H». LT. 22. April 1860. Das AugSburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Auqsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Drei Marien - Gedichte cilS Beitrag zur Mai-Andacht von t »,I »N,«I>. 1) Morgen und Abend. Es fällt mein Blick am frühen Morgen, Wann ich von Ruh' gekräftigt bin, Zum Labsal für die neuen Sorgen Aufs Bild der Mutter Gottes hin. Ich muß es lange still beschauen, Dann greif' ich erst die Arbeit an, Mit Andacht, Demuth und Vertrauen Hab' ich gar bald sie abgethan. Am späten Abend kehr' ich wieder Zu ihrem lieben Bild zurück, lind lege dankend vor ihm nieder Des Tagewerkes Leid und Glück. Mein Auge läßt nicht ab zu schauen Nach ihr, der Mutter meines Herrn, Der benebeltesten der Frauen, Der Tage Tr'ost, der Nächte Stern. 2) Die Patronin Mariä Trost hab' ich empfunden Zur Zeit, da ich mich selbst verließ, Er wandelte zum Paradies Die Bitterkeit der trübsten Stunden. Mariä Hilf ist mein Vertrauen, Denn sie erfocht für mich den Sieg, Als jeder and'rc Helfer schwieg, Auf den ich glaubte fest zu bauen. Mariä Rath trat mir zur Seite Und ließ mich nicht in Zweifel steh'n, Ich konnte still und ruhig seh n Auf meinen Feind im ärgsten Streite. Mariä Schutz wird mich erhalten, Ich seh' das Kind in ihrem Arm, Das eine Welt voll Leid und Harm Zur Auferstehung konnt' entfalten. Mit ihrem' Trost und Rath versehen, Von ihrer Hilf' und Schutz bedacht, Will ich am Tage wie bei Nacht Durch jedes Schicksals Windung gehen. ' ' ' ik 130 3) Die Ernte. Ich sehe dich in immer sanft'rcm Lichte, Vermenschlicht, wie es unser Aug' verlangt. Doch mit dem Himmelsstrahl im Angeflehte, Herniederschweben in das Thal, das bangt. Ich sehe Segen aus den Händen fließen, Wie Saamen aus der vollen Hand entfährt, Von Erd' und Himmel wirst du lobgkpricsen Und Alles, was dich siehet, ist verklärt. So stehst du, meinen Blicken nicht verborgen. Der Schutz der Ernte, wenn die Wetter zich'n, Sie freuet sich an deinem Gnaden-Morgen Und trinkt den Thau der Wolken, die entflieh'». O wögst du auch in meiner Lebens-Ernte, Behüterin des nahen Schnittes, steh'», Die — nicht genug, daß sie Gefahr entfernte, — Verderben läßt in Segen übergeh'n! Aus den Missionsbriefen der Gesellschaft Jesu. Madurö in Vorderindien. Während die Stürme der Revolution im nördlichen Indien sich zu legen begannen, sah man im Süden andere sich erheben, zwar von verschiedener Natur, doch aber geeignet, für die Landesbehörden binnen kurzer Zeit sehr bedenklich zu werden. Ich spreche von dem sehr pro- noncirten Kampf und Widerstand der Kasten Wider den Protestantismus, den die Prädicanten durch ihr Benehmen compromittirten. Die Königin von England hatte in ihrer Proklamation erklärt, daß alle Religionen Indiens respectirt werden sollten. Nach diesem Versprechen sollte keine Religion Ursache der Ausschließung von irgend einem Amte oder Befähigung sein. In Folge dessen glaubten die Jndier, denen die Idee von Religion und Kaste synonym ist, daß ihre Gebräuche von der Regierung respectirt würden. An denselben hängt der Jndier, wie an seinem Leben. Nun sind aber die protestantischen Missionäre die erbittertsten Feinde der Kasteneinrichtungen. Immer das Geld in Händen, immer rechnend auf die ihnen auch selten verweigerte Unterstützung der Behörden, geberden sich diese Evangelischen