Dreizehntes .Jahrgang. Sonntags-Beiblatt II> iriüii-'/nu 3MI ij^ Iiil-j? 1IIII ii-ssllW , nuiinliN /I'NÄÄ ,tn?chilii?^ iNSj^um ,KM li)ik?i!(>Ziil„Ii^j' Augsburger Postzeittmg. >IlIilM mjlAi »i ,b« -.NV',s ^lil-i^lr.? Iiis,^ f(ItkZ ni-?(l>lr»üjL ilchchn^ttiSiw d^chl-vi . ?l5,9 !)tjchM zgili^I in^ iiniiSci'i üli^I u.^/^ii^ 7!>!>i> »?I .^i^ii^i n'>'! vbl n»,n,ld?ia,L .-na?! ,.mmi n;?i^l-'n-i. .^i? 7->j.^ «vlisvi^i! Vieles, und, wie ich hoffe, nicht Unerhebliches, wenigstens bisher minder Bekanntes, waS die Erzherzogin Maria, unseres Kaiser Ferdinands des Zweiten Mutter, berührt, habe ich Ihnen bisher vorgetragen. Ich habe diese merkwürdige Frau geschildert von dem Standpuncte der Tochter zu den Eltern, der Schwester zu den Geschwistern, der Gemahlin zu dem Gemahl und der in jeglicher Weise besorgten Mutter zu den Kindern. Auch von ihrem Charakter, wie in diesem Ernst mit Heiterkeit. Strenge und Milde sich paarte, die fürstliche Würde mit gemüthlicher Laune sich einigte, habe ich mancherlei gesprochen; zuletzt davon, wie sie daS Bewußtseyn, eine Fürstin nicht bloß zu heißen, sondern zu seyn, mit dem Vollgepräge seines Wesens denjenigen gegenüber zu stellen verstand, die sich'S Herausnahmen, dasselbe unberücksichtigt zu lassen. Von ihrem Walten als Fürstin könnte ich Ihnen noch Manches erzählen: wie sie auf ihrer langen Reise nach Spanien fortwährend über alle Landesangelegenheiten, selbst über den Gesundheitsstand ihrer Residenz wollte unterrichtet werden; wie sie ihren Aufenthall an dem fernen, aber nahe verwandten Hof dazu benutzte, um bei der fortwährend wieder auftauchenden Spannung deS SohneS mit der unnachbarlichen Republik Venedig jenem in dem auf Oberitalien mächtig einwirkenden Schwager einen sichernden Rückhalt zu gewinnen, vornämlich aber, wie sie während des Sohnes Weilen am Reichstage zu RegenSburg, während der letzten Wochen ihres Lebens, unter bedrohlichen Anzeichen in häufiger Berathung ihrer vornehmsten Geschäftsmänner, in Anordnung zur LandeSvertheilung. in Vorschlägen zu hilfereichen Verbindungen mit auswärtigen Fürsten der Obliegenheiten einer Regentin mit eben so großer Umficht als rastloser Thätigkeit wahrnahm. Allein dieses alleS schlägt mehr in die politische Geschichte deS Landes ein, indeß ich mir die Aufgabe gestellt habe, Ihnen ein mit gewissenhafter Sorgfalt gezeichnetes und alle Züge einer so seltenen Persönlichkeit zusammenfassendes Charakterbild der Erzherzogin Maria vor Augen zu stellen. Dieö gedenke ich nun nach seiner reichen Vielseitigkeit zu vollenden und diesem durch den treuen Bericht über ihre letzten Stunden ebenso das Siegel aufzudrücken, wie der Hinscheid ihrem ganzen Leben ein solches aufgedrückt hat. YNVg7ö»>UkStN^'k.NlH Wollen wir dessen Grundzug, dessen bewegende Kraft bezeichnen, so können wir nur sagen, die Erzherzogin Maria ist daS in hoher Vollkommenheit ausgeprägte Bild einer Persönlichkeit, deren Erkennen, Wollen und Thun fest und unverrückt in der katholischen Kirche wurzelt; deren Lebenskraft nach dem ganzen Maaß ihres Vorhandenseynö und nach jeglicher Weise ihrer Bethätigung ein Ausfluß von dieser ist; die deßhalb ein lebendiges Glied derselben nach der Vollesten Bedeutung dieses Wortes genannt werden muß. In der katholischen Kirche leben, hieß daher für sie: durch die katholische Kirche leben, und „gut katholisch seyn," war in ihrem Munde daS höchste Lob, welches sie auSzusprechen vermochte; Rückkehr in die katholische Kirche für Solche, die außerhalb derselben gestanden hatten, demnach der Inbegriff alles Wohlergehens, dessen