AlPbllM §mllt«gstl«tt. H'l». N 26. Februar 1860. DaS Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Angsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die ehrwürdige Maria Christina von Savoyen, Königin beider Sicilien. (OiviltL esltolicu.) (Übersetzung der Aathvl. Blätter aus Tirvl.) (Fortsetzung.) So wird nun Europa, welches über ein Vierteljahrhundert hindurch in Ferdinand li. die Frömmigkeit als dessen zweifelsohne größte Zierde bewundert hat, das Verdienst hievon großeniheils jenem himmlischen Wesen zuschreiben dürfen, welches die Vorsehung als Engel des Rathes ihm an die Seite gestellt hatte. Man glaube jedoch nicht, daß Christine sich in die Staats-Angelegenheiten mehr, als es einer königlichen Frau ziemte, eingemischt hätte; sie verstand es gleich vom Anfange ihrer Thronbesteigung, sich als eine dem Monarchen untergeordnete Frau zn benehmen, und suchte nur durch Gebet, gutes Beispiel und Wohlthaten der Regierung zu nützen. Und wem es bekannt, wie viel das Eiste bei Gott, das Zweite bei den Großen, und die Dritten bei den Kleinen vermag, wird diese Laufbahn, in der die Edle Gott und den Menschen zu dienen sich vorsetzte, gewiß nicht gering achten. Nicht ohne Grund sagen wir „zu dienen" auch den Menschen gegenüber, da dieses biblische Wort seinen vollen Sinn hat, denn eine Würde, welche sie auch immer sei, kill Uai ininistiw in konum. Wcw das Gebet anbelangt, war es am königlichen Hofe allgemein bekannt, daß die Königin ohne Unterlaß und sehr inbrünstig für das Wohl des Staates betete, und für diesen Zweck auch viele heilige Messen lesen, und fromme Seelen, besonders in den Klöstern, beten ließ. An den Tagen der Staatsberalhungcn kniete sie während der ganzen Zeit, als der König mit den Ministern conferirte, in ihrem Oratorium, und flehte den heiligen Geist an; ja schon vor Beginn derselben bewog sie auf sanfte Weise den König, dasselbe zu rhnn; so bestätigt ein Zeuge. Ein anderer fügt noch bei: „Ich erinnere mich, daß, wenn der König vor der Berathung sich bei ihr beurlaubte, sie ihm betend die Hände auf die Brust legte, was mich stets rührte.". Es scheint, als habe Christine durch diesen Act so zärtlicher Gattenliebe und >o lebhaften religiös « Glaubens einen Theil jener göttlichen Flamme des G'bcleK, von der sie eben ganz entzündet war, auch in die Brust des KönigS einflößen wollen. Vielleicht wollte sie hiedurch den König warnen, daß er sich in seinen Urtheilen nicht nach der menschlichen Klugheit richte, ohne zu erforschen, ob diese auch mir den göttlichen Rathschlägen übereinstimmen; vielleicht auch sein Herz gegen die falschen Einflüsteinngen ruchloser und wegen ihrer Heuchelei doppelt gefährlicher Menschen verschanzen. In der inenschlichm Natur ist die NachahmungSsncht eine angebornc Eigenschaft, welche besonders in schwachen Gemüthern stark ausgeprägt, das Beispiel sehr wirksam macht, vorzüglich wenn es von höher gestellten Personen ausgeht, deren Handlungen allein schon oft für Niedere ein Gesetz sind. So erwies sich auch das bloße Erscheinen Chriftinenö, dieses Vorbildes der erlesensten Tngen- den, am Hofe Neapels für sehr Viele als ein Mittel heilsamer Umänderung, da sie sich entweder darin gefielen, die Königin nachzuahmen, oder sich nicht getrauten, in ihrer Nähe ein dem ihrigen entgegengesetztes Betragen zn beobachten. Eines dieser nnr durch ihr Benehmen auferlegten Gesetze für alle Damen des HofeS war die Sitlsamkeit in der Kleidung, welche sich alsbald auch auf die ganze Stadt ausdehnte, und solches war in jener Zeit gerade nicht überflüssig. In diesem Stücke begnügte sie sich nicht einmal mit dem bloßen