Nro. 6. Monwg, den 7. Jan. Anno 1822. IlugsburgischeOrdinariPostzcitung Von Staats, gelehrten/ historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten. Mir allerhöchsten ^ ?- ?' ^ / e Redakteur: E. Frhr. v. Seida. Gedruckt u. verlegt von Joseph Anton Moy, wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus. München, den 3. Jan. Die Flora schreibt: „Bereits bey der letzten Stände-Versammlung wurden Entwürfe vorgelegt, aufweiche A"t die Einführung der im Nheinkreise bestehenden Institution des Landrathes im ganzen Königreiche in einem verhältnismäßigen Wirkungskreise zu Stande gebracht werden könnte. Se. königl. Majesiar wollten Ihren geliebten Unterthanen dadurch einen wiederholten Beweis Ihres väterlichen Wohlwollens geben, indem Sie am 1. Jan. d. I. die Verwirklichung dieses Landrathcs zu beschließen, den Ständen des Reichs damit entgegen zu kommen, und gleichsam als einen Nenjahrswunsch für die ganze Nation durch das Regierungsblatt bekannt machen zu lassen geruhten. Jeder Kreis wird dadurch in den Stand gesetzt, alles, was das rege Leben, nämlich die Landwirthschaft, die Gewerbe und den Handel betrifft, aus dem Munde derjenigen, die es zunächst angeht, wahrhaft ins Auge zu fassen, und die Wünsche und Anträge seiner Bezirke auf dem verfassungsmäßigen Wege zur höchsten Kenntniß zu bringen. Alle gutgesinnten Baiern werden mit dem innigsten Dankgefühl dieses neue Band der.Liebe ergreifen, wodurch sie immer näher und enger mit dem Herzen ihres hochgelicbren Souveräns vereint werden." Konstantinopel, den 11. Dez. Seit mehreren Tagen ist die Ruhe in dieser'Hauptstadt so ziemlich hergestellt, obgleich alle Straßen von bewaffneten Muselmännern wimmeln. Die Unterhandlungen der Minister von Oesterreich und England zu Erhaltung des Friedens dau- ren fort, allein es verlautet nichts Entscheidendes darüber. Obgleich die Pforte bekannt machen ließ, daß der Schah von Persien die Kriegserklärung und den Einfall seines Sohnes in Kurdistan mißbillige, so glaubt man hier noch nicht recht daran, weil den neuesten Nachrichten vom 26. Nov. zufolge die Perser noch bey Kars und Erzeruin gelagert waren. Semlin, den 24. Dez. Cassandra ist wirklich in Händen der Türken, wie ganz zuverlaßige Berichte melden. Die ganze christliche Bevölkerung hatte sich jedoch vor dem Einrücken der Türken nach allen Seiten geflüchtet, so daß diese Alles leer fanden. Corfu, den «. Okt. Auf Zante undJthaka ist die Ruhe noch nicht hergestellt; auf Cephalonien und Cerigo aber der Aufstand gedämpft. Ueberhanpt wird das Neutralitäcssystcm der jonischen Inseln strenger als je, auch gegen die Türken, befolgt. Hinrichtungen und Verbannungen sind leider noch an der Tagesordnung. Man erzählt hier, unser hoher Protektor König Georg IV- habe das strenge Benehmen unseres jetzigen Lordkommissärs gemißbilligt, und man hofft, dieser werde bald durch einen andern ersetzt werden. Madrid, den 17. Dez. Wir haben hier Briefe aus Cadix bis zum 11. Dez. Die Stadt war äußerlich ruhig. Von Zeit zu Zeit liefen Glückwünschungsschreibcn zur Addresse vom 29. Okt. und von den patriotischen Gesellschaften der „Virtuosos Descamisados" von Carthagena, Valencia, Murcia :c. Zuschriften an den Xefe politicv ein, worinn 5e erklärten, sich mit Cadir zur angeblichen Aufrechthaltung der Konstitution föde- riren zu wollen. Während dieser Zeit aber zeigt sich in Navarra und Arragonien ein Schwindelgeist anderer Art; zu Caspe^, Callatayud, Huesca und Alcanniz hat man Konstitutionssteine umgeworfen, und dabey: „Es lebe die Konstitution! Aber Tod den Republikanern!" gerufen. Man hat hie und da die freywillige Miliz entwaffnet, und die eifrigsten Konstitutionellen eingekerkert. Es ist kein