Dreizehnter Jahrgang. Sonntags Beiblatt zur Augsburger Pojheitung. 8. Mai. ^V>- IS. 1853. . ___ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuemeutsprets 50 kr., wofür e« durch alle köulgl. bayer. Postämter und all« Buchhaudluugeu bezogen werde« kaun Religiöse Zustände in Ungarn. Ein Korrespondent des „Salzburger Kircheublatleö" entwirft ein erfreuliches Bild von der Entwickelung deö religiösen Lebens in Ungarn, dem wir die folgenden Miilh-ilungen enniommen habe». Je größer das Juteresse ist, welches die neueste Geschichte diesem Lauve zugewandt, je irriger die Vorurtheile sind, welche man sich vielfach über dieses Land gebildet hat, desto willkommener werden hoffentlich diese Nachrichten seyn; sie eröffnen unö einen Blick in die innern Verhältnisse dieses Landes. Daß Ungarn vor der Revolution in religiöser Beziehung sehr tief versuukeu war und darin auch zugleich ein Grund mit für jene revolmionären Vcrirrungen und die Hingabe an einen Menschen, wie Kossnlh, zu suchen ist, kann Niemand in Abrede stellen, welcher mit den Zuständen jenes LanvcS bekannt ist. Auch kann sich erst allmälig, nachdem die äußere Ordnung wieder hergestelli ist, ein festes politisches und religiöses Fundament bilden, um daraus die Zukunft dieses von Gott so reich gesegneten und so traurig versunkenen Landes zu bauen, und für den Anbau eines solchen Fundamentes sind erfreuliche Hoffnungen vorbanden. „In Ungarn," so schieibi der Korrespondent, „ist in Wahrheit ein Besserwerden zu bemerken. Gar traurig sah es in dieser Hinsi>tt vor dem Jahr 18-48 aus. — Die Protestanten, obwohl in der Minorität, traten überall kräfiig auf, hatten nntcr ihren Kämpfern viele Laien, — die Kaiholiken waren entweder stumm, oder halfen überall ihre Religion und Kirche, am meisten aber die Diener der Kirche schmähen und herabwürdigen. DüS zeigte sich an, meisten in der Ocffcntlichkeit, da hätte Montalcmbert, der Kämpfer deö Rcpräsentaliv-Systems, auch scheu köunen, wie der ParlameniiömuS das ki chliche Leben tövtet. — Bei unsern Landtagen hatten wir unter eiu paar Hundert Abgeordneten kaum zwei (?), die sich bei den Verhandlungen der Rechle der Kirche angenommen haben. Was konnte da der KleruS — was die Bischöfe lhun? ihre Stimme war mit sehr wenig Ausnahmen vox clinnantis in cieserto, und nicht einmal immer das, denn den Rufeuden in der Wüste läßt man wenigstens sprechen, — aber kaum stand da Einer auf für die Kirche, cder wollte dem Conser- vatisvuö die Lanze brechen, so donnerte ihm das schmähliche dahulc (hören wir) meist von der famosen Galerie so lange entgegen, bis er, dic Unmöglichkeit durchzndringen einsehend, mir Wu h seinen Sitz einnahm, so und nur unter solchen Umständen konnten mauche famose Gesetze durchgesetzt werden, die jetzt durch die Gerechtigkeit der Regierung theils cassirt, theils aber nach Möglichkeit modificirt werde», um der Religion und Moralität weniger verderblich zu seyn. — Man hat in der neueren Geschichte der ungarischcu Landtage kein einziges Beispiel, kein einziges Gesetz, welches mich nur a>ö kleinster Beleg für den GerechtigklitSsinu der zweihundert Gesetzgeber gegen die Millionen Katholiken dienen könnte. — Wie eö in der Ocfsentlichkeit war, so war eS größtcntheils im gesellschaftlichen Leben, eS gehörte größtcntheilS zum don wn, die Kirche und ihre Diener lächerlich zu machen, und dies gar oft auch in Gegenwart der Diener der Kirche, — die hoffnungsvolle, aus den Schulen herauSgekommene Jugend brüstete sich mit ihrem Unglauben, selten wagte es einer, in Gesellschaft ein Wort für den Glauben — ein Wort der Vertheidigung zu führen. Jetzt fängt es an anders zu werden — man schämt sich nicht mehr, Katholik zu seyn unter den Millionen von Katholiken; man spricht mit Schonung und Verehrung von der Religion; die Angelegenheiten, die Rechte der Kirche, ihre Lebensäußerungen fangen an auch die Laien zu intcressiren. — Früher hätte sich wohl schwerlich ein Laie von Ansehen gefunden, wie jetzt Graf S-efan Ksrolyi, der sich an die