12. Februar 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poft- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abounementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. Layer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Das Schifflein Petri. Fahre, Schifflein, wohlgemuth Durch die sturmbewcgte Fluth! Halte, wack'rer Steuermann Kräftig nur am Nuder an! Heulet wild die Windesbraut, Schlägt's auch ein, daß Allen graut, Stehe fest, du Steuermann! Einer ist, der helfen kann. Er, der einst dem Sturm gebot, Kennt Dein Leiden, Deine Noth, Sieht dem Wcllenspicle zu; Steuermann! was fürchtest Du? Wenn dein Schiff am Abgrund schwebt. Ist es Gott, der sich erhebt, Und zu Wind und Wellen spricht: „Dieß mein Schifflein laß' ich nicht." Und auf Sein allmächtig Wort Zieh'n, beschämt, die Wellen fort; Ruhig wird es, still und licht: Gott verläßt die Kirche nicht. N»«,«. Die ehrwürdige Maria Christin« von Savoyen, Königin beider Sicilien. (Liviltä esttolics.) (Uebersetzung dcr jkathol. Blätter aus Tirol.) (Fortsetzung.) « Die Gemahlin »nd die Königin. Daß in den prachtvollen Hallen der Großen und noch mehr in den schimmernden Königsburgen lästige Sorgen, trübe Gedanken und innere Kämpfe zu finden seien, welche Ruhe und Zufriedenheit ranken, das wird anch von dem Gemeinsten und Habsüchtigsten zugegeben, der es gleichsam zur Beschwichtigung seines ohnmächtigen Neides sich vorsagt. Daß aber, umgeben von der Fülle aller irdischen Güter, von einer Schaar Untergebener, welche mit ihren Dienstleistungen so verschwenderisch sind, und von zudringlichen, nach der Gunst ihrer Gebieter geizenden Höflingen, das Gemüth dennoch vereinsamt und verwais't sich sehe, dies wird nur jenem begreiflich sein, der weiß, wie wenig eine Gott liebende, der Welt abgeneigte Seele sich von deren Prunke und Vorstellungen hinreißen lasse. Das war eben bei Maria Christina von Savoyen der Fall. Nach dem Tode ihres Vaters, und nachdem sie sich von ihren Schwestern nach und nach hatte trennen muffen, verlor sie dann auch die letzte ihr gebliebene Stütze, -M.7 50 t,'/ >' N »k.> IM W W-N Z W LÄc-^ ihre zärtliche Matter, welche von ihr so vnanssprechlich geliebt warde. Nan stand sie wirklich einsam nnd verlassen, ohne Rath and Erfahrung da in dieser Welt. Lange war sie unschlüssig, ob sie zu einer oder der andern ihrer Schwestern, nach Lucca, Modena oder Wien sich begeben solle; jedoch kam sie zarter Rücksichten der Convenienz oder der jungfräulichen Zurückhaltung wegen hievon ab, nnd hing dafür immer mehr dem Lieblingsgedanken ihres Herzens nach, das klösterliche Leben zn wählen, wie schon andere savoyische Prinzessinnen vor ihr, um daselbst eine neue Familie zu finden, und fern von der Welt nur Gott allein unter den himmlischen Wohlgerüchen der Lilien und Rosen seines Gartens leben zu können. Nachdem sie solches lange bei sich erwogen hatte, eröffnete sie es ihrem Seelenführer, Pater Terzi, und zugleich den festen Entschluß, in den Orden der ewigen Anbetung zu treten, wo sie hier auf Erden schon das Amt der Engel erfüllen könnte, gui staut i» eiroiüti tllrorii ot acioraiit Deum. Obwohl Niemand eigentlich wissen kann, wie diese kindliche Eröffnung ausgenommen worden wäre, wenn sie selbe dem mütterlichen Herzen selbst hätte mittheilen können, so wäre doch, nach dem, was im vorigen Artikel von den hohen Tugenden der königlichen Frau erzählt wurde, leicht anzunehmen, daß sie ihr bei diesem schönen Vorhaben hilfreiche Hand geleistet haben würde. Die süße Abhängigkeit von einer liebenden Mutter hatte sich zu einer pflichtgemäßen Unterwerfung