Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt nsDÄ /i^l m.^-^ ' zur'- ^ -in, .,l n^-u.^ -- --^ Allgsbnrger Postzeitung. iülir ,NÄN» '?i!i«>^ ^>!^> , ituil/n! tIIU^ AMi S! s. (Zweiter Artikel.) Die großen Bemühungen des Papstes Eugen IV., die lateinische und griechische Kirche wieder zu vereinigen, scheiterten zunächst an dem Haß und der Halsstarrigkeit der russischen Großfürsten, die nicht selten in ihrem verwerflichen Bestreben von feilen und charakterlosen Metropoliten unterstützt wurden. Alle Mühen des frommen Jsidor, die Beschlüsse des allgemeinen Concils von Florenz, an deren Abfassung er so treu mitgearbeitet hatte, zur Ausführung zn bringen, waren vergebens, obschon er gleich nach dem Schlüsse dieses Concils das Werk der Wiedervereinigung mit Muth und Festigkeit in Angriff nahm. Schon auf dem Rückwege, von Ofen aus, sandte Jsidor seine Hirtenbriefe nach Rußland, namentlich aber an die Bischöfe der südlichen Metropolen, in welchen er ihnen die eben^ zn Florenz erfolgte Vereinigung beider Kirchen anzeigt, sie znr Annahme des Unionödecreteö ausfordert, und zugleich die lateinischen Bischöfe von Polen, Litthauen und Livland ermuntert, die Griechen nun in aller Wahrheit als ihre Brüder zu lieben und mit ihnen in Sachen des Glaubens und Gottesdienstes ohne Unterschied deS kirchlichen Ritus innige Gemeinschaft zu unierhalten. Noch vor dem Ablauf beö Jahres 1439 langte Jsidor zu Kiew an, und ward unter allgemeinem Jubel des Volkes, des Klerus und der Herrscher von Polen und Litthauen empfangen. Die Union fand hier in Kiew keinen Widerstand; alle nahmen sie freudig au. — Ganz anders aber stand eS in Moskau, wo Jsidor im Frühling des folgenden Jahres anlangte, und da der Ruf der erfolgten Union ihm vorangeeilt war, mit großer Gespanntheit erwartet wurde. Doch muthigen Geistes, ohne sich durch die bevorstehenden Gefahren abschrecken zu lassen, begab er sich gleich bei seiner Ankunft unter Vvrtragnng des lateinischen Krenzes und dreier silbernen Bischofsstäbe in die Kirche zur heil. Jungfrau im Kremel, wo ihn die Geistlichkeit, die Bojaren, Fürsten und ein zahlreiches Volk empfingen. Kaum hatte Jsidor den Gottesdienst geendet, so bestieg in seinem Auftrag ein Diakon die Kanzel und verkündete den Anwesenden das florentinische Unionsdecret. Alle schüttelten hierbei die Köpfe und gingen bestürzt nach Hause. Nun überreichte Jsidor dem Großfürsten ein eigenhändiges Schreiben des Papstes, welches in den liebevollsten Worten abgefaßt war. Der Papst ersuchte in diesem Schreiben den Großfürsteil zur Annahme d-r Union und bat ihn zugleich, den Metropoliten in, Liebe aufzunehmen und ihn im rnhigcn und friedlichen Besitze seiner Rechte zu lassen. Doch der Großfürst war der Union durchaus abgeneigt; er wollte von ihr nichts wissen, wie sehr und beredt ihm auch der Nutzen derselben für Rußland von Jsidor dargestellt wurde. Er ließ vielmehr nach wenigen Tagen den eifrigen Jsidor ergreifen, ihn aus seiner Wohnung holen und in ein Klostergefängniß abführen. In diesem Gefängniß schmachtete er zwei Jahre, bis er endlich im September 1443 heimlich durch die Flucht entkam und nach Rom eilte. Hier wirkte er mit seinem frühern Eifer für die Aufrechthaltung der Union der Kirche / 2S8 seines Vaterlandes und starb als erwählter Patriarch von Konftantinopel in Rom am 27. April 1463, wegen seiner großen Kenntnisse und hohen Verdienste allgemein betrauert. In JsidorS Stelle trat dessen treuer Gefährte, der fromme und friedfertige Gregor. Eugen IV. ertheilte ihm im't eigenen Händen in Rom die heil. Weihen im Jahre 1444. Aber alle Bemühungen, den Großfürsten von Rußland zur Anerkennung dieses Metropoliten zu bewegen, scheiterten gänzlich. Er befahl vielmehr den russischen Bischöfen, sofort zur Wahl eines neuen Metropoliten zu schreiten. Es wurde JonaS, Erzbischof von Räsan, ein bitterer und erklärter Feind der Union, zum Metropoliten gewählt. Er war eifrig bemüht, die russische Kirche immer mehr unter die Knechtschaft der Großfürsten zu bringen. Ein Nachfolger deS Jonas, der Metropolit Philipp von Moskau, erließ gegen die Gläubigen von Nowgorod, die mit ihrem Erzbischof zur Union übertreten wollten, einen Hirtenbrief, worin er ihnen