Vreiz-Hnter Jahrgang. Sonntags-Beiblatt zur Ängslmrger PostSeitnng. 20. November M- ^7. 1853. Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnement«prei« kr., wofür e« durch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Herzog Alba. Unter dieser Ueberschrift theilt das „Hall. Volksbl." einen Brief des ?. Ludwig de Granada mit, wonn dieser die Herzogin Alba über den Tod ihres Gemahls tröstet, der am 11. Dec. 1852 in Lissabon erfolgte, als er nach dem Tode deS Königs Sebastian für Philipp II. von Spanien Portugal in Besitz genommen hatte. Wir theile» diesen Brief um so lieber mit, da bekanntlich Herzog Alba als Unterdrücker dcr Reformation in den Niederlanden häufig in einem Lichte dargestellt wird, daß man versucht ist, nicht nur jede religiöse Gesinnung, sondern alles menschliche Gefühl und jede höhere Regung bei ihm in Abrede zu stellen. Ludwig von Granada ist ein bewährter Zeuge, hinreichend bekannt wie durch Frömmigkeit, so durch seine aScetischcn Schriften, und wir haben auch nicht die geringste Veranlassung, iy seine Aussage Zweifel zu setzen. Der Brief lautet also: Höchstzuverehrende Frau! Die Gnade und der Trost des heiligen Geistes sey für immerdar mit Ewr. Excellenz. Wir, die wir den Herzog kannten, welchen der Herr auö diesem Jammer- thale zu seiner Glorie erhob, um ihm den Lohn für so viele Arbeiten und Drangsale zu ertheilen, die er im -Dienste seiner Kirche verrichtet und erlitt; wir fühlen den allgemeinen Verlust solcher Personen. Jedoch dieser Schmerz möge die Betrachtung des Lebens, welches er führte, und der Art, wie er es endete, lindern; denn eins wie das andere war geeignet, um uns eine so gewisse Hoffnung seiner ewigen Seligkeit zu gewähren, als sähen wir sie mit unsern Augen. Nur den Theil des Schmerzes haben wir gefühlt, welcher Ewr. Excellenz davon anheimfällt: Jedoch der Herzog sagte uns, bevor ihn Gott zu sich rief, daß der Allmächtige Ihnen in dieser schweren Heimsuchuug beistehen werde. — Und gewiß, er hatte Recht, solches von Ewr. Erc. zn hoffen, da er Ihrer richtigen Erkenntniß und der vielen Verpflichtungen gedachte, welche Sie gegen den Herrn haben, um ihm dieses Opfer für die empfangenen großen Wohlthaten zu bringen, von denen Eine ist, die am glücklichsten verheirathete Dame in unsern Zeiten, ein Muster vom Glück der Liebe und deS Friedens unter Eheleuten gewesen zu seyn. — Eine andere Wohlthat ist eS, daß Ihnen Gott zum Gefährten auf dieser Pilgrimschaft einen der tapfersten, siegreichsten und katholischsten Herrn unserer Zeit gab, und zwar einen solchen, daß, wenn der Herr Ewr. Erc. die Macht ertheilte, sich in der ganzen Welt einen Gemahl aufzusuchen, Sie gewiß keinen würdigeren und tüchtigeren Ehemann finden würden. — Noch eine andere Wohlthat GotteS ist es, diesen Gemahl fünfzig und so viele Jahre bewahrt zu haben: und wenn ich meine Augen mit dem Blick auf so viele verheirathete Damen Spaniens erfreuete und sähe, wie unglücklich das Leben ihrer Männer und wie kurz es war, dann würde ich auch viele frühe Wittwen und wenige Frauen finden, die so lange 370 wie Ew. Erc. vermähst waren. — Fügt man mm noch die Gefahren hinzu, von welchen der Herr den befreit hat, der fast immer nnter Arkebusen- und Artillerieseuer, fünfzig und so viele Jahre mit den Waffen umging, und nie die größten Gefahren scheute: welches eine Art Wunder ist. — Und da nun dieses Alles geschah, weil der Herr sein Ohr zu den frommen Fürbitten, Messen und Gebeten Ewr. Erc. neigte, um ihn in der Mitte so vieler Gefahren zu erhalten, wäre es da nicht recht, die Worte des heiligen Hiob zu wiederholen, welche dieser seinem Weibe sagte, als sie ihn schalt: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten wir das Böse nicht auch tragen?" Dieser Heilige will nicht, daß wir die Hand offen zum Nehmen halten nnd geschlossen zum Geben: indessen noch weniger will es Gott; wohl aber, daß wir mit