AiigMgrr AmtugMM. SL. 3. Juni 1860. DaS Augsburger TonntaaSblatt (Sonntags-Beiblatt zur AuqSburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die LeidenSblume.*) 6. Im Dorfe wohnte ein Amtmann, dessen Töchterchen der kleinen Clara Altersgenosfin und Gespielin war. Einst kam nun Clara voll Freude nach Hause gesprungen. — Mutter! — rief sie — Ich chabe heute bei Amtmanns eine wunderschöne Blume gesehen; aber sage mir, warum heißt sie denn Leidensblume, wie sie Röschen nannte? Sie ist so lieblich, daß bei ihrem Anblicke das Herz vor Freude brechen möchte. Sie heißt Leidensblume, weil sie das Leiden unseres Erlösers versinnbildet. Wie das? Sage mir erst, welche Farbe die Blume hatte, weil es deren mehre Arten gibt. Sie war weiß und in der Mitte purpurroth. Gib nun Acht! Die Blume ist weiß, die Schuldlosigkeit des Leidens unseres Heilandes anzudeuten. Roth ist überhaupt die Farbe des Leidens. Daß aber die Mitte der Blume, also ihr Strahlenkranz roth ist, soll uns daran erinnern, daß das Herz Jesu, der Mittelpunct des Lebens, am tödlichsten vom Leiden betroffen ward. Der Strahlenkranz ist ferner die Krone jeder Blume. Mit der Krone verbinden wir den Begriff des Höchsten. — Das soll also sagen — fiel Clara der Mutter in's Wort — daß das Leiden Christi die höchste Stufe erreicht hat. Getroffen, mein Kind! Nun laß Dir noch Etwas bemerken, was Du vielleicht nicht beobachten konntest. Gerne stützt sich der Stiel dieser Blume an die benachbarte stärkere Pflanze. Selbst in diesem geringfügigen Umstände liegt die tiefste sinnreichste Deutung. Ich habe sie, ich habe sie — rief Clara frohlockend — Simon half Jesu sein Kreuz tragen. Und warum meinst Du wohl, daß dies geschah? Ei aus demselben Grunde, aus welchem ein Mensch dem Andern Etwas tragen hilft, weil Einer für die Last zu schwach ist. Nachdem Clara dies gesprochen, ward sie Plötzlich ernst und nachdenkend. Einige Minuten herrschte Stille. Dann begann die Mutter: Worüber sinnst Du, mein Kind! Du hast mir so oft gesagt, daß der Mensch das höchste Wesen auf Erden sei. Jetzt beneide ich diese Blume um ihr herrliches Loos. Thue das nicht! Was die Blume unfreiwillig ist, das kann der Mensch aus freien Stücken werden: das möglichst vollkommene Abbild des göttlichen Leidens. Bitte, bitte, Mütterchen! zeige mir das und nimm dazu einen recht braven, frommen Menschen, denn gewiß nur ein solcher kann ein Abbild Gottes werden. Du hast nicht ganz Unrecht; allein wir sollen nicht immer an andern *) Die weiße Passionsblume. Menschen lernen wollen. Am besten lernen wir an uns selbst; deßhalb habe ich Dich hiezu gewählt. Mich? bin ich denn so brav und fromm? — fragte Clara ganz verwundert. Gott behüte mich, daß ich dieses je behaupte; allein Du kannst und sollst es werden. Und ich will es werden, meine liebe, gute Mutter! Das freut mich. Lege jetzt einen Beweis davon ab, indem Du hübsch aufmerkst! Siehe: Während der Heiland freiwillig litt, so müssen wir Alle, der mehr, jener minder, unfreiwillig leiden. Wir Alle? Ja, auch Du, mein Kind! Hat Dir noch nie ein Finger, oder der Kopf, oder sonst Etwas wehe gethan? Oft schon. Aber meistens war ich selbst Schuld daran. Wenn mich der Finger schmerzte, hatte ich mich geschnitten oder gestoßen. Darin unterscheiden wir uns also vom Heilande, der ohne Selbstverschulden litt, während wir gewöhnlich selbst Ursache an unsern Leiden sind. Allein in einer andern Art können