Vr-yehnter Lahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PaAMung. »5-l?7llo»^nttnSau«z^ vstl'T ZÄioi7H^ll«chitlü<»N) Nlü «,^it'i'i!i<, mm ,-tj»A »j« 12. Juni. 1853. Diese» Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Al>ouuement«prei« 4V kr., wofür e» durch alle komgl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogru werde« kaun. A g r a m. Rede des hochw. Herrn ErzbischofS Georg Haulik von Varallva bei Gelegenheit der Inthronisation. (Schluß.) Wahrlich, kein anderer Gedanke beschäftigt in diesem Augenblicke meine Seele, kein anderer Wunsch entflammt mein Herz, als daß die Würde deS von mir eingenommenen Sitzes nicht durch meine Unwürdigkeil, die Wichtigkeit deS mir obliegenden Amtes nicht durch die Geringfügigkeit meiner Person irgend einen Schaden erleive. Ich bitte Euch daher, verehrte Brüder, Euch, würdigste Bischöfe der Kirche Kroatiens und Slavoniens, mit welchen bisher daS Bündniß aufrichtiger Bruderliebe mich verband und denen ich künftig durch deS Amtes Pflichten noch enger verbunden seyn werde, mit aufgehobenen Händen, Euch aber, vielgeliebte Söhne, die Ihr auch in Zukunft mich als Euren Vorgesetzten ertragen müßt, ersuche ich vertrauensvoll, baß Ihr meine Schwäche geduldig tragen und ihr in Eurer großen Liebe beispringen möget. Dieser Eurer Nachsicht glaube ich um so mehr zu bedürfen, als ich voraussehe, daß bei meinem vorgerückten Alter auch meine Fehler und Gebrechlichkeiten, wie es die Natur deS Alters bedingt, sich immer mehren werden." Aus diesem Allem, was ich zwar hinsichtlich der Wichtigkeit der Sache sehr unvollständig, hinsichtlich der Kürze der Zeit aber vielleicht auch etwas allzu ausführlich angeführt habe, erkennt Ihr, verehrungswürdigste Brüder und vielgeliebte Söhne, welch reicher Stoff der gerechtesten Freude unS Allen aus des heuligen Tages Festlichkeit erquelle; leicht aber könnet ihr auch begreifen, daß die Pflichten nicht gering sind, die aus Veranlassung dieses glücklichen TageS unS entspringen." „Denn schon jene Charakterfestigkeit, welche unsere LanvSleute während deS langjährigen Kampfes für diese Sache, so wie die Liebe, die sie für diese ihre ausgezeichnete Kirche an den Tag legten, muß uns zu neuer Vaterlandsliebe anstacheln und in uns jenes Gefühl gegenseitigen aufrichtigen Wohlwollens gegen unsere Mitbürger und der Dankbarkeit besonders gegen Jene erwecken, welche vor Anderen ihre löbliche» Bestre, bungen dieser Sache zuwendeten." „Unter diesen leuchtet gleich einem glänzenden Gestirne unser BanuS hervor, jener Mann, wie einen gleichen nicht jedes Zeitalter schafft, nicht jedes Land gebiert. Jener Mann, der einer von den Wenigen ist, denen es vergönnt war, in diesen convulsi- vischen Zeiten durch heldenmüthige Tugenden, durch unerschütterliche Treue und edle Aufopferung seiner selbst die wankenden Grundfesten der Monarchie zu befestigen, den Thron zu stützen und die hohe regierende Dynastie von der drohenden Gefahr zu retten, jene Dynastie, die nächst Gott der Quell all unseres Wohlergehens ist. Es genügte diesem Manne nicht, unserem Vaterlande eine würdevolle Stellung zu verschaffen, er glaubte auch durch die unermüdete Unterstützung des Gesuches um die Erhebung deS .VN»iMls,A8SU/l(t,(i,M Agramer BiSthumS zur Metropole einen neuen und zwar sehr ausgezeichneten Beweis seiner lieben und frommen Sorgfalt für die Kirche des Vaterlandes zu geben, wofür ihm in der That unser innigster Dank, unsere aufrichiigste Anhänglichkeit und unbegrenzte Verehrung gebührt." „Dieses glückliche Ereigniß kann serner nicht anders als unsere Brust mit unauslöschlichem Dankgcfühl gegen unseren erhabenen Kaiser und König Franz Joseph I. erfüllen, der die uralten in dieser Beziehung geäußerten Wünsche der Kroaten und Slavonier gnädig entgegennehmend und mit seiner mächtigen Beredsamkeit unterstützend, die Sache zum günstigen und erwünschten Erfolge reifte. Dieser bewunderungswürdige Fürst, den Jeder, der ihn sehen oder kennen lernen konnte, eben so hoch verehrt als