Dreizehnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Augsburger PostMung. S3. October lK5>3, Dieses ivlatt erscheint regelmäßig alle Touutage. Der halbjährige Abnnuemenisprel« kr., wofür e« imrch alle köniql. bayer. Postämter «nd alle Buchhandlungen bezogen werde« kann Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Carl August, Erzbischofes von München- Fr eising, die Einführung eines Diocesan-Katechismus betr. Wir Carl August :c. :c. Mit besmiderer Freude verkünden Wir euch als ein wichtiges Ereigniß für Unsere geliebte Erzdiöcese die Einführung eines neuen Katechismus, welcher in allen Kirchensprengeln Bayerns dem Religions-Unterrichte zu Grunde gelegt werden soll. Wenn auch die Lehre der katholischen Kirche, welche Gott der Herr zur unfehlbaren Verwahrerin und Verkiinderin seiner Offenbarung bestellt hat, immer dieselbe ist nnd bleiben wird, und wenn auch die bisherige», in den einzelnen Bisthümern mit Gutheißung der Oberhirten gebrauchten Katechismen diese Lehre der Kirche enthielten, so war doch die MittheilungSweise des gemeinschaftlichen unveränderlichen Inhaltes in den mannigfaltigen Unterrichtsbüchern theils nicht genügend, theils so verschieden, daß sich das Bedürfniß einer neuen, der Einheit des Lehrgcgenstandes sowohl als den Zeitbedürfnissen entsprechenderen Form dieser Lehrbücher allgemein fühlbar machte. Es wurden daher schon seit mehreren Jahren Versuche angestellt, einen gemeinschaftlichen Katechismus für ganz Bayern zu erzielen, und nachdem bei der Versammlung der hochw. H. H. Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands zu Wärzburg im Jahre 1848 die Nothwendigkeit anerkannt und ausgesprochen worden, der großen Mannigfaltigkeit der Katechismen entgegenzutreten, haben die in Freising im Jahre 1850 versammelten Oberhirten Bayerns beschlossen, die Einführung eines gemeinschaftlichen Katechismus zu bewerkstelligen, und Uns mit der Leitung Heö ganzen Unternehmens beauftragt. Um bei dieser wichtigen und schwierigen Aufgabe mit Sicherheit und möglichster Schnelle voranzugehen, glaubte man, einen bereits ausgearbeiteten Katechismus zu Grunde legen zu sollen, und man vereinigte sich in dem von l'. Deharbe, 8. herausgegebenen .katholischen Lehrbegriff, da er in den meisten Diöcesen Deutschlands große Anerkennung gesunden hatte, und dem Verfasser selbst die Umarbeitung und Vollendung des für die bayerischeil Diöcesen gemeinschaftlich einzuführenden Katechismus übertragen werden konnte. Nach den bei der Ausführung festgehaltenen und gemeinschaftlich angenommenen Grundsätzen sollte der große katholische Katechismus, welcher unter Unserer Leitung mit Berücksichtigung der von den einzelnen hochwürdigen Amtsbrüdern mitgetheilten Bemerkungen von dem Versasser neu bearbeitet wurde, in allen acht Bisthümern Bayerns ohne Aenderung angenommen und eingeführt werden, jedem einzelnen Ober- Hirten aber es frei stehen, zum Gebrauche in den Volksschulen seiner Diöcese aus diesem größern Katechismus einen oder auch zwei, so viel möglich wortgetreue, Auszüge machen zu lassen, wobei mit Rücksicht auf die bestimmten Diöcesanverhältnisse außerwesentliche Veränderungen vorgenommen werden könnten. 