H- 3S 5. August 1860. Das Augsburger Sonntagsbltta (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Deutsche Missionen in Brasilien. (Fortsetzung.) IV. Picade da Sau Jose, 28. October 1859. Nach einem zweitägigen Aufenthalt verließen wir Porto Alegre. Aus einem Dampfschiffchen, woraus sich fast nur Deutsche hier ansäßigo Colonisteuin deutscher Manier zusammenfanden, fuhren wir weiter auf dem Rio dos Sinos nach St. Leopold, dem Hauptorte unserer deutschen Colonie. Hier mußten wir übernachten. Am andern Morgen gegen 11 Uhr gewahrten wir auf der andern Seite des Flusses einige Männer mit Pferden für uns. Wir ließen unser Gepäck in Verwahr, schifften hinüber und fanden recht herzliches Willkommen unter diesen deutschen Pflanzern, die zwar nicht zum Pfarrbezirk unserer güten Patres gehörten, aber doch von ihnen den Auftrag erhalten hatten, im Falle unserer Ankunft uns zur Weiterreise behilflich zu sein. Von jetzt an geht alles Reisen zu Pferde, da es hier noch keine Straßen zum Fahren gibt und mit diesem Ritt legten wir die erste Probe von unserer Reitkunst ab. Wir bestanden sie nicht alle glücklich; denn Einer fand sich nach einer Weile auf dem Wege abgesetzt, und sein muthiges Pferd hatte sich in die weite wilde Welt verloren. Doch zum Glück war dem Reiter selbst kein Leid widerfahren. Auf dem Hamburger Berg, wo sich verschiedene Handelsleute niedergelassen haben, bestiegen wir andere Pferde und nun ging's auf steilen und abschüssigen, ich möchte sagen, halsbrecherischen Wegen nach der Baum-Picade (Illo-uw «tos cious Irmaos), wo wir mit einbrechender Nacht am 27. Juni, Gottlob! endlich endlich bei dem hochw. P. Lipinski eintrafen. Wie groß die wechselseitige Freude war, können Sie sich wohl vorstellen: die seinige, über die lang ersehnte und nun angelangte Hilfe, die unsrige, über die glückliche Ankunft am Ziele der weiten Reise. Die religiöse Liebe und Armuth bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Wir bewohnen ein einsames, einstöckiges Hüttchen, von einem kleinen Garten umgeben. Der Palast besteht aus vier Kammern, wovon die vierte, Speisesaal und Vorrathskammer, Schul- und Empfangssaal, Arbeits- und Schlafzimmer für die Brüder ist. Ein großer Saal säst ohne alle Kirchenornamente bildet die Capelle zum heil. Michael, die uns eben so wenig gehört, wie das Häuschen und der Garten. Wir leben precär von Almosen, die ziemlich sparsam, von Stipendien, die dann und wann geboten werden, von Victualien, die man mitunter bringt, die sich aber hier zu Lande nicht lange aufbewahren lassen; frisches Fleisch ' hält sich zur Zeit der Hitze keinen Tag. Nach einem Monat ging ich zu der 6 Stunden entfernten Station des l>. Sedlak, kioculo clo 8--»n .lose. Man nennt diese Flecken Picadcn, d. i. Durchstich, weil eben an solchen Stellen der Wald durchstochen, niedergehauen ist. Was nun das Feld unserer geistlichen Wirksamkeit betrifft, so ist dies ein sehr großes. Die ganze deutsche Cokonie St. Leopold zählt gewiß 17—18,000 Deutsche, wovon fast die Hälfte katholisch. Sie ist auf drei Kirchspiele (trogne-nii.