Nro. I. Dienſtag, den 1. Jan. Anno 1822. AugsburgiſcheOrdnariPoſtzeitung Von Staats, gelehrten, hiſtoriſch⸗ u oͤkonomiſchen Neuigkeiten. Mit allerhoͤchſten Privilegien. Redakteur: E. Frhr. v. Seida. Gedruckt u. verlegt von Joſeph Anton Moy, wohnhaft auf dem obern Graben in dem ſogenannten Schneidhaus. Zum neuen Jahre. Man wünſcht ein gluͤcklich neues Jahr, Doch tobt und preiſt man immerdar Die alte Zeit, Da Redlichkeit Noch gång und gåbe war, So ehrt und uͤbet Redlichkeit, Und ſchaffet aus der alten Zeit Ein gluͤcklich neues Jahr. BonorVM ConCorDlâ AVgVstae saLVs fLorebIt. Conrector Hoͤlzl. Wien den 27 Dez. Direkte und zuverlaͤßige Nachrichten aus Teheran vom 19 Okt haben die Versſicherung gebracht, daß der Krieg mit Persien entweder bereits beendigt iſt, oder in Kurzem aufhoͤren wird Man war am Hofe zu Teheran bloß von dem Einfalle des Prinzen Mohammed Ali Mirſa in das Paſchalik von Bagdad unterrichtet wozu man jedoch keinen Befehl gegeben zu haben bebauptete, und der morgens ohne Erfolg geblieben iſt. Dagegen wollte man nichts von Kriegsoperationen am obern Euphrat wiſſen, und verſicherte, daß, wenn in Armenien Feindſeligkeiren Statt gehabt haben follten, ſolche bloß die Sache der immer zu Krieg und Raub bereiten Kurden ſeyn koͤnnten. Gewiß iſt es, daß der Schah von Perſien aufs Beſtimmteſte erflårt hat, es ſey keineswegs ſeine Abſicht, einen Krieg mit der Pforte anzufangen, und daß dem Prinzen gemeſſenſt unterſagt worden ſey, ſich Feindſeligkeiten gegen die tuͤrkiſchen Provinzen zu erlauben Es iſt nun zu erwarten ob auf dieſe Nachrichten die Pforte ihre gegen Perſien erlaſſene Kriegserklaͤrung zuruͤck nehmen wird. Von der Kuͤſte des Mittelmeers den 16 Dez. Handelsberichte aus der Inſel Scio werden die daſelbſt erfolgte Ankunft von Getreideſchiffen aus dem ſchwarzen Meere gleichfalls waren andere Schiffe des Archipelagus von dort aus verproviantirt worden Auch zu uns gelangen noch ruſfiſche Schiffe aus Odeſſa oder weſteuropaͤiſche Schiffe die aus dem ſchwarzen Meere kommen Durch dieſe hat man Berichte über die Vermehrung der ruſſiſchen Truppen bey Tiflis wo ſich eine ſtarke Armee verſammeln ſoll, um, wie man vermuthet, nach Kleinafien vorzubringen ſobald der Krieg zwiſchen Rußland und der Pforte erklaͤrt ſeyn wird als woran Niemand zweifelt. Auf den griechiſchen Inſeln ruͤſtet man ſich zur kraftvollen Fortſetzung des begonnenen Kampfs; die Griechen ſind wieder vollkommen Meiſter im Archipelagus. Sie beſchaͤfftigen ſich jetzt ganz beſonders mit Verſtärkung ihrer Marine. Trieſt, den 24. Dez. Heute lief hier ein Schiff ein, das Smyrna erſt vor 14 Tagen verlaſſen hat. Nach Verſicherung des Kapitaͤns war daſelbſt die Ruhe vollkommen hergeſtellt, ſo daß der Markt und alle Buden wieder offen standen. Die europaͤischen Konsuln hatten dem Paſcha zugeredet; und diſer haͤlt nun mit ſeinen Soldaten ſtrenge Ordnung. Es war Feuer im Quartiewer Franken ausgebrochen; man fuͤrchtete ſich waͤhrend deſſelben ſehr vor dem tuͤrkſchen Poͤbel. Aber der Paſcha hielt denſelben im Zaum, und die franzoͤſiſche Faͤhre durfte Leute an's Land bringen um das Feuer zu loͤſchen. Aus Konſtantinopel haben wir Nachrichten, die nur 11 Tage alt ſind. Es iſt daſelbſt alles ruhig. Von der Donau, den 24. Dez. Zuverſichtliche Nachrichten aus Widdin bis zum 9. dieß erwaͤhnen nur wenig des viel besprochenen ſerbischen Aufſtandes, dagegen hat der Kapidſchi Baſchi von Salonichi dem Pascha von Widdin die Nachricht von der Vernichtung der griechischen Inſurgentenmacht auf Kaſſandra nach einer hartnaͤckigen Schlacht die 14 Stunden