AWlwM" Hl'. 16. 15. April 1860. Das AugSburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage» Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr», wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Rundschreiben des heiligen Vaters Papst PiuS IX. an die ge- samrnte katholische Christenheit. An unsere ehrwürdigen Bruder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe und übrigen Ortsordinarien, die in Gemeinschaft mit dem hl. Stuhle stehen. Pins IX. Papst. Ehrwürdige Brüder, Gruß und apostolischer Segen! Wir können es mit Worten nicht ausdrücken, ehrwürdige Brüder, welchen Trost und welche Freude in allen unseren Schmerzen euere und der euch anvertrauten Gläubigen ausgezeichnete und wundervolle Treue, Frömmigkeit und Anhänglichkeit an uns und diesen apostolischen Stuhl, sowie die Einstimmigkeit, die Schnelligkeit, der Eifer und die Standhaftigkeit in der Vertheidigung der Rechte dieses Stuhles und der Sache der Gerechtigkeit uns bereitet haben. Kaum hattet ihr aus unserem Rundschreiben vom 18. Juni des vorigen Jahres und dann aus unseren zwei Ansprachen, welche wir im Consistorium gehalten, zu euerem großen Schmerze die schweren Heimsuchungen vernommen, welche über Kirche und Staat in Italien gebracht worden sind, kaum hattet ihr Kunde erhalten von den schmählichen Bewegungen und Wagnissen des Aufruhres gegen die legitimen Fürsten Italiens, und gegen unsere nnd dieses heiligen Stuhles geheiligte und legitime Herrschaft, — da habet ihr, unseren Wünschen und Sorgen sogleich entsprechend, ohne Verzug öffentliche Gebete in eueren Diöcesen mit aller Sorgfalt angeordnet. Ferner habet ihr nicht nur in den ergebensten und liebevollsten Schreiben an uns, sondern auch in Hirtenbriefen und andern religiösen und gelehrten, unter dem Volke verbreiteten Schriften euere bischöfliche Stimme zum ausgezeichneten Ruhme eueres Standes und Namens erhoben, ihr habet die Sache unserer heiligen Religion und der Gerechtigkeit tapfer verfochten und eueren Abscheu gegen die gottesräuberischen Angriffe auf die weltliche Herrschaft standhaft schützend, mit Freuden bekannt und gelehrt, daß sie durch eine besondere Fügung der Alles regierenden und leitenden Vorsehung dem römischen Papste gegeben worden sei, auf daß derselbe, keiner weltlichen Gewalt je Unterthan, das von Christus dem Herrn und Gott selbst ihm anvertraute höchste Amt des apostolischen Berufes zu vollster Freiheit und ohne irgend ein Hinderniß ausüben könne über die ganze Erde. Auch die theuersten Söhne der katholischen Kirche haben, durch euere Lehre genährt und durch euer treffliches Beispiel ermuntert, sich bestrebt, dieselbe Gesinnung uns zu bezeugen, und thun es noch bis auf diese Stunde. Denn aus allen Ländern der ganzen katholischen Welt haben wir fast unzählige Schreiben, sowohl von Geistlichen als Laien jeder Stellung und jedes Standes erhalten, unter ihnen solche, welche von Hunderttausenden von Katholiken unterzeichnet sind, in welchen sie ihre kindliche Anhänglichkeit und Verehrung gegen uns und diesen Stuhl des heil. Petrus laut bekräftigen, den Aufruhr und die Wühlereien, welche in einigen unserer Provinzen vorgekommen sind, entschieden ver- 122 werfen und erklären, daß das Erbtheil des heil. Petrus völlig unversehrt und unverletzt zu erhalten und gegen