, daß gerade von da auS seine Gebete zum Himmel gestiegen sind. Nachdem mit der Kanone vom Schiffe auS das Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde, wurden die Anker gelichtet, und unserer letzten Station, Calcutta, entgegengesteuert. Freitags den 19. gegen vier Uhr Morgens lief das Schiff in die Mündung des Ganges ein. Schon ein paar Stunden vorher kam der Pilot an Bord deS SckiffeS, daS ist ein eigens dazu bestimmter und wohlerfahrener Steuermann, der das Schiff auf seiner Fahrt auf dem Ganges zu leiten hat. Da der Grund dieses Stromes nur leichter Sand ist, so ist die Fahrt auf demselben für große Schiffe gefährlich, weil die Gewalt deS Wassers den Sand bald da bald dorthin führt, Sandbänke und Untiefen bildet, und beständig die Lage derselben verändert. Deßhalb waren immer ein oder zwei Männer beschäftigt, an beiden Seiten fortwährend daS Senkblei zu werfen, um die Tiefe zu messen. Wir waren schon ziemlich voran gekommen, als ich gegen acht Uhr aufs Verdeck kam, um die Ufer zu betrachteu. Doch da lag noch immer Himmel und Wasser vor mir; vom Ufer konnte daS Auge keine Spur erreichen. Hätte nicht die Farbe deS Wassers mich überzeugt, daß ich wirklich auf einem Strome sey, ich hätte ihn sür ein zweites Meer gehalten. Erst später gegen Abend verengte er sich mehr, und ließ uns die schönen, grünen Ufer, auf denen die Heerden weideten, und hie und da eine Hütte unter den Palmen unter- scheive». Endlich gegen sieben Uhr wurde der Anker vor Calcutta geworfen. Mit freudigem, dankbarem Herzen stimmten wir mit unserm hochwürdigstcu Bischof ein Te Deum an. Glücklich über alle Erwartung hat uns der Herr über Meere und Wüsten geleitet. Kein Sturm hat den ruhigen Spiegel deS MeereS getrübt, keine Gewitterwolke den blauen Himmel umzogen, kein Unglück unS getroffen auf der ganzen, langen Reise. Und über all daS hat er unS, als die Schooßkinder seiner Vorsehung unter die Obhut eines Bischofs gestellt, der für unS Sorge trug, wie kaum ein Vater sie getragen hätte. ES ist mir unmöglich, all die Güte, Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu beschreiben, die unser bischöflicher Vater auf dieser Reise bei jeder Gelegenheit u»S bewicS; er vergaß sich selbst in der Sorge für u»S. Hier in Calcutta, wo er unS in dem Hause eines seiner Freunde unterbrachte, da man in dem Kloster der Unsrigcn keinen Platz für uns fand, erwies er unS die große Gnade, täglich in unserm Zimmer die heilige Messe zu lesen. Ich käme an kein Ende, wenn ich die Beispiele seiner Güte und Väterlichkeit aufzählen wollte. Gott weiß, wie viel wir seiner Huld und Gnade schulden, Er allein kann ihm genügend lohnen. Ich empfehle ihn indessen dem Gebete der Mission. Er hat wohl eine schwere Last, eine große Bürde auf seinen Schultern, denn eine Diöcese in Indien ist etwas anders, als eine in Europa. Von der Lage deS Katholicismus, von den Hinder- und Beschwernissen, von den Gewohnheiten des Landes und all dem übrigen Merkwürdigen 54 und ErzählenSMrthen will ich Ihnen in meinem nächsten Briefe mittheilen. Für dießmal muß ich schließen. Morgen werden wir unsere Reise nach Chittagong antrete», wo vor der Hand unser Aufenthalt seyn wird. ES ist dort auch ein HauS der Schwester» von