mit allen Strafen der Holle droht, falls sie die gottlose That der Aussöhnung begehen würden. Sehr bald aber mußte die russische Kirche, da sie die Vaterhand des römischen Papstes von sich gewiesen, daS eiserne Scepter des Großfürsten führen. Iwan IV. war ein furchtbarer Tyrann, so daß er sich den Namen des Schrecklichen erworben. Im Staate wie in der Kirche kannte er kein anderes Gesetz als seine Laune, und kühlte sich überall, wo ihm nur Widerstand geschah, am unschuldigen Blute. Kein Herrscher vor ihm hat mit einer so gottlosen Frechheit, wie er, im Heiligthum gewü- thet, und die Zügel der Kirche an sich gerissen. Weder Tugend noch Verdienst, noch die Würde der Oberhirten der Kirche war ihm heilig. Grausam wüthete er gegen den Metropoliten Philipp II., der ihm sein Lasterleben vorgehalten hatte. Obschon ein achtzigjähriger Greis, wurde er dennoch aus einem Schubkarren in ein Klostergefängniß geschleift, wo ihn Iwan mit Keulen hätte todtschlagcn lassen, wenn ihn nicht das Jammergeschrei des Volkes abgehalten hätte. Acht Tage schmachtete der Metropolit, der sich in seinem Elend würdig und edel bezeugte, im Gefängniß und rang hier, auch des Nöthigsten beraubt, mit dem Tode. Um ihn seine Rache noch mehr sühlen zu lassen, wüthete der Czar mit gleicher Grausamkeit gegen seine Verwandten und schickte ihm daö noch triefende Haupt seines edlen Neffen, das so eben unter dem Beile deö Henkers gefallen war. Philipp segnete es und schickte eS ihm gelassen zurück. Endlich ließ Iwan den Greis auf das grausamste im Gefängniß erdrosseln. — Auch der gewandte Pimen, Erzbischof von Nowgorod, der lange Zeit Iwans Freundschaft genossen, entging dem Tode nicht. — Auch der Nachfolger PimenS, der Erzbischof Leo nidaS, ein feiger Lvbredner der Leidenschaften des Großfürsten, wurde, weil er dem Wüstling die von der griechischen Kirche verbotene vierte Ehe nicht erlauben wollte, in eine Bärenhaut genäht und lebendig von Hunden zerrissen. — Der KleruS sank sehr tief unter diesem Despoten. Iwan raubte den Bischöfen alle Rechte und Privilegien, und ließ ihnen nur das von ihrer Würde unzertrennliche OrdinationSrccht, um die Kirche mit den nöthigen Dienern. versehen zu können. Er selbst rief die Concilien zusammen und war hier Vorsitzer und Richter in geistlichen wie in weltlichen Angelegenheiten der Kirche. Die Bischöfe mußten seine Verordnungen als Gesetze GotleS annehmen. Sie hatten nicht einmal die Freiheit, das sittliche Richteramt bei ihrem Klerus ausüben zu können. Durch einen Ukas vom 12. April 1552 errichtete er ein hohes polizeiliches Tribunal, dem zwei Laien vorgesetzt wurden, das über die Sittlichkeit deS gesammten KleruS, der Priester und Mönche, wachen sollte. Seine beiden Günstlinge waren die ersten Vorsitzer dieses Sittengerichtshofes. — Iwan war seinem Glauben nach, wenn man sonst bei ihm von Glauben sprechen kann, ein trauriges Gemisch von Griechenthum, LutheraniSmuS und Heidenthum. Gegen daS Jahr 1565 zeigte er sich sehr geneigt, die AugSburgische Consession, die ihm sein Liebling, der lutherische Liesländer Eberfeld, einzuschmeicheln suchte, anzunehmen. Seit dieser Zeit haben die Protestanten eine Kirche in Moskau. Den Metropoliten AthanasiuS bestrafte Iwan mit einer Geldbuße von 60,000 Rubeln, einer für diese Zeit unerhörten Summe, weil er sich der Einführung deS Protestantismus widersetzte. — Iwans Sohn und Nachfolger, der Großfürst Feodor I. Iwanowicz (1584—1589) herrschte nur dem Scheine nach; die Zügel des Reiches 259 « führte sein Günstling, der allgewaltige Fürst Boris Gudonow, dessen Schwester der junge Czar zur Gemahlin hatte. Gudonow trat in die Fußstapfen deS verstorbenen Iwan, und regierte gleich ihm mit zügelloser Willkür und Grausamkeit Kirche und Staat, Er stürzte und verbannte die Bischöfe nach Belieben und erhob endlich den kriechenden und gewissenlosen Schmeichler Hiob auf den Metropolitenstuhl, und erkaufte ihm, um sich diesen desto mehr zu befreunden, und mit seiner Hülfe Klerus, Adel und Volk unter dem schwachen Czaren vollends unter die Füße treten zu können, von dem Patriarchen von Konstantinopel die Patriarchenwürde. Seit CerulariuS waren fast alle Patriarchen von Konstantinopel mit wenigen