Beispiel; wo eS möglich war, suchte sie auch mit Worten darauf hinzuwirken, und machte sanfte Vorwürfe, so daß keine Dame mehr anders als in dem geziemendsten Anzüge sich ihr vorzustellen wagte. Und wagte es Eine, so trug sie sicher eine liebevolle, aber wirksame Zurechtweisung davon, die sie gewiß nicht so bald vergaß, und von welcher dann die ganze Stadt mehrere Tage hindurch zu reden hatte. So erinnert mau sich, daß. als einmal eine sehr geachtete hohe Dame in minder sittsamer Kleidung vor ihr erschienen war, die gute Königin sich einen kostbaren Schleier ablöste, und indem sie damit deren Schultern und Brust bedeckte, selbe bat, ihn als ein kleines Zeichen ihrer Zuneigung anzunehmen. ES kaun nicht wundern, daß sie, die selbst so sittsam war, sich nicht einmal als Kind von den Dienerinnen ankleiden zu lassen, auch von Anderen diese Tugend verlangte. Als sie jedoch Gattin geworden war, gestattete sie, obwohl von jeder weiblichen Eitelkeit frei, daß man ihre Person und ihr Haupt schmückte, wie es ihrem hohen Range und Stande gebührte, einzig um ihrem Gemahle zu gefallen. Sie ließ aber die Sorge hicfür gänzlich den Andern über, und cS ist unterhaltend, in den Prozeßakten die Ausdrücke der Verwunderung zu lesen, deren sich die Kleidermacherin und der Friseur noch nach mehreren Jahren bedienten, wenn sie hievon als von einer bisher unerhörten Sache sprachen. Dieser Letztere bemerkt noch überdieß, daß sie ihn nie zu seinen Verrichtungen zuließ, ohne bis oben an den Hals in den Pudermantel eingehüllt zu sein; daß sie ihre Augen nie weder zu ihm, noch zu dem Spiegel erhob, und während seiner allemal nnr kurzen Arbeit stets in einem frommen Büchlein oder in den Bittschriften der Armen las. Obwohl wir mit dem Hofleben selbst nicht bekannt sind, so scheint nnS doch jene dort herrschende Unihätigkeit und die daraus erfolgende Ungezähmtheit der Zunge eine der gefährlichsten Gewohnheiten daselbst zu sein. Wie heilsam mnßte daher das Beispiel einer Königin wirken, welche nicht nur dem Müssiggange ewige Feindschaft geschworen, sondern auch nie ein unnützes, geschweige ein unordentliches Wort über die Zunge gebracht hatte. Sie erhob sich des Morgens sehr frühe, auch wenn sie spät zur Ruhe gegangen war, und theilte ihre Zeit sehr regelmäßig zwischen Lectüre, Arbeit und Gebet. Und nicht etwa blos ein kleiner Theil war bei ihr der Arbeit gewidmet, gleichsam um zn zeigen, daß kein auch noch so hoher Stand sich >eneS ckvlce lar niants erlauben sollte, welches, ich weiß nicht, ob eine Glückseligkeit, Vorzug oder eine Pein der Reichen ist, und welches dem von dem Schöpfer allen Adams- kiudcrn auferlegten Gesetze der Anstrengung so sehr widerstrebt. WaS den Werth jener Handarbeiten Christinens noch erhöhie, war der ihnen bestimmte wohlthätige Zweck; denn waren eS gröbere Nähereien oder Strümpfe, so mußten damit arme Kinder gekleidet werden; waren es hingegen seine Stickereien, worin sie große Kunstfertigkeit besaß, so wurden sie ungekannt verkauft, und deren Erlös zur Unterstützung der Armen verwendet. Wie viele unsinnige Systeme hat nicht unser Jahrhundert auSgcdacht, um den Druck der Armuth zu heben, und (um mich des gewöhnlichen Ausdrucks zn bedienen) die Erniedrigung des Arbeiters abzuschaffen? Und was bewirkten am Ende alle diese Systeme anders, als den Armen die Entbehrung durch die Ungeduld unerträglicher zu machen, und durch Versprechungen eines unmöglichen Glückes den Stolz und die gefährlichen Leidenschaftcn des Arbeiters zu erwecken? Sehen wir nun, ob die Heiligkeit nicht auf schnellere und edlere Weise dieses bewerkstelligt, ohne selbst nur den