wir Jesum in der Schuldlosigkeit des Leidens nachahmen. Ich weiß, liebe Mutter! was Du sagen willst. Mir fällt die alte Martha bei'm Tode ihres Kindes ein. Sie gab in ihrem Schmerze Alles Gott anheim. Du hast's gesunden. Wie der Mittler sein unverschuldetes, so müssen wir unser verschuldetes Leiden tragen gleich einem Schuldlosen durch die gänzliche Hingabe an Gott, den Schuldlosesten. — Welcher Schmerz indessen hat Dir unter allen Schmerzen am Wehesten gethan? Der Schmerz, welchen mein Herz empfand. Sie hierin eine Ähnlichkeit mit dem göttlichen Leiden! Die ausgebreiteten Arme, die durchbohrten Füße am Kreuze, die Dornenkrone auf dem Haupte ! schmerzten den erhabenen Dulder nicht so tief, als die Wunden seines Herzens. — Weßhalb, oder wann nun that Dir das Herz am Wehesten? Wenn ich Dich beleidigt hatte, liebe Mutter! Hierin liegt ein Gegensatz, welcher uns so recht an den Unterschied des göttlichen und menschlichen Leidens erinnert. Erkläre mir dies deutlicher! Den Heiland schmerzten die Wunden des Herzens am meisten, weil er es ^ mit dem Herzen empfand, daß ihn die Menschen verwundeten, deren Wunden er unaufhörlich geheilt. Uns thut das Herz am Wehesten, wenn und weil wir ^ fühlen, daß wir Andern wehe gethan. — Der göttliche Dulder empfand die Wunden, welche ihm geschlagen wurden. Wir empfinden da gleichsam die Wunden, die wir selbst geschlagen. Clara weinte. Weine nicht, mein Kind! Es gibt Etwas, das uns selbst im herbsten Leide tröstet. Auch hierin erinnert uns die Passionsblume an eine Ähnlichkeit und einen Unterschied des göttlichen und menschlichen Leidens. Ich verstehe Dich nicht. Wenn Dir etwas wehe thut, wem klagst Du es? Dir, liebe Mutter! weil ich weiß, daß Du an meinem Schmerze treulich Theil nimmst. Wie also Simeon Jesu das Kreuz tragen tragen half, so haben wir auf Erden Menschen, die unser Kreuz tragen helfen. Hierin beruht die Ähnlichkeit zwischen beiden Leiden, wenn gleichwohl Simeon unfreiwillig half, wir aber öfter zu aufrichtiger Theilnahme bereitwillige Herzen finden. Nun höre weiter! Als ich jüngst so krank war, daß ich den Tod erwartete, und der Arzt Dir verboten, Dir etwas gegen mich verlauten zu lassen; wem klagtest Du da Deinen Kummer? Vielleicht der Nachbarin? ! 179 O nein, Mutter! Sie war so griesgrämig, theilnahmlos. Wem denn? Ich eilte in mein Stübchen und schloß dem lieben Gott mein Herz auf. Wie fühltest Du Dich nach dem Gebete? Mir war so wohl, wie wenn mir eine schwere Last zur Hälfte abgenommen worden. Gewahrst Du jetzt die Verschiedenheit!? Ja, Mutter! Gott ward im Kreuztragen von einem Menschen unterstützt, wir aber erfreuen uns hierbei der göttlichen Hilfe. Wessen Kreuz wird also eine sanftere Bürde sein? Gewiß das uns'rige. Noch mehr. Wenn uns Gott das Kreuz eine Strecke Weges tragen half, so nimmt er uns oft ganz. Ja, allein auch Jesu ward das Kreuz genommen, nachdem es ihm Simeon mitgetragen. Wohl war! Als aber Jesu das Kreuz abgenommen, ward er nicht daran geheftet, um zu sterben? — Und Du? Als mir Gott mein Kreuz genommen und Dich wieder gesund werden ließ, begann für mich ein neues Leben. Siehe! mein Kind! So ist die Passionsblume ein Mahnbild, wie wir im Leiden dem Erlöser ähnlich werden können und sollen zur Belebung unseres Muthes; sie erinnert uns aber auch an die unendliche Verschiedenheit zwischen göttlichem und menschlichem Leiden zur Demüthigung unseres Herzens. Der Verein der