Ausnahmen verworfene Männer. Als Konstantinopel vollends in die Hände der Türken gerieth, schwand auch jede Spur priesterlicher Würde in den Oberhirten der griechischen Kirche. Sie schwangen sich von nun an nur durch Nerruchtheiten und durch die Macht des Harems auf den Patriarchenstuhl, und konnten sich auch nur durch eine fortlaufende Kette von Schandthaten auf ihm erhalten. Nicht der heilige Geist, sondern die größere und kleinere Summe Geldes, welche der jedesmalige Bewerber an junge Sultaninnen, namentlich waren solche vom Glauben abgefallene Griechinnen, verschwendete, verfügte jetzt über den ersten Stuhl der griechischen Kirche. Außerdem mußte jeoer Patriarch bei dem Antritte seiner Regierung die Hand dem Sultan küssen, ihn, den Muhamedaner, um die Bestätigung seiner Würde ersuchen und dafür einen ansehnlichen Tribut in Gold, PeScesion genannt, entrichten. — So tief sank der Patriarcheustuhl der griechischen Kirche nach seiner Trennung von Rom. Jetzt bekleidete diese Würde der berüchtigte Jeremias II. Mit ihm stritten seit dem Jahre 1572 der gcmeine und vertriebene Metrophonos III., sein Vorgänger, und die verworfenen Pachomius und Theolept um den Patriarchenstuhl; alle vier stürzten und erhoben sich gegenseitig durch den Einfluß des Harems in ihrer hohen Würde. Mit MetrovhonoS Tode im Jahre 1530 schienen ruhigere Zeilen für Jeremias eintreten zu wollen, als plötzlich der Laie Theolept, Schwestersohn des MetrophonoS, der ihn kurz vor seinem Tode ohne jede Beobachtung der kirchlichen Jnterstiticn in drei aufeinander folgenden Tagen zum Diakon« Priester und Metropoliten von Philippopoli gemacht hatte, sich gegen ihn erhob, und ihn beim Sultan des Majestätsverbrechens und anderer Missethaten beklagte. Jeremias ward entsetzt und in's Gefängniß geworfen, woraus er jedoch wieder befreit wurde. Der Sultan ließ nun den verruchten Mönch Pachomius auf den Patriarchenstuhl erheben. Jeremias mußte abermals seine Würde niederlegen. Nachdem aber Theolept auch den Pachomius gestürzt, brachte er es so weit, daß er vom Sultan für ungeheure Geldsummen zum Patriarchen ernannt wurde. So hatte der Stuhl von Konstantinopel drei Häupter, Jeremias, Pachomius und Theolept, von denen jeder mit Hülse griechischer Eunuchen des Harems seine Rechte geltend zu machen suchte. Endlich erschlich sich Jeremias den Alleinbesitz dieses Stuhles, indem er dem Pachomius und Theolept eine jährliche Pension von 50V Dukaten in Gold bezahlte. (Schluß folgt.) Leben des ehrwürdigen Johannes Grande. (Fortsetzung.) IV. Johannes' Thätigkeit und hohe Vereinigung mit Gott. So zahlreich und mannigfaltig auch die Geschäfte seyn mochten, denen Johannes sich unterziehen mußte, und so viel sie ihn auch nöthigten, in und außer den Spitälern mit Menschen aus allen Sränden zu verkehren, so vermochten sie eS doch nicht, ihn mit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilen ihn im Umgange mit Gott zu stören oder seinen Eifer in den Uebungen der Frömmigkeit auch nur zu mindern. Er hatte alle diese Arbeiten nur für Gott unternommen, und daher kehrte er von ihnen ohne Schwierigkeit zur Unterhaltung mit Gott zurück, 260 oder verlor ihn vielmehr während derselben nie aus den Augen. Er setzte seine strengen Bußwerke sort und brachte, wenn gleich von den Anstrengungen deS TageS ermattet, mehrere Stunden und zuweilen die ganze Nacht im Gebete zu. Durch die standhafte Abtödiung aller Leidenschaften und diesen fortwährenden Umgang mit Gott gelangte er zu einer solchen Leichtigkeit, sei i ganzes Herz zu ihm zu erheben, daß er nur das Gebet zu beginnen brauchte, um auch sogleich in den Gegenstand seiner Liebe ganz versenkt zu werden. Zwar war ihm Gott überall gegenwärtig, und an jedem Orte sah man ihn mit dieser tiefsten Versammlung beten; aber so oft es ihm möglich war, verrichtete er sein Gebci vor dem hochwürdigen Gute, und seine Ändacht zu dem in diesem Geheimnisse unS stets nahen Erlöser war so groß, daß er nur mit Mühe sich von ihm entfernen konnte, oftmals auch von seinen Brüdern wie aus tiefem Schlummer geweckt, ja mit sanfter Gewalt fortgebracht werden mußte. Aber wenn seine äußeren Beschäftigungen für ihn kein Hinderniß des Umganges mit Gott waren, so