Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojtzeitung. 27. Februar ^ N 1853. Diese« «latt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abounement«pret« 4V kr., wofür e« durch alle kouigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudumgea bezogen werde» kaun. Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. RededeSHofrathSundReichshistoriographenvr. v. Hurte r-Am mann, gehalten in der Plenarversammlung deS Wiener Central-SeverinuS- verein es am 30. Januar 1852. IV. Hochansehnliche Versammlung I Wie manches Anziehende und Herzgewinnende über das Verhältniß der Erzherzogin Maria als Mutter zu ihren Kindern ich Ihnen bisher mitgetheilt habe, der Stoff ist noch nicht erschöpft; er wird anziehender dadurch, daß wir auS allem ihrem Thun die Ueberzeugung gewinnen, daS rein menschliche Gefühl der Mutter habe durch die Rücksichten, welche von fürstlicher Stellung bedingt sind, weder können zurückgedrängt noch abgeschwächt werden; ja vielmehr dieses Gefühl und die auS demselben hervorgehende Fürsorge habe diese Stellung sich dienstbar gemacht. ES gibt gewisse natürliche Anmahnungen, welche auf unverkünstelte Individualitäten mächtiger einwirken als die Verhältnisse, in die sie durch den Verlauf der gesellschaftlichen Gestaltung sind gestellt worden. Deßhalb wissen dergleichen Persönlichkeiten über solche Verhältnisse sich emporzuheben. Unter jenen Anmahnungen stehen wohl diejenigen oben an, welche einer Mutter die Obliegenheit vor Augen halten, auf bestmöglichste Versorgung ihrer Kinder, je nach Maaßgabe deS Ranges, der ihnen angewiesen ist, Bedacht zu nehmen. Dieses ließ sich Maria in einer Weise angelegen seyn, in der sie kaum von irgend einer andern Mutter könnte übertroffen werden. Zu jener Zeit, in welcher sie lebte, waren die BiSthümer Deutschlands (ob zum Besten, ob zum Nachtheil der Würde und deS erhabenen AmteS — dieß zu erörtern, liegt außerhalb unseres Gesichtskreises) mit landesherrlicher Macht, mit reichsfürstlichem Ansehen, mit wohlerworbenen reichen Einkünften und mit hoher weltlicher Bedeutung ausgestattet. Die Hausordnungen der weltlichen Fürstengeschlechter nahmen je länger desto mehr darauf Bedacht, einer Theilung ihrer Länder pflichtgebotene Schranken zu setzen. Bloß der Erstgeborne konnte fortan regierender Herr werden. Wie die andern Brüder zu ähnlichem Rang sich erheben könnten erscheint daher als Mariens geflissenste Sorge. Die von der Kirche abgefallenen Fürsten waren ihr hierin mit großer Emsigkeit, mit folgenreichem Bemühen, und wahrlich nicht zu Gunsten des durch sechzehn Jahrhunderte herabgeerbten Glaubens, vorangegangen. — Denn in wie viele BiSthümer hatten unkatholische Administratoren sich eingedrungen, von denen mir gerade zu dieser Zeit Magdeburg, Halberstadt, Merseburg, Ratzeburg, .ynnst-klll,^ nwskkinU V Straßburg, Lübeck und Minden beifallen, welche nachher insgesammt, Straßburg ausgenommen, durch sie in weltliche Erbfürst^ uhümer verwandelt wurden, waö wenig' stenS bei katholischen Fürstensöhnen nicht zu befürchten war. Der Bischof Urban von Passau, dessen Hochstist in Oesterreich ansehnlicher Güter und nicht minder bedeutsamer Rechte sich zu erfreuen hatte, rückte mit Ablauf des Jahrhunderts schnellen Schrittes dem Greisenalter entgegen. Ein Theil der Domherren sprach von der Nothwendigkeit einer CoadjutorSwahl und warf hiezu das Auge auf den Herzog Philipp von Bayern, den das Domcapitel von RegenSburg als Schild gegen protestantische Umtriebe