Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. «. März ^ R« 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Al>ouuement«prel« »v kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhaudlungeu bezogen werde» kaun. Die Erzherzogin Maria von Steiermark, Mutter Kaiser Ferdinand des Zweiten. RededeöHofrathSundReichshistoriographenvr. v. Hurte r-Am mann, gehalten in der Plenarversammlung des Wiener Central-SeverinuS- vereineS am 30. Januar 1852. IV. (Schluß.) Wenden wir uns von der Mutter zu der Fürstin, der wir bisher entweder nicht, oder nur im Borbeigehen unsere Aufmerksamkeit geschenkt haben! Eben so wie Maria ihren Kindern gegenüber in allen Beziehungen bis hinab auf die Bekümmerniß, ob die Ausstattung einer Tochter auch standesgemäß ausfallen werde, als die treueste Mutter sich erwies, eben so wußte sie, wo die Obliegenheit eS erheischte, als Fürstin in vollem Sinne des Wortes aufzutreten. Bemühen sich die antimonarchischen Sophisten und Schulweisen unserer Tage, den Fürsten ihre Rechte, zugleich mit diesen ihre höchsten Pflichten abzutheoretisiren, abzuconstitutiöneln und abzulärmen, so beflissen sich zu jener Zeit die begüterten und hochgestellten Untersassen beide in ähnlicher Weise abzuschwächen und einzugränzen, nur daß diese auf ihr Panier die Inschrift hefteten: „Gewissensfreiheit," wie jene auf daS ihrige: »Volksrechte" geschrieben haben. Von Erzherzog Carls Regierungsantritt in Steier« mark bis zum Sturz der königlichen Statthalter aus den Fenstern des PragerschlosseS sind vier Jahre über ein halbes Jahrhundert verflossen; was am Schluß dieses Zeitraumes geschah, lag an dessen Anfang schon im Keime verhüllt. Ich habe bei dem Beginn meiner Vorträge dessen Erwähnung gethan, wie Erzherzog Carl durch einen Tumult, welcher zu Grätz ähnlicher Wurzel entsprang, wie die Gräuelthat auf dem Pragerschloß, nach seiner Residenz zurückgerufen wurde, zu Mariazell erkrankte, wenige Tage nach seiner Ankunft in SteiermarkS Hauptstadt starb. Erzherzog Ernst sollte während Ferdinands Minderjährigkeit die Regentschaft führen, bis zur Ankunft deS Erstem jedoch die Erzherzogin. Dessen hatten die unkatholischen Landöleute gar kein Gefallen, denn sie kannten ihre Festigkeit, wo eS katholische Fragen galt. Zwei und dreißig derselben fanden sich kurz nach dem Hinscheid ihres Landesherrn zu Grätz ein und stellten sich, ohne einen ihrer katholischen StandeS- genossen auch nur einzuladen, als steirischen Landtag auf. ES herrschte damals zu Grätz Brodtheuerung, was die Verordneten zu einer Klage bei der Regierung gegen Verkäufer und Bäcker veranlaßte; allein die letzte Schuld deS Mangels wurde, der angenommenen Praris gemäß, ohne weiterS auf die Jesuiten geworfen. .ynny?(!n^4»tNsksinU Am 14. August ernannte dieser angebliche Landtag zwei Abgeordnete nach Prag, unter dem Norwand, Kaiser Rudolph die tt^urige Lage der Gränze und des Landes Unvermögen zu deren ferneren Beschirmung vorzustellen, eigentlich aber Klagen gegen die Erzherzogin und gegen die Jesuiten einzugeben. Die Fürstin war am 7. August ihres jüngsten SohneS, des Erzherzogs Carl, entbunden worden. Die edlen Herren und Ritter hatten nicht so viel Zartsinn, eine ohnedieß tief betrübte Wittwe, eine Mutter in diesem Zustande mit Mißliebigem zu verschonen; hingegen besaßen sie Schlauheit genug, um der Fürstin auS ihrer Schrift an den Kaiser nur dasjenige mitzutheilen, waS sie für gut fanden; dabei lag selbst in der Form ihrer Zuschrift an die Erzherzogin ein Merkmal der Geringachtung, indem sie an deren Schluß die üblichen Curialien vermieden. Maria empfand so daS eine wie daS andere, und die Klage bei dem Kaiser: „sie haben mir die Schrift unverschont meiner so großen Betrübniß gar in das Kindbett überantworten lassen," sind gewiß der Ausdruck einer natürlichen und tief empfundenen Kränkung. Allein trotz ihres DarniederliegenS erließ Maria dennoch an die Landleute