22. Januar 1860> Das Augsburger SonntagSblatt (Tonntags-Beiblatt zur Augsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Zur IVVjährigen Jubelfeier des Geburtstages des hochfel. Bischofs Wittulann. Ihn beschweren alle Ehren, Aller Feier ist Er feind; Denn die Demuth sieht mit Wehmuth, Was nicht Gottes Ehre meint. Doch gibt's Feste, wo als Gäste Engel selbst mit uns sich sreu'n, Wo ste kommen, um den Frommen Gnaden auf den Weg zu streu'n. Solch ein reines Fest ist Seines Pricsterthumes Jubeltag, Wo mit Grunde unserm Munde Segenswunsch entströmen mag. Fünfzig Jahre am Altare, Fünfzig Jahr' im Dienst des Herrn, Ohne Rasten, allen Lasten Beugt Er Seine Schultern gern. Fromm und innig, still und sinnig Wirkte Er an Seinem Ort, Tausend nahmen heil'gen Samen In sicl> aus auS Seinem Wort. Wer Ihm nahet, der bejahet, Daß das heil'ge Wort nicht trügt: Daß hienicden scl'gen Frieden Findet, wer sich selbst besiegt. Streng bekämpfet und gcdämpfet Hat Er jede Leidenschaft; Um so weiser ist Sein Eifer, Um so fester Seine Kraft. Wcnn's zu wehren gilt die Ehren Gottes oder Seiner Braut; Wenn's zu wahren vor Gefahren Gilt die Schaar, die Ihm vertraut. In den Wellen, die im schnellen Wechsel treibt der Strom der Zeit, Wankt Er nimmer, fest wie Trümmer Besserer Vergangenheit. Ob es stürme, ob sich thürmc Drohend Wetter rings umher, Kein Erblassen kann Ihn fassen, Denn Sein Muth stammt hoher her. Stadt! gib Zeugniß dem Ereigniß Aus der schreckenvollen Zeit, Wo die Sieges-Gier des Krieges Dich dem Untergang geweiht.*) Kugeln raffeln, Flammen prasseln, Häuser stürzen krachend ein. ') Bei Erstürmung »on Regen-burg 1809. Alles zittert, unerschüttert Geht Er Seinen Weg allein, Sucht die Armen voll Erbarmen, Sucht die Kranken rettend auf, Kein Gcwirre macht Ihn irre, Nichts hemmt Seiner Liebe Lauf. Gleich dem Pfeile, der mit Eile Unverrückt zum Ziele dringt, Gleich dem Keile, der die Theile, Die Er faßt, zu weichen zwingt; So eilt g'rade auf dem Pfade Strenger Pflicht Sein Fuß dahin. So siegt mächtig, wohlbedächtig Sein in Gott gestählter Sinn. Doch die enge Zucht und Strenge, Die dem Leichtsinn mahnend wehrt, Wird erweitert, es erheitert Sich Sein Antlitz wie verklärt. Wenn die Kleinen Ihm erscheinen, Wenn ihr traulich Ihn begrüßt. Vor dem Kinde schmilzt die Rinde, Die Sein liebend Herz umschließt. Denn Sein zarter, wohlbewahrter Blick, den heil'ge Scheu umhüllt, Sicht im Kinve keine Sünde, Sieht das reine Gottcsbilv Niedcrscheinen auS den Kleinen, Sieht die Engel vor dem Thron Betend knicen, aufwärts ziehen Ktnderherzen zu dem Sohn. Also wandelnd, rastlos handelnd. Ward Er heut' ein Jubelgreis; Und noch immer ruht Er nimmer, Ja, noch reger wird Sein Geist. Auch nach plagevollem Tage Bleibt Ihm Ruh' und Schlummer fern. Mitternächtig ringt Er mächtig, Wie einst Jakob, mit dem Herrn. Hebt die Hände, daß sich wende Seiner Strafgerichte Droh'n, Und Er betet noch, da röthet SiH im Ost der Morgen schon. Unergründlich scheint uns stündlich, Was Sein Jnn'res drängend fühlt. Mann des Geistes! Du nur weißt es, Was Dir Gottes Geist enthüllt. 26 > " -^1 Als eine Zeuge an der Neige Alter Tage stehst Du da! Was dieß Gähren will gebären. Sag' unS, wenn Dein Aug' es sah. Doch Du schweigest ernst und zeigest Betend auf das heil'ge Buch: „Und ich lese: Böse, böse Ist die Zeit und schwer der Fluch. Betet, wachet, kämpft und fachet An des hcil'gen Feuers Gluth. Ihr Erkalten löst den alten Drachen, löst der Hölle Wuth." Jubelpriestcr! da so düster Sich der Tage Abend senkt, So bleib' bei uns, ach! und sei uns Stern, der durch die Nacht uns lenkt! Da dieser Hochselige nicht mehr unter uns weilt, sondern, von der Erde Last und Wirren erlöst, des himmlischen Friedens sich freut, blicken wir in der Zuversicht