als die muthwilligsten Widersacher der indischen Dorurtheile, und rechnen es sich zum Ruhme, darüber zu triumphiren. Diese Triumphe aber sind am Ende weder Fortschritte in der Civilisation, noch in der Religion; im Gegentheile, sie sind wahre Niederlagen. Wie sie nur irgend einen Vortheil erringen, entzündet sich der Haß aller Jndier, die zu einer etwas höheren Kaste gehören, und wenn sich morgen günstige Gelegenheit ergibt, so werden sich die indischen Bevölkerungen in Masse erheben, um gegen diese protestantische Propaganda eine sicilianische Vesper einzuläuten. Um dies anschaulicher zu machen, will ich erzählen, was in jüngsten Tagen geschehen ist. Es ist eine Episode jenes großen Kampfes, der sich vorbereitet, heute noch unter der Asche lodert, morgen aber zum Ausbruche kommen kann. Nicht weit von meinem Wohnorte ist eine große Stadt, deren sehr berühmte Pagode gleichsam einen der großen Vereinigungspuncte des indischen Heiden- thumes bildet. Die Stadt heißt Tinnevelly. Kein Europäer hat sich je dort niedergelassen. Die Bevölkerung ist ganz eingeboren, besteht aber aus vielen Kasten und vielerlei Religionen. Katholiken gibt es nur wenige, 80 Familien unter den Parias und 7 oder 8 Familien einer besseren Kaste. Die Protestan- 131 ten sind in noch geringerer Anzahl, als wir; ihr Contingent mag 3—4 Familien betragen, doch haben sie eine ziemlich große Kirche erbaut. Dies geschah, weil sie früher große Hoffnungen hegten, die aber nun zu Wasser geworden sind. Eine Anzahl von <40 Leinweberfamilicn, welche, ohne jedoch geadelt zu sein, in Tinnevelly sehr in Ansehen stehen, brauchten Schutz wegen gewisser noch schwebender Processe. Da sie solchen von den Prädieanten erwarteten, so wurden sie evangelische Christen. Als die Gefahr vorüber war, beseitigten sie die neue Religion und deren Diener, und kehrten zum Heidenthum zurück. Ein einziges Individuum fuhr fort, sich Protestant zu nennen. Er that dies aus Interesse und Politik. Da sehe man den Beweis. Dies Individuum war schon sehr alt und dem Tode nahe. Wenige Stunden vor seinem Tode ließ er den Superior der anglikanischen Missionare zu sich rufen, und sagte zu ihm: „Ich bitte um eine Gnade; veranstaltet doch, daß mein Leichnam mit großem Gepränge am Flusse begraben werde, welcher zwischen Palamacottah und Tinnevelly stießt. Ich habe wohl ein Recht auf diese Ehre, weil ich der Einzige bin, der gläubig geblieben ist." Von Seite des Sterbenden war dies die reine Wahrheit. Er wollte, daß man von ihm spreche, und wenn man seinen Leichnam durch eine seiner Kaste verbotene Straße trüge, so wollte er sich dadurch mit ihr einigermaßen aussöhnen. Der Wortsdiener erblickte darin ein Mittel, die Herzen seiner ungetreuen Schäflein wieder zu gewinnen und darüberhin eine Gelegenheit, seine Macht zu zeigen. Er gab also sein Ehrenwort und so war die Sache beschlossen. Sie siel aber anders aus, als der Sterbende und der Geistliche geglaubt hatten. Bald darauf starb der Kranke. Alsogleich wandte sich der Geistliche an den englischen Oberbeamtcn, der ein eifriger Anhänger der Secte und intimer Freund desselben ist, und verlangte eine Ordre an den Magistrat behufs der Beschützung des Leichcnzuges. Dies geschah; allein kaum war es bekannt, als sich die ganze Stadtbevölkerung erhob. Drei Tage hindurch waren alle