338 Sowohl der gemeinschaftliche große katholische Katechismus, als die beiden für die Volksschulen Unserer Erzdiöcese bestimmten Auszüge sind vollendet, und indem Wir fie hiemit Kraft unserer oberhirtlichen Gewalt als die allein und ausschließend bei dem Religionsunterrichte in Unserer Erzdiöcese zu gebrauchenden Katechismen bezeichnen und einführen, geben Wir über den Gebrauch und das gegenseitige Verhältniß derselben nachstehende Vorschriften und Erklärungen: t) Der große katholische Katechismus (welcher in allen acht BiSthümern Bayerns gleichmäßig eingeführt ist) soll bei allen katechetischen Vorträgen in der Kirche, dann zum Unterricht in den lateinischen und GewerbS-, höhern Bürgerund Töchterschulen, so wie für sämmtliche Schulpräparanden und Schulseminaristen als Lehrbuch gebraucht werden. Obwohl dieser Katechismus nicht für die Werktagsschule bestimmt ist, so ist es den Seelsorgern doch freigestellt, von demselben in der obersten Classe der Werktagsschule, und in den Katechesen für die Feiertagsschüler Gebrauch zu machen, wenn die Bildung der Schüler es gestattet. Alle Religionslehrer und Katecheten sollen diesen großen Katechismus haben und bei ihren Katechesen sich an denselben halten. 2) Für die Volksschulen der Diöcese sind die zwei Auszüge aus dem großen Katechismus, und zwar der kleinere für die ersten Anfänger, der größere für alle übrigen Schüler zu gebrauchen. Beide Katechismen sind nach derselben Ordnung, wie der große katholische Katechismus bearbeitet, und enthalten genau dieselben religiösen Begriffe, so daß der kleine die Grundzüge, der mittlere und große nur eine stufenweise Erweiterung derselben enthält. Der Inhalt des kleinen dürfte im Allgemeinen schon im ersten Schuljahre von den Kindern erlernt werden können, besonders wenn, waö Wir für höchst zweckmäßig und nützlich halten, schon bevor daS Kind lesen kann, die Gebete und die wichtigsten Puncte deS religiösen Unterrichtes seinem Gedächtnisse eingeprägt und auf eine seinen Fassungskräften entsprechende Weise erklärt werden. Aus keinen Fall aber dürfen die Kinder mit dem Erlernen und Wiederholen des kleinen Katechismus länger hingehalten werden, als bis zum Ende des zweiten Schuljahres, indem Wir nu't Bestimmtheit fordern müssen, daß den Kinder» wenigstens beim Beginne des dritten Schuljahres der Katechismus für die Volksschulen in die Hand gegeben werde, wenn dieß nicht', wie Wir nachdrücklich wünschen, schon beim Beginne deS zweiten oder im Laufe desselben geschehen seyn sollte. 3) Dem zweiten, oder dem Katechismus für die Volksschulen, wurde die Einrichtung gegeben, daß ein Theil der Abschnitte und Fragen mit einem Sternchen und ein anderer mit einem Kreuze bezeichnet wurde. Bei der ersten Durchnahme des Buches sollen die mit Sternchen und Kreuzen bezeichneten Fragen und Antworten übergangen, bei der zweiten Durchnahme auch die mit Sternchen, und bei der dritten die mit Kreuzen bezeichneten Fragen Hinzuge» nommen werden, so daß der zweite Katechismus innerhalb vier Schuljahren mindestens, dreimal durchzunehmen ist, und zwar das Erstemal nach seinem kleinsten, das Anderemal nach seinem größern, und das Drittemal nach seinem größten Umsange. Wie viele Zeit auf die erste Durchnahme des Katechismus verwendet werden solle, wollen Wir nicht unbedingt vorschreiben, sondern dem Ermessen der Seelsorger nnd Katecheten überlassen, und nur so viel fordern, daß er in zwei Schuljahren in seiner ersten Stufe vollständig erlernt seyn müsse, damit zur zweiten und dritten Durchnahme in seinen höhern zwei Stufen noch volle zwei Schuljahre erübrigen. Auch soll mit den Kindern, welche das heil. Sacrament der Firmung empfangen wollen, der Katechismus das Erstemal vollständig durchgenommen seyn. 4) Hiebei können Wir aber nicht unterlassen, daraus aufmerksam zu machen, daß es höchst zweckmäßig ist, wenn die Kinder sobald als möglich die Hauptpuncte 339 der Glaubens-, Eilten- und Gnadenmittellehre im Zusammenhange inne haben, und ihnen dadurch gleichsam der Kern gegeben ist, an welchen sich eine erweiterte Kenntniß stufenweise anschließen und zur klaren Einsicht gebracht werden kann. Wir müssen jene Einrichtung des katechetischen