Ailgsdlirgcr AmtigslitÄ. Hir. 5. 29. Januar 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die ehrwürdige Maria Christina von Savoyen, Königin beider Sicilien. sOiviltä rsttviieit.) (Uebersetzmig der K.ithol. Blatler aus Tirol.) Wir wissen nicht, weßwegen das Königreich Neapel in diesen letzten Zeiten vom Himmel so bevorzugt wurde, der Kirche allein mehr Heilige zu geben, als das ganze übrige Italien. Denn, wenn es wahr ist, dass die Reize der Natur die Gemüther an- und von den göttlichen Dingen abziehen, so müßte das Königreich Neapel, welches wegen der Reinheit und Klarheit srines Himmels, der Fruchtbarkeit und Schönheit seiner Fluren und des Zaubers seiner MeereSufer der Garten Italiens genannt wird, mit allen diesen Reizen den menschlichen Geist berücken, und dessen hohen Ausflug zur Heiligkeit hemmen. Es war jedoch dieses Reich der erste Boden Italiens, welcher von den Apostel- fürsten Petrus und Paulus nach ihrer Ausschiffung von Palästina her betreten wurde, und wo sie die Erstlinge des Glaubens pflanzten, der seither immer so unversehrt und rein dort erhalten wurde, wie er vom heiligen Geiste in den Herzen der Voreltern befruchtet ward. Somit darf man nicht staunen, wenn dieser glückliche Keim dort Heilige und Wunder erzeugt, wie in den ersten Jahrhunderten der Kirche; denn es ist offenbar, daß auch in unsern Tagen in jenem Reiche die Herr- lichsten Wunder geschehen, auch ohne jenes der Bewegung im Blute des hl. Jauuarius, was durch viele Jahrhunderte hindurch jährlich zweimal geschieht, zu erwähnen. Wohl wissen wir, daß dieser lebhafte Glaube von Unwissenden und Ungläubigen als Aberglaube und Sache des niedern Volkes und der Weiber gescholten wird. Und vielleicht hat Gott eben um diese schimpfliche Meinung zu beschämen, ein himmlisches Wesen nach Neapel gesandt, welches die Heiligkeit auf die Höhe eines königlichen Thrones erheben sollte: wir sahen nämlich die schönste Königin, welche Italiens Boden schmückte, im zarten Alter von kaum 20 Jahren auf dem neapolitanischen Throne in einem Glänze von Heiligkeit strahlen, welcher alsobald sich verbreitete, um die Kirche zu verherrlichen, und die Welt zu belehren. In einer Zeit, wo zügellose Anmaßung kein Verbrechen scheut, um sich an der von Gott eingesetzten, obersten Gewalt zu vergreifen, und man wetteifert, die Träger derselben zu beschimpfen und zu verleumden, da ist es sehr gelegen, die Tugenden einer Frau inS Gedächtniß zurückzurufen, deren Vater, Onkel und Gemahl Könige waren, welche selbst Mutter eines Königs geworden, und jetzt aus dem Puncte steht, die höchsten Ehren der Kirche zu empfangen. Christina von Savoyen sah Vater und Onkel großmüthig der Krone entsagen; diesen, um abgesondert von der Welt in einem Kloster zu leben;*) jenen, um sich nicht nach einer seinem Gewissen widerstrebenden Regierungsform zu fügen. Sie ^ Emmanuel lV. trat in die Gesellschaft Jesu) und starb im Noviciate zu St. Andrea in Rom. 34 > ^ -s L-> selbst, durch die hl. Ehe mit König Ferdinand II. verbunden, ward ihm ein Vor- bild jener hohen Frömmigkeit, welche diesen Regenten auszeichnete, und umgibt jetzt vorn Himmel herab gleichsam mit einem übernatürlichen Strahlenkränze ihr einzig geliebtes Gut (ihren Sohn), dem sie schon 14 Tage, nachdem sie ihm das Leben gegeben, den letzten Kuß auf die Lippen drückte, und welcher nebst den vielen Vorzügen, die ihm die Liebe seines Volkes sichern, noch besonders jenen besitzt, der Sohn einer heiligen Königin zu sein. I Die Königstochter. Victor Emmanuel, welcher durch die Thronentsagung Karl Emmanuel IV, seines ältesten Bruders, König von Sardinien geworden war, erhielt von Maria Theresia von Lothringen-Este, Erzherzogin von Oesterreich, vier Töchter: Maria Beatrir, welche er an Franz IV., Herzog von Modena, verheiratete; Maria Theresia, Zwillingsschwester mit Marianna, an Karl von Bonrbon, Herzog von Lncca, dann auch von Parma und Piacenza, vermählt; Marianna, welche mit Kaiser Ferdinand von Oesterreich verbunden wurde; die Letzte ward ihm in Cagliari am 14. Novbr. 