Dr-y-hntet Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger PostMung. 19. Juni. SS. 1853. Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«pret« 40 kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kauu Die Religion muß der indnstriellen Thätigkeit die rechte Richtung uud Weihe geve». Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS^ von Lyon zur Fastenzeit 1353. (Fortsetzung.) Vermehret, gelMeste Brüder, so viel Ihr wollt die sinnreichsten Maschinen, Ihr werdet dadurch das Glück nicht vermehren: Verbannet von der Erde die Armuth und Dürftigkeit, wenn' Ihr eS' könnet, Ihr werdet damit den Kummer nicht verbannen. Ueberyäufet die Familien mit allen möglichen Gütern, Ihr werdet so die Einigkeit der Herzen und ein regelmäßiges Leben noch nicht einfuhren. Eröffnet dem Volke alle Vergnügungsplätze, bahnet ihm den Zutritt zum Wohlstand und LuruS, und Ihr werdet dadurch die Quelle der geheimen Thränen nicht erschöpfen. Die wohlklingendsten Concerte werden nicht einen Seufzer zum Schweigen bringen. Zur Bewirtung einer solchen Umwandlung in den socialen Verhältnissen gehört mehr als Materielles. Wie großmüthig und wohlthätig die Industrie auch seyn mag, sie hat nicht für sich allein die Macht, in die Seelen einzudringen und derei? Wunden zu heilen, sie ist unvermögend, dem Herzen die ihm nöthige Linderung zu geben. Man sage daher nicht, daß die von der Religion getrennte industrielle Thätigkeit ein moralischer Fortschritt sür die Gesellschaft sey. Die Erfahrung würde diese Aussage Lügen strafen, denn eS scheint, daß in dem Maaße, in welchem uns diese Wunderwerke von allen Seiten umgeben, die Gesellschaft immer tiefer in der Vergessenheit jener guten Grundsätze sinkt, welche allein ihr das Leben geben. Aber, geliebteste Brüder, die durch das Bündniß mit der Religion veredelte und geheiligte Industrie kann einen schönern Ruhm beanspruchen, als den, den Wohlstand der Menschheit vergrößert und die irdischen Genüsse vermehrt zu haben. Wenn sie so stolz darauf ist, auf ihrer Stirne das Ehrendiadem zu tragen, womit der Erfindungsgeist sie krönte, so muß sie noch mehr wünschen, sich mit einer strahlenderen und weniger vergänglichen Krone zu bekränzen, mit der'Krone deS Eifers, unter die entferntesten Nationen das Licht deS Evangeliums zu verbreiten. DaS römische Volk suchte in den Siegen seiner Legionen nur seinem Ehrgeize zu genügen und Ruhm bei den Menschen zu erwerben, währenddem die göttliche Vorsehung die Erfüllung von Absichten vorhatte, die ihrer würdiger waren; und indem Gott zuließ, daß die Nationen der Erde ein und derselben Macht unterworfen waren, bereitete er sie darauf vor, ihr Haupt unter das süße Joch'ein'unv desselben Glaubens zu beugeir und die väterliche Obergewalt ein und derselben geistigen Regierung anzuerkennen. Könnte nicht, ohne ihr Wissen, die Industrie eine ähnliche Sendung vom Himmel erhalten haben? Nachdem die Vorsehung ihr die commerciellen Verbindungen mit den verschiedenen Weltgegenden erleichtert, wollte sie damit nicht den Verkündigern des katholischer,- Glaubens neue 594 Wege eröffnen, um den Namen Jesu Christi in die entferntesten Himmelsstriche zu tragen? Sollte ihr nicht die Macht gegeben seyn, das Reich des Erlösers über jenen ganzen Raum auszudehnen, welcher unter ihrer eigenen Botmäßigkeit steht, und aus den ihrem Handel und ihren Erfindungen Hörigen die Zahl der Kinder GotteS zu vergrößern? Wir glauben, hier einen Gedanken göttlicher Barmherzigkeit glänzen zu sehen, den wir im tiefen Dankgefühl verehren. Wie oft hat nicht schon das Segel, welches den noch in der Kindheit der Kunst stehenden Ungläubigen die verschiedensten Producte unserer Werkstätten zuführte, jenes heilige Feuer geschirmt, daS JesuS Christus in die Welt brachte, und welches seine Diener in Gegenden verbreiteten, die von eisigen TodeSschatten bedeckt waren? Und