Dreizehnter Jahrgang. >s ?>i «IZlI ^ 27. I»5»3 Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Touutag«. Der halbjährige Aiwnnement«prei« kr., wofür e« durch alle köm'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun Die Neltgivn muß der industriellen Thätigkeit die rechte Richtung und Weihe geben. Aus allem dem, was Wir mm eben sagten, geliebteste Brüder, schließen Wir, daß gerade in Mitte Eurer großartigen Werke und auf dem Schauplatze der Wunder thaten Eurer Industrie die Religion eine um so ausgedehntere Macht ausüben und um so eifrigere HuldigunzSbezeigungen empfangen müsse. Soll sie nichr besonders hier zumal über des Meisters Interesse, wie über das deS Arbeiters wachen; zu gleicher Zeit die ungerechten Forderungen des Einen und die unmäßigen Ansprüche deS Andern bekämpfen? Ist nicht das der Ort, wo sie mit ihrem mütterlichen Schutze die Kindheit schirmen soll, aus daß mau nicht deren erwachende Kräfte mißbrauche, sondern vielmehr ihre Reinheit und Unschuld achte. Muß sie nicht hier in der Mitte von Arbeitern die strenge Wächterin der Tugend des jungen Mädchens seyn und ihm die Fürsorge der Mutter ersetzen? Ihr glaubt genug gethan zu habe», um Eure Unternehmungen vor Betrug zu verwahren, wenn Ihr sie mit vermehrten Vo»sichtsmaaßregeln unv Schranken umgebt. Euer Bemühen und Sinnen beschränkt sich auf diese materiellen Vertheidigungsmiltel, und Ihr denket nicht daran, eine mächtigere und wirksamere Hilfe anzurufen. Nun wohl, geliebteste Brüder, Ihr werdet die Opfer Eurer Täuschungen werden und Euer ausschließliches Selbstvertrauen und Eure Schlauheit theuer zu bezahlen haben. Wacht nicht die Religion mit ihren Drohungen und ihren Verheißungen an den Thüren Eurer Schmelzhütten und Werkstätten, so wird auch das Auge deö thätigsten Aufsehers, die Strenge des uuerbittlichsten Beamten, und Alles, was zu eiuer verständigen Verwaltung gehört, so sinnreich es anch ausgedacht seyn mag, die uulreue Haud nicht zurückhalten könne», daß sie nicht von dem wcrthvollen Stoffe, den sie zu verarbeiten hat, alles entwendet, was sie nur, ohne Euern Verdacht zu erregen, entwenden kann Wisset es wohl, daß die Religion, indem sie jenseits des Grabes auf den Richterstuhl desjenigen hinweist, welcher selbst die menschliche Gerechtigkeit richten wird, unv indem sie an die große» Glaubenswahrheiteu erinnert, allein im Stande ist, die bösen Gelüste zu mäßigen, im Grnnde deS Herzens die Begierde zu ersticken, ja selbst den Gedanken an Verbrechen zu verscheuchen. Düse Betrachtungen führen Uns daraus hi», alle diejenigen, welche der industriellen Lausbahn folgen, zu erinnern, daß eine ihrer hauptsächlichsten Verpstichtuugeu die ist: das Gebot der Heiligung des Sonntags wieder in Ehren zu bringen, um ihren nützlichen Unternehmungen denjenigen christlichen Charakter beizulegen, ohne welchen kein Gewinn verbürgt seyn kann und das Verhältniß zwischen Herr und 21t) «kt.niN Arbeiter stets etwas von jener heidnischen Sclaverei beibehalten wird, welche daS st'ebor der Nächstenliebe verschwinden machen wollte. Es haben nicht die Menschen diese Feier des siebenten TageS eingesetzt, auch nicht der pn'esterliche Despotismus hat sie der Gesellschaft auserlegt: sondern es ist der Gründer der Gesellschaft selbst, der Urheber der Natur, welcher, nachdem