1812 geboren, und noch am selben Tage, gemäß der Sitte des frommen Königs Victor Emmanuel, getauft, und von ihrem Tanfpathen, dem Bruder deS Königs Karl Felir, damals Herzog von Genua, und seiner Gemahlin Maria Christina, mit den Namen Maria Christina, Karolina, Josephine, Cajetana und Ephisia benannt! Gleich bei ihrem ersten Ausgauge aus dem Schlosse nahm die fromme Königin Maria Theresia ihr.Töchterlein mit, um selbes in der Kirche Unserer Lieben Frau della Mercede, am Meeresufer nahe bei Cagliari, genannt alla Buonaria, dem ' Schutze der göttlichen Mutter anzuempfehlen, ja es der Himmelskönigin als die letzte und süßeste Frucht ihres Leibes völlig zu eigen zu geben. Sobald das Kind dies erfuhr und verstand, bestätigte sie selbst diese Aufopferung, und nannte sich stets eiu Kind Mariens, welche solches sehr huldvoll aufzunehmen zeigte, indem das Kind von frühester Jugend mit zuvorkommender himmlischer Gnade beglückt wurde, wie ihre Schwester», die Herzogin von Parma und die Kaiserin von Oesterreich, sowie die Ehrendamen und die Kammerfrauen ihres HofeS in den Verhandlungen der Heiligsprechung bestätigten. Die Ehrendame, welche sie von ihrer frühesten Kindheit an bis zn ihrer Vermählung unter Aufsicht hatte, bestätigt Folgendes unter einem Eide: „Ich hielt sie stets für eine bevorzugte Seele, welche ohne das Erbtheil der untergeordneten Be- gierlichkeit auf Erden wandelte." Ihre Schwestern erklärten: „Maria Christina war eine jener privilegirten Seelen, welche durch die Segnungen der göttlichen Gnade ausgezeichnet, ohne die unselige Erbschaft der AdamSschnld geboren scheinen, nämlich ohne die bei allen Kindern Adams zu ihrer eigenen Qual sich frühzeitig schon regenden unbotmäßigen Leidenschaften." Eine ihrer Kammerfrauen sagte ferner aus: „Ich fühle mich verpflichtet zu sagen, daß die Dienerin Gottes wahrhaft von der göttlichen Gnade bevorzugt war." — Auch der Verfasser dieser wenigen Daten selbst, welcher in Turin viele Herren und Damen von Maria The5esia'S Hofe kennen lernte, hörte oft und oft diese Dinge aus der Kindheit und Jugendzeit der Prinzessin erzählen, besonders in jenen Tagen, als Ferdinand II. zur Vermählung nach Genua gekommen war. Daß die ehrwürdige Christinn mit besonderer Gnade begabt war, erhellt schon aus den Acten der Frömmigkeit, die sie noch vor dem vollkommenen Gebrauche ihrer Verrinnst ausübte; so forderte sie als kleines Kind schon stets ihre Kammerfrauen auf, mit ihr zu beten, und sie betete, die Hände gefaltet, mit solcher Inbrunst, daß sowohl die Königin, als ihre Schwestern und ihre Umgebung gerührt wurden. Auch liest man in den Verhandlungen, daß sie, erst 5 Jahre alt, beim jedesmaligen Erwachen in der Nacht ihre Kammerfrau mit den Worten anrief: „Rosa, Rosa, erwecken wir doch Glaube, Hoffnung und Liebe!" Wahrlich ein augenscheinliches 35 Zeichen, daß das Kind gotterfüllt, und den Tag hindurch in Gott versammelt war, da auch beim Aufwachen in der Nacht, wo doch die Kinder voll Schlaf and in einem Durcheinander von Vorstellungen befangen sind, die kleine Christinn gleich zu sich kam, an ihren geliebten Himmelvater dachte, und ihn mit den lebendigsten Uebungen der Seele, wie die drei göttlichen Tugenden sind, anbetete. Gleich beim Aufstehen war sie die Erste, welche zum Morgengebcte aufforderte. Sie legte den Keim der schönsten Tugenden, in denen sie immer zunahm, in ihr väterliches HauS; so berichtet wieder ihre Ehrendame: „In den Jahren-vor dem Tode ihrer Mutter habe ich ein stetes Wachsthum ihrer Tugenden