offener Hand empfangen, was er uns gibt und ihm geben, waS er unS abfordert. Jedoch damit enden sich noch nicht die göttlichen Wohlthalcn; eine andere weit größere bleibt übrig, und die ist: daß Ewr. Erc., die mit dem Herzog so vertraut umgingen, eben so große Beweise seiner Seligkeit besitzen, als auch wir haben, und besonders ich, der ich seit seiner Ankunft in dieser Stadt das Heil seiner Seele besorgt, lind gewiß, eS ist wahr, die meisten Male, wenn er mir beichtete, ging ich von ihm vcrwirri und beschämte mich, mich selber anzusehen, und auf jener Seite die große Ergebung, Frömmigkeit und Thränen zu gewahren; die Worte, welche er sprach, seine Gefühle für die Sache des Herrn und jene große Festigkeit, die er besaß, nichts zn thun, waS Todsünde sey, sondern eher daS Leben zu verlieren; und dieß Alles nicht etwa ans Furcht vor den Strafen des FegscuerS, die ihn nicht bewegten, sondern wegen der Wohlthäte», die er vom Herrn empfangen hatte und wegen dessen Güte, von der er nie müde wurde, zu sprechen. Und als Einige meinten, er sey zu streng iu der Ausübung der Gerechtigkeit, versicherte er mir sehr ernst: daß sein Gewissen ihm nicht vorwürfe, in seinem ganzen Leben einen Tropfen Blut gegen sei» Gewissen vergossen zu haben, und daß, so Viele er anch in Flandern habe hinrichten lassen, es nur geschehen sey, weil es Ketzer und Rebellen gewesen. Aber wie soll ich die drei Vorzüge und Tugenden rühmen, welche er Seiner Majestät, als diese ihn in der Krankheit besucht, erklärte? — Er sagt unter andern Worten, wie folgt: „Ich bin im Begriff, aus diesem Leben dahin zu gehen, wo jccennann die Wahrheit sagcu muß; von drei Sachen, die ich Ew. Majestät sage, ist die eine, daß mir nie, auch nur daS kleinste Ihrer Geschäfte oblag, daS ich nicht dem wichtigsten der meinigen vorgezogen hätte. — Die zweite, daß ich immer mehr Sorgfall für Ihre Finanzen hatte, als für die meinigen, und so bin ich weder Ihnen noch Ihren Vasallen auch nur ein einziges Brod schuldig. — Die dritte ist, daß ich Ew. Majestät nie sür ein Amt einen Mann vorgeschlagen habe, der, alle Vorliebe bei Seite gesetzt, nicht der Geschickteste dazu von allen denen gewesen wäre, die ich kannte." Und dieß sind drei Dinge, die wir als drei Wunder betrachten können, denn wo in so vielen Jahren eines General-Kapitäns, unter dem drei Kaiser und ein Ritter, der nachher Papst wurde, gedient haben, sah man solche Tugend, solche Treue, solches Gewissen uud solche Besouneuheit bei so großem Glücke! Aber ich lasse diese weltlichen Tugenden bei Seite und kehre zn den geistlichen zurück! — Er beichtete und communicirte jeden Monat, an den Hauptfesten und an allen den Tagen, an welchen ihm Gott einen Sieg verliehen hatte, und so communicirte er im vergangenen Angust, am Tage unserer lieben Frauen, welcher auf den 1ö. fällt, darauf am 25., welches der Tag der Schlacht bei dieser Stadt (Lissabon) war, und gleich darauf den Tag unserer lieben Frauen im September. — Da nnn diese Commnnioncn so nahe aus einander folgten, wagte er in seiner Demuth nicht sie zu begehen, ohne meinen Rath einzuholen. — Er communicirte ferner jedes Jahr am Vorabend von St. Francisco, in Erkenntniß der Gnade, welche Gott ihm angethan hatte, ihm Ewr. Erc. zur Gefährtin seiner Prüfungen gegeben zu haben. Er vcrriclitete seine Gebete jeden Abend lange Zeit vor einem Crucifix, welches er besaß, und klagte sich selbst oft an, daß ihm die Sammlung und Hingabe fehle. Unb wenn 371 ich ihm sagte, er solle sich hieeüber nicht ängstigen, weil die Ruhe der Beschaulichkeit nicht für Personen wäre von so vielen Geschäften und Nachdenken, wie er, so war seine Antwort: daß er untröstlich seyn würde, wenn man ihm die Hoffnung benehmen wollte, dereinst zu dieser Art Uebung gelangen zu können. Weil er nun in den Krankheiten die Zeit zum Abendgebet nicht finden konnte, so gebrauchte er eine Art Gebete, die man