AngMgtt ZmtigMtt. Hr 1«. 4. März 1860. Das NugSburger SonntaaSblatt (Sonntags-Beiblatt rur AugSburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonncmentspreis ist 20 rr«, wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. R o,n. Altes Rom, es ging oft sausend, brausend, Völkerfcgend durch die alte Welt; Doch du stehst dein drittehalb Jahrtausend, Alles ist, nur du bist nicht zerschellt. Standest einst an vieler Völker Wiegen, Deren Sein und Namen längst dahin. Neue sind dann trotzig aufgestiegen, Um auch schnell in's Meer des Nichts zu zieh'n. Altes Rom, wie hat man dich gerüttelt! Zwei Jahrtausend heißt du schon verfault; Doch die Vielen, die an dir geschüttelt, Haben längst, ja längst schon ausgcmault. Brechen wollten dich die nord'schen Stämme, Doch du brächest der Germanen Kraft, Und wir stecken jctzo in der Klemme, Aus der du dich lachend aufgerafft. Ach seit unsern starken Hohenstaufcn, Herrn der Freiheit, fast des neuen Lichts, Kommen nun die Knaben angelaufen, Raufen, zanken um ihr eitles Nichts. Doch du, das die alte Welt durchschnobcrt Und gefesseltdurch — wodurch? — deinHaupt, Hast die neue Welt dazu erobert, Und es glauben, die noch nie geglaubt. Altes Rom, dir brachte keinen Schaden Kein Napoleon noch Attila. Wir auch werden Fluch nicht auf uns laden, Attilas sind, denk' ich, auch nicht da. Meiden d'rum werd' ich mit Rom zu brechen. Denn mir sagt es Der, der ohne Wank: Deine Segen wirst du lang noch sprechen, Wenn manch' jctz'ges Herrlein längst versank. Neue Völker wirst du kommen sehen, Deinem Blick' ein längst gewöhntes Spiel; Denn im Völkerglauben wird bestehen, Was durch Völkerfehde halb zerfiel. Fels bleibst du, an dem die Wogen brechen, Und des Heilands Wort blieb wahr bis jetzt. Und wie auch Kleinköpfe sich erfrechen, Haupt bleibst du, weil dich der Herr gesetzt. Zwar wird einst auch deine Stunde schlagen, Altes Rom, im altgewordnen Zwist. Doch wer wagt, ihr Klugen, eS zu sagen, Was dann von der Welt noch übrig ist? Die ehrwürdige Maria Christina von Gavoyeu, Königin beider Sicilien. (Livillä cattolica.) (Uebersrtzung ocr Katbol. Blauer aus Tirol.) (Schluß.) Diese zarteste Rücksicht für den fremden Ruf, obwohl oft durch die Gerechtigkeit geboten, wird durch die Nächstenliebe eigentlich noch behutsamer, und führt so anf natürlichem Wege zu jener Wohlthätigkeit, wodurch die fromme Königin nicht nur der Trost und die Hilfe der Armen, sondern auch den Reichen ein so nachahmuugs- In kDÄ -- 74 würdiges Beispiel geworden ist. Zahlreich sind die Zeugen, welche bestätigen, daß sie nie eine Fürbitte für Bedürftige gethan hätten, ohne daß diese reichlich von ihr unterstützt worden wären. Die Vertrautheit mit ihren Damen, mit einigen Kavalieren, und besonders mit ihrem Beichtvater bot ihr das Mittel, ihre Wohlthaten zu verberge», und dennoch selbe durch ebensoviele Kanäle zu verbreiten, welche in die unbekanntesten Theile der bevölkerten Hauptstadt sich ergossen, alle aber im Herzen der mildthätigen Königin, wie in einer unversiegbaren Quelle, ihren Ursprung hatten. Man sagte, daß sie jährlich nicht weniger als dreißigtausend Ducati vertheilte, und von den 300,000, welche sie selbst mitgebracht, fand man nach ihrem Tode nur sieben oder acht, welche sie ebenfalls schon zu wohlthätigen Zwecken, wie die andern alle, bestimmt hatte. Und dennoch fühlte sie oft aus Liebe zu ihren Armen selbst das Erröthcn der Armuth; obwohl sie nie zögerte, bei'm König um neue Mittel zu Unterstützungen zu bitten, so geschah