jede Unbill zu vertheidigen sei. Nicht wenige von den Unterzeichnern haben außerdem Dasselbe in zu sehr gelegener Zeit veröffentlichten Schriften gelehrt und weise bewiesen. Alle diese herrlichen Kundgebungen von euerer und der Gläubigen Seite, die des höchsten Lobes würdig und mit goldenen Buchstaben in die Annalen der katholischen Kirche einzutragen sind, haben uns so tief ergriffen, daß wir freudig ausrufen mußten: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Kümmerniß!" Unter den schweren Aengsten, welche auf uns lasten, konnte uns nämlich nichts Angenehmeres, Freudigeres und Erwünschteres begegnen, als zu sehen, von welchem einträchtigen und wunderbaren Eifer zur Vertheidigung der Rechte dieses heiligen Stuhles ihr Alle, ehrwürdige Brüder, beseelt und begeistert seid, und mit welchem vortrefflichen guten Willen die euerer Sorge anvertrauten Gläubigen nach demselben Ziele streben. Ihr könnet euch darum schon selbst leicht denken, wie sehr unsere väterliche Liebe gegen euch und gegen das ganze katholische Volk, wohl verdient und mit dem besten Rechte, von Tag zu Tag zunimmt. Während aber diese euere und der Gläubigen herrliche Gesinnung und Liebe gegen uns und den heiligen Stuhl unseren Schmerz linderte, kam uns von einer anderen Seite her eine neue Ursache zur Trauer, und wir schreiben euch deshalb diesen Brief, damit in einer Sache von so hoher Bedeutung unsere Gesinnung euch vor Allen und von Neuem kund werde. Wie mehrere von euch schon wissen werden, ist nämlich in der Pariser Zeitung, welche den Titel „Moniteur" führt, ein Schreiben des Kaisers der Franzosen veröffentlicht worden, durch welches er auf unseren Brief antwortet, in welchem wir Seine kaiserliche Majestät eindringlich gebeten hatten, daß er auf dem Pariser Congresse unsere und dieses heiligen Stuhles weltliche Herrschaft durch sein mächtiges Fürwort unversehrt und unverletzt erhalten, und selbe von einer verbrecherischen Rebellion befreien möge. In diesem seinem Schreiben weist der erhabene Kaiser auf einen Plan hin, den er uns kurz vorher über diese unsere rebellischen Provinzen vorgelegt und gibt uns jetzt den Rath, daß wir auf den Besitz dieser Provinzen verzichten möchten, da "seiner Ansicht nach nur auf diese Weise der gegenwärtigen Verwirrung gesteuert werden könne. Ein jeder von euch, ehrwürdige Brüder, sieht ein, daß wir, unserer schwersten Pflicht eingedenk, nicht schweigen konnten, als wir einen derartigen Brief empfingen. Wir haben uns daher beeilt, ohne Verzug demselben Kaiser zurückzuschreiben, indem wir ihm mit apostolischem Freimuth klar und offen erklärten, daß wir in keiner Weise seinem Rathe beipflichten könnten, weil „unüberwindliche Schwierigkeiten mit demselben verbunden seien, in Betracht unserer und dieses heiligen Stuhles Würde und unseres geheiligten Charakters, und wegen der Rechte desselben Stuhles, die nicht den Nachfolgern und Erben irgend einer königlichen Familie, sondern allen Katholiken angehören;" zugleich sprachen wir aus: „daß wir nicht abtreten können, was nicht unser ist, und daß wir ganz wohl einsehen, wie jener Sie^, welchen er den aufrührerischen Einwohnern von Aemilien gewährt zu sehen Wunsche, den eingeborenen und auswärtigen Wühlern anderer Provinzen eine Ermunterung sein werde, dasselbe zu