Herz- oder Stoßgebete nennt, auch dann selbst, wenn er mit denen sprach, die ihn besuchten, und sagte mir, eS ginge ihm recht gut damit. Und als ich in der größten Krankheitsschwäche fragte, ob er diese guten Gebete anwende, antwortete er: ja, obgleich mit vieler Schwachheit; jedoch die Gnade deö Herrn stärke ihn. — So vermochte die Last der Krankheit nicht den Gedanken an Gott zu unterdrücken! Erwägen nun Ew. Erc., ob diese Uebungen sich sonst bei Jemanden finden, der immer nur die Waffen geführt hatte, ausgenommen bei dem hl. Könige David. Er sandte mir jeden Monat 500 Realen, damit ich sie an arme Wittwen vertheilte, und befahl mir, keiner die Thüre zu verschließen, so viel deren auch kämen, und als ich ihm sagte, daß ich nicht auf Almosen bestünde, da er Schulden habe, erwiderteer: „Ich kaufe kein Pferd für 1VV0 Dukaten und so setzt dieß mich in keine Verlegenheit. — Am Tage seines TodeS erinnerte er sich selbst, ohne daß ihn jemand darauf brachte, der Armen, und befahl, als er kaum noch sprechen konnte, dem Don llsrnsruto äs loleäo (seinem Neffen) mir Almosen für zwei Monate zu lassen, welches 1W0 Realen waren. So wie das Leben, war auch sein Ende; in 33 Tagen, welche die Krankheil dauerte, communicirte er viermal und dreimal davon nüchtern, denn er beobachtete auch noch so nahe dem Tode die Vorschriften, welche hinsichtlich deö Essens in solchem Falle gelten. — Und so erfüllte der Herr seinen Wunsch, und führte ihn als seinen treuen Gefährten aus diesem Jammerthale. — Am dritten Tage der Krankheit zauderte er nicht lauge mit der Beichte und in einer derselben hielt er mit dem Herrn ein Gespräch in solchen Worten und Betrachtungen, die einen großen Sünder zu bekehren hinlänglich gewesen wären. — Aber ich habe kein Gedächtniß für so viele Dinge, die er da sagte, sondern nur für den Inhalt derselben, und der war: daß, wenn er keine andere Art deö LcbenS, als die, welche er bisher geführt, weiterhin führen solle, er auch kein Leben mehr wolle. So endete er auch mit großer Ergebuuz in den Willen Gottes, indem er mit großem Mnthe ausrief: „Gehen wir!" und dem Herrn von kernsnelci dankte, der ihm sagte, er könne sich nun zur Reise anschicken, wie dieser selbst eS Ew. Erc. erzählen wird. Hieraus ersehen jetzt Ew. Excellenz, waS von diesem Leben und dessen glorreichem Ende zu erwarten ist, und hiermit vereinigen Sie ein anderes Zeichen für deS Herzogs Berufung zur Seligkeit, nämlich das Wohlgefallen und den Trost, welchen er empfand, wenn man zn ihm vom Herrn sprach, so wie ich solches noch nie bei einer Person seines Ranges gesehen habe: denn jedesmal, wenn er beichtete, mußten wir zwei Stunden bei ihm seyn und von diesem Gegenstand ost bis zum Kopfweh sprechen. . Alles dieß wohl überlegt, genügt, um den Schmerz deö Verlustes zu lindern, menn man anders das Verlust nennen kann, was ein Gewinn sür die Person ist, die man liebt. Wir wissen, daß wir ein am Feuer stehendes Gefäß nicht am heißen Theile angreifen dürfen, sondern am kalten, und da dieses Ereigniß Seiten enthält, die Schmerzen veranlassen und andere, die Linderung gewähren, so bestreben sich Ew. Ercellenz die Augen auf das zu richten, was Sie trösten und bewegen kann, dem Herrn Dank zu sagen und nicht auf das, was untröstlich macht, und die Ergebung in den Willen dessen hindert, der es angeordnet hat. Die Personen, welche von ihren Freunden etwas borgen, danken zweimal dafür: das Erstemal, wenn sie eS erhalten, das Zweitemal, wenn sie eS wieder erstatten, und das um so viel mehr, je längere Zeit sie sich dessen bedient haben, weil der Dank alsdann mehr vom Herzen kommt. Ew. Ercellenz wissen wohl, daß das Leben der Eheleute kein dauerndes Eigenthum 372 ist, sonder» n»r für eine gewisse Zeit, für welche sich ein sterbliches Geschöpf mit einem andern gleichfalls sterblicheil verbindet. — Da nun Ew. Erc. dem Herrn Dank sagten, als er Ihnen das Leben dieses