Kaufläden geschlossen, aller Verkehr gehemmt, und die Straßen mit zornentbrannten Jndiern, die sich mit Prügeln und Steinen bewaffnet hatten, angefüllt. Die Localobrigkeit fürchtete die Folgen solcher allgemeiner Erbitterung, und glaubte deßwegen eine Abänderung des Auftrages der Obcrbehörde unternehmen zu dürfen, weil ein früherer Auftrag diesem widersprach, und ordnete die Nebertragung des Todten durch eine andere Straße an und dessen Beisetzung nach den alten Gebräuchen. Das Volk beruhigte sich und die bewaffneten Zusammenrottungen zerstreuten sich; die Protestanten aber, solchergestalt gedemüthigt, sannen auf Rache; sie weigerten sich für jetzt den Leichnam an gewöhnlicher «stelle einzuscharren, sondern begruben ihn in aller Eile und ohne Feierlichkeit auf ihrem Kirchhof. Die Gelegenheit eines neuen Versuches ließ aber nicht lange auf sich warten. FünfTage darauf wurde einer ihrer Anhänger, ein Mensch aus der untersten Kaste, von der Cholera befallen. Sie eilten, ihn in's Hospital zu schassen, wo er bald starb. Während dieser Zeit wurde ein neuer Magistrat bestellt, dem nun der Oberbeamte die nämliche Ordre, wie das vorige Mal, übersandte. Dieses Mal gehorchte der Magistrat. Strenge Befehle wurden ertheilt, damit der Leichenzug auf der ominösen Straße geschützt werde. Das Volk erhob sich aus's Neue, und die Polizei wich vor der drohenden Menge zurück. Der Magistrat wollte aber nicht nachgeben, und rief das Militär zur Hilfe; 500 Mann rücken eiligst herbei und besetzen die Wege, um das Volk aufzuhalten, welches auf das Gerücht dieses Vorganges von allen Dörfern der Nachbarschaft haufenweise herzuströmte. Der Commandant, ein englischer Officier, und der Magistrat begleiteten den Leichenzug. Kaum hatten sie den Fuß in die für die Todten aus jener Kaste verbotene Straße gesetzt, als die Steine über ihren Häuptern regneten. Die Truppen machten Miene mit dem Bajonette anzugreifen; allein die Masse des Volkes wich nicht von der Stelle. Man droht, Feuer zu geben; zwei Dechargen schießt man in die Luft; aber das Volk, fern sich einschüchtern zn lassen, widersteht lebhaft. Die Steine fliegen in noch größerer Anzahl, und der Commandant wird im Gesichte getroffen. Da nehmen die Sachen eine andere Wendung, die Truppen feuern auf das Volk und zahlreiche Opfer stürzen zn Boden. Man ficht diese Unglücklichen von den ersten Stockwerken des Thurmes der Pagode todt niederstürzen. Andere fielen anf allen Seiten. In Mitte dieses Gemetzels tonnte der protestantische Leichnam vor der Pagode vorbcigetragen werden, und die ganze Begleitung ihren ' Triumphzug fortsetzen. Die Herren Prädicanten waren Sieger! Am folgenden Tag wurde in den öffentlichen Blättern angezeigt, die Zahl der Getödteten be- ' trage 6, am Abend desselben Tages waren es schon 20, Tags darauf wußte man, daß ^6 gefallen seien, und nun weiß man ganz bestimmt, daß deren An zahl 7^ bis 77 sei. Seitdem bewahrt das Volk ein düsteres Schweigen; allein es ist wutherfüllt in seinem Innersten. Alle Jndier sind gereizt durch diese Abschaffung der Kasten, alle sinnen aus Rache. Mittlerweile aber handelt die Regierung sehr energisch. Ein Brahmane erlaubte sich öffentlich, den Protestantismus und die Behörden zu tade ln; man führte ibn vor den Magistrat, von dort zum Richter, der ihn zu dreijähriger