unbefleckten Empfängnis Mariä zur Unterstützung der Katholiken im Orient. In mannigfachen Weisen tönen schon seit vielen Jahrzehnten die Seufzer der katholischen Bewohner der westlichen Provinzen des türkischen Reiches in die österreichische Monarchie hinüber. Indeß die Bevölkerung des östlichen Bosnien dem Schisma heimfiel, ist die näher liegende des Westens vom Anbeginn Heu bis zum heutigen Tage der katholischen Kirche treu geblieben. Der Adel des Landes sicherte Lei dem Einbruch der Türken seinen Besitz durch den Abfall zum Islam. Unter öfters wiederkehrenden schweren Verfolgungen fand sich ein großer Theil der glaubenstreuen Einwohner zur Auswanderung genöthigt. Von dreißig Fran- ziscanerklöstern, die einst für die Erhaltung der christlichen Lehre und des christlichen Lebens wirkten, haben blos drei die schweren Stürme der Zeit überdauert, die andern sieben und zwanzig sind verschwunden. Jenen ist die Erhaltung des katholischen Glaubens unter großen Mühen, unter niemals weichenden Gefahren zu verdanken. Sämmtliche Priester des Landes gehören diesem eifervollen Orden an. Aus einem Flächenraume, welcher den von Mähren und österreichisch Schlesien übertrifft, wohnen 120,000 Katholiken des kroatischen Volksstammes. Sie sind insgesammt eben so arm, als glaubenscifrig. Durch das ganze Land zerstreut werden sie Wohl in 56 Pfarreien eingetheilt, besitzen aber blos fünf Kirchen, drei davon jenen Franziscaner-Conventen angebaut, zwei kleine anderwärts. Da jedoch alle fünf zusammen kaum den sechzigsten Theil der Katholiken fassen könnten, diese nicht selten, um zu einer solchen zu gelangen, Tagereisen zurückzulegen hätten, so müssen die Priester die hl. Messe meistentheils auf freiem Felde, unter Zeltdächern oder Laubhütten feiern; an Orten, wo sie etwas besser dran sind, in Bretter- Hütten neben Viehställen, an Oertlichkeitcn, welche einzig dem Priester ein noth- dürftiges Obdach gewähren, während die Gemeinde in Staub, Schlamm oder Schnee knieend dem Gottesdienst beiwohnt. Oft muß von dem bewaffneten und nach türkischer Weise gekleideten Ordensmanne die heil. Wegzehrung über unwegsame Gebirge auf Tagreisen weit gebracht werden. Daß es überhaupt in diesem Lande noch Priester gibt, ist einzig der christlichen Fürsorge des österreichischen Kaiserhauses zu danken. Zwar hat in neuerer Zeit die Verhandlung des verstorbenen F--M.-L- Grafen von Leiningen mit dem Sultan den katholischen Christen Bosniens die Befugniß erwirkt, neue Kirchen bauen, neue Franziscanerconvente gründen zu dürfen. Wie sollen aber die Gläubigen bei ihrer bitteren Armuth dieses erfreuliche Zugeständniß sich zu Nutze machen, da es ihnen an allen Mitteln hiesür gebricht? Wohl haben sie aus ihren Nothpfennigen Bauplätze sich angekauft, wohl schleppen sie auf ihren Schultern über Pfadlose Strecken Steine und andere Baumaterialien zusammen; aber mit all dem erheben sich noch keine, wenn auch noch so ärmlich ausgestattete Kirchen. Erst seit einigen Jahren fließt aus den Sammlungen des St. Franz-Laver-Missionsvereins den Bosniern jährlich eine Summe zu; aber auch das ist dem schreienden Bedürfnisse gegenüber nur ein ärmlicher Nothbehels. Diese Thatsachen, obiger wahrheitsgemäßen Schilderung der kirchlichen Zustände Bosniens an die Seite gestellt, heben die Nothwendigkeit eines ausgiebigeren und nachhaltigen Mitwirkens durch die Gläubigen des Abendlanves in der augenfälligsten Weise