Herzogs bewilligte, so sind sie auch verbunden, ihm bei dessen Zurückgabe den größten Dank abzustatten, da Sie wissen, daß Sie sich mit einem sterblichen Menschen verheirateten, und daß die Freude deS Hochzeitstages durch die Trauer des EudeS aufgewogen wird; denn nur im Himmel allein gibt eS Freude ohne Trauer; in diesem Leben aber gellt daS eine untermischt mit dem andern. — Ja, selbst das Ende eines Vergnügens ist oft der Anfang eines Kummers, wie es Ew. Erc. werden erfahren haben und jetzt von neuem erfahren, da kaum die Freude über die Geburt des Enkels vorüber war, als die Krankheit des Großvaters begann: denn so sind die Schicksale und ist die Weihe deö sterblichen Lebens, daß die Zeit des Unglücks die ist, wenn wir das anvertraute Gut zurückgeben, und gleichwie der heilige Hieronymuö sagt: „laßt uns keine Betrübniß haben für daö, was wir verlieren, sondern vielmehr Freude für das, waS wir empfingen." Aon Ew. Erc. erwarte ich dieses, so wie ich Gott dafür danke, daß ihn Gott in ftine Wohnungen aufuahm und ich in seiner Krankheit ihm beistehen konnte. — Wo aber konnte er, gnädige Frau, ehrenvoller enden, als in seinem Amte, und obgleich der größte Schmerz der Krankheit geschwunden wäre, wenn Ew. Erc. sich anwesend befunden hätten, so sein Sie doch überzeugt, daß auf Ihre Abwesenheit keine Schuld fällt, denu seine Herren Neffen bedienten ihn wie Kinder mit so vieler Liebe und Sorgfalt, durch Tag und Nacht, daß sie sich in Kleidern niederlegten, um jedesmal, wenn er rief, hinzueilen. Was dieß also anbelangt, so ist durch Ihre Abwesenheit nichts versänmt, und ich bin gewiß, daß der Herzog eS so angeordnet hatte, weil er nothwendig viel Kummer Ihretwegen gehabt habeu werde, wenn Ew. Erc. zugegen gewesen wären. Und so bedeutete er eS mir auch, als er hörte, Sie machten sich auf den Weg, um ihn zu sehen. Er sagte, daß er den Schmerj von Ew. Erc. wohl fühle, daß jedoch Gott seinem Geiste so viel Kraft verleihe, diese Schwäche der Zärtlichkeit zu überwinden, was wahrscheinlich ukcht der Fall seyn würde, wenn er hier Ihre Thränen sähe. Es bleibt daher nur übrig, daß Ew. Erc. jetzt das thun, was der heilige HierouymuS von der heiligen Paula schreibt, die, nachdem sie den Tod ihres Mannes so tief gefühlt hatte, sich später so frei von diesem Kummer sah, und sich dem Herrn so sehr ergab, als hätte sie immer nach dieser Freiheit verlangt. Obgleich eS nun bei des Herzogs Verdiensten uud seiner Frömmigkeit und bei der Sanftmut!) und Geduld, mit welcher er diese letzte Krankheit trug, zu glauben steht, daß er von den Qualen des FegfeucrS srei sey, so mögen Ew. Erc. dennoch sich so verhalten, daß Sie seiner Seele wohl thun, nm ihm die immer gegen Sie geäußerte übergroße Liebe zu lohnen. Seine Liebe aber war so groß, daß er immer wünschte, Ew. Erc. gingen ihm voran, um Ihnen den Schmerz zu ersparen, wenn er der Erste wäre. Mehr als einen Monat vor der Krankheit fing ich an, ihn auf diese Reise vorzubereiten, indem ich ihm sagte, daß es Zeit sey, sich darauf zu rüsten, da das Alter und die daran hängenden Gebrechen eS verlangten. Auch sah er dieses wohl ein, so wie es Ew. Erc. erfahren und dem Herrn danken werden, daß er eS anders leitete, als Sie eS wünschen; denn besser ist eö, daß wir wollen, was er will, als daS, was wir wollen; und eS ist mehr Grund vorhanden, uuseru Willen dem scinigen unterzuordnen, als den seinigen unserm. Möge Er die ausgezeichnete Person und den Stand Ew. Erc. immer bei der Gunst deö Himmels erhalten, Sie stärken und, trösteu in diesen irdischen Müheu. Lissabon, den Ick December 1532. 