Kcttcnstrafe verurtheilte. Mehrere Individuen, welche beschuldigt wurden, Steine geworfen zu haben, wurden ergriffen, und die einen zu 3, die andern zu 5 Jahren schweren Kerkers verurtheilt. Die vornehmsten Jndier haben Agenten nach Madras gesendet, um Gerechtigkeit zn erlangen und die Sachen stehen nun anf diesem Punct. —- Ich komme nun auf einen noch schwerer wiegenden Gegenstand, der gegenwärtig ganz Malleallan, oder das Königreich Travancor in Aufregung versetzt. ^>er König dieses Landes ist ein Heide, und hat nicht mehr Macht, als das britannische Gouvernement ihm einzuräumen für gut findet. Er bedarf der aus- > drücklichen Erlaubniß des englischen Residenten, wenn er mit einem Europäer sprechen, oder aus einer gewissen Umgrenzung hinansschreiten will. Unter dem Schutze dieses gefangenen Königs haben sich jedoch die Gebräuche der Kasten besser erhalten, als im Nachbarlande, wo ich wohne. Unter diesen zahllosen Gebräuchen ist einer ein sehr abgeschmackter, unsittlicher, und eines für civilisirt gehaltenen Landes sehr unwürdiger. Wenn nämlich eine Person aus einer niederen Kaste mit einer andern aus einer höhern Kaste spricht, oder sich nur ihr vorstellt, so muß sie ihre Schultern, ja den ganzen Oberleib bis zum Gürtel entblößen. Folglich müssen die Frauenspersonen, so oft sie öffentlich erscheinen, dieser Entblößung sich unterziehen. Der Katholicismus konnte natürlich solche Unanständigkeiten nicht gleichgiltig zulassen; allein die Missionäre, aller menschlichen Hilfe bar, konnten diesen Unfug auch nicht direct angreifen. Die besonnene, sanfte und geduldige Verfahrungsart der apostolischen Arbeiter im Verein mit den Ideen europäischer Civilisation hatte gute Erfolge. In den der englischen Herrschaft gänzlich unterworfenen Ländern, wie der District von Tinnevelly und selbst in Travancor, können die katholischen Frauen öffentlich herumgehen, ohne besagtem unsittlichen Gebrauch sich unterwerfen zu müssen. Nur für gewisse Gegenden herrscht eine Ausnahme, wo nämlich die Brahmanen oder andere höhere Kasten wohnen, oder sich häufiger einsiuden Die Protestanten aber, anstatt wie wir einfach und demüthig zu Werke zu gehen, wollten auch hier ihre Macht zeigen, und haben Alles verdorben. Was thaten sie? In Travancor schnürten sie alle liederlichen Weibsleute und alle Schulmädchen in Corsette ein. Wie diese Unglücklichen mit der europäischen Toilette auf den Gassen erschienen, wurden sie mit Hohngelächter empfangen, und so oft sich ein solches Corsett zeigt, schreiet Alles zusammen: „Sehet eine protestantische Parias!" Die Katechisten ärgerten sich darobs, und fingen an, ihre Frauen nach Art der vornehmeren Kasten zu kleiden. Dies verursachte nun große Verwirrung. Die Heiden der 3 untersten 133 Kasten hofften von ihrer Erniedrigung erlöst zu werden, wenn sie sich an die protestantische Bewegung anschlössen. Die nächste Wirkung hievon waren Streitigkeiten, Processe und tödtliche Feindschaften. Die Sache kam bis vor den König. Dieser, nachdem er die Bewilligung der englischen Regierung erhalten, erklärte sich zu Gunsten der höheren Kasten, und ließ unter Trommelschlag verkünden, daß die Frauen der drei letzten .Kasten, seien sie Christen oder Heiden, nur im Zustande der Nacktheit nach altindischem Gebrauche öffentlich erscheinen dürften. Die