wie oftmals hat die Industrie, bei ihren weiten Ausflügen, anstatt der Reichthümer, die sie dem durchsuchten Lande entführte, einen weit kostbarern Schatz dort niedergelegt, nämlich: den bekehrenden Priester, den Glauben, das Fundament der Seligkeit, die heiligende Gnade. Ja die Fortpflanzung des Evangeliums ist die Ursache und der Ruhm der friedlichen Eroberungen, welche die Industrie mit jedem Tage in der Welt macht. Sie kann in den allmächtigen Händen des Urhebers und Vollenders unseres Glaubens*) ein Werkzeug zur Heiligung der Seelen, ein Hilfsmittel des apostolischen Amtes und eine Führerin des LichteS werden, welches vom Himmel kam, um jeden Menschen, der in diese Welt kommt, zu erleuchten.**) Bei solch christlicher Anschauung erblicken Wir mit Freude einen wahren Fortschritt, aber nur wenn man die Sache so ansteht. So verbreiteten die Schiffe Sa- lomonö, die nach TharfiS um Gold und Silber fuhren, an den Ufern des Orients die Kunde von den Wundern der Regierung dieses großen Königs, so daß die von diesen Erzählungen entzückten Völker sehnlichst wünschten, denjenigen mit Augen zu sehen, der durch seine Weisheit alle Monarchen der Welt übertraf, und die AuSsprüche zu hören, welche aus seinem Gott begeisterten Munde kamen. Salomon war das Vorbild der ungeschaffenen Weisheit, welche mit der Zeit Fleisch werden sollte, um den Menschen Worte des Lebens zu verkünden. Ihr sehet somit, geliebteste Brüder, daß Wir nicht willens sind, die Industrie zu verkleinern, die ja täglich neue Strahlen von unsterblichem Ruhme auf unser Vaterland wirft. Doch Wir sagen Euch mit dem heiligen Paulus: Habet Acht, vielgeliebte Brüder, schreitet mit einer ganz christlichen Klugheit auf dieser Bahn und überlasset euch nicht unvernünftigen Begierden und übermäßiger Gewinnsucht, welche unter Euern Füßen einen Abgrund öffnen würden, der all Euer Glück, Eure Ehre und Euern Glauben in sich verschlänge: Viäetv, lrstres, quomoäo csute smbu!eti8, von qu»8i msipiontvs.***) Suchet durch Weisheit von Euern Unternehmungen und durch Bedachtsamkeit von Euren Schritten die Aufwallungen einer Habsucht ferne zu halten, die niemals sagt: Es ist genug. Wohl ist eS Euch erlaubt, daS Erbtheil Eurer Väter durch Arbeitsamkeit zu vermehren, um Euern Kindern eine ehrenvolle Versorgung zu verschaffen und ihnen ein anständiges Auskommen zu hinterlassen, aber Ihr sollet nicht in Mitte Eurer mühevollen Arbeiten des Zieles vergessen, das Gott sich vorsteckte, indem er Euch aus die Erde sandte. Ihr sollet bedenken, daß, wenn auch Euer Name in den Reihen der berühmtesten kaufmännischen Größen aufgezeichnet ist, und wenn Ihr alle Schätze der Welt zusammengehäuft habet, doch all Eure Plagen unnütz sind, sobald Ihr dabei Eure Seelen zu Grunde richtet, die für ein erhabeneres und seligeres Ziel geschaffen sind. Geliebteste Brüder! Euer Glaube läßt UnS hoffen, daß Ihr Eure Ohren einer Sprache nicht verschließet, die der Abdruck von Gefühlen ist, welche daS Evangelium seinen Jüngern einflößen soll. Wir müssen gestehen, geliebteste Brüder! (und hierin liegen die Gefahren, welche Wir Euch bezeichnen müssen) daß die Industrie, welche mit vollen Händen ihre Wohl- ') Hebr. Xll, ». »1 Joh. I. 9. —) «pH. V. 15. 19S thaten über die Völker ausschüttet, oft in den Herzen einen verzehrenden Durst nach Gewinn ansacht und die Geistesthätigkeit der Menschen so lebhast beschäftigt, daß wichtige Gedanken keinen Platz mehr finden, und daß die Stimme der Religion und des Gewissens kraftlos ist, sich Gehör zu verschaffen. Diese Unbekümmertheit für das Höchste des Menschen, welche zu der Zeit des Propheten JeremiaS*) die Erde in Trostlosigkeit versetzte, macht in unserm Jahrhunderte des Geldes und des Wuchers Seelen, welche von Natur aus zu erhabnern Gefühlen geneigt waren, welk und unfruchtbar. In Mitte des Wirbels ihrer einträglichen Geschäfte