zu ähnlicher Absicht noch in zarter Kindheit als Bischof postulirt hatte. Maria meinte, zu jener Würde möchte ihr Leopold eben sowohl sich eignen, als der nicht viel ältere Neffe, worüber leicht, wäre der Herzog Wilhelm von Bayern nicht eine so durchaus edle Natur gewesen, ein nie mehr zu heilender Bruch zwischen Bruder und Schwester hätte entstehen können. Die Hälfte des Capitels neigte sich auf Seite deS bayerischen Fürstensohnes, indeß die andere im Verein mit dem Bischof den Erzbijchof begünstigte. So waren bei einer ersten Wahl die Stimmen getheilt. Bald hierauf starb der Bischof, und der Papst erklärte: einer neuen Wahl bedürfe eS nicht, er bestätige den Erzherzog Leopold. Nur zwei Jahre später erkannten die übrig gebliebenen katholischen Domherren von Straßburg, dieses BiSthum, dessen bereits ein brandenburgischer Prinz sich bemächtigt hatte, lasse nur dadurch sich retten, wenn es einen Erzherzog als Bischof sich erbitte. Auch hiezu wurde Leopolv ersehen; so daß Maria wohl sich freuen mochte, ihren Zweitältesten über der Bereinigung zweier der reichsten BiSthümer Deutschlands als ansehnlichen Reichsfürsten begrüßen zu können. Den nächstfolgenden Sohn, Maximilian Ernst, ließ sie unter die deutschen Ritter aufnehmen, unverkennbar in der Absicht, daß er, seinem Vetter, Erzherzog Maximilian von Tirol, in der Würde eines Großmeisters des Ordens nachfolgend, hiedurch ebenfalls ein mit selbststänvigen Rechten ausgestalteter Reichsfürst werde. Der Tod vereitelte die Absicht der Mutter, denn der jüngere Maximilian starb vor dem ältern. Auch dem jüngsten Sohn, Carl, sollte der geistliche Stand zu einer unabhän- gigern Stellung verhelfen, als sie nachgevornen Prinzen inSgemein beschicken ist. Ihm ward das reiche BiSthum Breslau, dann das nicht minder ansehnliche Briren zu Theil, und die reichsfürstliche Stellung dadurch erhöht, daß das seinem Bruder zugedachte Großmeifterthum des deutschen Ordenö auf ihn überging, waö alles jedoch die Mutter nicht mehr erlebte. In gleicher Weise war Maria auf Erhöhung ihrer Töchter bedacht. Man darf eS mit Recht seltsam nennen, daß der erste Anwurf, die älteste aus. ihnen mit dem Erben von Schweden und muthmaßlichen Nachfolger in Polen zu vermählen, durch einen Juden gemacht wurde. Diesen hatte die Königin Anna von Polen, die letzte deS alten Jagellonen-Geschlechtes, blos als Privatperson zu solchem Zwecke an den Grätzer Hof gesendet. Nur der Schimmer einer Aussicht auf den Erbfürsten von Lothringen machte die Erzherzogin eine Zeit lang wohl unschlüssig, jedoch nicht abgeneigt. Denn sie schrieb dem Bruder: „Wir haben nicht nur eine oder zwei Töchter, sondern wir haben ihrer Gottlob noch sechs, so daß wir nicht zu fest mit ihnen prahlen dürfen." Ein anderes Mal bemerkt sie ihm: „Wir haben zu viel Diendl." Bei allem Dem stand doch das fest bei der Erzherzogin: daß ein anderer als ein kathol. Fürst um eine ihrer Töchter niemals sich bewerben dürfe; wie denn auch deS VaterS Testament eine jede, die mit einem Andersgläubigen sich verbinden wollte, der Aussteuer und deS HeirathSgutes verlustig erklärt. Der leichtfertige Religionswechsel einem Fürstenstuhl zu lieb ist eine ausschließlich deutsche Errungenschaft neuerer Zeit, die zuletzt selbst in katholische Häuser Eingang gefunden hat. Bei SigiSmund Bathori's, Fürsten von Siebenbürgen, Werbung um Maria Christina mochte die Aussicht auf den Fürstenthron, mußte die Fügung unter den Willen des Kaisers und in die mögliche politische Bedeutung dieser Vermählung «7 si»,^ ^»».kk. im, ' «»«ti'^tki nstZS tttrm. >«u Am« chs' .»