Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt <^ S,1 zooL ,tck,y7^.'! ? zur ' - ,-i'.s,„wF 7,:? Augsburger Postzeitung. ,"'l!tt 7'j«i,tt1 t!'»,IINs.1-^'-IIZa OIIU Mm N)-^ MI! /l!^ UI ?«!itü ,.«->: Sm,L ichNlsi "^7oW..öZU«G 7^1 , tli i!'<Ä , .li'iöz'l! Ils 7^'s'i^ q«» ckn.-i M)in'i7!!i)MZ(1 anzH s?»m chiuMuK «->i'i« !( ! ,8 .^oL^.smI'nD 27. Marz M^- KA. 1853. i^ tz?NvG zch7U?. '.i'l in7^1,l'.>ssi,D ^ui tt',z»si?!?7P ni ^n-^I 7,chl7<,< ^lii^l zttnst Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«prei« TV kr-, wofür e« durch alle köuigl. daher. Postämter uod alle Buchhaudluogeu bezogen werden kaun- Die Sonntagsfeier. AuS dem dieß jährigen Fastenhirtenbrief deS hochwürdigen Herrn Bischofs von Würzburg. (Schluß.) Kraft dieses heiligen Gebotes also muß der Christ an allen Sonn- und Feiertagen im Heiligthume deS Herrn erscheinen, und dort, wo das Lamm Gottes als Schlachtopfer für unsere Sünden auf dem Altare liegt, und sein unschuldiges und heiliges Blut um Erlösung für unS zum Himmel ruft, dort soll er niederkuieen — der Erdenpilger, soll des Berufes zur Ewigkeit gedenken, soll Herz und Hände zu Gott erheben, soll Andacht und Gebet mit dem Opfer deS Lammes vereinen und so Heil empfangen aus dieser Quelle des Heils, — der Sünder die Gnade wahrer Bekehrung, der Blinde Licht in seiner Finsterniß, der Betrübte Trost für sein banges, krankes Herz, der Schwache Stärke in seiner Gebrechlichkeit, der Zaghafte neuen Muth für Gott zu streiten, und der Gerechte das große und unschätzbare Gut christlicher Beharrlichkeit. So feiert die Kirche Gottes die Tage deS Herrn und seiner Heiligen, und lehrt ihre Kinder, sie mit ihr feiern; sie vollbringt das Geheimniß der Welterlösung und sorgt in mütterlicher Liebe, daß es auch in den Seelen der ihr Anvertrauten durch Theilnahme an demselben vollzogen werde; die Seelen des FegfeuerS suchen Hände ringend ihre Hilfe auf eben dem Altare der streitenden Kirche; und dasselbe Lamm GotteS, das wir hier unter der Hülle der Brodsgestalt im Glauben erkennen, betet mit unS die triuinphirende Kirche als ihren Heiland und Seligmacher an. Wird durch solche Feier diese Erde in besonderer Weise zum Reiche Gottes eingeweiht, so betrachtet der gute Christ die Sonn- und Festtage auch in anderer Hinsicht als Tage besonderen Heiles. Abkömmling des gefallenen AvamS und hiedurch dem Loose der Sündhaftigkeit anheimgegeben, weiß er, daß selbst der Gerechte siebenmal fällt, daß aber die Fesseln sich lösen müssen, soll der Knecht der Sünde ein Kind der Freiheit, ein Erbe des ewigen Lebens werden. Wanderer zur Ewigkeit, und doch von Schwäche und Ohnmacht umgeben, sieht er, wie seine Kräfte sinken, unv auf der weiten Reise erliegen müssen, wenn nicht Brod vom Himmel in die Wüste des Lebens fällt. Nachdem nun die Kirche die heilige Gewalt zu binden und zu lösen vom Herrn empfangen, und an ihrem Mutterherzen der reumüthige Sünder zu jeder Stunde Aufnahme und Gnade findet; nachdem der Tisch deS Herrn an jedem Tage bereitet steht, Mühselige und Beladene zu erquicken; so sind eS doch vorzugsweise die Sonn- und Festtage, die der Christ benützt, um von Zeit zu Zeit den heiligen Sakramenten, den Geheimnissen deS Glaubens sich zu nahen. Hier schließt er Rechnung mit seinem