unter einen neuen, ihr entfernt verwandten König gestaltet, der schon einige Vornrtheile gegen sie gefaßt hatte; inglcichen auch unter eine neue Königin, welche noch vor wenigen Monaten einem im Vergleich zn ihr niedrigeren Stande angehörte. Mit König Karl Felir'S Tode war die erste königl. Linie von Savoyeu auSgestorben, und wurde Carl Albert von Carignano aus der jüngern Linie auf den Thron gesetzt. Als König von Sardinien war nun Carl Albert auch das Oberhaupt der ganzen königl. Familie, und seine Gemahlin Maria Theresia von Toscaua theilte mit ihm dieses Vorrecht. Beide nun, sei eS, weil sie mit der früher regierenden Familie so selten Umgang pflogen, oder daß sie, wie es bei den Höfen oft geschieht, aufgehetzt und falsch benachrichtigt gewesen, waren der Meinung, daß Christina durch die überaus große Liebe der Mutter verzärtelt, immer nur den eigenen Willen und ihre Launen durchsetzen wollte, und waren nicht wenig erstaunt, die Sache ganz anders zu finden, als sie sich dachten. Als man ihrer Ehrendame auftrug, mit aller Emsigkeit es dahin zu bringen, daß die Prinzessin bescheiden und unterwürfig sich benehme, erwiderte diese sogleich: »Se. Majestät möge sich versichert halten, daß die Prinzessin äußerst gut sei, und daß der König nie ein befehlendes Wort ausznsprechen veranlaßt sein werde, da sie schon jedem Wunsche bereitwilligst nachkommen würde." Und es dauerte nicht lange, daß man schon bei der ersten Ankunft ChristinenS in Turin ihre Gesinnungen gegen die Neuen Regenten erkannte, welche noch kurz vorher nicht auf so hoher Stufe standen, wie sie. Bei der ersten Zusammenkunft mit der Königin, welche sie eben umarmen wollte, beugte Christine das Knie, und küßte ihr ehrfurchtsvoll die Hand. Die Königin aber, auch eine ausgezeichnet tugendhafte Frau, bedurftd nicht jenes ActeS, um zu erkennen, wie viel Sanftmuth, Demuth, Liebenswürdigkeit und GotteSliebe in jenem unschuldigen Herzen wohne. Sie gewann sie so lieb, daß sie auch nach ihrer Vermählung oft mit zärtlicher Zuneigung von ihr sprach, und ihr Porträt iu ihrem Zimmer behielt, ja nach ihrem Tode sie wie eine Heilige verehrte. Trotz dieser Zuneigung aber hatte Christine dennoch oft manche Unannehmlichkeiten zu ertragen, wodurch sie die auserlesensten Tugenden zu üben, nnd die Nebligen, besonders die Königin, sich von der Gründlichkeit derselben und von ihrer vollendeten Selbstbeherrschung zu überzeugen Gelegenheit hatten. Es mag hier am Orte seiu, eines Falles zn erwähnen, der anstatt aller übrigen, die beinahe täglich vorkamen, znm Beweise dienen kann. Der Ehrencavalier am Hofe ihrer Mutter, welcher auch thr ganzes Vertrauen genoß, verließ, kaum hatte Carl Albert den Thron bestiegen, plötzlich die Königin- 51 Wittwe, um bei der regierenden Königin in den gleichen Dienst zu treten. Es ist leicht zu begreifen, wie schmerzlich dieses ehrsüchtige Benehmen Christi'nenS Mutter berührt haben mußte; sie fühlte die Kränkung tief und Christine, in deren Herz sich alle Freuden und Leiden der Mntter spiegelten, litt ebenfalls darunter, und weinte darüber bitterlich. Carl Albert, entweder das Vorgefallene nicht bedenkend, oder um ChristinenS Unterwürfigkeit zu prüfen, bestellte eben diesen Herrn zum Verwalter ihrer Güter. Bei der Nachricht von dieser Anordnung erwiderte sie kein Wort, obwohl sich ein innerer Kampf deutlich kund gab; sie bestimmte ruhig eine Stunde für den folgenden Tag, nm ihren neue« Verwalter zu empfangen. „Als dieser eintrat" (so erzählt uns die Dame, die es verbürgt), „und ich ihn bei der Prinzessin meldete, überfiel sie ein