Nro. ^6. Mittwoch, den 50. Jan. Anno 1822. AugsburgischeOrdinariPostzettuilg Von Staats/ gelehrten/ historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten. Mit a l l e r h ö ch st e n F> l' ^ ? / e A? e ». Redakteur: E. Frhr.v.Seida. Gedruckt ».verlegt von Joseph Auton Moy, wohnhaft auf dem obern Graben in dem sogenannten Schneidhaus. München, den 26. Jan. (Beschluß.) Was Ich Ihnen in Meiner ersten Rede von Herstellung der kirchlichen Ordnung angekündigt habe, ist in Erfüllung gegangen. — Bey der Vollziehung des, mit dem papfil. Stuhle abgeschlossenen Konkordats in Beziehung aufdie katholische Kirche und ihre Angehörigen — und der Handhabung desselben als Staatsgesetzes — bleiben jedoch die in der Verfassungsurkunde und in den derselben beygefügten Edikten, allen Meinen Unterthanen der verschiedenen, in Meinem Reiche gesetzlich bestehenden Glaubensbekenntnisse in Beziehung auf Religion, Kirchenei- genthum und kirchliche Einrichtungen — zugesicherten allgemeinen und besondern Rechte unverletzt erhalten, und ich werde keine verfassungswidrigen Eingriffe in die, jedem Religionstheile garantirtcn Rechte zulassen. — Mein Staatsminister der Finanz«« wird Ihnen die in der Verfassung vorgeschriebenen Nachweisungen vorlegen-, — es ist Mein ernster Wille, daß jede Rechenschaft, welche Ihnen gebührt, mit Offenheit und Klarheit abgelegt werde. Wenn Ihnen in der Verbesserung des Zustandes des Reiches mitMir Manches zu wünschen übrig bleibt, so werden Sie in den zurückgebliebenen Wirkungen der verflossenen, und in den ungünstigen Verhältnissen der gegenwartigen Zeiten die Ursachen finden; — dabey werden Sie aber auch die Wohlthaten dankbar anerkennen, welche Unser Staat durch seine verfassungsmäßige Regierung, besonders in Beziehung auf den öffentlichen Kredit, wirklich genießt. — Mit den Ihnen geäußerten Gesinnungen und Zuslcherungen übergebe Ich mich dem festen Vertrauen, daß Sie als Manner, — gleich erfüllt von Empfindungen der Ehrfurcht für den Thron, um welchen Sie stehen, wie der Liebe für das Vaterland, für welches Sie hier versammelt sind, — auf dem verfassungsmäßigen Wege Mir entgegen kommen, und so den erhabenen Beruf der Standschaft ehren werden." — Hierauf las der Finanzminisier Freyherr v. Lerchenfeld, da der Iustizminisier noch krank ist, den für die Mitglieder der Ständeversammlung in der Verfassungsurkunde Tit. VII. K. 25. vorgeschriebenen Eid ab, welchen auf den Aufruf des Staatsministers des Innern, Grafen v. Thürheim, die neueintretendenMitglicder der Kammer der Ncichsräthe, nämlich der Freyherr v. Frauenberg, Bischof von Augsburg, und der Freyherr v. Würzburg, dann die neueintretenden Mitglieder der Kammer der Abgeordneten: Thomasius, Frohn, Jacobi, Klein und Niedel, leisteten. Nachdem sodann der Minister des Innern, im Namen Sr. Majestät die Kammern für eröffnet erklärt, und sie zum Anfange ihrer Anetten eingeladen hatte, entfernte sich der König unter demselben lauten Jubelrufe, der ihn bey dem Eintritt in den Saal empfangen hatte. — Die erste öffentliche Sitzung der Kammer der Abgeordneten wird künftigen Dienstag, und einer der ersten Gegenstände der Verhandlung der Entwurf zur Hypothekenordnung, verbunden mit der Prioritätsordnung, seyn. Wien, den 24. Jan. Der Ausschuß der privilegirten österreichischen Nationalbank hielt am 14. dieß feine jährliche statutenmäßige Versammlung, welche der Herr Gouverneur dieser Anstalt, Joseph Grafvo-nDietrichsteitt, mit einer Rede eröffnet, ans welcher am deutlichsten entnommen werden kann, wie groß und segenreich die Wirkungen die-- ses gemeinnützigen Institutes auch in dem verflossenen Jahre waren, und wie sehr sich seine