Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. 21. August. M S-Ä. 1853. DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage. Der halbjährige Abonnementsprei« »tt kr, wofür e« durch alle löni'gl. bayer. Postämter »ad alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Wunderbare Begebenheiten im Neapolitanischen. Zu Bari, im Neapolitanischen, befindet sich in der Capella Regia del Tresors ein Dorn, angeblich aus der Dornenkrone des göttlichen Heilandes. Wie die Sage geht, wird dieser Dorn, so oft der Charsreilag auf den L5. März fällt, an diesem Tage eine Zeitlang mit frischem Blute benetzt. So soll es im Jahre 1842 gegangen seyn, so wiederholte eS sich in diesem Jahre. Die „Civile cattolica" theilt darüber ein Schreiben auö jeuer Stadt mit, das wir hier in wörtlicher Übersetzung folgen lassen. . „Ein Wunder bewahrheitete sich am 25. März, als dem Todestage des göttlichen Erlösers, in dieser Kirche. Der heil. Dorn, welchen Carl ll. von Anjou, als er daS Grab des glorreichen heiligen Wundcrthäterö Nicolaus besuchte, in die köm'gl. Schatzcapelle niederlegte, wurde mit Blut befeuchtet. Die Geschichte hatte schon seit langer Zeit dieses Wunder aufgenommen; doch die göttliche Erbarmung würdigte sich, zur größern Beschämung unserer verderbten Zeit, auch diesesmal noch unsere fromme Stadt mit Gnaden zu überhäufen. Wir sahen das Wunder und mit uns der Intendant der Provinz, der Major der königl. Gendarmerie, welcher vom ersten bis zum letzten Augenblicke zugegen war, uud der Commandant. Mit uns sah es das ganze Capitel, der städtische Vorstand und Tausende, so viele ihrer hinzu kommen konnten. Der Erzbischof, durch die Geschichte und den Vorfall vom 25. März 1842 aufmerksam gemacht, hatte drei Tage zuvor den normalen Zustand der kostbaren Reliquie von Chemikern mit Notar und Zeugen untersuchen lassen; am Tage selbst ließ er die Kanoniker, abwechselnd mit dem königl. Klerus, von Mittag an glühende Gebete zum Allerhöchsten emporsenden, auf daß die göttliche Güte das demüthige Verlangen »ach Wiederholung des Wunders gnädig aufnehmen möchte. Um 2'/z Uhr (2 Stunden vor Sonnenuntergang) hatte schon der heil. Dorn seinen gewöhnlichen Zustand geändert, und in der Folge bezeugten der Notar, die Zeugen und Vornehmen, welche zu sehen und gegenwärtig zu seyn gekommen waren, daß er seinen frühern Zustand schon sehr verändert habe, uud daS Wunder war also schon geschehen. Alsdann wurde der genannte heilige Dorn aus der Capelle des königl. Schatzes auf den Altar des Herzens Jesu getragen uud zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt, um das fromme Verlangen des andächtigen Volkes zu befriedigen, das zu Tausenden, daS Wunder zu sehen, herbeiströmte. Eine Stunde nach Sonnenuntergang, als man im Orchester daS Christus :c. und Miserere sang, bemerkte dann der Cavaliere DupuiS, Major der königl. Gendarmerie, welcher sich nie von der Reliquie entfernt hatte, zuerst und machte den Intendanten und Commandanten der Provinz darauf aufmerksam, daß man an der linken Seite des Fußes der Reliquie rothes Blut sehe. Als der Intendant alles untersucht hatte, verkündete er es, aufgeregt vor Freude, und nuu verdoppelte sich das Frohlocken, die Thränen flössen in Strömen, und die Seufzer und Gebete erschollen so zum Allerhöchsten, daß auch das härteste Herz bei Betrachtung dieser . Wärme und beim Anhören der frommen Gebete sich erweichen mußte." / 266 So wenig wir diese Erzählung gleich einem Glaubensartikel glauben, eben so wenig können wir sie ohne Weiteres verwerfen. Warum sollten auch außer den in der heil. Schrift mitgetheilrcn keine Wunder geschehen dürfen? Hat nicht der göttliche Heiland uus selbst schon belehrt, daß die Gabe der Wunder mit seinem Hinscheiden nicht aufhören soll? Wer nur die Wunder sammeln wollte , die schon von den heil. Vätern erzählt sind, könnte damit nicht wenige Bände anfüllen. Wenn Nichtkatho- liken uns dieses Glaubens wegen bespötteln, so wissen sie warnm; aber auch wir wissen eS, und um so mehr halten wir, statt uns um dieses Spötteln zn bekümmern, daran