liebt und alö eine ausgezeichnete Zierde so vieler Ahnen, denen er entsprossen, beurtheilt, der die Jugend durch gereifte Urtheilskraft und der Zeiten Mißgeschick durch deS Glückes Gunst besiegt, dem keine Sache so schwierig ist, daß er sie nicht mit weisem Rathschlusse zu leiten, mit Rechtschaffenheit zu beschützen und mit Edelmuth zu vollbringen vermöchte; dieser von Gott mit so vielen Gaben geschmückte Fürst, sage ich, hat schon bis jetzt seinem unermeßlichen Reiche, ja der Menschheit mehr Wohlthaten erwiesen, als viele Andere im Verlause von Lustren, selbst von Jahrhunderten zu erweisen vermochten." „Er hat seine Liebe für die Religion und ihre Bewahrerin, die heilige Kirche, schon im Beginne seiner Regierung durch so ausgezeichnete Beweise dargelegt, daß es nicht verwundern darf, ihn sichtbarlich vom Schilde der göttlichen Vorsehung beschützt und selbst jüngst fast aus eine wahrhaft wunderbare Weise aus der Gesahr errettet zu sehen, womit das fluchwürdige Verbrechen eines Meuchelmörders sein kostbares Leben bedrohte. Diese seine Gnade gegen das Vaterland und unsere Kirche muß fürwahr jene Treue, die unsere Vorsahren gleich einem äußerst kostbaren Schatze gemeinsam bewachten, in unseren Herzen und zwar derart befestigen, daß wir weder in Thaten, noch in Worten jemals etwas begehen, das seinem Ruhme oder Wohle schädlich seyn könnte, sondern daß wir vielmehr durch allgemeine Kraftanstrengung seine Absichten und Bestrebungen, die ohnehin nichts anderes als daS Wohl der seinem Scepter unterworfenen Völker bezwecken, unterstützen, daß durch hinreichendes ausrichtiges Zusammenwirken von unserer Seite jegliches Mißtrauen gegen seine Regierung aus den Gemüthern der Menschen verbannt und auf diese Art alle Pfeile schlechter Menschen abgewandt und die öffentliche Ruhe und das Glück von jener pestartigen Fäulniß der Leidenschaften, welche annoch zuweilen die Hölle auszuspeien pflegt, bewahrt und sichergestellt werden. Des heutigen Tages Glück muß jedoch auch, und zwar im höchsten Grade, die innigsten Gefühle der Dankbarkeit und unverbrüchlichen Treue gegen das fichtbare Oberhaupt der Kirche, unseren heiligsten Vater Papst Pius IX., uns einpflanzen, durch dessen apostolische Autorität allein die neue Constituirung dieser Kirchenprovinz gesetzlich erfolgen konnte und durch dessen väterliche Gnade sie auch in der That erfolgt ist. In der Kirche GotteS nämlich muß jegliche hierarchische Ordnung von jener Macht entspringen, der die Fülle des Apostolates innewohnt. Denn waS, wie ein Kirchenvater sich sehr schön ausdrückt, dem Baume die Zweige, dem Haupte die Glieder, der Sonne die Strahlen, der Quelle die Bächlein, das sind und schulden diesem ausgezeichneten apostolischen Sitze alle Kirchen, welche der christliche Glaube irgendwo auf dieser Erde gegründet hat." „Mit welcher zarten Sorgfalt ferner der heilige Vater diese hohe Macht zu unserem Gedeihen angewendet hat, beweisen hinlänglich die unserer Nation ertheilten Lobsprüche, wie sie die kurz vorher verlesene Bulle enthält, so zwar, daß er sich schon hiedurch unsere Herzen zur innigsten Dankbarkeit für ewige Zeiten verpflichtet hat. Denn wenn es ehrenvoll ist, von einem gepriesenen Manne gelobt zu werden, um wie viel ehrenvoller ist es, durch das Orakel der apostolischen Stimme mit Lobsprüchen überhäuft zu werden? UebrigenS ist es nicht unsere Absicht, die hohen von einer ganzen Welt bewunderten Geistes- und Herzensgaben unseres höchsten Kirchenfürsten aufzuzählen und seine unsterblichen Verdienste für die Kirche Gottes und die Menschheit 187 anzuführen. Eines bloß, was meine Seele oft bewegt, glaubte ich bemerken zu müssen: daß selbst jene Leiden und Gefahren, welche von der Gottlosigkeit verworfener Menschen ihm zugefügt und bereitet wurden, so wenig seinem unvergänglichen Ruhme Eintrag zu thun vermögen, daß sie ihm vielmehr noch einen größeren Glanz verleihen. Denn er erlitt diese Unwürdigkeiten wegen seiner unerschöpflichen Herzensgüte, wegen der ausgezeichneten