Augsburger Sonntagsblatt. Nr. 1. 1. Januar 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poſt⸗ Zeitung XX Jahrgang) erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abomementspreis iſt 20 fr., wofür es durch alle k. bayer. Poſtämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Katholiſche Miſſion auf den Seſchellen Inſeln. —yb— Die Seſchellen-Inſeln, auf der Oſtſeite Afrikas, 4 Grade ſüdlich vom Aequator gelegen, haben der katholiſchen Miſſions⸗Thätigkeit zwar nur einen kleinen Wirkungskreis geboten; aber das Wirken eines armen Capuziners daſelbſt bietet um ſo mehr Intereſſe, da in einer ſo kurzen Zeit erſt neulich die katholiſche Religion auf dieſen faſt vergeſſenen Eilanden wieder hergeſtellt und feſt gegründet wurde, und da dieſer Poſten auch für die Miſſionen in dem öſtlichen Afrika von Bedeutung iſt. Dieſe Inſeln, dreißig an der Zahl, jedoch noch nicht alle bewohnt, waren zu jener Zeit, als ſie von den Portugieſen entdeckt wurden, nur von Schildkröten, Krokodilen, Affen und Vögeln der verſchiedenſten Art belebt. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aber erhielt die größte dieſer Inſeln, Mahon, eine franzöſiſche Niederlaſſung, wodurch ſie für die Krone Frankreichs in Beſitz genommen wurde. Die große Fruchtbarkeit des Bodens zog bald mehrere Anſiedler nach, aus den gegenüberliegenden Küſten Aſrikas wurden Neger als Sclaven eingeführt, und ſo wuchs die Bevölkerung raſch heran. Ein franzöſiſcher Prieſter beſorgte die geiſtlichen Angelegenheiten ſeiner Landsleute, für welche auf Koſten der Regierung 1787 eine katholiſche Kirche erbaut wurde. Die bald nachher ausgebrochene Revolution Frankreichs ſendete ihren zerſtörenden Einfluß bis auf dieſe entfernte heranblühende Kolonie; es kamen rabiate Republikaner aus dem Mutterlande hieher und brachten alles in Verwirrnng; ſie ſelbſt aber wurden theils Seeräuber, theils Sclavenhändler. Erſt als dieſe Inſeln 1844 an die Engländer abgetreten wurden, ward wieder einige Ordnung hergeſtellt; aber die meiſten Katholiken verließen jetzt dieſe ihre Heimath, alle wenigſtens, denen es ihre Vermögens-Verhältniſſe möglich machten; die Urſache davon war die Aufhebung der Sclaverei, weil jetzt die Schwarzen nach erlangter Freiheit nichts mehr arbeiten wollten, und deßhalb die beſten Ländereien unbenützt liegen blieben und verwilderten; dann aber auch, weil kein Prieſter mehr auf den Inſeln war, und die Katholiken ihre religiöſen Bedürfniſſe nicht mehr befriedſgen konnten. In Folge dieſer Vorgänge gerieth die katholiſche Religion gänzlich in Verfall. Die alten Chriſten verloren ſich nach und nach, die Kinder wuchſen ohne Unterricht heran, und hatten zuletzt als Gottesverehrung ein Gemiſch von Chriſtenthum und Heidenthum. Weitaus der größte Theil der Einwohner, die Schwarzen, waren Heiden. Alle heidniſchen Gräuel waren in Uebung; Zauberer, Wahrſager, Todtenund Teufels⸗Beſchwörer ſtanden bei Chriſten und Heiden im größten Anſehen. Aber eine eigene Erſcheinung, gewiß eine beſondere Gnade der göttlichen Vorſehung war es, daß dieſe halbverwilderten Katholiken eine hohe Verehrung zur allerſeligſten Jungfrau Maria nie aus ihrem Herzen verloren, und daß ſie die Bildniſſe der Muker Gottes, die ſie von ihren Eltern ererbt hatten, als Heiligthümer in ihren Wohnungen bewahrten, und denſelben ſehr hohe, meiſt auch abergläubiſche Verehrung erwieſen. Auch ſehnten ſie ſich nach der hl. Meſſe, von deren Heiligkeit und hohem Werthe ſie gar oft hatten reden hören. Dieſe beiden Umſtände legten ſpäter 2 dem Eindringen des Irrglaubens in ihre Herzen die größten Hinderniſſe in den Weg. Ihre Sehnſucht nach der hl. Meſſe veranlaßte ſie endlich, ſich an die engliſche Regierung mit der Bitte um einen Prieſter zu wenden. Man ſäumte nicht, ihre Bitte zu gewähren; man ſendete ihnen — einen Methodiſten⸗Prediger, der der franöſiſchen Sprache kundig