fest und fordern sie auf, vor allem Urlheile die Thatsachen zu untersuche». Lasset diese sich mit keinem vernünftigen Grunde in Zweifel ziehen, noch auch natürlich erklären, dann bleibt Nichts übrig, als an ein höheres Wirken zu denken, welche auch immer die Absichten seyn mögen, die Gott damit erreichen will; und stellt sich heraus, daß diese Thatsachen im Schooße der katholischen Kirche eben so unantastbar und bäufig, als sie bei Allen außerhalb der Kirche unerhört sind, dann ist das eben so beruhigend für uns, als es für die Andersgläubigen, weil sie kein Zeichen übernatürlichen Lebens aufzuweisen haben, einen Beweis der Falschheit ihrer Religion bietet. Einen solchen Trost bieten uns aber insbesondere die Wunder, welche Gott auf die, Anrusung seiner Heiligen wirkt. Sie bezeugen nämlich nicht bloß die Wahrheit unseres, von den Nichtkatholiken ohne Unterlaß bekämpften Glaubens: daß eS nützlich uud Gott wohlgefällig sey, die Heiligen zn verehren und um ihre Fürbitte auzuruse», sonderu bestäligen auch mit der in ihnen constalirten Freundschaft GotteS gegen dieselben, daß die katholische Religion ein sicherer Weg zum Hcile sey. Auch derartige wunderbare Thatsachen cheilt nns die „Civilts catt." aus Neapel mit, Thatsachen, die auch iu polnischer Beziehung, weil sie das Volk enger mit seinem Regenten verknüpfen, nicht olme Wirkung bleiben können. Die mitgetheilten wunderbaren Thatsachen haben nämlich ans Anrufung der verstorbenen Königin von Neapel, Gemahlin des regierenden Königs und Mutter des Kronprinzen, Maria Christina von Savoyen, stattgefunden, und was sollte denn mehr das gläubige Volk mit dem königlichen Hause von Neapel verbindeil, als gerade sie? Ein Re^entenhauS kann seine Achtung beim Volke nicht tiefer untergraben, als wenn es öffentlich beweiset, daß eS mit Gott keine Gemeinschaft hat, und eben so kann es umgekehrt seine Achtung im Volke nickt tiefer begründen, als wenn es mit derselben Strenge Gott gehorcht, mit welcher es von den untergebenen Völkern Gehorsam fordert. Hat nun daS königl. HauS von Neapel schon andererseits nicht wenige Beweise seiner innigsten Frömmizkeit, in welcher es seinen Unterthanen zum Muster dienen kann, aufzuzeigen, welchen Grund der größten Verehrung muß es dann nicht erhalten, wenn ein der Krone so nahe angehörendes Glied von Gott solche Beweise des allerhöchsten Wohlgefallens erhält? Mit welcher Liebe muß nicht ein Volk einem Regenten anhangen, dessen Gemahlin oder Mutter bei Gott in der Gnade steht, vaß man sie als eine Helferin in den größten Nöthen zn betrachten hat? Schon seit längerer Zeit, zumal seit einigen Monaten, wo ans päpstlichen Befehl das Grab Maria Christina's geöffnet und ihr Leichnam in einem Zustande der Nichtverwesnng gefunden war, wie man sie mit den gewöhnlichen chemischen Prozessen nicht zn erlangen pflegt, hatte man von Gnadenerweisungen an ihrem Grabe, wie die „Eivilta cattolica" berichtet, gehört und Hoffnungen geschöpft, daß Gott seine im Rufe der Heiligkeit verschiedene Dienerin aus besondere Weise verherrlichen werde. Die römische Zeitschrift bemerkte dann, daß sie aus wohl begreiflichen Gründen, so lange eS sich um Thatsachen gehandelt habe, die keine strenge Kritik auszuhalten vermögen, von ihnen keine Mittheilung gemacht habe. Jetzt seyen die Dinge so weit gediehen, daß sie es als eine Pflicht betrachte, das vorsichtige Stillschweigen zn brechen. „Wir haben," schreibt sie dann ferner, „vor uns Zeugnisse vou den berühmtesten Professoren Neapels, als von vr. Emmanuel Raimo, von Dr. Peter Ramoglia, von Dr. Comm. Mansre. AuS ihnen geht hervor, daß Herr Nicvlaus Amitrano, als er durch eine nervöse, von Auflösung der Säfte scorbutischer Art beförderte und mit 267 Affection der Leber complicirte Krankheit so in Lebensgefahr gekommen war, daß er die Sterbsacramente empfangen mußte, am Abende des 2. März vollständig geheilt wurde, einzig und allein, weil er sich der verstorbenen Königin empfohlen und ihr Grab besucht hatte." „Es ist uns ferner ein Zeugniß übersandt von vier achtungswerthen Professoren der