eS doch, daß ihr einmal drei Bittschriften für Bedürftige vorgelgt wurden, als sie nur nenn Ducati besaß; mir einer Schamröthe, welche den Schmerz, nicht mehr spenden zu können, ausdrückte, sagte sie: „Wie werde ich ich aber nur so wenig geben können?" Da ihr Wohlthätigkeitssinn durch die echte, evangelische Liebe geleitet wurde, so entzündete er sich noch feuriger, wenn sie nebst dem körperlichen auch dem geistigem Elende abhelfen oder vorbeugen konnte, obwohl sie von den Bosheiten und dem Sündenwuste der Welt selbst so wenig wußte, daß sie in ihrer Unschuld ganz verwundert den Beichtvater befragte, wie es möglich sei, daß durch ihr Almosen vielleicht eine Todsünde verhütet werden könne; und daß, als ihr der König eines Tages sagte, sich bei'm Ausführen zu beeilen, damit der Kutscher nicht zu fluchen beginne, sie vor Schrecken ganz blaß wurde. Eine jede Beleidigung Gottes war für sie ein Gräuel; deshalb übte sie auch mit Vorliebe jene Wohlthätigkeit, welche nebst der Wohlfahrt des Leibes auch jene der Seele im Auge hat; diesem Umstände ist gewiß auch jene mütterliche Sorgfalt zuzuschreiben, welche sie bis an ihr Ende fünfzig armen Waisenmädchen zuwandte, welche sie zur Danksagung gegen Gott für ihre glücklich erfolgte Entbindung, dem Elende und der Verlassenheit entrissen, und in einem Konservatorium in der Furcht Gottes erzogen haben wollte. Das letzte Wort jener Seligen auf dem Sterbebette, welches sie dem Könige, als er mit unsäglichem Schmerze von ihr Abschied nahm, noch zuflüsterte, war eine Fürbitte für diese ihre geliebten Töchter. Und dieser hehre Augenblick kam für Maria Christina leider bald, zu bald für Alle, die sie umgaben, nicht so sehr für sie selbst, welche ihre Liebe und ihre Hoffnungen schon einem bessern Vaterlande zugewendet hatte. Sie hatte auch von der Stunde ihres bevorstehenden ScheidenS eine so sichere nnd klare Vorahnung, daß man solche kaum für etwas Anderes als für eine himmlische Eingebung halten darf. Obwohl stark und gesund wie immer vorher, gab sie gegen Ende December 1835 einer ihrer Schwestern ganz bester hievon Nachricht, und sendete einer andern gleichsam als Vermächtniß eine Kleinigkeit, welcher den Werth für Beide nur die kindliche Liebe gab, da eS eine Arbeit ihres Vaters war. Sie schrieb wirklich in folgenden Ausdrücken: „Diese Alte (so sprach sie von sich) geht jetzt ihrem Grabe entgegen. Ich komme zu meiner Entbindung nach Neapel, aber auch um dort zu sterben. Ja, ich werde sterben, nnd will meiner Marianna (der Kaiserin von Oesterreich) das Liebste hinterlassen, was ich besitze." Und in der That, es war eine Prophezeiung! Am ersten des darauffolgenden Jänners gab sie ihrem Erstgeborenen, der Franz von Assist getauft wurde, das Lebe», und wurde in Folge der schweren Geburt von einer unheilbaren Krankheit befallen. Wie viele nnd inbrünstige Mbete, private und öffentliche, in der volkreichen Stadt während der Woche, als selbe dauerte, Gott dargebracht wurden, sobald sich die Nachricht hievon verbreitete, und welch' allgemeine Bestürzung entstanden, als die Gefahr sich vergrößerte, mag Derjenige erzählen, der von ihr eine ausgedehntere Lebens- 75 beschreibung zu liefern unternehmen wird. Wir beschränken uns nur darauf, zu erwähnen, daß die allgemeine Meinung, welche sie nicht nur als sehr tugendhaft, sondern als heilig erklärte, bis zu ihrem letzten Athemzuge herrschend war. Beim höchsten Schmerze aller Derjenigen, die um sie waren, blieb sie allein heiter, gefaßt und vergnügt, während