Ailgslmgcl AmtugsM. 6 . 5. Februar 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr», wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Das kleine Häuflein. Bereits ist wieder im Strome der Zeiten Geroüet dahin und entschwunden ein Jahr; Das nächste, was wird es den Menschen bereiten? So fraget sich Mancher und wird sich nicht klar. Doch lasset uns bauen auf göttliches Walten, Erhebet die Herzen zum Himmel empor! Es wird sich doch Alles zum Besten gestalten. So hoffet ganz sicher der christliche Chor. Laßt brausen die Fluthen und schäumen und toben, Laßt laufen sie Sturm auf das heilige Rom: Es steht auf dem Felsen, beschirmet von Oben — Die Kirche des Herrn als gewaltiger Dom! Die Feinde der Kirche sich wüthend geberden In ihrem verstockten, dämonischen Wahn: Sie finden noch gläubige Christen auf Erden, Die schimpfen sie „Nömling" und „Ultramontan!" Sie träumten ein winziges Häuflein zu sehen, Das über die Berge nach Rom sich erhebt; Nun möchten sie aber vor Aerger vergehen, Wcil's Häuflein sich stark und gewaltig belebt. Ja tausendmal Tausend von Ultramontanen, Die längst man vergraben im Schlummer geglaubt, Erheben zum Kampfe die christlichen Fahnen, Und stehen gcschaart um das geistliche Haupt. Die Fürsten der Kirche sich kräftig erheben Und rufen in's Toben mit riesiger Macht; Es wecket ihr Ruf ein gewaltiges Leben Und Alles erhebt sich zur geistigen Schlacht! Wir kämpfen mit Muth und mit Gottesvcrtraucn Für Recht und für Wahrheit den heiligen Krieg; Auf Beistand des Himmels im Kampfe wir bauen, Der wird uns verhelfen zum glänzenden Sieg. K. «. Die ehrwürdige Maria Christinn von Savoyen, Königin Leider Stellten. esttolies.) (Ueberletzung der Kathel. Blätter aus Tirol.) (Fortsetzung.) Da sich aber mit zunehmendem Alter und durch Entwicklung der Kräfte und Bildung des Geistes im jugendlichen Herzen Leidenschaften erzeugen, welche in de«- selben eben Nahrung finden, so ist eS eine weise Einrichtung der christlichen Erziehung, daß in den verschiedenen Stadien dieses Alters die heiligen Sacramente gespendet werden, welche Schutz und Stärke gegen deren Andrang gewähren. Mit 8 Jahren ging Christin« zur ersten heiligen Beicht,, und mit 12 empfing sie die heil. Firmung und die heil. Commnnion, nach welcher sie hernach eine solche Sehnsucht fühlte, daß eS eine große,' nur durch den Gehorsam einigermaßen gemilderte Entbehrung für sie war, Anfangs nur einmal monatlich sich derselben nahen zu dürfen. Dies war in jener Zeit der einzige Neid gegen ihre Schwestern, denen solches wegen ihres höher» Alters öfters gestattet war. Mit gleicher Andacht betete sie ihr Morgen- und Abendgebet vor drei heil. Bildern, welche sie sehr liebte, und vor denen sie das Leiden deS Erlösers betrachtete. Alle ihre Kammerfrauen bestätigen ihre Frömmigkeit, besonders eine in den Verhand. lungcn mit den Worten: „Ich sah sie immer knieend, unbeweglich, gesammelt und eifrig beten; ebenso während des heil. Meßopfers, so daß auch alle Uebrigen bei ihrem Anblicke zur Andacht ermuntert wurden. Auch möchte ich behaupten, daß die Dienerin Gottes in allen Stunden, wo ich sie in ihren Gemächern sah, in sich versammelt und nach meiner Meinung mit den Gedanken bei Gott verblieben sei." Sie hatte auch die Sorge für die HauSkapelle mit großer Freude über sich genommen; und wenn Abends die Stunde des Rosenkranzes nahete, war eS ihre Freude, mit einer Glocke von einem Zimmer zum