verüben, wenn sie sähen, welcher glückliche Erfolg den Rebellen zu Theil geworden." Weiter haben wir unter Anderem demselben Kaiser eröffnet: „daß wir auf die erwähnten in Aemilien gelegenen Provinzen unserer päpstlichen Herrschaft nicht Verzicht leisten können, weil wir in diesem Falle den feierlichen Eid, durch welken wir gebunden sind, verletzen, Unzufriedenheit und Unruhen in unseren übngen Provinzen erregen, allen Katholiken eine Schmach anthun, und endlich die Rechte nicht nur jener italienischen Fürsten, welche ihrer Herrschaft ungerecht beraubt worden, 123 sondern auch aller anderen Fürsten in der ganzen Christenheit schwächen würden, welche nicht gleichgiltig zusehen können, daß die gefährlichsten Grundsätze zur Geltung gelangen.". Auch unterließen wir nicht, hervorzuheben, „daß es Seiner Majestät bekannt sein müsse, durch welche Menschen, mit welchem Geld und welcher Unterstützung die neuen Versuche der Revolution in Bologna, Ra- venna und in anderen Städten angestiftet und vollzogen worden sind, indem der bei Weitem größte Theil der Bevölkerung jenen Bewegungen, die sie nicht im Geringsten ahnten, wie erstarrt gegenüberstand und in keiner Weise sich geneigt bezeigte, denselben sich anzuschließen." Und weil der durchlauchtigste Kaiser der Ansicht war, daß jene Provinzen deßhalb von uns abgetreten werden müßten, weil dort eine revolutionäre Bewegung angezettelt worden, so antworteten wir ihm ganz sachgemäß, daß ein solcher Beweis nichts beweise, weil er zuviel beweise, denn ähnliche Bewegungen sind sowohl in Europa, als anderwärts schon sehr oft vorgekommen. Allein jeder Vernünftige sieht ein, daß das kein legitimer Grund ist, um den Bestand eines Staates zu vermindern. Wir unterließen es ferner nicht, demselben Kaiser auseinanderzusetzen, daß jener erste Brief, den er vor dem italienischen Kriege an uns gerichtet und der uns Trost, nicht Betrübniß gebracht hat, — ganz anders gelautet habe, als diese seine letzten Schreiben. Da aber aus einigen Worten jenes kaiserlichen Schreibens, welches die besagte Zeitung veröffentlichte, sich für uns die Befürchtung ergab, es möchten am Ende gar diese unsere Provinzen in Acmilicn schon als von unserer päpstlichen Herrschaft getrennt betrachtet werden, deßhalb baten wir Seine Majestät im Namen der Kirche: es möge Dieselbe auch mit Rücksicht auf das eigene Wohl und den Nutzen Seiner Majestät dahin wirken, daß diese unsere Furcht völlig verschwinde. Und mit jener väterlichen Liebe, womit wir für das ewige Heil Aller sorgen müssen, haben wir Ihm zu Gemüthe geführt, daß von Allen dereinst eine genaue Rechenschaft abgelegt und ein strenges Gericht bestanden werden muß vor dem Richterstuhle Christi, und daß daher Jeder sorgfältig dahin streben müsse, lieber der Barmherzigkeit, als der Gerechtigkeit, Wirkungen an sich zu erfahren. Das war es vorzugsweise, was wir unter Anderem dem erhabenen Kaiser der Franzosen geantwortet und wir haben es für nothwendig gehalten, euch, ehrwürdige Brüder, es mitzutheilen, damit vor Allen ihr und die ganze katholische Welt mit euch immer mehr und mehr erkenne, daß wir mit Gottes Hilfe und nach unserer Pflicht und Schuldigkeit furchtlos Alles wagen und nichts unversucht lassen werden, um die Sache der Religion und der Gerechtigkeit tapfer zu