Vrch-W» I°hrs>mo. Sonntags-Beiblatt N^l-^nnrÄ chvn^87?n(.?z^!w^^^ ^ZN?^ u," mIM^'sm. Ndil-ik Augsburger PostZeitung. nmiMonuAlch?^!!'i ?»L )!! »'!uitt1I? luiiZkükk^'i- ch>! (d>'? ViS lins.1 '«^Ä«»qWa Slm 25. December M- S2. l853. .!>!^! nl"'^ I ^!^u ^I>. _ Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonutage. Der halbjährige Abouuemenisvrei« TV kr., wofür e« dmch alle köuigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kau«, Die Feter der Seligsprechung des Johannes Peceator im Kloster der barmherzigen Brüder zu Neubnrg an der Donan. k. Dieser Tage feierte daö Kloster der barmherzigen Brüder in Neuburg an der Donau eine eben so erhebende als seltene Feier, nämlich die Seligsprechung des Johannes Peccator aus dem Orden der barmherzigen Brüder. Nachdem diese Feierlichkeit sowohl in den beiden Pfarreien der Stadt zu St. Peter und heilig Geist, als auch in den benachbarten Pfarrkirchen den Gläubigen bekannt gemacht worden war, begann am Sonntag, den 13. November Abends, das dreirägige Fest in der sehr schön verzierten Klosterkirche mit einer musikalischen Litanei, wobei unter dem ersten Segen daS Bildniß des Seligen in betender Stellung, die Augen und Häude gegen den Himmel gerichtet, von einem prachtvollen Kranze natürlicher Blumen eingerahmt, unter dem festlichen Baldachine enthüllt wurde. Andern Tazs vor dem levilirten Hochamte bestieg der hochwürdige P, Cyprian, dermal im Capucinerkloster zn Eichstädt, der eine Woche zuvor dem Convente der barmherzigen Brüder die üblichen Erercitien gehalten hatte, die Kanzel und predigte über den Text: Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen (Matth. 5); worin er die Verdienste des OroenS der barmherzigen Brüder für daS geistliche und leibliche Wohl der armen christlichen Brüder unter Bezugnahme auf den seliggesprochenen Johannes schilderte. Andern Tags hielt der hochwürdige Herr Georg Bauer, Prediger der Pfarrkirche zu St. Peter, die Predigt über den durch Liebe thätigen Glauben, während am dritten Tage der hochwürdige Herr geistliche Rath Joseph Strobl über die Pflichten eines «katholischen Christen redete. Nachmittags drei Uhr war am letzten Tage der Schluß der dreitägigen Festlichkeil mit einer vom Chor gesungenen dentschcn Allerheiligen-Litanei und Te Deum laudamus, welche Litanei die zahlreich Anwesenden äußerst angenehm überraschte. Die Theilnahme des Volkes war eine unerwartet zahlreiche, so daß die Kirche bei sämmtlichen Gottesdiensten derart überfüllt war, daß die Leute außerhalb derselben noch standen und die Anzahl der Cvmmnnicanlen auf 12 eine Mission zu erhalten, verwirklichen sollte. Wir aber wollen jetzt bei dieser Gelegenheit einige geschichtliche Notizen über den Orden und das Kloster der barmherzigen Brüder in Neuburg hier folgen lassen. Unter den verschiedenen geistlichen Orden nimmt der Orden der barmherzigen .kMhislki^AtnlkynE Brüder einen vorzüglichen Rang ein. Die Grundlage zu demselben legte der heilige Johann von Gott, ein Portugiese, geboren 1495 in der Stadt Agmo monte mgjor. Nach einem vielfach bewegten Leben war derselbe bis zum 45sten Jahre herumgeirrt, und faßte nun den Entschluß, »eben der ernstlichen Sorge für sein Seelenheil den Armen und Kranken zu dienen. Da er Gott besonders nach seiner Barmherzigkeit nachzuahmen strebte, so gab ihm der Erzbischof von Granada und der Bischof von Tuy den Namen „Johann von Gott." Unter dem Rufe: „Thuet Gutes, meine lieben Brüder, um der Liebe Jesu willen!" durchwandelte er die Straßen von Granada und verwendete dann die reichlich eingegangenen Almosen zur Unterstützung der Armen