andern zu gehen, nm die Königin, die Schwestern, Damen und Kammerfrauen zu demselben einzuladen. Die größte Freude aber verschaffte ihr jährlich die Ausstattung der Krippe um Weihnachten, wozu sie schon mehrere Wochen vorher von ihrem ZeichnungSlehrer Pläne zu neuen Anlagen und Grotten begehrte, und solche selbst äußerst geschmackvoll ausführte. Auch schnitt und nähte sie immer neue Kleider für die Hirten und Könige rc., und wollte sogar noch eine kleinere Krippe für ihr eigenes Zimmer, vor welcher sie dann in heiligen Gesprächen mit dem göttlichen Kinde sich unterhielt. Mit den Armen konnte Christina wohl nicht, wie eS ihr Wunsch gewesen wäre, verkehren, sie besuchen, trösten und in den Spitälern und ärmlichen Hütten aufsuchen; dies hätte man ihr nicht gestattet. Dessenungeachtet war sie aber keineswegs gleichgiltig oder unempfindlich gegen däs Elend; im Gegentheil, sie weinte, wenn sie davon erzählen hörte, und that ihr Möglichstes, um zu trösten und zu helfen, manchmal zu viel, so daß die Königin ihr hie und da Einschränkung gebieten zu müssen glaubte. Sobald aber ihre kleine Börse leer war, nahm sie dennoch die große Liebe der Mutter in Anspruch, um auch außerordentliche Beiträge für ihre Armen zu erhalten. Auch beschäftigte sie sich vorzugsweise mit Verfertigung von Kleidern für arme Mädchen bei Gelegenheit ihrer Firmung oder der ersten Commu- nion, obwohl sie großes Geschick zu Stickereien und seinen Arbeiten besessen halte. Diese liebevolle Aufopferung bei oft groben und gemeinen Handarbeiten ist noch mehr hervorzuheben, weil Christina auch große Geistesfähigkeiten und lebhaftes Ge- dächtniß besaß, so daß ihre Lehrer ob der Leichtigkeit und Schnelligkeit bei Erlernung der Sprachen und Wissenschaften staunten. Sie schrieb nicht nur das Italienische und Französische mit Präcision, sondern auch daS Denssche und Englische, und verstand und las die berühmtesten Schriftsteller dieser Nationen. Auch hatte sie sehr 43 viel Sinn für die Naturwissenschaften, bei deren Studium sie stets aus den Schöpfer selbst zurückkam. Musik betrieb sie auch mit Gefühl und Geschick, ebenso Zeichnen nnd Malerei und jegliche weibliche Handarbeit. Allen diesen Beschäftigungen lag sie sehr pünktlich ob, und hielt genau die hiezu bestimmten Stunden ein : ihre Lieblings- Beschäftignng jedoch in freien Augenblicken war das Lesen frommer Bücher, beson- ders der Heiligen-Legenden und der Geschichte der Kirche, bei deren Verfolgungen sie auch Thränen vergoß, wie die Verhandlungen berichten. Und da sie wenig Zeit zu dieser Beschäftigung erübrigte, so benützte sie hiefür auch jene, die ihr zum Frifiren und Anziehen bestimmt war, indem sie dieß Alles ihren Dienerinnen überließ, nnd niemals die Augen erhob, um sich im Spiegel zu beschauen, der vor ihr hingestellt wurde, und wenn selbe sie fragten, was für eine Frisur ihr gefällig sei, antwortete sie allemal: „Thut, wie Ihr wollt." Solches wird vielleicht ernsten Männern von geringem Belang scheinen, nicht so Frauen nnd Mädchen, welche es gewiß als einen Act der Ueberwindung und der Demuth anerkennd« werden. Und Christina war demüthigen Herzens, und legte gar keinen Werth auf ihre geistigen oder körperlichen Vorzüge, so daß sie bei den ihr hierüber gespendeten Lobeserhebungen, denen sie uic entging, mit den «Schwestern herzlich lachte, und selbe äußerst abgeschmackt fand. Nur zu bald aber lernte dieser Engel, der gleichsam in einem