Gotte, hier bekennt er reumüthig seine Sünden, auf daß priesterliche Hände die Bande, die ihn gefangen halten, die Ketten der Sünde lösen. Hier kniet er am Altare nieder, um das Geheimniß des Leibes deS Herrn zu feiern, und in ihm neue Gnade und neues .YNKYIst gg Leben, neuen Muth und neue Kraft zur Fortsetzung der Wanderschaft, die Hoffnung und daS Unterpfand ewiger Seligkeit zu empfangen. So werden diese heiligen Tage, zuvörderst der Ehre Gottes und dem Lobe seiner Heiligen geweiht, Tage deS HeileS für den Feiernden. Neuversöhnt und neugestärkt, und im Innersten der Seele kostend, wie süß eS ist, dem Herrn zu dienen, glüht er vom heiligen Verlangen, Ihn, den seine Seele liebt, mehr und besser zu erkennen, um den mehr und besser Erkannten immer mehr und besser zu lieben. „Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort," spricht JesuS Christus (Joh. 8, 47); und diesen Ausspruch seines Herrn bewahrheitend, dürstet er nach dem Worte des ewigen Lebens, und eilt, den Durst zu löschen, zu jener heiligen Lehrstätte hin, von welcher herab in Predigten und Christenlehren die Kirche GotteS dem Volke die christliche Wahrheit verkündet. Hier sieht er nicht den Menschen, der zu ihm redet; in der Gestalt des Dieners GotteS erblickt er nur den Herrn, der Worte des Lebens zu ihm spricht. Die Worte sind Licht, ihn zu erleuchten, sind Feuerflammen, die Seele zu entzünden; das Licht wächst, die Liebe erglüht stärker, der Christ fühlt sich an jenem Borne, aus dem Wasser quillt rinS ewige Leben hinüber, er ist an die heilige Stätte wie gefesselt, und sein Glück preisend, mit Maria zu den Füßen Jesu zu weilen, wird er aus Erfahrung inne, daß er in Wahrheit den besten Theil erwählt. „Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr!" Diesen Ausruf des gottbegeisterten SängerS (Pf. 83, 1.) als Nachklang seiner Andacht aus dem Hause des Herrn mit in seine Wohnung nehmend, wird er, wie jener fromme Jsraelite, den Zug zum Tempel beständig im Herzen tragen, und gerne zu jeder Stunde, am Nachmittage wie am Abende, dorthin zurückkehren, um hier von Neuem, sey eS bei feierlich versammelter Gemeinde, sey es in eigner stiller Sammlung, der Betrachtung und dem Gebete obzuliegen. Wohl wissend, was der Apostel sagt (Kol. 1, 10): „Wachset in der Erkenntniß GotteS" — und das Wort des Weisen wohl beherzigend (Sprichw. 16, 16): „Bewirb dich um Weisheit, denn sie ist besser als Gold," versteht eS der fromme Christ, das Pfund der Zeit auf Wucher auszulegen, und also auch noch außerdem die stille Stunde zu finden, um in der Einsamkeit des KämmerleinS irgenv ein geistliches Buch zu seiner Belehrung und Erbauung zu lesen, oder, wenn er Vater oder Mutter oder wie sonst immer, Haupt und Vorstand einer Familie ist, auch die Angehörigen des Hauses zu dieser Lesung zu versammeln, um sie hiebei, wie einst Tobias seinen Sohn, daS Gesetz und die Furcht des Herrn zu lehren. So wird der Tag geheiligt, und selbst die Wohnung deS Menschen dem Herrn geweiht. Wo aber Gottesfurcht und Andacht wohnt, da weilt auch der Herr mit seinem heiligen Segen. Nun kann die wahre Andacht auch nach anderer Seite hin nicht unthätig bleiben, sie drängt zu Werken der Liebe; und nachdem der Heiland uns gelehrt, in den Mindesten