Unterrichts in der Schule für ungenügend erklären, nach welcher einzelne Hauptstücke des Katechismus zum Gegenstand des Unterrichtes je eines JahreScurseS genommen werden, und so der ganze Katechismus erst nach Verlans mehrerer Jahre von den Kindern vollständig erlernt wird. Es ist daher Unser Wunsch, daß der Katechismus der Werktagsschule, nachdem die Kinder den kleinen, für die Anfänger bestimmten, erlernt haben, wo möglich schon in einem Jahre das Erstemal in seinem kleinsten Umfange vollständig durchgenommen werde. Ist einmal dieser dem Gedächtnisse der Kinder eingelernt, so wird eS ihnen in den folgenden Jahren leicht werden, die weitere Entwicklung hinzuzufügen, und das Gelernte bei wiederholtem Durchgehen unv Erkläre» zum klaren Verständniß zu bringen. Die tägliche Erfahrung bestätiget eS, daß die Kinder nur dann in dem Verständnisse der Religionswabrheiten vorschreiten und das Erlernte festhalten, wenn sie die Erklärungen des Katecheten an die dem Gedächtniß durch daS Auswendiglernen eingeprägten bestimmten kirchlichen BegriffSsormeln anknüpfen, und, während ihnen der Sinn und Zusammenhang der in diesen Formeln enthaltenen Wahrheiten erklärt wird, sie dieselben als ihr geistiges Eigenthum mit ihrem Verstände durchdringen und erfassen können. Je größern Werth Wir daher daraus legen, daß die Kinder die in dem Katechismus enthaltenen Religionswahrheiten verstehen lernen und lieb gewinnen, um so mehr müssen Wir darauf dringen, daß von den Lehrern sowohl als von den Katecheten auf daS Auswendiglernen des Lehrstoffes aller Fleiß und alle Mühe verwendet und dasselbe durch öfteres Ausfragen und durch öfteres Wiederholen des schon Gelernten möglichst gefördert werde. 5) Sollte es gelingen, mit den Kindern noch vor Ablauf der Zeit, in welcher sie dje WerltagSschule zu besuchen haben, den für diese vorgeschriebenen Katechismus in dreimaliger Wiederholung vollständig durchzunehmen, so kann im letzten Jahre der dritte oder große'Katechismus, in welchem die vorhergehenden vollständig enthalten sind, ganz oder theilweise zu den Katechesen in der Schule benutzt werden, wie dieß auch bei den Katechesen für Feiertagsschüler geschehen kann, wenn dieselben in der Werktagöschule ihren Katechismus vollständig gelernt haben, 6) Die dem Katechismus vorangeschickte kurze ReligionSgeschichre ist in der Werktagsschule erst dann im Zusammenhange als besonderer Lehrgegenstand zu behandeln, wenn die Kinder bereits im Religionsunterricht wenigstens einmal den Katechismus durchgenvmmen haben, Sie mnß aber mit allen Kindern wenigstens noch im letzten Schuljahr durchgegangen werden. Dadurch soll jedoch nicht im Geringsten ausgeschlossen seyn, daß die Kinder, wie bisher, in der biblischen Geschichte unterrichtet werden, und daß der Katechet dieselbe in die.Erklärung des Katechismus verflechte, und die religiösen Begriffe durch die Thatsachen der heiligen und der Kirchengeschichte erkläre, erläutere und bestätige. Wenn Wir vorschreiben, daß dem Unterricht in der Rcligkonsgeschichte jener in den Religionslehren vorangeschickt werde, so gehen wir von dem Gesichtspunkte aus, daß vor Allem den Kindern die katholische Glaubens- und Sittenlehre als Lehre der Kirche beigebracht werde, welche als die allein berechtigte unfehlbare Lehrerin der göttlichen Offenbarung die Wahrheiten derselben in bestimmte Begriffe gebracht hat, und in bestimmten Lehrsätzen verkündet, von welchen der Religionsunterricht ausgehen und an die er sich anschließen muß, um ein wahrhaft kirchlicher zu seyn, und um in dem Kinde den Glauben an den ganzen Inhalt der Offenbarung durch die Auctorität der Kirche zu vermitteln. 