-;) vertheilt; in zweien derselben fungiren die beiden Patres Lipinski und Sedlak, die schon mehrere Jahre als Missionaire hier wirken, als Pfarrer; im dritten ein brasilianischer Priester, der im Städtchen St. Leopold seinen Sitz hat. In dem Kirchspiele des 0- Sedlak leben zudem noch sehr viele Brasilianer, die im Volksmunde Portugiesen heißen, so daß die ganze Frequesie nahe an 300 Familien in sich schließt, mit einer Scelenzahl von 3000, wenn nicht mehr. Ueberdies kommt noch die Hälfte der Pfarrgenossen von St. Leopold zu uns zur Beichte, zum Gottesdienste, zur Kranken-Provisur, da sie von ihrer Pfarrkirche zu weit entfernt sind, und dann dort einen Priester finden, der nur portugiesisch versteht. Gerade jetzt wird in unserem Bezirke noch eine neue Colonie mit einer Stadt angelegt, wo vorläufig für 1000 Familien eine Unterkunft vermittelt werden soll. Um sich genauer orientiren zu können, gebe ich Ihnen eine kleine Beschreibung der Colonie. Sie ward 1827 gegründet. Die ersten deutschen Ankömmlinge waren vorn Hundsrücken und von der Mosel, nämlich aus dem Gebiete zwischen Trier, Saarlouis, Koblenz und Birkenfeld. Die damalige Kaiserin, eine österreichische Prinzessin, wollte Deutsche in Brasilien haben, von denen schon seit 1813 viele als Soldaten angeworben waren. Die Regierung beförderte sie unentgeltlich von den deutschen und holländischen Seehäfen nach der südlichsten Provinz Rio Grande do Sul, und wies ihnen im Urwald, ungefähr 30 Meilen von der östlichen Meeresküste, nach Süd- und Nordwest hin Colonien umsonst an, von denen eine 100 brayas in der Breite, 1600 in der Länge mißt. Eine bra^38 ist etwas weniger als 7 Fuß. — Aber ein amerikanischer Urwald, welche wild üppige, riesenhafte Vegetation! Man sieht hier Bäume, die dreimal so hoch sind, als deutsche Eichen, und ihre Kronen in einem für einen Nichtaugenzeugen unglaublichen Durchmesser ausbreiten. Sie stehen da im frischesten Grün oder zur Zeit der Blüthe in Rosen- und Lilicnbüschen. Daneben ragen in zweiter Ordnung eine Menge tropischer Gewächse empor, von denen ich bis jetzt nur die Palme, die Kokosnuß, den Jasmin und eine Art Theebaum erkennen konnte. Unten wächst dichtes Rohrgras, das beste Futter für's Vieh, und Schlingpflanzen die in allen möglichen Windungen und Verzweigungen undurchdringliche, wie aus festen Schiffstauen geflochtene Netze bilden und oft noch die höchsten Bäume umstrickt halten. Der Urwald selbst ist ein Abhang der Terra, eines sägeartigen Gebirgszuges, der von Norden nach Süden läuft. Auf diesem Abhang, der gleichsam die Rippen der Terra bildet, erheben sich zwischen sehr breiten Thälern einzelne Berge, so daß der ganze Urwald sich wellenförmig in die Serra anlehnt und gegen Osten an das Meer, gegen Süden und Westen aber in Ebenen (oam>> 08 ) ausläuft. Diesen Urwald nun, bisher blos bewohnt von Indianern, Bukrer genannt, von Tigern, Tapiren, Schlangen, Affen, Papageien, und von unbändigen Waldströmen durchrauscht, sollten die armen Einwanderer fern von aller menschlichen Gesellschaft, ohne alle Verbindungswege, cultiviren und hatten nichts anderes als Axt, Säge, Spaten, Hacke, nebst Doppelgewehr und Dolch. Es gelang ihnen, freilich unter unzähligen Entbehrungen und Drangsalen aller Art, besonders in den ersten Jahren, wegen der häufigen Einfälle der Bukrer und des Bürgerkrieges, der von 1836 bis 1845 in der Provinz tobte, und in den die Deutschen theils durch schimpfliche Parteiungen ihrer eigenen Stammgenossen, theils durch brasilianische Räuberhorden mit verwickelt wurden. Allmälig wuchs die Bevölkerung des brasilianischen Deutschlands. Gegen 25 Picaden, von denen die größten 70 bis 90 Familien zählen, also gegen 25 Gemeiden führen schon das regste Leben und die ältern Picaden sind in der That sehr