wahrgenommen. Von der Natur mit lebhafter Gcmülhsart ausgestattet, sah man deutlich, wie sie dieselbe mit zunehmendem Alter zu bezähmen trachtete, mit mehr Eifer sich zu beten bemühte, den Wünschen der Mutter immer eiliger nachkam, uud stels liebevoll mit den Schwestern umging; kurz: man erkannte, daß sie nach der vozn Evangelium vorgeschriebenen Vollkommenheit strebte. In der That zeigte sie sich fortwährend so gelehrig, so sauft, so anmnthsvoll, und zugleich so heiter und freudig, daß Alle, die zu Hofe kamen, einstimmig sagten: „V ir haben nicht eine.Prinzessin, sondern einen Engel." Und dies mit Recht, denn ihre eigenen Schwestern bezeugen, daß man an ihr nicht einmal die gewöhnlichen Fehler der Kindheit wahrgenommen, so daß, wenn man ihr etwas anbot, sie es mit den Worten ablehnte: „Ihr wißt ja, daß die Mutter cS nicht gerne hat." Dieser in einem Kinde bewunderungswürdige Gehorsam vervollkommnete sich mit den Jahren derart, daß sie gar keinen eigenen Lßillcn mehr zu haben schien. Die Königin Maria Theresia selbst, welche diese-ihre Lctztgcborne, die so anmuthig, so gut, so geistvoll war, wie ihren Augapfel liebte, konnte nie, selbst vom 18 jährigen- Mädchen, irgend einen Wunsch erfahren, sondern sie erhielt stets die Antwort: „Mutter, mir ist nur daS angenehm, was Sie wollen." Auch ihre ältere Schwester Marianua, welche ihr so gerne Freuden bereitet hätte, vernahm immer nur: „Wie Du willst, wie es Dir lieb ist." Und da sie von Allen geliebt uud ihr von Allen geschmeichelt wurde, hätte cS ja nur eines Blickes bedurft, nm ihre ganze Umgebung mit Erfüllung ihrer Wünsche bemüht zu sehen. Mögen nun unsere Jungfrauen bedenken, ob das Lesen der modernen Romane ihnen den Gehorsam und die Unterwürfigkeit gegen Jene einflößt, welche das Recht und die Pflicht haben, ihre Jugend zu leiten ; da wir hier an einem königlichen Hofe eiue junge und lebhafte Prinzessin sich demüthigen und den Keim der erwachenden Leidenschaften unterdrücken sehen. Niemand ist freier, als der den Zaum seiner Begierden in Händen hält, und sie zu beherrschen weiß. Aber in der modernen Erziehung ist das Gesetz der Freiheit ein anderes; indem es die Jungfrauen gegen die Unterwürfigkeit empört, facht cS in ihnen zugleich die heftigsten Leidenschaften an, wodurch sie Andern zur Last und selbst unglücklich werden. Maria Christina hingegen war überzeugt, daß der Friede des Herzens in der Demuth, in der Gelehrigkeit, in der Sanftmuth, in der vollkommenen Erfüllung ihrer Pflichten als Christin und Tochter seine Wurzeln hat. Daher 'war auch Niemand so heiler und zufrieden als sie, weil sie dieses' Glück nicht in dem von Manchen mit Unrecht beneideten Prunke eines königlichen HofcS, der nur Wenigen be- schieden ist, suchte, sondern vielmehr in der Bezähmung ihrer Neigungen und in der Selbstbeherrschung, welche Tugenden Allen, und noch mehr Jenen erreichbar sind, welche in bescheidenen Verhältnissen und vom Hofe ferne -leben. Sie war mit Gott vereint, und liebte ihn ; und aus Liebe zu ihm siegte sie über ihre Neigungen, welche, wenngleich nicht ungeordnet, so doch gewiß' heftig und stark waren. Ihre Liebenswürdigkeit im Umgänge gewann ihr die allgemeine Liebe uud Achtung; selbst ihre Befehle würzte sie mit Freundlichkeit und Güte,' ohne ihre Würde zu vergeben; ihre Kammerfrauen erinnern sich nie, einen gebieterischen Auftrag von ihr erhalten zu haben; denn sie sagte immer: „Mochtet'Ihr mir diese Gefälligkeit 36 erweisen? Möchtet Ihr das thun? Ich bitte euch rc. w." Besonders benahm sie sich gegen die Schwester Marianna mit bewundernngSwerther Nachgiebigkeit; so steht in den Verhandlungen: „Gegen die ältere Schwester war sie stets liebreich nnd unterwürfig; nie begegnete sie ihr mit einer Unart oder einem hochmüthigen Worte, sondern