Loretto (uuter diesem Namen ist unser Institut in Indien, Amerika und England bekannt), doch sind dort nur drei Schwestern, die daher nothwendig Hilfe bedürfen. Chittagong wird Ihnen vielleicht unbekannt seyn, doch werden Sie eS unter dem Namen Islamabad auf jeder Karte finden. Jch>s>age Ihnen nun nochmals ein herzliches Lebewohl, auch im Namen meiner lieben Schwestern. Ich weiß, daß Sie nun unsertwegen beruhigt sind, da Sie uns glücklich angekommen und in guten Händen wissen. Möge der liebe Gott Ihnen all die Sorgfalt und Güte, die Euer.Hochwürdcn unS so väterlich bewiese«, tausendfach belohnen. Niemals werden wir sie vergessen, niemals unterlassen für Euer Hochwürden zu beten um den reichsten Segen des Himmels. Und wie sollte er Ihnen nicht werden, da Sie vom Aufgauge bis zum Niedergange Kinder haben, die für ihren guten MissionSvatcr zum Himmel flehen. Ich sende hier auch unsere Grüße nach Burghauseu und Allöiting. Möge» die lieben Schwester» für uuS beten, wie auch wir eS für sie thu». Zum Schlüsse empfehle ich mich und meine Gefährtincn auch Ihre», fromme» Andenken, hochwürdigcr Herr Hofcaplan! Erflehen Sie u»S Kraft, Gesundheit und den Segen des Himmels, daß wir zur Ehre GotteS und zum Heile der Seelen recht Vieles wirken mögen. Mit ausgezeichneter Hochachtung und Verehrung :c. Fr. Maria Aloisia Pisani, I. St. M. Musikalische Träume. ES gibt Dinge auf der Welt, die etwas Ueberirdisches an sich zu haben unb eben sowohl eine Erinnerung an das verlorene Paradies, als eine Mahnung an den Himmel zu seyn scheinen. Solch' ein Ding ist anch die Musik. Wie rein ist nicht ein mlisikaiischcr Genuß, verglichen mit andern irdische» Genüsse»? Und wer weiß nicht, daß die Musik eine Sprache zum menschliche» Herzen ist, die unter allen Zonen gleich verstanden wird? So gewiß die Musik eine der ältesten Künste ist, so gewiß ist sie auch religiöse» Ursprungs, und sie kann diesen Ursprung nicht vcrläugncn. Gleich der Rcli- sgjM zieht die Musik dc» Menschen von dem Gemeinen ab, verfeinert seine Sitten, veredelt sein Gemüth und erschließt dem sehnsüchtigen Herzen eine höhere harmonische Wcltordnnng; beide üben eine unwiderstehliche Kraft auf deu Menschen. So erzählt man z. B. von dem allbekannten afrikanischen Negcrapostcl, 1)r. Knoblcchcr, daß er einst, auf dem Nilflussc abwärts schiffend, in großer Gefahr war, von den Wilden gefangen und getödtcl zu werde». Er ließ daS Schiff landen »nd spielte den Wilden Einiges a»f einer Ziehharmonika vor, und siehe — er und sie waren gerettet; auf demselben Flecke steht nun eine christliche Capelle. Und waS von Heide» gilt, gilt in mancher Hinsicht auch von Christen. Wer weiß nicht, daß viele Protestanten in der.Sirtinischcn Capelle zu Rom, wo die religiöse Musik in ihrer reinsten Blüthe sich cntfaltet, katholisch geworden sind? Darum darf eS Niemand wundern, wenn die Musik schon in den erste» Zeite» deS ^Christenthums beim Gottesdienste angetroffen und stets mehr und mehr der heiligen Kirche dienstbar gesunden wird. Der fromme Ausdruck der Gefühle wurde zum Gesänge, u»v der Zusammenklang der gläubigen Gemüthsstimmung in der Gemuude wurde zur heiligen Harmoniemusik. Am schönsten zeigt sich dieß im kirchlichen Cho- rale und in