ihre Gedanken zwischen den lieben Zurückbleibenden und dem himmlischen Vaterlande schwebten, dem sie sich mit voller Zuversicht näherte. Von jenen erbat sie sich Verzeihung, weil sie fürchtete, nicht immer gutes Beispiel gegeben zu haben; nach diesem sehnte sie sich so innig, daß sie es kaum erwarten konnte, bis sie dahin gelangte. Unter diesen Liebessenfzern schien sie ganz auf den traurigen Abschied zu vergessen, welcher allen Anwesenden das Her; zerriß, und die Augen mit Thränen schwellte bei dem Anblicke einer jungen, schönen, blühenden, geliebten Gattin und bewunderten Königin, welche nun am Rande deS Grabes stand, und nur die herben Schmerzen der Mutter kostete, ohne den Trost gehabt zu haben, sich von der theuren Frucht ihres Leibes gekannt und geliebt zu sehen. Als aber, gefolgt von der ganzen königl. Familie, daS Allerh. AltarSsacramcnt in ihr Zimmer gebracht wurde, um es ihr als Wegzehrung zu dieser letzten Reise zu reichen, erhob sich die Sterbende mit solch' himmlischer Andacht, daß ihre Züge allen Anwesenden von dem Widerscheine jenes Himmels verklärt zu sein schienen, der sich schon über ihrem Haupte öffnete, um die am Ziele der Pilgcrschaft ange- langle Seele aufzunehmen. Bevor sie jedoch diesen erhabenen Flug begann, hatte sie noch eine letzte Aufgabe auf Erden zu erfüllen, nämlich ihrem einzigen vielgeliebten Kinde, welchem das Leben zu geben sie, dies engelgleiche Wesen, diese denkwürdige Zierde und Vorbild, von der Vorsehung eigens auf den Thron Neapels erhoben zu sein schien, einen Kuß aufzudrücken. Wer Neapel in der Woche zwischen dem Tode und der Leichenfeier Maria Christiuens, und noch mehr am Tage derselben nicht gesehen, kann sich keine Vorstellung von einer großen, lärmenden, kaum erst wegen der Geburt eines Kronprinzen von Festlichkeiten und Freudcnbezengungen erfüllten Stadt machen, welche auf einmal in eine so unaussprechlich tiefe Trauer versenkt war, als ob Alle und jeder Einzelne eine liebe Schwester oder eine theuere Mutter verloren hätten. Ei» fortwährendes Stöhnen, von Seufzern, Thränen und Schluchzen unterbrochen, welches beinahe die langsamen Glockenschläge und die traurigen Harnionieu der Mnsikbanden übertönte, begleitete den Sarg arn dem langen Wege, der von der Burg zur Kirche Saum Chiara führt, wo sich die Grabstätten der königlichen Familie von Neapel befinden. Und wir, die wir davon Zeuge gewesen, erwarten mit fröhlicher Zuversicht jenen, vielleicht nicht fernen Tag, au welchem, nachdem die Kirche jener Tugcndhcldin die Ehren der christlichen Apotheose wird zuerkannt haben, ihre Reliquien im Triumphe durch dieselben Straßen und unter den festlichen Anrufen eines gläubigen Volkes, das schon gewohnt ist, vor ihrer Urne nicht ohne Erhörnng zu bereu, getragen sein werden. — Die Bedrückungen der Katholiken in Polen« (Fortsetzung.) G Der Unheil verkündende Tag nahte heran, und man versammelte daS Volk vor dem Schlosse, das zur Wohnung für den Senator hergerichtet war. Nach bangem Harren, denn hohe Herren lassen gerne lange auf sich warten, nahte endlich ein unabsehbarer Zug von Popen, Gendarmen und Polizcibeamten, und mitten unter diesen im höchsten Glänze und in voller mit Orden bedeckter Uniform der kaiserliche Abgeordnete. Endlich hielt der Zug. Es herrschte eine Ruhe und Stille, als ob man kaum zu athmen wagte. Da richtete der Senator in feierlichem aber sehr herablassendem Ton folgende Worte an das brave Volk: „Meine lieben Leute, ihr habt an unsern Kaiser Alerander, erhabenen Sohn