Aufrichtigkeit seines Gemüthes, wegen des zarten Gefühles der Humanität, das ihm angeboren ist, und endlich darum, weil ein Herz von solchem Edel« muth gern auch andere sich gleichgeschafsen wähnt und sich nicht leicht zu überreden vermag, daß eS einen solchen Grad von Verworfenheit unter den Menschen geben kann, daß sie sich nicht scheuen, selbst die freiwilligen Gnadengeschenke edler Menschen zum Verderben ihrer Wohlthäter zu mißbrauchen." „ES gibt noch einen Namen, der bei dieses heutigen TageS Wichtigkeit unsere höchste Beachtung, unsere tiefste Verebrung, unsere innigste Liebe erheischt. Dieser Name, eö ist Dein ausgezeichneter Name, der Name Deiner Eminenz, hochwürdigster Cardinalpriester der heiligen römischen Kirche, Erzbischof und apostolischer Nuntius! Du hast nämlich den Antrag der Erhebung zur Metropole dieser Kirche gleich in ihrem Beginne gütig aufgenommen, thätig gefördert, mit Deiner mächtigen Stimme unterstützt und mit allen Hülfsmitteln versehen, welche nur irgendwie zu einem glücklichen Ausgange zu führen vermochten. Dieser Deiner ausgezeichneten Anstrengung hast Du überdieß noch dadurch den höchsten Gipfelpunkt verliehen, daß Du nicht bloß mit bereitwilligem Herzen diesen zum Vollzüge vom heiligen Vater Dir übertragenen Austrag übernahmst, sondern auch, obschon Du die Befugniß hattest, zu diesem Behufe einen Anderen zu beauftragen, obschon Du ferner durch das mit dem österreichischen Hofe abzuschließende Concordat überaus in Anspruch genommen warst. doch weder durch die Beschränktheit Deiner Muße, noch durch die Beschwerden der weiten Reise, noch auch durch Deine neue CardinalSwürde, über der eS nach dem höchsten Pontificat in der Kirche keine höhere gibt, Dich von der Hieherkunft abHallen ließest. Durch diese Thaten haft Du in den Herzen des kroatischen und slavonischen Volkes Dir ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Rom mag Deine Treue, Frömmigkeit und die unerschütterliche Seelenstärke bewundern; Deutschland, in dessen Umfange Du in so vielen Sendungen mit Auszeichnung gewirkt hast, möge Deine Geistesschärfe, Deine ausgezeichneten Kenntnisse preisen, Oesterreichs Hauptstadt möge Deine Großmuth, Aufrichtigkeit, Sanftmuth und übrigen Tugenden mit gerechtem Lobe seiern: unS genügt, was ich eben angedeutet, Dein- Menschenfreundlichkeit gegen uns und Dein gnädiges Wohlwollen, um Dein Gedächtniß mit unvertilgbaren Zeichen in unsere Herzen zu graben; zumal wir in unsern Annalen keine Spur finden, daß ein apostolischer Nuntius diese Länder mit seiner Gegenwart erfreut hätte. Nicht mein glühendster Wunsch allein, sondern (vertrauend spreche ich eS aus) der Wunsch des gesammten österreichischen KleruS ist es, daß wir niemals, so lange uns und Dir der Genuß dieses Lichtes übrig bleibt, Deines Anblicks, Deines Schutzes beraubt werden; waS wir indeß kaum zu hoffen wagen dürfen, schon aus dem Grunde, weil auch andere, aus dem allgemeinen Jnteresse der Kirche entspringende Ursachen, früher oder später Deine Anwesenheit in der Metropole der Christenheit erfordern werden; der Trost bleibt uns jedoch bei Deinem Scheiden, daß Dein theures Andenken so sehr unseren Herzen eingeprägt ist, daß kein Tag es mehr zu verwischen und kein Wechsel glücklicher oder unglücklicher Ereignisse eS jemals zu verdunkeln vermag. Doch wahrlich eS ist Zeit, meiner Rede Einhalt zu thun." „Dir, himmlischer Vater, Gott des Erbarmens, Quell aller Gnade und alles Trostes sey der Schluß meiner Rede gewidmet! Von Dir gelangt alles das Gute, dessen wir uns erfreuen, von Dir, der wie Du oft deine Getreuen mit Deiner väterlichen Strafe heimsuchst, so auch wieder bei günstiger Gelegenheit sie mit Freude aufrichtest unv sie mit den Wohlthaten Deiner Segnungen überfluthest. Lob, Ruhm und Jubel Dir für so große Wohlthaten und ewige Dankbarkeit. Es ist wahrhast würdig und gerecht, wenn wir an diesem so vorzugsweise festlichen Tage Dir ein heiliges 188 Dankopfer darbringen und mit reinem HerzenStriebe jenes unbefleckte