AilgMgtt AmtligMM. M» 1S. 8. April 1860. DaS Augsburger Sonntaasblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnemcntspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. Bayer. Postämter und alle Buchhand- lungen bezogen werden kann.* Marianna vom heil. Nincenz a Paula. (Schluß.) Unter den vielen feierlichen und bedeutungsvollen Ceremonien der Kirche gibt es keine ergreifendere, keine rührendere, als wenn der wiederversöhnte Sun der, dessen Leben eine ununterbrochene Folge von Leiden und Armuth, vielleicht auch von schweren Verschuldungen gewesen, im Begriffe steht, zum letzten Male den Gott in sein Herz aufzunehmen, vor dem die Seraphim ihr Antlitz verhüllen, vor dem die Großen der Erde nichts sind und vor dem der Sünder in wenigen Augenblicken erscheinen soll. Dasselbe Sacrament, welches wir im Triumphe wenigstens einmal im Jahre durch die Stadt feierlich geleiten, von Priestern in reichen Gewändern, von flatternden Fahnen und zahlreichen Lichtern umgeben, den Weihrauchwolken umwallt und umdustet von prächtigen Blumen, diesem schönen Schmucke der herrlichen Schöpfung Gottes, — wird sonst in gar demüthigender Weise von dem Priester, allein, zu Fuße, oft im rauhcsten Wetter, zu dem Lager eines Sterbenden getragen, um dort, vielleicht ohne daß ein einziger Mensch dabei ein Gebet spricht, des Armen Abschied von dieser Welt zu versüßen und ihn aus seinem letzten furchtbaren Wege zu begleiten. Die Tröstungen der Religion waren der unglücklichen Frau Prall zu Theil geworden und die letzten Gebete waren noch auf des Priesters Lippen, als Marianne, deren Augen auf die Kranke gewandt waren, eine Bewegung bemerkte, welche sie überzeugte, daß der Lebensfunke erloschen sei. Sie erhob die Hand und der Geistliche, der sie augenblicklich verstand, begann die Gebete für die Verstorbenen zu sprechen. Der Priester, der vor Müdigkeit fast niedersank, wollte sich eben entfernen und auch Marianne, welche sich der späten Stunde erinnerte, war im Begriff das Zimmer zu verlassen, als ein wild aussehender Kerl, der an der Schwelle stand, ihren Arm ergriff. — Um Vergebung, Fräulein, begann er, was bedeutet dieser Lärm hier? Es kommt einem Manne doch sonderbar vor, wenn er heimkommt und seine Stube mit solchem Volk gefüllt findet. Es ist ja, als wenn ein Irrenhaus geöffnet worden wäre, — nichts für ungut, Fräulein! Es ist wahrhaftig Prall selbst, der schändliche Mann der Verstorbenen! schrie eine kleine Person. Tritt näher, du Mörder deines Weibes und betrachte dein Weib hier: schämst du dich nicht deinen beiden Jungen unter die Augen zu treten? Aber du hast das Schämen längst verlernt, du nichtsnutziger Landstreicher! Um Gotteswillen, Fräulein, sagen Sie mir, was sie meint, sagte der Mann, der Plötzlich sehr blaß geworden war und verstört um sich blickte. Er war offenbar berauscht. — M..... trat ängstlich zurück — und sprach: Euer Weib ist todt und ohne das Kind gesehen zu haben, das Sie mitgenommen hatten. Vollständig ernüchtert durch diese Mittheilung stöhnte er die Worte hervor: Um Gotteswillen, Fräulein, sprechen Sie die Wahrheit? — Er stürzte auf das 114 Bett zu und starrte tu das Gesicht der Leiche, dem die Merkmale der schrecklichen Krankheit deutlich ausgeprägt waren. O Weib, rief er aus, indem er neben dem Bette auf die Kniee sank, sieh mich noch ein Mal an, deinen unglücklichen Mann, der wieder zu dir zurückgekehrt ist. Ich weiß, ich bin ein schändlicher Mensch, ein verworfener Hund: schilt mich nur, aber laß mich noch einmal deine Stimme hören! Sie ist todt und alles Klagen ist