unfreiwilliges Zucken; doch sie wendete den Blick zum Himmel, eilte an ihren Betschemel, betete einige Augenblicke, und schickte sich dann an, ihn zu empfangen, und zwar mit jener würdevollen Ruhe, welche der beleidigten Großmuth eigen ist." Es stand ihr aber ein weit größerer Kampf bevor, zu welchem sich die Jung- stau durch das gänzlich zurückgezogene Leben, das sie in Turin führte, vorzubereiten schien. Sie war viel bei der Königin, deren Tugenden und edle Ergebung in so vielen Widerwärtigkeiten, da sie noch dazu kinderlos war, sie stets bewunderte, begleitete sie auch bei ihren öftern Besuchen des GnadcnbildeS „Unserer lieben Frau della Consolata", vor welchem sie dann ihr Herz ergoß, und flehte, unter die Anbeterinnen des Allerh. SacramenteS aufgenommen werden zu können- Dieser schöne fromme Wunsch sollte aber nnr daS Verdienst der Darbringuug haben! Wenn es sonderbar schien, einer schon erwachsenen Prinzessin einen Verwalter zu bestimmen, ohne sie hierüber zu befragen, so wird noch viel auffallender die Bestimmung ihrer Zukunft scheinen, da man ihr sogar die Person, an die sie sich ihr Leben lang binden sollte, erwählte, ehe sie Etwas hievon nur geahnt hätte. Aber wie schon gesagt, so ist cS Sitte bei den Höfen, wo zu allen andern unvermntheten Widerwärtigkeiten noch besonders jene hinzukömmt, die berechtigtsten und edelsten Neigungen des Herzeus und des Geistes den gegenseitigen Beziehungen der regierenden Häuser, den Plänen zukünftiger Vergrößerung rc. und dem Gleichgewichte der Verwandtschaften opfern zu müssen; mit einem Worte, allen jenen allgemeinen oder Privatrücksichten, die man Politik nennt. Kann aber nicht selbst diese oft den Fügungen der göttlichen Vorsehung dienen? Kann ein unschuldiges Herz, wenn es diesen nachkömmt, nicht auch auf diesem Wege die Vollkommenheit erreichen? Christine gibt uns hiefür ein Beispiel, da sie ein Vorbild der Gattinnen und Königinnen wurde, wie Neapel es beweisen kann. (Fortsetzung folgt.) Die Jesuiten und Redemptoristen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. (Schluß.) Im verflossenen Jahre — wir legen den folgenden Mittheilungen die Berichte der „Annalen des Glaubens" zu Grund — veranstalteten die Redemptoristen in Nordamerika in zwei Hauptpartieen Missionen: englische und deutsche, deren letztere vorzüglich im Westen stattfanden, während die englischen in den östlichen Staaten gegeben wurden und mit Ausnahme der Sommermonate das ganze Jahr dauerten. Die deutschen Missionen — und nur von diesen soll hier die Rede sein — wurden in der Erzdiöcese St. Louis und in der Diöcese Alton vom Anfang September bis zum Schlüsse des Jahres 1858 durch die hochw. Patres Lüthe, Clauß und Brandstälter abgehalten. Die Erzdiöcese St. Louis hat 67 katholische Kirchen, von denen die meisten längs der beiden großen Ströme Missouri und Missisippi liegen. Von den deutschen Katholiken daselbst kömmt die Mehrzahl aus Niederdeutschland, doch gibt eS unter ihnen auch viele Bayern, Tyroler, Böhmen n. s. w. Die Missionsarbeilen begannen zu St. Louis in der St. Marienkirche, wo der hochw. Hr. Welcher, der eifrige Generalvicar der Diöcese, als Pfarrer wirkt. Während 10 Tagen täglich wurde dreimal gepredigt und manche Seele, die sich jahrelang verirrt hatte, kehrte wieder zum guten Hirten zurück. Nach der Mission gab ein Pater den Ursulinerinnen, die hier ein freundliches Kloster besitzen, eine blühende höhere Töchterschule leiten und im Stillen sehr viel Gutes zur Erweiterung des Reiches Gottes beitragen, während einer Woche die geistlichen Uebungen, sowie später auch den