Spitze deS Vereins zur Verbreitung guter Bücher — jetzt Verein deS h. StefanuS — gestellt hat. — Oben- genannter Verein zählt schon unter seinen Mitgliedern viele Laien. Die bereits eingeführten Volk^missionen, die Jesuiten, wären früher ein Schreckbild gewesen, und jetzt werden selbe auch von den Weltlichen — freilich nicht von Allen — als nothwendige Mittel angesehen, dem Unglauben, der Unsiitlichkeit zu steuern. Zur Weckuug der Religiosität hat mit beigetragen, daß die Behörden dem öffentlichen Gottesdienst bei- spiclvoll beiwohnen. — Trefflich war die Bemeikuug, welche neulich ein schlich-er Bürger vor mir machte: „Jetzt sagte er, da auch die Herren die Kirche besuchen, hat der Kaiser gezeigt, daß die Religion nicht blos sür die Bauern ist." Hat der Geistliche jetzt eine Klage zu führen, so wird ihm auch Recht gesprochen, wo früher, wenn eine Klage zu den Comitats-Versammlungen kam, der Geistliche gewöhnlich abgewiesen wurde, und diese sciiuselige Stimmung herrschte nicht nur in jenen Comitaten, wo die Bevölkerung gemischter Religion ist, sondern auch in den rein katholischen. Selbst in dem Graner Comitat, dem Sitze des Erzbischofes, der zugleich erblicher Odergespan dieses ComilalS war, selbst in diesem Comitat, wo dem Klerus der größte Einfluß zu Gebote st.md, wo selber zahlreich nprüsentirt war — selbst da mußten sich in den Versammlungen die Geistlichen gar oft die größten Beleidigungen sagen lassen, mußten mit Schmerzen sehen, wie die feindlichen Aeußerungen unter Triumphgefchrei der bestellten Menge aufgenommen wurden. Was in Ungarn am meisten der Entfaltung deS kirchlichen Lebens hinderlich war, das war die Abwesenheit aller Bischöfe und meist der ausgczeichnelen Domherren von ihren Tiöcesen, welche manchmal durch's ganze Jahr das traurige Geschäft hatten, bei den Landtagen den Elucubrationcn gegen die Kirche und Staat beizuwohnen, ohne dem Uebel abhelfen zu können .... Die Diöcese mußte die Gegenwart der Oberhirten entbehren. Daß bei solchen Umständen anch der trefflichste Oberhirt seiner Diöcese nicht die nöthige Sorgfalt schenken konnte, ist leicht zn errathen. — Wenn kein Landtag war, so waren Comitats-Versammlungen; wurden selbe dort, wo der Bischof seinen Sitz hatte, abgehalten, so war der Bischof gar oft genöthigt, die patres I>striav, die beim grünen Tisch recht fleißig gegen Kirche und Geistlichkeit donnerten, nach der Sitzung in gliunclgritm zu bewirthen, that er's nicht, so wurde er als geizig ausgeschrieeu. Jetzt ist eS anders, die Bischöfe, immer in ihren Diöcescn anwesend, werden in alle, auch die kleinsten Bedürfnisse ihrer Diö- cesauen eingeweiht, mit dem Klerus vollkommen bekannt und mit dem Volke vertraut; und wenn auch von Zeit zu Zeit ein oder der andere Bischof durch den Monarchen nach Wien berufen wird, so weiß man und ist dessen sicher, daß das zum Wohl der Kirche und zn ihrer Verherrlichung geschieht, — wie dies so eben jetzt bei dem Fürst- Primas, dem Erzbischos von Kolocsa u. A. der Fall ist." „An der Spitze des ungarischen Klerus steht der Fürst-Primas. — Unter traurigen Uinständcn"l)at selber die Leitung der katholischen Kirche in Ungarn übernommen. WaS er seil einigen Jahren für das Wohl der Kirche geleistet hat, ist allgemein bekannt. Man weiß wirklich nicht, was man bei diesem Kirchenfürsten mehr bewundern soll — ob seine rastlose, Staunen erregende Thätigkeit, oder seinen heiligen Eifer in Belebung des Glaubens und kirchlichen Lebens, ob seine bcispielvolle Herablassung und Frömmigkeit, ob seine Mildthätigkeit oder seine unbegrenzte Liebe znr Schuljugend, ob seine Pünktlichkeit in der hohen Leitung der kirchlichen Angelegenheiten, oder seine liebevolle Behandlung derjenigen, die zwar geirrt haben, die aber den Fehler einsehend, 147 zu ihm Zuflucht nehmen. — Ich führe hier von seinen vielen Verdiensten nur das große katholische Gymnasium zu Tyrnau an, welches durch ihn in'S Leben gerufn wurde. Dieses gehört, obwohl kaum entstanden, bereits zu den besuchtesten Gymnasien des