Selbstsiändigkeit und Kraft immer mehr und mehr entwickelt. — Nach den Anordnungen des höchsten Patents vom 21. März 1318, ist von den Schuld- verschreibungen der ältern verzinslichen Staatsschuld, welche im Jahre 1821 durch den allgemeinen Tilgungsfond eingelöst worden sind, ein Kapitalsbetrag von 6,506,94z fl. 40 zss kr. gestern, in Gegenwart der dazu «»fgeftelltenKomLttssion, an dem gewöhnlichen Verbvcnmmgsorte vertilgt worden, um durch die Interessen- .ers-parniß, weiche dadurch jährlich in dem Betrage von 125,000 fl. 47 kr. bewirkt wird, die aus den vorgenommenen Verioosungen entsprungene Erhöhung des jähr-- liehen Zinsenaufwandes auszugleichen. Mit Einschluß dieser Vertilgung erreichen die seit dem Jahre igiK aus dem Schuldensimrde des Staats ausgeschiedenen und öffentlich tM'NichtettnObli^ ls4kr., wofür die jährliche Zinsenzahlnug 500,004 si. 70 kr. betrug. Corfu, den 22. Dez. Die Verordnung der Negierung, daß die Landbewohner der Stadt Corfu wegen ihres Bedürfnisses eine bedeutende Quantität Getreide stellen sollten-, wurde von diesen irrig als eine Parteylichkeit der Regierung gegen eine Klasse der Unterthanen angesehen, und veranlaßte mehrere grundlose Petitionen an die Negierung. Eine Proklamation vom 20. Dez. des Generalmajors Friedrich Adam, der in Abwesenheit des Sir Thomas Maittand die Stelle eines Oberkommissars der joniscken Inseln vertritt, suchc den Irregeführten diesen grundlosen Wahn zu benehmen, und warnet sie, solchen Einstreuungen kein Gehör zu geben. Neapel, den 10. Jan. Der Prozeß der Offiziere von Monteforte ist der Entscheidung nahe. Die Verhafteten sind 66 an der Zahl, und der Abwesenden sind 44. Unter den letzcern befinden sich Carascosa, Wilhelm Pepe de ConeiliiS, Nusso und Menichmi.— Gegen Ablauf dieses Monats werden abermal 100,000 Unzien nach Sizilien abgesendet werden. — In den Umgebungen von Neapel sind dermal 10,000 Mann von der aufgelösten Armee versammelt, um daraus neue Regimenter zu bilden. Man hat bereits angefangen, 4 derselben zu organisiren, n.nulich die Regimenter König, Königin, Prinz und Bourbon. Modena, den 16. Jan. Hier ist in der alten Jcsuitenkirche zum heil. Barrholoma das Kollegium der Gesellschaft Jesu wieder eröffnet worden. Lissabon, den 29. Dez. Das visrio clo ^ovoi-nc» enthalt taglich Nachrichten von den Civilbehörden, denen zufolge die Geistlichkeit mit Erfolg daskonsiitutionelleSystem in ihren Kirchspielen predigt. — Der „Jndependente" will aus Privatnachrichten wissen, daß der Kaiser von Nußland die schnelle Abreise seines Ministers gemißbilligt habe. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Brüssel habe dem portugiesischen Minister daselbst gesagt, daß, wenn zn jener Zeit ein holländischer Geschäfftsträ- ger in Lissabon gewesen wäre, derselbe gewiß nicht den beyden andern n.chgeahmr hätte. Von Paris aus will er ferner wissen, daß Herr Pasquier versichert habe, Frankreich werde nie in die innern Angelegenheiten Portugals sich mischen, sobald mau nicht die Würde des Thrones oder die Nnhe der Nationen in Gefahr setze. , Ncuyork, den 14. Dez. Nachrichten ans Neu-Orleans vom 12. Nov. bringen mit, daß die spanischen Behörden die ganze Küste von Columbia, mit Ausnahme von Porto-Cabelto, in Blockadezustand erklart haben. Ihre Schiffsmacht besieht in einer Fregatte, zwep Briggs, vier Schooner und sechs oder acht Kaperschissen. Sie haben berets sechs amerikanische Fahrzeuge, welche in verschiedene Haben der Republik bestimmt waren, mit Lebensmitteln, so wie auch einen englischen Kutter von St. Thomas, in- gleichcn ein brittischesKauffahrteyschiff vonBarbadocs genommen, nach Porto-Ca- bello geführt und dort