sie theilhastig werden könnten. Von lebendig katholischen Eltern geboren, und durch dieselben zu allen jenen äußern Begehungen der innern Hinwendung an Gott angeleitet, welche für diese alltäglich daS Zeugniß ablegen, dürfte der Erzherzogin zeitliches Daseyn vor Allem und mit der vollesten Wahrheit ein fortlaufender Gottesdienst genannt werden. Jeden Tag erhob sie sich frühzeitig, sobald derselbe sich verkürzte, schon beim Kerzenlicht, häufig bereits um drei Uhr deS Morgens, später als fünf Uhr niemals, von ihrer Ruhestätte. Ihr Erstes war, den wach gewordenen Geist bei Gebet und Betrachtung in Gott zu versenken. Damit sie Niemand von ihrer Dienerschaft wecken müsse, geschah dieses, alsbald nachdem sie daS Bette verlassen, in ihrem Schlafgemach. Dann nur durchflog sie Unwille, wenn längeres Verweilen dabei durch Geschäfte oder, waS bei ihrem Stand nicht immer sich vermeiden ließ, durch zwischeneintretendes Anfragen unterbrochen wurde. In tiefer Andacht hörte sie sodann drei heilige Messen, bisweilen sogar vier, auf Reisen immer zwei. Zwischenein las sie geistliche Bücher, Predigten, die während deS AnhörenS bei dem Vorlesen sie besonders angesprochen, geweckt, emporgehoben hatten. Wie sie mit Gebet jeden Tag zu beginnen pflegte, so schloß sie denselben; sie betete an dessen Ablauf die Litanei, las daS Evangelium und die Lesestücke für den folgenden Tag und machte mit der GewissenSersorschung den Schluß. Im Bette war ihr Angesicht gegen ein KreuzeSbild gewendet, vor welchem ein Licht brannte, zu ihrer Linken standen zwei kleine Altäre. War sie durch Krankheit an dasselbe gebannt, so ließ sie sich ein Tischchen mit zwei brennenden Wachskerzen bringen und nahm ihre Gebetbücher zur Hand. DaS geschah später gewöhnlich zu der Zeit, da sie in ihrem Kloster zur Mette läuten hörte. So oft sie dort sich aufhielt, stand sie nachtS eilf Uhr mit den Schwestern auf und ging mit ihnen in den Chor. Wöchentlich pflegte sie wenigstens einmal zu beichten, jeden Sonntag mit ihrem Hofstaat, in den spätern Jahren mit ihren Kindern, die heilige Communion zu empfangen, beides außerdem noch, so oft sie zu jenem im Gewissen, zu diesem durch ein eintretendes Fest gemahnt wurde. An jedem Festtage wohnte sie dem öffentlichen Gottesdienste bei und sah darauf, daß dieses nicht allein von ihren Kindern, sondern ebensowohl von allem ihrem Hofgesinde beobachtet werde. Es lag ihr sehr viel daran, daß durch Anwendung der Heilmittel und Theilnahme an der Verehrung deS Dreieinige» daS religiöse Leben bei Jedermann geweckt und gestärkt werde, daß sie bisweilen in den Zeiten, welche dem Christen besonders heilig seyn sollen, bei den Geistlichen anfragen ließ, ob die Zahl der Beichtenden und Communicirenden groß gewesen seye? etwa in der Kirche nachzusehen befahl, ob viel Volk sich eingefunden habe? Eben so oft war sie bei Predigten anwesend. Fand sie durch eine besonders sich angesprochen, so mußte sie ihr hernach schriftlich zugestellt werden. Der Beichtvater ihres Klosters bezeugte eS öffentlich, er habe in der Kirche desselben niemals gepredigt ohne Beyseyn I. D. und deS ganzen fürstlichen HofeS. Kein Andachtöbüchlein erschien, was sie nicht zu erwerben suchte. Manche ließ sie wieder auflegen und verbreiten. Besondern Werth hatten für sie die LebenSgeschichten der Heiligen, vorzüglich solcher, die durch größere Strenge sich ausgezeichnet hatten; dergleichen mußten manchmal während der Tafel vorgelesen werden und überallhin, selbst auf die Jagd, 161 sie begleiten. Noch bis jetzt hat sich auS ihrem