Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augslmrger Pojheitung. 31. Juli. ^ AK. !853. DtefeS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonucmentsprei« Ttt kr, wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun. Die ruffische GtaarSkirche*). Auch die russische Kirche will ihren Ursprung in das Zeiralter der Apostel zurückführen. Nach einer alten Ueberlieferung soll der heil. Andreas am Don und in der Gegend von Kiew die Lehre des Evangeliums verkündet haben. Doch in den großen Stürmen der Völkcrzüge des fünften und sechsten Jahrhunderts verloren sich gar bald die schwachen Anfänge des Christenthums bei den Russen und sie fielen schnell in ihren alten Götzendienst zurück. Erst im neunten Jahrhundert fing das Evangelium an, dauernde Wurzel in Rußland zn schlagen, erwuchs hie und da bald kräftig, bald schwach unter mannigfachem Wechsel der Zeit, bis ihm endlich im zehnten Jahrhundert der Götzendienst ganz weichen mußte. Wir können füglich eine zweifache Bekehrung dieses LanveS zum Christenthume annehmen, die theilweise Bekehrung nach der Mitte deS neunten und die ganze nach der Mitte des zehnten Jahrhunderts, beide durch katholische Bischöfe der griechischen Kirche bewirkt. Der von dem Schismatiker PhotiuS so hart verfolgte Patriarch Jgnatius schickte um das Jahr 867 die ersten christlichen Missionäre nach Rußland. — Die eigentliche und wahre Bekehrung Rußlands znm christlichen Glauben fällt in die Zeit, die zwischen Photius und Cerularius verfloß, also in eine Zeit, wo die griechische und lateinische Kirche auf das innigste verbunden war; — und als nun der fromme Fürst Wladimir l. das Christenthum annahm, wmde der Sieg des Kreuzes über das Heioenthum allgemein. Er ließ dürch Herolde im ganzen Lande ausrufen: „ES erscheine morgen am Ufer des Dnjcpr Jedermann, Arm und Reich, Herr und Knecht, das ganze Volk, und lasse sich taufen." Wladimir erschien, umgeben von einem glänzenden Gefolge von Bojaren und Priestern, und hieß das Volk auf ein gegebenes Zeichen in den Fluß treten, um die heil. Taufe zu empfangen. „Die Großen standen," so erzählt Nestor, „bis an den Hals, andere bis an die Brust, die Knaben nahe am Ufer im Wasser; Väter und Mütter hielten ihre Kinder aus den Armen; die Priester standen auf Flößen und lasen die Taufgebete ab; Wladimir aber lag am Ufer auf den Knieen, betete und dankte Gott." — Auch die Großfürstin Olga, die Gemahlin Igors, hatte das Christenthum angenommen und aus Verehrung ver heil. Helena, der Mutter Constantins, ihren Namen Olga gegen den von Helena vertauscht. — — Im Sinne der Eintracht unv des Friedens mit dem Nachfolger des heil. PetruS zu Rom wirkten die Großfürsten und die ersten Metropoliten Nußlands für die Vervreitung und Befestigung des Christenthums in diesem Lande. 'Im Jahre 1037 wurde die Kathedralkirche zur heil. Sophie in Kiew nach dem Muster der gleichbenannten Kathedrale zu Konstantinopel durch den Großfürsten Jaroölaw *) Vergl. Verfolgung und Leiden der katholischen Kirche in Rußland; von einem ehemaligen russischen StaatSrath. Schaffhausen 1343. — Die neuesten Zustände der katholischen Kirche beioer Ritus in Polen und Rußland; von einem Priester aus der Congregation des Oratoriums des heiligen Philippus Neri. Augsburg, 1S41. ' 242 ^ ^ M » ^'KÄ ^. ^!v> zur Würde einer Metropolitankirche erhoben. — Kurz darauf erneuerte sich das griechische Schisma unter dem gottlosen Michael CerulariuS; — und weil Rußland mit Konstanrinvpel, dem eigentlichen Herde des SchiSmaS, in naher Verbindung stand, mußte nothwendig das von dem aufrührerischen Patriarchen von Konstantinovcl gegebene Aergerniß sehr verderblich auf die russische Kirche einwirken und dieselbe mit in das Schisma verwickeln. Dennoch aber hat die russische Kirche ihre Einheit mit der römischen länger erhalten, als ihre Schwester, die griechische. Der fünfte Metropolit von Rußland, der sanfte Hilarion, der zur Zeit des abtrünnigen CerulariuS der russischen Kirche vorstand, war auf dem Concil zu Kiew von den russischen