vertheidigen, die weltliche Herrschaft der römischen Kirche, ihren irdischen Besitz und ihre Rechte, welche der ganzen katholischen Welt gehören, mit Sündhaftigkeit unversehrt und unverletzt zu erhalten und zu schützen, sowie für die gerechte Sache aller übrigen Fürsten in die Schranken zu treten. Vertrauend aus die göttliche Hilfe Desjenigen, der da gesagt hat: „In der Welt werdet ihr gedrückt werden; aber fasset Muth, ich habe die Welt überwunden" (Joh. 16, 33.), und: „Selig Diejenigen, welche Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen" (Matth. 5, 10.), — sind wir bereit, in die glänzenden Fußtapfen unserer Vorfahren zu treten, ihrem Beispiel nachzufolgen, alles Harte und Bittere zu leiden und selbst unser Leben lieber hinzugeben, als daß wir in irgend einer Weise von der Sache Gottes, der Kirche und der Gerechtigkeit abtrünnig würden. Ihr könnet euch leicht denken, ehrwürdige Brüder, welcher bittere Schmerz uns ergreift, wenn wir sehen, durch welchen abscheulichen Krieg unsere heilige Religion zum größten Nachtheile der Seelen heimgesucht, und durch welche gewaltige Stürme die Kirche und dieser heilige Stuhl erschüttert werden. Ebenso begreifet ihr unsere tiefe Bekümmerniß, wenn wir die Gefahren betrachten, in welchen so viele Seelen in jenen empörten Provinzen schweben, wo namentlich durch Schriften, die man gleich einer Pest unter dem Volke verbreitet, Frömmig- keit, Religion, Treue und Ehrbarkeit der Sitten tagtäglich mehr untergraben werden. Ihr also, ehrwürdige Bruder, die ihr zur Theilnahme an unserer Hirtensorgfalt berufen seid, und mit so großer Treue und Sündhaftigkeit und Kraft zur Vertheidigung der Religion, der Kirche und des apostolischen Stuhles euch erhoben habet, — fahret fort, mit noch größerem Muthe und Eifer dieselbe Sache zu vertreten, und die euerer Obsorge anvertrauten Gläubigen täglich mehr zu entflammen, damit sie unter euerer Führung alle ihre Thatkraft, ihr Sinnen und Trachten unaufhörlich auf die Vertheidigung der katholischen Kirche und dieses heiligen Stuhles, sowie auf die Schützung der weltlichen Herrschaft dieses Stuhles und des Erbtheiles des heiligen Petrus verwenden, indem dessen Vertheidigung eine Pflicht für alle Katholiken ist. Und auch Das verlangen wir von euch abermals und abermals, ehrwürdige Bruder, daß ihr mit uns und mit den eurer Obsorge anvertrauten Gläubigen die inbrünstigsten Gebete ohne Unterlaß zu dem allmächtigen und gütigen Gotte richtet, damit er den Stürmen und dem Meere Ruhe gebiete, damit er mit seiner sichtbaren Hilfe uns beistehe, damit er sich erhebe und seine Sache richte, damit er mit seiner himmlischen Gnade alle Feinde der Kirche und des apostolischen Stuhles gnädig erleuchten und sie mit seiner allmächtigen Kraft auf den Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Heiles zurückführen wolle. Und damit Gott, durch Bitten erweicht, um so eher sein Ohr hinneige zu unserem, euerem und aller Gläubigen Gebet, so lasset uns anrufen vor Allem, ehrwürdige Brüder, die Fürbitte der unbefleckten und heiligsten Gottesmutter und Jungfrau Maria, welche die liebevollste Mutter und eine feste Hoffnung von uns Allen, eine kräftige Schätzerin und Säule der Kirche, und deren Fürbitte bei Gott so mächtig ist. Flehen wir ferner um die Fürbitte des allerseligsten