seiner Seligkeit zu ihm auf und rufen, an den Schluß des obigen herrlichen Lobgesanges auf das fünfzigjährige Priestcrjubiläum Wittmanns aus dem Munde des nun ebenfalls Heimgegangenen großen Kirchenfürsten Melchior v. Diepenbrock anknüpfend: Nun dort oben, Gott zu loben In des Himmels Seligkeit, Blickst du nieder auf die Bruder, Wallend noch in trüber Zeit. Schon erschlossen sind die großen Zlckunftsblüthen Deinem Blick; Doch wir stehen noch in Wehen, Bangend um der Welt Geschick. Fleh' am Throne bei dem Sohne Und der Mutter mackcllos, Daß mit Würde seine Bürde Trage Pius, mild und groß. Daß die Priester wie Geschwister Stehen um den Vater treu, Und nicht wanken aus den Schranken, Wenn sich nah't der Hölle Leu. Wenn der Feinde Macht sich einte Gegen GottcS Braut zum Streit, Ist zum Schutze wie zum Trutze Erd' und Himmel auch bereit. Nicht erlieget, der besieget Schon am Kreuz die Macht der Welt; Mit Vertrauen also schauen Wir wie Du zum Sternenzelt. — Der Einfluß -er katholischen Religion auf die verschiedenen Gewerbe in materieller Beziehung. (Schluß.) Trete» wir aber aus der Kirche hinaus in das Leben, so begegnen wir hier ebenfalls den verschiedensten Erwerbszwcigen, die theilweise dem katholischen Lebe» mehr oder weniger ihr eigenes Leben verdanken. Der Gelbgießer mit seinen Crnci- firen, Pfenningen und Medaillen kann nur in einem katholischen Lande bestehen. Der Lithograph und Kupferstecher lebt wohl hauptsächlich von den Heilgenbildern, die der Katholik mit Freude und "Ehrfurcht für sich und seine Kinder gerne aufnimmt. Nährt nicht der Palmsonntag manchen Familenvatcr aus den südlichen Gegenden, da er für diesen Tag weit und breit die Oelzweige, die sein Vaterland ihm reichlich bietet, an Orte liefert, wo keine solchen gedeihen, wo er aber eben wegen der herrschenden katholischen Kirche den gewissen Absatz weiß? Auch der Kranzver- fertiger aus Bachs und Ephen schlägt seinen Gewinn am Seelentage hoch an, wie anch der Gärtner es nicht verschmäht, zu kirchlichen Festen seinem Garten die schönsten Blumen zn entnehmen, und daraus nicht unbeträchtlichen Gewinn zn ziehen. Muß nicht der Müller das feinste und reinste Weizenmehl liefern, damit eS tauglich sei, ans demselben das Brod zum hochheiligen Opfer der Messe zu bereiten, und hat der Bäcker an den hohen Festtagen dcS katholischen Kirchenjahres, an denen der Katholik zur geistigen Freude auch die leibliche und Familienfrende vereinet, nicht besondere Arbeit und besondern Erwerb? Wir dürfen dabei nur an den Weihnachtszeiten oder an daS Osterbrod und den Allerheiligen-Hasen denken. Daß an diesen Tagen der Freude auch der Zuckerbäcker nicht leer ausgehe, kann man sich leicht denken. Aber auch der Weinhändler findet eine nicht unbedeutende Absatzqnelle für seine Getränke. Wenn auch zum heiligen Meßopfer nur eine ganz kleine Quantität Wein 27 erforderlich ist, so muß doch eine bedeutende Menge nach jenen Gegenden gerade zum kirchlichen Gebrauche gesendet werden, in denen der Weinstock nicht gedeiht, da die katholische Kirche ja von einem Pole der Erde bis znm andern ihre Mntterarme ausgestreckt hat. Zu den Weinhändlern gehört auch daS Wirthsgewerbe. Alle Welt weist aber, dast Niemand größere Freude hat an großen kirchlichen Festen, als gerade die Wirthe, da sie wohl wissen, daß der Mensch nach dem Gennsse geistlicher Nahrung gerne auch nach Labung für seinen Leib verlangt; es sollte freilich kein Mißbrauch der Gaben GotteS, kein Uebermaß im Genusse der Getränke erfolgen, und dann ist der redliche und ehrliche Gewinn den Wirthen für ihre Mühe und Sorge wohl zu gönnen. Noch haben wir nichts vernommen von dem Gewerbe der Kürschner, Schneider nnd Schuster. Sollen diese von der Betheiligung an der Arbeit der Kirche