Zöglingen des Instituts. Es sind diese Klosterfrauen theils aus Oesterreich, theils aus Bayern durch den hochw. Hrn. Generalvicar Welcher hieher verpflanzt worden. Unterdessen hielten die andern Patres im nördlichen Theile der Stadt eine Missionserneoernng in der St. Liboriuskirche, wo den Winter zuvor bereits eine Mission statt gehabt hatte. In dieser Gemeinde zeigt sich, was eifrige und fromme Katholiken im Vereine mit einem guten Priester zu leisten im Stande sind. Obgleich die Gemeinde noch ganz klein ist, weil erst entstanden, so haben die Mitglieder derselben doch in kurzer Zeit eine große und schöne Kirche, sowie ein SchulhauS erbaut, haben dem Herrn im heiligsten Sacramente einen Altar errichtet, der allein 500 Dollars (1250 fl.) kostet, und fahren mit unermüdctem Eifer fort, bis Alles vollendet ist. Manche der Irrgläubigen sind daselbst schon zur katholischen Kirche zurückgekehrt, wie es auch bei dieser Renovation wieder geschah und fast bei allen Missionen vorkömmt. Nicht weit von der genannten Kirche steht ein protestantisches Gesang - und Predigthaus, dessen Thurm mit einem Kreuze durch den orthodoren Theil der Mitglieder geziert war; Anderen davon war dies jedoch ein Dorn im Auge. Sie nahmen deßhalb Stricke, Leitern und Hammer und schlugen das Zeichen der Erlösung von der Thurmspitze herab in den Koth der Straßen. Mitglieder der St. Liborius-Gemeinde kauften es und setzten es auf die katholische Kirche. Da riefen die Protestanten selbst aus: „Seht, wie die Katholiken das Kreuz ehren, das wir vernnehren." Dieß Ereigniß trug viel dazu bei, die Sache unserer heil. Kirche bei den Protestanten znr Veranschaulichnnq und Geltung zu bringen. Die nächste Mission war 150 Meilen südlich von St. Louis, in Perry County, und zwar in der St. Josephskirche zu Apple Creck, wo meistens Badcnser und Rheiubayern sich angesiedelt haben. In der Nähe wohnen eine Menge Altlutherauer auS Sachsen, die hier eine eigene Secte bildeten. Matt nennt sie auch Stcphanisten, da ihr Gründer oder Bischof Stephan hieß. Aber die Meisten sind schlecht auf ihn zu sprechen, weil er mit der ihm anvertrauten Kasse durchging. Sie gehören zu der Klasse der Pietisten, bei der jeder Bauer, der bibelfest ist, einen Prediger abgeben kann, und sind eben jetzt wegen des tausendjährigen Reiches in großer Uneinigkeit untereinander. Der Sohn eines protestantischen Predigers kam durch öfteres Beiwohnen der katholischen Missionspredigten znr Erkenntniß der Wahrheit und bat um Aufnahme in die katholische Kirche. Da die Leute alle zerstreut wohnen und die Wege nicht fahrbar sind, so kommt in der Regel Alles, Männer und Frauen, reitend znr Kirche, so daß die ganze Kirche von Reitpferden umringt ist. Obschon in Folge des damals stark herrschenden Fiebers sehr viele krank waren, so schleppten sie sich doch herbei; ja der Eifer war so groß, daß die Mehrzahl den ganzen Tag bis Abends 4—5 Uhr in der Kirche blieb. Man nahm sich ein kleines Mittagsmahl mit, um ja keine der Predigten zu versäumen. Zwei andere Missionen wurden hierauf abgehalten in St. Charles County nördlich von St. Louis in zwei Landgemeinden: zu Dardenne und Ellen Prairie, wo recht brave Katholiken wohnen. Sie haben aus eigenen Mitteln zwei hübsche Kirchen erbaut, denen nur mehr Weniges zur inneren Vollendung fehlt. Hierauf war eine Mission in St. Charles. Die Deutschen betheiligten sich mit großem Eifer an derselben und mehr als 550 empfingen die hl. Sakramente. Die nächste Mission gaben die Patres in Weston, einer Stadt am Missouri, noch 500 Meilen nordwestlich von St. Louis, dem in den