Nro. 4. Freytag/ den 4. Jan. Anno Von Staats, gelehrten/ historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten. Mit allerhöchsten n / r ?/. Redakteur: E. Frhr. v. Seida. Gedruckt u. verlegt von Joseph Anton Moy, wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus. München, den 1. Jan. Das neueste Negierungs- und Jntelligenzblatt enthalt folgende allerhöchste Bekanntmachungen: Die Einberufung der Stände-Versammlung betreffend. Maximilian Joseph, von Gottes Gnaden König von Baiern. Nach der in Vcrfassungs-Urkunde des Reichs Tit. VII. §. 22. gegebenen Bestimmung haben Wir beschlossen, die Stande Unseres Reiches auf den 15. dieses Monats einzuberufen, und befehlen Unsern sämmtlichen Kreis-Regierungen, alle, m die zweyte Kammer aus ihrem Kreise erwählten Abgeordneten sogleich durch abschriftliche Mittheilung dieser öffentlichen Ausschreibung anzuweisen, daß sie sich an dem festgesetzten Tage unfehlbar in Unserer Haupt - und Residenzstadt einfinoen und nach ihrer Ankunft sich in dem Standehause nach Vorschrift dcs§. 61. I. Titels, III. Abschnittes des Ediktes über die Stände-Versammlung bey den Präsidenten und Sekretärs der letzten Versammlung persönlich melden; im Falle aber, daß ein Mitglied durch unabwendbare Hindernisse von der Erscheinung abgehalten seyn sollte, hat dasselbe nach Vorschrift der §§. 44. und 47., I- Titels, II- Abschnittes das Erforderliche zu beobachten. Den Tag, an welchem Wir die Sitzung der Srände eröffnen, werden Wir durch besondere Entschließung bekannt machen. Maximilian Joseph. (I.. 8) — Graf v. Neigersberg. Fürst v.Wrede. Grafv. Triva. Graf v. Rechberg. Grafv. Thürheim. Freyherr von L!erchenfeld. Graf v. Törring. Freyherr v. Zentner. — Nach dem Befehle Sr. Majestät des Königs: Egid v. Kobell. Se. Majestät der König haben in Bezug auf die X. Beylage der Verfassungs, Urkunde des Reichs, Titel I. §. 53. unterm 27. Dez. vorigen Jahrs Allerhöchsiihren Feldmarschall und erblichen Neichsrath, Herrn Fürsten Karl von Wrede, auch für die Dauer der zweyten Stände-Versammlung als ersten Präsidenten der Kammer der Reichsräthe zu ernennen und zu bestätigen allergnädigst geruht. - Wien, den 29. Dez. Die heutige Hofzeitung zeigt an, daß am 2z. Jun. d. I. ein in zz Artikeln bestehendes Uebereinkommen zur Reguiirung der Elbeschifffahrt nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses von Seite der Bevollmächtigten der betheiligten Negierungen unterzeichnet worden, dessen Ratifikationen von Seite sämmtlicher Uferstaaten erfolgt, und am 12. dieß ebenfalls zu Dreßden feyerlich ausgewechselt worden seyen. Nach dem Jnnhalte dieser Schifffahrts-Akte, die ihren vollständigen Wortlaute nach ehestens öffentlich bekannt gemacht werden wird, ist der Elbcstrom frey erklärt; der Schiffer eines^ieden Ufersiaates wird von jedemjPunkte der Elbe frey bis in das Meer fahren, wo es ihm frommet, Fracht und Rückfracht nehmen; kein Zwangs-Umschlagrecht, kein Stappel wird auf der ganzen langen Strecke der Elbe seine Fahrt hemmen; keine Privilegien irgend einer Fischerinnung, kein Vorrecht irgend einer Stadt oder Korporation wird gegen den freyen Schiffer ausgeübt, das eigene Fahrzeug mit der eigenen Bemannung fahrt ungestört von einem Handelsorte zu dem andern. Die 35 Zolistättcu, welche früher die Ufer der Elbe.Ke- setzten, M auf dem ganzen, durch 10 Uferstaaten fließenden Strome auf 14 vermindert. Die Zölle, welche auf den Handel und die Schissfahrt so schädlich ein-- wirkten, sind nicht allein ermäßigt, sondern auch auf feste Bestimmungen zurück geführt, und dürfen ohne gemeinsame Uebereinkunftj Aller niemal erhöhet werden. Gegenstände der innern Industrie, und die ersten Lebensbedürfnisse sind nur unbedeutend belegt. Die früheren zahllosen Visitationen der Ladungen von Schiffen, welche