Sühnopfer darreichen, welches seinen unvergleichlichen Duft nie vor Dir verliert O gewähre, allgütigster Vater, daß diese neue Würdigung Deiner Gnade in unS, den Dienern Deiner Altäre, den Geist Deines SohneS wiever belebe, unsere Herzen entflamme zur Ausbreitung der Grenzen Deines Reiches, unsere Seele zu allen Kämpfen gegen die Mächte der Finsterniß stärke, den Durst nach der Mehrung Deines Ruhmes und des SeelenheileS schärfe und unS selbst immer mehr und mehr der Gnade und Heiligkeit überliefere." „Gewähre den Obrigkeiten, gewähre Allen, welche der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten deS Vaterlandes vorstehen, daß sie durch Religion, Frömmigkeit und Tadellosigkeit deS Lebens Anderen zum heilsamen Beispiele bleuen, gib Deinen treuen Völkern KroaiienS und Slavoniens, daß sie wie ihre Vorfahren in allen schweren Zeitverhältnissen ihren Glauben unbefleckt bewahren und so für ewige Zeiten und mit ganzem Herzen der katholischen Wahrheit anhängen, ja selbe in ihrer Gesinnung, in ihren Handlungen und in ihrer ganzen Lebensweise ausdrücken; fest überzeugt, daß sie auf dem wogenden Meere der menschlichen Meinungen der einzige und sichere Anker der Wahrheit, das einzige Rettungsboot im Schiffbruche sey, ohne welches der Schiffbrüchige untersinkt und das denjenigen, der es umklammert, und sey er von der heftigst?» Sturmfluth umwogt, in den Hafen des Heiles führt. Segne, o Herr, Dein Erbe, welches Du durch daS kostbare Blut Deines Sohnes wieder errungen und das Du vom Anfange her besessen hast. Erhalte in dieser, durch daS neue Geschenk Deiner Gnade gestärkten Familie Deines Stammes den Geist der KindeSannahme, daß sie an Geist und Körper neu belebt Dir in alle Ewigkeit treu diene. Du aber, heiligste Jungfrau Maria, Mutter der göttlichen Gnade, deren mächtigsten Schutzes sich im Lause so vieler Jahrhunderte diese Länder, diese Dköcese, diese Kirche zu erfreuen hatten, ihr heiligen Könige Stephan und LadiSlauS, die ihr unS stets mit Eurer wirksamen Fürbitte unterstützt habt, vermehrt, wir flehen Euch an, i» dieser Erhöhung deS Eurem Schutze anvertrauten HeiligthumS Eure Vermittelungen." Die Religion muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung und Weihe geben, Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS von Lyon zur Fastenzeit 1853. Wenn was immer für ein Ereigniß, eine Thatsache, welcher Natur sie auch seyn möge, durch die entferntesten Folgen zn dem Triumphe des Glaubens beizutragen, oder dessen Fortschritte zu hemmen vermag, so kann, geliebteste Brüder, die Religion keine stille Beobachterin von dem bleiben, was um sie her vorgeht; ihre Stimme muß warnen und rathen, um der zu befürchtenden Gefahr vorzukommen, oder um die Entwicklung deS Guten, welches sie hofft, zu beschleunigen. Wollte sie sich begnügen, den Strom menschlicher Dinge zu ihren Füßen vorübergleiten zu sehen, ohne sich zu kümmern, ob jener Fruchtbarkeit oder Verderben mit sich bringe, so würde sie ihre Sendung auf Erde mißkennm, sie wäre nur die ungetreue Bötin deS Himmels und würde zu gleicher Zeit gegen göttliches und menschliches Interesse handeln. Zum Heile der Seelen in diese Welt gekommen, darf sie für nichts gleichgültig bleiben, waS dieses erhöhen oder vermindern kann. Als Diener dieser Religion haben Wir daher nicht die Beschuldigung zu befürchten, UnS der Würde eines Hirten zu berauben und das Heiligthum zn verlassen, wenn Wir in Mitte der industriellen Bewegung, welche unS mit sich fortreißt und welche unsere Zeit charakterisirt, die daran theilnchmendcn Christen ermähnen, nicht etwa dieser Thätigkeit ihre Mitwirkung zu verweigern, sondern sich nicht davon beherrschen zu lassen; nicht diesen rühmlichen GeisteSflug zurückzuhalten, sondern ihm die rechte Richtung zu geben; nicht diese Flamme des Genies, welche mit jedem Tage 180 und besonders in dieser berühmten Stadt in immer lebhafterem Glänze erscheint, zu löschen, sondern sie gegen den Urheber jeder vollkommenen Gabe*) aufsteigen zu