noblen Kasten, um die Physische Nebermacht der Gegenpartei zu schwächen, und ihre eigene Anzahl zu vermehren, erklärten die Türken, die Paravers und die Moukouvcrs für Leute edler Racc, deren Frauen sich bedecken dürfen. Die beiden letzgenannten Kasten sind zahlreich und katholisch, und hätten der Partei, die man demüthigen wollte, ein beträchtliches Ncbcrgewicht verliehen. Die Ehre, die mau ihnen aus Barmherzigkeit, aber auch aus Berechnung zugestand, sollte sie nun davon trennen. Die königliche Proclamation hat Niemanden befriediget, und das Uebel nur ärger gemacht. Seitdem kann kein Weib mehr öffentlich sich sehen lassen, ohne von der einen oder andern Partei angefallen zu werden, und ihre Kleidung bis zum Gürtel in Stücke gerissen zu sehen. Es sind gegen 100 Sipahis unter dem Commando eines englischen Ossiciers, an der Spitze derselben der erste Minister des Königs von Travancor, auch eine englische Creatur, angekommen, um das so unanständige Decret des Königs zur Ausführung zu bringen. Raufereien und Brandlegungen sind die ersten Folgen davon. Die Bewegung theilt sich schon den Nachbardistricten mit, und die Souars v. Tinne- velly wollten jenen von Travancor zu Hilfe eilen, wurden aber von den englischen Truppen daran gehindert. Ceylon und Madurö sind sonach in einem Zustand der Aufregung, der Alles befürchten läßt, wenn die Protestanten noch länger schalten und walten können. — Die Proclamation, welche jeglichem Cult gleichen Schutz zusagte, könnte unseren braven Katholiken große Vortheile bringen. Bis nnn sind bei der Post, der Polizei, der Finanz, den Gerichten alle Stellen ausschließlich mit Türken, Heiden und Protestanten besetzt. Der Katholicismus war factisch ein Titel der Ausschließung und nichtsdestoweniger, wenn einige Katholiken mehr in der Armee und in der Verwaltung gewesen wären, wären die Engländer nicht so abscheulich verrathen und hiugemordet worden. Es ist gegen 50 Jähre, daß in einem Sipahi-Regiment eine Meuterei ausbrcchen und alle europäischen Officiere ermordet werden sollten. Allein im Regimente diente ein katholischer Sipahi, der brave Castouri; er zeigte Alles dem Commandanten an, und das Complvtt scheiterte. Zur Belohnung schenkte die Regierung dem Castouri ein gewisses Terrain in der Nähe von Palamacottah. Eine gleiche Belohnung erhielt auch ein türkischer Sipahi von Trichintipaly, welcher ebenso treu gehandelt hatte. Beide Männer, zu gleicher Zeit, auf gleiche Weise und wegen der gleichen Handlung belohnt, sind schon lange todt. Die Familie des Türken befindet sich noch im Besitz des geschenkten Terrains; die katholische Familie aber, daraus verdrängt und von Allem entblößt, lebt in größtem Elende. Die Kinder des treuen Castouri mögen Wohl seit zehn Jahren petitioniren, sie werden bald unter dem einen, bald unter dem andern Verwand abgewiesen. Diese unglücklichen Armen, denen ich oft ein Almosen gegeben habe, um die Kosten des Bittgesuches und das Postporto zu bestreitcn. Wären sie Protestanten geworden, so hätten sie ihre Güter längst schon zurückerhalten; aber nun haben ihre Bitten noch nichts erwirkt, und arm und katholisch zu sein, ist für sie ein doppeltes Unglück. Papst Pius IX und der Schichflicker. Papst Pius IX., der 259. Nachfolger des heil. Petrus, steht jetzt in einem Alter von 68 Jahren. Seine