Chirurgie: den Herren Campagnaro, Crispino, Festeggiano und Bergamo unterschrieben. Alle vier sprechen von einer schweren Krankheit, die eine Klosterfrau, Namens Maria Assunta De Curtis an der linken Hand gehabt habe. Daö Uebel hatte allen Mitteln, welche die vier Professoren angewendet, fünf Monate lang so widerstanden, daß Einer von ihnen schon befürchtet hatte, daß man zum äußersten Mittel der Amputation schreiten müsse, wurde aber am 31. April d. I. von den genannten Professoren als ganz entfernt befunden; und was die Weise betrifft, so höre man, waS unser Korrespondent darüber schreibt." — „Die hier angeführte Heilung kam, wie ich von verschiedenen Bekannten der Geheilten gehört habe, in folgender Weise zu Stande. Die Krankheit war in drohendem Wachsthum und marterte die Kranke grausam. Am dreizehnten Tage seufzte sie bei ihren stechenden Schmerzen, als eine Freundin ihr den Rath ertheilte, in neuntägiger Andacht mit einigen Gebeten die Fürbitte der ehrwürdigen Maria Christina anzuflehen, und über den Verband der Hand ihr ein kleines Bild derselben befestigte. Die Schmerzleidende bat, aber ruhig, ohne Enthusiasmus, gleichsam ohne Verlangen, die Gesundheit zn erhalten, die ihr in Folge sehr frommer Ergebenheit fast gleichgültig geworden war. Nach beendetem Gebete wandle sie sich an die Freundin und sagte ihr, daß sie keinen Schmerz mehr empfinde. Sie wickeln die Hand loS und finden sie bis auf einige Glieder der Finger, die noch unbeweglich sind, geheilt. Jetzt wenden sie sich mit einem Glauben, der keine Ceremonien kennt, an ihre Beschützerin und sagen: „„Ihr habet die Gnade begonnen und müßt sie vollenden."" Sie berühren die Finger mit dem heiligen Bilde. Unmittelbar daraus ist die Bewegung frei, kräftig, gesund." (D. Volkshalle.) Die rusfische GtaatSkirche. (Zweiter Artikel. Schluß.) Der Schatz deS Patriarchates war durch diese langen und schimpflichen Parteikämpfe gänzlich erschöpft. Da faßte Jeremias den Entschluß, zur Deckung seiner Schulden die Gläubige« der griechischen Kirche um ein Almosen zu ersuchen. Zu diesem Zwecke schickte er seine beiden Mitbewerber um die Patriarchat-Würde, Theolept nach Georgien und Persien, und Pachomius nach Cypern und Aegyptcn. Er selbst ging mit DorotheuS und Arsevius, den Bischöfen von Monembasia und Elision, von denen der erstere zugleich Metropolit und Stellvertreter des Patriarchen von Alerandrien war, nach Rußland. Sie verfehlten nicht, den Gläubigen dieser Provinzen die rührendsten Schilderungen von dem unglücklichen Zustande zu machen, in dem die Kirche von Konstantinopel, die Mutier der gesammten morgenländischen Kirche, unter der Herrschaft der Türken gerathen. Es stellte sich sehr bald heraus, daß das Hauptgeschäft des Patriarchen Jeremias auf seiner Reise in der Beitreibung von Geld bestand, um seine Schulden decken und den jährlichen Tribut von 500 Dukaten in Gold, für welchen Preis seine beiden Mitbewerber um die Patriarchen-Würde ihre Ansprüche ihm verkauft hatten, pünktlich auszahlen zu können. Daher benutzte der schlaue Fürst Boris Gudonow diese Gelegenheit, um von dem Patriarchen Jeremias möglichst viele Vortheile sür die russische Kirche zu erkaufen. Der Patriarch wurde mit seinen Bischöfen und einem zahlreichen Gefolge von Mönchen mit großen AnSzeichnungen vom Großfürsten von Rußland zu Moskau empfangen nnd ersucht, m seinem Staate zu verbleiben. Als er dieses anSschlug, suchte der Fürst Boris Gudonow einen andern Handel mit ihm abzuschließen. Schon lange hatte man in Rußland die Abhängigkeit der russischen Kirche von Konstantinopel unangenehm 268 gefühlt; zur Ausbildung der russischen Nationalkirche war es durchaus nothwendig, sich von dem Patriarchen von Konstantinopel frei zu machen. Der Großfürst uud Gudouow gaben dem Patriarchen JeremiaS große Geldsummen und erwiesen ihm alle erdenkliche Ehre, und stellten dann die Bitte an ihn, den Metropoliten von Moskau, dem feigen Schmeichler Hiob und seinen Nachfolgern die Patriarch« l- Würde zu ertheilen. Um eine so bedeutende Neuerung in der höhern Hierarchie der Kirche