Schein davon zu haben. Sehet, da baden wir arme Waisen, welche wissen, daß die Strümpfe und das Röcklein, das sie tragen, Arbeiten ihrer Königin seien; da sind angesehene Frauen, welche nm einige Dncati eine Hanbe, eine Halskrause oder ein Taschentuch, zierlich gestickt von unbekannter Hand, gekauft haben und erst später erfahren werden, daß selbe von der Königin verfertigt waren. Wie kann man wirksamer dem Elend des Armen steuern und den Werth der Arbeit erhöhen? Um eben dies zu erlangen, ist es nothwendig, daß sich znr Nächstenliebe die Liebe Gottes als deren Seele und Leben zugeselle; ohne diese zweite hofft man vergebens auf Vollkommenheit, ja sogar auf die Hinlänglichkeit der ersten. Wäre einmal die Trägheit und der Müssiggang bei den Höfen verpönt, so fielen wohl auch drei Vertheile jener unnützen Schwätzercien weg, womit die Hoflcnte viele Standen des Tages vergeuden, nm, wie sie sagen, „die Zeit zu tiftten." Eö ist beinahe unglaublich, wie viel Christine durch ihre Mäßigkeit im Reden auf ihre Umgebung wirkte; sie war hierin ein so vollendetes Muster, daß die Damen in ihrer Gegenwart sehr auf der Hut waren, besonders wenn eS sich um den Ruf Anderer handelte; denn sie duldete nie auch die entfernteste Spnr einer Verkleinerung, was doch in den Gesprächen bei Hofe so häufig vorkömmt, da man dort in Einkleidung fremder Fehler außerordentliche Gewandtheit und sogar Anmuth besitzt, wodurch nicht selten die Verwundung noch schmerzhafter wird. (Schluß folgt.) Die Bedrückungen der Katholiken in Polen. (Fortsetzung.) Diese so vielfach thätige Missionsart hatte übrigens keinen weitem Erfolg, als daß ein Einziger wirklich von seinem Glauben abfiel. Dieß war ein Sattler, Namens Joseph, ein Mensch, der seiner entarteten Sitten wegen ohnehin schon der allgemeinen Verachtung preisgegeben war. So mußte also der Oberst Lvstew gleichwohl die Fruchtlosigkeit seines bisheri- gen Verfahrens einsehen. Er berief daher sämmtliche Familienvater, ohngefähr 80 an der Zahl, zu einer öffentlichen Versammlung, erschien dabei, umgeben von den Popen, dem Polizeibeamten und seiner Mannschaft, in voller Uniform und sprach dann nach einigen Augenblicken feierlicher Stille: „Se. Majestät will, daß ihr Alle der orthodoxen Kirche angehöret. Warum wollt ihr nicht zn unS übertreten? „Hoher Herr," antworteten sich tief verbeugend alle einstimmig, „wir sind des Kaisers Unterthanen, wir zahlen gerne die Steuern, wir weigern uns nie, daß unsere Söhne der Armee einverleibt werden, wir sind bereit, Alles für ihn zu opfern, selbst unsers Lebens nicht zu schonen, unsern Glauben allein ausgenommen." „Ihr widerstrebt also noch immer dem Kaiser," versetzte jetzt der Oberst. „Ihr seid Rebellen und gehet sämmtlich zn Grunde, wenn ihr nicht eure Vorstände angebt. Macht cnch gefaßt anf die Knnte und auf Sibirien. Nie werdet ihr dann eure Weiber oder eure Kinder je wieder sehen. Wollt ihr also euch retten, so nennt eure Vorstände." Da riefen die Bauern: „Wir sind Alle Vorstände, denn wir Alle sind Katho- liken. Möge man uns peitschen oder nach Sibirien schicken; wir trennen uns dann wohl von unsern Weibern und unsern Kindern, nie aber von unserer heiligen Kirche." „Aber man bat euch ja doch auch in der unsrigen gesehen?" Auf diesen Einwarf noch tiefer sich verbeugend, fuhren die Männer fort: „Nehmt unsere Worte nicht ungnädig auf, hoher Herr. Wenn die ganze Versammlung hier von zwei Compagnien Soldaten mit gefälltem Bajonnelt umzingelt wäre, so könnte man dieselbe ebenso gut in einen Schweinstall hineintreiben, wie man nuS in eure Kirchen genöthigt hat. Ihr wißt eS, daß wir mit aller