war; denn dieſe iſt noch immer die Sprache des Volkes. Mit Freude wurde er aufgenommen. Er nannte ſich ihnen zu Gefallen Prieſter; hielt ihnen ſogar Meſſe; dieſen Namen gab er nämlich feiner calviniſchen Predigt; aber das betrogene Völklein ging ganz und gar unbefriedigt aus dieſer ſogengnnten Meſſe, dieſe gefiel ihnen keineswegs, und daß er mit ſolchet Gleichgiltigkeit von „der Maria“ ſprach, das ſtieß ſie gänzlich von ihm ab. Sie erkannten bald, daß dieſer „Prieſter“ nicht die Religion ihrer Vorfahren lehre, und blieben allmälig größtentheils von ſeinen gottesdlenſtlichen Handlungen weg. Weil aber ſolches die Weißen thaten, ſo verachteten die Schwarzen nur um ſo mehr eine ſolche Gottesverehrung. Nach einem zehnjährigen Wirken hatte der Prediger, obgleich er ſich mitunter auch der polizeilichen Gewalt bediente, nicht mehr als ungefähr 300 Neubekehrte gewonnen, der übrige und viel größere Theil ſeiner Anhänger waren die eingewanderten Engländer und die Familien der Beamten. Endlich ſchlug für dieſe Inſeln die Stunde des Heils; und dieſes Heil ſollte ihnen erwachſen aus den Leiden der heil. Kirche, aus der Verfolgung der Miſſionäre. In Abyſſinien nämlich veranlaßte der dortige häretiſche Biſchof eine Verfolgung gegen die Katholiken, und ihre Miſſionäre mußten 1850 aus dem Lande flüchten. Einer derſelben, Pater Leon des Avanchers, ein franzöſiſcher Kapuziner, kam nach Aden, Stadt an der ſüdweſtlichen Spitze Arabiens, und hörte vom Miſſionär dort ſelbſt von der Verlaſſenheit der kleinen Heerde auf den Seſchellen. Pater Leon entſchloß ſich ſogleich dahin zu reiſen, und es bot ſich ihm auch bald die Gelegenheit hiezu dar. Der 1. März 1851 war der glückliche Tag, an dem nach beinahe 70⸗ jähriger Unterbrechung der erſte katholiſche Prieſter wieder ans Land ſtieg. Nach wenigen Tagen ſchon war die Ankunft des Prieſters auf allen bewohnten Inſeln bekannt; voll Neugierde ſtrömte das Volk von allen Seiten herbei, den Miſſtonär zu ſehen. Sein langes Ordensgewand, ſein Miſſionärkreuz auf der Bruſt, ſein Roſenkranz im Gürtel, alles war für ſie eine wundervolle Erſcheinung. Beſonders die Schwarzen betrachteten den Prieſter oft lange mit ſcheuer Ehrfurcht, und wenn ſie ihn vom Fuß bis zum Scheitel genau beſichtigt hatten, dann riefen ſie tiefathmend aus:„Das iſt nun einmal ein Prieſter! ſo iſt alſo Gott endlich gekommen!“ Sie fühlten es, daß dieſer Prieſter ein Abgeſandter Gottes ſei; ſchon ſein Anblick hatte ihre Herzen gewonnen. Nun ging es aber auch ſogleich an die Arbeit. Ein weiter Saal wurde in eine Kirche umgeſtaltet und das Erſte, was das Volk vom Prieſter verlangte, war, daß er ihnen die heil. Meſſe leſe. Es geſchah am folgenden Tage; das kleine Hãuflein der Katholiken kniete voll heiliger Freude und Andacht um den Altar, während die ſchwarzen Heiden in lautloſer Stille und heiliger Ehrfurcht die niegeſehene heil. Handlung umſtanden. Am Schluſſe derſelben hielt der Pater eine Aurede an das Volk, worin er den Chriſten Glück wünſchte zu ihrer Ausdauer im Glauben ihrer Eltern und ſie aufforderte, dieſe Zeit des Heils jehßt eifrig zu benützen. Die Rührung des Volkes war außerordentlich; das Weinen desſelben übertönte zuletzt die Stimme des Prieſters, ſo daß er ſeinen Vortrag nicht mehr fortſetzen konnte. Nun wurden die Kinder getauft, Ehen eingeſegnet; jeden Morgen und Abend wurden allgemeine Unterweiſungen in der chriſtlichen Lehre gehalten, die aufs eifrigſte beſucht wurden; und faſt keine Stunde des Tags verging, wo nicht auch noch beſonderer Unterricht ertheilt wurde. Der Zudrang, als Kinder Gottes durch die heil. Taufe in den Chriſtenbund einverleibt zu werden, war außerordentlich; dieſe Gnade konnte aber natürlich nur Jenen zu Theil werden, die in der Heilslehre hinlängliche Kenntniſſe ſich erworben und durch Aufgeben ihrer heidniſchen Unſitten Proben ihres chriſt 3 lichen Eifers an den Tag