Er alle Wesen geschaffen hatte, den Tag Gottes von dem Tage deS Menschen trennte, diesen der Arbeit und Plage bestimmte und sich jenen vorbehielt zur Danksagung und zum Gebete, und unsern ersten Eltern ebensowohl verbot, diesem Tage etwas zu entziehen, wie Er ihnen untersagte, die Hand an die Frucht vom Baume des Lebens und TodcS zu legen. ES war dieß keine neue Einsetzung, welche der Herr auf Sinai verkündete, als Er das dritte Gebot auf eine steinerne Tafel niederschrieb. Er bestätigte nur auf eine feierlichere Weise die den Kindern Adams durch das natürliche Gesetz auferlegte Pflicht der Ruhe unv des Gebetes. In der That ist der für Gott erschaffene Mensch sich ihm gänzlich darzugeben schuldig. Er ist ihm eine doppelte Verehrung schuldig, die seiner Seele durch innerliche Anbetung und die seines Leibes durch äußerlichen Gottesdienst. „Und gleichwie die Natur, sagt der Katechismus des heiligen Conciliums von Tn'ent, für die zum Leben deS menschlichen Körpers nöthigen Verrichtungen, als: Schlaf, Erholung, Nahrung, gewisse Zeiten vergeschrieben hat, eben so hat sie ihm auch vorgeschrieben, wenn er seine Seelcnkräste durch Betrachtung göttlicher Tiuge wieder beleben solle." Die Verpflichtung, den Tag des Herrn zu halten, ist demnach mit dem Menschen geboren; auch haben die verschiedenen Nationen der Welt, welche sich in eine Unzahl von abweichenden Religionen trennten, sich alle dann vereinigt, Fest- und Opfertage zu feiern. Indem Gott die Industrie wie den Ackerbau schuf und über die ihren Händen entströmenden Werke den Menschen jene Macht gab, welche uns mit Bewunderung und Erstaunen erfüllt, konnte Er nichts anderes vorhaben, a.s sein Bündmß mit dem vernünftigen Geschöpfe inniger zu machen. Wenn Er das Füllhorn seiner Wohlthaten über die Erde auSgoß, so durfte Er dagegen mit Recht beanspruchen, daß ein Zusammenklang von Danksagung und Lobpreisung zu seinem Throne emporsteige. Er konnte unmöglich wollen, daß die in ihrer größten Ausdehnung begriffene Industrie eine unüberschreitbare Scheidewand zwischen Himmel nnd Erde setze, und daß der Mensch desto mehr sich von ihm trenne, je mehr Einsicht und Macht er von seiner Freigebigkeit erhalte. Nein: Er konnte nicht zu Gunsten der Industrie das Recht veräußern wollen, an dem Tage, den Er sich vorbehielt, unsere Verehrung zu empfangen, ebensowenig Er dem Menschen er auben konnte, dem ihm zustehenden Rechte zu entsagen, von der Erfüllung der Dankcöpflicht gegen seinem himmlischen Vater nicht zu lasse». Das sind heilige, göttliche und nu»schliche Rechte, denen keine Verjährung etwas anhaben kann. Die Entheiligung des Sonntags ist somit ein Frevel gegen Gott und gegen die Menschheit. Möchte cS Gott gefallen, daß dieses sociale Verbrechen nicht unsere henlige Industrie entehre, und daß die durch des Menschen Geist mit vollen Händen auSge- streuten Wunder nicht verdunkelt werden durch diese schimpfliche Verachtung der Rechte GotleS und deS Rechtes seines vernünftigen Geschöpfes! Aber im Wirbel dieser allgemeinen Welterschütterung, welche die Industrie verursacht, indem sie ganze Volksmassen auf Wege, Flüsse, Meere schleudert und sie nach allen Richtungen der Erde hin fördert, ohne ihneu weder bei Tag noch bei Nacht einen Moment der Erholung zu gönnen, kann da das