wohlhabend. Denn die Prodncte 251 des Bodens, wie Milch, Bohnen u. s. w. gehen in die übrigen Provinzen zu hohen Preisen; dabei liefern die vielen Hausthiere, die hier frei umher laufen und sich selbst Nahrung suchen, reichlichen Vorrath an Lebensmitteln. Kein Wunder, wenn ein Moselländer, der in seiner Heimath ein winziges Stück Weinberg und zwei Ziegen besaß, nunmehr ein oavallikiro bniüüeiro zu sein glaubt, weil er eine hübsche Strecke Landes, eine dazu passende Wirthschaft, 5 Reitpferde u. s. w. besitzt. Da darf freilich an seinem Gesicht der Knebelbart und an seiner Bekleidung das englische Leder nicht fehlen. — Die Regierung selbst scheint den Deutschen sehr gewogen zu sein und thut ihnen sehr Vieles zu Gefallen. Sie wirbt jetzt wieder in Deutschland Colonisten und fast täglich sehen wir Schaaren von Einwanderern an unserm Hause vorbeiziehen oder in dem uns gegenüber liegenden ehemaligen protestantischen Bethause untergebracht werden, die dann weiter geyen Westen nach Ncupetrvpolis gehen sollen. Sie kommen von Hamburg und sind meistens Protestanten aus Sachsen und Pommern. Zu den ersten katholischen Ansiedlern gesellten sich später andere aus dem Mainzischen und Hannöverschen, aus Pfalzbayern und Sachsen. Die ganze deutsche Colonie erstreckt sich jetzt 12 Stunden in die Länge und 10 in die Breite. Mir liegt es hauptsächlich ob als Missionair, die verschiedenen Bezirke zu besuchen; besondere Sorgfalt muß ich denen widmen, die 5 oder 6 Stunden von der Pfarrkirche entfernt im dichten Wald liegen, damit sie nicht verwildern und endlich vergessen, daß sie katholisch sind. Auf einem solchen Ausfluge, der 4 bis 5 Tage dauert, halte ich dreitägige Missionsübungen in kurzen Vortragen, höre täglich 30 bis ^0 Beichten und versammle die Kinder zur Christenlehre. Nebenbei besuche ich die Kranken, klopfe an die Herzensthür armer, verkommener Menschen, nnd biete auch den Negern und Portugiesen die Hilfe der heiligen Religion an. Sie sind im höchsten Grade unwissend, lassen sich aber durch geistliche Gespräche, die man glücklich einleiten muß, in vertraulicher Unterredung gewinnen und belehren. In unserer Pfarrkirche selbst habe ich mehrere Male im Monat zu predigen, wo immer eine große Volksmenge aufmerksam zuhört. Auch bereitete ich hier schon Kinder auf die erste heilige Communion vor. Hätten wir nur für die armen Kleinen gut eingerichtete katholische Schulen! Einige gehen nun in die der Protestanten, die hierfür bereits gehörig gesorgt haben und uns mit ihren Bemühungen hindernd in den Weg treten. Wenigstens eben so viel Nachtheil bringen uns die lähmenden Maßregeln, die hier nicht selten gegen die Kirche ergriffen werden. Ich habe diesen Uebelstand schon in einem Briefe berührt, den ich Ihnen von Rio-Janeiro aus schrieb. Betrübender aber für uns sind die Schwierigkeiten, denen wir manchmal bei den Deutschen selber begegnen. Sie bringen mitunter aus Europa einen Freiheitsschwindel her, der da beansprucht völlig ledig zu sein von Allem, was schwer fällt und Ueberwindung kostet, und der nicht selten in einer zügellosen Großsprecherei, in einem groben und arroganten Benehmen sich kund gibt. die rastlose Arbeitswuth, von welcher der neue Ankömmling aus Noth, der ältere Colonist aus Gewinnsucht getrieben wird, erstickt das religiöse Streben nach überirdischen Gütern; endlich sind die fremdartigen Elemente, die aus allen deutschen Gauen und Religionsbekenntnissen