deS Kaisers Nikolaus, die Bitte gerichtet, daß er euch erlaube, katholisch bleiben zu dürfen. Ick muß euch in seinem Namen erklären, das dieß nicht möglich ist; denn Se. Maiestät Alerander II. hat bei Besteigung des Thrones seines unsterblichen Vaters Nikolaus l. geschworen, die orthodore Religion zn beschützen und weiter auszubreiten. Der Monarch selbst mit der ganzen kaiserlichen Familie bekennt sich hiezu, und also sollet auch ihr dieselbe annehmen. Es ist das der Wille des Kaisers, folglich auch der Wille Gottes selbst; denn Gott regiert die Welt, und der Kaiser herrscht an Seiner Statt über sein Volk. Was also der Kaiser befiehlt, das ist auch zugleich Gottes Befehl, und wer immer dem Kaiser sich widersetzt, der ist von Gott verflucht. Der Kaiser aber will, daß ihr zur griechischen Religion euch bekennet, also will auch Gott selbst, daß ihr ein Gleiches thuet." „Nein, Nein schrie jetzt das Volk laut auf, in heftiges Weinen und Schluchzen ansbrechend. Das kann Gott nicht wollen, und auch wir, wir können eS nicht. Es ist doch den Juden, Türken und Protestanten gestattet, Gott nach ihrer Weise zn verehren. Man lasse also auch nnS die Freiheit, den Gott unserer Vater anzubeten und ihm nach unserer Art zn dienen. „Es ist vergebens, meine lieben, guten Leute, noch länger zu widerstreben. Ob ihr wollt oder nicht wollet, ihr müßt orthodor werden. Ich wiederhole eS euch noch einmal, eS ist des Kaisers unabänderlicher Wille, also auch Gottes Befehl. Laßr euch nicht länger mehr durch die Dominicaner hinhalten. Aas diesen haftet bereits die volle Ungnade Sr. Majestät. Euer aufrichtigster und bester Rathgeber ist euer Kaiser, und in seinem Namen und an seiner Statt stehe ich vor euch und spreche zu euch." Bei diesen mit besonderin Nachdrucke ausgesprochenen Worten rief eine Stimme muten aus der Umgebung des Senators: „Auf die Kniee vor des Kaisers Stellvertreter! Auf die Kniee! Die ganze Versammlung verneigte sich in Folge dieser Aufforderung zwar ehrfurchtsvoll vor dem Senator, aber weiter nichts. Da schrien sämmtliche Popen auS vollem Halse: „Ehrt man so den Kaiser in der Person seines Abgeordneten? Augenblicklich werfet euch vor dem Senator auf die Kniee und küsset ihm die Hand." Das Volk, das über die Bedeutung dieser Aufforderung nicht recht klar werden konnte, blieb ruhig stehen. Da fiel die ganze Umgebung des SenatorS, mit den Popen an der Spitze, über die guten Leute her, und schleppten sie eines nach dem andern zn den Füssen des SenatorS. Dieser reichte ihnen dann seine Hand dar zum Kusse, und er selbst küßte hierauf jeden auf die Stirne, zum Zeichen, daß er sie nun als orthodor betrachte. Alle die mit einem Kusse begnadigt, hiednrch gleichsam das Siegel ihres UebcrtrittS aufgedrückt erhielten, wurden sogleich auch als orthodor angesehen und dem Senator auf die rechte Seite gestellt, ihre Namen in ein bereit liegendes Buch eingetragen und so dessen Inhalt mit einer neuen Lüge vermehrt. Die zuletzt ankamen, merkten aber die teuflische List, und widerstanden aus Leibeskräften jolch schmachvollem Vorgehen. Es waren aber nur mehr ihrer acht. Mit diesen wurde als Rebellen auf ähnliche Weise verfahren, wie wir bereits gelesen haben. Zuletzt sperrte man sie in einen Schweiustall ein. Der Senator fühlte sich indessen ganz glücklich über solch guten Erfolg, und um seine Frende und seine Zufriedenheit hierüber kund zu geben, lud er die Bauern ein, am andern Tage in die russische Kirche zur Kommunion zn kommen, und ließ ö Rubel, etwas