Fürsten der Apostel, den Christus der Herr in seiner Kirche aufgestellt hat als einen Felsen, gegen welchen die Pforten der Hölle nie etwas vermögen werden, dann auch seines Mitapostels Paulus und aller Heiligen, die mit Christus im Himmel herrschen. Wir zweifeln nicht, ehrwürdige Brüder, daß ihr nach eurer bewährten Frömmigkeit und priesterlichem Eifer diesen unseren Wünschen und Bitten auf das Eifrigste nachkommen werdet. Indessen aber ertheilen wir als ein Unterpfand unserer glühenden Liebe zu euch, aus tiefstem Herzensgründe und mit dem Wuirsche alles wahren Glückes, den apostolischen Segen euch selbst, ehrwürdige Brüder, und allen Geistlichen und Laien, die eurer Fürsorge anvertraut sind, mit aller Liebe. Gegeben zum Rom bei St. Peter am 19. Januar 1860, im vierzehnten Jahre unseres Pontificates. Aus den MissionSbriefen der Gesellschaft Jesu. China. Schang-Hai, den 21. Jänner 1859. Die Mission von Kiang-nan ist noch ziemlich klein, wenn wir die Zahl der Heiden bedenken, die noch zu bekehren sind; denn wir predigen das Evangelium in einem Lande von 70 Millionen Einwohnern, und wir haben bisher nicht mehr denn 75,000 Christen. Allein wenn wir all das Gute, was geschehen ist und fortwährend geschieht, in Anschlag bringen, darf die verwendete Zeit und Mühe nicht bereuet werden. Seit den 12 Jahren, als ich hier bin, sah ich die Anzahl der wahren Gottesverehrer um mehr als 20,000 zunehmen; die älteren Gläubigen sind besser unterrichtet und auch eifriger; die in großer Anzahl gestorbenen Kinder unserer Christen, welche die Unschuld uoch nicht verlieren konnten, und deßwegen nun gewiß im Paradiese wohnen, sind nicht hinzugerechnet. Beiläufig 100,000 kleine Heidenkinder, welche in der Todesgefahr getauft wurden, haben wir ebenfalls 125 dahin gesendet. Mehrere Tausende junger Heiden, welche die Taufe überlebt haben, wurden in unseren Anstalten oder bei Christen auferzogen; gegen 5000 Kinder besuchen unsere Schulen und erhalten eine solide Erziehung; ein Kollegium, höhere Schulen und ein Semiuarium liefern uns Priester und Katechisten, und aus Allem können Sie entnehmen, daß die Arbeiten von einigen 30 Missionären nicht ohne Resultat sind. Fügen Sie noch zu ihrer Auserbauung hinzu, daß mit wenigen Ausnahmen „ein Christ" hier soviel sagen will, als einer, der seine Andachten fleißig verrichtet, der die hl. Sacramente empfängt, der die Gebote Gottes und der Kirche gewissenhaft beobachtet, der sehr besorgt ist, sich im Stande der Gnade zu erhalten. So haben wir also den Trost, hoffen zu können, daß die Tausende von Christen, welche jährlich in den Missionen sterben, beinahe eben so viele Seelen seien, die wir in den Himmel schicken. Glauben Sie auch nicht, daß unsere Christen, da sie im Allgemeinen sehr lenksam und eifrig sind, solches aus Stumpfheit oder einer Art Gleichgültigkeit seien, weßwcgen sie leicht geleitet werden können, indem sie uns nicht zu widerstehen vermögen. Der Chinese hat wie jeder Mensch seine guten Eigenschaften und seine Fehler, und ich möchte auf keiner Seite etwas übertreiben: allein die göttliche Gnade, welche ebenso wenig in Europa als in China mangelt, beiseits, so glaube ich, daß der Grund, aus welchem die Chinesen in Erfüllung ihrer Christenpflichten genauer als viele Europäer sind, darin liege, daß