selbst die ganze Strecke der Elbe befahren, sind vertrauensvoll auf die Revision eines Staates beschränkt. Alle Beamtenwillkühr bey Erhebung der Gebühren, und bey Untersuchung der Ladungen ist durch wohl erwogene Vorschriften von der Elbe verbannt, manche zweckmäßige polizeyliche Maaßregel getroffen, die den redlichen Schisser vor Ungebühr schützt, den Unredlichen dagegen sorgsam bewacht. Keine die Schifffahrt gefährdenden Strom - und Uferbauren sind gestattet, und wo noch im Fahrwasser des Elbestroms ein Hinderniß befunden wird, soll, so bald der Vertrag in das Leben tritt, solches ohne Verzug hinweg geräumet seyn. Die Fürsorge dieses Vertrages beschränkt sich nicht bloß auf die Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes der Elbeschifffahrt. Wenn die neue Schifffahrcs.- Ordnung auf der Elbe wirksam seyn, wird, dürste noch mancher Wunsch laut werden, und manche neuere Erfahrung die Nothwendigkeit neuer Bestimmungen nach sich ziehen; das Bedürfniß des Handels wird sich erst dann unverholen aussprechen, wenn sich derselbe auf dem freyen Strome frey bewegen kann. Darum soll sich von Zeit zu Zeit eine periodische Zusammenkunft der Bevollmächtigten aller Uferstaaten, und zwar die erste schon nach Jahresfrist in Hamburg bilden, um nach Anhandgebung der mittlerweile bewirkten Wahrnehmungen dem zu Stande gebrachten Elbesysteme neue zweckmäßige Bestimmungen hinzufügen, und dieses System immer thätiger in das Leben einzuführen. So reifen allmählich die Früchte friedlicher Eintracht deutscher Vundesstaaten, und gewiß wird wenigstens die Nachwelt in einer Nationalangelegenheit, bey welcher so viele sich durchkreuzende Privat-Interessen zu beschwichtigen, und so viele althergebrachte Gewohnheiten und Vorurtheile zu beseitigen waren, und auch wirklich von den Uferstaaten standhaft beseitigt worden sind, die mühsamen Anstrengungen ihrer Regierungen, und die thätigen Bestrebungen jener leitenden Vorsicht, und jenes vermittelden Ausgleichungsgeistes dankbar anerkennen, dem Deutschland eine seiner Grundlagen des künftigen Wohlstandes verdanket, der freylich nach langjährigen drangvollen Verhältnissen sich nur langsam wieder zu erholen vermag, und dem mehr als jede menschliche Gewalt, mehr als jedes ungeduldige Drängen und Treiben, ein übereinstimmender Geist des Wohlwollens im Laufe der gestaltenden Zeit fröhliches Wiedergedeihen verspricht. — Am 25. Dez. Mittags erreichte hier das Barometer einen ganz ungewöhnlich niedrigen Stand von 27 Zollen 2 Linien und 3 Punkten Wiener Maaß. Nicht minder auffallend ist die hohe Temperatur der Atmosphäre, die an demselben Tage um 3 Uhr Nachmit« tags 11 Grad Neanmur über Null betrug, und die selbst durch den sehr heftigen Sturm, der in der Nacht vom 24 zum 25. Dez. bis den letzten Tag Mittags wüthete, nicht gewildert werden konnte. Wahrscheinlich werden wir durch Nachrichten aus andern Gegenden bald Aufklärung über eine so sonderbare Erscheinung erhalten. Am 29. Dez. war hier der Mittelpreis der Staatsschuldvcrschreibungen vom Jahre 1816 zu 5 Prozent in Silbermünze 73 7ss; der iprozentigen Obligationen 14 31 s4v; der Hoftammer-Obligationen vom Jahre 1S15 zu 2 is2 Prozent --; der Wiener Stadt-Banko- Obligationen zu 2 is2 Prozent 35 is8; der Curs auf Augsburg 99 i s4Uso ; Konventions. M. 249 7s3; Bankaktien 629; Rothschildische 100 fl. Loose 107; Partialobl. 