hervor. Diese Nothwendigkeit wird noch einleuchtender durch die Erwägung, daß einzig die katholische Geistlichkeit, d. i. der seraphische Orden es ist, welche die Achtung vor abendländischer Sitte, Bildung und Wissenschaft auch unter den Muhamedanern Bosniens fortwährend erhält, und. daß es wahrscheinlich nur eines ernsten Anstoßes bedürfte, um die ursprünglich slavische Bevölkerung dieses Landes in großer Zahl zum christlichen Glauben zurückzuführen. Demnach würde andauernde Bethätigung christlicher Liebe nicht s blos tröstend, beruhigend, ermunternd auf die Mitlebenden einwirken, sondern zu- ! gleich eine erfreulichere Zukunft anbahnen. Ist zwar in Alt-Serbien die Zahl der Katholiken unbeträchtlicher, als in den bisher genannten Landschaften, so ist deren Erhaltung um so dringlicher, da dort das höchst Berücksichtigungswerthe vorkömmt, daß hier und da in einem Hause heimlich katholischer Gottesdienst gefeiert wird, indeß die Bewohner öffentlich in der türkischen Moschee sich einfinden. Knüpft sich nicht hierin die Hoffnung, die noch nicht erloschenen Erinnerungen an die Vergangenheit dürften früher oder später wieder zum hellen Bewußtsein sich entfalten? Soll nicht Jeder, dem sein Glaube und seine Kirche lieb sind, hierin eine Mahnung erkennen, zur Erhaltung des noch Vorhandenen, zur Anbahnung einer heiteren Zukunft willfährig beizutragen ? Wenden wir uns nach Macedonien. und dem Oesterreichs Gränzen noch näher gelegenen Albanien. Auch in diesen Landschaften ist die Erhaltung des katholischen Glaubens einzig dem unbesiegbaren Eifer der armen Jünger des heil. Franziscus zu ver- i danken. Unter dem Erzbischof von Durazzo stehen in achtzehn Gemeinden etwas über 8000 Katholiken, unter 140,000 Muhamedaner und eben so viele Schismatiker zerstreut. Drei von jenen Gemeinden entbehren einer Kirche, so daß der Priester zur Feier des Gottesdienstes einer Privatwohnung sich bedienen muß. Die vorhandenen Kirchen sind meistentheils sehr klein, nach morgenländischer Weise blos aus getrockneten Backsteinen erbaut. Mehr, als Materialien für ihre gottes- dicnstlichen Gebäude mühsam herbeizuschaffen, vermögen bei drückender Armuth die Gläubigen auch hier nicht. Die meisten dieser Kirchen besitzen ein eiziges Meßgewand, welches für jedes Fest dienen muß, einen einzigen Kelch, diesen nicht immer in der vorgeschriebenen Beschaffenheit. Dann fehlen Altarleuchter und f 181 Anderes, was der einfachste Gottesdienst erheischt. Wie dringlich wäre nicht Hilfe schon in dieser Beziehung! Der Erzsprengel von Antivari, ebenfalls in Albanien, zählt gegen 7000 ' Katholiken; in den Sprengeln von Scutari und Alexia wohnen deren mehr. Die Lage Aller ist keine günstigere, als in den bisher genannten Landschaften der europäischen Türkei. Wie sehr die von Armuth gedrückten Katholiken der Unterstützung ihrer diesseitigen Glaubensgenossen bedürfen, erhellet auch daraus, daß ihre Bischöfe sich hinreichend ausgestattet sehen, wenn jedem 200 Scudi durch die Propaganda zu Rom zugestellt werden, sie im Uebrigen auf die Gaben der Armuth ihrer höchst bedürftigen Pflegebefohlenen sich angewiesen sehen; so wie daß ein Missionär mit dem zehnten Theile des erwähnten Betrages durch das ganze Jahr hiedurch sich behelfen muh. Betrübend muß es für jedes lebendige Glied der Kirche sein, zu vernehmen, daß die Zahl der Katholiken in den Provinzen der europäischen Türkei sich vermindert. Aus