ist all ihr Denken nur Denken auf einen Tag, all ihr Trachten nur Trachten aus einige Jahre: nichts für die Ewigkeit, nichts für das Himmelreich: Gedanken, Plane, Arbeiten, Alles ist in den engen Kreis der Gegenwart eingeschlossen. Umsonst wiederholt uns JesuS Christus, daß es nichts nützt, die ganze Welt zu gewinnen, an seiner Seele aber Schaden zu leiden**), der Industrielle, durch irdische Thätigkeit gefesselt, verkehrt oft die Worte dieses AuSspruchS und endigt damit, sich zu überreden, eS sey unnütz für das Heil seiner Seele zu arbeiten, wenn man seine Kapitalien nicht vortheilhast anwendet, nicht neue Straßen dem Verkehre eröffnet, neue Kanäle gräbt und neue Erzeugnisse schafft. Man könnte sagen, er habe das Geheimniß aufgefunden, die Zeit in Ketten zu legen und sich das Leben maaßlos zu verlängern. Und doch hat sich in der Natur des Menschen nichts verändert! In diesem Jahrhunderte wie in den spätesten sind seine Tage kurz und selten glückbringend: Dies psuoi et msli***); und nach Verlauf einer kurzen Dauer auf dieser Erde kommen Schmerz und TodeSkampf. f) Der SpeculationSgeist, die Geschicklichkeit der Geschäfts- führung, der gute Erfolg großer Unternehmungen mildern keineswegs das über unsern Stammvater und seine Nachkommen verhängte Urtheil. Zeigt dem Speculanten nicht alles ihn Umgebende an, daß seine Existenz mit der Flüchtigkeit des Dampfes verfliegt, und daß der Schatten nicht eiliger entschwindet als sein Erdenleben? Ein Seufzer, der Ton einer Glocke, einige Thränen, ein Wechsel in der Farbe der Kleidung sagen ihm zu jeder Minute, wie viel Wichtigkeit man den Glücksplänen, Handelsoperationen und weiten Reisen beilegen solle. Aber so groß ist der Taumel der Habgier, daß der Mensch, der in einem ganz irdischen Kreis lebt und nur die materielle Sprache versteht, bei der Jagd auf sein vermeintliches Glück gleichsam aus sich selbst heraustritt und, ohne eS zu bemerken, sich gewissermaßen in jenen Stoff umwandelt, mit dem er zu schaffen hat; und die Gedanken, die Gefühle, das Herz, der Verstand scheinen ihre geistige Natur zu vertauschen mit der Schwere, der Unempfindlichkeit und Vergänglichkeit des Goldes, mit dem man umgeht, des EisenS, das man wägt, und der Steine, die man aushäust. Versuchet den Geschäftsmann einen Augenblick im Laufe seines Wirkens aufzuhalten: saget ihm, er möge über das Ende nachdenken, zu dem der Mensch geschaffen ist, und über die Zukunft, welche näher rückt. Ermahnet ihn, sich selbst zu betrachten und in die Tiefen seines Gewissens einzugehen, um dessen Zustand zu erkennen. Dringet in ihn, wenigstens einen flüchtigen Blick gegen den Himmel zu werfen, um die Huldigung des Gebetes und der Dankbarkeit seinem Schöpfer und Vater darzubringen. Ueber diese, ihm nicht mehr verständliche Sprache erstaunt, wird er Euch antworten, daß eine Unterbrechung im Gange seiner Wagen oder Schiffe unmöglich sey, und daß man das Feuer des Schmelzofens nicht ausgehen lassen und die Schläge des Hammers nicht vermindern könne. Werdet Ihr ihm von jenem Tage sprechen, den der Herr sich vorbehalten, um von jedem vernünftigen Geschöpfe die schuldige Anbetung zu empfangen und den er auch dem Menschen vorbehielt, aus daß dieser sich mit ernsten Gedanken und dem wahren Vaterlande beschäftige? Der Speculant wird Euch die ") Jer. XII. lt. -) Matth. XVI, 26. ») keii. XXVII. 