Bischösen ohne alle Mitwirkung des Patriarchen zu Konstantinopel gewählt worden. Er, so wie die fünf folgenden Metropoliten, bis auf Nikolaus I. (W96 bis 1106), waren, obschon Griechen, dennoch dem griechischen Schisma des Michael CerulariuS fremd und bekundeten dagegen eine innige Freundschaft mit der Kirche von Rom und ihrem Oberhaupte. Daher nahmen auch die päpstlichen Gesandten, der Cardinal Hubert, und Petrus, Erzbischof von Amalphi, nachdem sie im Jahre 1054 den CerulariuS in Kvnstautinopel öffentlich seiner Vcrrnchtheiten überwiesen und ihn rrcommunicirt hatten, dann aber vor dem Wütherich die Flucht ergreifen mußte», ihren Weg durch Rußland, wo sie die gastfreundlichste Aufnahme fanden. In die Zeit der völligen Einheit der russischen mit der lateinischen Kirche fällt nun auch die Abfassung aller Kirchenbücher, deren sich die russische Kirche beim Gottesdienst im Ganzen noch bis auf den heutigen Tag bedient. Viele derselben sind von Männern verfaßt, die ganz mit der römischen Kirche vereint waren, und von ihr zu dieser Arbeit sogar den Auftrag erhalte» hatten. So ist daö große Menäum der russischen Kirche, eines der Hauptbücher des öffentliche» Gottesdienstes, welches die Gebete und Gesänge und Ceremonien für alle Sonn- und Festtage des Jahres enthält, vom heil. Cyril, dem Bruder des heil. Methodius, die beide zu Rom starben und die Apostel der Slaven und Bulgare» waren, versaßt worden. Wegen der i» der ersten Zeit »och immer bestehenden Einheit der russischen Kirche mit Rom nahm auch der mächtige Großsürst Jsäslaw, um sich gegen seinen blutdürstigen Bruder im Besitze des Reiches zu erhalte«, seine Zuflucht znm Papste Gregor VII. und flehte ihn in seiner Bedrängniß um Schutz und Hülfe an. Der Sohn des Großfürsten kam selbst nach Rom und trug dem Papste demüthig des Vaters Bitte vor. Gregor nahm sich mit aller Liebe und Wärme deS bedrängten Großfürsten an. Unverzüglich sandte der Papst seine Gesandten ab und stellte die Eintracht zwischen dem Großfürsten und seiuem unwürdigen Brnder wieder her, so zwar, daß Jsäslaw bald wieder in sein väterliches Erbe zurückkehren kounte. Gregor VII. begleitete den juugm Herrschersohn mit einem rührenden nnd väterlichen Schreiben vom 15. April 1075, in welchem er ihm im Namen des Apostelsü-sten PetrnS die Herrschaft über Rußland ertheilt, mit dem Wunsche, daß dieser ihn uud seinen Vater sammt ihrem Reiche durch seine mächtige Fürbitte bei Gott beschütze, sie im Besitze deS Reiches bis an ihr Ende glücklich erhalte und nach vollenderein Leben ihnen eben so beim König deS Himmels die ewige Glorie erflehen wolle. Der Papst versicherte serner beide seines Wohlwollens und verheißt ihnen in allen gerechten Gesuchen seine und deS heiligen apostolischen Stnhles wirksame Hülfe und Verwendung. — In derselben Zeit, wenige Tage nachher, erließ Gregor VII. gleichsalls an den mächtigen Polenkvnig BoleSlav I. ein Schreiben, in welchem er ihn auffordert, dem König der Russen mit aller Liebe zu begegnen nnd ihm die entrissenen Schätze zurück zu erstatten. Diese Einheit der russischen Kirche mir der lateinischen hat sich unter manchem Wechsel und Schicksal bis in'ö fünfzehnte Jahrhundert erhalten. Die Spuren von einem durchgreifenden Schisma zwischen beiden Kirchen sind selten und lassen sich nur in einzelnen Männern nachweisen. Russische Gelehrte und hochgestellte Männer, sowohl im Klerus als im Staate, haben alles Mögliche aufgeboten, um das Schisma ihrer Kirche fo viel wie möglich in die früheste Zeit hinauszusetzen. Doch die dafür 243 < vorgebrachten Beweismittel sind größtentheilS unterschoben, verfälscht und in späteren Zeiten, wo der Haß der griechischen Kirche gegen die lateinische leider anch auf die ssische übergegangen war, verfaßt. Vor dem Jahre 1118 läßt sich mit Sicherheit keine Spur von einer Trennung der russischen und römischen Kirche nachweisen. Um diese Zeit war Nieephör I. Metropolit von Rußland. Er richtete ein Sendschreiben an den Großfürsten Wladimir II. unter dem Titel: „Ueber die Lateiner