gelegt hatten; dieſe wurden oft in Abtheilungen von 200 bis 300 Perſonen getauft. Nicht blos das Heidenthum verminderte ſich täglich mehr, auch in die Reihen des Proteſtantismus begann der Abfall einzureißen, von denen nicht wenige ſich in die katholiſche Kirche aufnehmen ließen. Jetzt erwachte aber auch der Neid des proteſtantiſchen Predigers; der Tempel des heiligen Geiſtes ſoll nie und nirgends ohne Mühe, ohne Kampf, ohne Anfeindung aufgebaut werden. Um den Eroberungen der Gnade ein ſchnelles Ende zu machen, wußte der Prediger die Ortsbehörde gegen den Miſſionär aufzuhetzen. Die Folge davon war, daß dieſem zuerſt alle geiſtlichen Amtsverrichtnngen auf's ſtrengſte unterſagt, dann aber ſogar er ſelbſt aus der Inſel verbannt wurde. Wie ſchwer es ihm fiel, ſeine treue Heerde zu verlaſſen, ſehen wir aus den eigenen Worten des Miſſionärs; er ſchrieb nämlich: „Wie ſchmerzlich fiel mir dieſe Trennung, da ich mit Gewalt mich der Liebe meiner Kinder im Herrn entriſſen ſah Die ganze Bevölkerung war herbeigeſtrömt, um meiner Abreiſe beizuwohnen. Ich hörte um mich her nichts als Weinen und Schluchzen. In dem Augenblicke, wo ich das Fahrzeug beſtieg, das mich wegführen ſollte, ſtürzten meine Reubekehrten, Männer, Weiber, Kinder, Greiſe, Weiße und Schwarze, am Ufer auf die Kniee, ſtreckten mir die Arme entgegen und beſchworen mich, ſie nicht auf immer zu verlaſſen.... Ich hatte gemeint, ich opfere mich für die Ruhe dieſer guten Inſulaner, wenn ich den Verfolgern nachgab und ſtatt deſſen habe ich ſie in ein Leidweſen gebracht das mir das Herz zerriß. So ward alſo die katholiſche Anbetung des wahren Gottes verhindert, verpönt und aufs ſtrengſte unterſagt, während der Heide aus jedem Lande nach ſeiner Art dem Teufel opfern und ſeine Göꜩen anbeten durfte, wie es ihm beliebte. Der Miſſionär und die Seſchellaner hatten einen ſchriftlichen Proteſt gegen dieſes intolerante, durch nichts gerechtfertigte Verfahren vorbereitet, welchen der Pater dem Generalſtatthalter auf Ile de France übergab, von dem ſodann die Schrift an die Königin von England befördert wurde. In Folge deſſen wurde nun nicht nur die ungehinderte Ausübung der kathol. Religion auf dieſen Inſeln geſtattet, ſondern die engliſche Behörde dortſelbſt erhielt auch einen ſtrengen Verweis für ihre bewieſene Unduldſamkeit, die ſie überdieß auch noch dadurch an den Tag gelegt hatte, daß ſie die kathol. Kinder mit Gewalt in die proteſtantiſchen Schulen, und die Schwarzen durch Gerichtsdiener in das proteſtantiſche Bethaus treiben ließ. Während der Abweſenheit des Miſſionärs verſammelten ſich die Gläubigen alle Sonntage zum Gebete in der kathol. Kirche; die Anordnungen, die der Prieſter ſchriftlich für ſie hinterlaſſen hatte, wurden auf's pünktlichſte befolgt, und ſo verharrte die kathol. Gemeinde im Glauben und in der Gemeinſchaft des Gebetes, bis nach ein paar Jahren wieder neue Hirten mit Vollmacht des oberſten Hirten, des Papſtes, und mit Zuſtimmung der Königin von England auf den Inſeln einzogen. Statt des vertriebenen Miſſionärs kamen nun 1854 drei andere CapucinerVäter als Miſſionäre an, und wurden vom Volke mit größtem Jubel empfangen. Neues Leben erwachte auf den Inſeln, Kirchen und Bethäuſer entſtanden an mehreren Orten, die heiligen Sacramente wurden auf's eifrigſte empfangen, das Heidenthum ſchwand immer mehr zuſammen, viele Proteſtanten kehrten zur kathol. Kirche zurück ſo daß ſich der proteſtantiſche Prediger einer dieſer Inſeln ſelbſt für unnütz auf dieſem Poſten hielt und freiwillig abzog. Dieſer beſchönigte nachher dieſen Schritt mit den Worten:„mit den Seſchellanern iſt einmal nichts zu machen.