Orte der Verbannung und in einer für sein Hans und ganz Europa sehr unruhigen Zeit geboren war, die Vergänglichkeit der irdischen Größe kennen, und wie Gott bisweilen auch die edelsten Monarchen auf die Probe stellt, wenn sie für die Treue und den Eifer ihrer Pflichterfüllung, anstatt Anerkennung, nur Undank und Bosheit ernten. Victor Emmanuel, einer der mildesten und großmüthigsten Regenten, sah 1821 plötzlich sein ganzes Reich in Verschwörung gegen seine Krone sich erheben; weßwegen er, um großem Uebeln vorzubeugen, die königliche Würde seinem Bruder Carl Felir, Herzog von Genua, abtrat. Bei dieser Gelegenheit ahmte Christina die Seelengröße ihres königl. Vaters nach, nnd erhöhte ihre Entsagung noch durch die kindliche Liebe. Wahrhaftig! das Schauspiel einer königlichen Familie, welche beinahe mit Freuden vie Krone verliert, um hiedurch Gewissen und Ehre zu retten, könnte heutzutage, wo man mit unerhörter Frechheit Gewissen nnd Ehre mit Füßen tritt, um feine Begierde nach Macht zu sättigen, mehr als eine Stirne erröthen machen. Ein hochgestellter Zeuge gibt uns folgenden Bericht über jenen Act: „Ich erinnere mich, an jenem Abende zwischen der Königin und dem Prinzen Carl Albert gesessen zu haben. Als nach beendeter Mahlzeit die Nachricht der Abdankung des KönigS anlangte, berief die Königin alle Prinzessinnen in die HanScapclle, und sprach zu ihnen: „Der König, Euer Vater, hat dem Throne entsagt, und von nun an sind wir nnr mehr einfache Privatleute; danken wir aber Gott, daß wir hiedurch das Gewissen und die Ehre gerettet haben." Die Königin hatte nämlich, so heißt es in den Verhandlungen, nach Prüfung der modernen Konstitutionen die Ueberzeugung gewonnen, daß alle irgend etwas Unmoralisches enthalten. Alsdann kündigte sie ihnen auch ihre bevorstehende Abreise an, nnd kniete vor dem Altar nieder; weder eine der Prinzessinnen noch die Mutter hatten eine Thräne im Auge, während wir Alle laut schluchzten." Ich erwähne dieser Abdankung Victor Emmanuels, um die Seelenstärkc nnd Resignation Christincns hervorzuheben, welche schon in so zartem Alter diese Trübsal zn überstehen hatte. Derselbe Zeuge fügt noch hinzu, daß, als er nach Nizza reiste, um diesem großmüthigen Fürsten seine Ehrfurcht zn bezeigen, Christin«, obwohl weit entfernt sich über den Verlust des Reiches zu beklagen, dennoch die Trauer und den Schmerz wegen ihrer Eltern nicht verbergen konnte, indem sie sagte: „Mein Vater ist so gut, und hat dennoch fo viel Kummer erleiden müssen." Vielleicht wußte die unschuldige Seele damals nicht, daß eben in dieser Welt der Täuschungen und der Prüfungen der Kummer das Erbtheil der Guten ist. - ^ ' t s, Mit nicht geringerer Seelenstärke ertrug Christina den herben Schmerz ob dem Verlast des Vaters; ihr einziger Trost Hiebei war die Erinnerung an dessen Frömmigkeit und übrige Tugenden, welche ihm bald den Genuß der ewigen Seligkeit sichern würden, und um diese noch mehr zu beschleunigen, opferte sie alle ihre Gebete, Beichten und Commnnionen in dieser Meinung auf, und ließ oftmals auf Kosten ihres kleinen Wochengeldes das heil. Opfer darbringen. Da auch die Königin Maria Theresia sehr fromm war, so besuchte sie oft mit ihren Töchtern Marianna und Christina die schönsten Kirchen Geuua'S, wo der Gottesdienst sehr feierlich begangen wurde, was Christinen sehr lieb war, wie sie ihren Vertrauten einmal gestand, indem sie sagte, daß ihr der Aufenthalt