und ihre Trennung von der morgcn- ländischen Kirche." Nicephor war ein gcborner Grieche, im Jahre 1106 vom Patriarchen von Konstantinopel zum Metropoliten von Rußland geweiht, und hatte hier jenen traurigen Haß gegen die römische Kirche eingesogen, den er später auch in die russische Kirche zu verpflanzen bemüht war. — Jedoch nahm der russische KleruS nicht allgemein Antheil an dem feindlichen Geiste deS abtrünnigen Metropoliten. Denn lateinische Priester wirkten und arbeiteten noch immer ungestört an der Seite russischer Priester. Verehrt doch heute noch die russische Kirche den frommen Mönch Anto- 'niuS, der Römer genannt, der von Lübeck auö nach Rußland gekommen war, das nach ihm benannte AntoniuSkloster ungefähr zwei Werstc von Nowgorod gründete und von dort auS mit den Seinigen unermüdlich für die Ausbreitung des Christenthums wirkte. Die russische Landeskirche und die rnthenisch - um'rte feiert das Andenken dieses großen Dieners Gottes am 6. August. AntoniuS starb 1147. Sein Kloster har den Stürmen von sieben vollen Jahrhunderten getrotzt und segensreich gewirkt bis auf unsere Tage. Wie man von Konstantinopel auS, angetricben von Haß und Leidenschaft gegen den Primat, immer auf die LoSreißung der russischen Kirche von der römischen hinarbeitete, so waren die Päpste unermüdlich thätig für die Erhaltung der Einheit, Sobald sich irgend ein Hoffnungsschimmer zeigte für die Aussöhnung und Wiedervereinigung mit Konstantinopel, suchte man auch Rußland znr Einheit zurückzuführen. — Als der große Papst Jnnocenz III. so glücklich war, den griechischen Kaiser Ale- riuö nnd den Patriarchen von Konstantinopel Johannes LomateruS im Jahre 1201 mit der römischen Kirche zu vereinen, schickte er auch seine Legaten nach Rußland, und lud die Prälaten dieses Landes in liebevollster Weise zur Aussöhnung uud Wiedervereinigung ein. In seinem Sendschreiben gedenkt der Papst der strengen Züchtigung uud Noth, welche über das griechische Kniserreich gekommen ist, mit folgenden Worten: „Und wer weiß, ob sie nicht wegen ihrer Rebellion nnd ihres Ungehorsams bestraft und zur Beute geworden, auf daß ihnen die Noth Verstand leihe, und sie jenen im Unglück erkannten, den sie im Glücke nicht kennen wollten. Deßhalb, theuerste Brüder und Söhne, schicken wir euch unsern geliebten Sohn, den Cardinal Wilhelm, einen gelehrten, tugendhasten, weisen und umsichtigen Mann, der wegen seiner großen Verdienste meine und meiner Brüder Achtung besitzt, auf daß er die Tochter zur Mutter und das Glied zum Körper zurückführe, uud der auch von mir alle Vollmacht erhalten, auszurotten und zu zerstören, anzubauen und zu pflanzen, was er nur immer in euren Gegenden gut befinden wird," Jetzt entwickelten auch die beiden neuen Orden, die Gott der Kirche durch den heil. Dominikus und Franciskus gegeben-- hatte, eine besondere Thätigkeit in Rußland. Vorzüglich wirkte der heil. Hyacinth Odrowaz, einer der ersten und würdigsten Jünger des heil. DominikuS und der größ e Wnnderthäter seines Jahrhunderts, unermüdlich für die Verbreitung der katholischen Kirche in Rußland. In Kiew fand er mit seinen drei Ordensbrüdern, Godin, Florian und Venedikt, die freundlichste Aufnahme, verweilte daselbst vier volle Jahre seit 1222 bis 1227 und gründete das schöne Kloster znr heil. Jnngsrau, dessen Leitung bei seiner Abreise Godin übernahm. Durch seine Worte und Wunder belebt, nahmen viele Priester zu Kiew, die natürlich alle der griechischen Kirche angehörten, das Kleid deS neuen und um die Kirche bald hochverdienten Dominikanerordens. — — Um diese Zeit waren auch vom heil. Stuhle mehrere FranciSkaner zu den Tartaren gesendet worden, um sie znm Christenthum«: zu bekehren. Sie nahmen ihren Weg über Masovien 244 und Volhynien. In Wladimir, der Residenzstadt, hatten sie mit dem Fürsten Daniel, den Bischöfen und Bojaren deö Reiches mehrere Unterredungen. Alle zeigten sich geneigt, den Papst als ihren Herrn und Vater anzuerkennen und die römische Kirche als ihre Mutter und Lehrmeister«!, Daniel ließ sofort