eine kurze Abfertigung, an den Kaiser aber ein Schreiben, dessen Färbung die Ueberzeugung rechtfertigt, daß eS unter ihrem persönlichen Mitwirken sey verfaßt worden. Hätte die Erzherzogin vollends gewußt, waS Jene dem Kaiser vorgegeben hatten! Nämlich: seit des GemalS Tod habe sie schon mehrere Verordnungen erlassen, welche den Landesfreiheiten entgegen wären, ein Beweis, daß sie durch Andere sich regieren lasse. Unter diesen Andern waren aber einzig die Jesuiten verstanden, denen Vertreibung wahrer VaterlandSsreunde, Auferlegung von Geld- und Kerkerstrafen, Verscheuchung aller Einigkeit zur Last gelegt, denen Schuld gegeben wurde, daß Niemand mehr Geld auSleihen wolle, daß die Landessteuern schlecht eingingen, daß die Ersorderniß auf die Gränze täglich drückender werde; gerade so, wie ich im Jahre 1348 mit eigenen Ohren die Redemptoristen der Vertheuerung der LebenSmittel in der Stadt Wien anklagen hörte. Die Erzherzogin bemerkte dem Kaiser: „damit, daß die Räthe geblieben seyen, hätten sie nur seinem eigenen bestimmt ausgesprochenen Willen sich unterzogen, übrigens wohl gewußt, daß man eö selbst bei dem besten Wohlmeinen in diesen kitzlichten Zeiten Niemand zu Dank machen könne. Sie selbst habe auf steteS Zumuthen der Herren Vormünder, dem gemeinen Wesen zum Besten und damit die Rechtspflege ihren Fortgang habe, der Sache sich angenommen. Die wider sie erhobenen Klagen wären eben so ungerecht als grundlos. Daher erwarte sie, daß die ihr zugefügte Unbill und die bescheinte Insolenz ernstlich würve in Betrachtung gezogen, den Landleuten ein kräftiger Verweis gegeben werden." Den Freiherrn von Rumpf bat sie, bei dem Kaiser wegen Erzherzog ErnstS baldigem Hereinkommen ernstlich sich zu verwenden. Hätten die Steirer schon ihres seligen GemalS wenig geachtet, wie viel weniger würden sie einen Solchen achten, der ihres gleichen wäre? So viel Rücksicht, hoffe sie, werde der Kaiser doch auf ihre zwölf verwaisten Kinder nehmen. Dann wieder klagte sie Rumpf: „in der Religion gehe e6 so zu, daß Gott sich erbarmen möchte; auch wolle ein Jeder Herr und Landesfürst selbst seyn." Sie sandte demselben zugleich das Original deö Vertrages von Brück, in welchem der Erzherzog bei der ertheilten ReligicnS-Bewilligung die Worte: „Erben und Nachkommen" mit eigener Hand auögestrichen hatte, indeß die Landleute jetzt (wie auch später wieder) deren volle Geltung in Anspruch nahmen. Daher nennt die Erzherzogin jenes Dokument „ihr bestes Kleinod, dessen sie um keinen Preis möchte verlustig gehen." Die Abordnung der Steirer wurde am Hofe zu Prag nach Verdienen aufgenommen. Der Kaiser ließ denselben wissen: für Beschirmung der Gränze werde er bestens sorgen, erwarte aber, daß die Landschaft ihre Pflicht thue, wie bisher. Daß-die Jesuiten, als ein von päpstlicher Heiligkeit und den ReichSconstitutionen anerkannter Orden, von ihnen, der katholischen Religion zum Spott, dergestalt „turbirt" würden, falle ihm höchst beschwerlich; er hoffe, „dergleichen hitzige Anzüge" werden hinfüro unterbleiben. Eben so hätte er sich versehen, die Stände möchten für 75 vaS, was die fürstliche Wittwe in Folge seiner Ermächtigung zu Handhabung der Gerechtigkeit biß anhin vorgekehrt, eher ihren Dank ausgesprochen, als darüber sich beschwert, anbei derselben in ihrer Betrübniß und in ihrem Wochenbette besser geschont haben. Sie hätten fernerer Zusammenkünfte sich zu enthalten, in Geduld die Verfügungen betreffs der LandeSverwallung abzuwarten. Bald nach diesem traf Erzherzog Ernst in Steiermark ein. Bevor die Landleute die Huldigung leisten wollten, versuchten sie, die Erzherzogin sammt ihrem .Bruder, Herzog Wilhelm von Bayern, von der Vormundschaft auszuschließen unter dem Vorwand: Beide gehörtem dem Lande nicht an. Sodann bemühten sie sich, des verstorbenen Landesherrn getreuesten Geschäftsmann, der gleich hohen Vertrauens bei der Fürstin sich erfreuen