373 Aus Jerusalem. *) O e l z w e i g e. Jerusalem, Oct. 1853. Das größte Verdienst um die Erhaltung und Verbreitung der katholischen Religion in der Levante gebührt unbestritten den Vätern vom Orden des heiligen FranciscnS, welche bereits über sechshundert Jahre Hüter der heiligen Stätten und Wächter am Grabe unsers Erlösers sind, welch letzterem Dienst zur Zeit der christlichen Könige in Jerusalem die regul. lateran. Chorherren zugleich als Ritter vom Orden des heiligen Grabes versahen, und von deren Kanonie man noch heute Ueberreste in der Harzt en Aassark» erblickt. — Die?. FranciScaner haben gegenwärtig in der Custodie und dem Missionsgebiete der lorra 8ta. 23 Konvente (darunter 14 Hospizien, Konstantinopel, Fajum, Rosette, Nikosia, DamascuS, La- tackia, Tripolis, Harissa, Beirut, Saiva, Tiberiuö, Acre, Jaffa, Rama) mit eben so vielen Kirchen, 6 Kapellen und 30 Sanktuarien. Sie sind entweder Missionäre, welche die Seelsorge für 13,116 Katholiken deS latein. Ritus und 1737 Katholiken anderer Riten (in 18 Pfarreien) versehen, oder Visitanten, welchen der Chordienst und die Leitung der häuslichen Verwaltung obliegt. Außerdem sind noch 95 Laienbrüder mit verschiedenen häuslichen Verrichtungen nnd Handwerken betraut. Im Ganzen 224 Religiösen. — „ES ist ein Skandal, daß Europa hier so viele Mönche mästet!" hörte ich ans meiner Reise einen Pilger sagen; — ihre Zahl scheint aber doch nicht hinreichend zu seyn; denn sonst wäre wohl kaum ein Patriarch mit eigenem Seminar für nöthig erachtet worden! Wenn man aber die Zahl von 14,383 Seelen mit der von 129 Priestern zusammenzustellen beliebt, wird kein vernünftig und also billig Denkender übersehen, daß der hier sehr strenge Chordienst, so wie die Leitung der Geschäfte von 23 Ordenöhäusern anch ihre und zwar nicht geringe Zahl von Geistlichen erfordern. Zudem ist eine kleine Mehrzahl von Individuen um so mehr in diesen Gegenden von Nöthen, als Klima nnd strenge Lebensweise auch Krankheiten zur Folge haben, die Stellen aber doch fortwährend alle besetzt bleiben müssen. (Man erwäge z. B. nur, daß im Jahre 1834 21 Individuen im Salvatorkloster zu Jerusalem an der Pest erkrankten, und 19 von diesen 21 als Opfer ihrer treuen Pflichterfüllung dieser Seuche erlagen!) Die 95 Laienbrüder dürfen den oberwähnten Herrn Pilger eben so wenig erschrecken, da ihm bei einer unzureichenden Anzahl von Laienbrüdern wohl kaum in den von ihm besuchten Conventen jene Pflege hätte zu Theil werden können, von der er selbst gestand, daß er vollkommen Ursache gehabt, damit zufrieden zu seyn. Und was endlich die Mönchsmast betrifft, steht nur zu bedauern, daß der gute Herr seine Brille nicht sorgfältig gereinigt, und ein paar Wochen wenigstens, ich will nicht sagen, an der Disciplin der Väter, aber doch an ihrem Mahle Theil genommen nnd sich an ihrem tmeoslä in Wasser, und abermals tiseeslä in Oel, und zwar, aufrichtig gestanden, herzlich schlechtem Oel — mitgemästet hat. — Es gibt in der That ganz knriose Leute und auch sehr kuriose Pilger unter dem Monde, die mit wunderbarer Mattheit — man darf auch zuweilen sagen: Rohheil —über daS Gute, zumal auf religiösem Gebiete hinwegzuschielen wissen, oder, die der schlechteste Witz ihres, wenn auch sonst gerade nicht schadhaften HirneS — was aber dann uns nur so mehr bedauern läßt — so sehr elektrisirt, daß sie meinen, er muß heraus, „und kost' es, was es wolle!" — Sie werden vielleicht schon zu wissen glauben, was die Frauciscaner für Leute sind; aber ich wette, eS sey nicht wahr! Dr. TituS Dobler weiß das z. B. in seinen „Denkblättern aus Jerusalem« pgg- 580 weit besser! Die FranciScaner sind nach seiner Anschauuug: jene Männer, die Zeit ihres Lebens den Leib mit einem Stricke umfangen, nicht bloß darum, damit er als Eichmaß des GasterbezirkeS die lebenslängliche Nüchternheit und Mäßigkeit verbürge, sondern auch um denselben, wenn er je einmal wanken sollte, an den Himmel festzubinden." — Nun wissen Sie, was die FranciScaner sind; aber auch, was dick- ") Aus der W> Kirchenz, 374 besagter Herr Doctor! Lasseil Sie sich indeß nun auf den Schreck hinauf eine Fortsetzung meiner statistischen Uebersicht noch geduldig gefallen. Die Väter vom heiligen