in Rom und Genua der liebste sei, weil daselbst der Gottesdienst feierlicher als anderswo abgehalten werde. Jeden Sonntag, nach Anhörung zweier heil. Messen in der kgl. Capellc, führte die Königin ihre Töchter in die Pfarrkirche zur heil. Messe und Predigt, wobei die junge Prinzessin stets verschleiert erschien, und mit solcher Andacht und Ehrerbietigkeit auf den Knieen ausharrte, daß es znr allgemeinen Erbauung war, und nicht Wenige, nur um diese engelglciche Frömmigkeit der Prinzessin zu bewundern, in jene Kirche sich verfügten. Im Jahre 1825 begab sich die köuigl. Wittwe mit ihren Töchtern nach Rom, nm dort das heil. Jubiläum zu gewinnen. Eö ist nicht zn beschreiben, mit welcher Freude Maria Ehristina Mutter und Schwester in jene heil. Kirchen und zu den in St. Peter abgehaltenen päpstlichen Festlichkeiten begleitete. Schreiber dieser Zeilen hatte die Ehre, die Königin mit ihren Töchtern in das Noviziat von Sant'Andrea a Monte Cavallo einzuführen, wo der heil. Skanislans Kostka gestorben, nnd erinnert sich lebhaft ihrer Andacht, welche besonders bei Christinen einen himmlischen Widerschein zeigte. Sie kniete vor der Statue sein Meisterwerk des berühmten Le Gros*) nieder, betete längere Zeit, und küßte dann Hände und Füße derselben mit Innigkeit. Jene beiden heiligen Seelen mußten gegenseitig über ihre Aehnlich- kcit in der Unschuld und Liebe Gottes entzückt sein! In jenen Tagen bet diese Königin mit ihren Töchtern dem römischen Volke ein Schauspiel der Frömmigkeit, welches die ganze Stadt in Erstaunen setzte. So sagt ein Augenzeuge: „Am ersten Sonntage im Mai ging die Königin von Sardinien mit ihren Töchtern Marianna und Christina, den Rosenkranz in der Hand nnd ohne Schuhe, blos in den Strümpfen aus dem Palaste, und sie begaben sich, mit dichten Schleiern bedeckt, zum Besuche der Hanptkirchen. Dieser Anblick rührte das Volk dermaßen, daß es in kurzer Zeit in großer Anzahl ihnen folgte, um sie anzustaunen. Als sie wieder nach Genua zurückgekehrt nnd Marianna schon an den König Ferdinand von Ungarn vermählt war, setzte Christina, obwohl bereits 18 Jahre alt, ihre unschuldige, unterwürfige, bescheidene und demüthige Lebensweise fort und ihre Mutter, welche sie übermäßig liebte, konnte ihr nie einen Wunsch aus den Augen lesen, weil sie sich bemühte, dieselben stets von der Mutter abhängig zn bewahren, und im strengsten Gehorsame zn verbleiben, wie es in den Verhandlungen heißt: „Es war eine solche Ruhe und Ordnung in ihrem Geiste, daß man nur selten irgend einen Wunsch ihr im Gesichte lesen konnte." Und weiter oben heißt es: „Sie war von solcher Willfährigkeit, daß sie sich dem Willen der Mutter stets ohne Widerspruch unterwarf." *) Er stellte den Heiligen liegend auf einer Decke von gestreiftem Alabaster vor. Hände, Füße und Kopf sind aus glänzend weißem Marmor, das klebrige des Leibes auS dunkelm Gestein. So scheint er lebendig und mit dem religiösen Kleide angethan. Der Künstler selbst, ein Kalviner, wurde bei Betrachtung seines Werkes und des himmlischen Ausdruckes im Gesichte des hingestreckten Heiligen so ergriffen, daher, der inneren Bewegung folgend, niederstürzte, und ihn mit Inbrunst küßte. Bald darauf wurde er Katholik. 