zu rechtfertigen, behauvtete der byzantinische Patriarch, die Kirche sey in den ersten Zeiten von fünf Patriarchen regiert worden, nämlich von dem Patriarchen von Konstantinopel, Antiochia, Alerandn'a, Jerusalem und Rom; nachdem aber der Patriarch von Rom (der Papst) in Folge der Ketzerei seiner hohen Würde verlustig geworden, sey es höchst wichtig und zweckmäßig, daß man statt seiner einen neuen Patriarchen von Rußland ernenne. — Jeremias nahm die ihm gebotene große Geldsumme und erklärte sich bereit, dem Metropoliten von Moskau. Hiob, der nur ein gemeines Werkzeug in den Händen deS Großfürsten war, die Patriarchat-Würde zu ertheilen. — Es geschah im Jahre 1589. Der Großfürst legte aber bei der Ertheilung der Patriarchat-Würde an den Metropoliten Hiob sofort seine unumschränkte Herrschaft über die ganze russischeKirche an den Tag. Jeremias und Hiob waren nur die käuflichen Werkzeuge, deren er sich zur Beruhigung des Volkes bediente, um die sogenannte Kirchengewalt an sich zu reißen. — Wie der Czar die Patriarchat-Würde dem Hiob erkauft hatie, so wollte er sie ihm auch verleihen, so daß Jeremias nur Assistenz leistete. Jeremias hatte bei der Handlung wenig oder fast gar nichts zu thun. Die eigentlichen Func- tionen, die nach den Rechten der Kirche dieser hätte verrichten sollen, verrichtete der Großfürst. Als Jeremias den nenen Patriarchen unter dem feierlichen Hochamte in der Metropoiitankirche auf dem Kremel eingesegnet hatte, trar der Czar zu ihm, hing ihm mit eigenen Händen das Panagion an einer goldenen Kette um den Hals, legte ihm den atlassenen Maudyas an, der mit Perlen und Edelsteinen auf das schönste verziert war, warf ein köstliches Omophor über seine Schultern, setzte ihm die weiße Jnful mit dem Kreuze auf und übergab ihm den Patriarchcnstab mit folgenden Worten: „Heiligster Bater, würdigster Patriarch, Vater aller Väter, erster Bischof in ganz Rußland, Patriarch von ganz Rußland, Wladimir, Moskau u. f. w. Hiermit befehle und verkündige ich, daß du vor allen Bischösen den Vorzug haben, und hinführo das Gewand eines Patriarchen, die Calotte eines Bischofes und die große Jnful tragen sollst, und daß man dich in meinem ganzen Reiche als Patriarch und Bruder der übrigen Patriarchen ehren soll." So hatte also der Obcrpriester der griechischen Kirche in gewisser Beziehung sein Vorrecht auf die russische Kirche sür feiles Gold verkauft. Seine beiden Begleiter erkannten sehr bald den Nachtheil, der dem Stuhle von Konstantinopcl aus dieser erlangten Unabhängigkeit der russischen Kirche im Geistlichen wie im Welllichen mit der Zeit erwachsen mnßte, und unterschrieben deßhalb nicht die BestätigungSnrkundc der Errichtung des russischen Palriarchates. Nur die seilen und durch russisches Golv gewonnenen Mönche, die sich in JeremiaS' Gefolge befanden, gaben hierzu ihre Unterschriften her. Doch Gudonow ruhete nicht eher, bis er den gefügigen Hiob in der neuen Würde feierlichst bestätigt sah, und Jeremias mußte bei seiner Abreise auS Moskau das heilige Versprechen abgeben, dieses so bald wie möglich nach seiner Ankunft in Konstautiuopel zu thun. Kaum von seiner Abreise zurückgekehrt berief Jeremias im Februar 1593 eine Synode nach Konstantinopel und bestätigte durch eine feierliche Urkunde die Errichtung des neuen Patriarchates der russischen Kirche. Es ist sehr bezeichnend, daß auf diesem Concil der russische Gesandte am türkischen Hose, der mächtige Fürst Gregor Athanasius, in dessen Händen sich der Sultan befand, und der mit der größten Willkür über di- Angelegenheiten deö osmanischen Reiches schaltete, den Vorsitz führte. ES scheint, als habe man selbst in Rußland an die Gültigkeit dieses Patri- 269 archates wenig geglaubt, denn im Jahre 1619 fand man eS schon für nöthig, dasselbe nochmals durch Theophil, Patriarchen von Jerusalem, der sich um diese Zeit in Moskau befand, um Almosen beim Großfürsten und dem russischen Klerus einzusammeln, bestätigen zu lassen. So war das russische Patriarchat abermals durch Gold erkauft. Die Art und Weise der Gründung des russischen