Landes, eS zählt 115 Convictoren, d. h. solche, die im Institute mit Kost und Quartier versehen sind, und bei 200 andere Schüler, welche in der Stadt wohnen und im Institut- die Vorlesungen besuchen. Eine gewisse Partei hat jwar nicht unterlassen, die in Tyrnau bereits eingeführten Jesuiten, die allenfalls bei dem Unterricht in Gymnasien einen Einfluß haben konnten, als Schreckbild vorzuschrieben, um so die Eltern vielleicht abzuhalten, ihre Kinder in daS Gymnasium zu schicken, aber dieses Mittel, früher von drastischer Wirkung, blieb erfolglos, und macht jetzt keinen Effekt mehr. — Auch die andern Oberhirten sind von der Wichtigkeit ihres Amtes durchdrungen, die mit Freuden begrüßte Zeitschrift „Religio" bringt in jeder Nummer Belege des herrlichsten apostolischen Wirkens unserer Bischöfe. — Dem Beispiele der Oberhirten folgt gerne der KleruS, überall ist jetzt mehr innige Anhänglichkeit an den Oberhirten zu bemerken. Die trostlosen Nachrichten, es kabe dieser oder jener aposta« sirt, werden nicht mek)r gehört und erfüllen uns nicht mehr mit Wehmuth. — Für die Volksschulen sind bereits die meisten Schulbücher herausgegeben, und zwar die für die katholischen Volksschulen bestimmten in ächt katholischem Geist. Jedes Lehrbuch ist, bevor selbes als Schulbuch eingeführt wurde, den hochw. Herrn Bischöfen zur Durchsicht unterbreitet worden, was gewiß ein hinreichender Beleg ist, wie die Regierung von der heiligen Ueberzeugung durchdrungen, Religion sey die festeste Stütze deS Thrones, nur in dieser allein die Bürgschaft einer bessern.Zukunft sieht. AuS diesem, von mir im allgemeinen entworfenen Bild, kann man ersehen, daß Jeder, dem die Kirche und ihr Leben am Herzen liegt, von freudigem Gefühl durchdrungen sagen muß: Gott sey Dank, eS ist für die Kirche besser, wie eS früher war. — Ich will damit nicht sagen, daß wir schon ganz zufrieden seyn können. — O nein, eS fehlt noch gar Manches; doch so Gott uns seinen heiligen Frieden schenkt, wird sich das Wirken der Kirche mehr und mehr offenbaren. — Aber auch Sorgen haben wir, und eine der ersten ist der Mangel an Priestern, besonders in der Graner Diöcese. Die Revolution hat die Zahl der Alumnen sehr gelichtet. — In der Diöcese sterben jährlich zwischen 20 — 30 Priester, und eS werden nur 1? bis 15 geweiht. Wenn die Ordens-Brüder des h. Franziscuö nicht zur Aushülfe in der Scelsorge da wären, so wäre der Mangel an Priestern bereits sehr drückend, denn auch so sind bei 20 Kapla- nenn in der Diöcese unbesetzt. Auch ist bei der Kloster - Geistlichkeit in Zukunft ein Mangel zu befürchten. — Wegen deS strengen Studien-Planeö und der großen Theuerung sind die ärmeren Eltern kaum mehr im Stande, ihre Kinder in die höhern Schulen zu schicken. Die Plansten und Benediktiner haben zwar mehrere Schulen verloren, doch ist selben hinsichtlich deS Unterrichts noch immer ein schöner Wirkungskreis gegeben, — mir wäre eS gut, wenn die Professoren dieser Orden wo möglich besser gestellt wären. Wir sehen der Regulirung der Klöster, mit welcher der Fürst-PrimaS von Sr. Heiligkeit betraut wurde, mit Sehnsucht entgegen. Wir wünschen Alle, daß der Allmächtige den Primas bei dieser großen Sendung, welche für die Kirche die ersprießlichsten Folgen haben wird, stärken möge. Indem wir überzeugt sind, daß die Betreffenden dem apostolischen Visitator überall mit Liebe und großem Vertrauen entgegen kommen werden, können wir an einem glücklichen Resultat durchaus nicht zweifeln." Mission in der Oberpfalz. Hirsch au in der Oberpsalz, 12. April. ES wird vielleicht den verehrlichen, Lesern Ihres vielverbreiteten Blattes nicht unangenehm seyn, auS einem amtlichen Berichte über die hier durch drei Priester der bayer'schen KapuzincrordenS - Provinz abgehaltene geistliche Mission nachstehende Mittheilungen zu vernehmen. Dieselbe begann am 2. l. MtS. mit kurzer Anrede an die Hochwürdigen Missionäre ?. Franz BorgiaS, ?. PatriziuS und ?. Ephrem, worin selbe dem in der Kirche ver- 143 sammelten Pfarr-Volke