45 Diese Tugenden waren durch Uebung von Kindheit auf so sehr ihr zur andern Natur geworden, daß diejenigen, welche mit ihr näher umgingen, selbe nicht als die Frucht einer fortgesetzten Selbstüberwindung, sondern als Eigenschaften ihres natürlichen Charakters ansahen: Noch mehr muß man staunen, daß diese Tugenden, welche eher innerhalb der 4 Mauern eines Klosters oder in einer einsamen Hütte erzeugt werden könnten, ans einem königlichen Hofe mitten unter Pracht, Herrlichkeit und Verführung hervorgingen, nnd daher eine größere Kraft znr Bezähmung der Neigungen erforderten. Obwohl freundlich mit Allen, so war sie doch im Umgänge so zurückhaltend, daß, wie man auch vom heil. Aloisinö liest, sie niemals einem Herrn des Hofes in'S Gesicht sah, noch auch je, weder vom Obersthofmeister oder einem Andern, sich beim Ein- nnd Aussteigen aus dem Wagen den Arm reichen ließ. Zierereien einer Betschwester! wird hier mancher Nasenweise höhnisch ausrufen, nnd dennoch ließen diese „Zierereien" die Heiligkeit auf einem Throne leuchten, während das zu freie Benehmen der Jungfrauen, seien sie auch noch so vornehm, nichts als Unruhe im Kerzen nnd Unfrieden in den Familien nnd Anstoß in den Städten verursacht. Diese nngemeine Delicatesse und Eingezogenheit im Umgänge machte sie aber keineswegs unfreundlich oder skrupelhasl oder blöde, im Gegentheil wird von Solchen, die lange nm sie waren, versichert, daß sie stets sehr artig und immer frei von Skrupeln gewesen sei. Auch ward sie von Allen als sehr geistreich und vernünftig anerkannt und besonders von der ältern Schwester in zweifelhaften Fällen zu Rathe gezogen, wie dies auch in den Verhandlungen dargelegt wird, wo es heißt: „Von Kindheit an war sie mit einer besondern UrtheilSkrast begabt, und schon als Mädchen konnte man sie eine weise Frau nennen; ihre ältere Schwester Marianna erholte sich oft bei ihr NatheS, den sie ihr immer sehr klar nnd einfach, aber auch sehr klug zu vollster Befriedigung und zur Verwunderung der Schwester ertheilte." Obwohl wir hier nur einen sehr kurzgefaßten Abriß der vielfältigen Tugenden Christinens bis zu ihrem 20stcn Jahre gegeben haben, so ist dies doch hinreichend, um in ihr eine cngelgleiche Seele zn erkennen, welche, wie ihre Schwestern sagten, die Sünde Adams nicht ererbt zu haben schien. Ja die Kaiserin Marianna, deren hervorragende Tugenden der Welt bekannt sind, glanbt versichern zn können, „daß solange ihre Schwester mit ihr zusammenlebte, selbe gewiß nie eine schwere Sünde begangen habe." Man sollte meinen, daß eine Blume solch auserlesener Tugenden, welche auch vom Himmel mit besonder,« Wohlgefallen ausgezeichnet wurde, in irgend ein verborgenes Gärtchen eines einsamen Klosters gepflanzt werden sollte, um dort sich noch mehr zn veredeln, nnd die Anzahl jener bevorzugten Jungfrauen zu vermehren, welche ungekannt von der Welt nnd selbst derselben unkundig, leicht und zart über diese Erde hiuschwcben, ohne selbe kaum berührt zn haben. Dieß wäre auch der heißeste Wunsch Christinens gewesen. Jedoch unter den vielen Fesseln, welche das Leben der Höfe mit sich führt, ist auch jene, daß die berechtigtsten Neigungen des Herzens und oft selbst das edle Sehnen einer der Welt fremden Seele dem sogenannten StaatSwohle geopfert werden müssen. Wir wollen damit nicht gesagt haben, daß dieß bei Christina auch der Fall gewesen sei, da ihr die Vorsehung in Ferdinand ll. einen ihrer würdigen Gemahl ausersehen hatte. Dennoch mußte sie bei Einwilligung in jene Verbindung einen anstrengenden Sieg über ihre LieblingSneigungeu erringen, worüber aber sowohl die Kirche, als das Königreich beider Sicilieu sich