Patriarchates konnte unmöglich Jenen, die noch Sinn für Recht uud Tugend sich bewahrt hatten, Achtung und Ehrfurcht vor dieser neuen Stiftung einflößen, besonders, wenn sie sich die moralische Beschaffenheit Jener, die dabei wirkten, in Erinnerung zurückriefen. Jeremiaö und MeletiuS haben sich bkß aus gemeiner Geldsucht russischen Interessen verkauft. Zudem hatte man Grund, an die Ausrichtigkeit des Glaubens des JeremiaS zu zweifeln, da er mit den protestantischen Theologen Deutschlands, die im Jahre 1575 nach Konstantinopel gekommen waren, um der griechischen Kirche die Annahme der Augsburgischen Confession zu empfehlen, einen vertrauten Briefwechsel unterhielt. — Es entstand jetzt für den Metropoliten von Kiew die Frage, ob er sich dem neuen Patriarchen Hiob oder dem Nachfolger des heil. Petrus, dem römischen Papste, unterwerfen sollte. Der damalige Metropolit von Kiew, Michael Rahosa, konnte die Gräuel und Schlechtigkeiten, unter denen die russische Kirche seufzte, nicht länger ertragen, und berief deßhalb die Bischöse seiner Metropole nach Brest zu einem Concil zusammen, um mit ihnen zu berathen, welchem Oberhaupte der Kirche zu gehorchen wäre, ob dem neu erwählten Patriarchen Hiob oder dem heil. Patriarchen der ge- sammten katholischen Kirche, dem Papste. Einstimmig erklärten die versammelten Väter, daß sie fortan nur allein dem Nachfolger d/S heil. Petrus zu Rom gehorchen und in den Schooß der allein wahren und apostolischen Kirche zurücktreten wollten. Nach wenigen Sitzungen entwarfen sie am 2. December 1593 das Unionsdecret, in welchem sie in schlichten Worten die Gründe ihres Entschlusses der christlichen Welt, und namentlich ihren RelizionSdrüdern, darlegten. — Im folgenden Jahre traten Michael und die Bischöfe der Kiewer Metropole in ein Concil zu Brest nochmals zusammen und schickten eine Gesandtschaft nach Rom, um dem heil. Stuhle ihre Vereinigung mit der Kirche anzuzeigen. Die Gesandten überreichten im Namen des Metropoliten und des gesammten ruthenischen Episkopates dem heil. Vater ein Schreiben, in weichem der ganze Hergang der erfolgten Vereinigung mit schlichten Worten erzählt wird. CleMenS VIU. berief ein Konsistorium am 23. December 1595, in welchem die Gesandten das Schreiben übergaben, welches in ruthenischer Sprache abgefaßt und mit einer lateinischen Uebersetzung begleitet war. — Der berühmte Cardinal Sil- viuS Antoniani, Staatssecretär Sr. Heiligkeit, hielt im Auftrage deS heil. V.iterS eine Anrede an die Gesandten, worin er die Freude desselben über die Wiedervereinigung und die Nothwendigkeit der Einheit der Kirche in beredten Worten hervorhebt. — Dann legten die beiden abgesendeten Bischöse im Namen des gesammten ruthenischen Klerus das übliche Glaubenöbekenutniß in beiden Sprachen ab und bekräftigten dasselbe mit Eidschwur und Unterschrift. Hierauf wurden sie zum Fußkuß des heil. Vaters zugelassen, der tief gerührt und mit Thränen in den Augen sie seine lieben Brüder nannte und zur Demuth uud Standhaftigkeit im Glauben ermähnte. — Die Union geschah unter denselben Bedingungen, wie sie auf dem Concil zu Florenz beschlossen war. Der heil. Stuhl erkannte ihnen alle Rechte, Freiheiten und Privilegien zu, die sie bisher genossen hatten, und bestätigte ihnen alle kirchlichen Gebräuche bei AuS- theilung der Sacramente und Verrichtung der gottesdienstlichen Handlungen, deren sie sich zur Zeit der Union bereits bedient, insofern sie den Glaubenslehren der katholischen Kirche nicht zuwider wären. Hiob, der Patriarch von Rußland, berief nun gleichfalls die seinem Stuhle unterworfenen Bischöfe und Prälaten zu einem Concil noch Moskau, schleuderte den Bann gegen Michael Rahosa und den gesammten ruthenischen Klerus und verfluchte alle auf dem Concilium zu Brest entworfenen Unionsbcschlüsse. Nun brachen die blutigsten Verfolgungen seitens des russischen Klerus gegen den ruthenischen auö. — 270 Den Patriarchen Hiob ereilte aber bald die Strafe Gotteö. Er häufte Verbrechen auf Verbrechen und krönte endlich den Fürsten Gudonow zum Herrn von Rußland, Hiob war nur ein Werkzeug in den Händen dieses FrevlerS und mußte dessen Schande thaten mit der Autorität der Kirche heiligen. Endlich wurde er von dem Thronräuber Grischa Otrcpiew im Jahre 1604 in ein Klostergefängniß eingesperrt und bald daraus erdrosselt. Lebe» deS ehrwürdigen Johannes Grande. (Schluß) »k.