letzteren Jahren so bekannt gewordenen Cansas Territorium gegenüber. Es war eine äußerst beschwerliche Reise, um auf dem Missonriflasse beim gerade herrschenden niedrigen Wasserstande mittels Dampfschiff aufwärts zu kommen und brauchte man deßhalb eine volle Woche, um Weston zu erreichen. Die letzte Mission im Staate Missouri war die in Neu-Bremen, einer Vorstadt von St. Louis, wo der thätige Pfarrer dortselbst gerade eine neue Kirche gebaut und vollendet hatte. Am Eröffnungstage der Mission wurde sie von dem hochw. Hrn. Erzbischofe feierlich consecrirt. Ueber tausend Gläubige nahten sich den heil. Sacramentcn. Ein reges katholisches Leben beseelt die ganze Gemeinde. Bei dieser Gelegenheit wurde von den Patres auch ein Kreuzweg eingeweiht, dessen Stationsbildcr die schönsten im ganzen Westen sind. Sie sind das Geschenk eines frommen GemeindemikgliedeS. Die erste Mission im Staate Illinois,'Diöcese Alton, eröffneten die Patres in Bellville, einer Stadt von etwa 12,000 Einwohnern. Sie dauerte 12 Tage und Gott wirkte dabei viele Wunder der Gnade. Bei der Erneuerung der Tausgelübde entsagten sechs Protestanten ihrem Jrrihume, und wurden feierlich in Gegenwart von Katholiken und Andersgläubigen, welche das geräumige Gotteshaus ganz anfüllten, in die katholische Kirche ausgenommen. Mehrere Andere erklärten den Entschluß, denselben Schritt thun zn wollen, und das um so mehr, weil die Leere des Protestantismus für Geist und Herz besonders dort im Westen schmerzlich gefühlt wird. Darnach veranstalteten die Patres zwei andere Missionen, die eine in Ccntre- ville, die andere in Maskoutah. Am ersten Orte wagte es ein gottloser Mensch, ein ungläubiger Protestant, zn höhnen und zn spotten über die Misston und verschiedene Gotteslästerungen gegen die katholische Religion anSzustoßen. Er hatte kaum seine Lästerungen vollendet, als eine Drehmaschine, an der er gerade beschäftigt war, ihm die Arme wegriß. Jedermann sah dieß als ein Gottesgericht an. Die andere Gemeinde, die wegen Priestcrmangel in religiöser Beziehung ganz heruntergekommen war, wurde zu neuem Aufschwung begeistert und viele, die den hl. Sacramenten sich entfremdet hatten, nahten sich wieder ihrem Herrn und Gott. Auch eine öffentliche schon seit 13 Jahren dauernde bittere Feindschaft zwischen mehreren angesehenen Familien wurde bei dieser Mission aufgehoben. Nach einer brüderlichen, öffentlichen Versöhnung gingen Alle mitsammen zum Mahl der Liebe. Die Beobachtung der Kirchengebote, besonders der Fasttage, wurde dringend eingeschärft, weil davon in Amerika oft die Gnade des katholischen Glaubens ganz und gar abhängt. Ueber- Haupt ist für den Westen Amerikas jetzt der kritische Moment, ob der katholische Glaube das Volk durchdririgcn wird oder nicht; jetzt ist der Zeitpunct, wo die abgefallenen, aber nicht noch ganz erblindeten Katholiken zurückgebracht uud durch ein lebendiges, thätiges, ächt katholisches Beispiel den gleichsam im Naturzustände lebenden Protestanten die Augen öffnen sollen. Andere Missionen wirrten in der St. Marien-Gemeinde von James Will in der St. Michaelskirche zu Praierie du Long abgehalten. Die letztere Kirche war bis jetzt nur eine Blockkirche, d. i. aus zugehauenen Baumstämmen aufgeführt. In Folge der Mission einigten sich die bisher uneinigen Gemcindeglieder und wurden von solchem Eifer beseelt, daß sie auf der Stelle 2000 Dollars zeichneten, um eine ueue schöne Kirche aus Backsteinen zu erbauen. — Die letzte Mission war in Waterloo, dem Gerichtsorte von Monroe County. Sie sckloß am St. Stephanstage. So hatten die Patres Redemptoristen