“ Altherkömmliche Laſter und eingewurzelte böſe Gewohnheiten verlieren ſich immer mehr, während Zucht, Ordnung, Kenntniſſe, Sittlichkeit von Tag zu Tag mehr ſich verbreiten, ſo daß die proteſt. Beamten ſelbſt eingeſtehen, die kathol. Miſſionäre ſeien die beſten Handhaber der Ordnung und der Polizei. Kloſterfrauen, die man von Ile de France herüberkommen ließ, beſorgen den Unterricht der Jugend und nehmen ſich ganz beſonders um die ſchwarzen Kinder an. Arbeitsluſt und hiemit der Wohlſtand 4 hebt ſich zuſehends; mit einem Worte: die kath. Miſſion hat in allen Verhältniſſen eine gänzliche Umwandlung bei dem verkommenen Volke hervorgebracht. Die Bevölkerung der Seſchellen beläuft ſich gegenwärtig auf 9000 Seelen, wovon 7000 der kath. Kirche angehören; die übrigen ſind Proteſtanten, Heiden und Ungläubige. Am 25. Aug. 1858 ſchrieb der Vorſtand der Miſſion, P. Jeremias; „In Betreff der Religion ſtehen die Sachen gut; die Bekehrungen der Irrgläubigen mehren ſich. Der proteſt. Prediger, gegenwärtig ohne allen Einfluß, iſt nun auf das Schulweſen beſchränkt; er öffnet ſeinen Tempel kaum einmal Sonntag Morgens.“ Die Zahl der Proteſtanten, die bis jetzt (1858) in die Kirche aufgenommen wurden, beträgt 400 und noch täglich finden Uebertritte ſtatt. Die noch übrigen Heiden ſind faſt durchgängig ſolche, die man theils wegen ihrer Laſter, theils wegen ihrer Unwiſſenheit noch nicht aufnehmen konnte. So ſind die Seſchellen​⸗​Inſeln mit ihrer kath. Bevölkerung nach kurzer Zeit ein wenn auch kleiner, doch koſtbarer Edelſtein in der Krone der kath. Kirche geworden. Was aber dieſem kleinen Miſſionsfelde eine beſondere Wichtigkeit verleiht, iſt dieſes, daß es bei ſeinem geſunden Klima, fruchtbaren Boden und ſeiner nahen Lage an der Oſtküſte Afrikas ein Vorpoſten für die wichtige Miſſion der ausgebreiteten Gallas​⸗​Länder wird, in welchen ſeit einigen Jahren die kathol. Miſſionäre mit unglaublichen Mühen, aber auch mit außerordentlichem Erfolge das Werk der Bekehrung begonnen haben. Von den Seſchellen aus können die Glaubens​⸗​Boten leicht zu den Gallas hinüber gelangen, wie auch der ſchon genannte P. Leon von hier aus in die Miſſion der Gallas wieder zurückkehrte. Und wenn dann dieſe Arbeiter im Weinberge des Herrn auf den ungeſunden Oſtküſten Afrikas ihre Geſundheit geopfert, ihre Kräfte erſchöpft haben, und nichts mehr brauchen auf dem Kampfplatze dieſes Lebens, als ein Plätzchen, um darauf ihre Abberufung in den Himmel zu erwarten; ſo finden ſte ein ſolches auf den nahen Seſchellen bei einem kathol. Völkchen, und haben dabei noch den Vortheil, den Schauplatz ihrer Mühen nicht ganz aus dem Geſichte zu verlieren. Die Peſt der ſchlechten Bücher. Von P. K. Clemens. Der als Miſſionär und Prieſter der Verſammlung des allerheiligſten Erlöſers auch in weiteren Kreiſen rühmlichſt bekannte P. Clemens, gegenwärtig zu Bornhofen, hielt vor einigen Jahren in der Jeſuitenkirche zu Coblenz eine Reihe von Vorträgen über die Peſt der ſchlechten Bücher, die gegenwärtig im Drucke erſchienen ſind*), und denen wir den fünften Vortrag, „die Widerlegung der falſchen Entſchuldigungen“ entnehmen, während wir das vortreffliche und praktiſche Büchlein unſeren Leſern zugleich auf das Wärmſte empfehlen. P. Clemens fertigt die Einwendungen und Entſchuldigungen gegen das Leſen ſchlechter und verdächtiger Bücher in folgender Weiſe ab: „Man erzählt von einem aſiatiſchen Fürſten der Vorzeit, er habe eines Tages mit einem ihm benachbarten Fürſten ein Freundſchaftsbündniß geſchloſſen. Lange Zeit hindurch ging Alles gut, man gab ſich gegenſeitig Geſchenke und Niemand wäre es eingefallen, zu glauben, der benachbarte Fürſt meine es nicht gut. Bald aber wurde der Fürſt über ſeinen Nachbar völlig enttäuſcht, denn er erkannte, daß eben dieſer ſo freundliche Nachbar ihm nach der Krone ſtrebte. Es kam nun zu einem heftigen Kriege, in welchem der Fürſt das Haußptheer ſeines treuloſen Nachbarn *) Der vollſtändige Titel des Werkchens lautet:„Die Peſt der ſchlechten Bücher. Sechs Vorträge von P. K. Clemens, Prieſter der Congregation des allerheiligſten Erlöſers. Nebſt einem Anhange: Die Lehre der katholiſchen Kirche über das Leſen der heiligen Schrift. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim.“(Preis 36 kr.) 5 völlig ſchlug. Da aber der Feind auch einige wilde Volksſtämme zu Bundesgenoſſen hatte, welche verwüſtend noch durch das Land ſtreiften, ſo ſah ſich der Fürſt genöthigt, auch gegen dieſe Bundesgenoſſen noch einen Feldzug zu eröffnen, um dieſelben entweder aufzureiben oder wenigſtens für immer aus dem Lande zu jagen. Etwas Aehnliches läßt ſich auch in Bezug auf unſern Gegenſtand ſagen. Mancher Leſer hatte Freundſchaft mit glaubens⸗ und ſittengefährlichen Büchern geſchloſſen. Man gab ſich gegenſeitig Geſchenke, d. h. dieſe Bücher gewährten manches Vergnügen und der Leſer brachte wenigſtens ſeine koſtbare Zeit, wo nicht noch mehr als Gegengeſchenk zum Opfer. Es ſteht nun aber feſt, daß ein ſchlechtes Buch kein wahrer Freund ſein kann, ſondern daß es dem Leſer vielmehr nach der Krone ſtrebt, und zwar nach der Krone des ewigen Lebens. Ich glaube zwar, daß die gegen das Leſen ſolcher Schriften angeführten Gründe wichtig genug ſind, um eine Neigung für ſolche Geiſtesfrüchte zu vertilgen; — allein es bleiben noch die Bundesgenoſſen zu überwältigen übrig, und ſo lange dieſe nicht geſchlagen ſind, herrſcht kein Friede im Gebiete der Seele. Wer ſind aber dieſe Bundesgenoſſen, dieſe wilden Völkerſtämme, die verwüſtend durch das Reich der Seele ſtreifen? Es ſind die falſchen Entſchaldigungen und die Scheingründe, unter deren Schutz und Schatten man gern noch länger bei der gefährlichen Lectüre verweilen möchte. Ich will bei der Abfertigung dieſer Scheingründe wenigſtens die Ordnung beobachten, daß ich bei den oberflächlichſten derſelben anfange und nach und nach zu den Entſchuldigungen fortſchreite, die ſcheinbar einiges Gewicht haben. Die erſte Entſchuldigung lautet in der Regel:„Ich laſſe mir keine Vorſchriften machen über Das, was ich leſen und nicht leſen ſoll; denn ich ſtehe in einem Alter und auf einer Bildungsſtufe, wo man ſelber zu urtheilen verſteht. Ich bin mein eigener Herr.“ Das iſt wohl die oberflächlichſte Entſchuldigung, die ſich dagegen vorbringen läßt und ich würde derſelben gar nicht einmal erwähnen, wenn man nicht wüßte, daß die Falſchmünze ſolcher Scheingründe oft am weiteſten durch das Land läuft und oft am leichteſten angenommen wird. Was werde ich nun einem Leſer antworten, der ſo ſpricht? Ich werde ihm ſagen: deine Ausrede hat zwei faule Stellen; denn erſtens wehrſt du dich gegen eine Gewalt, die dir gar nichts zu Leide thut; und zweitens prahlſt du mit einer Freiheit, die im Grunde gar keine Freiheit iſt. Es iſt gewiß eine ſehr große Thorheit, ſich gegen, eine Gewalt zu wehren, die Einem nichts zu Leide thut, ſondern vielmehr darauf bedacht iſt, Einem wahrhaft zu nützen. Wer iſt denn die Gewalt, die auf dich eindringt? Es iſt die heilige Kirche, welche zu dir redet durch den Mund ihrer Prieſter, durch den Mund deiner frommen Eltern, Verwandten und Freunde, und durch den Mund deiner hochachtbaren Lehrer. Es ſind alſo zunächſt freilich nur Menſchen, die dich warnen vor dem Leſen ſchlechter Bücher; aber bemerke es wohl: dieſe Menſchen verlangen in dieſem Falle von dir nichts Anderes, als was ihnen die Erfüllung ihrer heiligſten Standespflichten ſtreng vorſchreibt. Sie reden wirklich zu dir im Namen der Kirche Gottes, denn die Kirche verabſcheut und verdammt die ſchlechten Bücher. Wenn aber nun ſo die Kirche zu dir ſpricht, ſo höreſt du eigentlich nur die Stimme Gottes, der dieſe Kirche gegründet hat und fortwährend durch ſeinen heiligen Geiſt regieret. Siehe alſo, Golt ſelbſt redet zu dir. Er ſieht dich an den Abgrund des Verderbens eilen. Er weiß, daß dein Glaubenslicht ſich verdunkelt und daß deine Liebe zur Tugend erkaltet, wenn du fortfährſt, ſolche Bücher zu leſen. Gott weiß es gar wohl, daß du bei den ſchlechten Büchern und Zeitungen jetzt freilich nur noch in die Lehre gehſt; aber er weiß auch ſehr gut, daß der Zeitpunct nicht mehr fern iſt, wo der Geiſt dieſer Bücher aus deinem Munde und aus deinen Thaten reden wird. Wenn alſo du ſageſt: Ich laſſe mir keine Vorſchriften machen, ſo ſchlägſt du nur aus wider Gott und triffſt deine eigene Seele. 