Gebet leicht sein Stündlein finden? Giebt es da für die Industrie einen Gott geweihten Tag? Erkennt sie daS Recht an, daS jeder Mensch ans dieser Erde hat, von Zeit zu Zeit seine Arbeiten zu unterbrechen, um sich die Stirne zu trocknen, sich zu seinem Schöpfer zn wenden und sein Knie vor ihm zu beugen? Horchet, geliebteste Brüder, des Sonntags! an den Pfcrtcn unserer Tempel höret Ihr den Hammerschlag deS Arbeiters, das Brausen der Maschine. Begebet Euch auf die Plätze unserer Städte, blitzesschnell geht der Bote an Euch vorüber, Geschäftsbriefe auszutragen und die mit Gewerbsproducten überladenen Wagen könnet Ihr zu jedem Augenblick' aus der Berkehrstraße sich kreuzen sehen. Wird vielleicht die Glocke, welche Stl die Gläubigen zum Opfer und zum Sauge geheiligter Loblieder ruft, diese Bewegung und all dieß rege Treiben aufheben? Nein, die Glocke tönt nicht für die Industrie, bei diesen Lauten, welche in der Seele cineS wahre» Christen so fromme und ernste Gedanken erwecken, hält sie weder den Schwengel noch die Spule aus; sie würde keinen Faden abbrechen, um diesem Rufe der Kirche zu folgen. Auch weiß der unter die gierige Hand der Industrie gebeugte Arbeiter nicht mehr die profanen Tage von den geheiligten zu uuterschcideu, er wird jeder NeligionSübung, jeder heiligen Versammlung, jeder Theilnahme an den geistigen Gütern der Kirche fremd. Und bald jeden Glanbcn an die geoffenbarten Wahrheiten i'erlierend, endigt er damit, sie als Märchen, womit man seine Kindheit unterhielt, zu betrachten, Ihr fühlet V. Mgcliswne, Lomment. sur les lois -mxlsisez, trsckuit psr IV. öl. Okompre 1'. V. p. 134. 212 die Ruhe der Staate» sichert, zu neuer Blüthe bringe» Die gewissenhafte Haltung deS Sonntags von Seite jeder Classe ist das kräftigste Mittel, dieses Ziel zu erreichen. Doch das Gesetz Gottes schreibt Euch keine trage und weltliche Erholung für diesen Tag vor: es gewährt Euch Ruhe von der Arbeit, und zugleich gebietet es Euch die Uebung gewisser religiöser Pflichten im Geiste und in der Wahrheit. ES will Euch nicht in einen gefährlichen Müßiggang stürzen, sondern verschafft Euch eine günstige Zeit zu Eurer Heiligung, und einen geeigneten Tag zur Beschäftigung mit den Interessen Eurer Seele und Euer», ewige» Heile. Es hat diese heiligen Feiertage nicht angeordnet, um Euch eine Gelegenheit mehr zu einem sinnlichen und zerstreuten Leben zu bieten, sondern es schreibt Euch vor, sie zn heiligen durch den Genuß des Brodes des göttlichen Wortes, durch andächtige Theilnahme an dem Opfer unserer Altäre, durch Vermehrung Eurer Verdienste durch Werke der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Verständiget Euch, geliebteste Brüder, bildet unter Euch ein heiliges Bünduiß, daß alle, die Euch untergeordnet sind, den Sonntag heilig halten müssen. Hebet an diesem Tag Eure Handelsgeschäfte auf, schließet Eure Waarenlager, bringet Eure Maschinen zum Schweigen, ohne dem Vorwandc einer Concurrenz Gehör zu geben, deren Nachtheile Ihr überschätzen werdet. Suchet vor Allen daS Reich Gottes und seine Gerechtigkeit5), so wird Euch die Vorsehung den Gewinn wieder finde» lassen, den Ihr durch eine flüchtige Unterbrechung Eurer Arbeite» etwa verloren habt. Sie wird Eure industrielle Thätigkeit unterstützen; sie wird Euren Geschäften Gedeih n geben. Und zur Belohnung Eures Gehorsams wird sie, dem Ausspruche eiueS Propheten zufolge, „den Weizen auf Eure Felder herabrufen, die Früchte Eurer Bäume und den Saamen Eurer Aecker vermehren"^). iSchluß folgt.) «»' Z'i-'n m,it -I! ^>i? 