und Kranken. Im Jahre 1540 miethete er endlich zur Aufnahme und Verpflegung der Kranken und Presthaften zu Granada ein Haus, das den Anfang des großen Hospitals von Granada und die Grundlage des von ihm benannten Ordens bildete. Indessen beabsichtigte nicht sowohl er als der Bischof von Granada, der das Gedeihen der neuen Stiftung sehr förderte, einen neuen Orden zu gründen, sondern beide wollten vielmehr nur einen Verein von Weltleuten bilden, die die Krankenpflege in den Krankenhäusern übernehmen, und sich durch eine besondere Kleidung von den übrigen Weltlenten unterscheiden sollten. Seinen ersten Schülern und Genossen Anton, Martin und Peter Velaöko hatte der heilige Johann bei seinen Lebzeiten noch keine Regel gegeben, sie folgten seinem Beispiele und seinen Vorschriften in Bezug auf die Krankenpflege. Nach seinem Tode 1550 verbanden sich seine Freunde zu emcr engen Verbindung unter den drei Klostergelübden und der Verpflichtung der unentgeldlichen Krankenpflege unter Vorstandschaft des Bruders Martin, den sie ihren Major nannten, nnd welcher mittels der reichen Spenden Philipps II. in vielen Städten Spaniens Hospitäler nach der Anordnung des heil. Johann von Gott gründete. Papst PiuS V. bestätigte am 1. Jan. 1572 die neue Genossenschaft und gab ihr die Regel des heil. Augustin mit der Vollmacht, einen Obern (Prior) ^u wählen und einem Bruder auS ihrer Mitte die Priesterweihe ertheilen zu lassen, damit er für ihr und der Kranken Seelenheil sorge und unterwarf sie den Diöcesanbischöfen. Die Genossenschaft war in ihrer weitern Ausbreitung sehr glücklich, schon im Jahre 1586 zählte sie 18 Spitäler und hielt in Rom ihr crsttS Generalcapitel, auf welchem die Konstitutionen des Ordens entworfen wurden. Papst Paul V. erklärte seine Mitglieder durch ein Breve vom 4. Jänner 1611 als wirkliche Religiösen und bestätigte den 15. April 1617 ihre Eonstitutionen. Der Orden hat zwei Generale, einen sür Spanien und Westinvien, der seinen Sitz in Granada hat, und einen für die übrigen Länder, der sich in Rom befindet. Der Orden breitete sich in viele Länder auS und die Mitglieder hatten verschiedene Benennnng. In Deutschland fanden sie frühzeitige Ausnahme. Der Fürst Carl Euseb von Lichtenstein lernte zu Rom das gemeinnützige Wirken dieser Brüder kennen und nahm zwei derselben, Gabriel Grafen r. Ferara und Johann Eassmetli, mit nach Deutschland und erbaute ihnen^ 1605 zu Felsberg in Niederösterreich ein eigenes Kloster, welches er reichlich ausstatten ließ. Dieses Kloster war das erste in der österreichischen Monarchie und bildete mit den später errichteten Klöstern dieses Ordens eine eigene Provinz, die deutsche genannt. Die Brüder dieses Ordens, in Deutschland barmherzige Brüder genannt, verpflichten sich durch ein viertes Gelübde lebenslänglich zur Krankenpflege. Das Noviziat dauert ein Jahr, nach Ablauf desselben muß, gemäß Verordnung Papst Aleranders VIII. vom 10. Juli 1655, der junge Profeß noch ein Jahr im Profefsorium gleichsam ein zweites Noviziat erstehen. Die vorgeschriebene Kleidung besteht in einem Habit von schwarzem Tuche nebst Skapulier von derselben Farbe und eiuer kleinen, runden, steifen Kapuze. Das OrdenS- kleid selbst wird durch einen ledernen schwarzen Gürtel zusammengehalten. Ihre ursprüngliche Ordenstracht bestand in einem langen grauen Rocke, wie ihn der heilige Ordensvater trug, daher man sie anfangs die „grauen Brüder" nannte. Papst PiuS V. aber verwandelte die graue Farbe in die schwarze und fügte dem ledernen Gürtel ein Skapulier mit Kapuze hinzu. Die anerkannte Gemeinnützigkeit und die gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten 4tt hat diesem Orden allenthalben bereitwillige Aufnahme verschafft; besonders da seine pflegende Hilfe gesetzlich anch auf Nichtkatholiken sich ausdehnte. Wie konnte eS daher anders kommen, als daß auch der Herzog Wolfgang Wilhelm, dieser fromme und weise Fürst, wohl der größte der pfalzneuburgtschen Herzoge, welchem die Stadt und sein Land Neuburg so viele wohlthätige Stiftungen verdankt, auch der leidenden Menschheit so liebevoll gedachte. Er, der selbst erst im Jahre 1617 auS Ueberzeugung, belehrt durch das Lesen katholischer Schriften, in den Schooß der wahren Kirche zurückgekehrt war, unterließ nun keine Gelegenheit, seine Unterthanen wieder in die katholische Kirche, die sie gewaltsam hatten verlassen müssen, zurückzusühreu, und sie im Glauben zu stärken und GotteS- und Nächstenliebe zu befördern. Deßhalb kam ihm die Gelegenheit erwünscht, einen Orden einführe« zu können, der seinen edlen frommen Absichten so sehr entsprechen konnte. Und nun folgt die Entstehung deS Klosters der barmherzigen Brüder in Neuburg. Im Jahre 1622 käme» zu Herzog Wolfgang Wilhelm zwei barmherzige Brüder, welche mit einem Paß von ihrem Generalvicar Gabriel Ferara aus Wien, vom 29, Juni 1622 datirt, versehen waren. Der eine war ein Priester dieses OrdenS, P, Bartholomä Boninkantro, ein Florentiner, der andere ein Bruder, Maximilian Veiga. Beide kamen deßhalb nach Deutschland, um auch in diesem Lande ihren für die Menschheit so wohlthätigen Orden bekannt zu machen und allenfalls auch da oder dort einen Platz zu Gründung eines Klosters ihres OrdenS zu erlangen. Sie hatten bereits die Kunde erlangt, daß Herzog Wolfgang Wilhelm erst vor einigen Jahren zur katholischen Religion zurückgekehrt sey und daß sein Elfer für die katholische Religion sich auch besonders dadurch bewähre, daß er verschiedene Klöster und Stiftungen, die durch die Einführung der Lehre Luthers ihren Untergang finden mußten, wieder aufrichte« wolle. Bei diesem nützlichen nnd wohlthätigen Wirken stellteil sie daher auch an de« Herzog die geziemende Bitte, daß er auch ihres OrdenS gnädigst gedenken möchte, um so mehr, da oaS ganze Wirken desselben nur dahin gehe, Gott und den armen Kranken und Presthaften, überhaupt der leidenden Menschheit zu dienen. Dieses gestellte Bittgesuch nahm Herzog Wolfgang Wilhelm auf das bereitwilligste auf; denn sein edles, für alles Gute empfängliche Herz sah den erhabenen Zweck dieses Ordens gar leicht ein, und wünschte nur zu wissen, welches Gebäude und jwelche Gerätschaften sie zur Ausführung der Absicht ihres heiligen Ordens als tauglich erachteten. Diesem gnädigsten Befehle leisteten sie sogleich, sowohl mündlich als schriftlich, Genüge und gaben Alles an Handen, was nur immer zur Bedienung der Kranken ersprießlich und nützlich seyn konnte. Es befand sich am Ende der obern Borstadt aus einem freien, gesunden und sonnigen Platze ein Gebäude, das lange Haus genannt, worin die Baugeräthschaften zu den fürstlichen Gebäuden und dem gegenüberliegenden, besonders durch seine schattigen Gänge auSgezeichntti'n Hofgarten aufbewahrt waren, und das auch dem Baumeister zu seiner Wohnung diente. Dieses Gebäude nun übergab er den obigen Orvensmitgliedern und schenkte ihnen dazu 1000 Thaler, um sich mit den nothwendigen Geräthschaften versehen zu können. Es wurde nun das dermalige Klostergebände nebst der Kirche erbaut und letztere zu Ehren deS Herzogs, als deS Stifters deS Klosters, nach seinem Namen dem heiligen Wolfgang geweiht, wie denn auch jetzt noch daö Hochaltarblatt den heiligen Wölfgang, von