Kraft solcher Gewaltthat zu widerstehen versuchten. Wie viel Blut wurde an den Thüren eurer Kirche nicht vergossen, und unsere verstümmelten Hände von dort her, — wollt ihr sie sehen?" Der Gendarm sah bei solcher Rede zu Boden und schwieg. Die Popen hingegen erwiederten um so hochmüthiger: „Aber ihr habt ja doch communicirt?" „Ja, es ist euch gelungen, einigen von nnS mit der Spitze des Degens den Mund aufzureißen, und so eure Kommunion ihnen hineinznschieben. Aber soll eine auf solche Weise vollzogene Handlung, ohne Beicht, ohne nüchtern zn sein und ohne eigenen Willen eine Kommunion sein? Nein, nein, so hat euer schismatischer Gott nicht bis zu unserer katholischen Seele gelangen können." Einen Augenblick standen die Popen jetzt in Verlegenheit da; allein der schlankste unter ihnen, der Erzpriester Humilew, als Abgeordneter deS abtrünnigen Bischofs, nahm nnn eine ganz sanfte Miene an und sprach: „Wie sehr bedaure ich euch, meine lieben Kinder und eure Verblendung! Ihr seht uns doch vor euch, und ihr setzt noch Zweifel in uns! Habt ihr je daS Bild Jesu Christi geseben?" „Ja, das haben wir." „Nun denn, ist unser Bart nicht gerade so wie der scinige? Sind unsere Haare nicht ebenso gescheitelt wie bei ihm? Und unsere Kleidung, hat sie n cht viel Aehnlichkeit mit der seinigen? Ihr glaubt dieß Alles, seht es täglich vor euch, und dennoch könnt ihr euch nicht überzeugen von der Wahrheit unserer Religion! Welch bedauernSwerthe Lage!" Gewöhnliche Leute hätten bei diesen Worten kanm ein Lächeln unterdrücken können, aber unsere Leidensgefährten blieben ernst und antworteten in frommer und würdevoller Weise: „Ja, wir wissen eS, daß unser Herr einen Bart trug und lange Haare, und eure Kleidung mag einige Aehnlichkeit mit der seinigen haben. Wenn ihr aber keine andern Beweise für die Wahrheit eurer Religion habt, so bleibt dabei, lasset aber auch uns bei der mistigen in Frieden." So endete diese Versammlung. Gewaltthätig?, schmachvolle und grausame Behandlung sind also die Hauptgründe der Popen, die sie gegen die Katholiken anwenden, und womit diese auch am Schlüsse noch überhäuft, endlich entlassen wurden. Während aber die Polizei mit den Popen gemeinschaftlich auf neue Mittel und Wege sann, gelang eS der Schwester deS unglücklichen Vincent, Namens Mag» dalena, einem Mädchen von großer Frömmigkeit und seltenem Muthe, die bei der ersten Verfolgung schrecklich mißhandelt wurde, der Wachsamkeit der Polizei zu entschlüpfen und ein drittes Gesuch an den Kaiser abzusenden. Dieß war wohl auch das einzige, das in dessen Hände gelangte; denn bald darauf ordnete er in seiner Herzensgüte den Senator Szczerbicin ab, diese Religionsangelegenheit am Orte selbst inS Reine zu bringen. Seine Ankunft war auf den 12. Juli festgesetzt. II. Die Nachricht über das Eintreffen eines Abgeordneten des Kaisers selbst erregte in der ganzen Pfarrei große Freude und die Hoffnung, daß nun Gerechtigkeit geübt und ihnen die volle Freiheit in Ausübung ihrer Religion wieder gestattet werde. Allein diese Freude verwandelte sich nur zn bald in den tiefsten, ganz trostlosen Schmerz, als man nämlich in Erfahrung brachte, der in WitcbSk angekommene Senator habe dort zn verstehen gegeben, er sei nicht so fast zn dem Zwecke da, Gerechtigkeit auszuüben, als vielmehr das begonnene Unrecht erst ganz zn vollenden. Er wollte daher mit Beiscitesetzung jeden Anstandes sogar die Person des Adelsmarschalls selbst zu diesem seinem saubern Vorhaben mißbrauchen, dessen hohe Stellung eS schon 69 mit sich führte, Unterdrückte zu trösten und zu beschützen. Zu diesem Zwecke machte er ihm den Vorschlag, er