Gestalt ist von mittlerer Größe; in seiner ganzen Haltung und Bewegung liegt jedoch eine Ehrfurcht gebietende Majestät. Aus seiner offenen freien Stirne thront Hoheit und Würde; aus seinen lebendigen Augen leuchtet Verstand und Entschlossenheit; seine klangvolle Stimme erweckt Vertrauen, um seinen Mund spielt beständig ein freundliches Lächeln; seine Züge sind voll, aber sie lassen bemerken, daß schwere Leiden darüber hinweggezogen sind. Wenn der heilige Vater sich zeigt in dieser liebenswürdigen, anmuths- vollen Gestalt, mit seinen weißen Haaren, angethan mit seinem großen, ganz Weißen Talare und der hohenpricsterlichen Stola, glaubt man eine tröstende Erscheinung aus einer besseren Welt zu sehen. Das Aeußere des heil. Vaters ist ein Bild seines Seelenlebens. Pius IX. ist keiner von jenen Päpsten, welche die Welt mit der unbeugsamen Durchführung großer Ideen in Erstaunen setzten; nicht mit unerbittlicher Strenge will er das Scepter eines Statthalters Christi auf Erden führen: sein ganzes Wesen ist Milde und Herzonsgüte. Wie einst Gott dem Elias nicht im Sturm und Erdbeben und Feuer, sondern im Säuseln sanfter Lüste erschien, so will auch Pius IX. seinem Volke und dem Universalreich der Kirche mehr «in gütiger Vater als ein strenger Herrscher sein. Diese väterliche Liebe des Papstes zieht sich wie ein goldener Faden durch seine ganze Wirksamkeit. Nachdem Johann Mastai-Ferretti (dies ist sein Familienname), Sohn des Grafen Jerome Mastai zu Sinigaglia, seine Vorstudien am Gymnasium zu Volterra beendet und die Theologie mit großer Auszeichnung zu Rom absolvirt hatte, wurde ihm die Leitung einer schönen Waisenanstalt ^ übertragen, die in Rom unter dem Namen Tata Giovanni bekannt ist; in der bescheidenen Kapelle dieses Hauses brachte er Gott zum ersten Mal das heilige Meßopfer dar. Diese Anstalt, durch einen braven Maurer gegründet, zählte ungefähr 100 Waisenkinder. Der Abbate Mastai war für diese Kleinen ein Vater. All' sein Geld gab er hin, um den Kleinen wärmere Kleider und eine gesundere Nahrung zu verschaffen; er ließ es auch an Freude und Vergnügen nicht fehlen. Da er selbst von Natur sehr munter ist, so war er ganz glücklich, wenn er diesen verlassenen Kleinen so recht frohe und heitere Stunden bereiten konnte. Es ist noch gar nicht lange, als der heilige Vater in Begleitung eines Prälaten seines Hauses an einer Mauer vorüberging, die zum Theil abgebrochen war. „Ich selbst", sagte er, „habe dies thun lassen; ich suchte überall einen Garten für meine kleinen Waisen, konnte aber nirgends einen solchen erhalten; nun stand hier ein Haus, welches mir zugehörte; ich ließ es abbrechen und so hatte ich einen Garten." Es ist fast unnütz zu sagen, wie sehr er von allen Kleinen geliebt wurde. Ein armer Schuhflicker, der früher unter seiner Leitung ein Waisenkind dieser Anstalt war, sagt von ihm Folgendes: - „Als der Cardinal Mastai zum Papste erwählt war, sagten ich und seine früheren Zöglinge: Wahrlich, er ist für uns ein Papst der Armen und Verlassenen!... Ich erinnere mich noch immer meines Platzes, den ich im Speisesaale zu Giovanni an der Ecke eines Tisches acht Jahre besessen, und da ich nicht sehr still, noch sehr reinlich war, so blieb Abbe Mastai sehr oft bei mir stehen und gab mir eine väterliche Rüge... „Ich habe zu Tata Giovanni