war auch hinwiederum die Andacht kein Hinderniß seines Wirkens für den Nächsten. Wie wir oben die höchste Reinheit deS Lebens mit der größten Strenge der Buße in ihm vereinigt sahen, so finden wir nuu auch in ihm alle Gaben, ja alle Wunder des beschaulichen Lebens mit der rastlosesten Thätigkeit verbunden. Vom Gebete eilte Johannes an die Betten der Kranken, in die Hütten der Armen, in die Paläste der Reichen: nicht selten geschah es, daß er während des Gebetes erkannte, wo seine Hülse nöthig sey. So vernahm er einst, vor dem Hochwiirdigen kniend, den Befehl, in das Krankenzimmer zu eileu, weil seine Kinder — denn so nannte er die Kranken — seiner bedürften. Er eilte hin und fand einen Kranken ohne Besinnung und in der heftigsten Aufregung. Johannes bezeichnete ihn mit dem heil. Krenzzeichen, und alsbald war der Leidende nicht nur rnhig, sondern auch geheilt. Ein anderer aber lag in den Todesängsten, auf das heftigste zur Lerzweifluuz versucht. Wenige Worte, die der Diener Gottes zu ihm redete, führten die Ruhe in sein Gemüth zurück, und er starb mit großer Zuversicht, bei Gott Barmherzigkeit zu finden. — ES ist nun wohl nicht nöthig, den Er er der Liebe, mit welchem Johannes sich überhaupt .dem Dienste der Kranken hingab, z» beschreiben, wie er von Bett zu Bett eille, um zu sehen, wessen sie bedürften, wie er sie speiste, wie er diesem die Wunden verband, jenem die Arznei eingab, ihre Betten machte und die niedrigsten Dienste ihnen leistete. Aber nicht ohne Erstaunen kann man vernehmen, wie viele andere Werke der Barmherzigkeit er noch zu verrichten im Stande war. Die Armen der Stadt kamen schaarenweise in'ö Spital, und sie wurden gespeist, oft auch gekleidet. Eine Menge Hau?armen erhielten von Johannes die Unterstützung, welche die Scham sie abhielt zu begehre». Jungfrauen, deren Sitten in Gefahr waren, Sünderinnen, die sich bekehren wollten, Kinder, die ohne Obdach umherirrten, wurden von ihm nicht nur im Augenblicke höchster Noth unterstützt, sondern auch für immer versorgt. — Einst landeten in Lerez gegen dreihuudert spanische Soldaten, welche von Cadir, nachdem die Engländer die Insel mit Sturm genommen hatten, geflüchtet waren und in dem Hasen von Terez von Allem entblößt, ermattet und zum Theil krauk und verwundet einliefen. Johannes nahm sie alle auf, und fand Mittel, sie alle zu verpflegen. — Aber auch die ganze Bevölkerung der Stadt uud Umgegeud sollte in ihm einen rettenden Engel in höchster Noth finden. Es war im Jahre 1579 auf eine große Überschwemmung eine allgemeine Theurnng erfolgt. Seit man sie vorhergesehen, hatte Johannes eine große Menge Getreides zusammengebracht, und sämmtliche Arme der Stadt in drei Classen, Männer, Weiber, Kinder, theilend, ließ er ihnen täglich nicht nur Brod, sondern auch andere LebenSmittel reichen. Er setzte diese Spende, — nicht ohne einen göttlichen Beistand, der vielen wunderbar schien, — mehrere Monate sort, und rettete auf diese Weise die volkreiche Stadt von dem vielfachen Elende, das mit einer Hungerönoth pflegt verbunden zu seyu. — Jmnur mehr also verbreitete sich durch ganz Andalusien der Ruf Johannes' dcv Sünders, und man nannte ihn einen zweiten Johannes von Gott. Aber wie dieser sein Vater, also war auch er noch weit mehr um das Heil der Seele, als um das leibliche Wohl seines Nächsten besorgt, und obschon er eS als seinen eigentlichen Berns ansah, den Seelen dadurch nützlich zu seyn, daß er daS Elend des Leibes milderte; so unterließ er doch nichts, wodurch er auch unmittelbar zur Belehrung und Besserung seiner Mitmenschen beitragen konnte. Kaum war ein Kranker im Spital angekommen und hatte die erste Pflege empfangen, so war auch Johannes an seiner Seite, um ihn mit liebevollen Worten zum Empfang der heiligen Sacramente vorzubereiten. Er pflegte bei dieser Gelegenheit zu sagen, — was die Erfahrung in alleu Anstalten dieser Art bewährt, — erst dann würden die Arzneien aus den Körper heilsam einwirken, wann zuvor die Seele vom ln'mmlischen Arzte geheilt und mit Gott durch die Gnade des Erlösers versöhnt wäre. Geschah eS nun, daß ein Kranker so heilsamen Ermahnungen widerstrebte, so war der fromme Johannes weil entfernt, es bei diesem ersten Zureden