lassen. Und wer könnte eS Euerm Bischöfe, der in Mitte der Wunderwerke Eurer stets weiter- schreitcnden Industrie lebt, verargen, wenn er Euch die Gefahren bezeichnet, welche der Religion begegnen könnten bei dieser allgemeinen Hingebung aller Eurer Fähigkeiten an neue Erfindungen, bei diesem heißen Kampfe aller arbeitenden Geisteskräfte, welche dem Geheimnisse, in kürzester Zeit und mit wenigen Händen recht viel Wohlstand zu schaffen und so das allgemeine Beste wie daS deS Einzelnen recht schnell zu fördern, immer mehr auf den Grund ju kommen streben. Vergesset, geliebteste Brüder, den Titel „Kinder GotteS" nicht, den Ihr bei der heiligen Taufe erhieltet und vergesset die Versprechungen nicht, welche man damals für Euch machte und die Ihr bestätigt habt. Zu Christen müssen Wir in christlicher Sprache reden! Durch die um Euch her wogende Fluth von Aufklärung verblendet, könnten Eure Augen vielleicht die Klippen n>cht gewahren, deren die Laufbahn der Industrie in Fülle zählet; Wir wollen Euch selbe zeigen. Euer Geist, bezaubert von den Reizen der an Wunder gränzenden Schöpfungen menschlicher Macht, könnte sich wohl leicht gefährlichen Täuschungen hingeben und vor solcher Bethörung wollen Wir Euch wahren. Für eine unsterbliche Seele beschränkt sich nicht Alles auf die Erde, und daS Ziel ihres StrebenS sey nicht allein daS Gluck eines TageS. Sie ist für höhere Bestimmungen berufen, und AlleS, waS sie veranlassen könnte, ein irdisches Gut mit der ganzen Kraft ihres ScynS zu verfolgen, prüfe sie mißtrauisch und vorsichtig. Glaubet nicht, gcliebteste Brüder, daß Wir im Namen der Religion Hieher kamen, die Industrie ^u bekämpfen und sie Euch etwa als Freundin Eurer Seelen, Verderberin Eurer Sitten und als Herd aller Leidenschaften darzustellen. Eine derartige Geringschätzung wäre zu ungerecht, um von Lippen zu kommen, welche die Wahrheit sowohl als die Wissenschaft zu hüten berufen sind. Nein, wir verkennen nicht daS Vermögen deS Menschen, täglich neue Mittel zu ersinnen, um Rohstoffe zu seinem Gebrauche zu bearbeiten, die Elemente zu seinem Vortheile und Gefallen zu bezähmen, sich immer mehr und mehr zu erheben, um einzudringen in die Plane der Vorsehung bei Bildung und Erhaltung der Geschöpfe, um einigermaßen die leisesten Geheimnisse der Natur zu entschleiern und so nach und nach die ihm von Gott über alle Schöpfungöwerke gegebene Herrschast auszudehnen und sich zuzusichern. Wir wissen, daß Gott seinem Ebenbilde einen LebenSgeist eingehaucht habe, und daß jedes vernunftbegabte Geschöpf auf seiner Stirne das Siegel göttlichen Ursprungs trage. Die Religion, geliebteste Brüder, theilt all Eure bewundernde Liebe zur Industrie, sie freut sich über deren glückliche Erfolge und muntert zu neuen Anstrengungen auf. Zeichnete nicht schon die heilige Schrift in ihren geweihten Blättern den Namen desjenigen auf, der zuerst versuchte, auf dem Ambos Eisen und Erz zu schmieden**)? Ueberhäufte sie nicht mir Lob den Sohn U'i's, der von GotteS Geist mit Weisheit und Kenntniß begabt, Werke in Gold, Silber und Erz" und Steine und Metalle schnitt***)? Feierte sie nicht den Ruhm Coliad's, dem keiner gleich kam in der Kunst Stoffe zu särden und ihr prächtiges Gewebe durch reiche Stickereien hervorzuheben? Wollre sie nicht bis auf die letzten Generalionen den Namen desjenigen verpflanzen, der so unvergleichliches Holzwerk zimmerte: ^i-titex liZnorum egre-Aius f)? Und liefert uns heutzutage der Kuustfleiß nicht sein wie Seide geiponneneö Gold, um unsere Altäre mit den kostbarsten Werken seiner Hände zu bedecken. Für die Industrie gibt eS kein unbezwinglicheS Element m.hr. Will sie Einen von einer Hemisphäre in die anvere versetzen, so gehorchen Winde und Wellen ihrer Stimme, und daS wildaufbrausende Meer vermag nicht, ihren flüchtigen Lauf zu sperren. Sie scherzt mit den Stürmen wie der Wallfisch in den Tiefen des Oceans. ") Jac. 1. t? ") Genes. IV. 22. '") Lxod. XXXV. 3V. 5) Ibicj. XXXVIII. 23. 