Nachlaß ein Bund handschristlicher Gebete, geistlicher Lieder, liturgischer Vorschriften oder Erklärungen erhalten, jedes Blatt oder Heftchen mit einer Aufschrift von ihrer Hand versehen, als fortlausendes Zeugniß für die Wahrheit dessen, waS die Zeitgenossen von ihr berichtet haben. War ein öffentliches Gebet angeordnet, so mußten nicht allein ihre Töchter, Kammerfrauen und Mägde der Reihe nach wechselsweise dazu sich einfinden, sondern sie ging ihnen insgesammt mit dem eigenen Beispiel voran, ja übertraf sie Alle, indem sie gewöhnlich nicht darauf sich beschränkte, nur während der zugewiesenen Stunde vor dem AltarSsakrament zu knien. Eine ansehnliche Reihe von Zetteln, auf welche die Namen ihrer Kammerfrauen und deS weiblichen Dienstpersonals verzeichnet find und die Stunde angegeben wird, zu welcher bei solchen Veranlassungen eine jegliche in der Capelle stch einzusinken habe, wird jetzt noch in dem kaiserlichen HauSarchiv aufbewahrt. — Zur Darbringung deS unblutigen OpferS und zu dem Gebet war sie von wankellosem Vertrauen durchdrungen. AIS eine ihrer Töchter im Kloster Hall sie in einer Angelegenheit um Trost und Rath bat, antwortete ihr die Mutter- „Meine Kinderl habt ihr ein Anliegen, so nehmet im Gebet zu Gott eure Zuflucht. Betet auch fleißig für die armen Seelen und lasset Messen für sie lesen, sicher werdet ihr dann Hilfe empfangen." Damit rieth sie zu dem, waS sie immer selbst befolgte; denn manche Jahre durch ließ sie auf St. Andreä Friedhof zu Grätz viele Messen hinter einander für die Abgestorbenen, für jedes Glied ihrer Dienerschaft deren immer dreißig lesen. Sie begleitete fast jeder Zeit die Processionen, wie sie derjenige deS MarkuS- tageS noch fünf Tage vor ihrem Ende beigewohnt hat. Ihr gefiel zu Mailand besonders, daß Erzherzog Albrecht sammt andern Vornehmen bei einer solchen den Himmel tragen half, indem sie darin eine größere Demüthigung zu Gottes Ehre erkannte. Wer sie an derjenigen deS Fronleichnamsfestes sah, mußte durch ihren Anblick bewegt oder emporgehoben werden. Jeden Samstag besuchte fie die Wallfahrtskirche zu Straßgang, zu Maria Elend genannt, und ließ, um die Gläubigen zu größerer Andacht zu erwecken, längS deS Pfades i4 Kreuzwegstationen aufrichten. Im Sommer ging sie gewöhnlich zu Fuß dahin, nahm ein paar ihrer Kinder mit, denen sie unterwegs etwaS von den Leiden Christi erzählte, nachdem sie an jeder Station einige Augenblicke kniend im Gebete verweilt hatte. Anvere WallfahrtSörter besuchte sie ebenfalls; zu Mariazell ist sie öfters, in Altötting wenigstens bisweilen gewesen, Straßengel, Ferniz bliebe» ebensowenig vergessen. Auf der Rückkehr auS Spanien zog eS sie nach Loretto. In ihrem Land ließ sie sich ollen Bruderschaften einverleiben, auch in andere außerhalb desselben. Denn der hohe Werth der Bruderschaften für Belebung christlicher Sinnesart und HanvelSweise wurde damals noch von allen Ständen anerkannt und gewürdigt. Zu Laibach gab sie ein unverkennbares Zeugniß ihrer katholischen Gesinnung damit, vaß sie bei der Huldigung, welche Ferdinand in Krain einnahm, öffentlich sammt allen Erzherzoginn, derjenigen deS heiligen AltarSsakramenteS bcitrat und zu einer Procession sich einsand. So oft sie sich aus Reisen begab, empfahl fie sich der Fürbitte ver Marianischen Bruderschaft in Grätz. Diejenige vom heil. Geist wurde unter die dortigen Studirenben vornehmlich auf ihr Betreiben eingeführt, wirksam dadurch empfohlen, daß ihre sämmtlichen Kinder derselben beitraten. Eine große Anzal von Jndulgenzen für Rosenkränze, von Päpsten