'I'ii,'il'i'iti')') iii'j'jlvl ttt '7?4z!)«'!> Ngkft'^^ 7l,^ .,m h'tks.I')?/ ni', ifi Sr>5 .'lnnkfvl )chM Bekehrung des LordS Charles Thynne. (Schluß.) Der andere Punct, weßwegcn man mich getadelt hat, ist, daß ich den Gefühlen, die ich eben ausgedrückt, die Herrschaft über meinen Geist erlaubt habe. Ihr gebt zu, daß wenn mir diese Gesinnungen von Gott kommen, ich schon schuldig bin, wenn ich nur versuche, ihnen zu widerstehen. Kommen sie von Gott, so sind sie unWider- leglich, kommen sie vom Satan, so werden sie sich bald als sein Werk erweisen. Gamaliels Rath ist hier anwendbar, man muß ihm folgen, fönst könnte man fürchten, daß die Menschen gegen Gott kämpfen. Als ich einsah, daß das Glück mehrerer Personen von meinem Schritt abhing, fragte ich die durch ihre Kenntniß berühmten Leute um Rath, uud ich versuchte durch meine Willenskraft die in meinem Geiste fortwährend entstehenden Gedanken zu bemeistern. Hierüber fühle ich große Reue und bitte Gott demüthig um Verzeihung, denn in meiner Blindheit kämpfte ich gegen ihn, gegen ihn, der mich in seiner Allgüte zu sich rief. Aber die Kraft der Gnade ist stärker als die Menschen. Dank sey seinem heiligen Namen, er verließ mich nicht, ohne mich gesegnet, ohne mich z» dem heiligen Berge geleitet zu haben, auf dem ich für immer in Frieden zu wohnen hoffe. — Aber vielleicht antwortet Ihr mir: „Warum hast Du nicht fortgefahren, diese Zweifel zu bekämpfen, Du hättest sie besiegt?" — Liede Freunde, ich werde es Euch sagen, warum ich es nicht gethan habe. Erstens, weil ich es nicht wagte: ich glaubte, daß die Gnade Gottes im Werke sey, und ich durfte ihr nicht länger widerstehen. Zweitens erinnerte ich mich, daS Princip der englischen Kirche, deren Geistlicher ich war, sey, daß jeder seinem Geiste selbst zu genügeil habe, indem er alle Lehren selbst betrachte, und daß mau nicht gezwungen seyn könnte, eine für wahr anzunehmen, sey sie welcher Art sie wolle, ehe man sich nicht durch Selbstforschung von ihrer Richtigkeit überzeugt habe. Nun stürmte ich die ') Matth. V I. 33. : !->i 1U- .Zu-.«.!',' ") Szcch. XXXVI, L9. 213 Schriften, und durch das Recht der Selbstforschung, welches die englische Kirche allen ihren Mitgliedern zugesteht, überzeugte ich mich von der einfachen natürlichen Pflicht, mich der wahren Kirche Christi zu unterwerfen, der einen, heiligen, apostolischen und katholischen Kirche, welche durch die Bischöfe regiert wird, unter dem sichtbaren Oberhaupte zu Rom. Ich würde Euch ermüden, wenn ich Euren Augen all die einzelnen Betrachtungen vorführte, die sich meinem Geiste vorstellten und mich zu dem gethanen Schritte' führten. Ich werde mich daher, so kurz wie nur immer möglich, über die schon genannten Puncte aussprechen: 1) Die Einheit der Kirche. 