nutzlos, sagte M.mit thränenvollen Augen. — Da wandte er seine blutunterlaufenen Augen gegen das Fräulein und seufzte: Hören Sie mich 'mal an! — Ich war vor dreiundzwanzig Jahren Soldat — auch eben kein Glück für mich — und *mcin Regiment stand in Coblenz. War es nun mein rother Rock oder mein frisches Gesicht — ich war damals ziemlich hübsch — genug, dies arme Weib ließ sich von mir überreden, bei der Versetzung unseres Regiments aus dem elterlichen Hause zu entfliehen. Sie war das einzige Kind eines bejahrten Mannes und leider mutterlos. Wir wurden von einem evang. Prediger getraut. Anfangs war ich auch recht gütig gegen sie, wenigstens so weit mir dies bei meinem heftigen Charakter möglich war; aber das Trinken und schlechte Gesellschaft — und keine Kirche, waren mein Verderben. Ich wurde degradirt, verließ das Militär, ging auf Fabrik und behandelte mein Weib schlimmer als einen Hund. Zuletzt ließ ich sie ganz im Stich und hauSte mit einer Andern. Ich liebte diese nicht, aber sie paßte zu mir, weil sie eben so verdorben war, als ich selber; auch kümmerte sie sich nicht darum, wie ich zu dem Gelde kam, wenn sie es nur verprassen konnte. Von Zeit zu Zeit besuchte ich mein Weib: sie hoffte noch immer auf meine Rückkehr, aber die Andere hatte mich in den Klauen. Sie war hinter meine Schliche gekommen und konnte mich, wenn sie wollte, in den Ochsenkops bringen. So wurde ich von Tag zu Tag schlechter. Ich fühlte mich auch immer unglücklicher: mein Herz sehnte sich, irgend einen Gegenstand zu lieben, und alles schien mich zu hassen, ausgenommen mein Töchterchen. So oft ich nach Hause kam, schlang das Kind seine Aermchen um meinen Hals, küßte mich und nannte mich „Vater!" Ich entschloß mich zuletzt, das Kind zu stehlen und brachte es zu Martha in's Haus. Dadurch wurde aber meine Lage immer schlimmer. Das Weib haßte mein Kind; mißhandelte es, um es zu zwingen, aus dem Hause zu laufen. Das Mädchen war sehr hübsch geworden, als sie heranwuchs, zu hübsch — ganz wie ihre Mutter, als ich sie zuerst kennen lernte. Ich hoffte ihr einen Dienst zu verschaffen; aber wer wollte die Tochter eines solchen Vaters zu sich in's Haus nehmen? Martha, die elende Creatur, hat sich aus dem Staube gemacht! Um sie kümmerte ich mich wenig; aber mein Kind ist auch fort — mein einziger Schatz, den ich mit Gefahr meines Lebens, auf Kosten meines Seelenheils geraubt hatte! Ich spürte dem erbärmlichen Weibe nach und fand sie bei einem Menschen, der, so schlecht ich auch bin, doch noch tausendmal schlechter ist, als ich. Sie gab mir, als ich nach meinem Kinde fragte, mit höhnischem Gelächter zur Antwort, ich möchte sie — aus den — aus den Straßen suchen! Diese Worte brachten mich dem Wahnsinn nahe. Und nun hier das Elend! — Ach, daß ich meiner Frau nicht gefolgt, nicht mit zum kathol. Priester gegangen bin! — Sie, hochw. Herr, waren ja der Beichtiger meiner Frau, als sie noch zur kathol. Kirche ging! — Ach — wenn's einen Gott gibt! helfen Sie mir! Marianne und der Priester dachten nach, was hier zu thun sei. hätten wir Klöster für die Ausgestoßenen der Menschheit, hieß es — jetzt aber wäre bei dem Mangel an Anstalten für solche Unglückliche kein rechtes Mittel, das sichere Hoffnung auf Besserung gebe. Man fand später das Mädchen, — allein schon vergiftet an der Seele. Alle Besserungsmittel der Humanität und der freien Gabe des Sct.