nur Glück wünschen durften. (Fortsetzung folgt.) Die Jesuiten und Rebemptoristen in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. (Fortsetzung.) In den Gemeinden, die wir in 14 Kirchen mit 50 Patres versehen, haben wir z. B. im Jahre 1856 gegen 5700 Kinder getauft. Kommunionen haben wir in diesen Kirchen gespendet 280,500. Die erste heilige Kommunion empfingen 1444 Kinder. Protestanten wurden im .Glauben unterrichtet und in den Schoß der Kirche aufgenommen 179. In unseren Schnless empfingen 6655 Kinder religiösen nnd Elementar-Unterrichr, größtentheilS unter der Leitung von Schnlbrüdcrn nnd der armen Schulschwestern. Ueberdieß werden 130 schwarze Kinder von schwarzen Klosterfrauen unterrichtet, deren Leitung sammt der Besorgung einer Gemeinde von etwa 500 Schwarzen ebenfalls einem unserer Patres anvertraut ist. Diese Gemeinde ist seit Jahren die einzige in den Vereinigten Staaten, die ausschließlich anS Schwarzen mit einer eigenen kleinen Kirche besteht. Anderswo find die Schwarzen in den Kirchen meistens auf einen Winkel, die Emporkirche angewiesen. Da in solchen Fällen kaum die Hälfte derselben Platz finden kann, so liegt am Tage, daß deren religiöser Eifer wesentlich darunter leidet. Die Stühle sind von den Weißen besetzt. Kaum darf es ein Schwarzer wagen, sich einen Sitz unter diesen zu nehmen. Hätte man Priester genug, nm sich mit den Negern eigens besassen zn können, so könnte man wohl in kurzer Zeit Gemeinden von Tausenden zusammenbringen. In den Sklavenstaaten hat mancher Herr Hunderte und selbst Tausende von Sklaven, die meist Methodisten und Bapiistcn — wenigstens dem Namen nach — oder Nichts find. Es wäre gar nicht schwer, gute Katholiken aus ihnen zn machen; aber eö ist Niemand da, der die. Sache in die Hand nehmen könnte. Meinem Vorgänger hat eine Lady von South-Carolina den Antrag gemacht, 2 bis 3 Patres während der Wintermonate auf ihre Plantagen zu schicken, um dort ihre nnd ihrer Nachbarn Sklaven zu unterrichten, von denen bei tausend zusammenkommen würden. Einen ähnlichen Antrag machte mir der verstorbene Bischof von CharlcSton. Allein mein Vorgänger, wie ich konnte hier nicht entsprechen, denn es gibt in der Nähe und unter den Weißen so viel Arbeit, daß wir mit den wenigen uns zu Gebot stehenden Kräften kaum die Hälfte davon thun können. Um wieder auf unsere Schulen zurückzukommen — fährt P. Rnland, Provin- cial der Nedemptoristen-Kongregation fort — so findet sich die zweitgrößte Zahl von Kindern in New-Orleans, wo 1100 derselben unterrichtet werden. Vierhundert davon sind deutsche, nnd 700 englische, denn dort versehen wir auch eine englische Gemeinde. Die deutschen, wie die englischen Mädchen stehen nnter der Leitung der armen Schulschwestern, deren Stammhaus in München ist. Die Patres haben mir mit großer Befriedigung die Aenderung zum Besseren gemeldet, die besonders bei den englischen Mädchen unter ihren dermaligeu Lehrerinnen sich kund gibt. Die drittgrößte Zahl von Schulkindern, 1040 hatten wir in New-Nork. Philadelphia zählt 800, Buffalo 690 n. s. s. Außer den Schulen nehmen auch die Waisenhäuser unsere Sorge in Anspruch. DaS Waisenhaus in Baltimore ist im Stande, 200 Kinder und selbst 300 aufzunehmen, obgleich gegenwärtig nicht die Hälfte hiervon darin sind. Bei dem Bau dieses Hauses haben sich die Deutschen selbst übertreffen; denn nur durch deren Freigebigkeit war es möglich, ein so geräumiges Gebände auszuführen, das in Zukunft von großem Nutzen werden kann. Die Sorge für die Waisen haben gleichfalls die armen Schulschwestern übernommen, während der Unterhalt der Kinder von den Beiwagen der deutschen Katholiken gewonnen wird. In PittSbnrg, Detroit, Bnffalo, New-Orleans bestehen gleichfalls Waisenhäuser. Auch diese werden von den Schul- fchwestcrn besorgt. 