vorgestellt, dieses zum Vertrauen und zur liebevollen Hingebung an jene ermahnt und denselben sowohl die vbcrhiitliche, als auch psarrliche Vollmacht feierlich übergeben wurde; ferner mit feierlicher Anrufung des heil. Geistes und endlich mit von einem der Misstonäre gehaltener Einleituugsrede, welche durch ihre Herzlichkeit die Zuneigung aller Anwesenden den MissionSpriestern gewann. Am 3. und 4. d. Mts. wurden täglich vier, unv vom 5. bis zum 1V. täglich drei Predigten, die sechs Standeölchren eingerechnet, gehalten. In allen Vortragen war der Magistrat in einem eignen Stuhle repräsentirt; öfter wohnte derselbe in ganzer Anzahl seiner Glieder bei. Jedesmal war die sehr geräumige Pfarrkirche fast znm Erdrücken mit Andächtigen gefüllt; dreimal zwang die Menge dieser den Pr.digtstuhl im Freien aufzuschlagen. Abgesehen von den Paro- chiancn, wooon die größere Mehrzahl allen Voiträgcn täglich beiwohnte, strömten auö weiter Umgegend täglich 3—400U, und einigemal noch mehrere herbei, um Hörer dcö heil. Wortes zu seyn, daS von jidcm der drei Missionäre ohne Unterschied, mit aller Würde. Kraft und Gewandtheit auS den reinsten Quellen, nämlich der heil. Schrift, den AuSsprüchen der Kirche und der heil. Väier, auö der Geschichte, aus der eigenen und fremden Erfahrung und Vernunft schlagend begründet wurde. Die begeisterte« Redner hielten sich durchgchendS an den durch den heil. JgnatiuS von Lojola bezeichneten Gang. Wie konnte eö da wohl anders kommen, als daß sie Jedermänniglich (die oft in bedeutender Anzahl zuhörenden Weltpriester eingerechnet) nicht bloß zufrieden stellten, sondern auch tiefest erschütterte», zerknirschten, belehrten, erbauten und zn den heilsamsten Entschließungen begeisterten? A>S Beleg für diese Bebauptung mag folgendes dienen: Vom 3. Tage der Mission an, da die sakramentalischen Beichten begannen, waren die Beichtstühle der Missionare vom frühesten Morgen bis zum spätesten Äbende förmlich belagert, und nicht blrß die der Missionäre, sondern auch die der Wellpriester, welche treulich mithalfen, die Menge der Reuigen zu befriedige». Sehr oft begegnete «S, daß ein Beichtvater 5 — 6 Lebcnsbeichten in ununterbrochener Folge aufzunehmen hatte. Als am 10. Abends die Missions-Octave mit feierlicher Prozession durch die Stadt sich schloß, waren noch so viele, selbst der zur Pfarrei gehörigen Pöwtenten übrig, daß der ganze nachfolgende Tag und der heutige Mvrgen den nach Aussöhnung mit Gott sich Sehnenden gewidmet werden mußte, was die ehrwürdigen Missionäre auch mit größter Freude und zur allgemeinen Erbauung thaten; daher sie denn auch erst vor etlichen Stunden vom Schauplatze ihres 10 Tuge anwählenden Wirkens scheiden konnten. Aber welch ein Scheiden war dieses? Schon gestern stattete der gesammte Ma- gistrat mit Beizichnng der GcmeindcbevoUmächtigten im festlichen Anzüge uuv im Namen der Gemeinde den Scheidenden den gernhrtesten Dank ab, und hernach und heute, bis zum Einsteigen in den Rcisewagen war wohl kein Kind dahier, welches nicht kam, um unter heißen Thränen den ehrwürdigen Priestern die Hand zu küssen uud durch jeue, mitunter auch durch herzliche Worte die Gefühle dcö Dankes und des HerzenS- weheS wegen der e-llzufrühen Trennung von den Liebgewonnenen zu äußern. Kein Auge der Kinder blieb trocken; auch greise Männer weinten, wenn sie zum persin- lichcn Abschiednehmen von inniger Liebe herbeigedrängt wnrden. Daß unter den Vorträgen selbst zahllose Thränen flössen, wird sich wohl von selbst verstehen; während mehrerer entstand ein so allgemeines Schluchzen, daß daS gepredigte Wort unvcr- nehmbar wurde. Obgleich die Mehrzahl der Gemeindeglieder wenig mit zeitlicher Habe gesegnet ist, so kamen doch Viele, welche kleine Geldgeschenke den Missionären anboten; uud als diese standhaft zurückgewiesen wnrden, so wurden Leinwand, Taschentücher n. d. gl. aufgedrungen oder heimlich in die Wohnzimmer der Verehrten hinterlegt. Einer der Abschiednehmer, ein sehr vermöglicher Bürger, beihencrte, er wolle allsogleich L00 fl. hinterlegen, wenn man verbürgen könne, daß damit nach fünf Jahren die Wohlthat einer ähnlichen Erneuerung abermals seinem Vaterorte werde möglich gemacht werden. 