-Vincentius- 115 Vereins fanden in den Herzen, welche durch die Sünde durchlöchert waren und Lie kein Sacrament der Buße kannten, keinen Boden mehr. Beide, Vater und Tochter — geriethen später ins Zuchthaus, wo sie wenigstens der Mitwelt unschädlich gemacht sind. Den unsterblichen Seelen war wohl kein Heil mehr im Gefolge der schwersten Versumpfung in Sünden des Vl. Gebotes, der Vater st^-b — nicht einmal im letzten Augenblicke zu Gott gewendet, wie sein Weib doch zuletzt gethan. Was thut nun wohl Noth, daß der St.-Vineentius-Verein nicht blos leiblicher Armuth wehre, sondern der geistigen Armuth, die der leiblichen Noth seiner Pfleglinge vorausgegangen, zu steueru vermöge?! — Marianne weiß es, und betet. Gott wird helfen. Der Schmied von Regendach. Im Fürstenthume Hohenlohe-Langcnburg liegt ein Dorf, heißt Regendach, wo sich vor mehreren Jahren die folgende herzzcreißcnde, aber auch herzerhebende Geschichte zugetragen hat. Es war an einem Sonntag Nachmittag, da saßen in der Wirthsstube zu Regenbach viele Männer und Frauen aus dem Dorfe gemüthlich bei einander bei ihrem Krug Bier und Keiner von ihnen hatte eine Ahnung, was an diesem Tage noch Schreckliches und Furchtbares geschehen sollte. Auch der Schmied saß unter den Leuten, ein starker, rüstiger Mann, mit einem recht entschlossenen Gesicht und kühnen Blick, aber auch mit einem so gutmüthigen Lächeln auf den Lippen, daß ein Jeder ihn lieb haben mußte, wer ihn nur ansah. Jeder schlimme Gesell aber mochte ihm ja aus dem Wege gehen, denn der wackere Schmied konnte kein Unrecht leiden, und es war nicht gerathen, mit ihm anzubinden, außer im Guten. Seine Arme waren wie Eisenstangen und seine Fäuste glichen Schmicdhämmern. Nur wenige Menschen gab es, die es an Körperkraft mit ihm aufnehmen konnten. Der wackere Schmied saß nicht weit von der Thür und plauderte mit einem Nachbar. Auf einmal springt die Thüre auf und ein großer Hund kommt in Lie Stube, ein großes, mächtiges Thier von grimmigem, schrecklichem Aussehen. Den Kopf mit den rothglühenden Augen hielt er gesenkt, das Maul stand ihm offen, die bleifarbene Zunge hing ihm weit aus dem Halse und den Schwanz hatte er zwischen den Hinterbeinen geklemmt. So kam das Thier zur Stube herein, die keinen Ausgang weiter hatte, als nur die einzige Thür. Kaum hatte aber der Nachbar des Schmieds, es war der Chirurg vom Ort, das Thier gesehen, so wurde der Mann plötzlich todtenblaß; er sprang aus und rief mit entsetzter Stimme: „Gott sei uns gnädig, Leute, der Hund ist toll!" Nun gabs einen Schrecken! Die Stube war fast von Menschen angefüllt und das wüthende Thür stand vor dem einzigen Ausgang und Niemand konnte ins Freie, außer daß er an ihm vorbeigemußt. Die Bestie aber schnappte wild nach rechts und links und Keiner vermochte an ihm vorüberzukommen, ohne von ihm gebissen zu werden. Das Angstgeschrci war entsetzlich; Alle wichen zurück, sprangen auf Tische und Bänke und schauten mit stieren Blicken voll Todesangst auf den tollen Hund. Wo gabs Rettung vor ihm? Da stand auch der Schmied auf und wie er die Todesangst so vieler Menschen sah, gedachte er sogleich, wie viele der glücklichen und zufriedenen Leute durch den tollen Hund könnten grenzenlos unglücklich gemacht werden, und er faßte einen Entschluß, wie es kaum seines Gleichen in der Geschichte der Menschheit gibt, der an Hochherzigkeit und Edelsinn ihm gliche. Freilich erblaßte seine 116 gebräunte Wange ein wenig, aber sein Auge funkelte in wahrhaft göttlichem Feuer und eine erhabene Entschlossenheit leuchtete von der Stirn des schlichten, einfachen Mannes. „Zurück Alle!" donnerte er mit seiner tiefen, kräftigen Stimme. „Keiner rübre sich, denn Keiner kann das Thier zwingen außer ich. Ein Opfer muß fallen, um