^l,A Vl^>'i»I,bit> m;: für das gesammte HauS der Bedenklichkeit, „ein liebcS und gehorsames Kind" in daS Gewirre dieses Landes ziehen zu lassen, die Wage halten, wiewohl in die Persönlichkeit dcS Fürsten wenig Vertrauen zu setzen war. Was dann eben zu dieser Zeit Maria an den Freiherrn von Rumpf schrieb, zeigt, welche Ansicht bei ihr vorgewaltet habe. Man könne nicht wissen, sagte sie ihm, wie eS unverhcirathcten Töchtern nach der Mutter Tod ergehe; daher würde cS ihr zu großem Trost gereichen, „dieselben versichert zu sehen." Hiefür ging sie besonders ihren Schwager, Erzherzog Ferdinand von Tirol, an, der sie nicht lange vor seinem Tod ans die Herzoge von Parma und von Urbino aufmerksam machte. Auch hat sich ein Brief ihreS SohneS Ferdinand an Kaiser Rudolph erhalten, worin ihm jener eröffnet, wie der König von Spanien seine Schwester Eleonora gerne mit dem Herzog von Mantua, Maria aber mit dem Großherzog von Florenz vermählt sähe, auch an Modena denke, wozu die Mutter jedoch keine Neigung habe. Wüßte indeß der Kaiser bessere Gelegenheiten, so möchte er dieselben eröffnen. Der unverkennbarste Beweis, mit welcher mütterlichen Liebe zu ihren Töchtern Maria sey erfüllt gewesen, liegt darin, daß sie keine von sich ziehen ließ, ohne sie an den Ort ihrer Bestimmung zu begleiten. Hievon konnte keine Entfernung, keine Ungunst der Jahreszeit, keine Gefahr zu Land oder zu Meer sie zurückhalten. Die älteste, Anna kam, wie bereits erwähnt, nach Polen. Eine Reise von Grätz nach Krakau war zu jener Zeit, zumal für eine Frau, gewiß kein müheloses Unternehmen; Maria ließ sich von Begleitung der Tochter nicht zurückhalten. An Beschwerden und Unbequcmlichlichkeiten konnte derjenigen nach Polen eine Reise nach Siebenbürgen nicht nachstehen, daS Hcrumschwärmen der Türken machte dieselbe zugleich höchst gefährlich. Ob auch Rumpf der Erzherzogin schrieb: „der Erbfeind hat lange Arme, seine Rosse haben flinke Beine," die Erzherzogin ließ sich nicht abschrecken, auch diese Tochter nach dem fernen Stuhl-Weissenburg zu begleiten, ungeachtet sie mehr als einmal daS Nachtlager in einer Entfernung von bloß sechs Meilen von den Türken nehmen mußte. Nur bei mannigfaltigen Unannehmlichkeiten, welche der Hochmuth der Spanier ihr bereitete, und unter bedrohlichen Seestürmen konnte sie ihre Marga- rctha dem König von Spanien zuführen; die Liebe zu der Tochter gab ihr Kraft, jenen Trotz zu bieten, unter diesen unverzagt zu bleiben. Constantia'S, des Königs von Polen zweiter Gemahlin, Begleit fiel in die herbstliche, Mariens Heimkehr in die winterliche Zeit; aber keine Ungunst der Witterung kam in Betracht; diese Tochter sollte an die Obsorge der Mutter kein minderes Anrecht haben als die andern Schwestern. Dieses hätte sie auch der jüngsten, die sich vermählte, der Erzherzogin Mag- dalena, zugestanden, wie dann wegen der Reise nach Florenz, der letzten, die Maria zu machen gedachte, Alles schon verabredet war, als einige Monate vorher der Tod sie hinraffte. Die Erzherzogin kann in ihrem Verhältniß als Mutter nicht anschaulicher geschildert werden, als durch ein Schreiben derselben vom 23. Oct. 1541 an den Freiherrn von Rumpf, dessen Mittheilung die vcrehrlichc Versammlung zuverlässig ansprechen wird. Die Frage über die Vermählung der Erzherzogin Anna hatte sich durch mehrere Jahre, selbst mit dem Anschein gänzlichen ZerfcklagenS. durchgezogen. Plötzlich