Wink, darstellt. Am Feste der heiligen Apostel Simon und Juda 1626 wurde die Kirche durch den Bischof von Augsburg, Heinrich Freiherr» von Knöringen, feierlich eingeweiht. Um arme Kranke der Stadt Neuburg und arine erkrankte Reisende unentgeldlich verpflegen und heilen zu können, errichtete der Herzog eine ordentliche Stiftung, befahl, daß stets zwanzig Krankenbetten in Bereitschaft gehalten werden sollen, und suchte am 31. August 1623 die Bestätigung derselben bei Seiner päpstlichen Heiligkeit nach. Die ursprüngliche Dotation deS Klosters bestand in einer jährlichen Rente von 2,000 fl., welche von den Einkünften des aufgelösten Bernardiner-Frauenklosters Püllenhofen 41L IM Nordgau genommen und von der herzoglichen Hofkammer-Kasse in Neuburg ausbezahlt wurden. AIS aber einige Zeit hernach mit Püllenhvfen eine Aenderung vorgegangen war, auch wegen der eingefallenen MiegSzeiten diese Rente nicht mehr vollständig floß, so vereinigte sich der Nachfolger Wolfgang Wilhelms, sein Sohn Herzog Philipp Wilhelm, mit dem Kloster dahin, daß die jährliche Rente aus der herzoglichen Hof- kammer-Casse auf 1500 fl. vermindert, daS Kloster aber durch die grundherrlichen Gcfällc und noch untertheilten Einkünfte des ehemaligen Benediktiner-Nonnenklosters in Monheim entschädigt werden sollten. (Dieses Kloster soll nach v. Neisach schon unter Carl dem Großen bestanden haben, allein nach der 8uevis eeelssisstics ward eS erst im Jahre 890 gestiftet. Die Kirche enthielt einen großen Theil der Gebeine der heiligen Walbnrga, welche aber zur Zeit der Einführung der Lehre Luthers verloren gingen. Der Herzog Otto Heinrich von Neuburg hob nämlich dieses Kloster gewaltsam auf und zog dessen Güter ein, die letzte Aebtifsin soll im Kirchhofe der barmherzigen Brüder in Neuburg begraben liegen) Obige Ucbcreinkunst dcS Herzogs Philipp Wilhelm mit dem Kloster erhielt selbst die päpstliche Bestätigung und gab Veranlassung, daß daS Kloster der barmherzigen Brüder mehrere Stift- und Gilt- Ncichnisse ans den Landgerichtsbezirken Monheim und Wemding bezieht und sogar einen eigenen Getreidkasten in Monheim besaß, so wie eS auch daS PräsentalionSrecht auf die Ltadtpfarrei Monheim bis in die neueste Zeit kiatte. So dienten die barmherzigen Brüder ganz nach dem Sinne deS Evangeliums durch liebevolle Krankenpßege und Gebet. Vieles hatten sie zu erdulden während diö dreißigjährigen Krieges, viele Verfolgungen und Zerstörungen wurden den Ordens- »nrgliedern nnd dem Kloster zü Theil, aber doch erhielt es sich bis in die neueste Zeit, selbst unter den großen Stürmen nnd Umwälzungen, die so'viele Klöster und kirchliche Institute unseres Vaterlandes vernichteten. ES wurden noch im Jahre 1302 323 Personen ohne Unterschied der Religion aufgenommen, wovon nur 16 starben, allein in Folge der Säkularisation der übrigen Klöster erhielt dieses Kloster keinen Zuwachs an Ordenscandidaten, und da noch überdicß iu etlichen Jahren über die Hälfte der Brüder dahingestorben war, so erhielt das Kloster eine weltliche Verwaltung und einen eigenen Traiteur. Mit dieser Verwaltung war aber Niemand zufrieden, und so fand sich daS fromme Herz deS großen Königs Ludwig I. veranlaßt, aerührt durch die mehrseitigen Bitten deS StadlmagistrateS, dieses Institut nach dem Geiste deS Stifters wieder aufleben zu lasse». Der Hauptzweck ist fortwährend Verpflegung der Kranken, daher sollte daS Kloster einen Prior, einen Priester, Apotheker, Koch und mehrere Krankenwärter haben. Der allein noch lebende Frater deS ganzen Konventes Fr. Eberhard Haacke, geboren ,u Geißelhörmg 16. September 1768, der