Alle zu retten, und dies Opfer will ich sein! Ich bändige das Thier und während ich's thue, entflieht!" Und der Schmied hatte kaum diese Worte gesprochen, so kam die Bestie von tollen Hund heran und gerade auf den krächzenden Mcnschenknäucl zu. Kam aber nicht weit. „Drauf mit Gott!" rief der Schmied, und drauf stürzte er, packte es mit seinen Riesenarmen und warf es zu Boden- Aber ach, das war ein entsetzlicher, schrecklicher Kampf, der nun folgte! Grimmig biß der Hund um sich und sträubte sich mit Stöhnen und dumpfem Geheul. Seine zolllangen Zähne zerisscn den Arm, den Schenkel des hochherzigen Schmieds, aber der Schmied ließ ihn nicht los. Nicht achtend des grimmigen Schmerzes, nicht achtend den gewissen schrecklichen Tod, der dem Kampfe folgen mußte, hielt er mit Riesenkraft die schnappende, beißende und stöhnende Bestie nieder, bis Alle entflohen waren, bis Alle gerettet und in Sicherheit waren, nur er mit dem Hunde noch allein blieb. Da schleuderte er die halberwürgte Bestie von sich gegen die Wand und bluttriefend, mit giftigem Geifer besudelt, verließ er das Zimmer und verschloß die Thüre hinter sich. Durch das Fenster schoß man den Hund todt. Aber, o barmherziger Gott, was sollte aus dem unglücklichen, wackeren Schmied werden? Weinend und wehklagend umringten ihn die Leute, die er gerettet hatte, gerettet auf Kosten seines eigenen Lebens. „Seid still, Männer, weinet nicht um mich, Frauen und Kinder", sagte er, „Einer muß sterben", um die Anderen zu retten. Dankt mir auch nicht, denn ich habe nur eine heilige Pflicht erfüllt. Wenn ich todt bin, so gedenkt meiner in Liebe und betet für mich, daß mich Gott nicht zu lange und zu sehr leiden läßt. Daß aber kein weiterer Schade durch mich geschieht, da ich nun freilich toll werden muß, dafür will ich schon sorgen!" Und er ging geraden Weges zu seiner Schmiedewerkstatt und da suchte erschwere Ketten heraus, die schwersten und festesten aus seinem ganzen Vorrath, dann sachte er ein mächtiges Kohlensauer an und glühetc dabei die Ketten und mit eigener Hand schmiedete er sie um Hand und Fuß und auch um den Amboß, welchen keine Menschenkraft aus der Erde reißen konnte, so wie keine Menschenkraft im Stande war, die eisernen Ketten zu brechen. — „So, nun ist's geschehen", sagte er nach ernst vollbrachtem Werke, „nun seid ihr sicher und ich bin unschädlich. So lange ich lebe, bringt mir meine Kost, das Andere füge Gott. In seine Hände befehle ich meinen Geist!" —> Nichts konnte den braven Schmied retten, nicht Weinen, nicht Jammern, nicht Gebet. Die Wuth ergriff ihn und nach den neun Tagen mußte er sterben, aber wahrlich, er starb nur, um an Gottes Throne zu einem schöneren, zu dem herrlichsten Leben zu erwachen! Er starb, aber sein Andenken lebt fort von Geschlecht zu Geschlecht, von Kind zu Kind, und gesegnet sei es bis an der Welt Ende. Schaut Euch um in den Büchern der Geschichte der Menschheit — keine That werdet Ihr finden, mehr des Ruhmes, des Edelsten Werth, als die That dieses einfachen Mannes, des Schmieds von Regenbach. In den Opfertod zu gehen mit der Gewißheit sterben zu müssen, und zudem auf den schrecklichsten Tod noch warten zu müssen, fürchterliche Stunden und Tage hindurch — das heißt nicht ein Mal, das heißt tausend Mal sterben. Und solchen Tod starb der Schmied, solches Opfer brachte der Schmied von Regenbach zur Rettung seiner Nebenmenschen! Darum sei uns sein Andenken heilig! ._ 117 Die Fregatte „Novara" in Neu-Seeland. Man schreibt aus Anckland (Nen-Seeland, Anstralien) dem „UniverS": Das österreichische