9. f) Pf. I.XXXIX, ty. 19« Summe vorzählen, die ihm durch einen der Arbeit geraubten Tag ^ntkämej er wird Mich die Metallmass« berechnen, welche wenigstens in seine WerHütten geströmt wäre, die Anzahl von Stoffen, die man wenigstens in seine Magazine gebracht hätte, er wird auch die Quantität des Wassers nicht außer Ansatz lassen, welches unnütz unter t»en Maschine« flösse, ohne den künstlichen Mechanismus in Bewegung zu setzen. Rufet seinem Gedächtnisse einige GlanbenSgeheimnisse zurück, die das Glück seiner Jugend ausmachten,- jenen Tag eiuer ersteu Communion, die auf seine Seele einen so wonnereichen Eindruck hervorbrachte, jene GewissenSzartheit, die selbst bei dem Schatten eines Fehlers erschrack: er hat nur Ziffern in seinem Gedächtnisse behalten und kennt keine andern Genüsse als das Steigen der Renten, vortheithaften Absatz und billige Ankäufe. Saget ihm endlich, daß die Industrie nicht den Menschen ausmache und daß man daran denken müsse, sich über dem Grabe eine dauernde Versorgung, bleibendere Güter und ein haltbareres Glück zu begründen, so wird er lächeln ob Euern Warnungen, die ihm nur Mitleid für Euch einflößen. Vielleicht schenkt er ihnen so viel Aufmerksamkeit, um Euch zu fragen wie Pilatus den Herrn: Waö ist die Wahrheit? (Zuict est v«rits8»). Und ohne die Antwort abzuwarten, vertieft er sich von neuem in sein kaufmännisches Sinnen, über welches hinaus er nichts als Trug, Nutzlosigkeit und Zeitverlust sieht. Wäre der Gnade nicht Alles möglich, so müßte man das Leben dieser Seelen ohne Wiederkehr für erloschen glauben. Das Materielle hat den Zutritt zum Verstand und zum Herzen gesperrt: eS gibt Gedanken, Gefühle, Betrachlungen, die nicht mehr hineinbringen können. Ihr suchet einen Funken von Glaube und findet nur kalte Asche. Dann erst fühlet Ihr sein Herz wieder schlagen, wenn Ihr von Gewinn, Börsenspiel, Entdeckungen sprechet. Lasset Ihr die Sprache der Religion, des Heiles hören, so antwortet kein Laut Eurer Stimme; es herrscht TodeS- stille; ihr sprechet zu einem Leichname. Da haben wir eine der Gefahren der Industrie vor uns, geliebteste Brüder, vor welcher der Christ auf der Hut seyn soll: die völlige Hingebung an die Geschäfte, welche die Aufmerksamkeit der Art beansprucht und sie von der einzigen und allein nothwendigen Sorge ablenkt. Aber dieser Abgrund ruft einen andern Abgrund; lasset ihn Euch zeigen, geliebteste Brüder! Gleich wie das Himmlische seine Macht über die Seelen verlieret, in eben dem Verhältnisse verstärkt die schwer zu befriedigende, sinnliche Natur ihre grausame Herrschaft, unv zwar auf Kosten der Glaubenslehren, nach welchen sich ehemals die Lebensweise richtete und die den heftigen Leidenschaften zu gebieten wußte. Nachdem der Glaube nicht mehr diese Gewalt über das Herz hat, um dessen Bewegungen zu ordnen, schließt man sich allmälig dem Irdischen an, um ein Glück zu suchen, und strebt nicht mehr darnach, eS jenseits zu finden. Das Gesetz in den Gliedern, wovon der heilige Paulus spricht**), endigt mit Unterjochung des Gesetzes des Geistes, und das Verlangen nach dem Besitze der Maierie wird der einzige Beweggrund aller Handlungen, aller Gedanken, aller Neigungen. Wie könnte eS auch anders seyn, da Gott in unser innerstes Seyn einen unauslöschlichen Durst nach Seligkeit gelegt hat? Sobald der Mensch, himmlischer Triebe beraubt, nicht mehr an der lebendigen und wahren Quelle die Freuden schöpfen mag, die allein des Ebenbildes der Gottheit würdig sind, so muß er sie von den Geschöpfen fordern und dann daraus seinen Endzweck, seinen Himmel, seinen Gott, sein Alles machen. Aber dieses unheilige Feuer, welches der göttliche Hauch nicht angefacht hat, wird sich seinen Eingeweiden anhängen, um sie zu verzehren. Das nennt der große Apostel die Begier- lichkeit, diese Leidenschaft für irdisches Gut, welche die Wurzel alles Uebels ist***). ES bedürfte aller Schrecken der Gerichte GotleS, um diese Feuersbrunst zu löschen, alles Glaubens an die Qualen und Vergeltungen im andern Leben, um sie zu ersticken. Wenn jedoch in der Seele weder übernatürliche Furcht noch Hoffnung vorhanden ist, ') Joh. XVIII. 33. ") Rom. VII, 23. ") 1. Tim. VI, 10. 