47 Rücksichtlich der einzelnen Stationen, die wir auf dem Lande versehen, können wir wenig mehr thun, als den Leuten Gelegenheit zum Empfange der heil. Sakramente zu bieten, und, wo es möglich ist, Schulen zu unterhalten. Gewöhnlich erhalten in diesen 00 bis 40 Kinder Unterricht. Eine dieser Stationen, acht Meilen von Baltimore, hat sich seit einigen Jahren so gehoben, daß eine neue, ziemlich große Kirche gebaut werden mußte, die etwa 7 — 800 Menschen faßt. Sie steht ganz isolirt da, nur ein Hans nebst dem Schnlhanse ist sichtbar, wenn man an den Platz kommt; alles Andere scheint Wildniß zn sein. Aber rings herum in einem Umkreise von 6 — 7 engt. Meilen sind so viele einzelne Hütten versteckt, daß jetzt schon bei 500 deutsche und englische Katholiken zum monatlichen Gottesdienste zusammenkommen. Wenn irgendwo eine Kirche gebaut wird, ist es gerade, als wenn die Katholiken anS dem Boden hervorwüchsen. Wo man anfänglich nur 10 vermuthete, zeigen sich gleich 20, und es stellt sich Mancher als Katholik heraus, den sonst Jedermann für einen Protestanten angesehen hatte. — Größere Stationen versehen PittSbnrg und andere Häuser. Das bisher Gesagte wird genügen, um sich von dem Erfolge der Patres Redemptoristen in ihrem gewöhnlichen und tagtäglichen Wirkungskreise in Nordamerika eine Vorstellung bilden zu können. Es erübrigt nur noch, auch etwas über jene Arbeiten beizufügen, die deren eigenthümlichen Beruf ausmachen — über die Missionen. (Schluß folgt.) Arm und Reich. Don Karl Beycrl. I Gut, weil ich noch ein Bettler, will ich schelten, Und sagen, Reichthum sei die ctnz'ge Sünde, Und bin ich reich, spricht meine Tugend frei. Kein Laster geb' es, außer Bettelei. Shakespeare. Seht jene Gebäude rechts und links der Straße! Dort ragt im Mondlicht schimmernd der Palast deS Reichen aus den Platanen des Parkes, hier wirft das Häuschen des Armen einen düsteren Schatten auf das schmale Kraulbect, das der Mangel vor der Zeit entblätterte! Welcher Kontrast! — Nun verschwindet der Mond hinter Wolken und die Nacht verhüllt mit dunklem Schleier Palast und Hütte. Deckt sie auch die großen Gegensätze des Lebens? Diese verschwinden nie; selbst im Tranme noch lächelt der Glückliche, weint der Hungernde! Fröhliches Tönen wogt hernieder von den hohen, hell erleuchteten Bogenfenstern des Reichen, die Hütte ist stumm, — doch nein, tritt näher, neige dein Ohr an die zerbrochenen Scheiben, und vielleicht dringt ein klagender Ton an dein Herz, der das darin schlummernde hohe Lied zum vollen Klänge weckt. Besuchen wir die Wohnung einer armen Taglöhnersfamilie. Eine Thranlampe beleuchtet mit düsterem Scheine ein ernstes Bild. Die Mutter sitzt angstvoll am Bettchen des jüngsten Kindes. Die vier anderen Kinder theilen das Strohlager des Vaters auf dem harten Boden. Die Frau blickt schmerzlich auf das rauhe, mit Lumpen bedeckte Lager des kranken Kindes; sie steht auf und sucht in dem Kasten in der Ecke. Ihr Sountagshalstuch fällt ihr in die Hand; sanft breitet sie es dem Kinde unter, dann kniet sie vor dem Beuchen nieder, lauscht auf die Aihemzüge des Kleinen und betet,, indeß Thräne um Thräne über ihre bleichen Wangen rollt: „O Jesus, Jesus! hilf du, sonst kann ja Niemand helfen!" 