über 9 st., als Trinkgeld unter sie vertheilen. Das ist aber nicht der einzige Zug edler Freigebigkeit dieses Senators; wir wollen hier noch eines solchen Erwähnung thun. Als ein Bauer anS dem Dorfe des Hrn. Niedzwiccki, wegen Widerstandes gegen das Schisma vorn Assessor Zwierow halb todt geprügelt, vor dem Senator erschien und, ihm seine entlößteu Schultern weisend, die so zerschlagen waren, daß die nackten Knochen hervorstanden vud die blutenden 77 Fleischfetzen ringS herabhingen, über solche Mißhandlung Beschwerde führte, hatte der Senator keine andere Antwort hierauf, alS: dergleichen Beschwerden seien hier ganz nnd gar am unrechten Platze, und warf ihm zur Linderung einen Rubel hin. Die Bauern von Dzierzanowicze waren unterdessen übereingekommen, dem Senator seine 5 Rubel wieder zurückzugeben, nnd gingen auch nicht in die Kirche. Vergebens wartete er immer, wollte jedoch selbst keine Gewalt anwenden, und kehrte nach Witebsk zurück, in der Erwartung, dort ausgedehntere Erfolge zu ernten. Er hatte ein zu weiches Gemüth, als daß er hätte Blut fließen jehen können. Es hätte ihm dieß vielleicht auch noch mehrere Rubel entlockt. Das überließ er daher andern, die weniger zartfühlend waren, wie wir gleich vernehmen werden. Bereits am Eingang unsers Berichtes haben wir gesagt, daß die Ortschaft Dzierzanowicze ein Besitzthum des Herrn Anton von Korkak ist, eines Abkömmlings aus einer hohen adeligen Familie, die für den Glauben und das Vaterland schon große Verdienste hatte. Dieser, seiner Ahnen ganz unwürdige Sprößling, hatte aus Feigheit noch im Jahre 1842 der russischen Regierung die Versicherung gegeben, er werde alle seine Unterthanen znr Abtrünigkeit zu bringen suchen. Es ist unbekannt, aus welchem Grunde und um welchen Preis er eine so strafbare Verbindlichkeit eingehen konnte. Als nun der Senator in Witebsk ankam, ließ er den bedauernswerthen Gutsherrn zu sich rufen, erinnerte ihn auf sein gegebenes Versprechen, und sagte ihm, jetzt sei der Augenblick da, seiner eigenen Unterschrift Ehre zu machen. Hr. von Korkak schützte Krankheit vor, erklärte jedoch mit Zustimmung des Senators seinen Verwalter, Namens Zacnowski, als ganz hiezn geeignet, zu seinem Stellvertreter. Dieser Elende war früher Polizeibeamtec, besaß sehr einschmeichelnde Manieren, hatte aber einen niederträchtigen Charakter. Da sein ganzes Streben ohnehin nur auf Geldgewinn ausging, gleichviel aus welche Weise dieß geschehen konnte, so war er ganz der Mann zur Uebernahme einer solchen Rolle. (Schluß folgt.) Arm und Reich.*) Vl>» Karl Beycrl. (Fortsetzung.) „Den 18. August 1848. Heute leitete mich Hedwig zu der Unglücklichsten, die ich je gesehen: eine junge Frau, Wittwe eines braven Mannes, Mutter eines schönen Kindes. Vor einem Vierteljahre trat der Mann gesund und blühend eine Reise an; in wenigen Tagen wollte er zurückkehren. Wochen verginge», er kam nicht wieder. Endlich erhielt sie durch die Gerichtsbehörde die furchtbare Nachricht, ihr Gatte sei unfern vom Ziele seiner Reise ermordet worden. Seitdem ist sie krank an Leib und Seele, der Anblick ihres kleinen Heinrich, sonst das Entzücken der Mutter, entlockt ibr Thränenströme, denn das holde Kind trägt die Züge seines unglücklichen Vaters. Sie empfing mich kalt; o könnte ich ihr Vertrauen noch gewinnen! Ihr Schmerz ist namenlos, ihr Gatte war ein vortrefflicher Künstler und Mensch, der zärtlichste Gatte und Vater. O sie ist sehr krank, so blaß, so abgezehrt, die Augen haben einen so ergreifenden, schon