geweiht, für AgnuS Dei, für Medaillen, mit päpstlichen Vergünstigungen ausgestattet, beweisen, daß ihr frommer Glaube gerne Alles um stch vereinigte, waS nach der Lehre der Kirche dem innern Leben als Hilfsmittel dienen kann. Deßwegen hatte für sie nichts einen so hohen Werth wie Ueberreste der Heiligen, ob nun von deren Leibern oder Gewändern. Von allen Orten her suchte sie dergleichen sich zu verschaffen; noch im letzten Jahre ihres Lebens mußte Ferdinand seinen Ausenthalt in RegenSburg dazu benutzen, um auS St. EmeranS Abtei ein Theilchen von dem Leib deS heil. Bischofs Wolfgang für sie zu erbitten; und der Ausdruck der Dankbarkeit gegen denselben für den Erfolg seiner 164 Verwendung ist zugleich derjenige der Freude, ihren Wunsch erfüllt zu sehen. Wie werth ihr die durch Clemens VIII. erhaltene Vergünstigung müsse gewesen seyn, dergleichen heil. Ueberreste in allen Klöstern und Kirchen Italiens verlangen zu dürfen, läßt sich dem reichen Verzeichnis) solcher entnehmen, die ihr einzig in Mailand überlassen wurden. Ihre Ehrerbietung gegen dieselben bewährte sich dann durch die Fassung, mit denen sie sie ausstatten ließ. Hiezu gab sie mit freudigem Sinn Perlen, Evel- gesteine, Arm- und HaiSzierden und die kostbarsten Kleinodien her. So vereinigte sie in ihrer Capelle, die seit der ersten Zeit ihres 'Aufenthaltes in Grätz mit Recht ihr Augapfel konnte genannt werden, welcher sie die eifrigste Sorgfalt und Liebe stets angedeihen ließ, zweierlei Schätze: diejenigen, welche nur der Glaube würdigt, und solche, die vor der Welt ihre Geltung nie verlieren werden. Die Mehrung von beiden ließ sie ihr ganzes Leben durch sich angelegen seyn. Die Hinneigung zu geistlichen Dingen zog sie auch zu denen, welche kraft ihres Berufes dieselben den Gläubigen vermitteln sollen. Sie erwies den Geistlichen be« sondere Achtung, doch dann nur, wenn der Stand und dessen Träger sich gegen» seilig durchdrangen. „Alle Geistlichen, sagte sie öfters, habe ich von Herzen lieb, dafern sie sich wohl halten; ist aber das nicht der Fall, dann mag ich ihnen nicht viel gute Worte geben; das wollte ich Jedem rund heraussagen." An Beispielen, daß sie solcher Rede Folge zu geben wußte, fehlt eS nicht. Hörte sie von dem Mißtritt eines Geistlichen, so war sie sehr besorgt, daß ihn weder die Bessern entgelten möchten, noch daS Volk dadurch geärgert würde. Gemeiniglich rief sie, wenn Derartiges ihr zu Ohren kam, auS: „Wie verkehrt ist doch die Welt, wie ein arger, listiger Feind und Bösewicht ist nicht der leidige Satan!" Arme Geistliche lud sie öfters zu Tisch. Erklärte sie: wollte einer ihrer Söhne Capuciner werden, mit Freuden würde sie ihm ihren Segen geben, so ging diese Rede gewiß aus ihrer tiefsten Ueberzeugung hervor. So oft sie mit einem Priester oder einer geistlichen Person zu verkehren hatte, vergaß sie nie, in deren Gebet sich zu empfehlen. In besonderer Gunst standen bei ihr die Ordenspersonen beiderlei Geschlechts, denn katholisch seyn wollen und jenen ihres Standes wegen abgeneigt seyn ist ein greller Widerspruch. Weil bet des Adels Abfall von der Kirche die Glieder des FraucnklosterS Göß, die jenem angehören mußten, sehr herabgeschmolzen waren, wendete Maria große Kosten darauf, ihnen Zuwachs auS Bayern und auS Welschland zu verschaffen. Maria besaß ein besonderes Geschick, Irrgläubige auf den Weg der Wahrheit zurückzuführen. Die Liebe, welche zu solchen Bemühungen allein der Beweggrund seyn darf und zugleich das erfolgreichste Mittel seyn wird, machte sie hiezu ausnehmend tüchtig. Durch Freundlichkeit