94 3s4; Zertifikate 95. Italienische Gränze, den 26. Dez. Im nördlichen Albanien, das so lange ruhig geblieben ist, während in deu übrigen Theilen dieses Landes so blutig gekämpft wurde, reißt sich gegenwärtig eiu Distrikt nach dem andern bon der Pforte los, und erklärt sich unabhängig. Die I». surreltion begann hier zwischen Alesio und Dcscagino, und dehnte sich von da g«^ gen Süden aus.. Zu Petrella ist nun der Hauptsitz derselben , und die verschiede- nen albanesischen Stamme haben zur ^gemeinsamen Vertheidigung, undzurVer abredung der zu treffenden Maaßregeln, Abgeordnete dorthin gesendet. Mit dem Pascha von Skutari, der im Interesse der Pforte diese Bewegungen hatte verhindern sollen, scheinen jene albanesischen Stämme in gutem Vernehmen zu stehen. Wenigstens sind keine Feindseligkeiten zwischen ihnen vorgefallen. Der Pascha benimmt sich mit vieler Klugheit. Er hat alle seine Strcitkräfte zusammen gezogen, um sich zu sichern, und um auf jeden Fall gefaßt zu seim. Seine Widersetzlichkeit gegen die Pforte, die ihn in die Gegend von Janina beordert hatte, um den Oberbefehlshaber Chursid - Pascha zu verstärken, läßt sich aus den neuesten Vorfällen leicht erklären, und beweist, daß er die Lage der Dinge besser würdigte, als der Divan, der ihm nach einander verschiedene Befehle zu diesem Marsch ertheilte. In welches Vechältniß er sich nnnmehr mit der Pforte setzen wird, dürfte wohl von den Umständen abhängen. Seine Anwesenheit in Skutari mit den dort zusammen gezogenen Truppen kann den Albanesern, wenn sie anders nicht vollkommen mit ihm einverstanden sind, wohl nicht mit Gleichgültigkeit betrachtet werden. — Die Montenegriner, mit denen der Pascha von Skutari sonst in so langem Kampf begriffen war, verhalten sich bis jetzt noch ganz ruhig, und haben keine Bewegungen gemacht. — In dem an Nordalbanien angränzenden Theil von Mazedonien, besonders in der Gegend von Skupi, ist die Insurrektion gegen die Pforte gleichfalls ausgebrochen. Man versichert, die dortigen Insnrgentcn haben durch die benachbarten Serbicr das Versprechen einer wirksamen Unterstützung erhalten, im Fall sie angegriffen werden sollten. Jamaika, den z. Nov. Die Stadt Carthagena wurde am 5. Okt. den Jndependenten überliefert, und General Navarez zum Gouverneur erwählt. Zu einer von dem Präsidenten Boli- var wahrscheinlich gegen Panama bestimmten Expedition wurden in verschiedenen Gegenden der Republik Truppen gesammelt, und es hieß, das Geschwader des Lords Cochrane würde den von Bolivar auf Panama zu machenden Angriff unterstützen. Der berühmte Commodore Aury, der eine so ansehnliche Anzahl spanischer Schiffe gekapert hatte, ist Ende Augusts in Old»Providence gestorben. Madrid, den 14. Dez. Es ist ein Kurier aus Andalusien angekommen. Seitdem geht das Gerücht Vaiasco habe Cordova besetzt, und marschiere mit der Armee von Cadix auf Madrid zu, woselbst er mit Mina zusammen treffen will. Niego hält sich ruhig i» Catalonien und scheint zum Frieden zu rathen. Sobald das Volk von dem Beschlusse der Cortes Nachricht hatte, brachen Geschrey, Zischen, Schwüre, Verwünschungen gegen den König, die Cortes, die Minister:c. aus. Die Unordnung stieg aufs Höchste. Man verhaftete mehrere Lärmer; unterdessen dauerte das Ge, löse bis zur Schließung der Thüren fort. Der König gieng nicht nach dem Prado. Unterdessen waren die Besorgnisse nicht ungegründet; als das Vorhaben des Königs zur Abreise bekannt wurde, hörte man schreyen, daß man die Fenster seines Wagens einwerfen, die Stränge seiner Maulthiere abschneiden, und ihm zum Dableiben nöthigen würde. (Hiedurch wird die Sage von einer Nevolutiou entstanden seyn.) — Saragossa war der Schauplatz neuer Unordnungen; der Streit hat in der Vorstadt St. Michael angefangen; von Steinen ist man zu Waffen gekommen ; die Milizen und die Bürger haben sich miteinander geschlagen; hingeschickte Truppen, um den Kampf zu beseitigen, wurden angegriffen; sie haben also Feuer gegeben, es gab Todte und Verwundete; die Gährung war aufs Höchste gestiegen. Der General Alava that sein Möglichstes, um die Fortschritte des Uebels zu hemmen. Mas versichert, daß es ihm gelungen sey, daß man aber den andern Tag geglaubt habe, man befände sich