190 Will sie neue Verbindungen mit den verschiedenen Gegenden unserer Erdkugel eröffnen, so berührt sie die Erde mit ihrer Zauberruthe, und alsogleich schmelzen hundertjährige Berge und Felsen wie Wachs, um den reichsten Naturerzeugnissen freien Durchzug zu gewähren. Und um ihre mit den bewunderungswürdigsten Produkten beladenen Wagen auf Schienen dahinfliegen zu lassen, wechselt die >Jndustrie nach Willkür die bewegende Kraft. Heute entlehnt sie dieselbe von zusammengepreßtem Dampfe und morgen verwirft sie diese mächtige Gewalt, um von der atmosphärischen Luft noch Größeres zu fordern. Bald jedoch dieses furchtbaren Hülfswerkzeugs überdrüssig, entwendet sie der Natur eines der verborgensten Geheimnisse, ohne daß jedoch dieser Wechsel der bewegenden Kräfte ein Zeichen der Unbeständigkeit oder Unsicherheit wäre, eS ist nur ein neuer Funke des Genies, welcher ihrer thätigen Einsicht entquillt. Für sie gibt es keine Thäler, keine Berge, keine Entfernungen. In kurzer Zeit wird sie unsern Planeten in allen Richtungen durchwühlt haben, sie wird seine Höhen ausgekundschaftet, seine Abgründe durchsucht, sie wird ihn so zu sagen umgewendet haben, wie der Landmann die Erde mit seinem Pfluge umkehrt. Wer weiß, ob sie sich nicht bald in den Lüften eine Triumphstraße bahnen und so die durch sechstausend Jahre von allen Geschlechtsfolgen betretenen irdischen Wege verschmähen werde. Man könnte endlich sagen, daß sie den in den Gräbern liegenden Gebeinen das Leben wieder gibt. Entzündet sie nicht auS verwesten Stoffen dieses lebhafte Licht, welches auf unsern Plätzen und Stnißen gleich der Tageshelle leuchtet? Augenscheinliches Bild der einstigen Auferstehung, wenn bei des Engels Rufe verklärte und von Jugend und Schönheit glänzende Körper aus den Gräbern hervorgehen werden, in denen ehedem Würmer und Fäulniß waren. Und wenn es der Erfindungsgabe beliebt, so schafft die Industrie aus einer Zusammenstellung ungleichartiger Metolle ein Licht, das jedes nächtliche Dunkel aus unsern darüber erstaunten Städten verbannt, ein Licht mit einem Glänze, der eS mit dem Gestirne des Tages aufnimmt. Wenn daher in Mitte dieses eifrigen, beharrlichen Treibens die ewige Weisheit zu unsern Ohren nicht die Worte erschallen ließe: Alles ist Eitelkeit^, so wären wir versucht, die göttliche Macht mit der des Menschen, und die Arbeit des Geschöpfes mit dem Werke des Schöpfers zu verwechseln. Aber dieser göttliche AuSspruch stellt die Ordnung wieder her und weist jedem Dinge den gehörigen Platz an, und indem er uns unsere Schwäche enthüllt, führt er uns zu demjenigen zurück, der allein die Quelle alles Lichtes und einzig der Ursprung unseres Lebens ist. Erstaunet nicht, geliebteste Brüder, daß Wir Uns über die bewunderungswürdigen und nützlichen Erfindungen der Industrie wohlgefällig aussprechen. Die Aufzählung ihrer Wunder ist eine Lobpreisung Gottes, der so gerne dem Menschen etwas von seiner Allmacht mittheilt. Indem Wir aber nun vor Euch, geiiebteste Brüder, die Industrie loben und ihren außerordentlichen Verdiensten um Vermehrung des Natioualreichthums, um Herstellung eines allgemeinen, manchen Classen bisher unbekannt gebliebenen Wohlstandes, alle Anerkennung zollen, werden Wir wohl so weit gehen, um zu sagen, daß diese ganze c'mmercielle Bewegung der wahre Fortschritt und eine merkliche Annäherung zu seiner Vollkommenheit sey, nach welcher, wie man sagt, die menschliche Gesellschaft unaufhörlich strebt? Ohne Zweifel würden Wir es öffentlich aussprechen, wenn der Ueberfluß an Producten, die Geschwindigkeit der Ausfuhr und die Gewalt der Maschinen eine wahre Besserung der Völker im Gefolge haben könnte. Ohne Zweifel würden Wir eS zuerst bekennen, wenn seit der Zeit, seit welcher uns das erfindungsreiche Genie des Menschen durch seine Entdeckungen in Erstaunen setzt und seitdem die Hand des Menschen sich die schrecklichsten Elemente geschmeidig und dienstbar zu machen wußte: auch die Familien christlicher, die Kinder gelehriger und die Eltern wachsamer geworden wären; wenn, seitdem man weniger srcventliche Angriffe gegen die giue Sitte, Eigenthum und Menschenleben verübt, die öffentlichen Aemter mit mehr Fleiß - -) Lcclesisst. I. 1. 