2) Die Sacramente der Kirche. Ich lese in der Bibel,, daß es die Einheit ist, die Gott als Stempel seiner Worte gewählt. Als die Welt in das Laster versank, und der Allmächtige sie zer. störte, rettete er eine Familie, die des Noah. Er berief und segnete seruer eine Familie, die deS Abraham. Er wählte eine Nation und stiftete eine Kirche. Er schickte später seinen Sohn, die sichtliche Erscheinung GottcS im Fleische, um die Welt zu erretten, und als Christus kam, um das Gesetz zu erfüllen, wurde er nicht der Urhebcr der Verwirrungen, denn er erhielt dasselbe Princip der Einheit aufrecht. Er gründete die Eine Kirche, er baute ihre Grundfesten auf einen Felsen; er nannte sie die einzige Heerde cineS einzigen Hirten, den Einen Weinstock, das einzige Königreich; Er sehte nur Eine Taufe ein, nur eine einzige Eucharistie. Wie die jüdische Kirche, der Schatten dieser vollkommenen Kirche, die sie ersetzte, nur Eine, so mußte die Wirklichkeit, die den Schatten verdrängte, dies- große Wirklichkeit, nur Eine seyn. Wir finden serner, daß die Apostel nur von Einer, einigen Kirche sprechen, nur von einer Gesellschaft der Christen, von Einem Körper, nur von Einem Hause, und von d?r christlichen Einigkeit, wie sie in der Verbindung und Gesellschaft der Apostel herrschte. Die Kirche ist die einzige Taube, die einzige Arche des Heils, der einzige Glaube. Sie ist die sichtbare Gegenwart des geheimnißvollen LeibeS unseres Heilandes auf Erden, und einzig wie die ewige Gottheit. Ihr Amt ist eS, das Christenthum, oder die Erkenntniß Gottes, aufrecht zu erhalten, durch welche das Heil stets und noch immer dem Menschen verkündet wird; und wie das Christenthum oder die Lehre einzig ist, so ist die Kirche, die diese Lehre bewahrt, auch nur die Eine. Es ist also unmöglich, der Theorie von nationalen, unabhängigen, durch Länder, gränzen bestimmt werdenden, und demnach von einander getrennt werdenden Kirchen, beizupflichten. Das Princip, welches einzelne Kirchen zuläßt, zerstört die Einheit und vernichtet die Katholicität. „Wie die Sonne nur ein und dieselbe ist im Weltall, so glänzt die Lehre von der Wahrheit überall und erleuchtet alle Menschen, welche es wünschen, zur Kenntniß derselben zu gelangen." Die heilige Schrift hat mich den Werth dieser Einheit kennen gelehrt. Die heilige Schrift hat es mich glauben gelehrt, daß die Einheit daS Zeichen der Kirche Christi seyn müsse. Besitzt die anglikanische Kirche dieses Aeichen? Ist sie einig mit der übrigen Christenheit? Vielmehr, ist sie einig in sich selbst? Vor drei Jahrhunderten hat sie dieses Zeichen der Einheit verloren, und sie wird eS nur wieder erlangen, wenn sie als Büßende sich in den Schooß der Einheit zurückbegibt, von dem sie sich zu diesem unglücklichen Zeitpunct trennte. Erlaubet mir nun, daß ich von Sacramenten zu Euch rede. Vor Allein muß ich es bekennen, daß die bestehende Kirche ihre Zahl verringert hat. DaS katholische Christenthum besitzt sieben Sacramente: die Taufe, die Firmung, daS Sacrament des Altars, die Buße, die Oelung der Kranken, die Priesterweihe und die Ehe. Die anglikanische Kirche erkennt von denen nur zwei an, nämlich: die Taufe und daS Abendmahl des Herrn, und indem sie die anderen fünf Sacramente verwirft, wird sie durch die heil. Schrist, durch das Alterthum, und selbst durch die größere Mehrzahl der Christen verworfen. Selbst die griechische Kirche, obgleich sie von der Einheit der katholischen getrennt ist, erkennt sieben Sacramente an. Dieses Factum an sich schon, von sieben Sacramenten sünf zu streichen, zeigt die in England