unserer Brüder ihn selbsten zu erkennen, so benützt der wahre Christ die Festtagsruhe, um, wenn er den Pflichten der Andacht Genüge gethan, auch den Werken der Nächstenliebe nachzugehen. Hier erscheint er in der Hütte der Armuth, der stillen und verschämten Noth, um mit der Rechten zu geben, ohne daß die Linke eS wissen dürfe. Dort sucht er die Wohnung des Kummers auf, um der Tröster der Betrübten zu werden. Hier eilt er zum Krankenbette, um, so weit es an ihm liegt, Schmerzen zu erleichtern, und in dem kranken Mitbruder den leidenden Heiland zu verehren und zu pflegen. Dort geht er hinaus auf die Grabeshügel, um über den Denkmälern der Verwesung, in jener Liebe, welche nie erstirbt, der Dahingeschiedenen zu gedenken, für die Seelen-Ruhe dieser Theueren Gebete auSzugießen, und dabei um so lebhafter der Wahrheit sich zu erinnern, daß auch er Wanderer sey, und auf die Ewigkeit sich bereiten müsse. So werden die Sonn- und Festtage, zunächst zur Anbetung deS Herrn und zur Ehre seiner Heiligen in der Kirche GotteS angeordnet, zugleich Tage der thätigsten Nächstenliebe. Da werden Hungrige gespeist, Durstige getränkt, Nackte gekleidet, Fremde aufgenommen, Kranke besucht und selbst der Verstorbenen in Liebe gedacht. Da werden Betrübte getröstet, Unwissende belehrt, Zwei- felnde recht berathen, Irrende von ihren Wegen zurückgerufen und Sünder zu Gott bekehrt. In geistlicher und leiblicher Beziehung theilt christliche Barmherzigkeit ihre Spenden aus, und so trägt die Sonn- und FesttagSfeier mächtig bei, die große Frage thatsächlich zu lösen, welche menschliche Weisheit nimmer losen wird, die Frage, wie dem zeitlich gedrückten und sittlich versunkenen Zustande der Volker die verlangte Hilfe werden solle ^ . ! ?,.u. -n'V.nl . Warum aber, geliebteste Diözesanen! warum erkennt die Welt die heilige Kirche Gottes nicht? Warum erkennt sie nicht, waS zum Heile dient? Warum wählt sie gerade die Sonn- und Festtage, um die Unzahl ihrer Sünden zu mehren? Warum stachelt sie besonders an diesen geheiligten Tagen die Leidenschaften der gefallenen Menschennatur zur Vollbringung der Werke der Finsterniß? — die Prunk- und Putzsucht, um ihre Eitelkeit zur Schau zu tragen? — die Vergnügungs- und Genußsucht, um dem Leibe die Herrschaft über den Geist zu geben? — die eckle Fleischeslust, um leiblich und geistig den Menschen zu verderben? Warum soll die heilige Kirche durch die Verkehrtheit der Welt den Untergang so vieler Seelen gerade da beweinen, wo sie zu deren Rettung die Anstrengungen ihrer Liebe verdoppelt? Doch es ist, Geliebteste! nicht Unsere Absicht, euch ein Bild vorzuführen, dessen Wirklichkeit ihr nur zu oft vor Augen habt, dessen Anblick aber mit Schmerz und Wehmuth erfüllt, und dessen der gute Christ nie gedenkt, ohne zu trauern und zu weinen über daS verblendete Jerusalem. Das Wort väterlicher Ermahnung haben Wir vielmehr an euch richten wollen, daß ihr gedenken sollet, den Sabbat zu heiligen, die Tage des Herrn und seiner Heiligen im Sinne nnd im Geiste unserer Mutter, der heiligen Kirche zu feiern. Der Segeu des Herrn wird euch begleiten, und jener Friede mit euch seyn, welchen die Welt nicht kennt, den sie nicht geben und nicht nehmen kann. Zuerst das Reich Gottes suchend und seine