Kriegsschiff „Novara" hatte vorzüglich eine wissenschaftliche Aufgabe zu lösen; allein deßungeachtet erfüllten seine Officiere und Matrosen noch eine »ndere Sendung, nämlich: für einen katholischen Großstaat in fernen Gegenden, wo kaum sein Name bekannt war, Gefühle der Bewunderung einzustoßen, und sowohl die Bischöfe als Missionäre zu erfreuen — diese Glaubensheldcn, welche aus Eifer für das Seelenheil sich zum Leben auf einer so vereinsamten Insel entschlossen, wohin nur selten Europäer kommen. Gegen Weihnachten des verflossenen Jahres warf die „Novara" vor Nen-Seeland die Anker. Den folgenden Tag stattete der Kommodore B. WüllerSdorf, begleitet vom SchiffScapitän, seinen Besuch in der höflichsten Weise unserem Bischöfe ab. Diese Aufwartung erregte unter den Eingeboruen desto größeres Aufsehen, weil mau in diesem Hafen niemals ein stattlicheres Kriegsschiff und ein Osficiercorps von so guter Haltung erblickte, so daß unsere MaoriS von der Nation, der die Soldaten angehören, einen hohenBegriff sich bildeten. Am nächsten Sonntage, dem ersten des Jahres 1859, wurde der Schifföcaplan vom Bischöfe eingeladen, das Hochamt zu lesen, bei welchem der hochwürdigste Oberhirt eine Predigt in der Landessprache hielt. Die gesammte Mannschaft, welche durch den Dienst anf dem Fahrzeuge nicht verhindert war, wohnte in voller Parade dem Gottesdienste bei — zur Erbauung des ganzen Volkes. Dieö gute Volk, das in seiner Abgeschlossenheit sich — in Bezug des Glaubens — mit seinen 10—12 Missionären so vereinsamt vorkömmt, war vor Freude fast außer sich, als es angesehene Männer von so fernen Ländern an seinen religiösen Uebungen Theil nehmen sah, und dadurch den Beweis hatte, daß cS durch die Bande der gleichen Religion mit großen Nationen anderer Welttheile vereinigt sei. Alö unser Bischof den Officieren der Fregatte den Gegenbesuch abstattete, ließ er sich von einigen der vornehmsten MaoriS (Nen-Seeländern) begleiten, welche durch die herrliche Einrichtung des Schiffes und besonders durch die ihrem Bischöfe erwiesenen Ehren ganz entzückt wurden. Der Kommodore, in der Parade-Uniform, empfing ihn am Borde, stellte ihm daS ganze Osficiercorps vor, und geleitete ihn in alle Theile der Fregatte. Zur Heimkehr bot er dem Bischöfe seine eigene Barke an, begrüßte ihn bei der Abfahrt mit dreizehn Kanonenschüssen, und ließ ihm durch den Marinecaplan das Geleite bis zur Wohnung geben. — Als der Kommodore nach einem Aufenthalte von zehn Tagen im Begriffe war, die Anker zu lichten, händigte er im Namen Sr. apostolischen Majestät des Kaisers von Oesterreich dem Bischöfe einen ganzen Kirchcnornat von ausgezeichneter Schönheit, eine Monstranz von kunstvollster Arbeit und andere Gegenstände für den Gottesdienst zum Gebrauche der Mission ein. Man kann sich die Ueberraschung und Freude nicht nur der Missionäre, sondern vorzüglich der eingeborenen Katholiken vorstellen, welche nie etwas AehnlicheS gesehen, und sich durch einen mächtigen Kaiser geehrt fühlen, für den sie mit Inbrunst beten werden, seinen Namen dankbar segnend. Auch die Klosterfrauen unserer Mission, zwanzig an der Zahl, welche beiläufig dreihundert Mädchen unterrichten, erhielten von dem Kaiser Franz Joseph ein herrliches Geschenk: zwei schön geschmückte Statuen der unbefleckt empfangenen Gottesmutter. Eine dieser Statuen, in einer der heiligsten Jungfrau geweihten Capelle aufgestellt, bot den Anlaß, daß sich die Verehrung der Himmelskönigin verdoppelte; denn man kömmt aus allen Theilen der Stadt, um vor diesem Bilde zu beten. Unsere Klosterfrauen sind aus