197 wie sind dann diese rasch um sich greifenden Flammen aufzuhalten? Ja, diese Begier- lichkeit wird sodann die Mselige Wurzel aller Arten von Uebel: ksxlix omnium ms- loi-um eupiäitss. Diejenigen, welche davon besessen sind, schreibt der heilige Paulus, sind in nein Glauben irre gegangen und haben sich in eine Unzahl von Trübseligkeiten und Elend geworfen S). Findet sich diese Gefahr bei der Ausübung industrieller Thätigkeit, so wiederholen Wir Euch nochmal mit dem Völkerapostel - Habet Acht, auf dieser Bahn mit Klugheit zu schreiten und nicht wie Unvernünftige**). (Fortsetzung folgt.) Das Collegium der Lazaristenväter und die Klöster derSalestaue- rinne« «ud Bafiliauerinneu zu Antura auf dem Libanou. »,',,»,»,',>> > ...... ^. ., '-^.^-iZill ^'i'! '''Z?.'ttk^k»''1<^RV (Ä«S dem „Eremiten von Savina,") Nach zwei Stunden der drückendsten Hitze kämm wir zu einem Flusse, der in früheren Zeiten LykuS, d. i. Wolf, hieß, jetzt heißt er Nahar-el-Kelb, waS so viel heißt als HundSfluß. Jenseits dieses Flusses, über den zwei Brücken führen, rasteten wir bei einer Wassermühle — eine Seltenheit im Orient — einige Augenblicke auS, und erquickten uns mit einigen Gläsern Limonade. Dann begannen wir den Berg zu besteigen, was an die zwei Stunden dauerte. Es war als schlösse eine neue Welt sich uns auf. Links und rechts aus fast allen Anhöhen des Gebirges niedliche Kirchen und Klöster mitten zwischen grünenden Feldern und Gärten. Und die Leute, die unS begegneten, wie waren sie so artig und freundlich! Wir glaubten uns mitten ins Herz von Tyrol versetzt, etwa ins Gebirge um Botzen herum. „Ach, was die Religion doch vermag", sagten wir öfters zu einander. „Würden diese Leute wohl so freundlich unv artig seyn, wenn die Religion Jesu sie nicht beseelte?" Und uns selbst, wie wohl und heimlich war eS uns hier doch zu Muthe! Bisher fast immer türkische Moscheen mit ihren Minarets und Halbmonden, jetzt nach allen Seilen hin katholische Kirchen und Klöster mit Glocken und Kreuzen. So oft wir Glockentöne hörten, waren Mir wie bezaubert ob der vaterländischen heimatlichen Klänge. Hinabgestiegen in ein Bergthal sahen wir rechtshin auf einer kleinen Anhöhe ein seiner Bauart nach mehr einem europäischen als orientalischen Hause ähnliches Gebäude. Eö war das Kollegium der Lazaristenväter zu Antura. Ohne uns zu kennen, ohne nach unsern Papieren zu fragen, hieß uns der die Stelle des abwesenden SuperiorS vertretende Paler herzlich willkommen, uns andeutend, sein Haus wie das unsrige ansehen zu wollen. Sofort wurde ein Glas Limonade zur Erquickung und danach eine Tasse Caffe zur Stärkung gebracht. Dann führte der freundliche Pater unS herum, zuerst in die Kirche, dann in die Schullocale, worin circa fünfzig maronitische Knaben aus dem Bürgerstande europäische Bildung und christliche Erziehung erhalten, dann durch'S ganze Kloster. Ueberall mußten wir staunen ob der Reinlichkeit und Eractität, die sich bis ins Kleinste erstreckte. Das Benehmen der Jünglinge war ausgezeichnet. So was hatten wir hier zu Land nicht erwartet. DaS Kloster selbst gleicht einem kleinen Landhause, vaS einfach aber geschmackvoll eingerichtet ist. In der Mitte steht die Kirche, ebenfalls einfach, aber reinlich und zierlich, mit nur Einem Altare, der dem heil. Joseph gewidmet ist. Aus unsern Wunsch führte uns, da erst gegen 7 Uhr zu Abend gegessen wurde, der so demüthige und artige, dabei doch so gelehrte und gebildete Pater zum benachbarten Kloster der Schwestern „von der Heimsuchung Maria", einem von lauter Ma- ronitinnen bewohnten Frauenkloster, dem einzigen dieser Art auf dem ganzen Libanon. Wer hätte so was hier in diesem Gebirge gesucht? Wie hätten wir das erwarten können, hier im fernen Orient Töchter des heil. Franz von SaleS zu finden? Und -) 1. Tim. VI. 10. ') Ephes. V. IS. 198 welch' eine Aufnahme von Seite der Oberin! Welch' ein Anstand, welch' eine Würde! Wahrlich diese Maronitinnen unterscheiden sich von ihren Schwestern in Frankreich und Italien nur durch die Sprache. Alles wurde aufgeboten, uns so artig als