Lande unterhalten 15 Knaben- und 9 Mädchenschulen, in denen 36 Lehrer und 19 Lehrerinnen, welche theils dem Laien-, theils dem Ordensstande angehören, sich mit dem Unterrichte von 1306 Schulkindern in der Religionslehre, dem Lesen, Schreiben, Rechnen und auch der italienischen Sprache befassen. (Die Schulkinder erhalten auch Kost.) Außerdem sorgt die Custodie auch für den Unterricht mehrerer jungen Leute in den verschiedenen Handwerkskünsten und unterhält sie 198 Armenhäuser, welche sie an Dürftige zur Wohnung verleiht. Die Zahl der armen Familien, welche im verflofsencu Jahre sich ihrer Unterstützung erfreuten, betrug 493, und die Summe hilfsbedürftiger Individuen 1469. Man darf in Wahrheit sagen, die Franciscaner beweisen ihren Pstcgbefvhlenen im heil. Lande eine Liebe, die über alles Lob erhaben ist! Sie bezahlen für die Armen die Geldstrafen, die ihnen auferlegt worden, die Steuern, die sie an die Regierung bezahlen müssen; täglich theilen sie Brod aus an die Armen, Suppe an die Kranken, geben den Dürstigen Hemden, Schuhe und Stoff zu Kleidern, senden den Leidenden den Arzt des Klosters und reichen ihnen alle Mittel, welche dieser vorschreibt, ohne Entgelt. Dazu kommt noch die gastfreundliche Aufnahme, deren der Pilger sich in jedem ihrer Klöster, wo Sanktuarien sind (in Jerusalem durch dreißig Tage), erfreut; und die Zahl der beherbergten Pilger — auch protestantischer — ist m'chl gering: sie betrug im letzten Jahre 6881. Rechnen wir noch dazu die Auölageu, welche der Aufwand für den Kultus, die Herhaltung der Baulichkeiten, die uoihgedruugeuen Geschenke an die Türken oder Geldcrpressungen von Seite der Araber :c. verursachen, so wissen wir,- welchen Gebranch die Väter des heiligen Landes von den europäischen Almosen machen, die sie empfangen. Sie verwenden für sich kaum mehr, als zum nothdürsligen Lebensunterhalte erforderlich ist. Das kann ich wenigstens von Jerusalem bezeugen, wo ich doch nun schon im zweiten Monaie verweile. Und nnn, sagen Sie selbst, wenn man wüßte, was ich weiß, wenn mau sähe, waö ich gesehen und nun berichtet habe, sollte die christliche Frömmigkeit es sich nicht zur Pflicht machen, solche Liebe und Aufopferung nach Kräften zu unterstützen? — Spanien und Neapel thun verhältnißmäßig das Ihrige; auch Bayern trägt sein Schärflein bei, und zur Ehre Oesterreichs dars ich hier mit Freude ausrufen: unser Baterland und die Großmuth unseres Kaiserhauses stehen bei den Franciscanern der Ivrrs 8ta. in dem liebevollsten und dankbarsten Angedenken! — Daraus solgt aber nicht, daß wir nicht noch mehr thun könnten! S ch l i n g k r a n t. Jerusalem, Oct. 1853. Ich habe geflissentlich gesagt: „bei den Franciscanern;" denn außerhalb des EouventeS und der Mauern des EonsulateS hört man in der That von Oesterreich und seiner Betheiligung an den Interessen der Mission nur wenig oder gar nicht reden. Frankreich hat das Prvtectorar, und der französische Wind verweht und der gallische Hahn verkrähl, wo nicht alles, doch gar viel. Treffend hat ein höherer österreichischer Marincofficier bemerkt: „Wäre das Protectorat deS heiligen Landes auf Oesterreichs Seite, so wäre ich auch überzeugt, daß eS entweder als Protcctor handeln, oder aber seinem Titel entsagen würde." Es ist Thatsache, daß Frankreich seit langen Jahren keine und seil einiger Zeit nur höchst geringe Almoscnspenden der 'lerra 8ta. zugemittclt hat (enva 4990 Fr. jährlich; und einmal Nadelbüchsen, Flinten u. dgl. — wahrscheinlich, damit die Bäter, wenn alle Slricke reißen, sie desto leichter wiecer zusammenflicken, und mit den Flinten sich ihrer äußern und innern Feinde, etwa der Beduinen und des Hungers, im Nothfälle erwehren können. Es steckt ein sonderbarer Genius in solchen Geschenken, den man fast Ironie nennen möchte)! Aber auch das ist Thalsache, daß die meisten Franzosen sich hier fortwährend schmeicheln, das segenvolle Wirken der