stets mit einer besonderen Zärtlichkeit, Sauftmnth und Nachgiebigkeit, so daß diese in voller Wahrheit sagen konnte, daß ihre Christin« ihr nie auch nur den mindesten Verdruß verursacht habe." ES-konnte auch nicht anders sein; denn in ihrem Gemüthe nnd in ihren Handlungen war Alles so geordnet und gesetzt, wie man es nur bei Seelen beobachtet, die vom heiligen Geiste geleitet werden. Solches bezeugen Alle, die sie umgaben, und besonders ihre erhabenen Schwestern: „Sie besaß in hohem Grade die Liebe zur Ordnung; schon als Kind ordnete sie ihre Handlungen, ihre Wohnung und Alles, was sie. betraf; so hielt sie auch die Stunden des Unterrichtes, der Arbeit und ihre sonstigen Beschäftigungen immer genau ein. Stets war sie der Befehle ihrer königlichen Mutter gewärtig, und erachtete jeden Unfrieden zn verhüten. Auch strebte sie immer nach Vollkommenheit in der'Ausführung ihrer Arbeiten, so geringfügig selbe auch sein mochten." (Fortsetzung folgt.) Die Jesuiten nnd Redemptorisien in den Bereinigten Staaten von Nprdamerika. Unter den religiösen Orden, die in den vereinigten Staaten von Nordamerika eine mehr ausgebreitete Wirksamkeit entfalten, stehen oben an die Gesellschaft Jesu und die Kongregation des allerheiligsten Erlösers (oder die Redemptoristen). Die Gesellschaft Jesu hat daselbst zwei Ordensprovinzen: Maryland und Missouri. Die erstere zählt 215 Glieder, nämlich 72 Priester, 61 Novizen, 82 Laien- brüder; in der zweiten befinden sich 19-1 Glieder, und zwar 58 Priester, 55 Novizen und 81 Läienbrüder. Die Jesuiten besitzen in den Staaten der Union 11 Stu- dienanstaltev, theils znr Heranbildung des eigenen Nachwuchses, theils auch für auswärtige Studircnde, zwei Noviziate, 2-1 Residenzen und 4 MissionSstationen. Die Versammlung des allerheiligsten Erlösers hat eine amerikanische Provinz, welcher gegenwärtig P. Georg Ruland vorsteht. Sie läßt sich vorzüglich die Befriedigung der SeclsorgSbedürfnisse der Deutschen angelegen sein, indem mehr als fünfzig ihrer Priester in 13 Kirchen ausschließlich für die Deutschen die beständige Seelsorge üben und 10,000 Kindern christlichen Unterricht ertheilen. Es finden sich in dieser Provinz nachstehende Kollegien und Hospitiern das Colleg zum hl. AlphouS in Baltimore; das Kollegium zur hl. Philomena in PittSbnrg; das Kollegium zum allerheiligsten Erlöser in New-Uork; das Hospiz zum hl. Joseph in Rochester; daS Hospiz zum hl. Petrus in Philadelphia; das Hospiz znr unbefleckten Empfänguiß der hl. Jungfrau Maria in Buffalo; daS Hospiz zu Maria Himmelfahrt in Detroit; das Hospiz zn Maria Himmelfahrt in New-OrleanS; das Hospiz (Studen- dal) zu den Heiligen Petrus und Paulus in Cumberland; daS Hospiz (Noviziat) zur hl. Theresia in Annapolis. Der Provinzial der Redemptoristen-Cougregation, P. Ruland, hat vor einiger Zeit an die Central-Direction des Leopoldinen-VereiuS*) in Oesterreich einen Bericht eingesendet, dem wir Folgendes im AuSznge entnehmen: *) Der Leopoldincn-Vcrein wurde im Jahre 1829 gegründet. Sein Zweck ist, die katholischen Misstonen in den nordamcrikanischcn Freistaaten zu unterstützen. Die Briefe der unterstützten Mifsteaiäre werden inIeigencn Heften unter dem Titel: »Berichte der Lcopol- dincn-Stiftung im Kaiserthum Oesterreich" herausgegeben, und wird daselbst auch Rechenschaft abgelegt über die eingegangenen und verausgabten Gelder. Präsident des.Leopol- dinenvereinS ist der jeweilige Fürsterzbischos von Wien. Die Gaben der Leopoldinen-Stiftnng — schreibt P. Rnland — werden nur zur Erziehung unserer Novizen und Studenten verwendet. Der Unterhalt des Noviziats und StudendatS kostet uns jährlich bei der gegenwärtigen Zahl von Studenten und Novizen über 6000 Dollars. Woher die Mittel allesammt kommen, weiß ich selber nicht. Ich habe oft keinen Cent