möchte sich selbst nach Dzierzanowicze begeben, die dortige» Bauern für das Schisma zugänglich zu machen und denselben beizubringen suchen, daß eS der Wunsch des Kaisers sei, sie der griechischen Kirche einverleibt zu sehen. Der Marschall aber lehnte solch eine feindselige nnd entwürdigende Zumuthung als guter Katholik ab, und so sah sich der Senator gezwungen, die Mission selbst zu versuchen, die er auch wirklich damit begann, daß er den berüchtigten Obersten Losiew mit noch einem aus Petersburg mitgenommenen Herrn als seinen Vorläufer vorausschickte. Unterwegs stiegen diese beide Herren im Dominicanerkloster ZabielSk ab, nm den dortigen Pater Prior, Namens Dziegielski zu sprechen. „Man hat sie beschuldigt, sagte er zu ihm, daß Sie nicht etwa blos eine oder mehrere Personen, sondern eine ganze Pfarrei zur katholischen Religion zurückgeführt haben, daß Sie, den Regiernngsvorschriften zuwider bandelnd, in der Volkssprache Predigten hallen und Leute Beicht hören, von denen Sie nicht genau wissen können, ob sie der katholischen Kirche wirklich angehören oder nicht. Es ist das ein StaatS- Vcrbrechen, wodurch Sie die Aufhebung und Wegnahme des Klosters verwirkt haben. Und dieser Strafe können Sie nur entgehen, wenn Sie den begangenen Fehler wieder gut machen. Lassen Sie die Gelegenheit nicht nnbenützt vorübergehen. Sie wissen, daß der vom Kaiser abgeordnete Senator in drei Tagen in Dzierzanowicze eintreffen wird. Schicken Sie daher sogleich einige Ihrer Patres, namentlich den Prediger Mokrzecki, ab, mit dem Auftrage, daß sie den Willen Sr. Majestät kund geben und daS Volk zum Uebrrtritte in die griechische Kirche veranlassen." Der Vater Prior wies diesen Antrag kurzweg zurück. Nun stimmte der Oberst einen andern Ton an, und, als ob er für daß eigene Beste der Mönche ganz besorgt wäre, fuhr er fort: „Sie haben da ein hübsches Kloster mit einem großen Garten und einer weit ausgedehnten Fernsicht. Sollten Sie zur Erhaltung riues so schönen BesttzthnmS dem Kaiser zu Gefallen wirklich sich nicht zu dem verstehen wollen, was ich Ihnen so eben angeralhen?" „Ganz gewiß nicht", war die trockene Antwort des Priors. „Ihr seid also widerspenstig, rief jetzt der Obe. st entrüstet aas, und lehnt euch gegen den Kaiser auf." „Wir gehorchen unserm Kaiser, versetzte der Prior, Gott aber vor Allem." ^ Nachdem hier der Oberst auf solche Weise seine V rsuche gescheitert sah, begab er sich eiligst nach Dzierzanowicze, um dem Senator daselbst einen feierlichen Empfang zu bereiten. (Fortsetzung folgt.) Der PeterSpfennig. Seit den ältesten Zeiten der Kirche sinken wir unter den Gläubigen einen edlen Wetteifer in der Kundgebung der Achtung und Liebe zu dem apostolischen Siuhle. Diese Kundgebungen erneuerten sich insbesondere bei Entbehrungen, Leiden, Unglücksfällen, welche über den heiligen Stuhl hereinbrachen, und in allen Theilen der Welt hätten eS die Gläubigen für eine Schmach gehalten, wenn das Haupt der Religion, der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, den Nachtheilen des Mangels ausgesetzt und in seiner Amtsführung verhindert werden sollte. Und darum waren Fürsten und Völker beflissen, durch Gaben ihre hohe Achtung für den Nachfolger deS hl. Petrus auszudrücken und so zu der Erhaltung und Regierung der allgemeinen Kirche beizutragen. Die englischen Könige, welche mit ihrem Volke von Rom anS die lki^L-ikL 70 e. W W «', t- .1 W I ,Ä I'-r^ ^ liK-^ W 1 ^ 5 ^ lä-AÄ D i ^ Ä Gabe des Glaubens empfangen hatten, nehmen unter den vielen christlichen Fürsten, welche ihre Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen den römischen Stuhl mit