FranciScauer in seinen verschiedensten Richtungen sey ihre, will sagen: Frankreichs Schöpfung. Anders läßt sich z. B. wohl nicht die Frage eines Franzosen in Beirut erklären: „WaS macht denn 375 unsere Buchdruckerei in Jerusalem?" Meine Herren! diese Bnchvrnckerei der Francis- caner ist ein rein österreichisches Institut, darin auch kein einziges französisches Theil ungszeichen steckt, und für dessen Erhaltung allein Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich durch das General-Commissariat jährliche 300(1 fl. C. M. zn übersenden geruhen! Diese Druckerei, deren Errichtung vor sieben Jahren begonnen ward, hat bereits — früher unter Leitung des Sebastian, nun des ?. Andreas, zweier Oesterreicher.— über hundert größere und kleinere Werke uud Schriftchen in lcueinischer, italienischer und arabischer Sprache zu Tage gefördert, die gratis oder im Austausch gegen die von der Londoner Bibelgesellschaft verbreiteten Bücher den Verlangenden hingegeben werden. Sie ist immer vollauf im Dienste der Kirche beschäftigt, und daraus erklärt es sich, wenn sie keine französischen Blätter und Brochuren zu drucken vermag. — Ich könnte vielleicht hie und da dem Argwohn verfallen, daß ich als Patriot dem französischen Treiben gegenüber meine Feder schärfe, erlaube mir aber dießfallS die Berufung auf manche Urtheile gewiß rechtlich gesinnter Franzosen selbst! Man blättere nur zur Güte in den Souvenirs 6v I'Oriont par lo Vieomw !)e Narcellus — Paris 1839, oder ziehe Pujoulat's Aeußerungen zu Rathe, welcher beklagt, daß Frankreich ungeachtet — oder besser: trotz — seines Prolectorateö für die lorra ssnota so viel, als gar nicht, bestehe! Gleiches Bedauern äußerten einige der jüngst angekommenen französischen Pilger, die dadurch, so wie durch ihr Benehmen überhaupt, von ihrer edleren Gesinnungsweise Zeugniß geben und sich so von der Mehrzahl ihrer Reisegefährten rühmlich unterschieden, welche vergessen zu haben schienen, daß sie in den Konventen, die sie besucht, nur von dem Almosen der FranciScaner lebten, und als Danksagung für eine zu ihrer Bequemlichkeit gemachte Auslage von etlichen tausend Piastern, wenigstens mehr Rücksicht für die im Orient mit aller Sorgsalt rein gehaltenen Turassen, welche die Bestimmung haben, das Regenwasser in die Cisternen zu leiten, hätten haben sollen! Es kann den betreffenden Herren Franzosen eben so wenig zur Ehie gereichen, daß sie bei ihrer Abreise von Jerusalem nach Nazarelh mit dem Gedanken umgingen, die aus ihrem Vaterlande miipilgerndcn Priester, sehr würdige Charaktere, von ihrer Reisegesellschaft auszuschließen; so wie ich eö, gelind bemerkt, sehr offenherzig nennen muß, wenn einer der Herren auf die Frage eines Franciscaners, ob sie sich einen Präsidenten erwählt, zur Antwort gab: „Ja wohl; aber glücklicher Weise keinen Pfaffen!" Miß Cunninghame. Die Affaire der Miß Cuuninghame hat zwar bald ihr Ende gefunden und gehört bereits der Geschichte an; eS kommen aber nachträglich noch einige neue Data zu Tage, wodurch die Berichte, welche die Postzeitung nach englischen Blättern gegeben, vervollständigt und zum Theil rectificirr werden; und um die Sache ganz wahrheitsgetreu der Geschichte zu überliefern, kommen wir noch einmal auf die Sache zurück. Unsere Hauptquelle ist das „Morning Chronicle", unter den Londoner Blättern das am wenigsten katholikenseindliche und in religiöser Hinsicht das achtbarste. Am 25. September meldeten die Blätter zuerst, Miß Cunnighame, eine schottische PreSbyterianerin aus der Familie des „Reformators" John Knor, sey in Tos- cana verhaftet. Ihr einziges Verbrechen sey die Verbreitung von italienischen Bibeln und von einer italienischen Uebersetznng von Buuyan's „Pilgerfahrt", eines in England beliebten protestamischen aScetischen Buches. Es hat sich aber jetzt herausgestellt, daß sie weder Bibeln, noch „Pilgerfahrten" vertheilt hat, sondern verhaftet