Geld in der Hand, wenn 200, 300, 400 und 500 DollarS zu zahlen find. Seither hat uns Gott immer wunderbar geholfen. Obgleich der Bau des StndendateS uns mehre tausend DollarS Schulden zurückließ, so hoffe ich doch, daß der Herr die Schuld wird zahlen helfen. — Gott hat bis jetzt so viele junge Leute zur Congregation berufen, daß wir bereits ein blühendes Stndendat haben, in dem gegenwärtig 47 Jünglinge den verschiedenen Zweigen der Studien obliegen, nm sich zu fähigen und tüchtigen Arbeitern im Weinberge des Herrn heranzubilden. Ueberdieß zählt unser Noviziat in diesem Augenblicke 18 Novizen. ES gränzt diese Erscheinung in einem Lande, wie Amerika, fast anö Wunderbare, und unsere kühnsten Erwartungen hätten sich vor wenigen Jahren noch einen solchen Zuwachs kaum zu träumen gewagt. Unser Stndendat zu Cnmberland ist das drittstärkste unter den Seminarien in den vereinigten Staaten. Dabei haben wir die gegründete Hoffnung, daß der Zngang von jungen Leuten in den nachfolgenden Jahren wenigstens gleich stark, wenn nicht noch viel bedeutender sein wird. Denn von den Knaben, die unsere deutschen Schulen besuchen, zeigen alljährlich fast immer mehr Lust zum Studiren, und dann, wenn sie das gehörige Alter haben, bei uns einzutreten. Eine bedeutsame Thatsache bei dem Materialismus der großen Masse, bei dem ewigen Haschen nach Geld und Gewinn! Insbesondere sind eS die Deutschen, unter deren Söhnen sich der Herr Arbeiter für seinen Dienst auSerwählt, während er die Eltern bewegt, demselben ihre Kinder freudig darzugeben und deßhalb sogar manches zeitliche Opfer zu bringen. Denn es kostet ziemlich viel, hier einen Knaben bis zu sein-m 16. Jahre, wo er erst bei uns aufgenommen werden darf, studiren zu lassen. Dank der göttlichen Vorsehung, die Alles so ordnet! Ruhm dem deutschen Namen, der über Kurz durch seine Abkömmlinge, die hier gebornen Deutschen, die Fahne des Glaubens ergreifen wird, um dieses Land der Kirche zu unterwerfen! Denn daß die Bekehrung Amerikas vorzüglich durch das deutsche Element zu geschehen hat, ist meine festeste, innigste Ueberzeugung. Was unsere Arbeiten im vergangenen Jahre betrifft, so sind sie ohne Veränderung dieselben gewesen, wie in den früheren Jahren. Nur nehmen sie in einer Weise zu, daß wir schon Manches angethan lassen müssen, zu dem wir uns unter andern Umständen verpflichtet halten würden. Um z. B. nur von dem allernächsten Platze, von Baltimore selbst zu reden, so sind wir bei Weitem das nicht mehr zu leisten im Stande, was die deutsche katholische Bevölkerung in und um die Stadt erfordert, die in ihren geiftlichenBedürfnissen ausschließlich aufunS angewiesen ist. Nacheiuer Berechnung, die sich auf eine Zählung der Familien und Personen der Stadt gründet, gibt eS wenigstens 16,000 Deutsche in Baltimore, die katholisch sind. Sie find in der ganzen Stadt zerstreut d. i. auf einem Terrain, daS in einer Richtung IVi, in der andern 1^ Stunoeu, im Durchmesser hat. Wenn nun 8 Priester diese 16,000 Katholiken in 3 Kirchen zu versehen haben, wenn 2 dieser Kirchen excurrancko besorgt werden, wenn die Patres zum Versehen und Besuchen der Kranken, die besonders im Sommer bei der großen Hitze sehr häufig sind, Stunden weit gehen müssen, so begreift man sehr leicht, daß das Feld zu groß, die Arbeit über ihre Kräfte ist und Vieles nicht gethan werden kann, was sie zu thun wünschen. Die Predigten, die Conferenzen für die Bruderschaften alle Sonntage, der KatechiSmuS- unterricht in den Schulen und an den Sonntagen in der Kirche, der Unterricht der Brautleute, deren im vorigen Jahre hier 226 Paare getraut wurden, der Unterricht der Konvertiten, die oft nur einzeln kommen und darum einzeln vorgenommen werden müssen, Versehnng der Kranken, die 3, 5, 6, 7 englische Meilen im Lande wohnen, , dieß