frommen Gaben bezeichneten, einen der ersten Plätze ein, indem sie die ständige Abgabe des sogenannten PeterSpfcnnigS an den apostolischen Stuhl einführten. Offa, König von Mercicn (ch 796), hält man für den Urheber dieser Abgabe. Derselbe versprach dem hl. Petrus, dessen Fürbitten er seine Siege zuschrieb, für sich und seine Nachkommen eine jährliche Abgabe von 300 Mark und bekräftigte dieses Versprechen in Gegenwart der päpstlichen Legaten mit einem feierlichen Eide. Allmälig dehnte sich die Einrichtung des Peterspfennigs auf alle christlichen Staaten aus; z. B. Frankreich, Schottland, Dänemark, Schweben, Norwegen, Deutschland, Polen u. s. w. Seitdem jedoch der Papst feste Mittel deS Unterhaltes nnd das Nothwendige zur Bestreitung der Bedürfnisse in bleibender Weise erhalten hatte, traten diese Gaben zurück. — Die Revolution von 1849 beraubte den hl. Vater seines Besitzlhnms und suchte daS Werk der Jahrhunderte zu zerstören. Dieser Frevel aber bewirkte, daß die nicht gealterte Liebe der Gläubigen einen neuen Ausdruck fand. An die Stelle des entrissenen Staates trat wiederum die Gabe des Pelerspfennigs. Derselbe wurde zuerst in Frankreich und dann in der ganzen Welt gesammelt. Die Vereinigungen zur Einsammlnng der Gaben verbreiteten sich nicht blos durch Europa, sondern auch nach Amerika, Indien, China nnd den Philippinen. Jeder wollte nach seinem Vermögen beitragen, und selbst die Aermsten rechneten es sich zum Glück, den Heller zu opfern, welcher die F ucht^ ihrer Anstrengungen nnd ein Ecsparniß an ihrem armseligen Verdienste war. Selbst Andersgläubige nahmen an dieser Manifestation der Liebe Theil. So richtete ein gewisser Freitag aus Lübeck an den heil. Vater ein Geschenk von 30 Duc., begleitet von einem schölten Schreiben, dessen Schluß also lautet: „Gestatten Sie mir, heiliger Vater, daß ich, voll der tiefsten Ehrfurcht für Ihre geheiligte Person, fortfahre in meinen Gebeten für Sie zu Christus dem Erlöser, und würdigen Sie sich zum Entgelte meine Familie zu segnen, welche, obgleich lutherisch-protestantisch, über Ihr geheiligtes Haupt die reichsten Segnungen von der Hand unseres Vaters in dem Himmel herabflehek, der da ist die Liebe nnd Heiligkeit selbst." — Aus allen Theilen der Welt gelangten Briefe an den Papst, begleitet von Gaben, die um so kostbarer waren, weil sie, indem sie gegeben wurden, zugleich hinwiesen auf die Armuth der Geber nnd auf ihr Verlangen, mehr zu geben. Der PeterSpfennig hatte eine hohe Bedeutung. Er war nicht nur ein Act der Liebe und treuer Anhänglichkeit, sondern zugleich ein Protest der ganzen katholischen Welt gegen die Beraubung des Kirchenstaats und eine Manifestation für die völlige Unabhängigkeit deS kirchlichen Oberhauptes. Während die Revolutionäre in Rom die Beispiele Neros und Caligula's erneuert halten, erneuerten die Gläubigen in der ganzen Welt die Beispiele der ersten Christen. Und edel, wie die Gaben, war die Verwendung derselben. Plus IX. vereinigte r>en PeterSpfennig, statt ihn zu seinem eigenen Gebrauche zu verwenden, mit andern Summen seiner besonderen Bezüge, nnd widmete, nach seiner Wiedereinsetzung in den Besitz des Kirchenstaats, alles den wichtigen Werken des Unterrichtes, der Erziehung und Frömmigkeit, welche znm Theil jene Uebel heilten, die von den beweineuöwerthcn Schicksalen verursacht wurden, welche den Kirchenstaat verwüsteten. Die heutige Revolution ist eine Erneuerung der Revolution von 1849. Nur hat sie eine andere Form angenommen und sich dabei unter den Schutz von Fürsten gestellt. Sie erfreut sich der Protektion dessen, der sie vor einem Jahrzehnt unterdrückt hat. Sie