überirdischen Glanz." *) Berichtigung. Im Sonntagsblattc Nro. 8- ist in der Erzählung „Arm und Reich" ein unangenehmer Verstoß unterlaufen. Das Capitel Nro. II. wurde nur zum Theil den verehelichen Lesern mitgetheilt, zwei ganze Seiten wurden übersprungen. Dieses Ausgelassene, das zum II. Capitel gehört, und aus Seite 62 nach „des Friedens und der Freude erhellen" hingedacht werden mögen, geben wir in der anliegenden Beilage, welche mit Seite 62° und 62 numcrirt ist. Wir bitte» dieses Versehens wegen um gütige Entschuldigung, Die Redaction des Augsb, Sonntagsblatts. M 1^4 D»sz D »S/ > ' 78 Agnes hielt inne und blickte den Doctor fragend an. „Ich kenne sie," sagte dieser, „die Arme eilt ihrem Gatten zu!" Agnes fuhr fort zu lesen: „O könnte die BcdaneruSwertheste noch gerettet werden! Und wenn dieß nicht möglich, möchte es mir vergönnt sein, ihre letzten Tage friedlich zu machen, ibrem Kinde eine zweite Mutter zn werden, ihm einen zweiten gmen Vater zn geben! Mit schwerem Herzen gingen wir heim. Jetzt vor Schlafengehen, da ich diese Zeilen schreibe, liegt all' das Leid, das ich gesehen, vor mir, als hätte ich cS selbst durchgekämpft, meine Seele trauert, aber um keinen Preis, nicht um die schönsten Empfindungen meiner glücklichsten Stunven gäbe ich das wehmuthreiche Gefühl, das mich jetzt durchdringt. Ich habe meinen Beruf erkannt. Möge Gott und die heilige Jungfrau mir bcistehen, daß ich meine Sendung erfülle!" Agnes schloß das Tagbnch. Arthur zog sie zärtlich in seine Arme und sprach mit Fencr: „Erfülle deinen himmlischen Beruf nnd liebe! Ich will mit dir streben und handeln, nnd «Niere Ehe sei fortan ein Bund mit dem Herrn!" Helfer sagte mit väterlichem Händedruck; „Fahren Sie so fort, liebes, gutes Kind! Nehmen Sie anch meinen Beistand an! Den Arzt macht seine Kunst znm Freunde der Armen wie der Reichen; vor Allem lassen Sie nnö aber auch mit den Geistlichen dieser Stadt sprechen, sie machen reiche Erfahrungen, besonders an den Betten rcr Kranken und Sterbenden, und freudig werden sie uns Rath und Beihilfe leihen und Gottes Segen aus Ihr edles Vorhaben herab flehen." „Ja, fahre so fort," sprach Arthur. „Als Knabe dachte ich mir einst hehre Menschen unter dem Chalifen Harun al Raschid nnd seinem Großwessir, wie sie nächtlich die Stadt durchwanderten nnd das Unglück kennen lernten und wie Götter Hilfe brachten. Du wirst mit deinem guten Herzen Größeres wirken als dcr Chalif." Agnes blickte ihn dankend an. „Wenn du Alles wissen wirst, was mir Hedwig erzählte, wie sie mich leitet, da wirst sie hochachten," sagte sie bescheiden. „Willst du nicht deinen Großwessir rufen lassen?" fragte Arthur lächelnd. „Ich will unsern Garten bedeutend vergrößern, nnd wir müssen nun einen eigenen Gärtner haben, diese Stelle habe ich Hedwigs Gatten zugedacht, das Häuschen dort im Park wird groß genug für die Familie sein." Dankend eilte Agnes fort, um den.Beglückten die frohe Kunde zn brsngcn. Nach acht Tagen waren sie wieder beisammen. Agnes hatte ein holdes Kind anf dem Schoße. Die unglückliche Knnstlcrswittwc war ihrem ermordeten Garten gefolgt nnd Agnes hatte der Waise einen guten Vater, - eine gute Mutter gegeben. Nicht bloß Agnes, aach Arthur nnd der Doktor hatten dicßmal zu erzählen. Alle waren mit ihren Erfolgen zufrieden. Manche edle That, manche neue wohlthätige Einrichtung wurde in der Stadt schon laut gepriesen, ohne daß man noch die Urheber kannte. Auch unter befreundeten Herzen hatten sie schon mächtig gewirkt, und wie Arthur