im Jahre 1858 in Nordamerika 13 Missionen, 1 Erneuerung und 2 RetreatS gegeben, dabei 4—500 Predigten gehalten und viele Tausende von Beichten gehört. Der größte Segen dieser Missionen besteht offenbar in der Bekehrung nnd Wiederbelebung einer sehr großen Zahl von Katholiken, die in ihrem Glauben tau geworden, ja denselben ganz verloren hatten. Eine unzählbare Menge von Zurück- erstattnngen gestohlenen oder unrecht erworbenen Gutes wurde gemacht. Und wenn auch viele der stattgehabten Bekehrungen von keiner Dauer waren — ist das nicht eine Folge menschlicher Armseligkeit überall? — so wurden doch auch überaus rührende Beispiele von Beharrlichkeit bekannt. Jedenfalls wurden Tausende und Tausende von Sünden wenigstens für eine Zeit lang verhindert — Gewinn genug, wenn die Missionen auch sonst gar keinen andern gehabt hätten. Auf die MifsionSthätigkeit der Jesuiten in Nordamerika werden wir in einem spätern Artikel zurückkommen. Arm und Reich. von. Karl Beycrl. (Fortsetzung.) Der Mann zögerte mit der Antwort. „Was nützt mir", sagte er endlich, „meine Sackühr? Sie geht schon lange nicht mehr. Trage sie zu einem Uhrmacher, es ist ein gutes altes Werk, das Silber ist vier Gulden werth." „Wie, deine Uhr?" entgegnete die Frau, „dein einziges Andenken an Vater nnd Großvater? Nein, lieber Mann, die Uhr ist dein ganzer Reickthum, und erst gestern wünschtest da nur so viel zu haben, um sie wieder richten lassen zu können." — „So versetze sie!" „Dann ist sie auch für uns verloren, wir können sie nicht mehr auslösen. Nein, ich will zu der reichen Frau gehen und sie um Arbeit bitten, ich kann schön stricken." Der Verwundete kehrte sich schweigend gegen die Wand. Die Frau küßte ihr Kind und eilte dem Palaste zn. Sie wußte, daß ArbcitSauflräge nicht von Agnesen selbst, sondern von einer Kammerjungfer besorgt wurden; eine dunkle Hoffnung trieb sie aber an, die Frau des HauscS selbst um Gehör bitten zn lassen. Diese erfüllte ihren Wunsch und empfing sie freundlich. Unter häufigen Thränen schilderte die Arme ihre Noth. Agnes trug ihr eine ansehnliche Bestellung auf, und da sie gleich vorausbezahlen wollte, fragte sie um den Preis. Die Arme nannte ihn. „So wenig?" rief Agnes verwundert. „Und wie lange brauchen Sie zu der ganzen Arbeit?" „Vierzehn Tage!" — „Wie kann man von solcher Arbeit leben?" „Wir leben nicht blos von dem," sagte die Arme, „mein Mann arbeitet im Taglohn, und ich stricke. DaS Spinnen wird noch schlechter bezahlt." — „Aber wer einzig vom Stricken oder Spinnen leben muß?" — „Der mnß sich anf's Aeußerste einschränken, auch erhalten Viele Unterstützung aus der Armenkasse." Agnes crröthete. „Gott!" rief sie, „einschränken bis zum Hungern, Unter- stütznng von der Armenkasse — und für wen! Nein, gute Frau, schenken Sie mir nicht die Hälfte Ihres verdienten Lohnes, fordern Sie." — Sie unterbrach sich selbst, öffnete rasch eine Chatonlle, nahm eine Geldrolle heraus, drückte sie der erstaunteu Frau in die Hand und sprach: „Nehmen Sie! kaufen Sie die Wolle, das Uebrige ist für die Arbeit." Die Arme fühlte die schwere Rolle kalt in ihrer heißen Hand, sie sah im Gedanken den Trost, die Hilfe in ihr Stübchen einziehen, sie konnte nicht spreche«. Thränen rannen ihr die Wangen herab und auf die freundlich dargebotene Hand der reichen guten Frau. Kaum war die Arme fort, so kam der Hausarzt, Doctor Helfer. Er fand Agnes in Aufregung; sie erzählte ihm den Vorfall. Des DoctorS Herz hob sich iu 55 Freude, er rieb sich vergnügt die Hände and sah sie mit einem seligen Lächeln voll Güte an. So traf Arthur Beide. Dieser