48 lE »M 48 Die arme Fran hörte die Stnndenschläge einer großen Wanduhr vom Palaste herüberdröhnen. So oft die Uhr schlug, zählte sie ängstlich, als hoffte sie, sich das letztem«! getäuscht, einen Schlag überhört zu haben. Um Mitternacht erlosch die Lampe und die Unglückliche brach zusammen unter dem unsäglichen Elende der Armuth, die das Nothwendigste entbehren muß; selbst das Licht am Lager des todtkranken KindeS! Um zwei Uhr erwachte der Mann, stand auf, fragte besorgt nach dem Kinde und ging dann fort, der schweren Arbeit dieses Tages nach. Noch eine qualvolle Stunde. Endlich flammte es im Osten. „ES werde Licht!" rief unwillkürlich die Frau, ergriffen von der Bedeutung dieser Liebesworte des Schöpfers, die der Mensch erst dann recht innig erfaßt, wenn er leidend eine jener entsetzlich langen Nächte durchwacht, in welchen das Leben rings um den Einsamen wie erstürben schlummert und Niemand mit ihm spricht, als der unabläßig pochende Schmerz. Die Glocken der Stadt begrüßten fröhlich den jungen Tag, da rollte eine Chaise vor das Häuschen, ein alter Herr mit schneeweißen Haaren, aber heiteren, fast jugendlich liebenswürdigen Zügen sprang heraus und trat in das Stübcheu. „Gott belohne Sie, Herr Doctor!" rief die Frau innig. „Christenpflicht!" sprach Doctor Helfer, „hat das Kind geschlafen?" — „Die ganze Nacht." „Gut, es ist gerettet. Geben Sie ihm das Säftchen noch fort, eS wird sich bald erholen. Sorgen wir aber auch ein wenig für die andern Kinder und für Sie, gute Frau! kochen Sie ein kräftiges Süppchen! Behüte Sie Gott!" Der Doctor eilte hinaus und die Chaise rollte weiter. Auf dem Bettchen des KindeS lag ein blanker Frauemhaler. „O du guter, herrlicher Mensch!" rief die gerührte Mutter mit Freudenthränen, „wohin du trittst, bringst du Genesung, Trost und Hilfe! O Gott! laß dieses edle Herz immer einen Himmel in sich tragen." Das Kind erwachte und blickte die Mutter mit hellen Augen an. Entzückt küßte sie ihr wiedergeschenkteS Glück. Einige Stunden darnach kam der Mann nach Haus. Er hatte sich durch einen unglücklichen Hieb mit der Sense am Fuße verletzt und war so auf einige Zeit arbeitsunfähig geworden. Die Freude über die Genesung seines Kindes machte einer dumpfen Verzweiflung Platz. Er warf sich auf das Stroh und stöhnte, indeß die Frau den blutenden Fuß verband: „Jetzt müssen wir verhungern oder die Kinder auf den Bettel schicken." Die Arme seufzte und schwieg. Die Töne eines Wiener Flügels rauschten vom Palaste herüber, und der Verwundete fuhr grimmig fort: „Hörst du, wie der reiche Mann dem armen Musik macht? Für Instrumente, Pferde und Vergnügungen haben sie Tausende, für den armen Mann Nichts. O Gott, warum leuchtest du nicht einmal mit einem Straf- blitz in die Häuser der Reichen und zermalmest ihre steinernen Herzen?" „Frevle nicht," bat die Frau erschrocken, „die Reichen thun viel für die Armen, wir hätten ohne sie kein Brod. Die reiche Frau drüben ist gut und wohlthätig, ich will zu ihr gehen und sie um Hülfe bitten." „Sie wird dir einige Kreuzer hinwerfen lassen mit der Ermahnung nicht zu betteln," grollte der Mann, „thue eS nicht. Lieber etwas Anderes." — „Gerne, aber was?" fragte die Frau. (Fortsetzung folgt.) Redaction und Dr. Mar Huttler. — Druck »ou 3. M. tklcinl«.