191 und Redlichkeit verwaltet würden; wenn eS, seitdem die menschliche Gerechtigkeit ihr Schwert in die Scheide gesteckt hat, am Fuße der Altäre mehr reuige Sünder gäbe, als Verbrecher vor Gericht. Hat aber die Anwendung des Dampf« s und GascS, der gegenseitige rasche Austausch der gegenseitigen Reichthümer der Naionen, haben die gewagten Handelsspeculationen, hat all diese bewunderte invustrielle Thätigkeit die Grundfesten der Autorität neu bestärkt? Hat sie die Heiligkeit der Che mit mehr Ehrfurcht umgeben? Hat sie zwischen der kindlichen Unschuld und der Verderbtheit ein unüberschreitbareS Hindtrniß gelegt? Hat sie die geschworene Treue unverletzbarer gemacht? Wer würde wagen, eS zu bejahen im Angesichte der durch die Behörden jährlich veröffentlichten Berichte, welche mit furchibarcr Stimme gegen den Verfall der öffentlichen Moralität Zeugniß ablegen? Lasset Euch hierin nicht täuschen, geliebteste Brüder, es gibt einen des Menschen würdigern Fortschritt, als den in Benutzung von Stoffen, und das ist der Fortschritt in der Gerechtigkeit, Religion und Tugend. Sah man denn nicht, wie der Lurus die mächtigsten Völker entkräftete und sie der Größe verlustig machte, zu der sie sich durch strenge Tugendübnng emporgeschwungen hatten! Hier liegt eine lange, schon von der ewigen Weisheit ausgesprochene Wahrheit: ^usti- tis elevsnt ßentem.^) Als der heilige PanluS die ersten Christen unterrichtete, sagte er da wohl: „Werdet gesckickler im Färben der Seide, im Glätten der Stoffe, in Leitung eines Schiffes, in Aufführung von Gebäuden; Euer Aufwand in Kleidern und in Euerm Hause habe keine Gränzen?" Nein, er wußte zu gut, daß Gold und Silber nicht den Ruhm und das Glück der Gesellschaft ausmache. Der große Apostel begnügte sich zu sagen: Schreitet weiter in der Tugend und in der Erkenntniß desjenigen Gottes, der den Keim wahrhafter Civilisation auf die Erde brachte, indem er das Feuer der Barmherzigkeit allenthalben verbreitete: Lrvseitö verö in KrstiZ, et in cogrutiollö vomim nostri ^esu Lliristi.**) (Fortsetzung folgt.) Rom. - Rom, 4. Mai. Ueber die Feier der Seligsprechung des Stifters des Passionisten- OrdenS wird von hier dem Münst, SonntagSblatt berichtet: „Seit Ostern ward an dem Schmucke der Peterskirche zu dieser Feier unausgesetzt von zahlreichen Künstlern und deren GeHülsen gearbeitet, das Bild des Seligen, ihn in der Glorie und auffahrend zum Himmel darstellend, erhob sich in der Chornische deS Hauptschiffes über dem Orte, wo der Stuhl deS heil. PetruS steht, und ein ungeheurer Kranz von Strahlen ergoß sich von ihm aus nach allen Seiten, während mehr denn anderthalb tausend Wachslichter in der Ungebung glänzten und mit ihrem Scheine die herrlichen Draperien und die dunklen Räume der Basilika erleuchteten. Gegen 10 Uhr erschienen die Mitglieder der heil. Congregation der RituS, die den BeatificationSproceß führte: voran der greise Cardinal Lambruschim, gestützt und fast getragen von den ihn begleitenden Priestern; für ihn war das Fest das schönste seines Lebensabends, denn eS brachte ihm daS Ziel seiner vieljährigen Bemühungen sür den Orden und seinen verklärten Stifter, Ihm folgten die übrigen der Congregation angehörenden Cardinäle, und dann die lange Reihe der Consultoren derselben, die alle auf der Evangelienseite deS Altars Platz nahmen, während die Bänke gegenüber von dem ArchipreSbyter der Peterökirche, Cardinal Mattei, den Kanonikern, Beneficiaten und Klerikern, welche das Capitel von St. Peter constituiren, eingenommen wurde. Der General der Passionisten trat nun aus seiner in mehreren Hundert Mitgliedern gegenwärtigen OrdenS- familie hervor, überreichte dem Präfecten der heil. Congregation der Ritus das vom heil. Vater erlassene Decret der Seligsprechung, und bat in einer lateinischen Anrede ") ?rov. XIV, 34. «) ?etr. lll. IS. 192 um