^'^"^6/^ .A'-"°W?5N,,i«z,ß,^M s,< ^ Des frommen Johannes Tod und Begräbniß, Indessen war die Zeit gekommen, wo Gott seinen Diener von dieser Welt abrufen und ihm die Krone, für die er mit so großer Ausdauer gekämpst hatte, auf sein Haupt setzen wollte. Es sollte jedoch in seinem Ende noch einmal alles, was sein Leben ausgezeichnet hatte, wunderbar hervortreten: der Eifer seiner Liebe, der keine Schranken kannte, tiefe Verdemüthigung vor den Menschen, und Erhöhung durch die göttliche Hulv und Gnade. Im Jahre 16l)t> war in Andalusien eine anhaltende Dürre eingetreten, und mit großer Besorgniß sah man von neuem einer allgemeinen Theuerung und Hungersnot!) entgegen. Nach vielen andern Andachten und frommen Werken wurde endlich ein öffentlicher Bittgang beschlossen, an dem die ganze Geistlichkeit und alles Volk Theil nehmen sollte. Auch Johannes wohnte demselben seiner Gewohnheit nach bei, und ermähnte durch seine Worte und sein Beispiel die Gläubigen zur Buße. Von dem Bittgang in sein Spital zurückgekehrt begab er sich zum Gebet, und verharrte in demselben ohne alle Unterbrechung zwei Tage und zwei Nächte. Als er endlich aus demselben wie aus einer langen Entzückung in Gegenwart einiger feiner Ordensbruder erwachte, sprach er, wie gewöhnlich, einige Worte zu seiner Entschuldigung, und zog sich in seine Zelle zurück. Aber einer seiner Brüder, Peter Egipciaco, mit dem er sehr vertraulich zu reden pflegte, folgte ihm, und erzählte, daß, während er gebetet, ein reichlicher Regen gefallen sey. „Ich weiß es," erwiederte Johannes, „Gott hat mich davon in Kenntniß gesetzt. Wir werden Brod in Ueberfluß haben, aber ich weiß nicht, wie viele von denen, die jetzt leben, davon essen werden." Peter verstand, daß ihm sein Vater eine andere Geißel Gotteö, die Pest, vorhersagte, und nur gar zu bald ward die Weissagung durch deu Erfolg bewährt. Die Ernte war in jenem Jahre ungewöhnlich gut, aber kaum war sie vollendet, als eine pestartige Krankheit ansbrach und fast die ganze Provinz entvölkerte — Johannes >fand in ihr noch eine außerordentliche Gelegenheit, seinen LicbeSeifcr zu üben; aber er fand in ihr auch, was er sehnlich gewünscht, die Krone seiner guten Werke. Oftmals hatte er seit einiger Zeit sein bevorstehendes Ende vorausgesagt, und seinen Vertrauten auch manche Umstände seines Todes mitgetheilt. Er gab die Zeit auf das Genaueste an und setzte eines TageS hinzu, daß er sich von Gott die Gnade erbeten habe, ohne alle Ehren, ja auf schimpfliche Weise begraben zu werden. Und als Peter Egipciaco ihn lächelnd versicherte, er möge beten, so viel eS ihm gefalle, so würden doch er und seine Brüder schon Sorge tragen, daß sein Begräbnip ehrenvoll sey; erwiederte ihm Johannes: „Ich aber sage dir, daß du der Erste seyn wirst, der von meiner Leiche flieht." Bei einer ähnlichen Gelegenheit bemerkte er, man werde seinen Leichnam, statt ihn zn tragen, mit Stricken hinausschleppen, in die Erde verscharren, und den Boden über ihm mit Füßen stampfen. — Wirklich wollte Gott dem Verlangen seines Dieners nach aller Art von Verdemüthigung auch auf diese Weise genugthun. Als die Pest, die Johannes vorhergesagt hatte, auSgebrochen war, und in der Stadt Bestürzung und Wehklagen von allen Seiten verbreitete, war es nicht anders, L7t als wäre dem barmherzigen Johannes ein weites Feld, auf dem er noch einmal, ehe er auS diesem Leben scheide, die ganze Größe seiner Liebe offenbaren sollte, geöffnet worden. Die Bewohner von Terez waren seit einer langen Reihe von Jahren gewohnt, sein Wirken unter ihnen mit Bewunderung anzusehen; aber so außerordentlich waren die Anstrengungen, mit welchen er diesesmal, sich selbst vergessend, auf die mannigfaltigste Weise den Leidenden zu Hülse kam, daß man ihn wie von einem neuen Geiste belebt