möglich zu behandeln. Limonade, Caffe, Wein, Früchte, Backwerk, kurz alles, waS in ihrer Habe war, wurde uns vorgesetzt. Auf den Wunsch des LazaristenpaterS ließ die Oberin sodann sämmtliche Bewohnerinnen des Hauses, 25 Nonnen und 6 Novizinnen, in ein Zimmer zusammenkommen, welches von dem Sprechzimmer durch ein eisernes Gitter getrennt war. Obgleich wir unS nur wenig mit denselben unterhalten konnten, so ersahen wir doch aus dem Benehmen Aller, daß es gebildete und dabei recht fromme Personen waren. Die Unschuld und Tugend lächelte auf ihren blühenden Wangen. Auf die Frage, ob wir ihnen nicht durch unsere Gegenwart lästig fielen, gab die Oberin auf arabisch zur Antwort: „Wir sind froh, so lange Sie gegenwärtig sind, und wenn Sie weggehen, sind wir traurig." Ein HöslichkeilS- spruch der Araber. „O wie glücklich," sagten wir später zu einander, „sind doch diese Täubchen des Libanon im Vergleich mit den bösartigen Weibern der Mohamedaner!" Der HauSgeistliche, ein maronitischer Priester, führte unS darauf, nachdem die Schwestern sich entfernt hatten, in ihre Kirche, wo wir wi?der staunen mußten über die Reinlichkeit und Zierlichkeit und uns so ganz lebhaft in eine französische Nonnenkirche versetzt sahen. Wie alle Bewohner des Libanon leben auch diese Schwestern „von der Heimsuchung" vom Seidenbau. Am folgenden Tage, Nachmittags, machten ?. HenrikuS, G. und der Geistliche G., indem ich eines Fieberanfalleö wegen das Zimmer hüten mußte, mit dem bereits erwähnten Vicesuperior — sein Name verdient dem Gedächtnisse eingeprägt zu werden, er hieß Sap eto — einen Ausflug zu einem benachbarten griechisch-katholischen Kloster. Nicht besser wissend, qjS daß sie in ein MannSkloster geführt würden, wurden sie nicht wenig überrascht, als man sie in das Sprachzimmer führte, und sie hier unter einem hölzernen Gitter acht schwarz gekleidete Klosterfrauen erblickten, in der Kleidung ähnlich den Töchtern der heil. Clara aus dem zweiten Orden des heil. Franciökus. Sie leben nach der Regel des heil. Bast- liuS. Während der Unterhaltung mit ihnen in griechischer Sprache, die der ?. Sapeto den Geistlichen verdollmetschte, hatten sie öfter ihre Freude zu erkennen gegeben, den würdigen Lazaristenpater, von dem sie so viel Rühmliches gehört, den sie aber noch nie gesehen hatten, zu sprechen. Alle wollten von seinen frühern LebenSschick- salen, namentlich von seinen Reisen als Missionär in Abvssinien in Afrika Näheres wissen. Als er dann die Verfolgungen, die er dort erlitten hatte, erzählt, als er zuletzt auf seine verstümmelte Nase und seine mehrerer Glieder beraubten Finger hin- gezeigt hatte, da waren alle bis zu Thränen gerührt geworden. ?. HenrikuS G. war bei seiner Zurückkunft ins Lazaristenkloster fast außer sich vor Freude, hier in Asien, auf dem Libanon unter den Orientalen so wohldiSciplinirte Frauenklöster gefunden zu haben. Und der Geistliche gestand, solch' ehrwürdige Matronen hätte er auf dem Libanon nicht gesucht; die meisten seyen bejahrt gewesen, alle wären ihm vorgekommen, als hätte er in jeder eine heil. Elisabeth vor sich gesehen. Zwei Träume. In der niedrigen Dachkammer steht eine plumpe Bettstelle mit einem alten Strohsacke, der kaum mehr verdient, so genannt zu werden, denn er ist fast leer; gegenüber ein wackeliger Tisch und neben demselben ein zerbrochener Wasserkrug, Daö ist das ganze Hausgeräthe. Der Wind hat den Laden ausgerissen, — Scheiben find keine mehr in den zerbrochenen Fensterrahmen, und die kalte Nachtluft dringt nun ungehindert in den engen Raum hinein. Auf dem harten Lager schläft die Frau; die dünne, zerrissene wollene Decke schützt ihren Körper nur wenig gegen den Nachtfrost. Sie hat den ganzen Tag über !99 nichts gegessen, denn sie hatte nicht genug verdienen können, und der Säugling hat vergebens an der Brust der fast verschmachtenden Mutter die gewohnte