einender traurigsten Auftritte meines ganzen Lebens erlebt; es war an einem herrlichen Sommerabende, ich vergesse ihn nie. Nach einem Aufenthalte von sieben Jahren mußte uns Abbe, Mastai verlassen, weil er für eine ferne Mission bestimmt war. Wir wußten es noch nicht, als 135 schon der Augenblick unserer Trennung geloinmen war. Wir bemerkten, daß erwählend des Abendessens kein einziges Work gesagt hatte. In dem Augenblicke, als wir das Dankgebet gesprochen und vom Tische aufstehen wollten, gab er uns ein Zeichen, sitzen zu bleiben; und nun theilte er uns die traurige Nachricht mit... Ein Schrei des Schmerzes ertönte von einem Ende des Speisesaales bis zum anderen. „Wir waren unser 122, Große und Kleine, und Alle weinten vom Kleinsten bis zum Größten. Alle zusammen verließen wir unsere Plätze, um uns in seine Arme zu werfen! Einige küßten seine Hände, Andere hängten sich an seine Kleider; Diejenigen, welche ihn nicht berühren konnten, riefen seinen theueren Namen und flehten zu ihm, uns doch nicht zu verlassen. Wer soll uns trösten? ... Wer wird uns lieben? ... Er wurde so bewegt über unser Jammergeschrei, daß er selbst mit Thränen in den Augen ausrief, indem er einige der Zunächststehendcn an seine Brust drückte: „Ich hatte niemals geglaubt, daß unsere Trennung so hart sein würde." Darauf riß er sich aus unserer Mitte und stürzte in sein Zimmer, aber er versuchte vergeblich, die Thür zuzumachen, Wir traten mit ihm hinein. Diesen Abend wollte Keiner schlafen. Er tröstete, er ermähnte uns aus die rührendste Art. Er empfahl uns die Arbeit, den Gehorsam gegen seinen Nachfolger, die Liebe zu unseres Gleichen, die Erfüllung aller unserer Pflichten und Ergebung und Geduld bei allen Unglückssällen. „Der Tag brach endlich an, und wir hörten schon vor der Thüre den Wagen stille halten, der unseren Wohlthäter wegführen sollte. Eine Stunde nachher und wir waren Waisen zum zweiten Mal!".. Der arme Schuster vergoß eine Thräne, indem er seine Erzählung beendigte. Eines Tages sprach man mit dem heiligen Vater über ihn, der lächelte, da er erfuhr, daß eines seiner früheren Waisenkinder in Pins IX den Abbö Mastai wiedererkannte. Wir müssen, sagte er, dafür ein Andenken geben. Und schon den anderen Tag schickte er ihm einige Doublone in Gold, die der arme Mann mit seinen Küssen bedeckte, und wie eine kostbare Reliquie bis heute aufbewahrt. Nächstenliebe. Ein Berliner sehr achtbarer Geschäftsmann war in letzter Zeit- durch allerlei Unglücksfälle in seinen Vermögensverhältni'sscn derart derangirt worden, daß er Erecntionen nicht mehr abzuwenden vermochte und kürzlich sogar zum Schuldenarrest abgeführt wurde. Für die Familie war dies ein um so härteres Unglück, als dieselbe früher in guten Verhältnissen gelebt hatte und nun sogar ihres Ernährers beraubt war. Wie aber so oft im Leben das schwerste Geschick zuweilen sich nicht so hart erweist, daß es nicht auch gute Folgen haben könnte, so auch hier. Der Kaufmann und Lederhändler N. steht im Begriff, eine andere Wechselforderung gegen den unglücklichen Familienvater einzutreiben und begibt sich dieserhalb in die Wohnung desselben. Da erfährt er, was geschehen, — ohne sich zn besinnen, hebt er die eigene Erecntion auf, tröstet Frau und Kinder in herzlichen Worten und da er sich jedem Dank entziehen will, wendet