auf einem Schlachtfeld. Spanische Gränze, den 17. De;. Reisende bringen von Bayonne das Gerücht mit, daß bey dieser Stadt unverzüglich ein bcdeutendesTruppenkorps unterAnführung einesMarschalls sich zusammenziehen solle. Einige nannten als solchen den Herzog von Reggio, Andere den Herzog von Nagusa. Briefe ausParis, von Umgebungen des Generals Gudin, der früher in Bayonne kommaudirte, sollen dessen baldige Ankunft daselbst ankündigen. Es muß sich bald zeigen, welche Bewandtniß es mit diesen Sagen hat. Kurzgefaßte Nachrichten. Jüngst erschien ein Zirkulare, welches die schlechten Zwecke der Carbonari auseinander setzt, damit sich künftig Niemand mehr mir Unwissenheit entschuldigen könne. Es ward in allen Hausern vertheilt, und mußte von allen Wohnparteyen jedes Hauses unterschrieben werden. In einem Hause übernahm der Thürsieher das Zirkular, und unterschrieb es gleich mit dem Bemerken: „In unserm Hause haben wir nur 2 Carbonari, einen roth - und einen weißgefütterten." Carbonari heißen nämlich die neumodischen Mäntel mit verschiedenem farbigen Futter. — Herr Professor Leander van Eß hat Rechnung über die milden Gaben zur Bibelverbrei- rung abgelegt. Vom Jun. 1818 bis Dez. 1320 i.si der Teilbetrag 118,101 Flr. und mit den frühern Beyträgen 212,446 Flr. Damit sind 399,461 Exemplare des neuen Testaments, und 8749 der ganzen Bibel erkauft nnd vertheilt worden. — Rossini ist von dem Unternehmer der königl. Oper in London (dem sogenannten liin^s i'!ie»n'v), dem Buchhändler Ebers in Vondstreit für die nächsten Saison mit zc>oc> Pfd. engagirt. Durch die Bemühungen von Ebers, der erst sert einem Jahre dieser Unternehmung sich unterzogen, hat sich die große englische Oper zudem ersten Institute dieser Art in Europa empor geschwungen. Dienstag den 15. dieses Monats witd der Stadt - oder sogenannte Hirschgraben vom Gdgginger Thor bis zur Baumschule beym Rothen Thor vom 1. Marz 1822 an auf 9 Jähre unter derBedingniß verpachtet, daß sclbervon dem Pachter immerrein- lich erhalten werde, dagegen ist demselben gestattet, die Ebne deS Grabens, so weit es den Fes!ungswerken"unschadlich ist, zum Gemüßbau umzugraben. Pachtliedhaber belieben sich am bemeldten Tag Vormittags 11 Uhr in dem Militär - Administra- tions - Kommissariats - Zimmer in derJesuiten - Gasse dahier einzufinden. Augsburg, > den 2. Jan. 1822. Konigl. Kommandantschaft. v. Epplen, General. Unterzeichneter hat die Ehre, diesen Karneval! 5 Redouten zu geben; die bestimmte Tage sind folgende: Montag den 7. Jan., Montag den 14. Jan., Montag den21. Jan., Montag den 4. Febr., Montag den 11. Febr. Das Entre für jede Person ist 1 fl. 12 kr., Gallerie 24.tr. Der Anfang jeder Nedout ist AbeudS um y Uhr, Wozu sich einem hohen Adel und hochzuvcrehrenden Publikum bestens empfiehlt ___^ I. G. Schmid, Traiteur. ^ Herrn Neuper's gegenwärtigen Anfenthalcsorte wünscht zu erfahren Pfaffenbofen an der Jlm, den Zi. Dez. 1821. ' Leopold Fnrtmair. Joh. Wilhelin Hothum gcschworucn Kansters sel. Wittwe empfiehlt sich bev eintretender Karneva'szeit einem verehrungswürdigen Publikum mit ihrer schon bekannten, auch dieses Jahr vermehrten Masquen-Garderobe, und wird durch billige und schnelle Bedienung die Zufriedenheit des verehrten Publikums zu erhalten, sich möglichst bestreben. Wohnhaft Lit. C. Nro. 27z. nächst dem Srernkloster. _ Gestern gegen 4 Uhr Nachmittag wurde vom Komtoir der Abendzeitung bis zum Herrn .^ranzftlder, Buchhändler, ein im weißen Papier eingewickelter franzosischer Buchdrucker - Korrekturbogen, mit einigen verschnittenen Blattchen, verloren. Da an diesem Verlornen sehr viel gelegen ist, und doch Niemand etwas nützen kann, so ersucht man den Finder freundlichst, solches znm Herrn Geiger, Buchdrucker im Ar- men-Hausgaßchen, gegen Erkenntlichkeit zu übergebe». -