dieser Thatsache sollte eine ernste Mahnung an dasselbe ergehen, vereint mit Anderen dazu beizutragen, daß die noch Vorhandenen in ihrem Glauben erhalten werden, die Zahl derselben sich mehre. Zu jener Verminderung haben freilich Verfolgungen Lurch die Moslemin, arge Bedrückungen von Seite der Schismatiker vielfach beigetragen; ein Grund derselben liegt aber auch in dem Mangel an Priestern. Dieser zwingt nicht selten die Gläubigen, ihre Ehen durch Schismatiker einsegnen, durch diese ihre Kinder taufen zu lassen. So ist es gekommen, daß selbst ganze Gemeinden ihrem katholischen Glauben entsagt haben, wie dieses zu Nikopolis an der Donau in Bulgarien geschehen ist. Jenen, durch Jahrhunderte andauernden Bedrängnissen und Beschränkungen gegenüber hat die neueste Zeit das Erfreuliche gebracht, daß von den Christen in de^ Türkei — namentlich den katholischen — durch den Hat-Humayum des Sultans der bisher auf ihnen lastende Druck, das empfindlichste Hemmniß ihrer gottesdienstlichen Uebungen, hinweggenommen werden soll. Stellen sich auch der Durchführung dieses Erlasses noch manche Hindernisse entgegen, der Verlauf der Zeit, der Glaubensmuth unserer Mitchristen wird dieselben allmälig beseitigen; die Befugniß, neue Kirchen zu Lauen, die bisherigen herzustellen, sie zu erweitern, wird und muß endlich vom Papier ins Leben übergehen. Damit dieses geschehe, müssen diese armen Völkerschaften auf das Gebet und die werkthätige Mithilfe ihrer begüterten und rücksichtlich ihrer geistlichen Bedürfnisse längst sicher gestellten Mitbürger zählen dürfen. Diese Zustände, die übrigens auch in Kleinasien und bis hinein an den Ganges sich fühlbar machen, haben bei mehreren wohlgesinnten Männern der österreichischen Monarchie — geistlichen und weltlichen Standes — die Frage hervorgerufen: ob es nicht pflichtgemäß und möglich wäre, den Katholiken dieser Gebiete einige Hilfe zuzuwenden? Der Gedanke an Gründung eines über die ganze Monarchie sich erstreckenden Vereines zu diesem Endzweck lag- nahe. Bedenken wir die Katholiken Nordamerikas, machen wir es möglich, daß den Negern des innersten Afrika'» das Licht des Evangeliums leuchte, sollten da nicht auf die ungleich näher liegenden hilfsbedürftigen Glaubensgenossen ebenfalls die Blicke und die Bestätigung der christlichen Liebe zu wenden sein? Unter diesen Erwägungen reifte der Vorsatz, die Gründung eines Vereins unter dem Schutze ver unbefleckt empfangenen heil. Jungfrau und zum Zweck der Unterstützung der Katholiken im türkischen Reiche und im Orient in Anregung zu bringen. Da dieses Vorhaben die Kirche berührte, ward zuerst die Willensmeinung des Oberhirten der Wiener Erzdiözese, Sr. Em. des Cardinal-Erzbischofs v. Rauscher vernommen. Seine Eminenz sah in dem Vorhaben ein an sich verdienstliches in seinen Folgen und Wirkungen auch anderweitig ersprießliches Werk, säumte daher nicht, dasselbe gutzuheißen. Hiernach ergab sich kein Hinderniß, von 182 »E dem Vorhaben auch die höchsten weltlichen Behörden in Kenntniß zu setzen, denselben die Statuten und den Entwurf einer Bekanntmachung vorzulegen, und um Erlaubniß zu bitten, die Sache ins Werk setzen zu dürfen. Unter dem 6. August 1857 langte von dem hohen Ministerium des Cultus und des Unterrichts die Eröffnung herab: „Se. k. k. apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vorn 31. v. M. allergnädigst zu gestatten geruht, daß durch den Verein der unbefleckten