Gerechtigkeit, werdet ihr allzeit finden, daß das Uebrige beigegeben wird. Ja, selbst eure zeitlichen Sorgen und Mühen wird die fromme Fcstesfcier mit dem Thau ihrer Seguungen befruchten, vor Allem aber euch den großen Sabbat vorbereiten, den ihr mit Gott und seinen Auserwählten im Reiche der Ewigkeit einst feiern sollt. Dieses Wort der Ermahnung haben Wir jetzt an euch richten wollen, wo so ernste Tage vor uns stehen, und die heilige Fastenzeit die dringende Forderung an uns ergehen läßt, in der Beherrschung unordentlicher Begierlichkeit, in Fasten und Gebet, in Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, iu der Wirkung wahrer Buße und Bekehrung und in der Uebung aller Gerechtigkeit zum Tische deS Herrn, zur Feier des heiligen Osterfestes uns würdig zu bereiten. Gedenket, so heilige Tage auch heilig zu vollbringen, eure Freude sey es, gehorsame Kinder der heiligen katholischen Kirche zu seyn; uud in euren Herzen dürfe Raum nur das eine Verlangen finden, in diesem Gehorsam bis zum Ende zu verharren. Die Zei ist kurz, wie im Fluge eilen die Tage vorüber, uud die Stunde ist nicht ferne, wo auch der letzte derselben sich zum Abend neigt. Dann aber geht die Sonne diesseits unter, um jenseits ni neuem Lichte zu leuchten, und einen Tag uns anzuzünden, der keinen Abend hat — den Tag der Auferstehung zum ewigen Leben. Und daß der Herr in seiner Gnade euch dahin geleiten wolle, um dieß flehend, reHeben wir die Hände, und xrtheilen euch den bischöflichen Segen im Namen deS Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen! ,znil»M-«iUH n> 5,x»>s t'kitt ', N'.M« DaS Christenthum und die Frauen. ziliiitiÄ, n,>it»6 izznni ni N',i>v7st I»sn?l «5 I'! HkWam Wenn zu demselben Ziele in derselben Richtung mehrere Pfade führen, so gehören sie alle zu dem nämlichen Wege, und es kommt theils auf die Kräfte, theils auf die Neigung der Wanderer an, welchen sie einschlagen wollen, sosern es nur keiner ist, der iu die Irre führt nnd auch kein Holzweg, auf dem man nicht mehr weiter kann, sondern umkehren muß. So gibt es auch für den Christen, M nur Einen Weg, nämlich Christus selbst, aber mehrere Pfade, welche neben einander hinlaufend sämmtlich zu demselben Ziele führen, WaS hiebei nicht auf die Wahl dcS einzelnen ankommt, das ist jene Verschiedenheit, welche von der Zweiheit der Geschlechter bedingt wird; denn obgleich der Weg des ManneS, welcher Christum nachfolgt, auch keine Heerstraße, sondern ein schmaler Fußsteig ist, weil zum Himmel keine breiten und bequemen Wege führen, so ist doch ein großer Unterschied zwischen den Pfaden dcS Mannes und denen des WeibeS. Denn mehr dem Lichte des TageS und der Muth der Sonne, so wie auch dem Lärme und Staube, der von der Landstraße himiberdringt, ausgesetzt find jene, und führen über sonnige Wiesen oder Felder, während diese, obgleich nicht weniger mühevoll und oft noch dornenreicher sich verborgen im Schatten der Wälder in bescheidener Stille hinziehen. Und daß sich die Frauen in solchem Dunkel nicht verirren, ist ihnen jener Stern zum Führer gegeben, der von der Kircbe der Morgenstern genannt wird, die stell» Iucer>5, die heiligste Jungfrau. Der Weg Christus ist auch der Weg Mariens, und der Weg Mariens ist der Weg aller christlichen Fraueu. Zwar