mochte, den Kanzler Wolfgang Schranz, von seinem Amt zu verdrängen. Er wich freiwillig; allein in Würdigung seines Werthes wollte ihn die Erzherzogin nicht aus dein Geheimen Rath entlassen. Doch nicht einzig dieses, vieles andere wurde weit umher im Lande vollführt oder versucht, waS die Erzherzogin als katholische Fürstin aufs tiefste schmerzen mußte. Kaum war nach langem Sträuben und weitläufigen Erörterungen die Huldigung gegen Erzherzog Ernst als Landpfleger geleistet, als Maria dem Kaiser zu klagen hatte: „schon an verschiedenen Orten hätten Prädicanten sich eingeschlichen, wo doch während ihres GemalS Leben niemals solche sich befunden hätten, sie schickten sich an, noch andere Städtchen in Besitz zu nehmen. Daneben werde zu Kränkung der Ehre ihres verstorbenen GemalS unablässig Mancherlei auf die Bahn gebracht, was er alles versprochen, aber nicht gehalten habe." Erzherzog Ernst stimmte in ihre Klagen ein. „Es reißen, sagte er dem Kaiser, fremde Schwärmereien ein: wolle er Einhalt thun, so heiße eS alsbald: Der Kaiser habe die Religion frei gegeben." Zeiten einer Vormundschaft waren für jedes Land beinahe immer unerquickliche Zeiten, dann um so gewisser, wenn dasselbe durch irgend welche Parteiung zerrissen war. Unter solchen Verhältnissen finden gewöhnlich die Rührigern und Anspruchsvollern die beste Rechnung. DaS waren in Steiermark, wie damals überall, die kirchlichen Neuerer, sie unterscheiden sich von den politischen der Gegenwart einzig durch das Schlagwort. Auf Erzherzog Ernst folgte Erzherzog Maximilian als Landpfleger. Auch dieser konnte bald Zeuge seyn, wie die Gegner des katholischen Glaubens das errungene Zugeständniß, deS ihrigen leben zu dürfen in die wildeste Anfechtung deS seinigen, in die rohesten Ausbrüche wider dessen Bekenner verkehrten. Maria konnte gleichsam unter ihren eigenen Ohren allwöchentlich singen hören: Erhalt uns Herr bei deinem Wort Und sieur' des Papsts und Türken Mord! Nach der Eroberung von Sissek durch die kaiserlichen Waffen (1593) ließ sie Dankgebete und Processionen veranstalten, denen sie mit ihren Kindern und ihren Räthen selbst beiwohnte. Die Prädicanten in Grätz nannten dieses von offener Kanzel „einen Gräuel vor Gott, lautere Abgötterei, wodurch der Türke in daS Land gelockt, größeres Unglück bereiten werde." Die Erzherzogin klagte dem Kaiser: „Bei dergleichen Aufreizung seye zu besorgen, daß am Ende sie und ihre Kinder auf offener Straße vor Schimpf- und Spottreden deS erhitzten Pöbels nicht mehr sicher wären. Sie müsse um Abstellung der Lästerung, um AuSschaffung der Lärmblaser bitten." Wenige Tage später beschwerte sich Erzherzog Maximilian: „besonders daS ledige HandwerkSgesinde werde häufig gegen Ordnung und Gehorsam aufgestiftet." (Gibt eS etwas Neues unter der Sonne?) Der ungezähmteste dieser Lästerer war der Prädicant Fischer, Sohn eines Schusters zu Grätz, besondern Schutzes der Verordneten sich erfreuend. Ein kaiserlicher Befehl an diese, denselben im Zaume zu halten, bewirkte, daß er gegen die Erzher, zog"', gegen ihre Kinder und gegen daS -Mündige Gebet abermals loszog; worauf die Verordneten bei neuer Klage des Erzherzogs entgegneten: daS seyen Anschuldigungen der Jesuiten, die eS auch nicht anders machten. Nachher untersagten sie auf Rüge des Kaisers Fischern zwar das Predigen, scheinen aber das Verbot bald wieder 76 zurückgenommen zu haben, da er am Tage der unschuldigen Kinder nicht allein die frühern Schmähungen wiederholte, sondern jetzt nicht einmal die Person des obersten Vormunds und ReichSoberhaupteS schonte. ES ging auf den unkatholischen Kanzeln, folglich um so mehr unterhalb derselben, in solcher Weise zu, daß Maria sich genöthigt sah, ihren Geheimschreiber Peter Casal mitten im Winter zu Erzherzog Maximilian nach dem fernen Mergentheim in Franken zu schicken, um Abhilfe von ihm zu bitten. Nach einer Zuschrift von dem Kaiser mit der Bemerkung: „Leute von Fischers Art könnten in Residenzen nicht geduldet werden," stellten die Verordneten das Grellste in Abrede, des Uebrigen halber beriefen sie sich auf die zugestandene Religionsfreiheit. Unter so vielfachen betrübenden Erfahrungen konnte Maria nichts weiter thun, als für deS SohneS Heimkehr und einstiges Regieren alles so vorzubereiten, daß ihm genaue Kenntniß des Standes der Dinge nicht fehle; dadurch, glaubte sie, möge er eine richtige Einsicht in die Verhältnisse und Fingerzeige für sein Handeln gewinnen; denn dessen war sie fest überzeugt, daß es so, wie seit deS GemalS Tode, in die Länge nicht fortgehen könne. In solcher Fürsorge befahl sie ihrem getreuen Kanzler Wolf^ang Schranz, „drei Schreiben der Prävicanten sorgfältig bei den Religionsacten aufzubewahren, damit Ferdinand einst Kenntniß erhalte, waS Alles der Pacifikation zuwider sey versucht worden, desto besser hiernach sich richten möge. Gewiß werde eS nie Ruhe gehen, sagt sie in ihrer Zuschrift, wenn man daS Nest nicht auSnehme. Wolle Gott, fügt sie bei, daß es bald geschehe." In diesen Tagen deS durch alle Mittel geförderten AbfalleS von der Kirche ging über die Erzherzogin die Rede: „wie zur Zeit deS Leidens Christi einzig in Maria der Glaube nicht gewankt habe, so in dieser trübm Zeit bei der Erzherzogin." Aber gerade deßwegen richteten diejenigen, welche von dem Glauben der Väter gewichen waren, immerwährend ein scharfes Augenmerk auf sie. Sie maßen daS nachherige Auftreten deS SohneS dem Einfluß der Mutter bei, und säumten nicht, Berichte nach Prag abgehen zu lassen, die ein nachtheiligeö Licht auf dieselbe werfen mußten, und dort nicht immer ohne Einfluß blieben. Ferdinand hatte einen Tobias Fischer, einen ruhigen und verschwiegenen Mann, als Agenten an den kaiserlichen Hof abgehen lassen. Dieser berichtete am Ende des Jahres 1.597: die Erzherzogin werde einer kostspieligen Hofhaltung beschuldigt, und wie sie die prächtigsten und theuersten Waaren von Venedig kommen lasse. Ferner werde vorgegeben: ohne Vorwissen der Jesuiten dürften die geheimen Räthe nichts beschließen, die Schreiber nichts ausfertigen. Niemand könne zu einer Anstellung gelangen, außer durch die Jesuiten; ob der Anzustellende ein Dieb oder ein Schelm sey, darnach werde nicht gefragt, einzig, ob er den Jesuiten gefalle. Die Zahl derselben sey auf hundert gestiegen, meistens aus Frankreich Vertriebene; man habe deren Einkünfte um einige tausend Gulden vermehrt; sie besäßen sogar einen Hauptschlüssel zu den Gemächern der Erzherzogin, um zu jeder beliebigen Zeit freien Zutritt zu ihr zu haben. Diese Anschuldigungen waren eben so grell und ehrenrührig, als grundlos. Sie veranlaßten eine Zuschrift der Erzherzogin an besagten Fischer, welche ihren Charakter in solcher Frische abspiegelt, daß ich nicht zweifle, die hochansehnliche Ve» sammlung werde gerne die Hauptstellen derselben vernehmen. „Daß Alles," sagt sie, „waS innerhalb und außerhalb deS HofeS geschieht, von hier auS dem Kaiser und seinen Räthen berichtet wird, deß trage ich gar keine Scheu. Nicht bloß der Kaiser und die geheimen Räthe dürfen wissen, waS man hier thut, jedermänniglich darf es wissen, man wird nichts finden, waö zu mißbilligen Wäre. Daß aber unwahrhaftcn Schreiben zu Prag so viel Glauben geschenkt werde, deß hätte ich mich niemals versehen. Ich muß eS Gott anbefehlen und sammt meinem Sohn der Unschuld mich getrösten. Wollte ich meinerseits schreiben, waS von Prag Hieher geschrieben wird und wie eS dort zugehe, wahrlich eS gäbe seltsame Händel. Freilich dort kann man nicht sündigen, nichts Unrechtes thun! Indeß diese Sachen gehen mich nichts an, deßwegen lasse ich sie. Aber daS möchte ich wissen, wer über mich und die Meinigen solche Lügen hinausschreibt und sich unterstehen darf, 77 uns gegen dritte Personen so herabzuwürdigen? Hierüber haltet fleißig Nachfrage, und wenn Ihr diese Personen