ausgeschlossen nnd gleichsam als Stiefkinder bewachtet werden? Nein, wenn auch nicht groß die Anforderungen an diese Gewerbe sind, so sind sie doch nm desto ehrenvoller und ausgezeichneter. Der Kürschner liefert den hohen Prälaten, Bischöfen, nnd Domherren ihren vorgeschriebenen Hermelinmantcl, der zur Hebung des äußeren Ansehens derselben beiträgt. Ncbstdem, daß es eigene Kirchenschneider gibt znr Verfertigung der Paramcnte, hat doch fast jeder Kleidcrmachcr Gelegenheit genug, nebst dem der Mode unterworfenen Kleide der Weltlichen auch die gleichbleibenden Talare und überhaupt die ehrwürdige Tracht der Diener der Kirche seinen geübten Händen anvertraut zu sehen. Weniger Abwechslung findet Hiebei der Schuhmacher, da die Fußbekleidung doch ziemlich allgemein die gleiche ist; es wäre hier nur, daß man die sonst nicht gebräuchlichen Schnallenschuhe oder die für die rauhen Bergwcge des Priesters be- rechncien Kanonsticfel anführen wollte, die jedenfalls auch nicht unbedeutenden Erwerb liefern möchten. Jedoch widerfährt der Arbeit des Schuhmachers die höchste Ehre, da ja auch ein Schuhmacher den mit dem goldenen Kreuze gestickten Pantoffel verfertigt, den der heil. Vater anzieht, sobald er sowohl Hohe als Niedere zum üblichen Fußknsse zuläßt. Während der Seiler znm Behufe des LäutenS die Glockenstricke aus Hanf dreht, flechtet der Sattler dieselben aus ledernen Riemen, oder überzieht die Hanfstricke mit der gegerbten Haut der Thiere. Allein nicht nur die Handarbeit oder eigentliche Handwerker finden Mittel- oder unmittelbar, mehr oder weniger Verdienst und Erwerb wegen des herrschenden katholischen Glaubens, sondern auch der Kaufmann, der mit den verschiedensten Gegenständen Handel treibt. Wir wollen schweigen von den Buchdruckern und Buchhändlern, die gewiß allgemein das Zeugniß abgeben, daß die Diener der katholischen Kirche ihre besten Kundschaften sind; auch der Schnittwaarenhändker sieht gewiß mit Freude den Pfarrer oder den Kirchpropst in sein Gewölbe kommen ; denn er weiß daß diese die sichersten Abnehmer seiner Seiden- und Sammtstoffe, seiner wollenen nnd leinenen Damaste, seines Spitzen- nnd TüllverlagcS sind, weil dieses alles gar wohl znm Kirchendicnst verwendbar ist. Der Speccreihändler, was verdankt nicht dieser für einen schönen Gewinn dem katholischen Gottesdienste, oder fragen wir nur, wie viel Weihrauch würde er verkaufen, wenn es keinen katholischen Gottesdienst gäbe? nnd wie viel Oel verschleußt er nicht gerade wegen des ewigen Lichtes, das Tag und Nacht vor dem Tabernakel der kathvlsschen Kirche das ganze Jahr hindurch brennt? Auch dürfen wir bei diesen Speccreihändlern nicht vergessen den namhaften Gewinn, den ihnen die Fasttage der katholischen Kirche abwerfen, oder, fragen wir weiter, würden jene viele Centner Stockfisch, Häring und Anguilloti je nach Rom kommen, wären wir nicht gewissenhaft genug, die vorgeschriebenen Fasttage zu halten? Ohne die Fasttage würde dieser Handelsartikel bei uns gar nicht im Schwünge, oder ein ganz unbedeutender sein. 28 Weil wir aber gerade von den Fasttagen sprechen, so können wir noch einen Erwerbszweig nicht unerwähnt lassen, der gerade dieser Einrichtung der katholischen Kirche seinen besten Verdienst verdankt. Wir meinen hier die sogenannten Mehlbcreien. Wann sind diese am meisten besucht? wann bringen sie ihre Verrathe an Mehl, Schmalz und Hülsensrüchtcn rc. am besten an den Mann? Unstreitig doch an und für die Fasttage. Schreiber dieses hat manche große Stadt besucht, und geflissentlich um dieses Gewerbe sich umgesehen, fand aber, daß verhälinißmäßig nirgends so viele Victualicnhändler, Greißler, bei uns Mehlbler genannt, sich aufhalten, als in unserer katholischen Hauptstadt, was wohl ein Zeugniß sein dürfte, daß das