Nahrung gesucht. Jetzt hält ihr Arm den Knaben umschlungen. Zu Füßen dieses Bettes hat sich ihr Mann, erschöpft von dem harten Tagwerk, auf den harten Fußboden niedergeworfen, ohne seine dürftige Kleidung abgelegt zu haben. Auch er hatte sogut wie nichts gegessen, und ist endlich vor Hunger und Müdigkeit eingeschlafen. Er träumt und in seinem Traume flüstert ihm die Verzweiflung fürchterliche Gedanken in's Ohr. Er wandert aus finsterem schmalen Pfade durch den dichten Wald. Da kam ihm ein schmuckeS Herrchen entgegen, in Sammt und Seide gekleidet; die goldene Kette mit dem Uhrgehänge von blitzenden Edelsteinen spielt auf der Brust, die Tasche strotzt von Goldstücken, in dcnen die Hand klimpernd wühlt; die andere Hand fächelt die erhitzte Wange mit dem zarten Handschuh. Waffen trägt er nicht, nicht einmal ein Spazierstöckchen. In dieser schimmernden Gestalt erkennt der ausgehungerte Taglöhner schnell einen jener jungen Verschwender, deren Jugendjahre unter sündhaften Ausschweifungen dahin schwinden, — und in dem von Hunger und Kummer zerrütteten Gehirn des Unglücklichen werfen sich alsbald die Fragen auf: „Wozu auch lebt dieser Mensch aus Erden? würde wohl eines anderen Menschen Glück zerstört, auch nur getrübt werden, wenn dieser, da plötzlich auö der Welt verschwände? und das Gold, mit welchem er so schmähliches Spiel treibt, so schändlichen Lüsten stöhnt, würde eS nicht mehr als hinreichend seyn, einer im Elend verkümmerten Familie Wohlstand und Glück wieder zu schenken?" Bei diesen srevelhaften Gedanken umklammert seine Faust den Knotenstock krampfhaft, und er geht mit flammenden Blicken auf den jungen Wüstling loö. In derselben Minute dringt auch in den bangen Schlaf der armen Mutter ein Traum. Sie sieht eine reich, aber nicht glänzend gekleidete Frau; mit freundlichen Blicken, mit wohlwollendem Lächeln steht sie vor dem armseligen Lager und ihre Hand zeigt aus den Tisch, auf welchem im sanften Schimmer eines überirdischen Lichtes alles das liegt, was der unglücklichen Familie mangelt: warme Kleider, Wintervorräthe an Lebensmitteln, auch ein Schlückchen Wein, um zuweilen das Herz des muthlos werdenden Gatten zu erfreuen; aber auch Bücher, welche heiligen Rath und frommen Trost enthalten für die langen Abende; Obst und Spielwerk für das Kind. — Die Mutter ist geblendet durch diesen Ueberfluß, in der Betäubung vermag sie nicht zu fassen, daß alles das ihr gehören soll; aber im Gefühl der höchsten Wonne drückt ihr umschlingender Arm den Säugling sester an das klopfende Herz. Welcher von diesen Träumen wird in Erfüllung gehen? Gehe hin und frage die Wohlthätigkeit, ob sie schläft oder wacht I Sie ist'S, welche hier die entscheidende Stimme hat. Schläft sie, so ist schwerlich ein anderer Wächter da, welcher dem Verbrechen mit all seinem schrecklichen Gefolge den Eintritt in die armselige Dachkammer wehrt. Wacht sie und ist thätig, so wird sie die Dankbarkeit hereinführen und alle die sanften erhebenden Tugenden, welche dieselbe begleiten. Eilet herbei, ihr wohlthätigen Armenbesucher, zögert nicht! Im Namen des ewigen HeileS der unglücklichen Familie rufe ich euch aus. Nur die Hülfe, die ihr bringet, vermag die Darbenden zu trösten, nur dieser Trost vermag die Verzweifelnden zu besänftigen. Aber ihr müsset wachsam bleiben und thätig, Tag und Nacht, denn am Tage drängt der Hunger die Gotteslästerung und den Fluch aus die Lippen des Elenden, in der Finsterniß der Nacht spiegelt das Elend der träumenden Seele des Verzweifelnden däS Verbrechen vor. Die Träume, die unS im Schlummer heimsuchen, find nicht ohne Bedeutung, sie können uns zur Belehrung dienen für die Wege unseres Lebens. Wir sollten uns nicht so sehr beeilen, sie beim Erwachen aus dem Gedächtnisse zu verwischen, als wären 200 fle eitele Trugbilder; sondern vielmehr ernster Betrachtung sollten wir sie würdigen, denn