schon 1793 am 13. Oktober Profeß abgelegt hatte, wnrde zum Prior ernannt. Am 3. März, als am Feste des heiligen Johann von Gott, wurde das erste Mitglied als Novize eingekleidet, nämlich Herr Johann Benz, Sohn eines königl. Landrichters, geboren zu Oltobeuren am 27. April 1804, Er erhielt bei der feierlichen Einkleidung, die vom Stadtpfarrer zu St. Peter, als bischöflichem Commissär, unter Anwesenheit deS Magistrates vorgenommen wurde, den Klostcrnamen St. Sebastian. Am 26. Jänner 183-1 erfolgte die Einkleidung eines zweiten Novizen, Franz Xaver Reisach, geboren zu Mauerftetten 1810, der den Klosternamen Valentin erhielt. Indessen um den Orden im Geiste deS Stifters zu erneuern, wurde der Wunsch rege, einige Mitglieder aus den österreichischen Staaten, woselbst der Orden 27 Klöster mit Spitälern besitzt, zu berufen. Zu diesem Zwecke reiöle Herr Wankmüller, Pfarrer zu Bachhngl, der sich znm Eintritte in den Orden bereits gemeldet hatte, aus Anordnung der königl. Kreiöregierung von Schwaben und Neuburg und deS hochwür- digen Ordinariates Augsburg am 18. Februar 183-1 nach Wien ab, theils um die Einrichtung der Klöster dieses Ordens genauer kennen zu lernen, theils um einige taugliche Mitglieder zu gewinnen für das wiederhergestellte Kloster in Neuburg. 4t8 Seinem Ansuchen wurde willfährigst entsprochen, und um Ostern 183k kamen sogleich drei Brüder aus Oesterreich, nämlich die Fr. Fr. Dionys Göstl von NiederleiS in Oesterreich, Constantin Pollnyzky von Grosmeßentz in Mähren und Calasanz Ditie von Schlan in Böhmen, wozu noch etwas später P. Albert Mandl von Gruhlich in Böhmen zu kam. Da der bisherige Prior wegen vorgerückten Alters nicht mehr im Stande war, die Leitung des Klosters zu führen, so wurde Dionys Göstl zum Prior ernannt, und Fr. Calasanz Ditie zum Oberarzt, während P, Albert als Priester die geistliche Leitung und Seelsorge übernahm. Am 15. Juni 1834 Morgens neun Uhr war die feierliche Installation unv Einsetzung in den Genuß des Klostervermögens, so wie auch dessen Administration. Diese Handlung wurde vorgenommen durch den königl. RegierungScommissär vr. von Ahorner und den bischöflichen Commissär, Stadtpsarrer und Decan Andreas Jäger zu hl. Geist. Nach dem feierlichen Gottesdienste, unter welchem die Ordensbrüder daS Gelübde in die Hände des PriorS und dieser hinwieder in die Hände deS bischöflichen Commissärs ablegte, wurde die Installation in dem schön verzierten Refektorium vorgenommen. Noch waren nicht zwei Jahre verflossen, als daS Kloster schon ein Mitglied durch den Tod verlor. Es starb nämlich der Procurator Constantin Pollnyzki am 26. Jan. 1838, erst dreißig Jahre alt, am Blutsturze und wurde unter sehr zahlreicher Begleitung auf dem Gottesacker begraben. Einen andern Verlust erlitt das Kloster durch die Abreise deö P. Mandl nnd Calasanz Ditie, die dem Rufe ihrer Obern folgend in ungarische Klöster versetzt wurden. An die Stelle des P. Albert Mandl trat nun der hochw. Herr Pfarrer zu Staudheim, Frz, Xav. Wankmüller, der sodann die geistliche Leitung und Seelsorge im Kloster übernahm. Am 11. October 1842 wurde der bisherige Prior Dionys durch seine OrdenSoberu abberufen und dafür, am 26. October von den Ordenömirgliedern Fr. Sebastian Benz als Prior gewählt. Einige Wochen nachher begab sich der ehemalige Prior DionyS nach München, erhielt daselbst die goldene Verdienstmedaille, kehrte von da nach Neuburg und begab sich andern TagS über Rom in sein Kloster nach Oesterreich zurück. Sonderbare Wechsel, in Neuburg wurde er abgesetzt, iu München erhielt er die Verdienstmedaille. Als die Stadtgemeinde