bestehende Kirche als im Irrthum befangen. Niemand kann läugnm, daß die Uebereinstimmung der 214 griechischen mit der katholischen Kirche ein mächtiges Zeichen zn Gunsten der Puncte, in denen sie einig sind, ablegt; diese Uebercinstimmnng beweiset, daß so die Lehre oder die Handlungen - je nachdem eS der Fall — der katholischen Kirche gewesen seyn müssen vor dem Abfall des Orients, und daß sie noch heute lehrt, was sie von jeher gelehrt hat, Waö kaun die iu England gestiftete Kirche zu ihrer Vertheidigung anbringen, so tanb gegen die großen Heilswahrheiten der Kirche gehandelt zu haben? Wie kann sie ihr getrenntes Bestehen rechtfertigen, nachdem sie in ihrem Stolze die sacramentalische Ordnung, welche unser Heiland selbst zum Troste seiner Kinder eingesetzt hat, zerstörte und zerbrach, so viel es ihr nur immer möglich? ES ist unmöglich, den unermeßlichen Verlust zu ersehen, welchen sie durch Verwerfung des Sakramentes erlitten, welches stets und noch immer die Kraft, die Stütze und der Trost der heiligen wie der reuigen Seelen in der katholischen Kirche ist. Die Gähmng und beständige Bewegung gegen Alles, waö sich der Autorität der Kirche nähert, die Eifersucht zwischen Priester und Laien sind Thatsachen, die den Beweis liefern, welch' ein großer Schlag durch Verwerfung der Priesterweihe der Kirche zugefügt. Andererseits zeiget der Leichtsinn und die Unmoraliiät, womit man sich durch das Band der Ehe vereint, und die geringe Kenntniß, die die Geistlichkeit von denen ihnen anvertrauten Seele» besitzt, wie schrecklich die Folgen der Unterdrückung des Sacraments der Buße geworden, und bis zu welchem Grad der Entwürdigung daS Sacrament der Ehe gesunken. Zweitens hat die englische Kirche die Kraft und Bedeutung der beiden beibehaltenen Sacramente zerstört. Was die heil. Taufe anbelangt, so duldet sie über dieselbe zwei entgegengesetzte Lehren, Hier ist sie wenigstens im Einverständnisse mit den Häretikern. In der heil. Eommunion läugnct sie die wahre Gegenwart unseres Herrn. Um es darzuthun, sehet nnr auf den Abschnitt, welcher am Ende deS Ritus von der Commnnivn ist, obgleich einzelne Theile des Dienstes selbst schon eS beweisen. Ich könnte auch den allgemein üblichen Gebrauch der Geistlichkeit bei dc» heil. Gegcustäuden anführen, dieser ist ein beredter Zeuge des anglikanischen Ritus, und bestätigt die Ansicht, daß die englische Kirche die Lehre der katholischen über die wirkliche Gegen- wart unseres Herrn im heiligen Abendmahl gänzlich verwirft. Hierbei will ich noch bemerken, daß man über diesen Glaubensartikel nur eine der beiden Lehren unterstützen kann. Entweder mnß man an eine wirkliche Gegenwart oder an eine wirkliche Abwesenheit glauben, denn nur eins kaun seyn; ein Mittelding kenne ich nicht. Die katholische Kirche Christi, durch den heiligen Geist geleitet, hat immer an die wirkliche Gegenwart gehalten, die anglikanische Kirche scheint die wirkliche Abwesenheit vorzuziehen. Aber eö ist peinlich, über solche Sachen sprechen zu müssen, denn ich werde es nie vergessen können, daß ich ehemals Vertreter dieser Kirche war, welche ich bei meinem Gewissen für abtrünnig und im Irrthum besangen glaube. Viele ihrer Mitglieder — ich weiß es — betrauern den Stand der englischen Kirche, bekennen den Wunsch, sie zur Einheit