und Agnes als die Sterne der höheren Gesellschaft diese mit ihrer Liebes- begeisternng entzündeten, so thaten cS die gute Hedwig und ihr dankbarer Gatte in ihrer Sphäre, und Helfer wirkte erwärmend nnd erleuchtend in seinem alle Kreise umfassenden Berufe. Dadurch gewann das Lebe» nm sie her allmälig eine schönere Gestalt, die Nächstenliebe brach den Trotz und Neid der Besitzlosen und lehrte sie Gegenliebe und Dankbarkeit, und die Reichen und Vornehmen wandelten nicht mehr wie hochmüthige feindliche Wesen durch die Reihen der Niedrigen, sondern als hohe Menschen geehrt und geliebt. Nach Jahresfrist war viel, unermeßlich viel geschehen. Zwei goldene Sätze waren zur Wahrheit geworden: „Es kommt nicht darauf an, was du bist, sondern wie du es bist." Diese Worte, von den hervorragendsten Menschen thatsächlich anerkannt, lehren alle Stände sich gegenseitig nach ihrem inneren Werthe achten, und das höchste Gebot: „Liebe Gott über Alles, deinen Nächsten wie dich selbst!" bezeichnet Allen die unfehlbare einzige Bahn zum irdischen und ewigen Heile. 79 Agnes aber hatte sich seit dem Anfange ihres Wirkens einen Namen erworben, der ihr bleiben and noch einst am großen Tage des Weltgerichtes für sie zeugen wird, den hehren Ehrennamen: die gute Frau. (Schluß folgt.) Ein paar „Stückchen" vorn guten Pins IX. Eines TageS schlich sich in das Vorzimmer der apostolischen Gemächer des VaticanS in Rom ein kleiner Knabe in ärmlicher, aber reinlicher Kleidung. Die Wachposten wollten ihn abweisen; aber der Kleine bestand darauf, er wolle zum Papst. Während dieses Zwiegespräches kam ein Kammerherr des heiligen Vaters in das Zimmer. Auch dieser sachte dem Knaben begreiflich zn machen, daß hier seines Bleibens nicht sein könne. Als dieser aber inständig in den Kammerherrn drang, er möge ihn doch nur einen Augenblick zum Papst lassen, hieß ihn letzterer endlich warten und ging fort, um dem heiligen Vater den Vorfall gleichsam zum Scherze zu erzählen. Pins IX. befahl sogleich, den Knaben vor sich kommen zu lassen. Er wurde gerufen. „Was willst du hier, mein Kind?" fragte der Papst in väterlichem Tone. — Ohne die mindeste Verlegenheit antwortete der offene Junge: „Ich möchte gern studieren, meine Eltern können mir aber keine Bücher anschaffen, und wenn ich sie darum er- suche, sagen sie allemal, der Papst werde sie mir kaufen. Aber es dauert so lange, bis ich sie bekomme; da wollte ich denn einmal selbst gehen und sehen, woran es hält." — „Wie viel Geld hast du nöthig?" — „Ungefähr fünfzig Paoli!,, (Etwa zwölf Gulden.) Der Papst lächelt und besiehst dem Kammerherrn, dem Knaben zwei Scudi, d. h. zwanzig Paoli, zn geben. Der Junge nimmt das Geld, schaut aber trübselig bald die zwei Scudi, bald Pins IX. an. Endlich platzt er heraus: „Entschuldigen Sie, heiliger Vater! dafür kann ich mir die Bücher nicht kaufen." Mit der Miene des höchsten Wohlwollens reichte ihm nun der Papst zwei Goldstücke im Werthe von fünf Scudi jedes. Der Knabe staunte nicht wenig (denn jetzt hatte er die erbetenen fünfzig Paoli) und eilte, vor Freude fast den Dank vergessend, fort. Ihm folgte ein päpstlicher Kammerdiener mit dem Auftrag, das Bürschchen nicht aus dem Auge zu verlieren, auf dein Fuße nach und kehrte mit Kunde zurück, der Kleine sei zuerst zum Buchhändler gelaufen und habe dann die Bücher sammt dem kleinen Rest deS dafür bezahlten Geldes seiner armen Mutter treulich überbracht. Dadurch wurde PinS für den glücklichen Knaben noch mehr eingenommen und wies ihm einen monatlichen