sie mehr positiv sind und folgerichtiger handeln. Ein Christ heißen, einige Religionsübun- gen vornehmen, und dennoch das nicht thun wollen, was zur Rettung deiner Seele nothwendig ist, das heißt dich einschiffen, und doch bis zum Hafen nicht Hinsegeln wollen, es heißt eine Sache nur halb wollen, und sie nicht erlangen wollen. Unsere Chinesen räsonniren besser. „Ich bin ein Christ", sagen sie, „ich will es auch so sein, um die Vortheile davon zu haben, ich will es sein bis zu dem Puncte, um Gott, meinem Herrn und Richter, zu gefallen, ich will folglich alle Gebote halten, und mich im Stande der Gnade erhalten." Einige beobachten sogar die evangelischen Räthe, und arbeiten ernstlich an ihrer Vervollkommnung. Beten Sie für diese guten Leute, sowie für die zahllosen Heiden, für die Missionäre und insbesonders für mich u. s. w. Audienz und Hofdienst. Zwei Freunde, Johannes und Bernhard, begegneten sich in den Straßen Wiens, und es entspann sich folgender Diseurs: Johannes. Wohin Nachbar Bernhard in diesem Putze und mit dieser Eile? Bernhard. Ich habe heute Audienz und Hofdienst. Joh. Wie? was? Au—dienz und Hof—dienst? Bist Du nicht bei Trost? Es ja Niemand vom Allerhöchsten Haf da, und wenn auch, wie kämest Du, Nachbar Bernhard, zum Hofdienste? Beruh. Ich sage Dir, der allerhöchste Herr mit seinem ganzen Hofstaat ist Wohl da und ertheilt -Audienz. Ich habe hier in meiner Seitentasche einen ganzen Bündel Bittschriften, die ich alle vortragen werde. Ja, wundere Dich nur, ich darf zur Audienz kommen, wann und wie oft ich will und auch mitbringen, wen ich will. Joh. Entweder träumst Du oder ich — Beruh. Nun wir wollen sehen. Komm mit, Du sollst Dich von der Wahrheit meiner Worte überzeugen. Sie gingen mit einander noch eine Straße entlang; dann blieb Bernhard in der Nähe einer Kirche stehen und sprach: „Siehe, Johannes, hier die Hofburg >^L--:'-"uÄt^- IM k^5- M MfÄ M^i A 126 des Königs der Könige, des Herrn der Hcerschaaren, der sich gewürdigt hat, in Brodcsgestalt bei uns Armseligen zu wohnen. Umgeben von unsichtbaren Geistern, Engeln und Heiligen, thront er auf unserem Altare. Der allerhöchste Herr gibt hier allezeit Audienz. Er steht auf seinem Throne und ruft Allen zu: „Kommet zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken! Rufet mich an zur Zeit der Noth, ich will euch erretten! Bittet, ihr werdet empfangen, klopfet an, es wird euch aufgethan werden; suchet, ihr werdet finden!" Siehe, Nachbar her zeigte ihn: ein Gebetbuch) hier habe ich einen ganzen Bund Bittschriften, Dankadressen, Huldigungsschrcibcn, auch Gesuche um Amnestie, dann eine Menge Grüße an die königliche Mutter, sowie an die Herren und Damen des Hofstaates, Bitten um deren Fürsprache. Diese alle will ich jetzt vortragen. Aber Johannes, Du wirst ja so nachdenkend. Ist es vielleicht gefällig, mitzugehen? Ich darf mitbringen, wen und wie Viele ich will. Je mehr, desto lieber ist es dem Allerhöchsten Herrn. Joh. (ernst.) Ich bin jetzt zu einer solchen Audienz nicht gekleidet, auch noch nicht vorbereitet. Beruh. O, da mache Dir keine Sorgen! Dieser Herr sieht nicht aus das Kleid; er sieht nur auf das Herz. Betrachte dort die arme Wittwe und hier den Bettler! Er empfängt sie alle mit gleicher Liebe und Güte. Es dauerte nicht eine halbe Stunde, so