7) Wir sehen wohl voraus, daß die Einführung der neuen Katechismen, besonders bei dem katechetifchen Unterrichte jener Kinder, welche die Werktagsschule bereits 340 m-hrere Jahre besuchen und den ReligionSnnterricht nach dem bisherigen. Lehrbuche empfangen haben, manchen Schwierigkeiten unterliegen wird, deren Beseitigung Wir größlentheilS dem Eiser und der klugen Erwägung und Umsicht der Katecheten überlassen müssen, Alle Kinder jedoch, welche theils in die Schule erst eintreten, theils in den ersten zwei Classen sich befinden, oder den bisherigen Katechismus noch nicht vollständig durchgenommen und erlernt haben, sollen nur nach den nenen Katechismen unterrichtet werden; bei jenen Schillern aber, welche nur mehr ein Jahr die Schule zu besuchen haben, gestatten Wir, daß der Unterricht nach dem bisherigen Lehrbuche fortgesetzt und wiederholt werde. Nach diesen Anordnungen nnd Erklärungen wenden Wir Uns an euch, gelicbteste Söhne und Mitarbeiter im Weinberge des Herrn! die er auöerwählt hat, um den Kleinen, den Unwissenden nnd Armen im Geiste das Brod des ewigen Lebens zu breche» Wir preisen euch glücklich ob dieses schönen, erhabenen und wichtigen Berufes, und bitten euch, wohl zu beherzigen, daß gerade der einfache, schlichte uuv der Fassungskraft und Bildung der Zuhörer angemessene Unterricht in den Wahrheiten, welche im Katechismus enthalten sind, euch einen Wirkungskreis öffnet, in welchem ihr in der ausgedehntesten und erfolgreichsten Weise für das Heil der Seelen wirken, am kräftigsten allen Uebeln der Zeit entgegentreten, und der Kirche ein neues, reines unv gotteSfürchtiges Geschlecht heranbilden könnet. Liebet diesen Berns, der euch, ohne Aufsehen zu erregen und ohne euch selbst den vielfachen Gefahren auszusetzen, welche mit einer dem Aenßern nach glänzenderen Laufbahn verbunden sind, im Verborgenen so Großes unv Nachhalliges für daö Reich Gotteö zu thun, Gelegenheit gibt. Habet stets unsern Heiland selbst vor Augen, der die Kleinen zu sich kommen ließ, und dem armen unwissenden Volke i» schlichten, einfachen, aber eindringlichen Worten die göttlichen Wahrheiten anf eine Weise lehrte, bei der nicht nur der Geist erleuchtet, sondern anch das Herz erwärmt und mit Liebe zum Ueberirdischen und zu Gott selbst erfüllt wnrde. Suchet nach dem Ausspruche des Herrn immer mehr selbst Kinder zu werden, in Einfalt, Geradheit, Reiuigkcit und Demuth deS Herzens, damit in eurem eigenen Innern daö Licht des Glaubens immer wachse und der Eifer für das Heil der unsterblichen Seelen sich an dem Feuer der Liebe Gottes stets neu entzünde. So oft ihr dem Volke oder den Kleinen die göttlichen Lehren zu verkünden o?er zu erklären habl, bereitet euch vor mit aller Sorgfall, damit ihr die Wahrheilen klar und gründlich erfasset, und die rechten Worte und Erklärungen findet, um sie euren Zuhörern nicht nur verständlich zu machen, sondern anch zugleich ihre Herzen für dieselben zu gewinnen. Es ist dieß nnc schwierige Aufgabe, schwieriger, als sie vielleicht Manchem scheinen dürfte, und um sie zu lösen, lUdürfete ihr vor Allem des Beistandes Gottes, den ihr daher im eifrigen Gebete zu erflehen nie uulerlasseu sollet. Nicht von eurer Bemühung, nicht von enrer Fähigkeit und Erfahrung dürfet ihr einen gnten Erfolg hoffen, sondern vor Allem von der Gnade Gottes, die, während ihr Pflanzer und begießet, daö Wachsthum zu geben hat. Sie muß euch erleuchte», eure Worie befruchten und ihnen die Kraft geben, zu erleuchten nnd zu erwärmen. Sie muß auch die Seelen der Hörenden bestimmen und unterstützen, damit sie, während sie durch euren Mund die frohe Botschaft vom Himmelreich verncluuen, das göttliche Wort mit der ihnen in der Taufe eiilgegossenen Tugend des Glaubens