Gehast an, wodurch dieser tu den Stand gesetzt wurde, seine wissenschaftliche Laufbahn fortzusetzen. Ein solcher Fürst, der mit so viel Geduld und Herablassung die einfältigsten Bitten der ärmsten Unterthanen hört und erhört, kann doch nicht der unfähige Regent sein, als welchen ihn die Kirchenfeinde ausgeben, sondern muß das Herz am rechten Fleck haben und seine ganze große Familie mit desto größerer Liebe umfangen, da er schon die Einzelnen und Kleinsten so liebevoll behandelt. Item muß er kein abgesagter Feind der Aufklärung sein, da die Wohlthat zum Ankauf von Schulbüchern bestimmt war. * Im Sommer des Jahres 1847 sah Papst Pius IX-, als er ansfnhr, in einer Straße RomS einen alten Mann ohnmächtig anf dem Boden liegen. Der edle, menschenfreundliche Papst ließ sogleich halten nud anf sein Befragen, wer der Arme sei, antwortete Einer aus der gaffenden Menge: „Es ist nur ein Jude!" Unwillig über diese lieblose Antwort, stieg der hochherzige Pius aus, half eigenhändig den Ohnmächtigen in den Wagen heben, fuhr mit ihm nach seiner Wohnung, schickte ihm unverzüglich seinen Leibarzt und sorgte für die nöthige Verpflegung. DaS Oberhaupt der katholischen Kirche ist also auch tolerant, duldsam gegen Andersgläubige. Freilich ist er eS nicht in dem Sinn, wie die Ungläubigen eö verstehen: er denkt nicht, es wäre einerlei, ob man Jude oder Christ, Protestant oder Katholik sei. Eine solche Gesinnung heißt aber auch nicht „Toleranz," sondern „Gleichgültigkeit im Glauben." Die wahre Toleranz verwirft und verabscheut den Irrthum, liebt aber den Irrenden und hilft ihm in der Noth. In diesem Sinn ist der Papst tolerant und jeder Katholik, auch die „Jesuiten und Ultramoutanen." Der Dulder für den Glauben. SvaneS, ein reicher Perser, wurde in der Verfolgung deS Veranes vor Gericht geladen. SvaneS hatte tausend Sklaven. Der König fragte ihn, welcher von seinen Sklaven der schlimmste wäre? Als ihn SvaneS genannt, befahl der König, daß er sammt allen seinen Sklaven diesem dienen, und daß des SvaneS Gemahlin diesem zur Frau gegeben werden sollte. SvaneS ertrug Alles und beharrte im Bekenntnisse des hl. Glaubens. Siuufpruch. Menschlich ist es, Sünde treiben; Teuflisch ist'S, in Sünden bleiben! Christlich ist eS, Sünde hassen; Göttlich ist eS, Sünd' erlassen. Der St. PeterS - Pfennig. In altxr Zeit war's Christenbrauch, Den Pfennig Nom zu geben; So hielt's der Fürst, der Bettler auch: Der Papst ja mußte leben. Da nahte Pipin, Frankreichs Sohn, Und gab — fürwahr nicht wenig — Dem heil'gen Vater einen Thron Als seinen Peters-Pfennig. Noch mancher Fürst bracht' Gaben dar Für „Gott vergclts!" zum Lohne; Doch dankt' am laut'sten immerdar Rom seinem „Aelt'sten Sohne." Die Zeiten grauer Vorwelt, seht! Sie kehren heut' zurücke; Nur daß nicht Einer es erräth, Wer heut' den Pfennig schicke. Die MLcht'gen dieser Welt sie sind So karg mit ihren Gaben, Den Vater muß das arme Kind Mit seinen Hellern laben. Und, Karol MagnuS, Pipin — seht! Den Pfennig, den sie gaben, Will, der aus ihrem Throne steht, Zurück — ein Räuber — haben. „Der Kirche Sohn?!" Fluch deiner That! Willst so den Pfennig mehren? Der Herr, der dich erhoben hat, Muß sich vom Diebe kehren. Greif, „Ehrenmann," mit Frcvlermuth Und räuberischen Händen Nur immerhin nach Kirchengut, — Dies Werk wird Frankreich schände». Gcbrandmarkt deinen Namen wird Die Weltgeschichte sehen; Doch strahlend Pius — guter Hirt! Zur Nachwelt übergehen. Redaction und Lerlag: Dr. Mar Huttler. — Druck von 2. M. Kleinte. m-