so geschmähte und verachtete Fastengebot der Kirche hier noch am gewissenhaftesten dürfte eingehalten werden. Hier dürste auch nicht Übergängen werden, wie viele Personen nnr bei der kathol. Kirche entweder ganz oder thcilweise ihren Lebensunterhalt finden; wir dürfen blos erinnern an die Mcßuer und Organisten, an die Ministranten und anderes Sacristei- nnd Thurm-Personale, nm uns die vielseitige Brodspendung der heil. Kirche vor Augen zu führen. Und wollten wir erst die anS dem Geiste der kath. Kirche her- vorgegangenen Vereine und Bruderschaften, die Spitäler, Klöster und sonstige Wohl- thätigkeits-Anstalten durchgehen, welche Masse von Unterstützungen, Ernährung, Erwerben und Verdiensten, mit einem Worte, welche Menge Brod verschafft nicht die katholische Kirche dort, wo sie in Blut und Saft des Volkes übergehet! Doch wir wollen die Geduld der Leser nicht länger mißbrauchen. Aus den kurzen Umrissen müssen wir ersehen haben, welchen materiellen Segen unser heil. Glaube zu verbreiten im Stande ist. Denken wir nnö nur, wenn auch nur auf zehn Jahre unsere Kirchen geschloffen, unsere Priester verbannt, wenn in dieser Zeit das neue Hcidcnthum oder förmliche Religionslosigkeit, oder auch nur eine andere Religion als die kaiholische herrschen würde, wie würde eS in unserm Vaterlande aussehen? Ach, das schauerlichste Bild alles Elendes würde sich gar bald offenkundig zeigen. Nicht nur, daß alle Zucht und Sittlichkeit aufhörte, daß kein Eigenthum sicher, keine Erziehung möglich wäre, nicht nur, daß alle Bande der Ordnung ausgelöst, das Familienleben entheiliget, der Gehorsam entfremdet, und dafür Ruch- losigkeit, ja selbst Raub und Mord au der Tagesordnung wären, selbst der nährende Erwerb, die Brod verschaffende Arbeit würde für Viele entweder ganz, oder auf sehr empfindliche Weise zum Theile verloren gehen; warum? weil die eigentliche Brodmntter, die liebende Verpflegen« ihrer Kinder au Leib und Seele von uns gewichen wäre. Man darf nicht glauben, diese hier ausgesprochene Ansicht sei ein bloßes Phantasicbild oder ein ernsthafter Scherz, o nein, eS ist lautere Wahrheit. Dafür spricht wohl die laute Thatsache, daß gerade an den Orten, wo die katholische Religion entweder verschwunden, oder wo gänzliche Gleichgiltigkeit gegen dieselbe herrscht, die Armuth einen schreienden Grad erreicht, den wir zum Glücke gar nicht kennen, und manche Gewerbe so darnieder liegen, daß die mistigen dagegen in vollster Blüthe sich entwickeln. Ja, eS lohnt sich der Mühe, nnd unsere heil. Religion verdient es, auch diese wohlthätige Seite der heil. Kirche tief aufzufassen und zu Gemüthe zu führen. ES wäre doppelter Undank und doppelte Strafwürdigkeit von unserer Seite, wollten wir in den Ton des neuen AufklärichtS einstimmen, und unsere heil. Kirche besudeln mit bösen, unverdienten Vorwürfen und thörichten Beschimpfungen. In nnsircr Zeit, wo man alle Erfolge und glücklichen Resultate nach Proccnten und Geldsummen berechnet, ist es gewiß von großer Wichtigkeit, den Feinden unseres heil. Glaubens auch kühn entgegentreten und sagen zu können: Unsere Kirche ist auch unsere Brodmntter. Ja, so ist eS auch, und wir glauben gar nicht die Summe zu übertreiben, wenn wir zu behaupten wagen, daß bereits eine halbe Million jähr- lich nur in unserer Stadt, einzig weil sie katholisch nnd weil Tirol katholisch ist, in 29 Umlauf gesetzt wird, ungerechnet dessen, was christliche Liebe und Mildthätigkeit noch besonders Gutes spendet. Darum freuen wir uns, der heil. katholischen Kirche anzugehören. Diese hl. Kirche ist unsere Mutter, die mit liebender Sorgfalt nicht nur unsere Seelen für eine selige Unsterblichkeit vorbereitet, nicht nur unseren Geist mit der erhabensten Kenntniß über Gott, unsern Zweck und