Empfängniß Marien's behufs der Unterstützung der Katholiken im Oriente im ganzen Umfange der Monarchie Sammlungen eingeleitet werden." Se. Eminenz der Cardinal-Crzbischof hatte die Gnade, das Protectorat des Vereins zu übernehmen. Sofort wurde die definitive Aufstellung eines Comites vorgenommen und die hochwürdigsten Erzbischöfe und Bischöfe der Monarchie durch das hohe Ministerium des Cultus von der Stiftung des Vereines in Kenntniß gesetzt und um ihre Mitwirkung angegangen. Se. Heiligkeit Papst Pius IX. gewährte durch Breve vom 25. Juni 1858 dem Verein, „damit derselbe mit der Hilfe Gottes von Tag zu Tag größere Ausbreitung gewinne," zugleich mit der kirchlichen Anerkennung reiche Ablaßbewilligungen aus dem Gnadenschatz der Kirche. Der erste Jahresbericht des Vereins bis zum 31. März v. I. liegt vor uns und wir können nicht verkennen, daß Gottes Segen sichtbar und in reichem Maße auf dem neuen Werke ruht, das zu Ehren seiner unbefleckt empfangenen Mutter gegründet worden. An Sammelbeiträgen aus bisher 37 dem Vereine beigetretenen Bisthümern der Monarchie sind im ersten Jahre 24,264 st. CM. eingegangen. Dazu kommen noch verschiedene einzelne Gaben für die Vereinszwecke. Die Ausgabeposten theilen wir einzeln mit, da die Art und Richtung der mannigfaltigen Wirksamkeit des Vereins hieraus am besten erkannt wird. Von den eingelaufenen frommen Gaben wurden verwendet: Zum Ausbaue der katholischen Kirche zu Plojest in der Walachei 800 sl. Zum Baue mehrerer katholischen Kirchen in Bosnien 1500 sl. Für den Unterhalt der kath. Schule zu Belgrad in Serbien 250 sl. Zum Baue einer neuen kath. Kirche zu Bellina in Bulgarien 500 sl. Für die Bedürfnisse der Katholiken in Indien dem Hrn. Athanasius Zuber, Bischof von Patna, 1500 fl. Für die Bedürfnisse der armenisch-kathol. Missionen im Orient 1000 sl. Zum Baue einer neuen Kirche zu Pagnevo dem Herrn Bischöfe von Scopia in Albanien, Urban Bogdanovich 500 fl. Für das armenische Priester-Seminar in Tokat in Kleinasien 400 fl. Zum Baue einer Mädchenschule den englischen Fräulein zu Bukarest in der Walachei 1600 fl. Zur Restaurirung der Kirche San-Giovanni in Albanien 320 fl. Zur Restaurirung der Kirche zu Benzi in Albanien 320 fl. Für die Bedürfnisse der Armenisch-katholischen Schulen zu Smyrna und Aiden in Kleinasien 2000 fl. Dem apostolischen Vicar von Bosnien, Herrn Marian Sunjic, für die Ausstattung der Kirche in Gucia-Gora 300 Ducaten — 1480 fl. Für die zwei Mechitaristen-Misstonen in Perstcn 1000 fl. Für die armenische Mission in Konflantinpel 2000 fl. Für ein ordinäres Meßkleid für die Kirche zu Scutari in Albanien 28 fl. Für die katholische Kirche zu Rimnik in der Walachei 1 silberner Kelch zu 140 fl. Für die katholische Kirche zu Rimnik in der Walachei 1 Festmeßkleid zu 129 fl. Für die katholische Kirche zu Rimnik in der Walachei 6 metallene Altarleuchter, 3 Kanontafeln und 1 Rauchfaß angeschafft zu 206 fl. Für ein Vereins- und Procuraturstegel, 1 Stampiglie und ein Rechnungs-Journal 18 fl. Für die Drucklegung der Statuten, Aufrufe und Sammelblätter 111 fl. Für das Lithographien der Empfangsbestätigungen 20 fl. Dem Kupferstecher für das Vereinsbild 105 fl. Dem Kupferdrucker für 4000 Abdrücke 80 fl. Für den Kauf einer niederöst.