dessen Publication. Der Cardinal-Präfect beauftragte hiermit das Capitel von Lt. Peter, und dessen ArchipreSbyter ließ deßhalb die Verlesung von einer Kanzel vornehmen. Unmittelbar nach derselben fiel der Vorhang, welcher bisher das Bild deö Seligen verdeckt hatte, und in demselben Momente wurde das Te Deum angestimmt und von zwei Chören feierlichst abgesungen. Dasselbe schloß mit der vom heil. Vater approbirten Oration zum Seliggesprochenen, und hierauf wurde die Messe zu Ehren des seligen Paulus vom Kreuze zum erstenmale von einem der in St. Peter angestellten Bischöse pontificirt. Ungeheuer war der Zudrang der Menschen zu dieser Feier; während sonst bei den großanigstcn Functioncn die Fremden die Mehrzahl bilden, war dieseSmal die ganze Einwohnerschaft von Rom und allen umliegenden Orten zusammengeströmt, um den vor einem Jahrhunderte noch als Lebenden ihr angehörenden Seligen zum erstenmale mit der Kirche zu verehren und um seinen Schutz und seine Fürsprache öffentlich anzuflehen. Den höchsten Grad aber erreichte der Zudrang von Menschen, als gegen 5 Uhr Abends der heil. Vater mit allen Cardinälen, — voran wieder Lambruschini, geführt vom Cardinalvisar, erschien, um dem Seligen seine Verehrung zu beweisen und vor seinem Bilde zu beten. Nie haben wir die Räume der riesigen PeterSkirche so angefüllt gesehen. Se. Heiligkeit verweilte eine Zeitlang knieend vor dem Bilde im Gebete und zog sich dann wieder zu Fuß in den Vatikan zurück." Rom, 2. Mai. Auö dem Orient gelangen seit längerer Zeit immer betrü- bendere Nachrichten Hieher. Es ist Ihnen bekannt, daß in Ostindien seit dem Ende deS vorigen Jahrhunderts ein durch das Benehmen der portugiesischen Regierung veranlaßtes Schisma besteht. Vergebens hat der heilige Stuhl sich in all dieser Zeit b-müht, jene Regierung zu veranlassen, von ihrer Anmaßung, die Bischöfe Indiens zu ernennen, abzustehen, eine Anmaßung, die um so widersinniger ist, als Portugal nicht einmal das zeitliche Regiment in Ostindien hat behaupten können. Nachdem es dieses an die Engländer hat abtreten müssen, will eS fortfahren, an dem kirchlichen Theil zu haben, und das auf eine Weise, die auch bei andern Verhältnissen nicht geduldet werden könnte. Das Schisma war weit ausgedehnt; jedoch hatten die Missionäre, zum Theil Welipriester, zum Theil Jesuiten, viele hunderttausend Indianer nach und nach wieder der katholischen Kirche gewonnen. Aber die Schismatiker haben seit einiger Zeit neue Anstrengungen und nicht ohne Erfolg gemacht. Die Engländer, welche den Portugiesen das wellliche Regiment genommen haben, unterstützen sehr thälig die Bemühungen derselben, in daS geistliche Unordnung zu bringen. Viele Kirchen sind den katholischen Missionären genommen, und durch List und Gewalt ganze Völkerschaften verführt, zu den Schismatikern überzugehen. Jetzt erhält man hier die Nachricht, daß der Bischof von Bombay eingekerkert, Kirchen mit Gewalt genommen und auf gräuliche Weise entheiliget sind. Der Geist der Scctirerei ist überall und allezeit derselbe: aus ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. — Sollte eS dem heil. Vater nicht gelingen, in Einverständniß mit dem portugiesischen Hose die schiSmatischcn Bischöfe und Priester selbst zu entfernen, so ist für jene Mission viel zu befürchten. (Münsterer S.-Bl.) Paris. Am 14. April fand in der Kirche von St. Sulpice die Taufe eines Kindes statt, welches auS dem Königreiche Siam gebürtig, und durch die Mittel des Vereines der hell, Kindheit gekaust war. Alle Schulkinder auS den umliegenden Stadttheilen unter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen auö den Orden der Schulschwestern und Schulbrüder, und eine dicht gedrängte Menge von Gläubigen nahmen an der Feier Theil. Der apostolische Nuntius, Msgr. Gaiibaldi, Erzbischof von Nicäa i, p , verrichtete die heil. Handlung, und der Cardinal-Erzbischof von TourS hatte die Palhen- stelle übernommen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlag«-Inhaber: F. E. Krcmer.