mit Erstaunen betrachtete. Es sollte ihm aber die Gnade zu Theil werden, seine Liebe als die größte, die Jemand haben kann, zu bewähren, indem er für seine Freunde sein Leben hingab (Joh. 15, 3). Er wurde von dem herrschenden Uebel ergriffen. Sobald er es wahrnahm, zog er sich in seine Zelle zurück, und seines nahen Todes gewiß, benutzte er die wenigen Tage, die ihm noch übrig waren, mit beispielloser Ruhe, um die Angelegenheiten der Spitäler, die seiner Obhut anvertraut waren, zu ordnen, und sich auf den Uebergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Er versammelte auch seine Ordensbrüder, die sämmtlich wie seine geistlichen Söhne zu betrachten waren, um sein Lager, und ermähnte sie zu brüderlicher Eintracht, zu einem unbescholtenen Lebenswandel, und vor allein zur zartesten Liebe gegen die Kranken und Armen. Auch tröstete er sie über die allgemeine Noth, und versicherte sie, daß dieselbe bald aufhören-, und nach ihm kein Anderer von ihnen ein Opfer der Seuche werden würde. Aus diesen und andern Umständen schloß man, daß der heilige Mann, nachdem er alle Kräfte zur Linderung des allgemeinen Elends erschöpft hatte, endlich zur Hebung desselben sein Leben aufgeopfert habe, Gott nämlich bittend, daß er ihn als ein Sühnopfer für sein Volk hinwegnehmen möchte. Es war am 3. Juni Ikvt), als Johannes Peccadore, nachdem er noch einmal die heil. Sacramente mit rührender Andacht empfangen hatte, seinen Geist mit größter Ruhe betend aufgab. Wie der heil. Johannes von Gott hatte er sich von seinem Lager erhoben, und auf den nackten Boden kniend starb er, das Krenz mit beiden Armen an sein Herz drückend. — Die Nachricht von seinem Hinscheiden verbreitete sich rasch dnrch die ganze Stadt und vermehrte nicht wenig die allgemeine Bestürzung. War er ja wie ein Vater der Armen, der Wittwen und Waisen, und wie ein Schutzengel Aller zur Zeit der Bedrängmß. Allüberall erzählte man von seiner Liebe und Barmherzigkeit, seinen Tugenden, Gnaden und wunderbaren Werken, und wehklagend wollte man in seinem Tode einen Beweis finden, daß die Zuchtruthe des Herrn schwer auf dem Volke ruhe. Aber während so die ganze Bevölkerung von Terez den Tod des frommen Johannes beklagte, und sich in Lobiprüchen seiner Heiligkeit ergoß, war im Spital, in der Mitte seiner Brüder, die Weissagung, die er von seinem Begräbnisse gemacht hatte, in Erfüllung gegangen. Sey es, daß Schmerz und Bestürzung sie betäubte oder auch Furcht vor der ansteckenden Krankheit sie ergriffen hatte; die Brüder, welche bei seinem Tode zugegen waren, Peter, sein Vertrauter, zuerst von allen, — zogen sich in ihre Zellen zurück, und keiner dachte daran, seine Leiche mit Ehren beizusetzen. Vier Arbeiter endlich traten in sein Zimmer und schleppten, wie er eS vorhergesagt halte, den Leichnam mit Stricken ans dem Spital in den Garten, legten ihn dort in eine rasch geöffnete Grube, und traten die Erde über ihm mit Füßen fest. ES ging aber auch seine letzte Weissagung in Erfüllung. Die Pest hörte auf, und keiner seiner Brüder ward von ihr hingerafft. Nichtsdestoweniger wurde dem Diener Gottes noch immer kein ehrenvolleres Begräbniß zu Theil. Zwar hatten sich seine Ordensbrüder, als der erste Schrecken vorüber war, der Art, wie ihr gemeinsamer Vater begraben worden, mit Schreck und Beschämung erinnert; doch begnügten sie sich damit, die Leiche wieder aufzugraben, in einen Sarg zu legen, und dann in dieselbe Grube, worin er bis dahin gelegen, zu senken. So blieb die Grabstätte eines so außerordentlichen Mannes nngeehrt, bis die Zelt gekommen war, wo Gott seinen Diener, der sich selbst erniedrigt hatte, erhöhen wollte. Manche der Gnaden, welche die Gläubigen auf die Fürsprache des Hingeschiedenen erhielten, wurden an seinem Grabe und zwar auf sichtbare Weise ertheilt; und indem man schon deßhalb auf den Gedanken kommen mußte, daß Gott ein ehrenvolleres Begräbniß desselben wolle, so 272 wurde man darin durch eine übernatürliche Erscheinung, die sich vor den Brüdern des Spitals über dem Grabe oft erneuerte, bestärkt. Nachdem die geistliche