selbstthätig in Liebe ersassen und aufnehmen und in sich lebendig werden lassen. Wenn ihr so, als Diener Jesu Christi und Vcrkünder der von ihm seiner Kirche anvertrauten Lehre, bloß in der Absicht, die mit seinem Blute erkauften Seelen in dem zu unterrichten, was sie glauben, was sie thun und gebrauchen sollen, um ju ihrem Heile zu gelangen, in Geduld und Demuth, in Sanfrmuth und Liebe, nnd im Ver- lrancn auf den, der allein unser wahrer Lehrer und Meister iu der Wissenschaft deS Heiks ist, enren Berns erfüllet, werdet ihr rüstige Werkzeuge seyn in der Hand GotrcS, ">>d in Zeiten des Unglaubens und der Sittenlvsigkeit, wie die unseligen sind, segen- vl'll wirken cm der Heiligung der euch anvertrauten Seelen, und mitarbeiten an dem Ausbau der Kirche, für welche der Herr sich hingegeben hat, um sie darzustellen ohne 34 t Makel, damit sie seine unbefleckte. Braut sey, und Er sie einst ausnehmen könne in seine Herrlichkeit. Amen. Gegeben am Tage der Geburt Maria, der Mutter GotteS, den 8. Sept. 1853. -j- Carl August, Erzbischof. Die GeisteSerneuerungSstundcn tn Freistng vom 7 IS.Oet. 18SS. f Wenn auch bei so erhabenen und tiefeingreifenden Ereignissen, wie die Geistes- erneuerung einer nahe an hundert gehenden Zahl von Seelsorgspriestern ist, aller Anstoß und erster Ruf Golt allein zuzuschreiben ist, der sie in die Einsamkeit führt, um zu ihrer Seele zu reden; so dürfte doch auch das Werkzeug, welches Goites er- barmenSreiche Weisheit hiezu verwendet, nie ganz als zufällig betrachtet werden. Obwohl eS die wahre »„geheuchelte Demuth des edlen Greisen Pater Rector Friedrich Rinn nie glauben wird, so muß eS aber doch zur Steuer der Wahrheit und zur Ehre Gottes, der diesem treuen Diener so große Gnaden gibt, gesagt werden, daß sein Name, der in so vielen Priesterherzen unserer Erzdiöcese seit dem Jahre 1851 mit liebender und danlbarer Erinnerung eingeschrieben blieb, eS vor allem war, dessen sich - Gott bediente, um so viele Priester wieder in die heurigen Erercitien zu rufen. Hatte er ja so wärmend damals geredet, daß man von ihm wohl auch sagen konnte, was der Kirchenvater vom heil. Johannes schreibt: sructsvit, quocl dilierst ex eorclv ^esu! Daher kamen so manche, die im Jahr 1851 ihn gehört, und ihm so viel verdanken gelernt, auch Heuer wieder, andere aber entbehrten wohl nur darum— vielleicht nicht ohne Schmerz — die Freude, den „lieben alten Pater" wieder zu hören, mit ihm zu beten, zu seufzen, zu versprechen, „mit ihm die Erercitien zu machen" wie er'S ja will — (da er nicht Magister, sondern Mitbüßer seyn will,) — um ihren Hilfspriestern oder Nachbarn und Amtsbrüveru diesen Geistesgenuß möglich zu machen! Und so waren am 7. Oktober Abends bereits 38 Priester im Seminar gegenwärtig, die sich in den folgenden Tagen auf 93 mehrten, und man konnte beim ersten einleitenden Vortrage die verschiedenartige Gcmüthsstimmung in den auf den eintretenden Pater gerichteten Blicken sehen, bei den schon Bekanntgewordenen die heilige Frendc des Wiedersehens, bei den Neuerschienenen die gespannte Begier, den Mann zu sehen, der mit dem Schwerte der einfachsten Demuth Gott schon so viele Herzen eroberte! Er begann mit seiner Sendung, aus der er alle Kraft, alle Zuversicht sich ableitete, und ging dann in gewohnter Ordnung, streng dem heil. Vater Jgnatius folgend, die wichtigen Materien mit Sicherheit und pemnthkrästiger Meisterschaft durch, ausgehend von der Parabel des Säemaimes erklärend das „k'unclsmevwm" der heil. Jgna- lianischen Erercitien, und alles was sich ihm anschließt nach der Reihe des Erercitien- büchleins. Tieferschütterud wirkten die Vortrage über die Sünde und die Liebeöreue— und das beste Zeugniß mochte