betrat Johannes mit seiner Frau im Sonntags-Anzüge die Kirche: sie gingen zur Audienz und verrichteten Hofdienst beim Könige des Himmels. X. 8. Verachte das Gespött der Weltkinder, und trachte nach der ewigen Glückseligkeit. Der heilige Jvo, in Bretagne gebürtig, anfänglich beider Rechte Dvctor, hatte den Titel „Armen-Advocat" bekommen, weil er die Armen um Christi willen stets zn seiner Tafel zog, ja sie nach Kräften in seinem eigenen Hanse unterhielt und nährte, nnd ihre rechtlichen Sachen unentgeltlich vertheidigte. Hernach aber entsagte er diesem müheseligen Amte, wurde Priester nnd war ein besonderer Verehrer Mariens, derer mütterlicher Fürbitte nnd Schutz er sich immerdar befahl. Er achtete keineswegs das Gespött der Weltlente, die ihn in seinem Stande gering achteten, ja oftmals seiner ärmlichen Lebensweise spotteten; da er hingegen in der Welt ein angesehenes Leben hätte führen nnd noch zn höheren Ehrenstellcn gelangen können. Denn die Weltkinder schätzen nur das, was glänzt, nnd urtheilen nach dem Acnßern schief. Allein ihm, dem GotteSmann, war die Ehre Christi über Alles, und die Sorge für sein nnd seiner Brüder ewiges Heil angelegener, als blos RechtShäudel der Menschen, des irdischen GewinncS wegen, schlichten; denn er betrachtete, daß Jesus Christus die Seelen mit seinem Blute so theuer erkauft hatte. Nach diesem göttlichen Mnster führte er deshalb ein armes Leben, liebte den Frieden und söhnte entzweite Herzen gerne aus. — Einstmals, da er ebenfalls ein Brod von seinem Munde für einen Armen ersparte, geschah cS wundersam, daß eine ansehnliche Frau dafür ihm drei Brode brachte: welche er selber für mehr denn eine gewöhnliche Erscheinung, ja für die allerseligste Jungfrau Maria selbst hielt, die er kindlich in allen Nöthen anzurufen pflegte. — Er fastete gewöhnlich an gebotenen Fasttagen bei Wasser nnd Brod, nnd nährte so zu sagen seine Seele mit geistlicher Nahrung, mit dem Lesen und Betrachten der heiligen Schrift; besonders war er beständig in die Betrachtung des bitteren Leidens Jesu vertieft, und betete oft stundenlarrg bei einem Crucifire, wobei er auch zuletzt betrachtend gottselig seinen Geist aufgab. So lebt und stirbt der Gerechte. Der Wandel des Gerechten ist im Himmel, d. h. nnr darauf gerichtet, einst den Himmel zu erwerben. Nicht auf der Welt, L27 sonderu r>nr im Himmel ist wahre Glückseligkeit zu finden, nud darum fragten auch alle GotteSniänner, wie der h. Jvo, nicht nach dem Gespötte der Weltkinder, die Ehre Gottes, des Nächsten Heil und ihre Seele zu retten, das allein lag ihnen am Herzen. Nach welcher Glückseligkeit, mein Christ, ist das Verlangen deines Herzens gerichtet? Strebst auch du vor Allein nach dem Himmel? Und wenn du darnach strebst, handelst du auch stets so, daß du hoffen darfst, die Sehnsucht deines Herzens dereinst wirklich befriedigt zu sehen? Erforsche dich hierüber einmal ernstlich und zwar noch am heutigen Tage. Maria, Matter der Barmherzigkeit. Vor einigen Jahren wurde ein Priester in Straßburg zu einem Herrn gerufen, der sein ehemaliger Mitschüler gewesen, aber leider im Laufe der Zeit am Glauben Schiffbruch gelitten hatte, und nun ernstlich erkrankt, von keiner Bekehrung zu Gott wissen wollte. Der Priester erscheint nud versucht es mit allen Mitteln der Beredsamkeit, den