149 Obgleich bei den Vorträgen die Protestanten weder im Namen, noch im Dogma berühmt wurden, so scheinen dieselben dennoch nicht theilnahmlos geblieben zu seyn. Heute Morgens lief das briefliche Ansuchen eines protestantischen Zeitun^S-RcdakteurS e?n, ihm eine Schilvernng der nun beendigten Missivnsfeier zu fertigen und zuzusenden. Ein prolcstantischer Jüngling hat schon sowohl vor dem Unterzeichneten, als mich wiederholt vor einem der Missionäre seinen Willen erklärt, sich in die katholische Kirche aufnehmen zu lassen. Die übrigen Protestanten dahier, zehn an der Zahl, haben, wo nicht allen, doch den meisten der kirchlichen Borträge beigewohnt, und auch ihnen sind in der Kirche und noch nachher zu Hause und beim zufälligen Befragen häufige Thränen entqnollen. Langjährige Feinde söhnen sich auS; selbst ein Jude mit einem seiner Widersacher; Kinder baten ihre Eltern uud Ehclcuie einander um Verzeihung; fremdes Gut wurde bereits manches zurückgestellt; unreine Verhältnisse werben aufgegeben, die -rnstesten Entschüsse gefaßt, Gelöbnisse ausgesprochen; daö scicrlich eingeweihte MissionSkreuz, welches im Herzen der Stadt sich befindet, wird zahlreichst besucht, auch Opferwilligkeit für kirchliche Bedürfnisse hat sich schon in bedeutend hohem Maaße bethätigt. Aber werden die Vorsätze, Versprechungen, Gelöbnisse zc. gehalten und ausgeführt werden? DaS gebe Gott! Wir aber wollen hoffen, daß die hoffnungsvollst bestellte Saat gedeihe und die erfreulichsten Früchte bringe. . , Die Missionäre sprachen sich über die große Empfänglichkeit der Oberpfalzer für herzliche Vorstellungen und gründliche Belehrungen oftmal aus. Obgleich man dem Obcrpfälzer die Versunkenheit in sein kleines irdisches Gethu gerne zum Vorwürfe macht, so haben doch alle Einwohner von hier und der weiten Umgegend heiligen und großen Sabbath gefeiert, ihre Dienstboten ihn mitfeiern lassen und der hiesige Stein- gulsabrikbesitzer Jos. Dörfner hat seinem Personale sogar verboten, von den öffentlichen Andachten ferne zu bleiben. Sey es auch, daß es den finstern Mächten gelingen wird, nach und nach wieder Wege in die Gemeinde zu finden, so wird doch so viel als gewiß ausgesprochen werden können, daß die hier abgehaltene Mission im unverwüstlichen Andenken werde erhalten und daß dieselbe als ein großartiges Lokalereigniß auch noch von den Enkeln werde begrüßt werden. Ueberdieß ist und bleibt eö ein großes Ereigniß in der bayer'- schen KapucinerordenS-Provinz. Nun ist die Bahn gebrochen, auf welcher die sähigern Mitglieder dieses volks- thümlichen Institutes (wir verdanken dessen Wiederherstellung dem erhabenen Könige Ludwig) die segenreichste Wirksamkeit von nun an haben werden. Sicherlich wird der erste Ruf, den der Unterfertigte mit großer Schüchternheit, jedoch aus Drang schuldiger Dankbarkeit zu machen sich erlaubte, nicht auch der letzte seyn. An einem armen Sohne des armen seraphischen Franziskus predigt ja nicht bloß die Zunge, sondern auch das ganze Aeußere. Nebst dem ist der Kostenpunkt gar sehr erleichtert. Wohlthuend war die schon in der Einleitungspredigt gemachte Erinnerung, daß vor zweihundert Jahren ein unter den Seligen verehrtes Mitglied dcS Kapuciner- ordens, nämlich „Leonardo von Brindisi" vor 200 Jahren bußepredigend die Oberpfalz durchwanderte. Bei der Schlußpredigt wurden durch die Erinnerung an die segensreiche Wirksamkeit, welche jener Orden seit der Rückführung der Oberpfalz in den Schooß der heil. Kirche an vielen Stationen bis zur Säkularisation 1802 hatte, die wehemüthig- sten Gefühle und sehnsüchtigsten Wünsche rege gemacht. Erschütternd war auch der als Nachfeier für die aus der Pfarrei Verstorbenen, aber noch nicht völlig gereinigten Seelen veranstaltete feierliche Gottesdienst mit Predigt und Requiem. So weit geht die Liebe nur der katholischen Kirche. Noch