dauerte, und worinn die Griechen uͤber 6000 Mann verloren, amtlich berichtet. Zahlreiche Abtheilungen von Griechen legten, nach diesem tuͤrkischen Berichte, die Waffen nieder, andere fluͤchteten sich auf hydriotische Schiffe, die fortwaͤhrd die Meere der Umgegend unſicher machen. Die Letztern hatten mehrere Landungen an den Kuͤſten unternomnen, kleine Staͤdte und Doͤrfer zerſtoͤrt und Aufrufe ausgestreut. Der Pascha hat bereits Maaßregeln getroffen, diesem Unfug ein Ende zu machen; 22,000 Asiaten ſind von ihm zur Verstaͤrkung Churſid Paſcha's detaſchirt worden. Die Tuͤrken schmeicheln sich, die Belagerung des Kastells von Janina werde durch einen allgemeinen Sturm, dessen Erfolg kaum zweifelhaft iſt, enden. Bozen, den 24 Dez. Heute Fruͤh zwiſchen 6 und 7 Uhr ereignete sich auf einem Bauernhofe zu Guntſchn bey Gries, naͤchſt Botzen, ein in dieſer Gegend noch unerhoͤrter Ungluͤcksfall. Eine über beſagtem Bauernhofe gelegene betraͤchtliche Wieſe durch das kuͤrzlich eingetretene Schnee= und Regenwetter los gemacht, stuͤrzte ſich ploͤtzlich, die groͤßten Felſenſtuͤcke mitreißend unaufhaltſam auf das Haus deſſelben herab, und zertruͤmmerte deſſen ganzen hintern Theil bis auf den Grund. Der Familienvater nebſt ſeinen kleinen Kindern retteten sich mit großer Anstrengung und Geistesgegenwart von der augenſcheinlichen Todesgefahr Sein braves wirthſchaftliches Weib wurde waͤhrend des Beheizens der Stube durch obige fuͤrchterliche Lavine dergestalt bedeckt, daß, trotz aller zu ihrer Rettung getroffenen Anſtalten die Arbeiter noch nicht die geringſte Spur von der Verungluͤckten ausfindig machen konnten. Es drohen dem Anſcheine nach noch mehrere Felſen herabzustuͤrzen. Madrid, den 11 Dez. Wir ſind hier fortwaͤhrend in großen Beſorgniſſen. Der Bericht der Kommiſſion der Cortes hat keine Partey befriedigt Die eine iſt wuͤthend daß man die Ausſchweifungen des Hypor-Liberalismus zu tadeln gewagt hat, und die andere hofft wenig von der einfachen Erklaͤrung einer Verſammlung, die das Anſehen nicht genießt das ſie haben ſollte, und in wenigen Tagen auseinander gehen wird, um, wie die neueſten Wahlen vermuthen laſſen, gerade den exaltirteſten Koͤpfen Platz zu machen. Die Beſorgniß des rechtlichen Bürgers ſieht ſchon in der Ruͤckkehr des Koͤnigs vom Eskurial den Zug Ludwigs XVI von Verſailles nach Paris und fluͤchtete bereits zu dem leidigen Troſtgrunde gezwungen daß das Palais welches der Koͤnig jetzt zu seiner Wohnung gewaͤhlt hat feſt genug iſt den Anfaͤllen eines irregeleiteten Poͤbels zu widerstehen Es liegt beynahe am Ende der Stadt auf einer ſteilen Höhe zu der man nur von der Stadtſeite her gelangen kann Die Mauern haben 14 Fuß Dicke und die Thore ſind von Erz Unterirdiſche Gewoͤlbe und Gaͤnge reichen bis an den Manzanares hinab und haben mehrere Ausgaͤnge in das freye Feld von denen einer nach Caſa del Campo fuͤhrt dem Landſitze des Koͤnigs jenſeits des Fluſſes deſſen Park mit dem koͤnigl Walde von Pardo zusammen haͤngt der ſich bis an den Fuß der Guadarama-Gebirge erstreckt. die zur Zeit der franzoͤſiſchen Invaſion den wackern Guerillas ſichere nie eutdeckte Freyſtaͤtten boten. Paris, den 22. Dez. Die Beſtandtheile des neuen Miniſteriums befriedigen beynahe alle Erwartungen des ſtrengſten Ultra⸗Royalismus, aber nicht der Mehrheit der Franzoſen. Man urtheilt insgemein uͤber die politiſchen Faͤhigkeiten der neuen Miniſter nicht beſonders guͤnſtig. Die Ernennung einiger von ihnen hat ſogar das große Publikum auffallend gefunden. So fragt man ſich beſfonders, welche Anſpruͤche Herr Peyronnet auf