wohl der Zudrang der Beichtenden zu dem greisen Pater seyn, der ihn nöthigte, drei Tage lang alle freien Stunden bis in die Nacht der Beruhig»:^ belasteter Seelen zu weihen, wa? l,r auch mit rührender Aufopferung, Geduld und Liebe trotz seiner hohen Jahre und abnthmcnden Kräfte that. Auch bei den anderen eifrigen HH. Beichtvätern gab es aber der Arbeit genug, und besonders tröstend erscheint für die Fruchtbarkeit dieser Tage, daß fast keine Beicht unter einer sonst langschemeuden Zeit vollendet, sohin der lebendige Eifer gewiß recht sichtbar war. Die Communiontage waren, mit dem Diamantenkranze vieler Thränen aufs glänzendste geschmückt. Allgemein freudige Aufnahme fanden wieder die' vertraulichen Unterredungen ^- cvnsiclei-aticinös — wo der edle Pater mit der liebenswürdigsten, oft selbst naiven Einfachheit die tiefsten Fundgruben praktischer Seelenkenntniß öffnete, und gewiß segensreiche Einflüsse auf die Leitung vieler Seele» übte.5) Der ruhige Ernst, die viele» freiwillige» Andachten, indem die Cavelle keine Stunde deS TageS bis zum späten Abend leer war — alles das können mir gute Zeichen seyn! Der Stadtklerus Freisings Besonders ausgezeichnet waren die Anleitungen zum Meditiren und der Aortrag über die Demuth. 342 bctheiligte sich auch auf'S eifrigste, und eS erschien manchem schwer erklärlich, aus welcher Ursache die zahlreiche Chrkstenschaft der Metropolilanstadt München hier so spärlich vertreten war, da doch unsere Zeit, und vielleicht noch mehr die nächste Zukunft dem Priester in einer großen Stadt so manch' schweren Kampf bietet, zu welchem sich geistig zu waffnen der hochwürdigste Herr Erzbischof seinen KleruS so dringend und rührend väterlich geladen hatte. Doch ferne sey hier, ein^ unS nicht zustehend Urtheil zu fällen, jeder wird wissen, was ihn hinderte. Doch weiter in unserer Schilderung. Das feierliche und so fruchtbare' Schweigen wurde nur gelöst durch Gebet oder Gesang. Abends tönte daS bekannte tiefergreifende mehrstimmige Miserere vor dem ausgesetzten heil. Sacramente, und nach dem Abendtische hatten dießmal auch einige Priester, die seit mehr denn zehen Jahren der ernsten Seelsorgsbahn des lieben Seminars noch nie vergessen, wieder in wohlthueuder Erinnerung jenes sorglosen brüderlichen BeisammenseynS ihre altgewohnten Tischgesänge: „Mima in mortis kor» lilium pro nodis ors" und „O Lsmctissim»!" angestimmt, und freudig heimisch tönte eS von allen Anderen wieder. Besonders aber, als am ersten der Communivntage statt dieser Lieder daö einfache: „Himmelsau, licht und blau :c." z»m Lobe des SacramenteS der Liebe Jesu gesungen wurde, da sah man manches Auge mehr nnd anders denn sonst erglänzen — und aus tiefem Herzen stimmten Alle ein in das Lob dessen, den niemand ganz loben kann! Am Donnerstag den 13. um 7 Uhr hatten sich alle Erercenten in der Capelle deS heil. Maximilian unier der Domkirche versammelt, wo wieder das Haupt des heil. Corbinian erponirt war. Se. Ercellenz der hochwürdigste Herr Erzbischof las hier die heil. Messe, und ehe er die Communion spendete — das lebendige Brod des ewigen Lebens in hochgehobener Hand, hielt er au die auf ihre» Knieen liegenden Priester eine tiefergreifendc Anrede, welche mit der Erweckuug der drei Haupttugenden und dcS Vorsatzes schloß. Gewiß kein Auge blieb hier trocken! Zum Schlüsse gab der erfahrungsreiche Pater noch äußerst praktische Grundsätze zur bleibenden Besserung, die er mit den vier t? (tuMre msla, lscoro doris usne, terre pstienwr msls, I'erri ac> meliois) dem Gedächtnisse einprägte. Nach dem Schlußvortrage sprach ihm der Herr Pfarrer Meirner von Ebersberg niit innig gefühlten priesterlichen Worten den Dank aller Anwesenden