zurückzuführen, und hoffen ihr Ziel dadurch zu erreichen, daß sie in ihrem Schooße verbleiben, um in ihr zu kämpfen. Aber wofür kämpfen sie? Wogegen kämpfen sie? Für eine Kirche kämpfen sie, — wenn es überhaupt eine ist — welche während drei Jahrhunderten sich im Zustande strafbarer Abtrünnigkeit befindet, welche die Sacramente verstümmelt, welche weder ein lebendiges Wort noch bestimmte Lehren hat, welche all' ihre Hoffnung in die Regierung setzt, die jetzt ihr Oberhaupt und der Richter ihrer Lehren ist. Mit Einem Wort, sie kämpfen für einen Schatten. , Sie kämpfen gegen eine Kirche, deren Nachfolge nie unterbrochen ist, die von ünbcstreitbarer Einheit, die selbst der Mittelpunct der Einheit, die alle Sacramente besitzt, die Mutter und Lcnkerin der Ccclcn, die klar und bestimmt in ihrem Unterricht, deren reines Wort inmitten der Unruhe der Welt gehört werden kann, deren sichtbares Oberhaupt der Nachfolger des Apostelsürften PetruS ist, welche während achtzehn Jahrhuuderten bestanden, trotz aller Prüfungen und Stöße, die alle menschlichen Regierungen gestürzt hätten, die sie aber nie erschüttern noch bewältigen werden, 213 da sie auf dem Felsen gebaut; sie ist das Reich Gottes und ihres Heilandes, die Kirche, die eine heilige katholisch apostolische Kirche! Meine lieben Freunde, dieses ist meine Vertheidigung. Ich habe Euch und mir gegenüber ehrlich gehandelt. Mein einziges Bedauern (und dieses Bedauern nehme ich mit in's Grab) ist, daß ich nicht dem Zuge der Gnade gefolgt bin, als sie mich daS erstemal ergriff; aber ich wußte es nicht, daß es der Herr sey, der mich rief. Ich habe die unendlich werthvolle Perle gesucht, und, Gott sey gelobt und gebenedeit! ich habe sie gefunden; und Ihr, lieben Freunde, zürnet mir nicht, daß, indem ich mich bückte, diesen kostbaren Edelstein zu erfassen und mir anzueignen, ich die Bande zerriß, die unS einten! Fragt Ihr mich nun, zu welcher Kirche ich gehöre, so werde ich Euch antworten: „Ich gehöre der Kirche an, die Christus und seine Apostel gegründet, in der die großen Heiligen und Gelehrten deS Alterthums erzogen worden, welche die prachtvollen Kathedralen und die alten Pfarrkirchen gebaut, die noch hie und da in unserem Lande sind und seinen Ruhm und Stolz ausmachen, welche die Universitäten, so wie alle edleu Stiftungen, die wir besitzen, gegründet hat." Ich wohne alle Tage dem Gottesdienste bei, der ehemals in Eurer alten Kirche gehalten worden, als sie — der Ueberlieferung deS Dorfes gemäß — vom heil. Thomas von Canterbury, früher Thomas Bekett genannt, gebaut und geweiht war. Ich zweifle nicht, daß der Heilige, träte er noch einmal unter unS, den jetzt verlassenen Altar der Kirche beweinen würde, und mit Trauer Euch Eures Irrthums überführte, indem er Euch sagte, daß Ihr von der Wahrheit abgewichen, weil Ihr die katholische Einheit, den katholischen Ritus verlassen. Er würde Euch lehren, daß die '.'