Zweifel, daß hier geheime Triebfeder» spielen, und die der Regierung zugekommenen Berichte bezeichnen mehrere Geistliche, wovon einige von Bayonne heimlich nach Spanien zürück gekehrt, als die Häupter der Unruhen. Aus ihrem Benehmen sollte man schließen, daß sie ihre eigentlichen Plane noch nicht ganz an den Tag legen, sondern bloß die Gemüther, auf die sie Einfluß üben, vorbereiten und zur Folgeleistung gewöhnen wollen. — Aus Corunna sind unterm 12. Dez. Nachrichten angenehmern Znuhalts eingelanftn. General Miua hat, im Einverständnisse mit seinen untergeordneten Offizieren, den Militärbcfthl über Gallizien dem Marschall del Camps und Genieinspcktor Dou Namon-Lopez abgegeben, und den von der Negierung ihm zum Nachfolger gesetzten General de Larre^ (der bekanntlich sich an die Spitze der gallizischen Städte setzte, die es nicht mit Mina und Corunna halten wollten) feyerlich anerkennen lassen. Paris, den 29. Dez. Die Pairskammer nahm gestern den vou der Deputirtenkammer ihr zugestellten Gesetzcscntwurf wegen Bewilligung der provisorischen 3 Srenerzwölftel einmüthig an, und ernannte durchs Lvos eine große Deputation, um den König zum neuen Jahre zu beglückwünschen. — Das allmächtige russische Neich, sagt dieQuoti- dienne, wagt eine ausgedehnte, alle seine Hilfsmittel ansprechende Unternehmung. Urtheilt man nach den vorigen Kriegen, und vorzüglich nach dem von 1770, so hat man einen langen hartnäckigen Kampf zu gewarten. Unwegsame Gegenden, kahle Felder, HungerundÄrankheit werden den Türken machtige Hilfe leisten. Die mvscovitischcn Heere haben bisweilen über die Donau gesetzt, nie aber sind sie in die nördlichen Provinzen der Türken weit vorgerückt. Zahllose Hindernisse zwangen sie bald zum Rückzug, Romanzow hat der Gefahr solcher Unternehmungen am kühnsten getrotzt; der Titel Transdanubianer wurde ihm daher beygelegt, und dieser prachtige Bcynamen beurkundet die Gefahren eines Kriegs, der zum Zweck hat, das Herz des byzantinischen Reichs zu verwunden. Die Politik des Petersburger Kabinets ist nicht mehr zweifelhaft; sie will über die weibischen Nachfolger Maho- meds II. das Loos der Commenen verhängen. Werden die Russen Herren der Gestade des Vosphorus, so werden sie wahrscheinlich diesem Triebe nach dem Orient, ihrer Stammgegend hin, bald folgen. Ihre Sitten, ihre politischen und Handelsverhältnisse werden das Gepräge einer solchen Veränderung tragen. Die Nothwendigkeit ihre neuen Besitzungen zu behaupten, und das besiegte Volk daraus zu verdrängen, wird ihre ganze Sorgfalt und Macht erfordern. Auf diefe Weise hätte künftig ihre Negierung im westlichen Europa nicht mehr das Uebergewicht, daß sie seit derTheilung Polens, und besonders fettig^ erlangt hatte."— Seit einiger Zeit haben Uebelwollende eine neue Verschwörung gegen die Regierung unternommen. Sie hatten sich vorgesetzt, durch einen schnellen Streich das Schloß in Saumur wegzunehmen. Der General Iamin vereitelte jedoch dieses Unterneh.- men, von dem er zurrechten Zeit in Kenntniß gesetzt wurde, indem er am 2z. von Angers aufbrach, und mit 2 Kompagnien des 44sien Linienregimentsnach Saumur marschirte, wo am 2z. 8 Unteroffiziere der Militärschuie, dann ein Adjutant, so wie ein Scrgeantmajor desselben Regiments verhaftet wurden. Im Augenblicke der Ankunft der Truppen rettete sich ein gewisser Delon, der als ein Hauptansiif- ter des Komplotts bezeichnet wurde, du- ch die Flucht. Die Untersuchung der Verschwörung ist den Militärgerichten übergeben worden. Petersburgs den n. Dez. Die Kriegszeitung giebt ausdeutschen Blättern einen belehrenden Bericht für diejenigen, welche es in dieser entscheidenden Periode sich sehr angelegen seyn lassen, die inneren Kräfte