eine Miniſterſtelle gehabt habe. Manche behaupten, daß Herr de Serre, der ſich in ſeiner Stelle gern vermißt ſehen moͤchte, dieſen Kandidaten zum Juſtizminiſter vorgeſchlagen habe. Man iſt der Meynung, daß die Liſte des neuen Miniſteriums bey Hof gefertigt worden ſey. Man ſchreibt ſie beſonders den Herrn von Duras, Damas⸗Crux und Alexis de Noailles zu. Der Koͤnig ſoll dem Andrang dieſer Partey nur mit Widerwillen und zoͤgernd nachgegeben haben. Man erzaͤhlt ſich, daß neulich Se. Majeſtaͤt, auf dieſe Ihre perſoͤnliche Geſinnung anſpielend, ſcherzweiſe ſagte: „Es freut mich, nun doch zu ſehen, wie man nach meinem Tode regieren wird.“ Nach der Natur der repraͤſentativen Regierungsform fuͤhrt ein Miniſterwechſel immer den Wechſel des Regierungsſyſtems mit ſich. Eine Folge davon iſt die Abſetzung vieler alter Beamten, die dem neuen Syſtem nicht zuſagen. Ueber das politiſche Syſtem des neuen Miniſteriums laͤßt ſich noch nicht viel ſagen. Darinn, daß es den Entwurf des neuen Zenſurgeſetzes zuruͤck nahm, hat es konſequent gehandelt. Es verſpricht dem Buchſtaben und Geiſt der Charte gemaͤß volle Preßfreyheit. Dagegen will es die Zeitungen mehreren Formalitaͤten unterwerfen. Man hat die Sitzungen der Kammer auf einige Tage eingeſtellt, damit das Miniſterium ſich zuvor orientiren, und einen Ueberblick uͤber ſeine politiſche Stellung erhalten kann. — Hier einige Notizen uͤber die neuen Miniſter. Die Herren von Villele und Corbieres werden zwar fuͤr geſcheute und biedere Maͤnner, aber fuͤr keine umfaſſende Koͤpfe gehalten. Dem Heern v. Villele ſchreibt man eine ins Kleine hinaus laufende Zirkonſpektion zu, die eben keine wahre Umſicht ſey, ſondern der Zaghaftigkeit verwandt ſcheine; den Herrn v. Corbieres wirft man einen etwas einfeitigen Eifer vor. So viel iſt gewiß, daß Villele praktiſchen Verſtand in nicht gemeinem Grade beſitzt, daß er vielleicht einen noch tuͤchtigern Miniſter des Innern als der Finanzen abgeben wuͤrde. Corbieres hat rhetoriſche Schaͤrfe, Ironie und Klugheit auf der Tribune; doch beſitzt keiner von Beyden eigentliche Rednergaben. Herr Peyronnet iſt ein Mann des rechten Zentrums, mit ſtarker Annaͤherung an die royaliſtiſche Rechte gewoͤhnlichen Schlages. Graf Clermont Tonnere, der Marineminiſter, gehoͤrt zur Partey der Kardinaliſten in der Pairskammer, die alle im rechten Zentrum ſitzen. Er iſt in der politechniſchen Schule gebildet, ein kluger, gemaͤßigter und biederer Mann, ob er politiſchen Takt beſitzt, iſt gaͤnzlich unbekannt. Marſchall Viktor erſetzt vollkommen Herrn v. Latour-Maubourg, und Herr von Latour⸗Maubourg wuͤrde vollkommen den Marſchall Viktor erſetzen. Beyde ſind uͤbrigens redliche Royaliſten. Der Vicomte Montmorency iſt ein Zoͤgling des Abbe Syes, und wurde von ſeinem Lehrer in die erſten Orgien der Revolution hinabgeriſſen; er beſann ſich aber ſpaͤter, beurkundete auf alle Weiſe feine Reue, beobachtete waͤhrend ſeiner Emigration, und unter Bonapartes Regierung — unter die er ſich niemals gebogen, — ein edles Betragen, und war außerdem noch bekannt als genauer Freund der Frau v. Stael, und ihrer Freundin Frau v. Recamier. Seit 1814 war Herr v. Montmorency in allen royaliſtiſchen Bewegungen der Kammern innig verflochten. Er iſt ein ſehr religioͤſer und wohlthaͤtiger Mann, und hat in mehreren Reden und Berichten gezeigt, daß es ihm an Verſtand nicht mangelt, und daß er auch einige eigene Ideen beſitzt, London, den 19. Dez. Der Koͤnig will das Parlament in Perſon eroͤffnen, und es werden bereits Vorbereitungen zu dieſer Situng getroſſen, welche beſonders