erfahrt, so theilet eS mir alsbald mit. Man schreibt von kostspieliger Hofhaltung. Meine Söhne und Töchter können nicht mehr so beisammen seyn, wie zur Zeit, da sie noch kleine Kinder waren; doch ist alles so eingerichtet, daß, ich nicht wüßte, wie eS haushälterischer könnte angestellt werden. UebrigenS sollen Solche, die eS nichts angeht, um daS, waS wir thun, nicht sich bekümmern. Daß ich um viele tausend Gulven prächtige Waaren von Venedig hätte kommen lassen, davon weiß ich nichts. Zur eigenen Kleidung bedarf ich weder Gold- noch Silberstoffes; wenn aber mein Sohn für sich, für seine Brüder und Schwestern oder für seine Diener etwas kommen läßt, so ist daS bei weitem nicht so kostbar, wie man vorgibt, bloß wie eS die unvermeidliche Nothdurft erheischt. UebrigenS ist mein Sohn hiefür Niemand Rechnung schuldig, und möchten die Leute licber um die eigenen Sachen sich bekümmern und die Zeit besser anwenden, als in dergleichen sich einzumischen. WaS die Jesuiten betrifft, und daß ohne ihr Gutachten nichts dürfe berathen oder ausgefertigt werden, so soll der, der solches vorgibt, zuerst bessern Bericht einziehen; am besten, er frage die Räthe und Schreiber selbst. Daß man sagt, jene hätten einen Hauptschlüssel und könnten nach Belieben in alle meine Zimmer treten. daS berührt die Ehre; wer so etwas schreiben oder reden kann, beweist damit, daß er ein verlogener Mensch sey. Gottlob, ich bin so ehrbar, daß ich solche» Niemand gestatten würde, und bin mit dem Hauptschlüssel so „heikel," daß bis zur Stunde nicht einmal mein Sohn einen solchen hat. ES greife nur jeder in den eigenen Busen, er wird vielleicht mehr darin finden, als waS man über hier Unwahres auSgiebt. Eben so weiß ich von keinem einzigen Pater, der auS Frankreich vertrieben wäre; und die Einkünfte, welche mein seliger Gemahl ihnen angewiesen hat, find durch meinen Sohn nicht um einen einzigen Heller erhöht worden. Daß Schelme und Diebe durch sie zu den besten Diensten am Hofe gelangen, ist eben so wenig wahr, wie alles Uebrige. Hält man denn mich und meinen Sohn für solche Thoren, um dergleichen zu thun? Wollten wir eS aber thun, so haben wir durch GotteS Gnade solche ehrbare, aufrichtige und sürnehme Leute in unsern Diensten, welche gewißlich mit Dieben und Schelmen weder dienen noch bleiben würden. Alles ist „pur lautere" Lüge, wodurch man mich und meinen Sohn bei Ihrer Majestät, den geheimen Räthen und bei Jedermann verhaßt machen möchte. Dessen aber hätte ich mich nicht versehen, daß Se. Majestät, seine Räthe und andere Gutgesinnte dergleichen Leute angehören würden, da sie selbst so wenig als ich und die Meinigen vor ihnen sicher sind. Darum hätten sie ihnen nicht alsbald Glauben schenken, sondern den Sachen besser nachspüren und sich gründlich erkundigen sollen, ob eS sich denn auch also verhalte. Aber alles Gott anheimgestellt! Er wolle eS denjenigen verzeihen, die so wider die Wahrheit reden und schreiben, wobei ich Niemand anders in Verdacht habe, als die Ketzer, denen weder mein Sohn noch ich zu keiner Zeit thun können und wollen, waS ihnen lieb wäre; und werden eS Hinsort noch weniger thun, sollten sie auch noch mehr Lügen hinauSschreiben. Forschet nur diesen Angebern fleißig nach; erfahret Ihr etwas Gewisses, so meldet eS ungesäumt; sicherlich soll eS Euch nicht unvergolten bleiben. Man ersieht aus diesem Schreiben, daß der mehrmals wiederholte Rath der Erzherzogin an ihre Tochter Margaretha bei Anmaßungen des spanischen Hofgesindes: „weise ihnen flugS die Zähne!" keine bloße Redensart war. Wo eS noch that, hat sie es anzuwenden verstanden. Sie war ihrer Stellung, ihrer Rechte vollkommen bewußt, kräftig genug, Beide unter allen Umständen zu behaupten. Und doch einigte sich in ihr das Starke mit dem Zarten in einer Weise, wie solches nur selten vorkommt. DaS letztere wird in der lieblichsten und einnehmendsten Weise hervortreten, wenn wir einmal