zusammenströmen und mit den etwa vorhandenen guten Bestandtheilen sich mischen, unserem Wirken nicht gar förderlich. Einen Trost haben wir doch; das abscheuliche Laster gegen die Sittlichkeit ist unter den Deutschen, besonders wenn sie getrennt von Brasilianern leben> sehr selten. Die gleichsam durch die Ansiedelung bedingte Lebensart schützt sie davor, indem manche äußere anderswo so schädliche Gelegenheiten nicht da sind, und junge Leute, die sich verglichen wollen, bald mit reger Arbeitsamkeit eine sichere Existenz haben. — Ich wundere mich über den kräftigen schönen Wuchs der hier geborenen Deutschen; sie haben weit ausgeprägter die deutsche Physiognomie, als die Ankömmlinge aus Deutschland. Ihr riesenhafter Knochenbau, ihre blonden Haare, blauen Augen, vollen Gesichter, ihr schlanker, proportionirter Wuchs erinnert lebhaft an die glten Germanen. Ueberhaupt scheint der liebe Gott diese deutschen Ansiedelungen zu begünstigen. Der ungemein große Wohlstand bei Oekonomen und Handwerkern, das rasche Wachsthum der Bevölkerung, das hohe Alter, welches sie erreichen, die geringe Sterblichkeit, endlich, was noch weit mehr ist, die wunderbare Fügung, wie die armen Deutschen von spanischen Patres aufgefunden, mit der Kirche wieder in Verbindung gebracht, und durch ihre Bemühungen mit deutschen Priestern versehen wurden: alle diese Umstände dienen zum Aufblühen der Colonie und sind handgreifliche Beweise des Wohlwollens, womit die göttliche Vorsehung über sie wacht. Gern bringt da der Missivnair das geringe Opfer seiner Mühen und Entbehrungen; seien es nun die schlechten Wege, besonders zur Regenzeit, wo die Pferde tief in den Schlamm sinken, oder das Tage lange Sitzen auf dem Pferde, oder die schmalen Pfade, welche voll Wurzeln und Steingeröll unten, von oben mit Aesten und Flechtwerk überwölbt lind, so daß man immer gebückt auf dem Pferde sitzen muß, oder die lästigen Mücken, oder die ärmlichen Herbergen und gar ärmlichen Capellcu, oder endlich der rasche Temperaturwechsel. Alles zum Heile dieser verlassenen Seelen, bei denen sich doch schon erfreuliche Früchte der Arbeiten unserer beiden thätigen Vorgänger zeigen, und die Hoffnung geben, daß sie durch ihren Eifer den Absichten der heiligen Kirche und den Anstrengungen der von ihr gesendeten Priester entsprechen werden. Mögen Ihre frommen Gebete unsere Wünsche und Hoffnungen verwirklichen! (Fortsetzung folgt.) " M. Ke lluer, 8. R Christus in der heiligen Connnunion. C. 'Wenn du Jesum in der heiligen Cvmmunion empfängst, dann denke, o gläubiger Christ! es ist derselbe Jesus, welcher als neugeborenes Kind in der Krippe lag. Willst auch Du ihm einen so dürftigen Lagerstall in Deinem Herzen bereiten? Du nimmst das göttliche Jesukind in Deinem Herzen auf, zu welchem drei Könige aus fernem Morgenlande kamen, es anzubeten. Siehe: Dir ist es so nahe, kommt selbst zu Dir. Willst Du es nicht auch anbeten? Du genießest denselben Jesum, welcher der Verfolgungen des Herodes willen aus Bethlehem flüchten mußte. Glaubst Du nicht, daß er aus Deinem Herzen flüchten werde, wenn Du ihn mit Deiner Sündhaftigkeit verfolgst, derentwillen er am Kreuze bluten mußte? Als der göttliche Jesusknabe zwölf Jahre alt war, nahmen ihn Joseph und Maria nach Jerusalem mit zur Feier des Osterfestes im heiligen Tempel. Wie nun Jesus in seinem zwölften Lebensjahre zum ersten Male das Heiligthum seines himmlischen Vaters betrat, so