wiederholte bloß, daß er im Allgemeinen immer mehr das Vertrauen zu den Armen verliere. „O Ihnen fällt die letzte Katzenmusik wieder ein!" rief der Doctor. „Warum nicht?" fragte Arthnr. „Dieß und noch viel mehr. Wie oft habe ich Dank gesäet und Undank geärntet, wie oft Haß für Liebe! Lassen Sie mich nur Einiges berühren. Ich unterstützte eine arme Wittwe mit vielen Kindern, sie verpraßte das Geld mtt eineip liederlichen Burschen, und mir legte der Pöbel die schlechtesten Motive unter; ich unterhielt dürftige Familien, aber die Kinder kamen nicht aus den Lumpen, die Väter nicht anS den Branntweinschenken. Als vor drei Jahren unser einziges Kind getauft wurde, ließ ich reichlich Almosen vertheilen, und als das holde Wesen kurz darnach starb, hörte ich zwei Bettler nnter meinen Fenstern sagen: „Dem ist recht geschehen, der Reiche soll auch fühlen, daß er ein Mensch ist." Genug, ich will nicht länger solche Erfahrungen machen; ich gebe jährlich eine namhafte Summe in die Armenkasse, damit habe ich gethan, was mau verlangen kann. Sie kennen mich, Sie wissen, von welchem Wohlwollen und Mitgefühle für alle Dürftigen mein Herz erfüllt war, und ist, aber auch der beste Wille mnß endlich erkalten, wenn er überall dem sinnlosen Hasse der Besitzlosen gegen die Besitzenden, dem Undanke und der Unwürdigkeit begegnet. Jeder Tropfen Liebe, den Sie in die Masse werfen, verwandelt sich in Gift in diesem Meere niederer Leidenschaften." „Nicht doch," rief AgncS mit Begeisterung, „jeder Funke Liebe erhellt weithin diese schauerliche Nacht! Nur die Liebe wird den Haß bezwingen! Es ist Wonne, Gutes zu thun! Sollte es so schwer sein, Herzen zu finden, die dafür empfänglich sind? Heute traf ich sie ungesucht. Seht die guten Lente da drüben am Fenster! Die Matter zeigt freudig das Geld, die Kinder umhüpfen sie, fröhlich sich sättigend, der kranke Mann schleppt sich herbei, er umarmt sein Weib, er nimmt etwas von der Wand und hält eS an's Fenster, nnn zeigt er es den Kindern — es ist eine Uhr, sicher sein einziger Reichthum, er wollte sie wahrscheinlich verkaufen und freut sich nun über ihre Rettnng. Seht nnn falten sie alle die Hände! Sie beten wohl für mich? Und was that ich denn? Ich gab der armen Frau nur einen freigebigen Arbeitslohn, indem ich nnr einmal von der allgemeinen Unsitte abwich, welche ihr Gold verschwenderisch in die reichen Magazine des ausländischen Laras wirft and die nothwendige und mühsame Arbeit der Dürftigen mit dem halben Preise bezahlt." Arthur blickte freundlicher auf die Erglühende, und-sie fuhr fort: Wir dürfen uns durch nichts abschrecken lassen, gut zu sein, und können wir auch nicht sein wie die Sonne, die über Gute und Böse mit gleicher Wärme strahlt, so bleibt es doch ewig wahr, waS Shakespeares Herzog Vinceutio sagt: „Der Himmel braucht uns, so wie wir die Fackeln, „Sie leuchten nicht für sich: wenn unsre Kraft „Nicht strahlt nach außen hin, wär's ganz so gut, „Als hätten wir sie nicht. Geister sind schön geprägt »Zu schönem Zwecke —. Agnes blickte wieder zu den frohen Armen hinüber, sie wünschte innig, dieß schon früher gethan zn haben, und auS ihrem Innern wallten in die Wohnung der Noth heilige Gedanken, die zu weitlenchtenden Segensstrahlen werden sollten. Der Doctor drückte warm Arthurs Hand und flüsterte: „Lassen Sie Ihre Gemahlin dem Zuge ihres Herzens folgen, sie wird eine der größten unter den Frauen werden!" — So sprach der gute Doctor und ging, dem armen Manne den Fuß zu verbinden. (Fortsetzung folgt.) r-'^HÜ- 'M5 -4»«^ S... W !W LB 56 Ein Amerikaner über den Kirchenstaat. In der zu