bewenden zu lassen. Gott hatte ihm eine natürliche Gabe, an das Herz zu reden, verliehen, und die Fülle der Gnade, die in ihm wohnte, verlieh überdieß seinen Worten eine höhere Weihe. Wenn nun irgend eine verhärtete Seele auch dieser Beredsamkeit widerstand, so nahm Johannes seine Zuflncht zum Gebete und zur Buße. Die Augen deS Geistes auf den Gekreuzigten richtend, opferte er nach dem Beispiele desselben mit seineu Thränen seine Schmerzen und oft auch sein Blnt für das Heil der Sünder auf. Einst kehrte er nach solchem von Bußwerken begleiteten Gebet zu einem Kranken zurück, der hartnäckig alle Ermahnungen zur Bekehrung von sich gewiesen hatte. Jetzt zeigte sich derselbe sofort bereit, in den heil. Sacramentcn Versöhnung mit Gott zu suchen, legle mit sichtbaren Zeichen tiefer Reue während mehrerer Stunden seine Beichte ab, und verschied eine Stunde nachher mit solcher Seelenruhe und freudiger Hoffnung, daß die Umstehenden Thränen der Andacht vergossen. — Aehnliche Vorfälle wiederholten sich oft. Daher konnte des Johannes' Spital als ein Schauplatz der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet werden, wo immer von neuem so viele Unglückliche Rettung für Leib und Seele fanden. Aber eben so wenig al4 seine Milvthäiigkcil beschränkte sich dieser sein Seelen- eiser ans das Krankenhaus. Mit großer Sorgsalt nahm er sich der armen und ver- nachläßigten Kinder an. Er sammelte sie um sich her, um ihnen zugleich mit dem Brode des Leibes auch das der Seele zu spenden, und die er nicht selber unterweisen konnte, führte er andern, die ihm in diesem Werke der Liebe beistanden, zu. — Oftmals hatten es schamlose Weiber versucht, den Diener GotteS bald durch List und Schmeichelei, bald auch mit frecher Gewalt zur Süude zu reizen. Aber niemals war ihnen ihr verbrecherisches Vorhaben gelungen. Dahingegen gefiel es Gott, der ihn in svlchen Gefahren beschützte, öfters auch denselben auf wunderbare Weise entriß, seinem Diener gerade zur Bekehrung dieser Unglückseligen eine besondere Gabe zu verleihen. Er war beredter, sie zur Buße, als sie, ihn zur Sünde zu bewegen. Nach einer höchst sonderbaren Sitte pflegten sich an gewissen Tagen deS JahreS viele dieser Sünderinnen in einer bestimmten Kirche bei der Predigt einzufinden. Ihr verblendeter und vom Laster verhärteter Sinn öffnete sich selten dem Lichte der Gnade, so sehr auch der Prediger bemüht seyn mochte, auf diesen Theil seiner Zuhörer einen besonderen Eindruck zu machen. Da sah man nun aber nach der Predigt den ehrwürdigen Johannes sich den Elenden nähern, und er redete ihnen mit solcher Kraft vom ewigen Heile, das sie verscherzten, und von der Barmherzigkeit GotteS, der sie zur Buße einlade, daß er fast jedesmal eine bedeutende Anzahl zur Aenderung ihres Lebens bewog. — Er hatte auch die Veranstaltung getroffen, daß an jedem Freitag der Fasten im Vorhofe des Spitals eine Predigt gehalten wurde, zunächst zwar für die Armen, die dort zusammenkamen, dann aber auch für alle, die sich dabei einfinden wollten. Bei solcher Gelegenheit nun unterstützte Johannes die Worte des Predigers mit dem Beispiele der Buße. Im Bußklcid und das Haupt mit Asche bestreut, erschien er vor der versammelten Menge, in der Linken das Crucifix, in der Rechten das Bußwerkzeug, womit er sich vor ihren Augen peinigte, emporhaltend, und mit erschüttertem Tone zur Umkehr vom Wege des Lasters, zur Reue und Zerknirschung aufsordernd. Einst waren viele dem Laster ergebene Weiber, wohl nur aus Neugier, bei der Predigt zugegen; acht derselben entschlossen sich zur Buße, beharrten in derselben, und wurden von Johannes für ihr ganzes Leben versorgt. — Wohl mögen manche S6S der Mittel, welche der Diener Gottes anwendete, in unserer Zeit nicht gebilligt werden; aber die Wirkungen, die er durch sie hervorbrachte, werden wir doch nicht aufhören hochzuschätzen: obgleich ein Blick aus den Sohn Gottes, der vor den Augen des ganzen Volkes für unsere Sünden wollte gegeißelt werden, unS auch über die Bedeutung und den Werth der äußern Buße belehren sollte. Ueber alle diese Werke hatte Johannes die Gefangenen, unter denen er die Uebung der Barmherzigkeit begonnen hatte, nicht vergessen. Er besuchte sie, milderte ihr