seine Gesandten mit Briefen an den Papst abgehen, um die Vereinigung der russischen Kirche mit der römischen zu betreiben, »l>d Jnnocenz IV, sandte darauf mit den nöthigen Vollmachten den frommen und gelehrten Minoritcn Johann von Carpino nach Wladimir, Daniel und sein Bruder Wassilko vereinigten sich mit der katholischen Kirche. — Die FranciSkaner arbeiteten unermüdlich in den russischen Staaten, lehrten, katechi- sirten und tauften die Gläubigen, ohne auch nur den geringsten Widerstand seitens des russischen Landes-KleruS zu finden. Die mit großer Mühe zu Stande gebrachte Einheit suchten die beiden ränkevollen Metropoliten Pimen und Photias wieder zu zerstören. Pimen wnrde aber wegen seiner Schlechtigkeit auf einem Concil feierlich abgesetzt nnd ende«e im Jahre 1389 sein Leben im Gefängniß. Sein Nachfolger aber, Cyprian, war ein anfrichtiger Freund der römischen Kirche; zu seiner Zeit traten alle russischen Bischofsstühle Lithauens zur Union über — Bald jedoch drohte der Same des SchiSmaS, welchen Pimen unter den KlernS ausgestreut, den aber Cyprian gleich bei seinem Auskeimen erstickt hatte, neue Wurzel zu fassen. Zum Unglück für die russische Kirche bestieg wieder der herrschsüchtige Grieche, PhotiaS, durch die unerlaubtesten Mittel und ehrlosesten Handlungen den Mctropolitenstuhl. Er war cin schlauer, unternehmender, und mehr für weltliche als kirchliche Angelegenheiten besorgter Mann, und dabei ein geschworner Feind der römischen Kirche. Seine hohe Würde diente ihm nur dazu, um seinen Schatz durch die widerrechtlichsten Mittel zu fülle»; er erlaubte sich Erpressungen und Gewaltthätigkeiten aller Art gegen Klcruö und Volk, Als aber das Maaß der Bosheit voll war, wurde Photiaö auf einer Versammlung zu Kiew im Jahre 1414 wegen seines Hochmuthes und wegen der schmutzigsten Habsucht seiner Würde entsetzt. In dieser Zeit wurde auch der Metropolitenstuhl von Rußland in den von Kiew und Moskau getrennt; der erstere regierte die im Süden, der letztere die im Norden di'es>S Reiches gelegenen Bisthümer. Mehr aber als bei allen frühern Versuchen schien die Aussöhnung der griechischen und lateinischen Kirche durch die Bemühung des PapstcS Eugen IV, auf dem Concil zu Florenz im Jahre 1438 — 39 zn Stande zu kommen. — Der edle Patriarch Joseph zu Konstantiiiopel war von dem ansrichtigsten Wunsche der Vereinigung durchdrungen und suchte deßhalb zugleich die russische Kirche für die vollständige Aussöhnung zu gewinnen. Er ernannte daher, weil die Stühle zu Kiew und Moskau durch den Tnd deS Photias und Gerassim erledigt waren, den eben so gelehrten als frommen Jsidor, den er selbst zum Bischof geweiht hatte, zum Metropoliten von ganz Rußland, sowobl für Kiew, als Moskau. Jsidor begab sich im Frühjahr 1437 nach Moskau, wo ihn der Großfürst mit allen Auszeichnungen und Ehren auf daS liebevollste aufnahm. Im Einverstäiidm'ß mit dem Patriarchen von Konstantinvpel suchte er den Großfürsten zum Beitritt zur Union zn bewegen, und bat sich von ihm die Erlaubniß ans, dem allgemeinen Concil beizuwohnen, welches vom Papste in Ferrara zur endlichen Vollbringung dieses langersehnten Werkes gehalten werde, Jsidor verließ, da ihm der Großfürst, wenn auch ungern, die erbetene Erlaubn,') ertheilt hatte, am 8. September 1437 Moskau und langte in Begleitung eines glänzenden Gefolges von Geistlichen, Bojaren und andern Großen deö Reiches, über hundert an der Zahl, am 18. August 1433 in Ferrara an. Der griechische Kaiser und sein Sohn, der Thronerbe, der Patriarch von Konstantinvpel nnd die übrigen Metropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe und Archimandriten waren bereits mit einem glänzenden Gefolge von 753 Personen im Monat Februar und März dieses JahreS in Ferrara eingetroffen, und wurde vom Papste, dem deutschen Kaiser Albrecht von Oesterreich, den Cardinälen, Bischöfen und mehreren Fürsten des Abendlandes mit ungewöhnlicher Pracht 245 empfangen. Gleiche Ehrenbezeigungen erhielt auch Jsidor mit den Seinigen. — Wegen der Pest mußte das Concil von