6 Und worin beſteht denn dieſe Gewalt der Kirche, daß du dich dagegen ſo wehreſt? Kommen etwa die Prieſter auf dein Zimmer, um dich vor ein Gericht zu ſchleppen? Wirft man dich etwa ins Gefängniß, oder legt man dir Geldſtrafen auf? Nichts von dem. Du ſtehſt nicht vor einer rohen Gewalt, ſondern vor einer geiſtigen Macht. Alles, was die Kirche thuet, iſt dies: ſie eifert durch Belehrungen, ſie beſtürmt dich durch Bitten, ſie bittet durch Thränen und Gebetfenfzer, und wenn Alles nicht hilft, ſo droht ſie dir mit den Strafgerichten Gottes, wofern du deinen böſen Weg nicht verläſſeſt. Dann aber nimmt fie wehmüthig Abſchied von dir, um dich nie mehr zu beläſtigen. Mehr können auch deine Eltern, Lehrer und Freunde nicht thun. Sie können zwar ihre Wachſamkeit verdoppeln, ja verzehnfachen, — aber was wird das helfen? Die Erde hat zahlloſe Schlupfwinkel, wo du heimlich das Gift der ſchlechten Bücher einſaugen kannſt. Und felbſt das haſt du nicht nöthig; du kannſt es machen, wie es ſchon ſo viele elende Chriſten gemacht haben: du kannſt ſogar in die ſonntägliche heilige Meſſe ſolche ſchändliche Bücher mitnehmen, damit dir der kurze Aufenthalt vor deinem Erlöſer nicht gar zu langweilig werde. Niemand wird es ſo leicht merken. Siehe da, welche Thorheit dich beſeelt! du kämpfeſt gegen eine väterliche Gewalt, du entzieheſt dich einer wahrhaft mütterlichen Sorgfalt; du gleicheſt einem in's Waſſer Gefallenen, der das rettende Seil mit der Hand zurückſtößt. (Fortſetzung folgt.) Das Erdbbeben zu Norcia. (Das alte Nurſta, Geburtsftätte des heil. Benediet.) Die alte Stadt Norcia, unter dem 42° 47' 28“ Breiten⸗ und dem 30° 45' 25“ Längengrade gelegen (Meridian der Inſel Ferro), und 625 Metres über die Meeresfläche erhebt ſich in Mitte eines weiten Thales, welches von allen Seiten von hohen Bergen der Apenninenkette eingeſchloſſen iſt. Sie wurde ſchon öfters durch Erdbeben zerſtört, und erfuhr überhaupt ſo häufige Erſchütterungen, daß ſolche, als gewöhnliche Vorkommniſſe, nicht einmal aufgezeichnet wurden. Doch haben geſchichtliche und andere Urkunden einige der verderblichſten angemerkt, wodurch die Stadt entweder ganz oder zum großen Theil niedergeworfen wurde. Solches geſchah am 14. December 1321, wie Ciucci in ſeiner noch handſchriftlichen Geſchichte erzählt; vom Erdbeben des Jahres 1328 macht Villani Erwaähnu g. In der Folge waren jene von 1703 und vom 3. September 1815 die ſchreckichſten. Dadurch geſchah, daß die Bevölkerung dieſer Stadi, welche in früheren Zeiten gegen 12,000 Seelen betrug, nach und nach ſich bis auf 4500 verminderte. — Gegen Mitte Auguſt d. J. begannen daſelbſt in großen Zwiſchenräumen leichte Erſchütterungen des Bodens, welche als etwas gar nicht Seltenes auch keine Furcht erregten; als auf einmal am 22. Augaſt zwiſchen 4 Uhr 15 Minuten und 1 Uhr 30 Minuten Nachmittags, ohne daß irgend eine bemerkbare Veranderung in der Luft eingeireten wäre, ein ſtarker Knall ertönte, ähnlich dem eines ſehr groben Geſchützes, und in dem Momente begann die Erde heftig zu wanken, zuerſt emporhebend, dann horizontal, und zwar dreimal nach einander, mit immer größerer Staärke, in der Dauer von 6— Secunden. Von den 676 Häuſern, aus denen die Stadt beſtand, waren nicht weniger als 195 in einem Nu dem Boden gleichgemacht; 405 andere ſtürzten entweder durch die in den nächſten Tagen nachfolgenden, wenn auch ſchwächeren Erſchütterungen zuſammen, oder waren ſo zerklüftet, daß die meiſten derſelben wegen der augenſcheinlich nächftdrohenden Gefahr des Einſturzes ganz abgetragen werden