kondemnirt. Brüssel, den 21. Ja«. Nachrichten aus Paris melden, der Malteserorden habe den Plan, aufcincr Insel des Archipels seinen Sitz aufzuschlagen; seine Bemühungen aber, die er sich deßhalb bey den Mächten gäbe, fänden von Seite Englands Verhinderungen. — Von Wien sollen Kurier? nach Petersburg und Konstaminopel mit Depeschen abgegangen seyn, welche neue Vorschlage von Seite Oesterreichs und Englands enthalten , um eine Beylegung zu beschleunigen. Nach diesen Vorschlagen sollen Rußland und die Pforte ersucht werden, in eine Art schiedsrichterlichen Ausspruch zu willigen, und die endliche Bestimmung der Bevollmächtigten einzugehen, die ernannt werden würden, über alle strittigen Gegenstände zwischen diesen beyden Mächten endlich zu entscheiden. Warschau, den 16. Jan. Zu Ende vorigen Jahres fanden sich in mehreren Gegenden der Woiwodschaft Krakau große Schwärme ganz unbekannter Vögel ein, von der Größe der Dohlen, mitpommeranzengelber Brust, und einem in allevZarben des Regenbogens spielenden Rücken, so daß ihr Gefieder in der Sonne, mit der Pracht der Saphire, Smaragden und anderer Edelsteine wetteiferte. Sie kamen von Süden, und schienen gar nicht scheu zu seyn; auch sind mehrere erlegt worden. Ihr Vaterland soll Egypten oder die Inseln des Archipelagus seyn. Entweder hat sie der in unsern Gegenden so außerordentlich milde Winter Hieher gelockt, so daß ihr Besuch nur als eine Irrfahrt anzusehen ist; oder eine in ihrer Heimath ungewöhnlich strenge Witterung hat sie von dort verscheucht. Aus dem Brandenburgischen, den 14. Jan. Vorgestern, Sonnabends, ereigneten sich zu Berlin beynahe gleichzeitig zwey Grauelthaten: Ein junger Studierender entleibte sich selbst mit mehreren Stichen. Der andere Fall ereignete sich in der Möhrenstraße, wo ein Bursche, der sich mit Sticfelputzen ernährte, nach einem kurzen Wortwechsel seine Mutter mit mehreren Hammerschlägen erschlug. Nach vollbrachter That legte er sich ruhig neben den Leichnam, und begieng Handlungen, die vou Wahnsinn zeugen, welches nur durch die gerichtliche Untersuchung ausgemittelt werden wird. — Da sich kürzlich sowohl hier als in der Umgegend mehrere Selbstmorde:c. ereigneten, so glaubt man, daß die theils stürmische und von elektrischen Erscheinungen begleitete, theils drückend warme und trübe abwechselnde Witterung vielleicht nicht ohne Einfluß auf dergleichen krankhafte Gemüthsäußerungen ist. — Nach amtlichen Nachrichten aus Warschau ist zu Brzesc in Litthauen eine sehr bösartige ansteckende Krankheit ausgebrochen, woran viele Menschen sterben. Prag, den 8. Jan. Gestern wurde das zwischen Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Neuß von Greiz :c. und ihre Durchlamht der Prinzessin Gasparine von Nohan-Noche- forc :c. vor einiger Zeit geschlossene Eheverlvbniß durch priesterliche Trauung allhier vollzogen. Kurzgefaßte Nachrichten. In Brighton lebt ein 92jähriger Greis, der in seinem Leben, nach einer bewiesenen Ausrechnung, 114 Orhoft Portwein getrunken, welches zu dem jetzigen Preise die Summe von 8902 Pf. St. ausmacht. — Zu Vermont im Staate Vir- ginien ward neulich von 40 Leuten eine große Elchhörnchenjagd angestellt; in 48 Stunden wurden 4961 Eichhörnchen getödtet; nach altem amerikanischen Brauch ward das Fleisch derselben zu einer großen Pastete verwandelt; 275 Personen wa- ren zu diesem Schmause eingeladen. — Herrn Christian Müllers Reise durch Griechenland ist in Leipzig mit verdienter Verachtung aufgenommen worden. Ueber die Triebfedern, welche diese unwürdige leidenschaftliche Parteyfchrift gegen jenes unglückliche Volk zu Tage förderte«/ sind nur sehr wenige Leute im Dunkeln. — Görres Schrift in