einen Blick auf die Lebensweise und die Gewohnheiten der Erzherzogin werfen, welchen durchweg der Stempel katholischer Ueberzeugung in dem anmuthigsten Gepräge aufgedrückt ist. 78 Da» Märtyrerthum des katholischen Missionars Bonnard in China. Der hochwürdigste Bischof von Acanthe, Monfignor Reford, schildert im Nachfolgenden an die „^rmsles cle Is propgßstion cle Is koi" gerichteten Schreiben daS von dem ehrwürdigen katholischen Missionär Herrn Bonnard in Tong-King am 10, April v. IS. erlittene Märtyrerthum: Um zehn Uhr Vormittags, als der Obermandarin noch schlief, langte die Bestätigung deS Todesurtheils auS der Hauptstadt an. Ein christlicher Beamter hatte im Geheimen Kenntniß davon genommen und beeilte sich, einigen seiner Freunde die Nachricht mitzutheilen. DaS Gerücht verbreitete sich sofort mit Blitzesschnelle, daß unser ehrwürdiger Mitbruder am selben Abend hingerichtet werden sollte, und von allen Seiten strömten die Neophyten in die Stadt herbei, um dieser Trauerscene beizuwohnen. Von Mittag an waren die Straßen gedrängt voll von Menschen und besonders groß war der Andrang vor dem Thore, von welchem, wie man glaubte, der Trauerzug ausgehen sollte. Die Hinrichtung wurde aber, wahrscheinlich um dem Andrang auszuweichen, auf den folgenden Tag ausgeschoben. Aber auch an diesem Tage war die Volksmenge nicht minder beträchtlich. Vom Morgen an eilte sie dem gewöhnlichen HinrichtungSplatze zu, wo die Mandarine Alles vorbereiten ließen. Aber plötzlich bemerkte man, daß der Missionär nach einem entgegengesetzten Puncte geführt wurde. Die Menge stürzte sofort dahin; sie hatte einen weiten Umweg zu machen, um zur rechten Zeit anzukommen. Es waren daher nur einige hundert Christen zugegen, die dem Martyrertod unseres viel- geliebten MitbruderS beiwohnen konnten. Der Richtplatz war beiläufig anderthalb Meilen von der Stadt entfernt, in der Nähe eines FlusseS. Der fromme Held Christi machte den ganzen Weg zu Fuß, belastet mit dem Schandpfahl und der Kette, die er aufgehoben in der Hand trug; er schritt mit der Miene übermenschlicher Zufriedenheit vorwärts. - Auf dem Richtplatze angekommen, band man ihm die Hände auf den Rücken und so fest, daß Blut herabfloß. Zudem hatten die Mandarine die nöthigen Werkzeuge mitzunehmen vergessen, um den Schandpfahl und die Kette abzulösen. Es bedürfte wenigstens einer Stunde, um die Werkzeuge herbeizuholen und unser geliebter Märtyrer lag während dieser ganzen Zeit auf den Knieen, fest und standhaft, wie eine Säule. Er hatte wenige Augenblicke, bevor er daS Gefängniß verließ, daS heilige Abendmahl empfangen, wie hätte er also weichen oder zittern können! Er betete mit Inbrunst, die Augen zum Himmel gehoben. Als man ihm den Schandpfahl und die Kette abgenommen hatte, stieg der Mandarin, der die Oberaufssicht bei der Hinrichtung hatte, von seinem Kameele herab, um seine Haare zu ordnen und flüsterte ihm einige Worte zu, die man nicht hörte. Unser Märtyrer sagte ihm auch einige Worte, die man eben so wenig hören konnte. Als der Mandarin sein Kameel wieder bestiegen hatte, ertönten drei Schläge auf der Cymbel und das Haupt unseres Freundes fiel unter dem Streiche deS Schwertes. Der Henker hatte ihm mit einem Streiche den Kopf abgeschlagen. Unsere Christen konnten nur wenig von seinem Blute ausfangen, weil die Officiere Jeden, der sich zu nahen wagte, mit Stockschlägen zurücktrieben. Die Soldaten bemächtigten sich des neuen Gewandes, daS Herr Bonnard getragen hatte, so wie auch seiner mit Blut befleckten Unterkleider, die sie unter sich vertheilten, um den Christen einzelne Theile davon zu verkaufen. Die Mandarine hatten zu dieser Hinrichtung viele Soldaten versammelt, so wie auch viele Kameele und Pferde. Wir glaubten, daß er, wie der selige Schäffer auf dem Richtplatz begraben und daß nur sein Kopf inS Wasser geworfen werden würde. Wir hatten bereits alle Maaßregeln ergrissen, um unö der sterblichen Ueberreste zu bemächtigen, woran wir . 