hartes Loos durch Erquickungen und Worte deS Trostes; aber mit besonderer Sorgfalt war er bemüht, jene, die zum Tode verurtheilt waren, auf den Uebergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Seine Bemühungen hatten fast immer den besten Erfolg. Jene Unglücklichen nahmen, von ihm belehrt, den zeitlichen Tod im Geiste der Buße an, um dem ewigen zu entfliehen. Johannes begleitete sie bis zur Richtstätte, und nahm zugleich mit dem Priester, der ihnen beistand, ihre letzten Seufzer auf. Wenn Gott das Wohlgefallen, welches er an dem Wirken seines Dieners hatte, schon durch den Segen, den er so reichlich über dasselbe auSgoß, offenbarte, so wollte er überdieß auch durch außerordentlichen Beistand, womit er ihn unterstützte, seinen Muih aufrecht halten. Ohne einen solchen Beistand wäre es auch durchaus unbegreiflich, nicht nur wie Johannes so viele Arbeiten hätte übernehmen und so viele Geschäfte mit Pünktlichkeit besorgen, sondern auch und mehr noch, wie er für die Werke der Liebe, die er übte, hinreichende Mittel hätte finden können. Oftmals ermunterte ihn Gott auch ausdrücklich, auf ihn stets zu vertrauen, und sich nicht zu scheuen, sein HanS mit Kranken zu füllen, wenn sie gleich die Zahl derer, die er aus den Einkünften des Spitals verpflegen konnte, weit überstiegen. Balo nach Eröffnung desselben, als die Einkünfte noch nicht so reichlich waren, fand sich Johannes einst wegen der Menge der Kranken, die er aufgenommen hatte, in der größten Noth. Er flehte in der Nacht zu Gott, uud wurde durch einige Worte göttlicher Hulv gestärkt. Am Morgen erschien ein Edelmann mit einer Menge Getreide, Oel und Arzneien, und versprach, dem Spirale jedes Jahr diese Unterstützung zukommen zu lassen. — Am Weihnachtstage pflegte Johannes eine größere Spende von Brod und Fleisch an die Armen der Stadt anzuordnen. Nun geschah es eines Jahres, daß von dem Vor- ralh nur noch so viel übrig war, als er für einige Hausarme bei Seite zu legen besohlen hatte. Aber es kamen noch andere Arme und baten um ihren Theil. Man versicherte sie, daß bereits alles verschenkt sey; aber sie ließen nicht nach, sie flehten, sie weinten, sie murrten. Johannes ging selbst zu ihnen hinaus, um sie zu beruhigen. Vergebens: sie drängten sich um ihn her und begehrten mit immer größerer Zudringlichkeit, daß er auch ihnen geben lasse. Da erhob der fromme Mann seine Augen znM Himmel und flehte zuin Vater aller Armen aus dem tiefsten Grunde seines Herzens. Plötzlich wandte er sich dann mit heiterem Antlitze zu seinen Ordensbrüdern und befahl, von dem noch vorhandenen Vorrathe zu spenden, so lange er dauere. Man gab allen, die dort waren, und allen, die noch kamen, und gab ihnen reichlich, und der Borrath verminderte sich nicht. — Viel ähnliche Ereignisse, in welchen Gott mit feiiter Allmacht den Liebeöeiser seines Dieners unterstützte, werden in den Acten deS Prozesses der Seligsprechung berichtet. In denselben find auch viele andere wunderbare Erscheinungen, welche seine hohe Begnadigung kunvthaten, aufgezeichnet. Wie wir schon erwähnten, waren ihm in seinem thätigen Leben die höchsten Gaben deS beschaulichen Lebens verliehen. Obgleich nun Johannes sehr bemüht war, was immer Außerordentliches die Gnade in ihm wirkte, vor den Augen der Menschen zu verbergen, so wollte doch Gott, dem eS gefällt, die Demüthigen zu erhöhen, nicht, daß ihm dies immer gelinge. Er suchte ihn uiit jenen besondern Gnaden nicht selten in Gegenwart vieler Zeugen, zuweilen auch vor dem ganzen Volke heim. Johannes wurde oftmals im Gebete zu einer höheren Anschauung der himmlischen Dinge erhoben, durch diese entzückende Erkenntniß den Sinnen entrückt, und in solchem Zustande verweilte er mitunter mehrere Stunden. Wenn er aber deßhalb denen, welchen seine Tugend und die Wirkungen der göttlichen Gnade bekannt waren, ein Gegenstand frommer Verehrung wurde, so ließ eS doch 2K3 Gott auch öfters zu, daß diese höchste« Gnadenerweifungen mit der empfindlichsten Verdemüthigung von Seite der Menschen verbunden waren. Es gab sich in jenem Zustande die mächtige Bewegung seines Herzeus durch verschiedene Wirkungen in seinem Leibe kund, oder wenn er nicht nur den Gebrauch der Sinne, sondern auch