suchte sie sich bei ihnen Gehör zu verschaffen, zog dieselben hiedurch an sich, legte ihnen in solcher Weise die Glaubenslehren vor. Dann ließ sie sich angelegen seyn, dieselben mit glaubenswarmen Männern in Berührung zu bringen. Auch zum Gebet, zu Messen nahm sie ihre Zuflucht. Nahten sich dergleichen Leute ihrem LebenSenve, so verdoppelte sie ihren Eifer. DaS Verdienst, Jemand in den Hafen deS Heils geleitet zu haben, ging ihrer Ueberzeugung nach jedem andern voran, deßwegen begab sie sich bisweilen in adelige Häuser, mit einem kleinen Bilde der heiligen Jungfrau versehen, und stellte mit beweglichen Worten dar, wie man doch den alten Glauben verlassen und Diese unter die gemeinen Weiber . herabwürdigen könne? Nicht immer war ihre Bemühung fruchtlos; Einige wurden hiedurch zur Rückkehr in die Kirche bewogen. So der alte Herr von Thanhausen, mit dem sie oft über Glaubenssachen in Erörterung sich einließ, auch mehrmals einen Pater auS der Gesellschaft Jesu mitnahm, der ihm Alles auseinandersetzen mußte. Wie sie dann dessen tödliche Erkrankung vernahm, veranstaltete sie ein vierzigstündigeS Gebet, ließ für seine Bekehrung Messen lesen, beten, Almosen austheilen und hatte endlich die Freude, ihn vor dem Tod mit der Kirche ausgesöhnt zu sehen. Gleiches geschah mit einer Frau von Lichtenstein, die dergestalt unter steter Huth ihrer unkatholischen Umgebung stand, daß eS nur der Erzherzogin möglich war, einem Priester, der dem Verlangen der Edelfrau willfahren konnte, Zutritt zu derselben zu verschaffen. 165 Hoffte sie, Jemand von der katholischen Wahrheit überzeugen zu können, so gab sie bereitwillig ihre Bücher her, kaufte neue, wendete Geld zu Almosen aus und nahm an den öffentlichen Gebeten dafür zu allererst Theil. Bei allem diesem Eiser war sie von Bitterkeit und Härte gegen diejenigen frei, die sich nicht überzeugen ließen. So gestattete sie den Hammermeistern, welche die Auswanderung dem katholischen Glaubensbekenntniß vorzogen und doch ihre Gewerke nicht verkaufen konnten, einen allmonatlichen Besuch derselben, um anordnen zu können, waS zu deren Betrieb erforderlich. (Fortsetzung folgt.) «muN »ichöm z-ttH. ->r.-z . l-,S»x »>Z/si»H ni, , alzqsiS. sim-MdM ni» ir>«> »im 'tdiiiÄ 6mi >7^liZ^> iü) >l iii-iu?^ !> n^nc-M iiüs!>j!t ".»au»K 10a . ^ , Der Dvrfeaplan in den Tyroler Alpen. (Charakterbild von Beda Weber.) ? -^(?0tts«tz»«g.)>!>I^t»5IlÄ ?»» Il.-)-!l'l1'''«. Wie kann euch einfallen, ein strenges Urtheil über eueren Nachbar zu fällen! Er schläft ja den nämlichen Schlaf mit euch und träumt den nämlichen Traum. Haltet euch fromm und ruhig als gute Schlafgesellen und streitet euch nicht um die eine Decke, die Alle wärmt und erquickt. Schlagt in keine blühende Staude! Wer eine FrühlingSblüthe wissentlich tödtet, vor dem ist kein Leben, kein Herz und kein Gott sicher. Und wer ein junges Bäumchen muthwillig zerknickt, mit dem schlafe ich nicht unter einem Dache." So spann sich in den lebhaftesten Bildern die ganze Sittenlehre an seinem Krankenbett ab. Er achtete dabei wenig auf die Umstehenden, die er in solchen Augenblicken auch nicht recht erkannte. Seme innigste Ueberzeugung machte sich Luft und die That seines LebenS gellend. Er verstand, wie kein Anderer, mit unnachahmlicher Kunst, Kindergeschichten zu erzählen, Mährchen, Fabeln und Lehrstücke aller Art auf so einschmeichelnde Weise, daß ihm die Knaben und Mädchen auf der Gasse in die Schöße seines RockeS fielen, und ihn nur um das Lösegeld einer lustigen oder traurigen Geschichte frei ließen. In den Phantasien