Straubing in den Vorschlag, die dortige männliche Krankenanstalt dem Orden der barmherzigen Brüder zu übertragen, einstimmte, trat der Magistrat mit dem Convente zu Neuburg in Unterhandlung und schloß mit demselben wegen Uebernahme der Krankenpflege im städtischen Krankenhause zu Straubing einen Vertrag ab, welcher von Sr. Majestät König Ludwig I. gemäß höchster Entschließung deö kgl. Ministeriums des Innern ,'c!li. 2. Oct. 1843 .die allergnädigste Genehmigung erhielt. So wurde das Kloster Neuburg, wie früher für das Kloster der Barmherzigen in München, das bis 1808 bestand, auch für Straubing daS Mutterkloster. In Folge dieses Vcii'^zS begaben sich am Aschermittwoche 21. Febr. 1844 aus dem Convente zu Neuburg drei Brüder, an ihrer Spitze der für das Ausblühen deS OrdenS in Bayern unermüdet thätige Ordenspriester P. Magnobonus Wankmüller nach Straubing und bezogen anfangs daS städtische Krankenhaus in der Allstadt, das ihnen am 17. Juli 18Ä4 feierlich übergeben wurde. Da aber dasselbe dem Donaustrome sehr nahe liegt, und öfters der Überschwemmung ausgesetzt ist, so fühlten die B rüder bald, daß dieses Gebäude eben so wenig zu einem Krankenhause als zu einem Kloster geeignet wäre und fausten um den Preis von 32,000 fl. das ehemalige FranciScanerklofter, ein weitläufiges stattliches Gebäude, nebst einer geräumigen schönen Kirche an. DaS Kloster in Neuburg besteht in schönster Blüthe, zählt außer dem OrdenS- priester P. Magnobonus Wankmüller (geboren zu Höchftädt 20. Oct. 1806 und vom Das schöne Refektorium enthält nicht nur die lebensgroßen Portraits des Stifter» und seiner Gemahlin Magdalena, sondern auch die Portraits des Herzogs Philipp Wilhelm von Ncuburg und Herzogs Wilhelm V. von Bayern, so wie Sr. Majestät Königs Ludwig I. 414 hl, Vater bei seiner Anwesenheit in Rom 1852 zum Provknzvi'car ernannt), noch vierzehn Brüder, 'gegenwärtig unter dem Priorate des Fr, Sebastian Benz, und hat in diesem Jahre auch ein dem Kloster gegenüber gelegenes Gebäude nebst großem Garten angekauft, um kranke Priester darin ausnehmen und verpflegen zu können. Wunderbare Bekehrungsgeschichte beS berühmten TonkünftlerS Hermann Kohn, ausgezogen aus dem Werke Souvenir clss rvoits oontemvorsin». no? ,iU MlIMM<,Z?tzittN!.iM »(Schluß.) .:..'.!"-^:-,-,':^ ^-.--«« ' .':>.^u-'<». ,!>,l-T' Am 6. Oct, 1849 hatte Hermann endlich das Glück eingekleidet zu werden, nachdem er sich auf eine würdige Weise dazu vorbereitet hatte. Mit niedergeschlagenen Augen und heiterem Gesichte nahm er Besitz von seiner Zelle, worin er weiter keine Mobilien vorfand, als ein auf zwei Pflöcke» liegendes Brett, daS ihm zur Lagerstätte diente, nebst einem unförmlichen hölzerne» Stuhl Er, der noch unlängst in einem weichen Bctle r>on feiner Wolle und Pflaum schlief und sich auf gepolsterte sammtve und seivene Lehnsessel niedersetzte. Sein Blick ruhte oft auf der Inschrift, die an der Wand seiner Zelle angebracht war, des Inhalts: „Auf dem Carmel und am jüngsten Gericht, Gott allein und ich." Er nahm Antheil an den Betrachtungen, den Gebeten und den Gesänge» der Genossenschaft, die um Mitternacht begannen und erst um 8 Uhr Abends deö folgende» TageS endigten, DaS Andenke» an die Welt und a» die glänzenden Gesellschaften, deren Zierde und Wonne er gewesen, ohne in denselben auch nur einen Augenblick ein ungetnibtes Glück gekostet zuhaben, schienen vollkommen seinem Gedächtnisse entschwunden ju seyn. Wie konnte ihn wohl eine Sehnsucht nach denselben be- schleichcn? War ja seine Zelle nur in geringer Entfernung von dem Altare, wo das hochheilige AltarSjacramcnr