jede Bewegung verloren hatte, schien er in einer Art von Betäubung zu liegen. Da geschah eö nun, daß unwissende oder für alles Göttliche gefühllose Menschen ihn, sobald er zu sich kam, mit Schimpfreden überschütteten. Sie schalten ihn, wie die Juden die Apostel, als der Geist Gottes über sie gekommen war, einen Trunkenbold, oder auch einen Heuchler, Schwärmer, einen Narren, wenn nicht gar einen Besessenen. Er störe die Andacht der Gläubigen und den Gottesdienst, sey den Schwachen zum Anstoß und Allen ein Aergerniß. — Mit gesenkten Augen nahm der demüthige Johannes diese Vorwürfe und Scheltworte, nicht anders, als gebührten sie ihm, hin, und eS war sehr rührend, den von Gott so hoch Begnadigten in demselben Augenblicke, da er auS der entzückenden Beschauung und dem Verkehre mit Gott in diese Sinnenwelt zurückkehrte, die Umstehenden, auch wenn sie ihn nicht auf jene Weise schalten, mit Beschämung bitten zu hören, daß sie ihm die Störung, die er durch sein unziemliches Betragen verursacht, verzeihen möchten. Indessen übernahm zuweilen auch Gott selbst die Vertheidigung seines Dieners. Denn mehr als einmal geschah eS vor den Augen derer, die ihn verspotteten, daß, während seine Seele durch göttliche Kraft emporgetragen und der sichtbaren Welt entrückt wurde, auch sein Leib sich erhob, und Johannes in kniender Stellung über der 6roe schwebte, von himmlischem Glänze umflosscn. — Eine Dame von hohem Stande, welche die Wohlthäu'gkeit des Dieners GotteS mit reichen Almosen zu unterstützen pflegie, hatte in wenigen Tagen mehrere ihrer Kinder verloren. Sie zog sich aus der Stadt auf ein nahe gelegenes Landhaus zurück, und ließ Johannes bitten, sie in Begleitung eines andern Ordensmannes, deS PalerS Figueroa, der ebenfalls im Rufe großer Tugend und hoher Begnadigung stand, zu besuchen. BIS nun die beiden frommen Männer unter heiligen Gesprächen sich dem Dorfe, in welchem daS Landhaus der Dame gelegen war, genähert hatten, ließen sie sich, um etwas auszuruhen^, bei einer Quelle, nieder. Sie setzten ihre Unterredung fort, und die Quelle, welche nnter ihren Füßm in einem klaren Bache dahinfloß, war ihnen ein Anlaß, von dem Strome der Wonne zu sprechen, womit Gott im Lande deS Friedens seine AuSerwählten tränkt. (Ps. 35, 9.). Da ruhten Jvhannes Augen auf dem hellen Gewässer, und wie sein leuchtender Blick immer mehr, was seine Seele empfand, offenbarte, so verstummte allmälig sein Mund. Der Pater Figueroa betrachtete ihn mit tiefer Rührung. Johannes sank auf die Kniee, sein Angesicht erglühte; er ward unbeweglich, und nach und nach einige Spannen von der Erde erhoben. Indessen gelangte die Dame, die ihnen entgegengekommen war, mit ihrer Begleitung zur Quelle, und auch manche Landleute, die kamen, um Wasser zu schöpfen, blieben mit ihr erstaunt vor dem Entzückten stehen. Man entfernte sich nicht, obschon ganze Stunden verflossen, ehe er der Erde und ihnen zurückgegeben ward. (Schluß folgt.) Zeichen der Zeit. Daö protestantische „Volksblatt sür Stadt und Land" enthält über das neue holländische Cultusgesetz folgenden vortrefflichen Artikel: Der gute „Holländer" hat denn einmal wieder ein „CultuSgesetz" vom Stapel gelassen, bei welchem man sich ihn nothwendig mit der Thonpfeife im Munde vorstellen muß, und welches ein solches Mustereremplar von moderner Fabrikarbeit im Fache der Gesetzgebung darstellt, daß es wohl eine kleine Beleuchtung verdient. Das charakteristische solcher Arbeit ist unter andern,, daß sie sich gänzlich in abstracten Begriffen bewegt, kein Ding bei seinem Namen nennt, sonder nur ein Schema mit Schubfächern und Nummern giebt, in daS man die lebendigen Dinge dann so gut oder so schlecht als eS geht, hinein- quetschen muß. So weiß auch besagtes Cultusgesetz kein sterbendes Wörtchen davon, daß 264 eS in Niederland eine evangelisch - refornn'rte Landeskirche giebt, deren Oberhaupt der König selbst ist, kein sterbendes Wörtchen davon, daß eS daneben eine römisch-katholische Kirche giebt, welcher V5 der Unterthanen des Königs angehören u. s. w. Es weiß von nichts als „verschiedenen religiösen Gemeinschaften," von deren „Religionslei- tung," Religionsdienern," von „Gebäuden zur Ausübung einer öffentlichen