unsere ewige Bestimmung ausrüstet, und denselben für alle Vorfälle des an Abwechselung reichen Lebens stärket, ihn lenkt und leitet die Bahn der Tugend und Gottseligkeit zn wandeln, sondern auch den Bedürfnissen unseres sterblichen Leibes bereitwillig und mit vollen Händen abzuhelfen sich bemüht. Ihr gebührt unsere volle Achtung, Liebe und Anhänglichkeit aus doppelter Beziehung. Bleiben wir fest und unveränderlich in treuer Ehrfurcht ihre gehorsamen Kinder. Mag auch der herrschende Zeitgeist mit aller Wuth blinder Räsonnirsncht, mit allem Gifte der Schmähung, des Spottes und Hohnes über unsere Kirche herfallen: mag er auch von seiner erträumten Höhe vornehm lächelnd auf sie Herabblicken — Uns bleibt sie eine heilige, verehrnngöwürdige Mutter, welcher anzugehören wir uns zur höchsten Ehre und zum größten Glücke rechnen. Uns ist sie jene liebreiche Mutter, der wir aus ganzem Herzen durch treue Anhänglichkeit unsere Dankbarkeit darbringen, weil sie uns bricht das Brod der Seele, aber auch das des Leibes. Sie blühe und wachse, sie vermehre sich an Kindern aller Art auf dem ganzen weiten Erdenrunde, sie blühe und bleibe im gesegnetsten Zustande in unserm allzeit katholischen Tirol! Die Pest der schlechten Bücher. Von r. K. Clemens. (Schluß.) Ein Anderer sagt wieder: „Aber diese Bücher sind doch sehr schön geschrieben; und gerade um Gewandtheit im Ausdrucke zu erlangen, lese ich sie." — Hier könnten wir mit einander streiten, ob denn für deinen Stand wirklich eine so große Rede- und Schreibfertigkeit nöthig ist. Aber nein, wir wollen annehmen, es wäre so. Wird denn damit der Zweck erreicht? Theilweise wohl; aber daraus folgt ja noch nicht, daß man hierzu verderbliche Schriften wählen müsse. Was wäre das für ein Gewinn, wenn man sich die wunderschöne Schreibart eines Schriftstellers aneignete, zugleich aber auch den schlechten Geist desselben? Will man zu seiner Ausbildung lesen, so gibt cö noch genug gute Bücher. UcbrigenS ist dies nicht genug. Wem eS wirklich darum zu thun ist, sich eine größere Fertigkeit im schriftlichen Ausdruck anzueignen, der muß nicht glauben, daß er dies durch Lesen allein schon erlange. Er muß sich vielfach üben in den verschiedenen Arten von Aufsätzen und seine Arbeiten von einem kundigen Lehrer verbessern lassen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich recht angelegentlich ein Buch empfehlen, welches zur Ausbildung in deutschen Aufsätzen sehr geeignet ist. Es hat den Titel: „Entwürfe zu deutschen Aufsätzen und Reden, nebst einer Einleitung, enthaltend das Wichtigste anS der Stylistik und Rhetorik. Für Gymnasien, Seminarien, Realschulen und zum Selbstunterrichte von Joseph Kehrein, Professor am herzoglichen Gymnasium zu Hadamar, jetzt Dircclor des katholischen SchullehrerseminarinmS zu Montabaur rc. Paderboru, Verlag von Schöningh. 185^." Außer der wissenschaftlichen und prac- tischcn Gediegenheit, die überhaupt alle Schriften des gelehrten Verfassers auszeichnet, verdient der christliche Geist dieses Buches die dankbarste Anerkennung. Es ist meines Wissens das erste Buch dieser Art, welches die Wahrheiten der heiligen Religion gebührend berücksichtigt. Es ist also auch diese Auörcdc: „ich lese um die schöne Schreibart zu lernen," eine ganz unbegründete. — '.z> 1-^ 30 M IM- IM' Ss W V. Endlich gibt cs noch Einige, welche von Kummer nnd Betrübniß niedergedrückt find und solche Bücher lesen, nm sich zn zerstreuen nnd ihren Gram zu vergessen. Für den Augenblick hilft eS wirklich nnd das kommt daher, weil der Geist vom Gegenstände seines Verdrusses abgelenkt nnd auf einen anderen Gegenstand hingeführt wird. Um also anf kurze Zeit sein Leiden zn vergessen, braucht man nnr eine Thätigkeit zn wählen, die den Geist so viel als möglich von