aufbewahrt war, in dessen Gegenwart er sich zu jeder Stunde begeben konnte und sogar während der Nacht im Geiste sich vor demselben dachte. In der Gegend erzählt man sich, im Monat Juli des Jahres 1850 sey eine Dame auö Paris in jene Gegend gekommen, »nd habe sich ein Zimmer in einem kleinen Häuschen in der Nähe des Klosters gemiethet. Ihr AenßereS, welches vermuthen ließ, daß sie einem höhern Stande angehöre, ihre eleganten Manieren »nd ihr melancholischer Blick erregten die Neugierde der B-wohner jenes Landstrichs, der selten von Fremden besucht wird. Gleich am ersten Tag ihrer Ankunft ging sie Abends in die Capelle, worin man daS gewöhnliche OssiVium abhielt; die Capelle ist durch deu Altar vom Ebor getrennt, wo sich die Klostergeistlichen bcfinden, die man unter der Begleitung eineS Harmontuins singen hört, ohne sie sehen zn können. Alö sie die ersten Töne des Instruments vernahm, ward sie heftig erregt und Thränen cntstürzten ihrem Auge. Sie schien die Hand erkannt zu haben, die dem Instrument so rührende Töne entlockte. Sie entdeckte dem Pater Superior wer sie sey, und dieser gestattete ihr, Hermann zu sehen. Als sie ihn erblickte, rief sie aus: „Großer Gott, wie sie ihn entstellt habe» mit dieser Kutte, diesen Sandalen und, diesem geschorenen Kopfe!" und der Novize stürzte mit dem Schrei: „Meine Mutter, meine Mutter!" in ihre Arme.--Es war wirklich Hermanns Mutter, eine Jüdin, die fest ihrem Glauben und der Welt anhing, und ganz trostlos sich gcberdete, ihren Lohn verloren zu habe». Umsonst bot sie Alles auf, um ihn zn dem ihrer Meinung nach wahren Glauben zurückzuführen. Am Ende deö Monats Juli verließ diese wieder die Gegend, welche sie als die Grabstätte ihres geliebten SohneS betrachtete. Hermann setzte seine Prüfungsgelt im Noviciat mit derselben Beharrlichkeit fort, bis endlich für ihn die feierliche Stunde erschien, wo er für immer der Welt entsagte, die ihn vormals so enge umstrickt hielt, ohne ihn befriedigen oder beglücken zu können Wir hatten die Freude, der so ergreifenden Feier der Profession beizuwohnen. Sie fand am 7. Oct> 1850 statt. Schon mit dem frühesten Morgen war die Capelle mit 4t5 Landleuten und Damen angefüllt, die auö der ganzen Gegend, von Bordeaux und sogar von Paris, herbeiströmten. Der Altar war mit Blumen geziert und schimmerte im Lichte zahlloser Kerzen. In ernsten, ergreifenden Tacten ertönte aus dem Ehore der angemessene Psalmengesang. Ms der kanonische Gottesdienst beendigt war, trat auö dem Chöre ein ehrwürdiger Greis, der Pater Prior; ihm folgten in feierlichen Schritten die andern Väter und Brüder, die sich in einem Halbkreise um den Hochaltar stellten. Der Prior bestieg eine neben dem der heiligen Theresia geweihten Seitenaltare errichtete Bühne. Kaum hatte er sich auf seinen Sitz nicLergelassen, als ein junger Mönch, von dem Novizenmeister geführt, zu ihm hinlrat, — eS war Hermann. Sein ganzes Wesen >var sanft, ruhig und bescheiden. Er kniete vor dem Greise nieder, küßte schüchtern den Saum seines Gewandes, beugte sein Haupt und aittwortete in lateinischer Sprache ans die Fragen, die man an ihn richtete. Ein junger Priester aus der Diöcese Agen hielt dann eine eindringliche Rede an die tief bewegte Versammlung. Nachdem der Novize seine stierlichen Gelübde öffentlich abgelegt und die Einkleidung vollzogen war, warf er sich vor dem Altare nieder und betete langsam, mit gedämpfter Stimme, das Te Deum ab. Als er sich wieder von der Erde erhob, umgab man sein Haupt mit einem leichten, von weißen Blüthen durchwebten Myrihenk^anz. Unter dem Absingen des schönen Psalmen: „Leeo