>rt, mit der ich jetzt Gott anbete, dieselbe ist, mit der er und die ganze Gemeinschaft der Märtyrer und Heiligen vor ihm den Gott uuserer Väter angebetet. Adieu, gelkeble Freunde! Möge Gott Euch segnen und über Euch wacheu, und möge es ihm gefallen, unserem Vaterlande das Erbtheil, das es verloren, zurückzugeben. Ewig Euer ergebener Freund Charles Thynne. Clistan, am Fest Mariä Lichtmeß 1853. ^ — - .» ^ i Mainz Mainz. Der hochwürdigste Bischof hat aus Aulaß des Austrittes des Bene- ficiaten Franz Blümnier aus der katholischen Kirche nachstehendes Hirtenschreiben erlassen- Wilhelm Emmanuel, Bischof von Mainz, an die Pfarr^eistlichkeit und die Gläubigen der Diöcese Mainz. Der Kirche GotteS, die gleich ihrem göttlichen Stifter nichts Anderes sucht, als zu retten uud selig zu machen (Match. XVIll, 11), gereicht cS zum besonderen Schmerze, wenn sie sehen muß, wie Solche, die sie als ihre Kinder aller ihr anvertrauten Gnaden und Wahrheiten theilhaftig gemacht, sich von ihr trennen und lossagen, und den Weg, der allein zum Heile führt, verlassen. Wenn aber der untreue Sohu, uneingedenk aller der Liebe, welche die heilige Mutter, die Kirche, ihm erwiesen, ein Solcher ist, der berufen war, für die Anderen ein Lehrer und Führer zu seyn, wenn ein Priester in beklagenswcrther Verblendung sich entschließt, aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche auszutreten, da steigert und vergrößert sich der Schmerz, denn sie gedenkt der schwereren Beleidigung Gottes und des großen, dadurch den Gläubigen gegebenen Aergernisses. Leider sind Wir in dem Falle, geliebte Diöccsanen, ein derartiges Aergerniß, das ein Priester Unseres Bischunis gegeben, Euch kundgeben zu müssen, indem Wir zugleich die kirchlichen Strafen versündigen, die Wir nach Vvischrift der Kirchengesetze über denselben haben verhängen müssen. Gott weiß es, mit welch betrübtem Herzen Wir dieß ihm,, in keiner arideren Absicht, als nm den Obliegenheiten Unseres bischöflichen Amtes zu genügen, und mit keinem anderen Wuusche, als dem, der bei einer ähnlichen Veranlassung das Herz des heiligen Apostels Paulus erfüllte, daß nämlich, 216 indem Wir strafe», „der Geist gerettet werde am Tage unseres Herrn Jesu Christi. 1 Cor. V, 5. 'd'k'M '-st>i'l!^ii6 Der Priester Franz Blümmer auS Mainz, zuletzt Beneficiat zu BenSheim und Lehrer am dortigen Gymnasium, hat durch eigenhändiges Schreiben an unser Ordinariat 6. ei. Franksurt den 19. Mai 1853, die Anzeige gemacht, daß er an diesem Tage zum Protestanliömus übergetreten sey. Derselbe bat sonach den Glauben, ohne den eS nicht möglich ist, Gott zu gefallen (Hebr. XI, 6), verleugnet; er hat die heiligen Sacrumente der Kirche verachtet und aufgegeben; er hat den kanonischen Gehorsam, den er bei der heiligen Priesterweihe feierlich gelobt, aufgekündigt; er hat die Obliegenheiten und Verpflichtungen deö PriesterthumS, zu denen er sich verbunden, verletzt und gebrochen; er hat sich der Häresie uud Apostasie schuldig gemacht, und ist somit in die von den heiligen Satzungen festgesetzten Strafen der Suspension und Ercommunication verfallen. (<^k>n. 23 eiiuti 2. ml^7g 5i,V'M,^ '"'""VMi ch-t i'g u^g/» '«"» "' ?>'S 5'--' 7 In Nr. L4 bittet man zu lesen: Seite 139, Zeile 23 von oben: Feindin statt Freundin; Seite i9t), Zeile 2 von unten: wenn seitdem weniger freventliche Eingriffe gegen die gute Sitte, Eigenthum und Menschenleben verübt und die öffentlichen Aemter mit mehr Fleiß und Redlichkeit verwaltet würden; wenn seitdem die menschliche Gerechtigkeit ihr Schwert in die Scheide gesteckt hätte und es am Fuße der Altäre ,c. -c. -.__ Verantwortlicher Redacteur: v. Schönchen. Verlags - Zuhabe,: F. C. Kremer.