dem Orden zur „Erlösung der Gefangenen", und der Abstammung nach alle Inländerinnen, welche englisch und maorisch lehren. — Unser Bischof schenkte dagegen den Officieren die Werke, welche er in englischer und maorrscher Sprache für seine Diöcese herausgab, sowie einige Gegenstände der neu-seeläudischeu Industrie, besonders Bildhauerarbeiten, welche, obgleich keine Meisterstücke, doch glück- liche Fähigkeiten anreizen. — Während ihres VerweilenS anf der Insel sah man die österreichischen Matrosen und Soldaten oft schaarenweise zu dem Bischof gehen, der ihnen seinen Segen und verschiedene geweihte Sachen gab. Auch nach der Abreise erfuhr man nicht das Mindeste, was den durch ihre Haltung bewirkten guten Eindruck geschwächt hätte. Noch muß ich erwähnen, daß die Fregatte vom Vorgebirge der guten Hoffnung fünf Neger von 12—15 Jahren auf den Bord nahm. Um ihre Seelen zu retten, lernte der Schiffscaplan Marochiui ihre Sprache, machte grammatikalische Bemerkungen, verfaßte ein kleines Wörterbuch, und brachte eS dahin, daß er ihnen die vorzüglichsten Wahrheiten des christlichen Glaubens vortragen konnte. Er wurde ihr Schüler in der Sprache, nnd sie wurden seine Schüler in der Religion. Als sie in Neuseeland anlangten, waren sie schon so unterrichtet, daß sie hätten getauft werden können; allein man verschob diese heil. Handlung anf eine noch feierlichere Gelegenheit. — Das war unser größter Trost, den wir im Laufe des Jahres in unserer Drangsal und den Umtrieben hatten, durch welche die Lüge und der Irrthum die Seelen Gott dem Herrn entreißen will. Die Mission in Neuseeland besteht seit 23 Jahren; sie hat 2 Diöcesen und 30,000 Gläubige, darunter 25,000 Eingcborne und 5000 Europäer. Pantine, das Weltkind, oder Weltfinu fuhrt zum Verderben. Im Jahre 1839 lebte zu Freiburg in der Schweiz ein Mädchen von 18 Jahren mit "Namen Pauline. Dieselbe war in ihrer frühesten Jugend recht brav, fromm und eingezogen, aber seit sie in die öffentlichen Gesellschaften mitgehen, alle Vergnügungsorte besuchen und sich öffentlich sehen lassen durfte, seit sie von Vielen bewundert und von angesehenen Jünglingen verehrt wurde, da war auf einmal der fromme Sinn bei ihr geschwunden. Sie dachte nur mehr an irdische Dinge; Theater, Ball und Vergnügungsplätze waren ihre Lieölings- »rte, Romane ihre Lieblingsleetüre, schöne Kleider ihre größten Freuden, all ihr Verlangen bezog sich aus immer neue Vergnügungen. Sie floh das Gebet, ihre Gebetbücher lagen bestaubt und ungebraucht in einem Schranke ihres Wohnzimmers, das Crucifix mußte einem neumodischen Spiegel Platz machen, das Marienbildchen mußte den von ihren Verehrern ihr geschenkten Nippsachen weichen, der Betstuhl mußte auf den Speicher wandern — kurz, wie in ihrem Herzen, so war auch in ihrem Wohnzimmer eine große Veränderung vor sich gegangen. Sie mied die Kirche und den Gottesdienst, und vernachlässigte den Empfang der heil. Sacramente, was ihr früher immer so viel Trost und Freude gebracht hatte, sie brachte einen großen Theil des Tages vor dem Spiegel zu, entwarf immer neue Pläne, welche neuen Kleider sie sich noch beschaffen würde und selbst in ihren Träumen beschäftigte sich ihr Geist stets mit Kleidern und sinnlichen Vergnügungen. Da warf Gott das gottvergessene Weltkind aufs Krankenlager. Die Aerzte erschöpften ihre Kunst, um zu helfen, aber tagtäglich wurde es schlimmer mit ihr. Man holte einen Priester herbei. Dieser erkannte sogleich, daß dem Leben des Mädchens große Gefahr drohe und dasselbe bald sterben werde, und ermähnte sie ernstlich, an Gott