einzig in seiner Art ist der Pfad, den die AuS- crwählte gewandelt, zugleich Jungfrau und Mutter. Allein dicht an ihm ziehen sich die Pfade Jener hin, die entweder im jungfräulichen Stande in oder außer dem Kloster der Jungfrau oder im christlichen Ehestände der Mutter Maria nachfolgen Und da nur die verhältnißmäßig geringere Zahl zu dem ersteren Stande berufen ist, so ist der zweite allerdings die normale Bestimmung des Weibes. Er ist die normale Bestimmung nach der ursprünglichen Schöpfung, in welcher daS Weib geschaffen wurde, die Gehilfin des ManneS zu seyn; er ist diese normale Bestimmung ferner nach den Worten, die der Herr zur Schlange sprach: „Feindschaft will ich stiften zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." — Denn obgleich der Erlöser auf jungfräulichem Boden in die Menschenwelt eingetreten, so ist doch seine Mutter Maria die Tochter der Patriarchen. ' Und nur dadurch, daß alle Menschen von dem ersten Ehebunde im Paradiese herstammen, gehören sie alle zu einem Gattungsverbande, dem die Frncht der Erlösung zu Gute kommen konnte und fortgesetzt zu Gute kommt bis zum Ende der Welt. — Als ein vom Schöpfer im Paradiese eingesetztes und nach dem Falle zum Mittel der Erlösung bestimmtes Sakrament, also soll die christliche Gattin den Ehestand betrachten, und folglich dabei vorzüglich auf die Uebereinstimmung im Glauben und in der Liebe zum Erlöser sehen, welche allein eine dauerhafte Freundschaft knüpft nnd in gemeinschaftlicher Kinder-Erziehung die Ehe zu einer Pflanzichule deS christlichen Lebens macht, keineswegs aber auf jenes fälschlich mit dem heiligen Namen der Liebe belegte Wohlgefalle» der Sinne, das keinen Bestand haben kann, noch auf die Sucht nach Reichthum und Glanz. Die echte deutsche Frau, die heilige Elisabeth, diese liebenswürdige Jüngerin Mariens, sollen sich alle Gattinen, besonders die deutschen, zum Vorbilde nehmen, von ihr lernend die menschlichen Gefühle mit den göttlichen in Harmonie zu bringen, von ihr lernend dem Gatten nach GotteS Befehle zn gehorchen, nicht zwar wie eine Sklavin, aber in liebender vertraulicher Demuth, als nachgiebige Freundin und emsige Haushälterin. Denn obgleich die Unterwürfigkeit nicht in der ursprünglichen Schöpfung bestimmt war, so ist sie doch Pflicht der christlichen Gattin, nm im Geiste der Buße dem nach dem Falle ausgesprochenen Befehle deS Herrn zu genügen, da die durch das Christenthum bewirkte Gleichstellung des WeibeS eine rein geistige ist. Um dieser geistigen Gleichstellung willen aber wird sie die persönliche Würde nicht vergessen, in der sie zwar zum Manne, ober keineswegs für ihn, sondnn für Gott erschaffen ist, und daher ihren Geist immer mehr wahrhaft zu bilden suchen. So werden die Frauen in keines der beiden Extreme Verfallen, welche die nicht christliche Weisheit der neueren Zeit der Wahrheit in der Auffassung deS Verhältnisses vom Weibe zum Manne gegenüber gestellt hat. Eine heißt Emancipation und will gänzliche Lvsreißung von Sitte und Gesetz in ungebundener Individualität. Das Andere verhüllt die materielle Tendenz unter idillischer Naturseligkeit. DaS Land, in dem die Gesellschaft die feinste Ausbildung erreicht hat, 10t und von dem daher die meisten sozialen Neuerungen