Ferrara nach Florenz verlegt werden; in Florenz wurden aber sofort die Sitzungen wieder eröffnet, die vom 26. Februar bis zum 26. Juni 1439 dauerten, an welchem Tage die Union beider Kirchen zu Stande kam. Um dieses glückliche Ereigniß durch eine große Feierlichkeit zu verewigen, wurde die Union erst am Tage der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus bekannt gemacht. Der Papst selbst hielt daS feierliche Hochamt und nachdem es geendet und die übliche» Gcbeie und Danksagungen für den glücklichen Ausgang des Concils verrichtet waren, läS der Cardinal Julius Cäsarini, Bischvs von Sabina, das Unionödecret in lalcinischer und Bessarion in griechischer Sprache vor. In heiliger Freude und Danlbarkeit verließen die versammelten Väter Florenz. Papst Eugen IV. hatte mit einer Großmuth, die keine Gränzen kannte, und sein Privatvermögm und die Schätze deö Staates überstieg, alle Auslagen gedeckt, die nur immer zu einem so langen Unterhalte einer so glänzenden und zahlreichen Versammlung nöthig waren, so zwar, daß er am Ende seine kostbare Jusul dem Herzog Cosimo verpfänden mußte. Der Kaiser und sein zahlreiches Gefolge war aus Kosten deS Papstes gekommen und kehrte wieder auf dessen Kosten zurück. — Jsidor von Kiew und Moskau, den gleichfalls der Papst für seine Bemühungen, da er auf dem Concil neben Bessarion die ausgezeichnetsten theologischen Kenntnisse entwickelt und den größten Eifer für die Union erwiesen, vielfältig ausgezeichnet und in einer Bulle vom 17. August 1439 zum päpstlichen Legaten g Istere für Lithauen, Livland und Rußland, und am 4. December desselben JahreS gemeinschaftlich mit Bessarion zur Cardinalwürde erhoben hatte, kehrte hocherfreut über die geschehene Vereinigung nach Nußland zurück. Wenn nun aber, ungeachtet aller Opfer, Mühe und Arbeit seitens der römischen Päpste, dennoch später das Schisma in der ärgerlichsten Weise sich erneuerte, so fällt die ganze Schuld dieser fnrchibaren Sünde allein auf Rußland zurück. — Der eifrige Papst Eugen IV., so wie seine Vorgänger und Nachfolger konnten der ganzen ge> trennten griechischen Kirche und ganz Rußland mit vollem Rechte die Worte deS Erlösers zurufen, die er weinend über Jerusalem sprach: „Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigst, die z» dir gesandt werden! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel! Und du hast nicht gewollt." Matth. 23, 37. Wer wüßte nicht, daß auch die hinzugefügte Drohung des Herrn: „Siehe, ener HauS soll euch wüstc gelassen werden" — an Rußland in Ersüllung gegangen? (Mimst. S.-Bl.) Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. (Fortsetzung.) II. Johannes widmet sich der Uebung der Barmherzigkeit. Als Johannes eines Tages vl'n seiner Einsiedelei in die Stadt ging, sah er zwei Bettler krank am Wege liegen. Der Anblick dieser in ihrem Elende von Allen Verlassenen durchschnitt ihm daS Herz, uud er fühlte sich mächtig angetrieben, aus allen Kräften ihnen beizustehen. Er suchte und fand für sie ein Obdach, uud trug sie auf seinen Schultern hin. Dann eilte er in die Stadt, um milde Gaben zu sammeln, und kehrte zurück, um seine Kranken mit aller Liebe und Sorgfalt zu pflegen. ES kamen bald noch andere, die derselben Hülfe bedürftig waren, und Johannes »ahm sich ihrer mit gleicher Theilnahme an. — Er fand in dieser Uebung der Barmherzigkeit, durch welche er denjenigen, der unsere Schwächen und Krankheiten auf sich nahm, nachahmen konnte, vielen Trost und eine heilige Freude. Aber auch die Ruhe, mit welcher er bis dahin in seiner Einsamkeit der Betrachtung himmlischer Dinge 246 und der Sorge für seine Seele obgelegen, schien ihm überaus kostbar. Er fürchtete, daß die Nähe der Menschen und der Verkehr mit ihnen, die mancherlei Sorgen und Beschäftigungen, denen er sich in einer solchen Lebensweise unterziehen mußle, der Reinheit seine Seele gefährlich werden und ihn des Umgangs mit Gott beraube» möchten. Indessen wußte er wohl, daß die Wege, auf welchen Gott seine Diener führt, verschieden sind; daß jene, die