79 aber verhindert wurden. Der Leichnam und der Kopf wurden in einer von Soldaten besetzten großen Barke niedergelegt. In einer zweiten Barke befand sich der Obermandarin mit mehreren bewaffneten Leuten; mit LebenSmitteln für drei Tage versehen, ruderten sie ab. Aber ein Boot, in welchem mein Diaconus und zwei unserer Katecheten sich befanden, schiffte in einiger Entfernung zur Beobachtung ihnen voran; gegen Abend wurden auch mehrere Fischerboote von unS nach dem Meere abgesandt. Um acht oder neun Uhr verfinsterte sich der Himmel und es fing an zu regnen. Die Mandarine waren mit ihrer Barke unterhalb von Tam Toa angelangt, wo sie anhielten und nachdem sie einige Operationen, die man nicht sehen, aber wohl errathen konnte, vorgenommen hatten, kehrten sie flußaufwärts zurück. Die Stelle wurde von den Christen in dem Boote in Erinnerung gehalten, die Fischerbarken kamen auch bald herbei. Ein junger Mensch tauchte 25 Fuß tief hinab und stieß gerade aus den Leichnam unseres Märtyrers, dessen Füße und Hände er berührte. Er tauchte hierauf triumphirend mit den Worten auf: „Ich habe ihn gesunden." Die Mandarine hatten einen großen Stein an den Leichnam befestigt und den Kopf in einen kleinen Sack unter seinen Arm gesteckt. Nun wurden die kostbaren Ueberreste sofort aus dem Abgrunde hervorgezogen. Es war ein Uhr nach Mitternacht, als unsere Fischer mit der theuren Last anlangten. Der Leichnam wurde sogleich mit dem priesterlichen Ornate bekleidet, in einen von einer christlichen Familie geschenkten sehr schönen Sarg gelegt und in der Mitte unserer Kirche, mit Kerzen umgeben, bis zum Abend des folgenden TageS ausgesetzt. Wir begruben ihn hierauf mit allen kirchlichen Ceremonien. Ich selbst verrichtete im Beiseyn deS Herrn Legrand, zweier Priester, eineS Diaconen und aller unserer Zöglinge den Gottesdienst. Sein Leichnam ruht also jetzt in unserer Mitte. O! wie schön sah er aus in seinem Sarge, angethan mit dem priesterlichen Gewände: man hätte sagen können, eS sey eine Bildsäule vom schönsten Elfenbein. Sein auf dem Hals sehr gut befestigter Kopf schien in einen ruhigen Schlummer versunken und eine himmlische Vision zu haben, die ihn lächeln machte! Mission in Ghr-nbreitstein. Ehrenbreitstein, im Febr. 1853. Die seit dem 16. Januar d. I. durch die Jesuiten Herren PatreS Haßlacher, Pottgeißer und Baron von Mehlem hier begonnene Mission wurde am 3t). Januar mit einer Procession, der Errichtung deS heiligen MissionSkreuzeö und einem feierlichen Gottesdienste beschlossen. Unserm hochwürdigsten Herrn Bischöfe zu Trier und unserm würdigen Herrn Pfarrer Geschwind, der nun schon über fünfundzwanzig Jahre mit regem Eifer als Seelsorger hier wirkt, haben wir nächst der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit diese Mission zu danken. In der That, dieselbe ist ein leuchtendes Zeichen der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, welches als solches inniger gewürdigt werden kann, wenn man zurückblickt in jene traurige Vergangenheit, welche über die Geschlechter der Menschen dahingezogen ist, seit auch in den katholischen Theilen von Deutschland die Jesuiten vertrieben wurden. Fast achtzig Jahre find seitdem verflossen, also doppelt so viel Zeit, als nöthig war, um die Jsraeliten in der Wüste zu reinigen und zu bekehren! Unsere Wanderungen in der Wüste scheinen nun auch enden zu sollen, und wir betrachten eS als ein erfreuliches Zeichen, daß die erste Mission, welche die Jesuiten seit ihrer Vertreibung auS der Trier'schen Diöcese in derselben wieder gehalten haben, hier in Ehrenbreitstein, dem alten Sitze vieler Trierischen Kurfürsten und Bischöfe, stattgefunden hat, und bei derselben zwei Eingeborene der alten Diöcese Trier, nämlich die hochwürdigen PatreS Haßlacher und Pottgeißer verwendet worden sind. Die heilige Mission wurde von dem Pater Haßlacher