fast immer' enthalten sie irgend einen Wink. Nicht als sollte damit gesagt seyn, die Träume könnten uns die Zukunft enthüllen; Gottes allweise und allgütige Hand hat eitlen undurchdringlichen Schleier über die Zukunft geworfen, und jeder Versuch, denselben zu heben, ist ein Frevel. Und dennoch beachtet eure Träume genauer, denket ernst und reiflich darüber nach; denn diese Träume sind fast ohne Ausnahme irwr Aeußerungen, unsere ungeordneten, zuweitgreifenden Neigungen nur Leidenschaften. Der Ehrsüchtige, der Hochmüthige — sie haben ganz andere Träume als der Geizhals; die Träume des feurigen JünglingS sind ganz anderer Art als die des reifen ManneS- Wer mag eS bezweifeln wollen, daß, während der Körper ruht und unser Wille ihn nicht beherrscht, auch die Einbildungskraft des Zügels los ist, an welchem im wachen Zustande derselbe Wille sie leitet, und daß sie sich dann willig dem Dienste derjenigen Leidenschaft hingibt, welche der gefährlichste Feind unserer sittlichen Freiheit ist. Wer seinen Seelenzustand genau erforschen und in Folge dieser Erforschung mit der Güade GotteS beherrschen möchte, der lasse seine Träume nicht außer Acht. Wenn du zum Lichte des Morgens erwacht bist und dich noch ganz aufgeregt fühlest durch den so eben dahin geschwundenen Traum, so erkennst du darin vielleicht, nicht ohn« Muhe die Fallstricke, welche der Feind deines Seelenheiles dir während deS DunkelS' der Nacht gestellt hatte. Sammle dich ernst und ziehe die Zügel der. Selbstbeherrschung mit GotteS Hülse fester arr. Je größere Gewalt du über deine Neigungen erlangest, desto mehr werden auch deine Träume in deiner Gewalt stehen. (Kath. SonntagSbl) Bayern. Göswein stein. Am 21. Mai U I. kämen Wallfahrer von der Pfarrei JahrS- dorf in der Diöcese Eichstätt Hieher, unter welchen sich auch eine Mutter mit einer fünfzehnjährigen stummen Tochter befand. Nachdem diese Leute im frommen Vertrauen das für den Besuch der sieben Altäre in der hiesigen Wallfahrtskirche vorgeschriebene Ablaßgebet „Dich liebt, o Gott, mein ganzes Herz" am siebenten und letzten Altare verrichtet hatten, fing das' bisher aanz stumme Mädchen plötzlich zu reden an, was bei der großen Anzahl der in der Kirche versammelten Andächtigen eine heil. Begeisterung hervorrief. Die sämmtlichen Wallfahrer aus der genannten Pfarrei wurden vor das Pfarramt gerufen und genau über die Lebensverhältnisse dieses Mädchens befragt. Alle erklärten, daß das Mädchen seit mehreren Jahren stumm gewesen sey, und sie sich daS' dermalige Ereigniß auf natürliche Weise nicht erklären könnten. Um sich volle Klarheit in der Sache zu verschaffen, erbat man sich aus pfarramtlichem schriftlichen Wege Aufschluß beim Hrn. Pfarrer zu Jahrsdvrf. Dieser erklärte durch Schreiben vom 27. Mai: „DaS fragliche Mädchen habe bis in ihr neuntes Jahr die Pfarrschule, zu Jahrsdors besucht. Da verfiel sie plötzlich in eine schwere Krankheit, in welcher sie die Sprache gänzlich verlor, so daß sie kein Wort mehr reden konnte. Darnach setzte sie, in der Hoffnung, daß sie den Gebrauch der Sprache wieder erlangen werde, einige Zeit den Schulbesuch aus: Als dieß nicht der Fall war, besuchte sie die Schule wieder fleißig. Doch sprechen konnte sie seitdem kein Wort. Sie wurde erst Heuer zur heil. Communkon zugelassen und aus der Werktagsschule entlassen. Die Stummheit bei diesem Mädchen dauerte etwas über fünf Jahre. Da unternahm sie mit ihrer Mutter den weilen Bittgang zu dem der heil. Dreifaltigkeit geweihten Tempel zu Gösweinstem auf das Fest der heil. Dreifaltigkeit. Nach der Rückkehr erschien das Mädchen am 24. d. M. bei mir im Pfarrhause und fieng zu meinem großen Erstaunen und zu > meiner Freude zu reden an. Wie daS zuging, wird sich wohl schwerlich auf natürliche Weise erklären lassen." (K. Bl. a. Fr.) Verantwortlich« Redacteur: L. Schönchen. Verlag«-Inhaber: F. E. Kr »wer.