Sachen der Nheinprovinzen, welche in den preußischen Staaten verboten wurden macht Aufsehen; doch glauben Viele, HerrGörres hatte besser daran gethan, die Grundsätze etwas mehr in den Vordergrund, und seine eigene Person weiter zurück zu stellen. — Der berühmte Componist und Violinist, Herr Spohr, welcher sich gegenwärtig in Dreßden befindet, ist zum kurfürstlichen Hofkapellmeister und Direktor der Oper zu Kassel ernannt worden. — Zu Hannover hat die allgemeine Standeversammlung am i«. Jan. ihre dießjährigen Sitzungen wieder eröffnet. — Zu Berlin wurde, auf Befehl des Königs, am 20. Jan. das Krönungs - und Ordensfest gefeyert. — Im Dezember v. I. ist die neue, 2 Meilen lange Kunststraße zwischen Halle und Merseburg eröffnet, und dadurch für den Verkehr eine der wichtigsten Verbindungen b-werkstelligt und vollendet worden. (Bekanntmachung.) Am Montag den 18. kommenden Monats Februar Nachmittags 2 Uhr werden auf den 7 Tischen zyy Klafter theils Fvrreu-, theils Fichten- Brennholz aus hiesiger Stadtaue, in größeren oder kleineren Parthien, je nach dem Wunsch der Kaufsliebhaber, au die Meistbietende versteigert werden. DieKaufs- Bedingungen werden vor der Versteigerung bekannt gemacht. Augsburg, den 29. Jan. 1822 . Stadtkckmmerey. _ O tt, Stadtkämmerer. Nachdem ich die allerhöchste Genehmigung erhalten, die mir zugefallene Kleini- sche Tabakfabrique durch eine hie;u eingerichtete Lotterie auszuspielen; so mache ich hiemit die Anzeige, daß am 1. Februar Plan und Loose zu 2fl. im 24 Guldenfuß hie- von bey mir Unterzeichnetem und bey Herrn Veit Kaula, Banquier allhier, zu haben seyn, welcher Kundmachung ich die Versicherung beyfüge, daß die Ausspielung besagter Fabrique unabänderlich am 1. Februar 1823 hier vor sich gehen werde. Augsburg, den 29. Jan. 1922. I. A . v. Pmir, kbn. H allbeamter allhier. Da die alljährige heil. Fastenzeit der Christen auch heuer wieder sich nähert, wird denselben in Erinnerung gebracht das vor Kurzem in der Nikolaus Doll'schen Buchhandlung in Augsburg erschienene alljahrige Fastenerempelbuch: Der heil. Büßer David, als alljährige Weckung, Belebung, Unterhaltung des Bußgeistes, allen Sündern vor Augen gestellt von Johann Sebastian Wittmann, einem Weltpriester und Kaplan in Aug sburg .___ Bey P. P. Bolling ist zu haben: Wittmann, I. S., das heilige Kirchenjahr in Lytaneien zu feyer n. 8- 30 kr. __ In der von Jenisch und Stageschen Buchhandlung hat die Presse verlassen, und welche in allen soliden Buchhandlungen zu haben sind: Zippers theoretisch- praktische Anweisungen zu Schlosserarbeiten, nebst den dazu gehörigen Zeichnungen und Rissen, 2 Bände, mit 48 Kupfern, gr. Fol. s 8 fl. 30 kr. — Anweisung zu Schlosserarbeiten mit Zeichnungen, z Bände, mit 36 Kupfern, als Fortsetzung vomObigem. gr. 4. 6fl. — Auf Schreibpapier 8 fl. 15 kr.— Diese 2 interessante Werke sollen mit Recht in keiner Werkstatt fehlen, weil solche nicht nur jedem Gesellen und Lehrlinge, sondern auch jedem kunsterfahrnen Meister über das ganze Geschaffte hinlängliche Auskunft ertheilen, und deßhalb mit vorzüglichem Nutzen gebraucht werden können. ^-trsAvIu, KasiiLuz, Lc-kL Wicke, schon seit iZ Jahren selbst gebaut, 100 schöne und reife Körner kosten z kr. — Mohn, von bewunderungswürdiger Größe und Schönheit in allen Farben und Spielarten, die Prise 6kr. — Ästern sehr stark gefüllt, mit den seltensten Farbenmischungen, die Prise 6 kr. — Diese Sämereyen sind zu bekommen in Mantl im Landgericht Neustadt an der Waldnaab bey dem k. b. pensionir- ten Lieutenant von Hann. Die Versteigerung des Ladens nebst Wohnung Lit. B. Nro.s. kann Hindernisse wegen erst Donnerstags den 7. Febr. vor sich gehen,