eröffnet und in dem fol« 80 genden CycluS der Predigten, deren täglich viek während voller vierzehn Tage nacheinander gehalten wurden, die Zuhörer zu heilsamen, anregenden Betrachtungen ermuntert und geleitet, die wichtigen und wichtigsten Heilswahrheiten abgehandelt, auch alle Fragen, welche für den sittlichen, nicht verkommenen Menschen die höchste Bedeutung haben, erörtert. In allen Vorträgen, welche die drei hochwürdigen Missionäre hier hielten, offenbarten sie einen innigen, rührenden GlaubenSeifer, eine wahre, begeisternde Christusliebe, eine tiefe Wissenschaftlichkeit, daher , eine wahre, christliche Meisterschaft. Zwei Tage vor dem Schlüsse der Mission geschah nach geeigneter Predigt über den unwürdigen Empfang des hl. AltarSsacramenteS die öffentliche, laute Abbitte—: ein ergreifender, rührender Moment! Die Wirkungen der hiesigen Mission waren und find höchst erfreulich. AuS Ehrenbreitstein, Koblenz und aus der ganzen Umgegend strömten den Predigten täglich so viele Tausende zu, daß die Räume der hiesigen Kirchen dieselben alle gar nicht fassen konnten. Viele, sehr Viele empfingen die heiligen Sacramente, und obwohl wir in den hiesigen Breitegraden — Gott sey Dank — ganz abgestorbene Katholiken nur äußerst wenige, laue Gläubige nicht viele haben, so zündete doch auch bei beiden Classen das Licht der heiligen Mission und hat sie neu belebt der harrenden Mutter, der Kirche, wieder zugeführt. Ein schönes anregendes Beispiel gaben die gebildeten Classen von Coblenz und Ehrenbreitstein, indem sie stets sehr zahlreich bei den Predigten sich einsanden. So thaten auch mehrere Lehrer des Koblenzer Gymnasiums, und unterließen eS nicht, ihre Schüler in die Predigten über die betreffenden Standespflichten zu führen. Auch mehrere Protestanten, den höhern, gebildeten Ständen angehörend, besuchten oft die Vorträge der Missionäre, welche nie ein verletzendes Wort enthielten, sondern nur den Geist der christlichen Liebe athmeten. — Aber dennoch hat die kirchenfeindliche Presse, besonders daS „Frankfurter Journal", auch über die hiesige Mission bereits die schamlosesten Lügen und Verleumdungen verbreitet. Man steht daran, wie tief das arme Menschenherz durch so alte Gewohnheitssünden verhärtet und verdorben wird!— Den Schluß der heiligen Mission machte die Kreuzprocession. Voran zogen die Schulen, dann die Jungfrauen und Frauen, dann ein Sänger< und MustkcorpS, darauf der KleruS, unmittelbar darnach daSgroße Missionskreuz, getragen von Männern auS allen Ständen, indem wir vor dem Heilande ja alle ohne Standeswürde nur arm dastehen. DaS große MissionSkreuz, der KleruS und die sechsunddreißig Kreuzträger, welche je zu zwölf im Tragen des KreuzeS abwechselten, waren von der hiesigen alten SebastianuS - Schützengesellschaft umgeben, und die Tausende von Männern, welche der Procession beiwohnten, bildeten den Schluß derselben. Nach der Aufrichtung des MissionökreuzeS fand die Einsegnung durch den hochwürdigen Pater Haßlacher statt. Seine Schlußpredigt handelte von dem Kreuze, also von der Vollendung — consummstum vst — und so in geistigem Sinne von dem Siege des Christen, den er stets über die Sünde, über seine Leidenschaften, turch sein Kreuz, nämlich die Entsagung, gewinnen soll. Demnächst ertheilte Pater Haßlacher den päpstlichen Segen über die große, große Menge der anwesenden Gläubigen. Die hochwürdigen Missionäre werden fortleben in unserer dankbarsten Erinnerung; sie haben eine wahre Erneuerung deS christlichen Bewußtseyns und Lebens ider ganzen Gemeinde und Umgegend bewirkt, daher daS kostbarste Gut, den Frieden der Seele, uns Allen mehr gesichert I (D. VolkSH.) >is schlM ,nci n >ii izrn . iibchi^ S>chi!»»?ji» yi:» b!v Hz n»jH«itt«t ^»»ÄvH'.'MÜli'iiK l ni "HyLjL! ».»ch'i'nnT Suo gmi'öizrliM 7Nt!i im ,^6chlM Änit mtmijruH n^-i -.---r? -IM« 5ylV n,iw an? ,N!-ini-s/iii>?!lP m „i-j -m5>i »snSi(L lM!» ^uviclZkuW 'iMz^MlHna ivl