Er zur Thä'igkeit unter den Menschen beruft, durch seinen Beistand auch inmitten äußerer Beunruhigung den Frieden der Seele und den Geist deS GebeleS bewahre!, können: und daß diejenigen, welche Er in die Einsamkeit führt, auch in ihrer Abgeschiedenheit nicht aufhören, durch ihr Gebet-, ihre Buße unv alle gute» Werke den Nächsten znm Heile zu leben, Alles kommt »ur darauf an, daß wir in der Wahl deS WegeS, den wir gehen, durch den Geist Gottes geleitet werden. Daher war denn auch Johaimcs, seildem diese Zweifel seine Seele beunruhigten, auf nichts so sehr bedacht, als durch heißes Gebet und Ucbnnz frommer Werke sich Licht von ode» zu erwerben. Es warv ihm gegeben, und zwar auf solche Weise und in solchem Maaße, paß ihm kein Zweifel übrig blieb, er sey berufen, unter seinen Mitmenschen zur Linderung ihres mannigfaltigen Elenvs zu wirken, Statt sich also, wie er gesonnen gewesen war, noch tiefer in die Einsamkeit zu begebe», und, wo möglich, vor der Menschen Augen ganz zu verbergen, begab sich nun Johannes in die volkreiche Stadt Xerez ans der Gränze Andalusiens an der Meereöenge von Gibraltar gelegen. Als er derselben ansichtig wurde, fühlic er seine ganze Seele von tiefem Frieden und süßem Troste erfüllt; er wußte, daß Gott diese Stadt zum Schauplatz seiner Wirksamkeil bestimmt hatte, und zweifelte nicht, daß sein Wirken voll Mühe und Leide» seyn werde; aber im Gefühle jenes Friedens schien sein Kampf ihm schwer Ehe er jedoch seinem neue» Berufe gemäß thätig zu seyn t'egann, gestaltete Gott nochmals dem Versucher, sich ihm zu nähern. Johannes ward plötzlich von einer hefligen Traurigkeit und großem Wiverwillen an allem, was er unternehmen sollte, befallen; es kam ihm vor, als habe er den Weg verloren und irre weit von Gott in der Finsterniß umher- Nach langem Gebete cillc er in die Kirche der Franziskaner und eröffnete einem dieser Väter seinen ganzen Seelenzustand. Derselbe ermähnte ihn, an der Wahrheit deS Berufes, den er glaubte von Gott empfangen zu haben, nicht zu zweifeln, und ihm trotz der innern Pein, die bald vorübergehen werde, zu folgen. Jed.ch rieth er ihm, für jetzt statt der Kranken ver Gefangenen sich anzunehmen. Johannes war folgsam, und ohne Verzug begab er sich in das Gefängniß, um die Ausscher zu bitten, daß es ihm erlaubt sey, die Gefangenen zu besuchen nnd ihr Elend durch Gaben, die er für sie sammeln w-rde, zu mildern. ES ward ihm gestattet, und noch nicht lange hatte er unter diesen Unglück, liehen auf jene Weise gewirkt, als er auch schon das Vcrlrauen der Wärter sich in hohem Grade erworben hatte, daß er nun nicht mehr bloß nach Wohlgefallen ein- und ausgehen, sondern anch ii» Gefängnisse selber wohnen durfrc, damit er nämlich bei Tag und Nacht, sobald irgend ein Vorfall seine Hülfe fordere, in der Nähe sey. Wie war er nun bemüht, daS Tagwerk, das Gott ihm angewiesen, mit Eifer zu vollbringen! Zuerst trachtete er durch Liebe und Theilnahme sich das Zutrauen dieser Unglücklichen, die von der menschlichen Gesellschaft verstoßen, ihre Tage in finsterer Traurigkeit verleben, zu gewinne». Er brachte ihnen e>fc Erquickuugen und erwirkte nicht selten irgend eine Linderung ihres Looseö, So öffnete er sich den Weg zu ihrem Hcrzcu, und die Worte des Trostes und der Hoffnung, die er sprach, fanden Eingang. Er belehrte sie, in der Strafe, die übrr sie verhängt war, eine barmherzige Fügung GotlcS zu erkennen, der sie nämlicki in diesem Leben strase, um ihrer in der Ewigkeit zn schonen; er ermähnte sie, die Zeit, die Golt ihnen gegeben, in sich zu kehren, nicht unbenutzt zu lassen, unv durch die Demuth und Geduld, womit sie, lemer Fügung sich unterwerfenihr hartes Schicksal ertrügen, seiner Gnade sich wieder würdig zu machen, und so sich den Weg aus dem Kerker in den Himmel zu eröffne». Bei vielen verfehlten so liebevolle und vem Werken der Tugend begleitete Wvrte ihre Wirkung nicht; aber es gab auch manche verhärtete Seelen, die gegen alle Vorstel- 247 ZliNiVt ti^InlÄ^ ^ 6 no<' ^56 ci>il Il>im ^töit!» v^m c»t1^>s^Ilri