Alles nimmt die Zeit der Patres so in Anspruch, daß sie vom frühen Morgen 38 bis zum späten Abende beständig in Athem find, nnd kaum die nöthige Ruhe zur Erholung finden können. Nebstdem huben sie ihre Obliegenheiten als Ordensleute noch zn erfüllen, wie die Regel sie vorschreibt. — In einem gewissen Stadttheile finden sich nahe an 500 Familien oder vielleicht darüber, von denen etwa nur, 200 regelmäßig in die Kirche kommen, da diese zu weit von jenem Stadtthcile entlegen ist. Eine neue können wir nicht bauen, denn nur haben die Patres nicht, nm sie zu versehen. Vor etlichen Jahren richtete man dort eine eigene Schule ein; das ist Alles, was wir vorläufig bei unserem besten Willen zn leisten vermochten. Es gehen Hunderte von Seelen verloren, die, wenn sie eine Kirche in der Nähe hätten, vielleicht angezogen und so gerettet würden. Was ich von hier sage, gilt in noch größerem Maße von vielen andern Städten, und ist überhaupt ein allgemeines Bild von ganz Amerika. Die Bischöfe begehren Hilfe. Viele haben sich schon an mich gewendet um Patres; aber die traurige Antwort, die ich jederzeit geben mußte, war: „Ich, kann nicht helfen, unsere Zahl ist schon viel zu gering für die uns auferlegte Arbeit." Es gibt Diöcescn, wo es Deutsche zn Tausenden gibt, die in kleinen Ortschaften lebend oder aus dem Lande zerstreut kaum Einmal im Jahre einen Priester sehen. Da ist die augenscheinlichste Gefahr, daß sie im Glauben erkalten, wenn sie ihn nicht ganz verlieren und daß ihre Kinder ohne alle Religion aufwachsen. Die Besorgung der religiösen Bedürfnisse solcher in kleinen Gemeinden zusammen oder auch familienweise anf dem Lande zerstrcnt lebenden Katholiken fällt natürlicher Weise am besten religiösen Orden zn, wie unsere Congregation ist. Ju der That werden auch von allen unsern Häusern überall solche kleine Stationen besucht nnd versehen, aber die Zahl der so pastorirten Stationen steht mit dem allgemeinen Bedürfnisse in noch gar keinem Verhältnisse. Mögen darum unsere Wohlthäter mit ihren Gebeten in dieser Beziehung uns fleißig beistehen! Es ist uns das Almosen des Gebetes noch viel nothwendiger, als selbst Unterstützungen in materieller Weise, so dankbar wir auch für diese sein müssen. Wie uncrforschlich sind doch die Rathschlüsse GotteS! Während die Zahl der Arbeiter so gering ist, vermindert er dieselbe über- dieß durch öftere Todesfälle unter den Unsrigen! Die verlassenen Katholiken schreien nach dem Brode des Lebens, und von den Wenigen, die es ihnen brechen könnten, werden auch noch mehrere durch den Tod hinweggerasft! Derlei Heimsuchungen sind hart, härter als Alles und möchten einem fast das Herz brechen. Man hat seinen ganzen Glauben, und alle seine Ergebung in den Willen GotteS aufzubieten, um solche Schläge ertragen und sagen zu können: „Der Name deS Herrn sei gebenedeit." (Schluß folgt.) Gedächtnißtafel, gut für zaghafte Katholiken. Im Beginn von 1809 stand der erste Napoleon, ein anderer Kriegsheld wie sein Neffe, anf dem Gipfel seiner Macht; Frankreich und fast ganz Italien gehorchten ihm, Deutschland mit Preußen lag zn seinen Füßen, in Spanien war er siegreich und hatte das meiste Land besetzt. Oesterreich hatte zwar mit der Kcrnhastigkeit seiner Völker zum neuen Kriege sich erhoben, war aber in einer Schlacht nach der andern geschlagen worden, und am 13. Mai hielt der Gewaltige seinen Einzug in der Kaiserstadt Wien. Da wagte er sich an den Stellvertreter Christi. Am 17. Mai 1809 raubte er dem heiligen Vater Pms VIl., dem ehrwürdigen milden, Greise, iu vielen Stücken ähnlich dem gegenwärtigen Pius lX., den Kirchenstaat mit den Allmachtworten: , „Der, Papst hat aufgehört, ein weltlicher Regent zu sein." Rom wurde für die zweite Stadt des napoleonischen Kaiserreichs erklärt, dem Papst