gab Kaiser Rudolph seine Zustimmung dazu, zugleich der Erzherzogin die Weisung, dieselbe in sehr kurzer Zeit vor sich gehen zu lassen. Nun schreibt sie dem Freiherrn: „Euch, als einen verständigen Mann, lasse ich urtheilen, wie daS möglich sey; wie ich, so daß es nicht unserm Haus zu Spott und Schande gereiche, mit der Ausstattung zurecht kommen solle? Ihr dürst mir glauben, nicht ein Hemd, geschweige denn ein Rock ist für meine liebe Tochter in Bereitschaft, denn hätte ich etwas vorgekehrt und die Heirat!) wäre nicht bewilligt worden, welchen Spott würde ich dadurch auf mich geladen haben? Wäre des Kaisers Entscheidung alsbald gekommen, dann sollte gewiß alles fertig seyn und würde ich mir Ehren bestehen. Denkt nur selbst: wir haben bloß noch neun Wochen bis Neujahr, drei Wochen vorher sollte man aufbrechen, und in sechs Wochen alleS fertig seyn! Dazu ist hier ein Ort, an «8 dem man nichts findet. Ich muß um Alles nach Wien schreiben, und Gott weiß, ob man eS dort findet? Hätte ich Zeit gehabt, so hätte ich eS von Mailand und anderwärts her kommen lassen. Jetzt aber ist die Zeit so kurj und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Mir ist nur um den Wagen zu thun, denn ein Wagen, wie er für eine solche Braut sich schickt, ist nicht die Sache von sechs Wochen, dazu bedarfS eben so viel Monate. Bei den Polen, die ohnedem ein hochtrabendes Volk find und Alles in Acht nehmen, möchte ich doch nicht Spott aufheben. Dazu wird man Alles umS Doppelte kaufen müssen; denn wissen die Kaufleute, daß man etwas haben muß, so verlangen sie gleich das Doppelte und wird man nehmen müssen, was man findet, eS sey gut oder schlecht. Meine Tochter erbarmt mich von Herzen, daß sie eS nicht genießen soll, wie ich ihr eS von Herzen gönne und wie es auch seyn sollte. Ihr mögt mir aus mein Wort glauben, die Sache bearbeitet mich dergestalt, daß ich weder schlafen noch essen kann, nicht weiß, wo anfangen; denn sobald ich etwas bestellen will, heißt eS- die Zeit ist zu kurz. Will der König nicht warten, dann freilich muß eS seyn; wie man aber in der ganzen Welt davon reden wird, daS dürfte wenig Freude bringen. Die Polen werden eS nicht glauben, daß man eine so kurze Zeit gehabt habe, denn sie wissen eS nicht. Auch für die Leute zum Dienst der Tochter ist nicht gesorgt; ehe man um dieselben sich umgesehen hat, sollte man schon fortziehen. So mangelt noch eine Hofmeisterin, eine Kammerfrau; ich werde nehmen müssen, wen ich finde, ob tauglich, ob nicht. Ihr könnt denken, wie eS meiner Tochter seyn wird, wenn sie Leute bekommt, die nicht für sie find. Sie muß wenigstens drei Kutscher, einige Lakaien, einen Capellan, eine Leibwäscherin, einen Tafeldiener für ihre Frauen haben, was gewiß nicht zu viel ist. Den Brautwagen muß ich zu Wien machen lassen, nur von Goldstoff, denn in der Eile ist'S nicht möglich ihn zu sticken. Ich wollte, Euer Weib wäre hier, ich weiß, fie würde mir treulich helfen, denn eS wäre nöthig, daß Alles mir beistände. Ich fürchte nur, wir heben einen großen Spott auf; ich kann aber nicht anders, ich bin vor Jedermann entschuldigt. Grüßt mir, ich bitte Euch, die Frau tausendmal; sagt ihr. weil sie mir nicht helfen könne, solle sie Gott für mich bitten, daß ich nur ein wenig mit Ehre bestehe. Lasset mich den sichern Hochzeitstag wissen, sobald ihr denselben erfahret." (Schluß folgt.) Careassone. Während seines Aufenthaltes zu Rom hat der hochwürdigste Herr Bischof von Carcassone an den