mußten. Nicht mehr als 76 ſtehen noch, die für den Augenblick zwar keine Beſorgniß einflößen, obwohl ſie auch größtentheils voller Riſſe und Spalten ſind. Nur 7 äußerſt wenige blieben ganz feſt, wenn auch nicht unbeſchädigt. So ſind alſo zwei Drittheile der Stadt, und namentlich jene Stadttheile, die ſich den Abhang des Hügels terraſſenförmig hinaufziehen, größtentheils die Wohnungen der Armen, von Grund aus zerſtört, und jetzt, nach Hinwegräumung ſo vieler Trümmer, und nach den gemachten Auſtrengungen, die erſchlagenen Bewohner auszugraben, und das wenige Hausgeräthe, was noch aufzufinden war, herauszuziehen, ſieht man nur mehr einen unförmlichen Haufen von Mauerwerk, Trümmern und Balken untereinander geworfen. Die Stadtmauern ſtürzten an drei Siellen ganz zuſammen, an vielen anderen wurden ſie ſehr beſchädigt. Gottes Barmherzigkeit ließ es zu, daß dieß ſchreckliche Ereigniß zu einer Stunde geſchah, in welcher der größte Theil der Bewohner entweder ſich bei der Feldarbeit befand, oder in einer benachbatten Ortſchaft, wo Jahrmarkt abgehalten wurde, oder auch im Freien auf den Plätzen, von wo ſie alſogleich ihr Heil in der Flucht ſuchen konnten. Demungeachtet zählte man nicht weniger denn 101 Erſchlagene, mehr oder minder ſtark Verwundete aber eine überaus große Zahl. Der Schrecken und das Entſetzen jedoch mit allen Folgen in phyſiſcher und moraliſcher Beziehung, die grauſame Beklemmung wegen Verluſt der Eltern, der Heimath, der nothwendigſten Lebensbedürfniſſe, erzeugte in jener Schaar troſtloſer Flüchtlinge eine ſolche Niedergeſchlagenheit, daß ſie Anfangs wie ſinnlos ſchienen. — Es iſt hier weder der Ort noch der Raum, das bei dieſem traurigen Anlaß verdiente Lob dem Delegaten der Provinz, Mſgr. Pericoli, ſo wie den braven Beamten und Bürgern zu ſpenden, welche wetteifernd ſich aufopferten, um auf alle Weiſe das Unglück zu lindern. Vor Allem ſetzte man Mühlen und Backöfen in brauchbaren Stand, um der hungrigen Menge Brod zu verſchaffen, hernach wurden von allen Seiten Aerzte und Chirurgen herbeigerufen, den Verwundelen beizuſtehen; es wurden Arzneien bereitet, die Hinwegräumuung des Schuttes eingeleitet, Mundvorräthe herbeigeſchafft, Gezelte und hölzerne Baraden zum Schutze gegen die rauhe Witterung aufgerichtet, und Vorſorge getroffen, jede Unordnung zu verhüten, welche bei ſolcher Verwirrung nur allzuleicht entſtehen konnte. Dieß waren die erſten Maßregeln der weltlichen und geiſtlichen Behörden, wodurch dem Drange des augenblicklichen Bedürfniſſes auch entſprochen wurde. Der heil. Vater beeilte ſich, nicht blos reichliche Geldunterſtützungen zur Hebung der dringendſten Noth zu überſenden, es war auch ſein Wille, daß man vor dem Wiederaufbau der Stadt die Beſchaffenheit des Bodens, auf welchem ſie ſtand, und die Bauart der Häuſer unterſuche. Es ließ ſich nämlich befürchten, daß irgend eine locale vulkaniſche Wirkſamkeit, oder natürliche Aushöhlungen und Riſſe das Daſein der neuen Stadt wieder in Gefahr ſetzten; auch mußte geprüft werden, ob in der Art, das Gemäuer aufzuführen, nicht vielleicht fehlerhaft vorgegangen worden, ſo daß dieſem wenigſtens zuin Theil der große Schaden zugeſchrieben werden könne. Hierzu wurden der Hochw. P. Secchi ad d. G . F., Director der Sternwarte des römiſchen Collegiums und der Profeffor Poletti abgeordnet, und nach genauer Unterſuchung erklärten Beide ihre Anſichten über die Urſachen der ſo häufigen und verderblichen Erdſtöße in jener Gegend und die möglichen Schutzmittel gegen künftige Gefahren der Verwüſtung, als welche ſie insbeſonders eine verbeſſerte Bauweiſe der Häuſer und beſſeres Malerial zu den Mauern empfehlen. Wunderbarer Schutz durch das hl. Sacrament. Die ehrwürdige Schweſter Maria Gonzaga ans der Genoſſenſchaft von Jeſus Maria ſchreibt in einem Berichte über die Gefahren nud Verfolgungen, denen ſie bei dem Kriege in Oſtindien im