ist beizusetzen, daß das pfarrliche Ansehen, welches nach vorgefaßten Meinungen Einiger durch Abhaltung von Missionen geschwächt wird, nicht im Geringsten hier Schaden gelitten habe. Nicht mir von den Vätern und Vertretern der Stadt, sondern schon tausendmal auch von andern Leuten aller Stände, wurde dem Unter- 150 fertigten der feurigste Dank gezollt für Berufung und Veranstaltung. Es wird aber der Berufende in dem, was er gethan, wohl sein ganzes Leben hindurch und selbst auf seinem Sterbebette den süßesten Trost finden. Möge der Allwissende ihm seine That in Abrechnung für Vieles anrechnen, waS er zu bereuen hat. Schließlich spricht der Unterfertigte in seinem und seiner Gemeinde Namen nicht nur den obenbczeichneten ehrwürdigen Missionären, sondern auch der gesummten Ordens-Provinz und deren- Hochwürdigcn Vorständen den maaßreichsten Dank aus, bittet angelegentlichst um eisrigcS Beten für Erlangung der gnadenreichen Fortdauer des unverkennbar tiefsten Eindruckes, welchen die heil. Mission durch Gottcö Hülse gemacht hat, und besteht mit gebührender Hochachtung und Verehrung Einer Hochwürdigen Kapuziner-Ordens-Provinz dankschuldiges Pfarramt. Kotz, Stadtpfarrer. Eine barmherzige Schwester. Schwester Placida, geboren im I. 1762 zu Toul in Lothringen, trat mit ihrem 19. Jahre in den Orden der barmherzigen Schwestern des heil. Carl Borro- mäus ein, und nachdem sie ihre Novizen-Jahre im Hospitale zu St. Diey zurückgelegt, legte sie im I. 1'<84 im Mutterhause zu Nanzig (Nancy) ihr Gelübde ab, um zur Freude der Schwestern nach dem ersteren Orte zurückzukehren. „Placida (wir werden uns abwechselnd der eigenen Worte der kurzen Biographie bedienen, die vor uns liegt) war eine seltene Natur, die unter dem Einflüsse der Gnade sich herrlich entfaltete. Kraft und Anmuth war ihr Kleid, klein von Wuchs, erschien sie doch groß und im- vonirenv durch die festen kräftigen Züge ihres sonst milden Angesichtes und durch das klare beherrschende Auge unter der ewig heitern, offenen Stirn. Sie war besonnen wie eine Zögernde; entschlossen wie eine Verwegene; sie'war milder wie ein Kind, und stark gleich eincm Helden, und gegen das arme, arme Volk trug sie Erbarmen wie gegen eine Hirten- und weidelose Heerde." Inzwischen kamen die Stürme der Revolution, die Blut- und Gräueljahre heran. Selbst vor das stille Thor des Hospitals von St. Diey, sonst nur von Schaaren hülfesuchender Armen belagert, drang der Aufruhr. Eines TageS verlangt eine bewaffnete revolutionäre Bande die Auslieferung der Obcrin. Placida, die jüngste der Schwestern, öffnet das Thor, tritt hervor und ruft kräftig: „Nicht herein!" DaS Gesindcl weicht betroffen zurück, aber nur einen Augenblick; bald schämt es sich seiner Scheu vor einer wehrlosen Jungfrau, dräugt in die Thür, sucht nach dem Ziel seiner rohen Wuth, nach der Oberin. „Placiva folgt, sie hat kein Schwert, sie hat nur Liebe und Muth und Angst für die Mutter!" Diese erscheint, der Haufen umringt sie, da wirst sich Pladica dazwischen und fängt einen Säbelhieb, der auf jene gezielt war, mit ihrem Leibe aus. Er trifft und zerschmettert ihre Zähne, das Blut fließt von ihrem Angeflehte, — die Bande weicht zurück. Von da an wurden die Schwestern mit Achtung behandelt und nicht weiter verfolgt, auch ward ihnen die weitere Behandlung ihrer Kranken im Hospitale verstattet, nur heraus durften sie nicht kommen. Wachen wurden an die Thüren gesetzt, drei Monate lang wurden sie so wie Gefangene gehalten. Gott der Allmächtige hat dem Meere Riegel und Thür gesetzt und gesprochen: bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, hier sollen sich legen deine stolzen Wellen. Aber der gläubigen Liebe hat er keine Schranken gesetzt. Und Menschen wollen ihr Thür und Riegel setzen? Sie wird dennoch ihren Weg finden. Das Hospital hatte einen unterirdischen AuSgang, Placida betrat ihn, wenn eS dunkelte, unerkannt, in den Kleidern einer gewöhnlichen Magd ging sie durch die Gassen der Sradt, von Hauö zu Haus, Kranke, wo sie deren