seiner Krankheit spielten diese wunderlieblichen, oft mährchenhaften Bilder und Bruchstücke wie auS Tausend und Eine Nacht im buntesten Gemische durch seine Seele, durchtönt vom Beifall aushorchender Kinder, den er selbst mit allen Muskeln seines gereizren Organismus kundgab. „Eine Geschichte, eine Geschichte!" riefen die Kinder. Er lag mit dem kinderseligsten Lächeln auf seinen Kissen und sagte mit weicher Stimme: „O, Geschichten weiß ich viel tausend, und die allerschönsten, die noch kein Mund erzählt und kein Ohr gehört hat; aber heute bin ich müde, laßt mich eine Weile ausrasten!" Bei diesen Worten machte er eine Bewegung, als wollte er sich den Händen der Kinder entwinden, eS gab ein Scherzen und ein Gekicher, daS dem kranken Mann einen eigenthümlichen, für die Zuschauer oft schmerzlichen Ausdruck gab. Er wand sich hierhin und dorthin, eS half alles nichts, die Kinder ließen ihn nicht loS. »Nun, so will ich denn erzählen," sagte er wie ermüdet vom langen Widerstreben. — Nach der Erzählung sank er ermattet in'S Kissen und lag eine halbe Stunde unbeweglich, nur leise athmend. (Schluß folgt.) »dttz'i<'7 ^«>Zj>NshHj5M »t> vm»» ai ni?nu ltthnuyg ni ,vtw M!l . n'-wfi^ii^mnilN'j um Zizilöl, Schornsteine gegen Jesuiten. Die Gegner der Jesuiten scheinen nicht verschmerzen zu können, daß die ihnen vom ?. Roh bedingungsweise versprochenen 1000 Gulden ihnen doch entgangen sind. Bekanntlich endete der von Lübeck aus angefangene Krieg mit einem schmählichen Rückzüge der Gegner. Nachträglich ist ein neuer Streiter, ein neuer Bewerber um die 1000 Gulden ausgetreten, eS ist der vr. Sander, nicht der auS Elberfeld, sondern der aus HildeSheim, der erst seit neuester Zeit berühmt zu werden anfängt. In dem jüngst erschienenen 2ten Hefte seiner Zeitschrift: „Luther oder Papst?" zieht er gewaltig gegen Diejenigen zu Felde, welche den Jesuiten vorgeworfen, sie haben offen eS gelehrt, daß der Zweck die Mittel heilige. „ES hat", sogt vr, Sander, „(in früherer Zeit) wahrscheinlich kein Mensch gewähnt oder gar behauptet, die Jesuiten hätten mit dürren Worten in irgend einer gedruckten Schrift ausgesprochen, daß der Grundsatz: „„Der Zweck heiliget die Mittel"" — wirklich ihr Grundsatz sey; für so einfältig hätte nur ein höchst einfältiger Mensch die Jesuiten halten können." Also auch den Historiker Ranke in seiner ersten Auflage der römischen Päpste und so viele Hunderte vor und nach ihm, die behaupteten, die Jesuiten lehren mit dürren Worten, daß der Zweck die Mittel heilige, nennt Herr 168 Dr. Sander „höchst einfältige Menschen". Derlei Prävikate verdienen Dankadressen und Ehrenbecher. — Inzwischen ist Herr Dr. Sander selbst hinter daS Geheimniß gekommen, und die 1WO Gulden mögen denn endlich flüssig werden. Er sagte: „Merkwürdig indeß bleibt eine Thatsache: Nachdem AbendS am 16. August 1773 dem General der Jesuiten und seinen Assistenten, wie auch den übrigen Jesuiten in Rom das päpstliche AufhebungSdecret bekannt gemacht worden war, sah man AbendS am 13. August auö den Schornsteinen des deutschen und deS ungarischen Jesuiten- CollegiumS einen dicken Rauch aufsteigen und die angestellte Untersuchung ergab, daß eine Menge von Schriften und Büchern verbrannt war." Damit wäre die Sache bewiesen und die 1vl)t) Gulden wären an Herrn Dr. Sander zu senden, til m,4 ,01 .,,IÜÜ, jkMnHtm Z(!»i.'I(Z yMil!!in5 )> ii> ,'tS »ikl Iii > »i!» Siill .7^'^ili^l srni^ :Hs,f6ii»>tH l 'iii> lim ttitlüjlii» 0s '.l>'1 I! II 51 «5 Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen, Verlag« - Inhaber: F. C, Krem er.