ein ansehnlicher Gehalt angeboten und die Wahl gelassen, ob er zu Rom oder zu Paris sich aufhalten wolle. Schon fünf Tage nach diesem Frevel traf den Gewaltigen ein 39 schwerer Schlag; er, der bis dahin nie besiegt worden, wurde in der zweitägigen furchtbaren Schlacht von Aspern (21. und 22. Mai) von Oesterreichs Helden-Ecz- herzog Karl zum erstenmal geschlagen und mit ungeheurem Verlust über die Donau zurückgeworfen. Pius VU. verwarf alle Anträge des DrängerS, der gegen Bitten und Vorstellungen taub blieb, und im Juni 1809 sprach der Stellvertreter Christi den Bann aus gegen Napoleon, so wie gegen alle, welche dessen ungerechte Befehle vollzögen oder die Bekanntmachung des BanueS hinderten. Wohl spottete Napoleon dessen, ließ den ehrwürdigen Greis im Quirinalpalaste gefangen nehmen und nach Valence, dann nach Paris schleppen; aber — von dort ab sank sein Stern. Durch eilends herbeigezogene Truppen hatte er sich zwar in Oesterreich so verstärkt, daß er bei Wagram auf dem Marchseld am 5. und 6. Juli eine wo möglich noch furchtbarere Schlacht als bei Aöpern schlug, aber den schweren Sieg nur mit ungeheuren Opfern erkaufen konnte, während Erzherzog Karl immer noch schlagfertig blieb, eroberte Kanonen und Tausende von französischen Gefangenen mit sich führte. Kaiser Franz verlangte Frieden, Napoleon gestand ihn gern zu: denn die Tapferkeit der österreichischen Truppen hatte ihn erschüttert. Oesterreich verlor in diesem Frieden viel, über 2000 Onadraimeilen Landes, nachdem schon in frühern Kriegen noch mehr von seinem alten Gebiet ihm entrissen worden war. — Aber trotz Allem, was Napoleon noch weiter im folgenden Jahr an Land und Leuten zusammenraubte, glaubte das katholische Volk schon damals nicht mehr an die Dauer seines Glückes: denn er hatte zu seinen andern Gewaltthaten noch die Verfolgung der Kirche gefügt und das Maaß voll gemacht; er hatte die göttliche Gerechtigkeit herausgefordert und der Bannspruch lastete auf ihm. Und das katholische Volk hatte Recht. — Im Jahr 1812 endlich sollte der furchtbare Glücksumschwung beginnen, welcher in der ganzen Weltgeschichte seines Gleichen nicht hat. Während der englische Herzog v. Wellington und die spanischen Guerillas die französischen Marschälle in Spanien im Schach hielten, begann der Krieg mit Rußland, dessen Kaiser Alexander I. der so lange gepflegten Bnndesbrüderlichkcit mit Napoleon durch dessen Schalten und Walten über ganz Europa satt geworden war. Eine halbe Million auserlesener Krieger mit 1200 Geschützen unter erprobten Feldherrn und tüchtigen Officieren brachte er gegen Rußland. Der deutsche Rheinbund, Oesterreich, Preußen, Schweiz und Polen hatten ihm zusammen über 200,000 M. stellen müssen. Nach blutigen Schlachten zog er in Moskau ein, aber kaum dort, so steckten die Russen selber ihre alte Stadt in einen Brand, der Alles verzehrte, Obdach und Vorräthe hinraffte. Der Rückzug mußte angetreten werden über 300 Stunden Weges durch eine Wüste von Eis und Schnee, wo Fleisch von gefallenen Pferden fast die einzige Nahrung war. Es gehört nicht hierher, all' die furchtbaren Leiden und Schrecknisse oder die ungeheuren Verluste der „großen Armee" auszumalen, bei der sich die Deutschen vor Allen durch ihre Ausdauer wie durch ihren Muth fortwährend auszeichneten. — Am 13. Febr. 1813 rief der König von Preußen sein ganzes Volk zu den Waffen auf und sagte sich los von Napoleon. Die Jahre der Noth und der Schmach hatten Preußen geläutert, das am 28. Febr. ein Bündniß mit Rußland schloß. Aber Napoleon hob auf'ö Neue 300,000 Franzosen aus, 100,000 Mann hatte er noch in den Festungen von Danzig bis Wesel und der deutsche Rheinbund stellte abermals ihm seine Schaaren. Mit harter Müh' siegte Napoleon bei Lätzen und Bautzen; dann schloffen die ermüdeten