wußte, zu pflegen, den Elenden Trost zu bringen, auf nächtlichen Pfaden Werke des Lichtes zu wirken. Mehrmals drohte ihr auf denselben Gefahr und Anfall, aber unter dem Schirm deö Höchsten, 151 der über sie wacht, entging sie stets den Händen der Ruchlosen. Selbst als der unter« irdische Gang verrathen und sein Ausgang besetzt war — im Augenblick, wo sie heraus« tritt, sie mit dem Geschrei: vive la röpuliliczuel überfallen wird, antwortete sie mit dem Rufe: vivs vieu! und entkommt glücklich. — Nun wird ein Preis auf ihren Kopf gesetzt, am FreiheitSbaumc soll sie aufgeknüpft werden, sobald man ihrer habhast wird, — sie läßt sich nicht schrecken. „Wie eine dem Tod geweihte Braut ging sie jede Nacht in das Heerlager des Todes, um ihm bald eine arme Mutter, bald ein einziges Kind zu entwinden." Jene „Freiheit," die mit gewaffneter Hand arme Ordensschwestern von den Krankenbetten abschließen mußte, jene Tyrannei der atheistischen Bestialität fand denn auch ihr Ende. Die Schwestern durften ihr mildes Amt wieder fortsetzen. Aber mit der Straßen-Revolution horte die Revolution in den Gesetzen noch nicht aus: beinahe alle Güter der milden Stiftung waren eingezogen, kaum für einen Tag noch reichte der Borrath. Wieder war cS Schwester Placida, die Hülfe schaffen mußte. Mit einem Sack um den Hals, den Stock in der Hand, wandert sie von Dorf zu Dorf, von Thüre zu Thüre bettelnd für die Armen Jesu Christi. Und reich kchr e sie jedesmal zu ihnen zurück; schon in wenigen Tagen hatte sie ihnen ein Einkommen von 6 00 Franks gesichert. Im Jahre 1807 starb die Oberin zu St. Diey. Placida ward ihre Nachfolgerin. Sie hieß fortan nur „die Mutter der Armen." Die ganze Umgegend kannte sie alö „die weise Schwester," von ihrer Geschicklichkcit in Anwendung und Bereitung der Heilmittel, die mit frommem Glauben acnommen, aus ihrer Hand um so sicherer wirkten. — Mehrmals während ihrer Borsteherschaft fand sie noch Gelegenheit, die Energie ihrer Jugend wieder aufzurufen. St. Diey liegt hart am Fuße der Vogescn, w» die Mosel aus rcrschiedenen GebirgSbächen zusammenrinnt. Eine plötzliche Wassersnot!), die die Straßen der Stadt überschwemmte, ergriff auch das Hospital, schon bestürmt die steigende Fluih auch die Kranken auf ihren Lagerstätten, droht die Betten hinwegzunißen. WaS ist zu thun? Placida ist auf dem Platze, die Pflicht der Liebe gibt ihrer Schwäche Kraft, sie nimmt den Siechen aus dem nächsten Bette auf ihre Schultern und tr.'gt ihn in Sicherheit. Alle Schwestern folgten ihrem Beispiele; so wenden die Bedrohten geborgen. — Eine andere noch stärkere Prüfung brachte daS Jahr 1813, jenes Ruhmesjahr für uns, für Frankreich ein Jahr schwerer Heimsuchung. Auch über den Rhein hinüber drangen die verheerenden Lazarethfiebcr, von denen unsere Eltern zu erzählen wissen, das Hospital zu St. Diey mußte in seine engen Räume mehr als 400 Kranke aufnehmen, von den Schwestern selbst warf der TyphuS eine nach der andern darnieder; endlich standen nur noch zwei unter der allgemeinen Niederlage aufrecht, und die eine von ihnen war — Placida. Es war — wie ihr Biograph bemerkt — als ob der Tod, dem sie schon in den verschiedensten Gestalten mit der g'eichen Unerschrockenheir begegnet war, sie zu respectiren gelernt hätte. „So steht sie nun mit einer Milschwester da inmitten so unermeßlicher Arbeit. Ihr Mu>h wird nicht gebeugt, sie legt sich mit ihren Schwestern vmrauuugsvoll an das Herz GolteS und entfaltet dann eine Thätigkeit, wozu nur eine so hohe Seele durch eine so entsetzliche Lage begeistert werden konnte. Die kranken Schwestern sind fast trostlos, daß sie ihrer Overin nicht beistehen können. Diese aber ist hier und dort, als ob sie sich vervielfältige, sie ist bei den Schwestern mit ihrem Troste, bei den kranken Frauen und Kindern und Männern mit ihrer Hülfe, bei Gott mit ihrem Bitten um Erbarmen mit so vielen Schmerzen: sie ist überall. Die Liebe ist ihre Speise des Tages und ihre Ruhe des Nachts." Wir kommen zum Schluß des reichen Lebens, aus