der Ursache des KnwmerS ablenkt, ihm Zerstreuung verschafft. So würde z. B.: gesellige Unterhaltung oder große Thätigkeit in den BernfSgeschäftcn oder eine kleine Erholungsreise zwar gnte Wirkung thun, aber nnr für kurze Zeit. So wie die Beschäftigung abgebrochen wird, kehrt der Kummer zurück. Da aber die Zerstreuungen nur anf wenige Stunden Linderung verschaffen, so sollte man auch nicht zn viel Werth darauf legen, sondern vielmehr anf ein Mittel sinnen, welches für immer den Schmerz der Seele heilte. Ein solches Mittel besitzen wir aber in der Anwendung des Glaubens. Wenn man zur Religion seine Zuflucht nimmt, so erhält man folgenden Aufschluß: Dn leidest Trübsale? Wohlan, wo ist ein Mensch, der nicht sein Kreuz hat? Wo hast du je von einem Heiligen gehört, der nicht durch die Schule des Leidens gegangen wäre? Die größten Heiligen tranken gerade den bittersten Lcideuskelck, z. B.: die Mntlergottes, der heilige Johannes der Täufer u. A. Wo siehst dn einen Sünder, der nicht auch sein Kreuz hat? Oder hat der Sünder kein Krenz, so beneide ihn nicht, er ist vielleicht von Gott aufgegeben. Dn magst also ein Sünder oder ein Gerechter sein, so ist Leiden dein Antheil. Gibt Gott dir dein Leiden nicht zur Buße, so gibt Er dir'S doch znr Prüfung. — Auf diese und ähnliche Weise gelangt man zum Verständniß seines Leidens und nun trägt man eS ruhiger. Man weiß, Gott meint es gut. Man übt nun das Gebet, man empfängt die heiligen Sacramente, denn der Glaube lehrt daß durch Gebet und Sacramente eine übernatürliche Kraft dem Menschen zu Theil wird. Frage die frommen Dulder alle, ob sie Trost aus der Religion schöpfen. Sie werden sagen: „O Gott, hätte ich die Religion nicht, so lebte ich längst nicht mehr." Wie magst du nun ein so kräftiges Trostmittel versäumen nnd dafür deine Zuflucht znr Apotheke des Teufels, nämlich zu den schlechten Büchern nehmen? Wie magst du solche Bücher lesen, welche deinen Glauben eher untergraben als befördern? Siehst du nichr, daß Gott durch die Trübsale dich näher an sich ziehen will? Will Er dich nicht losreißen von der Anhänglichkeit an das Irdische? Warum willst du Gott entfliehen nnd dich durch solche Lectüre noch inniger an das Irdische anklammern? Umfasse dein Krenz, gehe ein in die Absichten Gottes und der Friede des heiligen Geistes wird in dein Herz einziehen. Siehe, christliche Seele, alle die Scheingründe, die mau für daS Lesen schlechter Bücher anführt, zerrinnen in Nichts, sobald man sie ruhig betrachtet. Wozu wirst dn dich nun entschließen? Wirst dn stark genug sein, nm diesen Büchern zn entsagen: oder wirst du zurückkehren in den Irrgarten der glaubend- nnd sittengcfähr- lichcn Literatur? Wärest dn wohl so verblendet, nm nicht zu erkennen, daß diese Bücher wirklich sehr verderblich sind und daß dn leider nur allzn empfänglich für dieses Gift bist? Schrecken dich die traurigen Folgen dieses Lesens nicht nnd hältst du deine Gründe für so wichtig, so sage ich: Ja, so gehe denn hin! Berausche deine Phantasie an diesen sinnlichen Gemälden; verblende deine Erkenntniß an dem trüben Scheine dieser Irrlichter! Thue, was du willst; treibe, was dir gefällt; — aber ehe dn zurückkehrest in den Irrgarten dieser schlechten Literatur, so erfülle noch meine letzte Bitte und begleite mich im Geiste zu einem anderen Garten. Dieser Garten liegt draußen vor Jerusalem. Wir treten hinaus in eine schauerliche unheimliche Nackt. Der Himmel ist mit schweren schwarzen Wolken überzogen. Nnr durch einige Wolkenrisse fällt daS Mondeslicht anf die stille Flur. Da liegen unter den Bäumen einige Männer; nnd wir sehen eine menschliche Gestalt, hingeworfen ans die Knie. Sie zittert und bebt. Wir treten hinzu und schauen, nnd ein blasser Strahl des MoudeS läßt uns Jesum