den majestätischen Orgelklängen. Aber auch im gewöhnlichen Heben änßert die Musik eine wohlthuende Wirksamkeit. Wie Vielen ist sie eine Erholung, Erheiterung und Erhebung über die Kleinlichkeiten deS AltagSlebenö; wie Vielen bringt sie neue Kraft, ja neue Gedanken; 55 wie Vielen verschafft sie Trost in den mancherlei trüben Stunden dieses Lebens! Man will wissen, daß bei Menschen, denen der Sinn für Musik abgeht, eine gewisse kalte Einseitigkeit im GemüthSlebcn angetroffen werde. Wir wollen diese Ansicht nicht bestreiken; aber das ist sicher, daß sie eines unersetzbaren Mittels entbehren, sich mit den unausweichlichen und unvermeidlichen Disharmonien ans dieser Welt in Einklang und Versöhnung zu bringen. In allen Dingen gibt eS Ausartungen und Extreme, also auch m der Musik. ES gibt eine geistliche und weltliche Musik, so wie eS ein geistliches und weltliche» Leben gibt. Ihr gegenseitiges Verhältniß ist hinlänglich in diesen Worten gezeichnet: Geistliche Musik schickt sich nicht fürs Theater, und weltliche Musik gehört nicht in die Kirche. Sentimentale Musik ist für kirchliche Zwecke eben so unbrauchbar und sade, als lärmende und polternde unausstehlich ist. WaS soll eine Solopurthie auS „Fra Diavolo" als Unterlage sür daS ,M in osrnatus est«? DaS Geistlose kann nie schön seyn. Wo die Musik in der Kirche von Stümpern gemaßregelt wird, da unterbleibt sie besser. Ein einfacher NolkSgesang ist Gott gewiß angenehmer und für die Gemeinde erbauender, als ein mißlungenes und mißhandeltes Figural-Hochamt. Man kann sich aus der Kirche nicht so wie auS dem Theater entfernen, wenn man ob der Musik Langweile und Leere empfindet. Weil im Himmel alle Disharmonien aufhören, so muß dort ganz eigentlich auch daS Vaterland der Musik seyn. Und so steht eS auch in der heiligen Schrift. Von den Engeln ist eS bekannt, daß sie dem dreieinigen Gotte ein unaufhörliches «heilig, heilig, heilig" zujubeln, und von den unschuldigen Seelen versichert uns der heilige Johannes, daß sie einst ein Lied singen werden, daS die andern nicht singen können. Und wo der Himmel in nähere Verbindung mit der Erde tritt, da erklingen die heiligen Musiktöne. So in der Nacht, wo Christus geboren ward, indem die Engel in den Lüften daS „Lloris in exoslsis" sangen; so spricht der heilige Bernard von den sieben Worten des Erlösers am Kreuze als von sieben wohlklingenden Saiten auf der Cither deS KreuzholzeS. Daraus erklärt eS sich auch, wie heilige Seelen gleichsam in der Vorahnung des HimmelöglückeS diese himmlischen Harmonien noch in dem DießseitS vernehmen können. Natürlich! So wie das Abbild dem Urbilde näher kommt, müssen die Dissonanzen dieses Lebens sich in Concordanz verwandeln, und je freier die Seele von irdischen Schlacken wird, desto geeigneter ist sie, in Jubel und Lust miteinzustimmen, in den Jubel deS Himmels. DaS ist der Heiligen Schwanengesang! Auch die Natur hat ihre Musik. In unbekannten Weisen klingen z. B. die Töne der AeolSharfe. Es ist dieß daS Seufzen und Sehnen der Natur nach Erlösung, wie eS der heil. Paulus nennt (Römerbrief 8, 22). Je heiliger und erlöster (wenn man so sagen dars) der Mensch ist, desto mehr versteht er diese Musik, und desto mehr participirt gleichsam