Kranken aas heilsame Gesinnungen zu bringen; allein vergeblich. Alle Einwendungen des Ungläubigen wußte der Priester zu widerlegen; aber sein Herz konnte er nicht erweichen. Da gerieth er auf den Gedanken, den armen Sünder der Himmelskönigin zu empfehlen. „Lieber Freund!" sprach er zu ihm, „mit Angst und Betrübniß sehe ich Sie ohne Versöhnung mit Gott in die Ewigkeit hin- übcrgehen. Haben Sie mir auch Alles versagt, so versagen Sie mir nicht, ein kleines Gebet zur seligsten Jungfrau, ein Ave Maria zu verrichten. Und sollte eS Ihnen au Zutrauen fehlen, so bringen Sie der göttlichen Mutter das meinige dar: sie ist so gütig, daß sie auch auf ein fremdes hinsehen wird. Wenn Sie mir eS versprechen wollen, so getrau ich mir Ihnen die Versicherung zu geben, daß Sie am künftigen Marien-Feste mit Gott sich aussöhnen werden." Die Wangen des Kranken benetzten einige Thränen; er reichte freundlich dem Priester die Hand und betheuerte, daß er eS thun wolle. Mit immer größerer Andacht betete er das Ave Maria. Am Tag Mariä-Verküudignng war der Kranke ganz verändert; die Mutter der Barmherzigkeit hatte ihm die Gnade der Bekehrung erfleht. Er beichtete mit allen Aeußerungen der Reue und empfing die hl. Sterbsacramente mit glühender Andacht. Sein letztes Wort war ein Dank gegen seine mildeste Beschützerin Maria! Wahrheiten für Jedermann. 1. Gute Ermahnungen sind oft, wie die Wintersaat, die Monate lang in der Erde liegt, bis sie ausgeht. 2 . Blicken wir auf die Fehler Anderer, so nehmen wir gerne ein scharfes Fernrohr; sollen wir dagegen auf die eigenen sehen, so kehren wir das Rohr schnell um — und Alles erscheint uns winzig klein. 3. Was man mit Ungestüm verlangt, erhält man entweder gar nie, oder erst dann, wenn man es nicht mehr mit Leidenschaft erstrebt. L Ein guter Mensch wird um so besser, je mehr sein Lebensweg zur Neige geht, gleichwie die Sonne am schönsten wird beim Untergehen. 128 Mit Schwelgen etwas tragen, Ist mehr, als laut zu klagen. 6 . Gehaßt werden oft auch die Besten, niemals aber verachtet. 7. Wenn spielende Kinder sich verstecken, so vermuthet Jedes das Andere in dem Busch, in welchen! es selbst gewesen. Ebenso vermuthet der Mensch Andere gerne in demjenigen Laster, in dem er selber gesteckt war. Darum wollen die Geizigen überall Kargheit, die Stolzen überall Hofsart finden u. s. w. 8 . Wie im Kiesel der Funke schläft, so liegt auch im harten Herzen noch eine Spur von Tugend. 9. Wenn Silbergeschirr geputzt wird, muß es zuvor trüb und schmutzig gemacht werden. Auch die Tugend glänzt am hellsten, wenn zuvor eine Verleumdung über sie gekommen und Freundschaften werden oft um so aufrichtiger, reiner und wahrer, wenn sie durch Verleumdung und Mißverständnisse hindurchgegangen sind. '8 l > Für den Kirchenbau der armen Katholiken in Stargard und Köslin. Uebertrag . Ein Baustein von der Mangfall. Für die armen Katholiken in Stargard. Für die armen Katholiken in Köslin . Motto: „Gottes Gnade verlasse mich nicht." 16 sl. — kr. 1 fl. — kr. 2 fl. 15 kr. 2 fl. 15 kr. Summa: 21 fl. 30 kr. Milde Gaben für die Miffion in Perleberg Uebertrag.3 fl. 18 kr. Von der Mangfall. 1 fl. — kr. Motto: „Gottes Gnade verlasse mich nicht.".2 fl. 15 kr. , Summa: 6 fl. 33 kr. Redaction uno Verlag: Dr. M. Huttler. — Druck von 3. M. Äleinlc.