^ Grundentlastungs-Obligation 183 pr. 100 fl, ausgelegt 91 fl. An Stempel-, Aviso- und Geldbriefegebühren 29 fl. Für Canzlei-Ersordernisse 43 fl. Summa der dießjährigen Ausgaben 16,172 fl. Diese neue Blüthe am Baume der katholischen Kirche: Der Verein der unbefleckten Empfängniß Mariä zur Unterstützung der Katholiken im Orient, die zu so schönen Hoffnungen für die Ausbreitung der kathol. Religion im Orient berechtigt, stimmt gewiß jedes gläubige Herz zu heiliger Freude und erfüllt es mit den innigsten Segenswünschen für das Land, in welchem sie sich entfaltet: für das glaubenseifrige Oesterreich und sein frommes Kaiserhaus! Eine neue Predigtmethode in Amerika. Es wird eine Zeit kommen, wo die Leute sich selber Lehrer aufladen, die predigen, wonach ihnen die Ohren jucken. (St. Paulus, 2 Tim. 10.) Unsere Sectenprediger sind schon seit längerer Zeit in größter Verlegenheit, was sie ihren Schafen vorpredigen sollen. Jahr ein Jahr aus haben's über den Papst, über'» Bibelverbot in der katholischen Kirch', über's Cölibat, über die Klöster, über die Beicht, über's Fegfeuer, über die „Anbetung" Mariä und der Heiligen und so weiter und so weiter sich auf der Kanzel Sonntags ereifert; aber die Sach' zieht jetzt nicht mehr und eckelt an, nach dem bayerischen Spruch: Was zu lang währt, laut't nicht schön. Das Gähnen und zuletzt gar noch der Kirchenschlaf kommt über Männlein und Fräulein, zumal in den comfortabel gepolsterten Kirchstühlen, und der Reverend Prediger hat höchstens noch ein paar alte Weiber vor sich, die ihm mit gespannter Aufmerksamkeit zuhören. Diesem Uebelstand abzuhelfen, sind manche Prediger auf den Einfall gerathen, die Politik mit hineinzuziehen und auf die Kanzel zu stellen. So hat seller Henry W. Beecher in Brooklyn den Kossuth, gottseligen Andenkens, einmal seinen andächtigen Schafen vorgestellt, und ihn als den Messias des 19. Jahrhunderts promulgirt. Das zog, da kam Alles gelaufen. Später hat selbiger Prediger das blutende Kansas auf die Kanzel mitgenommen und ausgerufen: Lcco Kansas — sieh, wie jämmerlich Kansas gemartert tvird von der Democratie! Zuletzt aber kam der John Brown dran. Dieser „Märtyrer" der Freiheit figu- rirte in der neuesten Zeit in sehr vielen protestantischen Kirchen, und das zog Schaaren von Zuschauern an. Da nun aber auch dieses Feuer bald wieder sich abkühlte, und die alte Langeweile jetzt wieder ihr Medusenhaupt in die protestantischen Tempel und „Meeting"-Häuser hineinzustecken anfängt, so ist ein Prediger, Rev. Corbett von der Methodistengemeinschaft, auf einen interessanten Einfall gerathen, und hat vorigen Samstag in den Zeitungen angekündigt, daß er am darauffolgenden Sonntag Abends in der Kirche an der Ecke von Broome und Green St. eine Predigt halten wolle für die Diebe und Huren (Ibievas SN(! Ilarlots) der Stadt Neuyork. Da hätte nun Jemand das Gelaufe sehen sollen vorigen Sonntag. Wie der hiesige „Herald" berichtet, so war schon eine halbe Stunde vor dem Anfang der Predigt kein Platz mehr zu finden. Gentlemen und Lädies, meistens den sog. „respectabeln" Classen der Gesellschaft angehörend, drängten sich mit neugieriger Hast in die Kirche. Ein Geheimpolizist (Spitzel), der den Reporter des „Herald" begleitete, bemerkte demselben, daß er im Ganzen nur vier stadtbekannte Ilarlots anwesend sehe; von den (in der Diebs- gallerie abconterfeiten) Püievvs aber nicht einen einzigen; trotzdem daß der Prediger hatte publiciren lassen, diese beiden Sorten sollten nur beherzt kommen, die Polizei werde sie nicht incommodiren. Die Rede für die genannten Sünder und