aus, versprach und erbat das gegenseitige Gebet, und rief Alle auf, in seinen frohen Dank einzustimmen. Das le Deum und der Segen mit dem allerheiligsten Sacramente schloß diese feierlichen gnadenreichen Tage. Waö sollten wir nun geben, zum Danke für so viele Geistesfrcuden? Gold und Silber lohnt hier nicht — wir gaben also das Beste, was wir hatten, indem wir uns sämmtlich verpflichteten, die nächste heil. Messe nach den Erercitien für Seine Ercellenz unseren hochw. Herrn Erzbischof aufzuopfern und für den guten Vater Rinn, damit Gott Ihnen vergelte, was sie für unser Seelenheil gethan, dabei verpflichteten wir uns auch gegenseitig einander zu gedenken, daß wir Früchte, würdige Früchte bringen möchten. Das Circular, nutendem Motto: „^seiueus eontritus est et nos liberati sumus", „Leee eZo meres5 tus magns vimiz" ward von allen frenndlichst unterzeichnet und dem guten Pater Rector zum Abschiede eingehändigt. So segne denn Gott diese schönen Tage für uns und die uns anvertrauten Seelen, daß sie ein gut Samenkorn seyen und vielfältige Frucht trage». Mögen bald wieder solche Gnadenstunden wiederkehren, damit auch so vielen, die nicht beiwohnen konnten, dieselbe Freude des Geistes werde, derselbe Friede ihr Herz überströme, wie es uns ward! 5) ^. N. *) Sehr zu wünschen wäre aber, wenn solches nicht unbescheiden oder vorgreifend gegen die Weisheit unseres hochw. Oberhirte» erscheint, wenn bei künftigen Erercitien die Zeit von Monttig bis Samstag genommen werde» — etwa, allenfalls noch Sonntag Abends begonnen werden könnte. Es war auch Heuer wieder der Fall, daß einige am Sonntage nach Hause mußten, wodurch ihnen die so wichtigen und tiefergreifenden Vortrage über die Sünde und die nähere Vorbereitung zur heil. Beicht ganz verloren gingen. Andere tonnten erst Montags erscheinen, uud verloren so die sämmtlichen Fun- damcntalvorträge. Dieß nach der vielseitigen Aeußerung Beteiligter — doch sslvo metiori et sslvs odeetientia! > 343 Nachklänge aus den Exercitien in Freising vom 7.— 13, Oct. 1853. I. Der Beichttag. I^squeus contritus esl et nv8 likersti sumus! Ps. lL3, 7. Secuoäum multituämem äoloruw mvarum in coröe weo consolstiones tuse Isetitj- csveruiit snimsm me»m! Ps. 93, j9. Nur in Dir ist Ruh' und Frieden Einer tiefgebeugten Seele, Gib, daß Deine Lieb' hienieden Ich vor allen Gütern wähle. Laß mich Geistesarmuth üben. Wie Dein Sohn sie uns gelehrt, Diese Welt in Dir nur lieben, Die in Dir mir nur gehört. Ferne sey der Sinne Toben, Fern' was Ruhe stören könnte, Ferne, was den Blick von oben, ' Was das Herz vom Vater trennte! Doch — daß Wollen und Vollbringen Nicht, wie sonst, geschieden sey, Daß das Wünschen mög' gelingen: O Maria, steh' uns bei! II. Der Communiontag. Venite sä me omnes qui Islwrstis et onersli eslis, et ego retioism nos! Matth. 15, 28. Le-iri munäo coräe, quoniam ipsi veum viäeduut! Matth. 5, 8. Ringsum Ruhe, ringsum Freude Und im Herzen GotteSftiede! Ach wie stimmt mich Alles heute Doch zum Thränendankesliede! Hab' ja Ihn, den Oftverletzten Neuversöhnt mir nah empfunden, Hab' mit Ihm, dem Nieersetzten Mich auf's neue treu verbunden. Lobt den Herrn, ihr Engelschöre, Heut' mit mir, am SühnungStage, Der uns von des Herzens Schwere Freite — von des Geistes Plage! Sphären-Melodieen singen Gottes Lob Aeonen lang, Doch auch Sünderstimmen dringen Läßt Er gern in diesen Sang. Singt von Wonnen hier und drüben, Die der Herr uns stellt so nah, Wenn wir Ihn nur herzlich lieben — Singt Ihm Allelujah! M 344 Ueber Geisteskrankheiten in Syrien. Man unterschei'pet in Syrien zwei Formen des Wahnsinnes: Krankheit und Besessenheit. Bei jeder Erkrankung wird ein Arzt und eiu Priester zugezogen, um zu