des türkischen Reichs möglichst herabzusetzen, nicht beachtend, daß sie dadurch der Sache, welcher sie zu dienen vcrmcynen, eher schaden als nützen. „Stolze Verachtimg seines Gegners ist gemeiniglich der Vorbote einer sichern Niederlage." — Das sehnlichst crwarcere Manifest ist bis jetzr noch nicht erschienen; der Krieg bleibt indeß unbezweifelt. Die allgemeine Meynung, wie der allgemeine Wunsch sprechen sich in ganz Nußland laut dahin aus. Die Russen werden diesen Krieg wegen Zerstörung der Kirche ihrer Glaubensgenossen für eine hei» ligen Krieg halten, und wie Löwen fechten. — Am Z. dieß ist der Befehl ertheilt worden, 12 Regimenter Kosacken zu Uhlanen zu organrsiren. ' Von der Weichsel, den iü. Dez. Ein merkwürdiges Naturereignis; hatte zu Krakau am Zo. Nov. Statt. Gegen 4 Uhr ficng es zeitweise zu regnen an, bis zwischen 4 und 5 Uhr von Nordost Blitze, Anfangs von leichtem Donner, bald aber von heftigen Donnerschlägen, Sturme und leichtem Hagel begleitet, bemerkt wurden. Als die schwarzen Wolken seitwärts der Stadt vorüber zogen, gieng die Sonne in solcher Helle und mit einem so eigenen Lichte unter, daß Häuser und Thürme von weißem Feuer erleuchtet schienen. Eine Viertelstnnde später erhob sich ein heftiger Sturm, und Blitze und Donner leuchteten und brüllten ringsum. Leute, die eben auf dem Wege nach Krakau waren, können das Schaudervolle und Gefährliche dieses Naturereignisses nicht genug beschreiben. Das Feuer schien vom Himmel nieder - uud wieder aufzusteigen, und zeigte sich in den Farben des bengalischen Feuers; auch bemerkte man von der Ost - und Nordseite viele in Flammen stehende Gebäude. Vom Mayn, den z. Jan. Unter der Aufschrift: Frankfurt, den 27. Dez. schreibt der niederrheinische Kurier: „Ich habe Ihnen eine große Neuigkeit zu melden. „„Der Krieg gegen die Türken ist, in vollkommenem Einverständnisse der 5 großen Mächte, beschlossen worden."" So lauten nämlich durch außcrordencliche Gelegenheit hier angelangte Briefe aus Wien, deren Glaubwürdigkeit nicht zu bezweifeln sind. Indessen scheint es, daß diese Nachricht vielmehr einen veränderten Entschluß des öster- reichischen Kabinets anzeigen, als daß ein förmlicher, vom russischen Kaiser rati- fizirter Vertrag der 5 großen Mächte abgeschlossen sey. Auch kann das Einversiänd- niß sich wohl nicht weiter als auf den „Zweck" erstrecken. Sollte dieser erreicht seyn, dann dürften, bey einer etwaigen „Theilung", sich die größten Schwierigkeiten ergeben. Auch ist nicht abzusehen, welche Entschädigungen Frankreich und Preußen, bey den gemeinschaftlichen Anstrengungen, erhalten sollten. Dem sey nun, wie ihm wolle, so ist wenigstens so viel gewiß, daß Fürst Metternich sich schmeichelt, die bisherige Einigkeit der 5 großen Mächte werde durch den Krieg gegen die Türken nicht gestört werden ; vielmehr soll diese Einigkeit im anderweitigen Kampf gegen unruhige Völker neu befestigt werden. Trient, den 2 z. Dez. Nach zwey Monaten eines beständigen, von keinemWolkchen getrübten zweyten Frühlings, wo Blumen im Freyen, und allenthalben frisches Gras sich zeigte, auch noch immer Schmetterlinge herum flatterten, finden wir uns seit zwey Tagen auf einmal im tiefen Winter. Dieser begann also Heuer ganz richtig mit der in Kalendern ausgesprochenen Angabe des Winter - Anfangs. . Bregenz, den 25. Dez. In der verflossenen Nacht wüthete in der hiesigen Gegend ein fürchterlicher Sturm, der Dächer abtrug. Bäume entwurzelte, und auch auf dem Bodensee bedeutenden Schaden angerichtet haben dürfte. Kitzbichl, den 27. Dez. Die heurige Cbristnacht war in unserer Umgegend wirklich sehr merkwürdig, es erhob sich mitten in der sonst so rauhen Winterszeit, wo jetzt ringsum die Flureu