Klerus und die Gläubigen seiner Diöcese ein Schreiben gerichtet, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Die geheiligre Pflicht, welche unS momentan von Euch entfernt hat, ist Allen bekannt. Nach fünfjähriger Arbeit auf demjenigen Theile deS Feldes der Kirche, welchen der himmlische Vater uns anvertraut hat, sind wir zu dem, der denselben hienieden vertritt, gekommen, um Rechenschaft von unserer Verwaltung abzulegen; wir sind gekommen, um dem großen Princip der Einheit und der Autorität, welche die Grundfesten der katholischen Kirche sind, in seiner Person zu huldigen; wir sind gekommen, um gleichzeitig am Grabe des Apostels unsern Glauben zu befestigen, welchem JesuS Christus das Recht und die Pflicht ertheilt hat, seine Brüder darin zu bestärken und der noch immer in seinen Nachfolgern fortlebt; wir sind endlich gekommen, um zu Füßen des Stuhles der Wahrheit, von welchem herab Petrus durch den Mund PiuS IX. noch immer spricht, neue Erleuchtung zu suchen. In diesen schwierigen Zeiten, in diesen Zeiten der Kämpfe und Wirrnisse, wo der Geist deS Zwiespalts und der Finsterniß seine Anstrengungen vervielfältigt, um daö Reich GotteS zu stören, ist eS für die Hirten der Seelen tröstlich, demjenigen ihre Zweifel und Befürchtungen auseinandersetzen zu können, der die Sendung und die Macht erhalten hat, fie zu lösen und zu zerstreuen! Wie stärkend ist es für Euch und für SS uns. uns innerlich mit diesem unerschütterlichen Felsen vereinigt zu fühlen, an dem sich alle Mächte der Hölle brechen werden I . . . „Gott hat uns von einem gewissen Untergang errettet, er hat unser Leben, unsere Güter bewahrt; er hat dem heimatlichen Herde die Sicherheit, unsern Fluren die Ruhe, der Gesellschaft die Ordnung, der Industrie die Thätigkeit, dem Handel den Flor wieder gegeben, und um Euch alle diese Güter zu gewährleisten, hat er unter uns eine erhabene ehrwürdige Autorität aufgerichtet. Um dieses Werk der Barmherzigkeit durchzuführen, hat seine Vorsehung einen Prinzen erweckt, ausgestaltet mit seiner Kraft, durchdrungen von seiner Weisheit. Gut, edelmüthig. fest und entschlossen hat Napoleon die Sendung, Frankreich zu retten, in sich gefühlt; um dieß zu vollenden, hat er sein Vertrauen auf den Allerhöchsten gesetzt. Bei jeder Gelegenheit bringt er seine Huldigung der höchsten Macht desjenigen dar, der die Richter selber richten wird; und seitdem er die Gewalt in Händen hat, sieht die freiere Kirche täglich seine Thaten fruchtbarer. Betet also für diesen Monarchen, dem Eure Dankbarkeit die kaiserliche Krone zugedacht hat, betet, daß derjenige, der ihn uns gegeben, ihn uns auch erhalte, betet endlich, daß der Geist der Gerechtigkeit und Klugheit, der so nöthig ist, um Völker würdig zu regieren, ihn nie verlasse. Unter diesem Scepter, der sich als Scepter des Friedens ankündigt, bildet ferner — Franzosen und Brüder in Jesu Christo vereinigt! — nur mehr eine Familie und Jeder aus Euch, durch alle unsere Mißgeschicke belehrt, möge erkennen, daß wenn die sociale Auflösung, von der wir bedroht waren, ihren Ursprung nur in dem Vergessen GotteS und seiner Vorschriften gehabt habe, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nur auf der aufrichtigen und einmüthigen Rückkehr zur heiligen göttlichen Religion unserer Väter gegründet seyn könne." A g r a m. Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Agram hat einen (lateinischen) Hirtenbrief an den Klerus seiner Diöcese erlassen, in welchem er zuerst auf die immer wachsende Sicherung der durch die vereinte Bemühung der katholischen Mächte herbei« geführteu Ordnung und Ruhe im Kirchenstaate hinweist, sodann hervorhebt, wie in Frankreich, nach unzähligen Wirren, ebenfalls ein gesunder und religiöser Sinn sich kundgebe und hierauf sagt: „Auch in unserer Monarchie werden von unserm durchlauchtigsten apostolischen Kaiser und König Franz Joseph I. unzählige Beweise inniger Frömmigkeit und angestammter warmer Gläubigkeit gegeben; auch von Seiten Jener, welche an der Spitze der Regierungsgeschäfte steben, werden so viele Belege der Verehrung und des Wohlwollens für die Kirche geliefert, daß nur ein undankbares Gemüth sie ignoriren oder mißdeuten und in Zweifel ziehen könnte. Die Ruhe, welche durch die Helden« müthige Tapferkeit unserer Armee gewonnen, die Ordnung, welche durch das unermüdliche Streben Jener, die am Ruder der Regierung fitzen, herbeigeführt wurde, befestigt sich täglich mehr und wenn noch nicht Alles zur gewünschten Klärung gelangt ist, so kann dieß keinesfalls dem Mangel an gutem Willen oder an Thätigkeit, sondern nur der unsäglichen Wucht der Arbeit zugeschrieben werden, die in einem so ausgedehnten Reiche unmöglich in wenigen Monaten oder Jahren erledigt werden kann. Trotz des Fortschritts der guten Sache würde man doch bedeutend irre gehen, wollte man sich der Ansicht hingeben, eS seyen alle Gefahren für die Zukunft besiegt und beseitigt. Wohl ist die Hyder der Revolution mit ihren scheußlichen Ausgeburten zu Boden gedrückt, keinesfalls aber völlig vernichtet. Noch lebt sie, Rache athmend und voll giftigen Geifers in ihren Höhlen, eine Gelegenheit zum abermaligen Hervorbrechen erspähend; werden ihr die Waffen nicht entrissen, wird sie ihres Giftes nicht beraubt, so wird sie ohne Zweifel mit wieder gewonnenen Kräften und gesteigerter Wuth neuerdings hervortreten. Wer die Ereignisse der frühern Zeiten aufmerksam erwogen und mit den gegen« 70 »artigen Verhältnissen sorgsam zusammengestellt hat, der wird gewiß, wenn er mit gutem Willen und ohne Borurtheil prüft, zu dem Schlüsse kommen, den alle Weisen und Einsichtsvollen ziehen, cS müsse der Grund jener furchtbaren Konvulsionen nicht in RegierungSformen, in den politischen Gesetzen oder sonstigen äußern Ursachen, sondern in den falschen und irreligiösen Begriffen gesucht werden, welche die große Mehrzahl von Gott, von der Bestimmung deS Menschen, seinem künftigen Leben, ja von der Tugenv selbst hegt..... Durch sie wurde nach und nach die Macht der heilsamen Lehren des christlichen Glaubens und der Kirche untergraben; mit ihr nahm auch das Ansehen der öffentlichen, staatlichen Leitung ab. Durch das falsche Dogma von der absoluten Unabhängigkeit deS menschlichen Geistes, durch ruchlose, philosophische Systeme und durch die unselige Verbreitung verderblicher Bücher unter allen Klassen der Gesellschaft, so wie durch vaS Einführen rein theoretischer Ariome in das tägliche Leben mußten nothwendig alle gesetzlichen Schranken gesprengt, göttliche und menschliche Autorität mit Füßen getreten und der menschliche Geist zum Selbstgötzen werden. Hieraus allein läßt sich jenes in den letztverflossenen Jahren zu Tage getretene Streben, jede Macht umzustürzen, jenes Drangen, der sogenannten geistigen Emancipation theilhaftig zu werden, jenes zügellose Begehren, gar keine Gränzen mehr anzuerkennen, genügend erklären. Nachdem man in solcher Weise die Verehrung jeglicher Autorität beseitigt und sich des Glaubens