die Natur an seiner Erlösung. Nur Ein Beispiel. Zur hl. Rosa von Lima kam mit Untergang der Sonne ein kleines Vögelchen mit wunderlieblicher Stimme an ihr Zimmer hingeflogen, und setzte sich auf einen nahen Baum, dort gleichsam daS Zeichen zur AnHebung deS Gesanges erwartend. Rosa rüstete sich, das Lob GotteS zu beginnen und forderte das Vögelchen im eigenen Liede, das sie dafür gedichtet, zum Wetlgesang heraus: „Heb' an, o liebe Nachtigall, Singe süße Liedesweise! Schmettre hohen Sang aus voller Kehle, Damit wir den Herrn loben allzumal. , """"" - ' ' *) Mit weiser Klugheit dringt daher Vater Kolping aus die Pflege des Gesanges in den von ihm gegründeten Gesellenvereinen, 56 Du sollst deinen Schöpfer preisen, Ich den Heiland voll Erbarmen, Unsern Gott wir beide insgesammt. Thu' auf die Kehle sangeSvoll, Damit im muntern Wechselliede Unsere Töne lieblich sich begegnen." Und sogleich begann daS Nögelchen mit linder, leiser Stimme seinen Schlag, schwang sich dann höher und immer höher, wirbelte darauf eine Zeit lang schwebend auf der Höhe der Töne, und ließ dann, selbst schweigend, die Jungfrau an die Reihe kommen. So wechselten sie in der heil. Fastenzeit stets bis sechs Uhr Abends. Zum Contraste eine andere Geschichte, die sich erst vor einigen Monaten zugetragen hat. Die gefeierte Sängerin Sontag (Gräfin Rossi) produzirtc sich auf ihrer Kunstreise in Amerika unter Anderm auch in der Stadt Boston in einem Privatconzerte vor etwa 40l) puritanische» Geistlichen und Pastoren aller Secten. Alle waren voll Entzücken und einig in ihrem Lobe; ja einer der Pastoren that den AuSspruch: „Wahrlich, die Musik ist daö einzige und letzte Mittel, die verschiedenen ReligionSsecten zu einigen," und ertheilte der Sängerin seinen väterlichen Segen. — Sonderbar, aber dock nicht ganz ohne Wahrheit! Genug, wenn die vielen Secten einmal die Sehnsucht nach einer Einigung und Harmonie fühlen und die Möglichkeit derselben erkennen. DaS Uebiige wird der Herr machen, daß Alle in Liebe und Eintracht den Pastoraltönen des Einen Hirten lauschen, km!,, iiat! (Oest. VolkSsr.) Kaiser Ferdinands Nachtgebet. Darnieder liegt der güt'ge Ferdinand; Die Krankheit hält Ihn an das Bett gebannt; Ein stechend Schmerz hält Tag und Nacht Ihn wach Und macht den frommen Dulder matt und schwach. Der Priester an des Kranken Seite steht, Sie beten jetzt vereint das Nachtgebet. Im Krankenzimmer kniet die Kaiserin Und blicket kummervoll zum Kaiser hin. Sie fleht Ihn ganz erschöpft und schwach und matt, Und gibt dem Priester liebevoll den Rath: Doch abzubrechen mit dem Nachtgebet, Da schon so sehr die Schwäche Ihn umweht. Der Kaiser jetzt noch ein Gebet begehrt, Sein tägliches, das Ihm gar lieb und werth: „Zch will, daß noch mir vorgebetct wird Zur unsern Herrn," ruft Er, „der jetzt regiert!" Und nun im heißen, innigen Gebet Der kranke Oheim für den Neffen fleht. Er kennt die Last, die auf dem Theuren ruht! Darum des frommen Dulders AndachtSgluth. Nicht blos für Ihn hebt Er zu Gott den Blick; Er flehet auch für Seiner Völker Glück- O, ahm Ihn nach, du theures Vaterland! Bet' für den Kaiser, bet' für Ferdinand! Christl. Feierabend. Verautwoitlichi'l Redacteur: L, Schönchen Üerlags-Juhaber: F E, Kremer.