ist um so gefährlicher, als dabei neue Principien zur Geltung gebracht werden, welche den Fortbestand sämmtlicher Throne in Frage stellen. Es wäre die größte Kurzsichtigkeit, wollte man annehmen, daß der heutige Kampf nur auf eine Einigung Italiens, und in Bezug auf den Kirchenstaat auf die LoStrcN- nung der Legationen abziele. Es ist vielmehr aus die Vernichtung der weltlichen 71 und geistlichen Sonverenätät des Papstes und auf die Zertrümmerung sämmtlicher Throne gerichtet. Das wird in der nächsten Zukunft immer deutlicher hervortreten. Je gefährlicher aber der Kampf ist, desto deutlicher muß sich die Gesinnung und Liebe der Gläubigen offenbaren. Dieselbe hat sich bereits in den Adressen kundgegeben. Das Christenthum will aber nicht eine Liebe, die sich mit Worten begnügt, sondern eine werkthätige Liebe. Lassen wir auch diese hervortreten. Wir können nicht für den hl. Vater in den Kampf ziehen, aber wir haben andere Waffen: Gebet und Liebesgaben. Beten wir für das Oberhaupt unserer Kirche und geben wir Gaben, durch welche wir den Beweis liefern, daß wir noch von den alten Principien des Gehorsams, der Treue und Liebe zum apostolischen Stuhle durchdrungen sind. Bereits in fast allen Diöcesen wird gesammelt. Insbesondere zeichnet sich das arme Irland aus. Die Diöcese Culm wird nicht zurückbleiben. Sie tritt freudig ein in den Wettkampf der Liebe. Wir fordern deßhalb alle Diöcesanen, insbesondere aber die hochw. Herren Seelsorger hiermit auf, diesem Mahnruf Folge zu geben und sobald als möglich Sammlungen zu veranstalte». Jeder, sei er weß Standes er wolle, kann und wird sich dabei beiheiligen. Der ganz Arme wird mit Frenden seinen Pfennig, der Wohlhabendere seinen Silbergroschcn, und der, welchen Gott mit irdischen Gütern gesegnet hat, wird nicht minder das Seinige thun, damit die Pfennige und Silbergroschen der Armen und Wohlhabenderen zu Thälern anwachsen. Die Redaction des katholischen Wochenblatts hat eS übernommen, die gesammelten Beiträge von Nah und Fern entgegenzunehmen, die Gaben durch das katholische Wochenblatt regelmäßig zu veröffentlichen und dieselben schlüßlich in die Hände unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs Joannes znr Weiterbeförderung nach Rom zn legen. Wir haben das feste Vertrauen, daß die Diöcese Culm nicht zurückstehen, sondern, wie so oft, auch hier beweisen wird, daß der alte, feste und treue kath. Glaube in ihr noch lebt und wirkt. (Kath. Wochenblatt der Diöcesen Culm und Ermlaud.) Ein protestantisches Urtheil über -ie weltliche Herrschaft -es Papstes. Der Protestant Wolfgang Menzcl spricht sich in seinem Literaturblatte Nr. 90 Jahrg. 1859 folgendermaßen über die weltliche Herrschaft des Papstes aus: „Man mag vom Priesterregimente im Kirchenstaate denken, wie man will, so steht doch die Thatsache fest, daß seit mehr als tausend Jahren alle Bemühungen und Kämpfe der Byzantier und Langobarden, der deutschen Kaiser und französischen Könige, der CrcscentiuS und Cola di Rienzi, alle Eroberungen Roms durch fremde Truppen, aristokratische und demokratische Revolutionen Roms, alle Vertreibungen, Gefangeu- nehmnngen und Ermordungen der Päpste am Bestände deS gateimonium kolri nichts verändert oder dasselbe nur vermehrt, nie verringert haben. Ferrara z. B. ist eine noch ziemlich neue Acquisition deS Kirchenstaates. Diese erstannungswürdige Zähigkeit des Kirchenstaates aber erklärt sich ganz einfach aus dem welthistorischen Charakter der römischen Kirche. Diese Kirche kann nie gleich der byzantinisch-russischen Staa^skirche von einem weltlichen Monarchen abhängig sein; sie stand daher das ganze