an die göttliche Offenbarung entledigt hatte, die allein den menschlichen Geist vor verderblichen Irrthümern zn schützen, allein unserm Geiste eine wohlthätige Leuchte aufzustecken vermag, ergab sich von selbst jene enorme Berderbniß der Sitten, die, wie wir mit eigenen Augen gesehen haben, ganze Völker überfluthete. Hat sich nämlich der Mensch einmal von den höhern Freuden abgewendet, die nur der feste Glaube an Gott und die Hoffnung auf ewige Glückseligkeit gewähren können, so sucht er sein Glück in fleischlicher Wollust, in der Befriedigung der Gelüste seiner Augen, denen er sich gleich dem Thiere ergibt, nachdem er jeden edlern Sinn abgestreift hat. ES ist dieß der natürliche Gang im Leben des Menschen, wenn er sich von Gott abwendet, dem Schöpfer seiner vernünftigen Natur. ES kann uns daher nicht befremden, wenn ganze Völker in solche Verkehrtheit verfallen, daß sie ohne Gewissensbisse, ohne daö mindeste Schamgefühl, sich der brutalen Lust, der Lüge, entsetzlichen Ruchlosigkeiten, ja sogar unerhörten Grausamkeiten und Maßlosigkeiten aller Art hingeben. ES kann uns ferner nicht befremden, wenn die Ehe, die alle Weisen von jeher als die Grundlage aller menschlichen Weisheit betrachteten, als ungerechte Beschränkung deS GeschlechtSsinneS, wenn die auf redlichstem Wege erworbenen Rechte von Personen und Gemeinschaften als Usurpation, wenn das Eigenthum öffentlich mittelst deö mündlichen, so wie mittelst deS geschriebenen Wortes als Diebstahl erklärt wird, ja wenn bei Vielen der Wahnsinn so weit geht, daß sie dergleichen in die Gesetzbücher aufgenommen wissen wollen. Die Hoffart, die Wollust und die ungeregeltste Gier nach den irdischen Gütern hat sich deS menschlichen Geistes in solchem Grade bemächtigt, daß Niemand mehr mit seinem Schicksale zufrieden ist. Der Friede ist anS der Menschen Herren gewichen, weil sie den Fürsten alles Friedens, den Heiland Christus, aus denselben zu weichen zwangen, weil sie ihren Erlöser verloren haben und weil die nicht in Gott bestehenven Institutionen den Mangel dieser alleinigen Wahrheit, dieser einzig stabilen Grundlage menschlicher Glückseligkeit nicht zu ersetzen vermögen. tiM^Dieß ist die riesig große, im höchsten Grade gefährliche Krankheit, welche in diesen letzten Jahren die Völker der civilisirten Welt im hohen Grade ergriffen hat, welche noch fortdauert, wenn auch ihre äußerlichen Symptome unterdrückt zu scyn scheinen. Die Krankheit ist allgemein und in der Natur unserer Zeit begründet, so wie in den verderbten Ariomen deS menschlichen Geistes und in dem Leben der Völscr, welche das Licht der göttlichen Offenbarung verschmähen. ES fragt sich nun, in welcher Weise so großem Uebel wirksam und nachhaltig begegnet werden könne. Die neue Zeit hat unzählige Heilmittel vorgeschlagen: so 71 suchen Einige das Heil in neuen VersassungSnormen und in der Verbesserung der politischen Gesetze, Ändere in der Förderung der Industrie, die sie auf den höchsten Grad in solcher Weise gebracht wissen wollen, daß., ginge eS nach ihrem Willen, die ganze Welt eine colossale Fabrik würde; wieder Andere lehren gleiche Vertheilung der Güter und Arbeit, wenn auch diese der menschlichen Natur jederzeit im höchsten Grade widerstrebte. Noch andere Mittel werden vorgeschlagen, wobei man außer Acht läßt, daß ein inneres Leiden nicht durch äußerliche Mittel zur Heilung gebracht werden könne, daß die Krankheit unserer Zeit aus verkehrten Principien und einer verderbten Richtung der Geister