entscheiden, ob der Mensch Arznei bekommen oder erorcisirt werden soll. So mußte v,-. Forest zu wiederholtmmalen mit einem Mönch, einer Nonne oder einem Priester zusammentreffen. Die Freunde der Irren versuchen gewöhnlich zuerst eine Art medi- cinischer Behandlung, besonders Luftveränderung, wodurch schon viele gebessert worden. Nutzt dieß nichts, so wird der Kranke in eine Moschee oder in ein Kloster geschickt, um den Teufel austreiben zu lassen. Das Merkwürdige dieser „retrests tor tue inssne" (Zufluchtsorte für die Geisteskranken) ist der Berg in der Nähe von Tripoli, ein Ma- ronitenkloster, dem heiligen AntoniuSl gewivmet und sehr reich. Der Raum für die Irren ist eine natürliche Höhle, wo das durch das Dach tröpfelnde Wasser Stalaktite» in verschiedener Form hervorbringt. Diese fortwährende Neubildung von Gestein ist für die Eingeborncn ein Zeichen, daß der Ort wunderwirkende Kraft besitzt; der Kranke wird hier mit einer Kette und einem hölzemen Halöringe angeschlossen. Er erhält Brod und Wasser als Nahrung, und die sonstige Behandlung besteht in Gebeten, Prügeln.und Exorcismen. Gelingt die Kur, so bekommt der Heilige ein Dank^ gebet und das Kloster ein Geschenk. Gelingt sie nicht, so ist dieß ein Zeichen, daß eS eine Krankheit ist und keine Besessenheit, und da die Höhle bloß die Kraft hat Teufel auSzutreiben, so wird der Kranke entlassen. Die Höhle ist die berühmteste der Art und Kranke aller Religionen suchen dort Zuflucht. Zuweilen unternimmt ein Mönch die Kur im Hause des Kranken oder sperrt ihn in eine Dorfkirche ein. Dr. Forest hatte Gelegenheit, einen derartigen Fall zu beobachten. Eine Frau von mittlerem Alter mit erblicher Anlage zum Wahnsinn erlitt während deö Wochenbettes einen neuen Anfall. Ein benachbarter Mönch erklärte sie für besessen. Nachdem er gebetet, sie mit Weihwasser besprengt und dem Geist befohlen hatte sie zu verlassen, wurde sie ruhig; er erklärte sie für geheilt, aber am folgenden Tage war sie ebenso schlecht wie vorher. Der Mönch kam wieder und fing an sich mit dem Teufel zu unterhalten. „Wie heißt Du, verfluchter Geist?" Die Kranke gab den Namen ihrer nächsten Nachbarin an. „Wo lebst du»" Im Grabe. „Woher kamst Du, ehe Du in dieses Weib einfuhrst?" — Aus dem Ofen. „In welcher Form?" — Als Katze. „Wo gingst Du hin, als Du sie gestern verlassen?" — Auf's Dach um sie zu versuchen. — Der Mönch erklärte, diese Art könne bloß durch Gebete ausgetrieben werden, und versprach drei Tage zu fasten. Die Kranke wurde inzwischen in die Kirche eingesperrt. Der Mönch sagte dann, er habe so lange gefastet und hielt viele Unterredungen mit dem bösen Feind, wobei die Antworten auf ähnliche Art wie oben erfolgten, verfluchte hierauf laut den Geist, und als die Kranke ruhig geworden war, verlangte er, um den Teufel noch zu versuchen, sie solle seinen Schuh küssen, denn dieß sey die niedrigste Art der Demüthigung und Stolz ein Hauptcharakterzug deS Teufels. Sie weigerte sich, da verfluchte er sie und stieß und schlug sie endlich so heftig mit einem Schuh auf den Mund, daß sie blutete u. f. w. Schließlich erklärte er, man hätte lieber einen Doctor rufen sollen, das Weib leide an Melancholie. Die Kranke genaS unter der Behandlung des vr. Forest. ' (Ausland.) Bosnien Die katholische Bevölkerung Bosniens wird aus 12,000, die in der Herzegowina aus 50,000 Seelen geschätzt, für welche nicht mehr Gotteshäuser als drei Klöster und zwei Kirchlein. vorhanden sind. Der Gottesdienst wird größtentheils in Ställen und auf offenen Kirchhöfen abgehalten. Zur Erbauung eines Klosters und eines Seminars wird jetzt in ganz Oesterreich' gesammelt. Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. <5. Kremer..