lungen gleichgültig, durch den frommen Liebeseifer unseres Johannes nur dazu bewogen wurden, daß sie immer größere Unterstützung von ihm, nicht anders, als gebührte sie ihnen, mit Ungeduld nnd Frechheit begehrten. Sie lohnten dem gottesfürchtigen Jüngling seine Liebe mit Ausbrüchen roher Leidenschaft, und die sanfte Gelassenheit, die er diesen entgegensetzte, reizte sie, mit um so größeren Ungestüm über ihn herzufallen. Nicht selten wurde JolmnueS an dem Orte, wo ihn nur das Verlangen, wohlzuthun, festhielt, nicht nur beschimpft, sondern auch mit Fäusten geschlagen und mic Unralh beworsen. Aber weder der Undank dieser Verbrecher, noch die Beschwerden des Dienstes, den er übernommen, noch mich der widerliche Ansenthalt deS Ortes, den er znr Wohnung gewählt, besiegten seine Liebe. Ein Blick aus den Heiland, der von dem Volke, unter dem er wohlthuend umhergewandelt, gegeißelt und mit Dornen gekrönt, aus der Stadt geschleppt und an's Kreuz geschlagen wurde, genügte, die Ruhe seiner Seele zu bewahren, und sich deS kostbaren Schatzes, der in Mühsalen und Verdemüthigungen verborgen ist, zu erfreuen. Er lag aber anch mitten unter diesen seinen Arbeiten und trotz so vieler beunruhigender Vorfälle dem Gebete mit standhaftem Eifer ob, und war in demselben so gesammelt, daß ihm Stunden wie Augenblicke verflossen. Drei Jahre hatte Johannes auf solche Weise zugebracht, und eS scheint, daß sie die Probezeit waren, in der er für seinen eigentlichen Berns sollte vorbereitet werden. Sein Leben unter den Gefangenen war eine beständige Uebung der Demuth und Selbst- verläugnung, und in diesen Tugenden mußte er wohl begründet seyn, um ohne Gefahr die öffentliche Wirksamkeit, die ihm bestimmt war, beginnen zu können. Nach Ver- fluß jener drei Jahre wurde er durch ein himmlisches Gesicht aufgefordert, das Gefängniß zu verlassen und in das Krankenhaus zu gehen, um den Vorstehern desselben seine unentgeldlichen Dienste anzubieten. Johannes gehorchte; aber er hätte keinen unglücklicheren Zeilpunct für ein solches Vorhaben wählen können. Denn es war kurze Zeit vorher ein Mensch in Zcerez gewesen, der im Namen des heil. Johannes von Gott Gaben der Liebe zur Pflege armer Kranken sammelte. Er halte sich mit vieler Kunst den Schein großer Frömmigkeit gegeben, und der Name jeneö Heiligen, dessen Orden eben damals sich auszubreiten begann, war in Lerez, wie in ganz Spanien in hoher Verehrung. So flössen also jenem Fremden die milden Gaben reichlich zu. Nachdem er nun eine bedeutende Summe zusammengebracht, entfloh er mit derselben , die Krankn: der Stadt ohne Unterstützung lassend. Der Arm der Gerechtigkeit erreichte ihn jedoch, und er büßte seinen Frevel mit schimpflichem Tode. Ein solches Beispiel von Heuchelei erregte gegen Johannes Anerbieten Verdacht. Mit Schwierigkeit gestattete man ihm, die Kranken zu oedienen und für sie Unterstützungen zu sammeln, und mit großem Mißtrauen beobachtete man alle seine Schritte. Aber dcr Pöbel der Stadt halte keine Geduld, durch solche Beobachtung erst zu erforschen, ob sein Verdacht gegründet sey. Noch voll Erbitterung über jenen Heuchler brach er über Johannes ohne weiteres den Stab. Man schrie ihm auf dcr Straße nach und erklärte ihn desselben Verbrechens und derselben Strafe schuldig. Der Diener Gottes ließ sich indeß nicht irre machen. Er kannte ja bereits durch lange Erfahrung, wie kostbar die Schmach und Verfolgung ist, die man in der Nachfolge Christi findet; und da er in nächilichem Gebet hierüber noch größere Erleuchtung cmpfing, erglühte seine Seele vom Verlangen, mehr und immer mehr Unbilden um Christi willen zu erdulden. Es wurde ihm bald Gelegenheit dazu geboten. Ein Hanfe roher Menschen umzingelte ihn, man weiß nicht, ob auf besondere Veranlassung, oder nur wegen des erwähnten Verdachtes. Sie überschütteten ihn mit Verwünschungen und Schimpsreden, drangen dann auf ihn ein, und als ergrimmten sie über die ruhige Geduld, mit welcher der fromme Johannes sie ohne allen Widerstand gewähren ließ, schlugen sie ihm in's