Sünderinnen, wie das vorausgehende Gebet wurden häufig mit den Zurufen 184 „Amen" unterbrochen. Nach der Predigt und dem Singen einiger Verse ging die ganze Versammlung ruhig auseinander. Bei'm Hinweggehen aber (wie der „Herald" berichtet) nahm ein Jeder von den Männern seine Taschen wohl in Acht, da ja im Gedränge ein naher Dieb leicht manipuliren konnte, und die Damen straften mit einem strengen Blick jedes Mannsbild, das etwas zu stark sie anglotzte, um nicht für Ilarlok gehalten zu werden. Daß solcher Humbug übrigens nur demoralisirend einwirken kann, das liegt auf klarer Hand. Kein Wunder, daß die protestantischen Sectentempel immer leerer werden. (N.-Y. K.-Z.) Ein Zug von Sixtus V. Sirius der Fünfte erinnerte sich als Papst Anfangs ganz und gar nicht mehr eines Advocaten, mit dem er in der vertrautesten Freundschaft gelebt hatte, als er noch Franziscanermönch gewesen. Der ehrliche Advocat ward krank, und in seinen äußerst dürftigen Umständen fehlte es ihm durchaus an jeder Art von Pflege und Erleichterung. Ganz von ungefähr brachte seine alte Wirthin den päpstlichen Leibarzt zu ihm, eben durch ein solches Ungefähr erwähnte der Leibarzt der Krankheit des Advocaten beim Papste und sagte, daß er die große Dürftigkeit des Mannes für die Ursache seiner Krankheit halte. Sixtus lenkte das Gespräch auf etwas anderes. „Apropos, sagte er den folgenden Tag zu dem Leibarzt, wißt Ihr, daß ich mich auch mit Receptverordnen abgebe? Ich denke, das meinige wird nicht unwirksam gewesen sein, Ihr spracht gestern von dem armen Jurinaz; ich erinnere mich jetzt schon mit Vergnügen daß ich diesen armen Mann ehedem recht gut gekannt habe, ich habe ihm Kräuter zu einem trefflichen Salat geschickt, die ihn wahrscheinlich gesund machen werden." „Salat? Heiliger Vater! in der That, die Curart ist ganz neu!" „Sagt dem Jurinaz," erwiderte der Papst lächelnd, daß er in Zukunft keinen andern Arzt als mich brauchen soll; diese Kundschaft schnappe ich Euch weg. Der Arzt, der nicht erwarten konnte, wie die Cur abgelaufen sein würde, verfügte sich eiligst zu seinem Kranken, den er auch wirklich ganz hergestellt fand, worüber er denn nicht wenig stutzte. — „Zeigen Sie mir doch den Salat, den Ihnen Se. Heiligkeit geschickt hat; ich muß doch die Natur dieser wunderthätigen Kräuter kennen lernen." „Ja!" versetzte der Kranke mit sichtbarer Zufriedenheit, „sie sind in der That wunderthätig; ich bin überzeugt, daß Ihre ganze Heilkunst keine so glückliche Cur macht." Nun brachte der Advocat einen Korb mit gewöhnlichen Kräutern zum Vorschein. „Was," davon wären Sie besser geworden?" — „Untersuchen Sie nur etwas genauer, tiefer unten liegt die rechte Panacee!" Der Arzt that es und fand eine sehr ansehnliche Summe Zechinen. — „Solche Mittel können wir unsern Kranken freilich nicht verschreiben." — Er ging zum Papst. — „Heiliger Vater, Sie hatten wohl recht, Sie sind der geschickteste Arzt von der ganzen Welt." Sixtus antwortete: „Ich behandle aber nicht alle meine Kranken nach dieser Methode." — Die Geschichte ist sprichwörtlich geworden. Wenn man von Jemanden redete, dem mit Geld geholfen wäre, so sagte man: ihm fehlt ein Salat von Papst Sixtus dem Fünften. D e n k f p r ü ch e. 1. Was nützt es, wenn Jemand katholisch glaubt und heidnisch lebt. 2. Wehe demjenigen, der die Gesundheit mehr als die Heiligkeit liebt. Rrdaclion uno W-rlag: I)r. M. Huttlcr. — Druck von I. M, «l-inle.