und ihr Seelenheil zu deuten und die heiligen Sacramente als Vorbereitung aus die Ewigkeit zu empfangen. Er sagte zu ihr: Pauline, bereite dich zu beichten — denn du wirst sterben. Aber von allen dem wollte sie nichts wissen. Unruhig schaute sie nach ihrem Kleiderschränke, richtete sich mühsam in ihrem Bette auf, blickte starr vor sich hin, dann seufzte sie tief auf und schrie: O mein Gott und meine schönen Kleider! sank aus ihr Lager zurück und war eine Leiche. — So weit, bis zur Unbußfertigkeit, führt die Liebe zur Welt und ihren Eitelkeiten. M. 0. 119 Der brave Zsraelit. Ein elternloser 14jähnger Knabe aus Südstadt, im AmteBrinzhausen, im Königreiche Hannover, konnte in seinem Geburtsorte und der Umgegend kein Unterkommen finden, weil er an Geist und Körper durch Mangel an Unterricht und an gehöriger regelmäßiger Nahrung verkrüppelt war. Er entschloß sich daher, in das Oldcnburgische zu gehen. Hier hatte er dasselbe traurige Schicksal. Bettelnd, mit erfrornen Füßen, abgezehrt, mit angeschwollenem Unterleibe, ein lebendes Bild des Elendes und des nagenden Hungers suchte er sein Brod vor den Thüren der mildthätigen Oldenburger, jedoch vergebens um Ausnahme flehend. So kam er endlich in den Flecken Ovelgönne. Hier wurde der edel- müthige Jsraelite Leib von seinem traurigen Zustande gerührt, nahm den christlichen von seinen Mitchristen (?) verlassenen Knaben in sein Haus, ließ ihn kleiden, die Wunden Füße verbinden und den armen Knaben durch einen geschickten Arzt auf seine Kosten herstellen. Sodann behielt er ihn bei sich, ließ ihn im Schreiben und Rechn?n gehörig unterrichten und bildete ihn zu einem ge schickten und redlichen Handelsmanne. Als dem inzwischen militärpflichtig gewordenen jungen Manne im Jahre 1824 verstattet wurde, einen Stellvertreter zu stellen, lieh ihm sein großherziger Wohlthäter, der Jsraelit, 200 Reichsthaler dazu und unterstützte ihn mit Rath und That dermaßen, daß es ihm gelang, in kurzer Zeit nicht nur die Kosten des Stellvertreters, sondern auch dasjenige, was. er durch den plötzlichen Eintritte zum Militärdienste und während desselben zugesetzt hatte, wieder zu verdienen. Der brave Jsraelit und sein Schützling erfreuten sich fortwährend der vorzüglichen Achtung und des Zutrauens ihrer Mitbürger. Ein armer Geiger. * Eine Frau war reich und verstand es, auf die zarteste Weise reichliche Wohlthaten zu spenden. AI- sie eines Tages nach Hause kam, fand ste an ihrer Thüre einen armen Geiger; er zitterte vor Kälte, denn es war Winter, und seine Kleidung har- monirte durchaus nicht mit der Jahreszeit; seine Fußbedeckung setzte ihn dem Schnee und Kothc so auS, daß seine Füße mit diesen in die innigste Berührung kamen; sein Aussehen war blaß und blau angelaufen, von seiner Magerkeit gar nicht zu sprechen. In diesem Zustande mußte er die Geige spielen und die Zuhörer ergötzen. Die junge Frau, von Mitleid erfüllt, ließ ihn in ihren Salon eintreten, setzte ihn an's Feuer, erquickte ihn mit einem Glase Wein und gutem Brode, was alles gewürzt ward durch ihre freundlichen, tröstlichen Worte. Er verließ das Haus mit von Freude und Dankbarkeit erfüllten Herzen. Die junge Frau dachte nicht mehr an ihn, er aber vergaß seine Wohlthäterin nie, er erkundigte sich stets nach ihr, sein Herz folgte ihr überall, er war glücklich in ihrem Glücke. Aber ach, auch für ste kamen böse Tage; ein gänzlicher Verlust ihres Vermögens nöthigte sie, ihre kostspielige Wohnung zu verlassen, die reiche Einrichtung wurde verkauft, und bald mußte sie, um ihr Leben zu fristen, auch den letzten