von Schnee fast gänzlich entblößt sind, und worauf die Vieh-Hecrden ununterbrochen weydeten, von Süden herauf ein fürchterlicher Sturm, gerade in der heiligen Stunde der Mitternacht. Donnerähnliches Gebrülle mischte sich in das Klirren der Fenster und in das Krachen der in ihrer Grundfeste erschütterten Gebäude. Am schrecklichsten hauste dieser Sturm auf den Dächern , deren Schindeln und Steine, mit welchen erstere beschwert werden, mit größter Gefahr der Herumgehenden auf die Platze und Gassen geschleudert wurden, daß sie dicht den Boden bedeckten. — Vorzüglich aber tobte dieses Ungewitter in der Gegend vom Jochberge, wo es weder eines Hauses noch eines andern Gebäudes schonte. Ja viele, sehr viele wurden ihrer schützenden Hülle, der Dächer, gänzlich beraubt. Auch ganze Parthien von Wäldern wurden hingestreckt und zersplittert. Die stärksten und mas- ^vsten Eichen, die Jahrhunderte dem Sturme trvtzten, wurden entwurzelt und zerschmettert. Die ältesten Manner erinnern sich nicht, je ein so fürchterliches Schanspiel gesehen zu haben. Der dadurch verursachte Schaden ist sehr groß; «och weiß man bis jetzt noch nichts, daß dabey ein Mensch verunglückt wäre. Dank der Vorsehung! Augsburg, den 5. Jan. In unserer Stadt, die sich von jeher durch regen Sinn für Werke der Wohlthätigkeit rühmlichst auszeichnete, ist die Errichtung einer Ersparnißkasse, zu deren Begründung die berühmten Wechselhauser, Joh. Lorenz Schäzler, Carli undComp., G. G. Süßkind und Wohnlich und Fröhlich, sich vereinten, und vorläufig eine Summe von 50,000fl. in fünfprozentigen baierischen Staatspapieren zusammen schoßen, von der kon. Kreisregierung genehmigt und die Statuten derselben bestätigt worden. Der Zweck dieser am 2. Febr. 0.1. zu eröffnenden Wohlthätigkeitsanstalt ist, den weniger bemittelten Einwohnern, und vorzüglich der dienenden und arbeitenden Klasse, Gelegenheit darzubieten, ihre Ersparnis in sichere und Zinsen tragende Verwahrung zu bringen, und sich so einen Nothpfenning zu schaffen. Die Anstalt, die sich vor allen ihrer Art, außer vollkommenster Sicherstcllung, durch einen hoher» Zinsfuß auszeich- vet, hat die gerechteste Ansprüche auf die achtungsvolle Anertenung aller Menschenfreunde, so wie auf den wärmsten Dank derjenigen, denen sie zunächst gewidmet ist, (Bekanntmachung.) Von der unterfertigten Behörde werden am Mittwoch den 16. dieß Monats auf dem Salzstadel bey heil. Kreuz iu Augsburg von dem dortselbst aufliegenden Roggenvorrath von iHiy Zoo Schaffe! im Wege öffentlicher Versteigerung, unter Vorbehalt höchster Ratifikation, verkauft. Kaufsliebhaber haben sich am bemeldten Tage Vormittags 10 Uhr auf genanntem Fruchtkasten einzufinde». 'Zusmarshausen, den z. Jan. 1822. K. b. Rentamt. S chellhorn , Rentbeamter. Die auf den 14. dieß angezeigte Perlenversteigerung in München kann nicht vor sich gehen. ' K. G. B. S. u nd M. Administrati on. Unterzeichnerer hat die Ehre, diesen Karneval 5 Redouten zu geben; die bestimmte Tage sind folgende: Montag den 7. Jan., Montag den 54. Jan., Montag den 21. Jan., Montag den 4. Febr., Montag den n. Febr. Das Entre für jede Person ist 1 fl. 12 kr., Gallerte 24 kr. Der Anfang jeder Redout ist Abends um 9 Uhr, wozu sich einem hohen Adel und hochzuverehrenden Publikum bestens empfiehlt ^_ > __ I. G. Schmid, Traiteur. (Auffoderung.) Ich fodere hiemit Herrn ^. W., auf, seine bewußte Verbindlichkeit gegen mich in-kürzester Zeit z» vollziehen, widrigenfalls ich gezwungen wäre, Obgedachten öffentlich prostituiren zu müssen. Bogen, den 22. Dez. 1821. Joh. Bapt. Fleischm.i nn, Landgerichts - Apothe ker. ' In Lir. D. Nie. 158. auf dem Kesselmarkt ist ei» guter und geräumiger Sommerkeller ju vermiethen. -