Jahre 1837 ausgeſetzt waren, aus der Feſtung Sealcote alſo: 8 „Jedesmal, wenn ich an die Gefahren denke, die wir beſtanden haben und denen wir durch die Barmherzigkeit Gottes entgangen ſind, ſo faßt mich Entſetzen. Damals war ich voll Muth, und jetzt darf ich kaum daran denken. Die größte Gefahr jedoch drohte unſerem Pater Paul. Immer wollte man ihm ans Leben. Ich zweifle gar nicht daran, daß der allmächtige Schutz des heiligen Sacramentes, das er in ſeinen Händen trug, ihn erhalten habe. Bei einem der Beſuche, den uns die Sipahis abſtatteten, als wir noch im Kloſter waren, fragte ihn einer der Wüthenden, was er denn in den Händen habe. — „Es iſt mein Gott,“ antwortete der Pater.„Laß mich ihn ſehen, deinen Gott,.“— Der Pater zeigte ihm den hl. Speiſekelch, der Soldat ſah ihn und ergriff die Flucht. Auch muß ich zur Ehre unſeres lieben Herrn noch ſagen, daß jedesmal, wann der Pater ſich Soldaten näherte, die bereit waren, auf ihn zu ſchießen, dieſelben, wie vom Schrecken ergriffen, zurückwichen, als ob ihre Wuth durch eine höhere Macht gefeſſelt ſchiene. Und doch hatten wir keine andere Wehr, als den Schutz des heiligſten Altarsſacramentes. Uebrigens danke ich dem lieben Gott, daß gar keine Waffe zu unſerer Beſchützung verwandt worden iſt; indeß wäre jeder Widerſtand unmöglich und wir wären unfehlbar verloren geweſen. Wie eine Mutter liebt. (Eine wahre Begebenheit.) Kein Menſchenherz auf Erden liebt inniger als das Mutterherz. Wie oft wird das von Kindern vergeſſen! Hier ein Beiſpiel ſolcher Mutterliebe. Im Jahre 1858 mußte der Sohn des M. L. zu S. Soldat werden. Er kommt in die 4 Stunden entfernte Stadt L. in Garniſon. Da ſieht man nun jeden Samſtag Nachmittag ſein Mütterchen zum Bäcker eilen, um einen Kuchen zu beſtellen für den lieben Fr. Welche Freude leuchtet aus ihren Augen, daß ſie das kann. Am Sonntag Morgen noch ehe die Sonne aufgeht, wandert das Mütterchen mit einem Stück trockenen Brodes im Sacke und dem Kuchen im Tuche zur Stadt. Sie iſt früh aufgeſtanden; doppelte Liebe ruft ſie; ſie will den lieben Heiland in der heil. Meſſe und ihr Kind beſuchen. Nachdem ſie ihre katholiſche Chriſtenpflicht in der Kirche zu L. mit inbrünſtiger Andacht erfüllt, eilt ſie an den Platz in der Nähe der Kaſerne, wo ſie ihren Fr. treffen ſoll. Beſcheiden und ſchüchtern ſteht ſie da und harrt ſeiner Ankunft. Endlich nahet er. O welche Liebe, welche Sehnſucht ſpricht aus dem Mutterauge! Sie ergreift ihres lieben Kindes Hand, und kann ſich erſt gar nicht ſatt ſehen. Sie hat ihn ja acht Tage lang nicht geſehen. Dann folgt Frage auf Frage. Obgleich ſie ſchwerhörig, verſteht ſie doch jedes Wort: das Mutterauge hilft dem Ohr. Wie ſchnell flieht die Zeit! Der Sohn muß fort, die Mutter auch! Doch ehe die Mutter ſich losreißt, greift ſie noch in ihren Sack: Geld hat ſie keins; nur noch ein Stück Brod: das ſoll ſie ſtärken auf dem Heimwege. Schnell drückt ſie es ihm in die Hand: „Da F. nimm das Brod, ſchneid's Dir in die Suppe, ich werde ja wohl ohne Brod heim kommen.“ Der Sohn weigert ſich, es zu nehmen, da reißt ſie ſich los mit den Worten: Franz, ſei brav und folge ſchön! und eilt fort. Mehrmals ſchauet das treue Mutterauge noch um, ob ſie ihren Liebling noch einmal ſehen könne; dann trocknet ſie ihre Freudenthränen, und mit einem„Gott ſei Dank!“ wandert ſie, faſt ohne etwas genoſſen zu haben, 4 Stunden lang heim, und erzählt dem Vater und den Kindern daheim, was ſie geſehen und gethan. Jetzt iſt der Sohn weiter gekommen, nach Würzburg. Ach nun kann ſie ihn nicht mehr beſuchen, und auch zum Kuchenſchicken iſt die Baarſchaft zu klein. Wie oft denkt und ſchaut ſie gegen.:„Wird er wohl bald kommen? Wir bräuchten ihn doch ſo nöthig.“ So ſeufzt ſie überlaut:„Herr, dein Wille geſchehe!“ So liebt ein Mutterherz! Wird dieſe Liebe ſtets gewürdigt? Redaction und Verlage Dr. Mex Huttler.— Druck von M. Kleinle