New-Nork erscheinenden Zeitung „Tribüne" schreibt ein gewisser F. L. NicholS also: Ueber den eigentlichen Charakter und die Ausdehnung des päpstlichen Despotismus bin ich etwas im Unklaren. Unsere Aufklärer, die Zeitungsschreiber, ziehen es vor, in Allgemeinheiten sich zu bewegen, sie lassen sich nicht herab, auf Einzelnheiten einzugehen. Mau setzt von nnS, dem Publikum, stets voraus, daß wir von Allem unterrichtet seien. Hat man nnS nicht zu verschiedenen Malen gesagt, „die päpstlichen Staaten sind am schlechtesten regiert" rc., und daß eS nnnöthig sei, es zu wiederholen! Doch eS möge einem schlichten Manne, der bei weitem nicht alle jene Kenntnisse besitzt, die man von ihm voraussetzt, erlaubt sein, einige Fragen zu stellen. Worin besteht der Despotismus der päpstlichen Regierung? Besteht er etwa darin, daß Geistliche Civilämrer bekleiden? Durch viele Jahre hindurch waren die Priester, die im Kirchenstaate Aemter bekleideten, in viel geringerem Verhältniß als dies in manchem Staate unserer Union der Fall war, und ihre Besoldungen waren in noch geringerem Verhältnisse zu- den Besoldungen der weltlichen Beamten. Oder in der Kostspieligkeit der Verwaltung? Sie ist aber eine der sparsamsten in Europa. Die Besoldungen der höheren Beamten überschreiten nicht 3000 Dollars jährlich und die ganze Civilliste beträgt ungefähr 600,000 Dollars. Ist das Volk mit schweren Abgaben gedrückt? Die Abgaben in Rom sind geringer als in England, Frankreich oder New-Nork. Ist das Volk der Wohlthat des Unterrichts beraubt? Die päpstlichen Staaten haben bei einer Bevölkerung von weniger als drei Millionen sieben Universitäten; und die Stadt Rom. hat im Verhältniß zur Einwohnerzahl mehr Freischulen als New-Nork, und was noch mehr werth ist, dieselben sind von einer verhäliuißmäßig weit größeren Anzahl Kinder besucht. Vielleicht wird für die Armen nicht gesorgt und deren Leiden nicht beachtet? In Rom gibt eS verhältnißmäßig mehr und bessere Spitäler und Zufluchtsstätten für Kranke, Arme, Altersschwache, Leidende aller Art, als in jeder anderen Stadt in der Welt.. Es gibt keine Gestalt menschlichen Leidens, die dort nicht schnelle Hilfe fände. Zu Rom fragt man nicht, was ist des Mannes Heimath oder Glauben. ES genügt, daß er ein leidendes Geschöpf sei, um ihn dem Mitgefühl dieser — wenigstens in der Beziehung — christlichsten aller Städte zu empfehlen. Vielleicht hat eine schlechte Regierung das Volk in Pauperismus (Armuth) versetzt? Nein! die Statistiken Europa'S zeigen, daß in England, Holland, Frankreich und in andern freien und aufgeklärten Ländern ein verhältnißmäßig drei bis zehnmal so großer Pauperismus herrscht. Worin besteht den» also der schreckliche Despotismus? Die Regierung ist eine Wahlmonarchie. Es besteht eine liberale Verfassung, leichte Besteuerung, sehr wenig Armaih, eine ökonomische Verwaltung, wohlfeiler over ganz freier Unterricht für alle Classen und eine überreiche Zahl von Anstalten für die dürftige und leidende Bevölkerung. Ich wage zu behaupten, daß die einzige Stadt New-Aork Jahr für Jahr mehr Abgaben zahlt, von den unredlichen Beamten ärger bestohle» wird, mehr Arme zn unterstützen hat, mehr ungezogene Kinder enthält, von mehr Laster, Trunkenheit, Schurkenstreichen rc. zu leiden har, und überhaupt durch mehr Verbrechen heimgesucht wird, als die ganze nahe an drei Millionen zählende Bevölkerung des Kirchenstaates. So der ehrliche Amerikaner. Milde Gaben für die Mission in Perleberg. Sollen beten für einen verstorbenen Priester.5 fl. Stkdacrwu u»d Benag: r»r. Mar Hailter. — Lrulk »vu 0. M. Ktclitte. ke.