ausgegangen sind (wie von England die meisten politischen, von Deutschland die meisten ideellen und von Italien die meisten künstlerischen), Frankreiich hat diese falschen Ideale unter der Aegide zweier glänzender Namen ins Leben engeführt, unter dem Namen Voltaire'S für die Emancipation, und dem Rousseau'S für die ivillische Naturtreue. Der Letztere hat seine Tendtn; hierüber weit schärfer und umständlicher ausgesprochen, als der Erstere, der nur in frivolen Andeutungen eine Vorschule der Emancipation errichtete. Aber Voltaire hat mehr Eingang auch in der Ansicht über das Verhältniß des Weibes gefunden, als Rousseau, weil jener seine Behauptungen auf die wirklich vorhandene Vcrderbniß gründete, die er als Kultur anbetete, während dieser seine Meinungen aus die eingebildete Trefflichkeit der (nach ihm) unverdorbenen Natur baute. Daß es mit dieser angebornen Unschuld allein doch keinen rechten Bestand habe, zeigt er selbst, ohne eS zu wollen, in seinen weiblichen Idealen: Sophie und Heloise, die er Beide Opfer der Verführung werden läßt. Mit Rousseau's Ansicht kommen die Frauen am Ende dahin, wo sie sich mit der Voltaire's schon im Ansänge befinden. Vollaire'S Gesinnung vergiftet die Gesellschaft unmittelbar mit dem Pesthauche der Frivolität; Rousseau'S Anschauungsweise knechtet die Frauen, nimmt ihnen mit der Erkenntniß den Glauben und die davon abhängende Liebe zu Gott, und gibt ihnen dafür den Glauben an den Mann, und die Liebe zu ihm, „Die Frau soll die Religion ihreö Mannes haben," sagt er (nicht etwa meinend, daß sie nur den heirathen solle, der in der heiligsten Ueberzeugung mit ihr übereinstimmend wäre, sondern wollend, daß sie neutral zwischen den religiösen Parteien bleibe, bis sie von dem Manne, der ihr Gatte geworden, zu einer religiösen Ansicht bestimmt würde). Damit bringt er nicht nur das Weib um alle Würde, sondern auch die Ehe um alle Heiligkeit, die Treue um alle Gewähr. Denn nur auf der Treue gegen Gott kann ja die gegen die Menschen beruhen. Wo die Ehe nicht als auf göttlicher Einsetzung beruhend erkannt wird, da hört die Treue mit der Leidenschaft zugleich auf. Umsonst versichert Rousseau, daß er den Frauen den Glauben, den er Aberglauben nennt, nicht nehmen wolle, da eS für sie unmöglich sey, zugleich fromm und weise zu sein, und nur eine fromme Frau tugendhast und treu seyn könne. Er findet also den Autoritätsglauben für sie nothwendig, und gibt ihnen den an die Autorität deS Mannes. Freilich geräth er dabei mit sich selbst in Widerspruch, denn da, nach seiner Absicht, ein vernüoftigcr Mann keinen Glauben haben kann, als den rationalistischen, muß die Frau ihn auch annehmen; sie wird also, was er weise nennt, und muß folglich aufhören fromm, tugendhaft und treu zu seyn. DaS thun denn seine Heldinnen auch; der Gegenstand ihrer Leidenschaft ist jedes Mal ihr Prophet und Gesetzgeber. — Die Vertheidiger der Emancipation gehen gerader aufs Ziel loS; bei ihnen gibt eS keine Treue, also auch keinen Bruch derselben. Der Unterschied ist, daß nach der Lehre Rousseau's die Frauen Sklavinen des Einzelnen, nach der Voltaire'S Sklavinnnen des ganzen männlichen Geschlechtes sind; frei sind sie nur im Christenthume durch den Gehorsam für das göttliche Gesetz. (W.K.-Z.) Vl