er sich an einen andern Geschäftsfreund mit dem Anftrage, den Unglücklichen beiznstehen und ihnen zur Linderung der drückend- sten Noth dasjenige an baarem Gelde zu behänvigen, was seine Theilnahme für'S Erste bestimmt hatte. Nachdem dies geschehen, suchte er bei Freunden und Verwandten ein Sümmchen zusammen zu bringen, läßt mit den Gläubigern seines eigenen Schuldners eben so schleunig als thatkräftig unterhandeln und arrangirt die Sache soweit, daß in diesem Augenblicke die gegründete Hoffnung vorhanden ist, dem armen Zurückgekommenen werde vollständig geholfen werden. Solche Züge wahrer Herzensgute und uneigennütziger Handlungsweise verdienen gewiß öffentliche Anerkennung. Die wahre Auferstehung. Haubs erzählt in seinen Homilien eine einfache Geschichte, die uns mit wenigen Worten zeigt, wie wir vom Tode der Sünde auferstehen sollen. — Ein junger Mensch, heißt es da, begegnete nach Ostern einer Person, mit welcher er vorher einen verbotenen Umgang gepflogen, die aber das große Glück hatte, sich zu bekehren. Erstaunt, daß sie, ohne auf ihn zu achten und ihn zu grüßen, an ihm vorüberging, redet er sie also an: „Kennen Sie mich denn nicht mehr? Ich bin ja der und der .... " Sie antwortete: „M ö gen Sie Iener sein, ich bin aber nicht mehr Jene." — Das heißt von den Todten auferstehen, wenn man seine früheren Sündenwege verläßt, seine sündhaften Gewohnheiten, Bekanntschaften und Neigungen aufgibt, und nichts mehr sucht, nichts mehr will, als nur Christum und der Seele Heil. — Die heilige katholische Kirche, unsere liebevoll sorgsame Mutter, fordert gleichfalls eine solche heilsame Auferstehung von allen ihren Kindern; darum verordnet sie nicht ohne weise Absicht gerade zur Osterzeit die sogenannte österliche Beicht und Comm union. Wohl Jenen, die dem Rufe ihres auferstandenen Heilandes und der weisen Anordnung ihrer heiligen Kirche treulich folgen! Alina d' Eldir. In Paris lebte vor einigen dreißig Jahren eine Schriftstellerin, die von Geburt eine indische Prinzessin und eine rechtmäßige DeScendeutin von Timur oder Tamerlan war. Sie wurde von gewinnsüchtigen Räubern in der Kindheit entführt und endlich nach Frankreich gebracht. Sie hieß Altna d' Eldir. Sie wurde dem Hofe Lnvwig XVI. vorgestellt und kannte die unglückliche Königin Maria Antoinette, von der sie in ihren Schriften sehr sinnreich sagt: Sie besaß die Anmuth Frankreichs, die Klugheit Englands, die Lieblichkeit Italiens, die Strenge des Nor- denS und die Majestät Asiens. Im Jahre 1818 kam ein indischer Scheich in Paris au, um sie im Namen der regierenden Familie in Indien vom srauzössischen Hofe zurück zu fordern. Allein die Prinzessin, welche inzwischen den christlichen Glauben angenommen hatte, wollte lieber arm in Frankreich bleiben, als unter dem Pompe des OrieutS die wahre Religion verlassen, der sie von ganzem Herzen gehuldigt hatte. Für den Kirchenbau der armen Katholiken in Stargard nnd Köslin. Uebertrag.21 sl. 30 kr. Bon München ein Baustein für die armen Katholiken in Stargard 1 fl. -15. kr., Bon München ein Baustein für die armen Katholiken in Köslin 1 fl. 45 kr. , ,, Summa: 25 fl. — kr. Milde Gaben für die Mission in Perleberg. Uebertrag.6 fl. 33 kr. Von München.. 1 fl. 45 kr. Summa: 8 fl. 18 kr. Redaction uno Verlag: II n. M. Hüttler. —. Druck oo» I. M. Kleinlc.