sehen. Von seinem Angesichte rieselt blutiger Schweiß. Warum bist du so betrübt, liebster Jesus? Warum das Zittern? Dieser blutige Schweiß? Ach, sagt Jesus seufzend, ich sehe vor mir die Sünden aller Menschen, die Vergangenheit und Zukunft. Ich sehe, daß ich Diele vergebens erlöse. Viele werde ich erlösen, aber sie werden mich wieder verlassen. O die undankbaren Seelen! Ich gebe ihnen Alles und mich selbst; sie aber wollen mir nicht daS geringste Opfer bringen. Nicht einmal einem Buche können sie aus Liebe zu Mir entsagen; wie werden sie die größeren Prüfungen und Versuchungen ertragen! Sie werden in's Verderben stürzen. Und nnn, christliche Seele, betrachte deinen Heiland. Du hast schon genug Sünden auf deinem Gewissen; willst du dir selbst den Weg des ewigen Lebens abschneiden? Willst du deinem Heiland nicht die Freude gönnen, dich auf Erden heilig und im Himmel selig zu sehen? Siehe, dein Schicksal liegt in deiner Hand. Heute noch sollst du deinen Entschluß fassen. Wähle so, daß er dich nie gereue. Der Orden des heil. BenedictuS in Nordamerika. (Schluß.) ES mag nicht überflüssig sein, durch ein paar Beispiele etwas deutlicher zu zeigen, welch große und schöne Aufgabe dem Orden des heil. BenedictuS in Nordamerika gegeben und welch ein unermeßliches Feld offen vor ihm da liegt. Man darf im Durchschnitte sicher annehmen, daß in den Staaten des Westens und der Mitte, die in Missouri, Kansas, Iowa, Minnesota, Wisconsin, Michigan, Illinois, Jndiana, Ohio und Pcnsylvanieu, in den Diöcesen Buffalo (New-Uork) und Coviugton (Kentncky) die Hälfte der kathol. Bevölkerung deutsch ist. Nun waren aber z. B. in Minnesota zu Ende des vorigen Jahres außer den 8 Bene- dictinecn nur 2 bis 3 deutsche Priester, und diese nicht ausschließlich für die Deutschen bestimmt: daraus mag man schließen, wie sehr Jene schon von der Seelsorge der Deutschen allein in Anspruch genommen waren. Und noch ist wenig Aussicht auf eine Wendung zum Bessern. Im Jahre 1850, als das Visthum St. Paul errichtet wurde, hatte Minnesota eine kathol. Bevölkerung von zwei tausend fünf hundert Seelen, nach 8 Jahren zwanzigmal so viele! Diese staunenöwerthe Vermehrung der Bevölkerung leidet aber durch die verminderte Einwanderung aus Europa keine wesentliche Aenderung; denn in Amerika geht die Uebersiedlnng aus den älteren Staaten in den frnchlbarercn und gesünderen Westen ununterbrochen fort; zumal nach dem nordwestlichen Wisconsin und nach Minnesota. Und weil in St. Paul noch kein Seminar vorhanden ist, so wird selbst der neue ausgezeichnete Bischof 6r-,ee (aus dem Dominicaner-Orden) froh sein müssen, wenn es ihm nur gelingt, die Zahl seiner Priester in demselben Verhältnisse zu vermehren, in welchem sich die Einwohnerzahl vergrößert; somit ist auch für die Benedictiner keine Aussicht auf Erleichterung. Da sie zudem seit mehr als einem Jahre selbstsländig sind, müssen sie, sobald eS irgend möglich ist, eine Lehranstalt mit Seminar eröffnen, da sie auf Verstärkung aus St. Vincent nicht mehr rechnen dürfen. Endlich hat der wohlbekannte und hochverdiente Indianer-Apostel Pier; schon wiederholt und dringend um einen oder mehrere Gehilfen zu seinem schwierigen aber reich gesegneten Werke der Bekehrung und Sittigung der Ureinwohner angehalten, und ist damit nur einem lebhaften Wunsche der Benedictiner entgegengekommen, ohne daß sie ihn bis jetzt erfüllen konnten. — In Teras haben vor wenigen Monaten 3 Väter und 2 Brüder aus St. Vincent die Kirche zu 8an äosv, einer ehemaligen Indianer-Mission, übernommen, um da ein Priorat ihres Ordens zu errichten (zu welchem Ende ihnen der Bischof v. Galvcston 600 Acres Landes überwies) und dann von hier aus die katholischen 32 W IW W M D Deutschen in 6a5troviIIo, 8an