Streiter 6 Wochen Waffenstillstand, nm sich beiderseitig zu verstärken, aber noch schwankte die Waage sehr. Da gab Oesterreich — das in all' seinen schweren Kämpfen im Stich gelassene, von Preußen wiederholt verrathene Oesterreich — die Entscheidung und er-. klärtd am 12. August den Krieg. Zugleich kam aus Spanien die Botschaft, daß Wellington in einer Schlacht nach der andern dort über die Franzosen gesiegt hatte. Schlacht auf Schlacht folgte jetzt in Deutschland, fast ohne Ausnahme unglücklich für die französischen Heere. Am 8. Oct. erklärte auch Bayern den Krieg, 40 am 18. Oct. wurde die große Völkerschlacht bei Leipzig und in derselben Napoleon gänzlich anf's Haupt geschlagen; es kostete wohl 80,000 Menschen. Die Franzosen mußten fliehen zum Rhein, während der bayerische General Wrede ihnen noch bei Hanau den Weg verlegte, wo Napoleon sich am 30. und 31. October nur mit großem Verluste durchschlagen konnte. Die Verbündeten zogen dem Feind nach über den Rhein; über die Pyrenäen von Spanien her drang Wellington. Schlacht auf Schlacht. Noch am 20. März 1814 prahlte Napoleon: „Ich bin näher bei Wien als bei Paris;" aber am 31. März zogen die Verbündeten in Paris ein, am 12. April mußte Napoleon, dem mehrere Marschälle den weiter» Dienst versagten, abdanken, und in Gnaden ließ man ihm noch die Insel Elba als souveränes Für- stenlhum, wohin er am 28. April abging. Doch während hiernach die Fürsten in Wien über eine neue Staatenordnung von Europa rathschlagten und nicht eins werden konnten, wurden sie durch die Rückkehr Napoleons von Elba nach Frankreich am 1. März 1815 eins gemacht. Die französische Armee war ihm wieder zugefallen, der kaum wieder eingesetzte König Ludwig XVIII. mußte fliehen; aber am 18. Juni wurde die furchtbare Schlacht von Waterloo geschlagen, in der die deutsche Tapferkeit die Entscheidung gab. Der einst Allgewaltige wurde als lebenslänglicher Gefangener hinaus ins Weltmeer nach der Felseuinsel St. Helena gebracht, wo er am Jahrestag der Schlacht von Leipzig ankam. Der heilige Vater erhielt den Kirchenstaat wieder, die Rückkehr des schwergeprüften PiuS VI l. glich einem Triumphzug. — Dies denn möge man im Auge behalten, während jetzt der „Neffe" des Oheims unsern heiligen Vater PiuS IX. bedrängt! Mögen auch noch schwere Zeiten heraufziehen, St. Helena liegt noch auf dem alten Fleck! Lug und Trug, Arglist und Gewalt, werden beim Dritten enden, wie sie beim Ersten geendet haben, aber die Dauer seines Treibens wird schwerlich so lang sein wie die der Macht seines Oheims. _ Milde Gaben für die Mission in Perleberg. DaS neue Jahr beginnt mit recht erfreulichen Gaben für die obeugenannte der Hülfe so bedürftige MissiouSstation. Uebertrag.77 fl. 21 kr. Aus Biberach (Württemberg) erhielten wir durch b. k. k. 1 fl. — kr. 0. 8vd. 1 fl. — kr. IN. I». 1 fl. 10 kr. 0. IN. 1 fl. 10 kr. 8ed. u.«. 1 fl. 30 kr. X X — fl. 45 kr. X IV. — fl. 30 kr. 4. 8vd. — fl. 30 kr. X k. — fl. 12 kr. L. k. — fl. 12 kr. Von der Plenarversammlnng des PiusvereinS ....... 9 fl. 27 kr. Opfer (bei der wöchentlichen Rosenkranz-Andacht für das Wohl des heiligen VatcrS).11 fl. 24 kr. Zugleich erhielten wir durch die ehrw. Frau Oberin zu P. mit dem Motto: „Gott segne es" an baarem Geld . . . . 10 fl. — kr. nebst 2 Meßgewändern und 1 Chorrock.*) Lr votv .. . . . 10 fl. — kr . _ Summa: 126 fl. 11 kr. *) Wir haben jetzt die Schachtel mit Parametiten, die von B. kam, ganz voll, und an baarem Gelde fl. 116. 11 kr., was wir Alles unter dem Heutigen an seinen Bestimmungsort abgehen ließen. Ein „Vcrgelt's Gott" von dort her und ein Original-Bericht über den gegenwärtigen Zustand der Misston in Perleberg wird dann wohl nicht lange auf sich warten lassen. D. N. Redaction und Verlag: Ur. Mar Hunlcr. — Druck »o» Z. M. Kleinle.