dem wir hier nur ein paar flüchtige Bilder mit heilen konnten. Drei Jahre nach der zuletzt erzählten Prüfung, im Jahre 1316 wurde Schwester Placida in das Mutterhaus nach Nanzig berufen. Die Demüthige sollte uoch auf hohen Leuchter gesetzt werden, auf daß ihr Licht weithin leuchte. Eilf Jahre zuerst verwaltete sie des Amt der Ockonomie, 1827 ward sie Assistentin, 1828 General-Oberin deS Ordens. „Für sie war jede Bürde noch zu 152 leicht. DaS wußten Alle, nur nicht sie. Noch dreimal wurde sie einstimmig zur höchsten Würde ihrer Kongregation erhoben; und starb mit derselben bekleidet, im Jahre 1841, reich an Jahren (79) und noch reicher an guten Werken, beweint von ihren Töchtern und von ihren Armen." „Das Leben der Mutter Placida ist nur in einigen Punkten, die ans lausenden ausgewählt sind, an unserm betrachtenden Auge vorübergezogen. Nnn sülle man die Zwischenräumc mit jenen zahllosen gnten Werken auS, die das Leben einer barmherzigen Schwester zusammensetzen; so steht ein Bild, das eben so sehr erbauet als erquicket, vor unserer Seele. Wenn aber das schon der Schattenriß vermag, wie muß erst die Wirklichkeit gewirkt haben. Man kann wohl einen Garten mit seinen Baumreihen und Blumenbeeten zeichnen oder beschreiben; aber kein Wort und kein Zeichen wurde eine Ahnung erwecken vor dem lieblichen Duste, der diese durchwallet: ihn muß man ei »athmen. Das Leben der Placida, und manch anderer barmherzigen Schwester gleicht einem blühenden verschlosseneu Garten. Der Hauch des heil. Geistes und der Sturm der Verfolgung durchwehen ihn, und eS werden fließen seine Gewürze: denn iu seinem Boden wurzelt der echte fruchtbringende Keim, die Liebe GotteS."^) Wnrzvurg. Am 10. April wurde der hiesige Vincentiuö- und Elisabethen-Verein durch kirchliche Feier eröffnet, nachdem in einigen vorausgehenden Versammlungen der Verein beiderseits schon constiiuirt war und seine Vorstände gewählt hatte. Dr. Hetiinger, SulrcgenS deS bischöfl. KlerikalsmiinarS, hielt in der Neumünstcrkikche eine sehr gediegene und umfassende Rede, nach welcher Herr Domprobst Thinncs die heil. Messe la?. Eine sehr zahlreiche Menge Halle sich zur Theilnahme dieser Feier cingefuudcn, nach welcher sogleich eine Versammlung des Vinccnliuö-Vereincs statifaud, in der der Vorstand, Herr RegieruugSralh Leiniclder, die erfreuliche Mittheilung machte, daß bereits mehrere hochgestellte Personen, darunter Herr Re^ierungSprästdentj von Zn-Rhein, als Mitglieder beigetreren seyen. Am Abende desselben Tages fand dann eine Versammlung des Elisabethen-Vereins statt. Und so wäre der Wunsch des Pater Roder beim Schlüsse der Mission in der That schon in Erfüllung gegangen, solche Vereine als Fortsetzung der Mission zu begründen. Möge der Herr diese Blüthe der kcuholischen Kirche in unserer Stadt reichlich segnen! Großbritannien. Unlängst sind mehrere Rücktritte angesehener Personen znr katholischen Kirche vorgekommen. Lord Charles Tynne, Domherr von Canterbury und Pfarrer von Longbridge, Schwiegersohn des Protest. Bischofs von Bath und Wells, Bruder der Herzogin von Buccleugh und Onkel des Marquis von Bath, eines jungen Pair von England, wurde katholisch, und verzichtete auf ein jährliches Einkommen von 10,000 Thlr., welche seine geistlichen Stellen eintrugen. — Francis Wegg Prosser, ein ausgezeichnetes Mitglied der Universität Orford, und 1847 Mitglied deS Parlaments für die Grafschaft Hereford, Enkel eineö verstorbenen Würdenträgers der englischen Staatskirche, that denselben Schritt. Er ist mit einer Schwester des PairS von England, Grafen SomcrS, verheirathet, diese ist aber noch protestantisch. — Frau Daymau, die Frau eines anglikanischen Geistlichen, trat vor einigen Wochen in den Schooß der kaihol. Kirche zurück. ') So berichtet das protestantische Volksblatt für Stadt und Land. Nur sagt's nicht, wo eigentlich Schwester Plaeiva ihren Heldenmut!) geholt. Der Katholik kennt die Quelle, das aller- heitigste Sakrament. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kreine».