feyerlich und glaͤn zend werden ſoll, weil ſie die erſte iſt, in welcher der Koͤnig ſeit ſeiner Kroͤnung erſcheint. Man verſichert wiederholt, daß die Partey Greenville naͤchſtens in das Miniſterium kommen waͤrde. Here Goulbourn iſt am 14. dieß in Dublin augekommen. Die Yeomanry (die freywillige Buͤrger⸗Kaballerie) iſt bereits in einigen Diſtrikten Irlands in voller Thaͤtigkeit, und hat auf ihren naͤchtlichen Streifereyen einige Waffenvorraͤthe der Aufruͤhrer entdeckt und weggenommen. Bruͤſſel, den 24. Dez. Man ſchreibt von der franzoͤſifchen Graͤnze, daß ſich allda das Geruͤcht beſtimmter als je verbreitet, daß ein ziemlich zahlreiches Truppenkorps, aus allen Feſtungen der Nordgraͤnze gezogen, unverzuͤglich marſchfertig gemacht wird, um ſich an die Pyrnaͤen zu begeben — Die Frau Graͤfin von Gothland(Koͤnigin von Schweden) iſt hier eingetroffen. Leipzig, den 24. Dez. Ein neues Geruͤcht ſagt, die Ruſſen haͤtten die Tuͤrken geſchlagen, ob es wahr iſt, wird die Zeit lehren; doch ſind mehrere der Meynung, daß zu Ende des vorigen Monats wichtige Ereigniſſe in Konſtantinopel Statt gefunden haben.— Den 21. dieß giengen bald hinter einander, von Paris kommend, ein ruſſiſcher und ein preußiſcher Kurier hier durch. — Es hat ſich ſchon eine anſehnliche Anzahl Verkaͤufer hier zur naͤchſten Meſſe eingefunden. Gebe nur der Himmel, daß beſſeres Wetter werde! Die Wege werden an manchen Stellen faſt unfahbar. Kurzgefaßte Nachricht. Demoiiſelle Karoline Schleicher, Virtuoſin auf dem Klarinett und der Violin, wird morgen, den 2. Januar, ein großes Vokal⸗ und Inſtrumentalkonzert geben. Die Bewunderung, welche ihr ſchoͤnes Kunſttalent erſt neuerlich in Speyer, Maynz, Darmſtadt, Mannheim und Wuͤrzburg erregte, und die lieblichen, netten und feinen Toͤne, die ihrem Hauptinſtrumente entquellen, verbuͤrgen dem Kreiſe ihrer Zuhoͤrer und Zuhoͤrerinnen einen entzuͤckenden muſikaliſchen Abend. Bey der heute den 29. Dez. zu Nuͤrnberg vorgenommenen 120ten Ziehung ſind folgende Numern heraus gekommen, als: 58. 81.. 63. 8. 14. Die naͤchſte 121te Ziehung geſchieht den 29. Jan., und inzwiſchen die 1161te Muͤnchener Ziehung den 8. Jan. und die 782te Regensburger Ziehung den 17. Jan. wovon der Schluß jeder Ziehung bey ſaͤmmtlichen koͤn. baier. Lottoeinnehmern allhier zu Augsburg den Tag zuvor iſt. (Bekanntmachung.) Da nach erfolgter hoͤchſter Genehmigung ſtatt der bisherigen 4 Viehmaͤrkte fuͤr die Folge 12 abgehalten werden daͤrfen, ſo wird hiemit bekannt gemacht, daß von nun an jedesmal am erſten Donnerstag im jeden Monate in Wemding Viehmarkt gehalten, und Donnerstag den 3. Januar 1822 damit der Anfang gemacht werden wird. (Nur im Falle, wenn am Donnerstag Feyertag ſeyn ſollte, ſo wird der Viehmarkt jedesmal am Mittwoch zuvor abgehalten.) Wemding, den 28. Dez. 1821. Der Magiſtrat der koͤn. Stadt Wemding. Muͤller, Stadtſchreiber. Unterzeichne er hat eine Parthie von 11 oder 12 Zentner flamming'ſche LammWolle worunter ſich auch viele Baſtart⸗Lammwolle befindet, gegen baare Bezahlung zu billigem Preiſe zu verkaufen. Joſeph Matthias Oßwald, Lodweber, Lit. H. Nro. 334. (Aufkuͤndigung.)) Unterzeichneter verkauft aus freyer Hand ſeine eigenthuͤmliche Behauſung ſammt Garten, dann einer realen Tuch⸗, Eiſen⸗, Leder⸗, Spezerey⸗ nnd Material⸗langen und kurzen Schnitt⸗Waaren⸗Handlung, ferners einer großen und kleinen Fraguerey. Aloys Hofer, buͤrgerl. Handelsmann in Neumarkt an der Rott Landgerichts Muͤhldorf. Es iſt eine ſhoͤne Wohnung zu vermiethen, und in Lit. E. Nro 48 zu erfragen; ſie kann ſogleich oder bis Georgi bezogen werden.