Behörde an Ort und Stelle alles auf das Sorgfältigste geprüft hatte, wurde, ein Jahr nach dem Tode des Ehrwürdigen, die feierliche Uebertragung der Leiche in die Kirche des Spitals zum heil. Sebastian beschlossen. Im Beiseyn der Geistlichkeit und der angesehensten Einwohner der Stadt ward das Grab eröffnet, der Leib, an dem das Haupt noch ganz unversehrt war, in einen kostbaren Sarg gelegt, und dann der feierliche Leichenzug vom Garten in die Kirche geordnet. Die Vornehmsten der Stadt trugen die Bahre, sämmtliche Ordensstände und alle Weltgeistliche schlössen sich dem Zuge an, und die Menge deS Volkes war unzählbar. In der Kirche wurde der Sarg auf einem prachtvollen Gerüste ausgesetzt, und nach dem Hochamte und der Einsegnung der Leiche vestiegen mehrere Redner die Kanzel, um von den Tugenden und Gaben des Gottseligen, zum Preise Gottes, der ihn so hoch erhöht, zu dem zahlreichen Volke, daS sich in die Kirche gedrängt hatte, zu reden. Aber ein wegen seiner Frömmigkeit eben so sehr als wegen seiner Gelehrsamkeit angesehener Priester, der Dr. Randone, welcher viele Jahre lang der geistliche Führer des Verstorbenen gewesen war, erzählte von den Wundern der Gnade, was nur ihm bekannt seyn konnte. Da begann die ganze Menge, die ihm zuhörte, in immer größerer Bewegung Thränen der Rührung zu vergießen, und endlich in Schluchzen und lautes Gebet ihre Empfindungen zu ergießen. Bald dankten sie Gott, der die Wunder seiner Liebe unter ihnen erneuert, bald riefen sie Johannes, an dessen Verherrlichung von ihm sie nicht zweifeln konnten, um seine Fürsprache an. — Die Leiche ward endlich beigesetzt, und von dem Tage an blieb daS Grab dessen, der sich den Sünder nannte, die Zufluchtsstätte aller Bedrängten. So viele Gnaden ertheilte Gott an demselben, so lebhaft blieb die Erinnerung an das Leben und Wirken des Hingeschiedenen, daß der heil. Stuhl, von der Stadt Xerez ersucht, die Veranstaltung deS Processes zu seiner Seligsprechung genehmigte. Derselbe begann zwar schon dreißig Jahre nach dem Tode Johannes', aber durch manche Zeitumstände unterbrochen ist er erst in unsern Tagen zur Vollendung geführt. Wir haben nichts berichtet, als was in den Acten desselben seine Bestätigung findet. England. Der „Catholic Standard" spricht sich sehr vortheilhaft über die Fortschritte des Katholizismus aus: „England, so heißt eS dort, früher die Wohnstätte der Wahrheit und das Land der Heiligen, kehrt rasch zu der Einheit zurück, von der es sich vor dreihundert Jahren trennte. Die katholische Hierarchie nimmt dort ihre gesetzmäßige Stellung wieder ein, und unter der weisen Leiiung des ausgezeichneten Cardinals, welchem daS Amt übertragen ist, die Kirche in diesem Lande zn leiten, sieht man, wie die Beweise.deS Triumphs unserer Religion sich vervielfachen. Von allen Seiten erheben sich neue Missionen; die dem Dienste des Allmächtigen geweihten Kirchen werden vergrößert und verschönert; die religiösen Genossenschaften erweitern das Feld ihrer Wirksamkeit, lindern die Leiden der Menschen und offenbaren den Geist des wahren Christenthums; die Gymnasien und die verschiedenen Schulen blühen und werden Musteranstalten; kurz, überall erblickt man Denkmäler, welche der Wahrheit, dem Glücke der Menschen und der Ehre Gottes geweiht sind. Zu diesen Bemerkungen wurden wir durch die interessanten Umstände veranlaßt, welche die Einweihung der neuen Kirche zu Stradford am Avon bezeichneten. Erst vor neun Monaten war hier eine Misston errichtet, damals befanden sich in dem Flecken etwa acht oder zehn katholische Familien; wenn man nun erwägt, daß eS in England wenige Dörfer gibt, wo der Irrthum so tief Wurzel gefaßt hatte, als hier, kann man sich leicht vorstellen, welche Hindernisse die Mission hier fand. Doch war der Erfolg vollständig, und übertraf durch die Gnade Gottes alle Hoffnungen. AIS Geistlicher war angestellt Alfred Dayman, ein Convertit, welcher früher in demselben Dorfe anglikanischer Geistlicher war." (Münst. S.-Bl.) Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. Verlags - Inhaber: F. C. Kremer.