Mittelalter hindurch, so l nge es nur Einen Kaiser gab, demselben gegenüber. Seitdem neben dem deutschen Kaiserthnme Frankreich und nachher auch Spanien sich selbstständig zu immer mächtigern katholischen Großstaaten erhoben, wurde es vollends unmöglich, den Kirchenstaat zu säcnlarisiren und den Papst zum Unterthanen eines weltlichen Herrn zu machen, weil, wenn er Unterthan deS einen hätte werden sollen. es die andern nicht geduldet hätten. Der Kirchenstaat kann aber auch nicht wesentlich verkleinert und aus das nächste Gebiet der Stadt Rom beschränkt werden, weil er dann gegenüber den Nachdacen absolut zu schwach wäre. Der Kirchenstaat ist eine Bedingung deS Bestandes der katholischen Einheit nnd weil es mehre kath. Großstaaten gibt nnd die romanischen Volker fast ohne Ausnahme, die demschen zum großen, die Slaven zum kleinen Theile Katholiken sind und jener unzerstörbaren Einheit angehören, so wird der Kirchenstaat bestehen bleiben trotz aller napoleonischen Ideen, trotz aller Congresse, trotz aller Mazzini und Garibaldi und trotz aller Beschwerdeführungen deutscher und englischer Akalholiken." So spricht sich Menzel aus, ein Mann von Verstand nnd von klarem historischen Urtheil. Kirchliche Nachrichten. AnS der badischen Pfalz, 29. Jan. Es wird in der Pfalz ein sog. „Himmelsbries" verbreitet, welcher so voll des abergläubischen, gotteslästeilichen Unsinnes ist, wie wir noch selten etwas gelesen haben. Es heißt unter Andern: darin: „Der Brief sei 1805 auf dem Grabe des Herrn gefunden worden, worauf ihn der Papst dem Kaiser geschenkt habe; ferner Goit selber habe den Brief eigenhändig geschrieben, wer nicht da--an glaube, solle nicht selig werden; wer ihn bei sich trage, der sei ganz sicher vor Hauen, Stechen Schießen, Pestilenz u. s. w," Der Pilger erfüllt eine christliche Pflicht, wenn er darauf aufmerksam macht, daß alle die, welche solche abergläubische Dinge drucken und verbreiten, von der katholischen Kirche mit strengen Strafen bedroht werden. Daraus gebt auch unzweideutig hervor, daß solche Dinge unmöglich von katholischen Priestern ausgehen, wenn ihre F inde eS auch tausendmal behaupten. Gerade dieser unsaubere Himmelsbrief liefert den Beweis deS Gegentheils, denn er ist aus einer frei maurerischen Druckerei in Mannheim hervorgegangen. Wir dürfen nun billiger Weise fragen: was veranlaßt die Gegner der Kirche solches zu drucken? Der wahre Grund wird kein anderer sein, als die Schuld der Sache den katholischen Geistlichen in die Schuhe, den Verdienst abec in die eigene Tasche zu schieben. Milde Gaben für die Mission in Perleberg. Wir haben, nicht wie wir in Nro. 5 angekündigt haben, 126 fl. 11 kr., sondern blos hundert Gulden an baarem Gelde und eine große Schachtel mit Paramenten für die Mission in Perleberg an den Hrn. Misfions-Vicar Müller in Berlin abgesandt; eS verbleiben also in Casse noch 26 fl, 11 kr., seither ist neu hinzugekommen 5 fl. und 1 fl., also in Summa 32 fl. 11 kr. baar Geld. Herr Missions-Vicar Müller hat den richtigen Empfang der 100 fl. in dem von ihm redigirten „Märkischen Kirchenblatte" Nro. 7 abqnittirt nnd schreibt uns in einem Briefe hierüber noch folgende Zeilen: „Gott vergelte tausendfach die schöne Sendung für Perleberg. Das Geld hat großen Trost gebracht und den armen Leutchen über den Berg hinweg geholfen, so daß die Mission daselbst gesichert ist. Selbst kirchliche Grwänder sind ziemlich ausreichend, so daß man von der Augsburger Sendung auch andern, hungriger» Staiionen Brocken zuwerfen darf." Von H Für den heiligen Vater. 1 fl. — kr. Redaction und Verlag: Dr. Mar Huttler. — Druct von I. M. Kleinle.