Angesicht, warfen ihn endlich zu Boden und stampften ihn voll Wuth und Verachtung mit Füßen. Ohne einen Laut der Klage und ohne ein Zeichen des Zornes ertrug er alleS. Indessen bewirkte eben der Verpacht, der auf ihn gefallen war, daß seine Tugend von dem besseren Theile der Einwohner der Stadt erkannt ward. Denn je sorg« 248 faltiger man ihn beobachtete, desto mehr mußte man sich bald von der Reinheit seiner Absichten und der Aechtheit seiner Frömmigkeit überzeugen. Schon hatte er sich also das Vertrauen vieler und angesehener Bürger erworben, und die Gaben, womit er seinen Kranken Erquickimg verschaffte, wurden ihm immer bereitwilliger gewährt. Da brach eine andere Verfolgung, die ihn viel schmerzlicher berührte, aus. Die in dem Krankenhause, worin er sich aufhielt, angestellten Wärter waren keineswegs von jenem Geiste uneigennütziger Liebe, der den frommen Johannes erfüllte, beseelt. Sie vernachlässigten ihren Dienst, behandelten die Kranken mit Härte, und verwendeten nicht immer mit Treue,, was zur Pflege derselben bestimmt und ihnen anvertraut war. Johannes machte ihnen zuweilen liebreiche Vorstellungen, aber viel mehr noch als seine Worte war sein Thun und Wirken unter den Kranken eine Strafpredigt, die sie nicht länger ertragen konnten. Sie beschlossen, sich seiner zu entledigen, und es gelang ihnen. Johannes erhielt eines TageS von den Vorstehern des SpitalS die unerwartete Weisung, daß ihm der Zutritt in die Krankenzimmer nicht serner könne gestattet werden. Tiefer als jede andere Kränkung mußte er diese Maaßregel empfinden. Sie sonderte ihn von seinen geliebten Kranken und schien ihn mit einemmale aller Mittel zu berauben, seinem Berufe zu leben. Aber eS war nicht so. Gott hatte diese Verfolgung mir zugelassen, um ihm einen viel größeren Wirkungskreis zu eröffnen. (Fortsetzung folgt.) Ein GlaubenSbekeuntniß am Sterbebette. Ein vornehmer Beamter, der in seinem Glauben und in seinen religiösen Ansichten eben so tief gesunken war, als er in seiner amtlichen Stellung hoch gestanden, machte fich'S znm angelegentlichsten Geschäfte, selbst auch in Gegenwart seiner häuslichen Umgebung über Glauben und Religion tüchtig loszuziehen und zu zeigen, daß er eine unbesiegbare Verachtung gegen alles das im Herzen trage, was Gott und Religion betrifft. Wunderbar genug: der allweise Gott hatte diesem Freigeiste eine wahrhaft brave Katholikin, ein Muster wahrer Tugend und Frömmigkeit, zur Gemahlin gegeben. Doch sie vermochte nichts gegen den Unglauben ihres ManneS. Da erkrankte auf einmal das einzige Kind, welches der Himmel diesem Ehepaare geschenkt, ein achtzehnjähriges Mädchen voll guter Eigenschaften. Mit sorgsamer Pflege hatte sie ja die edle Mutter sür Religion und Tugend herangebildet, allein auch die gottlosen Grundsätze des irreligiösen Vaters hatten im jugendlichen Herzen hin und wieder Anklang gefunden, und wären vielleicht unter dem schlimmen Einflüsse der argen Welt alsbald über die besseren Gesinnungen, die ihr die liebende Mutter eingepflanzt hatte, Herr geworden, wenn nicht der himmlische Gärtner sich frühzeitig um diese zarte Blume umgesehen hätte. Mit jedem Tage drohte die Krankheit des Kindes gefährlicher zu werden, und schon schien kein Mittel zur Rettung mehr vorhanden: da saß denn eines TageS der besorgte Vater mit nassen Augen am Krankenbette des theuren Mädchens und pflegte seiner mit väterlicher Theilnahme und troa> nete eben den Angstschweiß von der bleichen, kalten Stirne der geliebten Tochter, — als sich daS gute Kind aufrichtete, dem Vater starr in'S Auge blickte und ernsten ToneS zu ihm sprach: „Vater, ich fürchte — daß mein Ende naht; — ich muß Dich jetzt noch um Etwas fragen. — Sag' mir einmal — was muß ich nun glauben — das, was Du mich gelehrt oder was meine Mutter mich zu glauben lehrte?" — Wie ein Blitzstrahl fuhrS durch die Seele deS überraschten Vaters, er senkte seinen Blick und sprach: „Kind! glaube fortan nur, was deine fromme Mutter dich gelehrt hat." Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er.