hervorgehe, und daß diese erst gebessert werden müsse, ehe an Heilung des Uebels überhaupt gedacht werden könne. Von jener Besserung wird eS abhängen, ob der Glaube oder der Unglaube, ob Wahrheit oder Lüge, ob christliche Denkweise ober heidnische Gottlosigkeit die Völker regieren solle; die Entscheidung dieser Frage wird bestimmen, ob Friede und Ruhe oder Rohheil und Barbarei die Oberhand behalten könne.... Eine solche Regeneration dcS Menschengeschlechts kann aber nur durch geistliche Macht erzielt werden, die schon unzählige von moralischer Fäulniß ergriffene Völker einem neuen Leben wiedergegeben und so viele barbarische, wilde Nationen den gebildeten Völkern angereiht hat. Der geistlichen Gewalt, d. h. der heiligen Kirche ist von Gott diese Fähigkeit verliehen worden, die Fähigkett, daS in verderblichen Irrthümern befangene Menschengeschlecht wieder mit Gott zu versöhnen, die profanirten Herzen zu heiligen, das in ihnen erloschene Licht des hn'ligen Geistes wieder zu entflammen, und alle Classen der bürgerlichen Gesellschaft mit der Kraft des positiven christlichen Glaubens zu stärken, die Wiedergeburt endlich der Menschen und Völker in Folge der Gnade und Macht der Erlösung durch daS Wort zu vermitteln." luz.Si (Es wird nun auseinandergesetzt, wie hier unter Kirche vorzugsweise die Diener derselben, die Priester, verstanden werden, wie demnach sie vor Allen berufen seyen, Demuth, Keuschheit und Vermeidung strafbaren StrebenS nach irdischen Gütern durch Wort und That, durch Predigt und Beispiel zu lehren, woraus eS zum Schlüsse heißt:) „In solcher Weise wird mitMöttlicher Hilfe das Licht des Evangeliums die Welt wieder mit größerer Helle durchstrahlen und der Glaube an Christus, in welchem allein das Menschengeschlecht der Glückseligkeit im wahren Sinne deS WoneS theilhaftig werden kann, neuerdings erhöht werden und aufblühen, daß der gesunde Sinn den Menschen wieder gegeben, daS monströse Laster gemieden und die christliche Tugend wieder heiter aller Orten gedeihe. Nur so kann eS geschehen, daß die Folgen jener furchtbaren Konvulsionen, deren Augenzeugen wir noch vor Kurzem waren, gänzlich schwinden und die Gefabren der etwa wiederauflebenden Seuche verhütet werden können. Diese Sache aber hängt, wie jedes andere Gut, vom Vater des Lichtes und von jener Gnade ab, ohne weiche wir weder zu wollen, noch zu handeln vermögen. Diese heilige und wirksame Gnade wird jedoch nur durch den beständigen frommen, vertrauensvollen Umgang mit Gott, d. h. durch den nie nachlassenden Geist deS Gebets erwirkt. „Die Kraft deS Gebetes," sagt der heilige Augustin, „ist groß; gleich ejnem getreuen Boten richtet eS seinen Auftrag auS und dringt dorthin, wo das Fleisch nicht hin zu gelangen vermag." So sagt auch der heilige Bernhard: „Ist daö Gebet gläubig und inbrünstig gewesen, so wird eS ohne Zweifel in den Himmel dringen und gewiß nicht unverrichteter Sache zurückkehren." Darum ermähne ich euch, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, darum bitte ich euch im Namen unseres barmherzigen Gottes, daß ihr beim Eintritt dieser heiligen Fastenzeit eifrig und wachsam seyd im Gnadenact deS Gebetes, daß ihr in Gott wohl erwäget, wie groß einerseits die Verderbniß deS Menschengeschlechtes und wie erhaben andererseits euer Beruf sey, der allein, wenn er unverdrossen und gewissenhaft geübt wird, das Unglück der Welt beseitigen, daö Reich GotteS wieder herstellen Ä »zchilöHS !< :,«nlir,i,M ,zchitti',<><» .n»tj"!.