ist, weil sie Tractätchen vertheilt hat, die voll Angriffe gegen die katholische Religion sind. Die Blätter, welche sich sehr warm der „Mariyrin" angenommen haben, sind unvorsichtig genug gewesen, dieß selbst auszuplaudern. Der Bruder der Miß Cunninghame theilt in einem derselben mir, sie habe Tractate von Ryle vertheilt; ein anderes Blatt sagt uns, einer der Tractate heiße „Is vvrs ervee". Nun haben wir aber einen 376 Tractat: „das Kreuz, von dem hochw. Herrn I. C. Ryle," worin die Verehrung des KreuzeS bei den Katholiken „als profan, gotteslästerlich und abgöttisch" bezeichnet wird. Anfangs sprachen die Blätter von einem vergitterten Kerker der Inquisition, worin die junge Dame schmachte; acht Tage später mußten dieselben Blätter melden, sie wohne in einem hübschen, mit Bildern verzierten Zimmer, werde gut behandelt und dürfe täglich mehrere Stunden bei ihrer Mutter in deren Hotel zubringen. Der englische Geschäftsträger Scarlett erklärte selbst, der sanatischen Närrin sey nicht zu helfen; sie habe wissentlich und muthwillig das Gesetz übertreten und müsse die Folge davon tragen. Bon dem närrischen Eigensinne der jungen Dame legt übrigens der Schlußact der Komödie Zeugniß ab; denn es bestätigt sich, daß sie, als man ihr die Freilassung ankündigte, den toscanischen Behörden das Recht bestritt, sie ohne Proceß freizulassen, und daß sie eine schriftliche Bescheinigung darüber forderte, daß sie nur der Gewalt weichend das Gefängniß verlassen habe. „Wir hoffen, schließt das „Chronicle", die Geschichte wird fanatischen jungen Damen etwas Raison beibringen. Die toscanische Regierung wird klug genug seyn, die krankhafte Sucht nach einem Pseudo-Martyrthum nicht zu nähren; der nächste Tractatenvertheiler wird wohl einfach über die Gränze gebracht werden, ohne auch nur eine Woche lang in den protestantischen Blättern vergöttert zu werden. Was aber den öffentlichen Anstand und die Ehre unserer Nation angeht, so ist eS doch zu arg, daß wir von jedem sanatischen Qncrkopf compromittirt werden, der durch kein fremdes Land reisen kann, ohne die Religion seiner Einwohner zu schmähen. Durch solche Narrheiten, wie die der Miß Cunuinghame, wird das Verhältniß befreundeter Höfe gestört, Zeit und Geld vergeudet, Mißtrauen und Argwohn gegen alle reisenden Engländer erzeugt und die Diplomatie in Verlegenheit gebracht, — Alles znr Befriedigung der krankhaften, närrischen Eitelkeit eines Frauenzimmers." Spanien» Die „Esperanza" hat das Testament des berühmten katholischen Staatsmannes, Don Juan Donoso Cortes, Marquis von ValdegamaS, veröffentlicht. ES ist dasselbe datirt: Madrid, den 23. December 1848. Es wird darin bestimmt, daß von seiner Nachlassenschast sofort 20,000 Realen vorweg genommen werden sollen zu Seelenmessen und Werken der Milde. Dann folgen zwei Paragraphen, welche lauten: „Ich empfehle den Meinigeu, besonders meinem Bruder Don Francisco, die Wittwe und die Kinder unseres verstorbenen Bruders Don Pedro als ihre Schwester und ihre eigenen Kinder zu betrachten, welche sich bemühen werden, im Leben ihrem Vater uachzueisern, der wie ein Gerechter lebte und wie ein Heiliger starb. Sein Leben wie sein Tod waren der Gegenstand meiner Thränen, ich weine noch heute bei dem Gedanken an ihn. Ich kann nicht vergellen, waS er für mich gethan, durch Gottes Gnade wurde er das Werkzeug meiner Bekehrung, und durch Gottes Barmherzigkeit werden eS seine heißen Gebete seyn, welche mir die Pforten des Himmels öffnen. — Ich verbiete ausdrücklich jeden Prunk bei meiner Bestattung; die Eitelkeit mag sich genügen lassen an der Herrschaft über die Lebenden, den Todten aber soll sie den Frieden gönnen. Vorzüglich verbiete ich, daß bei meiner Bestattung jene profane und wollüstige Musik gemacht werde, die uusere Kirchen in Komödienhäuser verwandelt hat. Donoso Cortes." Verantwortlicher Redacteur: V Schönchen, Verlags-Inhaber: F. C. Kreme».