Antonio, Neu-Braunfels, FriedrichSbnrg, DhaniS, Kuihi n. s. w. zu pastorircn, da sich bis jetzt weder Weltpricster noch die deutschen Minoriten daselbst halten konnten. Diese Missionen der Deutschen allein würden 10 bis 12 Priestern mehr als genug zu schaffen geben, besonders wegen der weiten Entfernung von einander; die Benediktiner muffen aber überdieß auch hier so bald als möglich Lehranstalt nnd Seminar errichten, und das nicht bloß für deutsche Jünglinge, sondern auch für die spanisch und englisch Redenden. Ferner wäre eö schon lange der sehnlichste Wunsch der Missionäre wie des Bischofs, daß endlich auch einmal für die Bekehrung jener Indianer etwas geschehe, die zwischen Teras und New-Merico Hausen; und endlich hofft und wünscht der hochwürdigste Bischof Odin, daß sowohl 8an lose als die benachbarte Kirche zur Unbefleckten Empfängniß Maria bald bedeutende Wallfahrtsorte werden sollten. Somit auch hier Aussichten auf Arbeit und Mühe in Hülle nnd Fülle! Ganz ähnlich steht eS in Kansas und NebraSka, nicht viel besser in den Diöcesen Covington, Erie, Newark und im westlichen Theile der Diöcese Philadelphia, nm von anderen Staaten und Sprengeln, wo die Bcnedicliner noch nichts übernommen haben, gar nicht zu reden. Doch Eine Hauptaufgabe, die — wie ich zuversichtlich hoffe — der Benediktiner wartet, muß ich noch kurz erwähnen: es ist die Bekehrung und allmälige Befreiung der Neger, deren es in den Vereinigten Staaten gegen >1 Millionen gibt. Es scheint mir sogar, daß eS besser wäre, zuerst mit allem Ernste an die Bekehrung dieser armen Verbannten zu gehen und aus ihrer Mitte dann mit der Zeit auch Apostel für die Völker ihrer Heimath zu bilden, als fort und fort die wackersten Missionäre nach Afrika zu schicken, wo sie gewöhnlich ein heißes Grab finden, ehe sie noch recht ihre Wirksamkeit entfalten können. Die Sache scheint mir so wichtig, daß ich wohl bald ausführlicher darauf zurückkommen werde: für heute nur noch die Bemerkung, daß in Amerika beinahe einzig nur darum für die Bekehrung der Neger noch sehr wenig geschehen ist, weil die vorhandenen Missionäre noch lange nicht im Stande sind, nur die bereits vorfindlichen weißen Katholiken gehörig zu versorgen — denn — offen gestanden — Nordamerika wird von Deutschland nnd Oesterreich viel zu sehr unterschätzt und viel zu wenig unterstützt — Dank besonders der Rührigkeit der Freimaurer und der Leichtgläubigkeit unserer kathol. Zeitblätter! U. I.V.2 M, Verschiedenes. (Einfache Sitten.) Ein Brief von den Ufern des Ural in Rußland enthält denkwürdige Nachrichten von den Kirgisen in der Nähe von Orenburg. Im Winter erscheinen Taufende von Kirgisen bei den ersten Kaufleuten von Orenburg und nehmen in den Magazinen Alles, was sie brauchen können, heraus. Der Kauf- mann liefert dem Käufer, ohne ihn zu kennen, die Waaren aus, bestimmt deren Preis, schreibt den Namen desselben und die Anzahl der genommenen Gegenstände ein, und entläßt ihn mit den Worten: „Du wirst mich bis Frübjahr oder Sommer bezahlen nnd mir dann Hämmel geben, welche ich zu dem Preise, in dem sie eben stehen, annehme." Znr festgesetzten Zeit kommt der Kirgise und entledigt sich ehrlich seiner Schuld gegen seinen Gläubiger. Bleibt er aus, so wird der Kaufmann nicht unruhig: „Es gibt so viele Dinge, sagt er, die ihn zurückgehalten haben können! Er hat dieses Jahr nicht bezahlt, so bezahlt er nächstes Jahr; eine Schuld eines Kirgisen ist niemals verloren." Uuv in der That ist kein Beispiel vorbanden, daß ein Kirgise seine Verbindlichkeiten nicht gelöst hätte. Stirbt er, so bezahlen allemal seine Erben, Vater, Sohn, Bruder oder Verwandter, seine Schulden. Die Erben bezahlen sogar die Interessen mit dem Kapital. Reductivu und Lerlag: t)r. Mar Huttler. — Druck, vrn 3. M. Nlcinle.