Rest ihres ehemaligen Glückes veräußern und ihre Brieftasche mit Pfandscheinen anfüllen. Unglückselige Scheine, wo findet man dieselben heutzutage nicht? Eine Person redet uns schüchtern und mit demüthiger Miene an, zeigt einen dicken Bündel Papier, weißes, gelbes, buntes Papier, eS sind PsandhauSscheine: das heißt Elend, Elend, daS man täglich sehen kann. Der gute Geiger hört ihre Noth, er vervielfacht sich in der Kunst, im Muth, arbeitet Tag und Nacht, arbeitet sogar spät Abends unter Gefahr, mit der Polizei zu verfallen, sein Talent scheint zuzunehmen, ein edler Gedanke begeistert ihn, entlockt seiner armen Geige Töne, die sie nie kannte, und die kleinen SouS regnen von den Fenstern herab. Auf der anderen Seite legt er sich Entbehrungen auf, ein Stückchen Brod ist fast seine ganze Nahrung, von Wein ist gar keine Rede mehr, das Gläschen Branntwein ist verpönt; wiewohl er eS bisher als den unentbehrlichsten Trost des Lebens angesehen . . . Kraft dieser Arbeit und Entbehrungen bringt der brave Geiger eine Summe von hundert Franken zusammen. Nun ist er reich, glücklich, nicht für sich, sondern des Guten wegen, das er thun will. Er sucht also seine Wohlthäterin in ihrer Mansarde auf; sein Gesicht strahlt vor Freude, und er schien die Veränderung, welche mit ihr vorgegangen, gar nicht zu bemerken; er beschäftigte sich nur mit ihrer Person, ihr seine Erkenntlichkeit zu bezeugen; ihre Wohlthätigkeit habe ihm Glück gebracht, er mache seit dieser Zeit gute Geschäfte, er habe keinen Mangel mehr, er habe sogar mehr, als er zum Leben brauche; er lege Geld bei Seite, er habe sogar hundert Franken bei sich, er wisse nicht, waS er dann' anfangen solle; wenn sie dieselben annehmen wolle, so würde sie ihn sehr verbinden, ihn glücklich machen: kurz, er sprach so lange und so gut, daß sie dieselben annahm. Er kam nun öfter, und stets brachte er ein Fünffrankenstück, was er nicht bedurfte, und wenn es angenommen wurde, ging er fort, und auf seinem blassen Gesichte erglänzte ein unbeschreiblicher Ausdruck der Freude und des Glückes . . . Zuletzt wollte doch die zartfühlende Frau nichts mehr annehmen, sie fürchtete, ihm ein zu großes Opfer aufzulegen; da wurde unser wandernder Musikus untröstlich, aber sein Herz fand ein anderes Mittel, das man nicht abweisen durfte: er schlug ihr Vor, das Geld leihweise anzunehmen. Dieses Anerbieten konnte man natürlich nicht abweisen, aber, WaS bei Geschäftsleuten nicht vorkommt, er wollte so viel und so oft verleihen, daß seine in Schutz Genommene ihm sagen mußte: „Ich weiß nicht, ob ich es Ihnen je wiedergeben kann!" — ,,Bah, bah!" antwortete er, „was liegt daran, nehmen Sie nur; Sie geben es mir wieder, wenn Sie wieder reich geworden sind." Kurz, es ging nun so gut, daß bei der armen Frau Muth und mit diesem auch ein gewisser Wohlstand zurückkehrten; sie fing, Dank der Vorschüsse deS Geigers, einen kleinen Handel an; das Geschäft ging gut, und sie wurde sogar wieder reich: die Wohlthätigkeit brachte Beiden daS irdische Glück zurück. Der Künstler ist ein ansehnlicher Mann in der Gesellschaft geworden, und seine Wohlthäterin lebt wieder in ruhiger Behaglichkeit. (MulloiS und Müller, das Elend zu Paris.) Für den Kirchenbau -er armen Katholiken in Stargard nnd Köslin. Aus Traunstein: „Rette, o Herr, den heiligen Vater aus den Händen seiner Feinde!" ..3 st. — kr. Milde Gaben firr die Mission in Perleberg. Aus Traunstein: „Rette, o Herr, den heiligen Vater aus den Händen seiner Feinde!".3 st. — kr. Redaction und Verlag: Dr. M. Huttlcr. — Druck von I. M. Kleittlc.