Religion," von „Kleidern für die Ceremoniendes Cultus," und was des naturphilosophischen Kau- derwälscheS mehr ist. Dem entspricht denn auch der Styl dieser Gesetzgebung, welcher deutlich darauf hiuweiSt, woher dergleichen Waare eigentlich kommt, nämlich aus dem Französischen. „Die verschiedenen religiösen Gemeinschaften sind durch nichts mehr behindert" — „die Religionsdiener tragen die Kleider für die Ceremonien des Cultus" u, s. w. Welchem ehrlichen Deutschen (und das sind und bleiben doch die Holländer nun einmal) würde eS einfallen, so zu sprechen, wenn er Anordnungen treffen will? Auch dieser geschraubte Präsens-Styl gehört, wie gesagt, zudem „constitutionellen" wälschen Schablonenwesen. Dieß Schablonenwesen hat aber noch eine andere Seite. Eö ist nämlich stets nicht bloß wunderlich, sondern zugleich auch unehrlich. Statt gerade herauszusagen: die katholischen Bischöfe sollen dieß oder das nicht thun dürfen, — was es doch in der That, wie auch jedermann weiß, sagen will — gilt es nun irgend eine abstracte Formel zu erfinden, durch welche man, nnter dem Scheine allgemeiner Egalität, die besonderen Fälle trifft, die man eben im Auge hat. Und da der Esscct doch derselbe bleibt, wozu dieses um den Brei herumgehen? dieß vermeiden offener, ehrlicher Worte? Soviel über die Zopfform der modernen Gesetzgebung überhaupt. Was nun den Inhalt dieses Gesetzes betrifft, so ist derselbe nicht weniger zeitgemäß. Er besteht nämlich „erstens" in der beliebten „allgemeinen Religionsfreiheit," wornach also der Staat erklärt, eS sey ihm ganz gleichgültig, ob seine Leute Türken seyn wollen oder Christen (das Wort Christ oder Christenthum oder Kirche kommt überhaupt nicht ein einzigmal in diesem Cultusgesetze eines christlichen Landes vor!) und er sey mit Freuden bereit, wenn sie morgen sich zu einer türkischen Religionsgemeinschaft „organisiren" wollen, seine „Gutheißung" dazu zu ertheilen. Sodann besteht der Inhalt aber „zweitens" in der möglichsten Bevormundung der wirklich bestehenden Kirchen, die so zärtlich ins Detail geht, den „Religionsdienern" sogar vorzuschreiben, wo sie ihre Familiennamen beischreiben müssen. (Deutsch und ehrlich gesagt, hat das folgendes zu bedeuten. Es ist eben so alter als allgemeiner Gebrauch aller Bischöfe in der ganzen Welt, — der römischen, der griechischen, der englischen, — sich bloß z B. „Heinrich Bischof von Ereter" zu schreiben. Dem Holländer klingt das wahrscheinlich zu romantisch, und eS wird sich da also Einer — wenigstens osficiell — z. B. „HauS Piepenstengel, Bischof von so und so" schreiben müssen.) Andere Leute, die etwas darauf halten, daß die Kirche auS den vier Mauern und aus den Studir- stuben heraus wieder etwas ins Volksleben trete, würden sich darüber freuen, wenn die Pfarrerauch auf der Straße wieder in AmtStracht erschienen; dieß CultuSgesetz verbietet aber bei Strafe, daß sie irgendwo anders als „innerhalb der kirchlichen Gebäude und an den Orten, wo die Ausübung deS Cultus erlaubt ist," sich so sehen lassen. Der Geistliche ' darf nicht einmal von seiner Wohnung zur Kirche im Ornat gehen, der Chorrock bleibt ganz verschämt in der Sacristei hängen und die Tause und das heilige Abendmahl in den Häusern wird wahrscheinlich im Frack gespendet. Andere Leute, die sich nach Erhebung aus dem jammervollen Verfall des Wortes Gottes unter uns sehnen, würden sehr froh darüber seyn, wenn nur neue Kirchen gebaut würden; dieß CultuSgesetz droht aber außer andern Strafen auch mit „Abbruch aus Kosten der Bauunternehmer," wenn jemand eine Kirche baut, ohne daß der Staat eS besonders bewilligt hat. Andere Leute würden sich freuen, wenn geistliche Vorposten ausgesandt, die seelsorglichen Kräfte vermehrt, neue Pfarrstellen gegründet würden. Dieß holländische freisinnige CultuSgesetz verbietet eS aber, wenn nicht der Staat „daS Passende des Ortes anerkannt" hat. — Sehr passend wird die Besprechung deS neuen Gesetzes (das übrigens vorläufig noch nichts gilt, sondern erst den „Kammern" zur Annahme vorgelegt ist) in den Zeitungen durch die Nachricht unterbrochen, daß „neue Heringe" angekommen sind. Und damit wollen wir denn auch abbrechen. Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Krem er.