und auf noch innigere Weise sollst auch Du, mein Christ! im zwölften Lebensjahre zum ersten Male dein Tempel des Aller- heiligsten, dem Tische des Herrn Dich nahen! — Siehe! der zwölfjährige Jesus weilte im Tempel, mitten unter den Lehrern, fragte sie und antwortete auf ihre Fragen. Weilst auch Du nach der heiligen Communion in Deinem Jesus, wie Jesus in Dir weilt, hörst auf die Zuslüsterungen seiner mahnenden Stimme, fragst ihn: „Herr! liebst Du mich?" und antwortest ihm, wenn er dich fragt: „Ja, Herr! ich liebe Dich!" Du wirst diese Fragen verneinen müssen, denn wenn Du in der Stunde der Prüfung deinen Heiland suchst, dann muß er dir zurufen: „Weißt du denn nicht, daß ich im Hausi meines Vaters sein muß?" Das Haus seines Vaters aber wäre dein Herz, wenn Du es in der Liebe und Furcht des Herrn zu einer ständigen Wohnstätte Deines Gottes bereit erhalten wolltest. 253 Du genießest Jesum im heiligen Abendmahle, ihn, der dreißig Jahre lang in stiller Einsamkeit lebte, gehorsam dem Willen seiner Eltern, sich vorbereitend auf seinen wichtigen Beruf als Stifter einer neuen Lehre, eines neuen Opfers. Doch Du, lebst auch Du nur Ein Jahr, Einen Monat, Eine Stunde in stiller Zurückgezogenheit vor der Welt, gehorsam dem Willen Deines himmlischen Vaters, Dich vorbereitend zu dem ernsten und heiligsten Berufe, ein Bürger zu werden der von Gott gestifteten triumphirenden Kirche? Jesus kommt zu Dir in der heiligen Hostie, Er, der seine Jünger um sich sammelte, indem er ihnen zurief: „Kommet und sehet!" und: „folget mir nach!" Willst nicht auch Du sein Jünger werden? O so komm recht oft zu seinem Tische, und siehe die Wirkungen seiner heiligen Gnade! Willst Du sein Jünger werden, so nimm Dein Kreuz auf Dich, und folge ihm nach! Derselbe Jesus wird dir in der heiligen Kommunion zu Theil, der im Tempel Gottes deir Viehhändlern und Wechslern zugerufen: Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!" Siehe! Auch Dein Herz ist nun ein Haus Deines Gottes geworden. Soll es noch ferner ein Marktplatz weltlicher Angelegenheiten, ein Tummelplatz irdischer Vergnügungen bleiben? Die Viehhändler und Wechsler wurden nicht, weil sie überhaupt Handel getrieben, sondern nur, weil sie Gottes Haus zu einem Kaufhause gemacht, aus dem Heilig- thume des Herrn gejagt. Auch Du darfst Dein Herz weltlichen Geschäften, schuldlosen Freuden erschließen, nur nicht zu jener Zeit, welche dem Dienste Gottes gehört: sei es in versammelter Gemeinde, sei es bei stillem Gebete in einsamer Kammer. Denn Jesus entfernt nicht die zeitlichen Sorgen und Zerstreuungen aus Deinem Herzen, welches sein Heiligthum sein soll, wie er einst die Verkäufer aus dem Tempel getrieben hat, sondern er entfernt sich selbst aus dem ihm fremd gewordenen Tempel Deiner Seele und überläßt sie weltlicher Verstrickung. Jesus reicht Dir im heiligen Abcndmahle das Brod des Lebens, Er, welcher der Samariterin am Brunnen lebendiges Wasser versprach. Wer von diesem lebendigen Wasser trank, den sollte in Ewigkeit nicht mehr dürsten nach dem Becher der Lust. Und möchtest Du ein einziges Mal würdig von diesem Brode essen, Dich dürfte in Ewigkeit nicht mehr hungern nach den Fleischtöpfen der Welt. Allein leider unterscheidest Du nicht dieses lebendige Brod von einer gemeinen Speise, und so issest und trinkst Du Dir selbst das Gericht und nach dem Gerichte die Verdammung, wo ein ewig nagender Hunger, ein ewig brenender Durst Dich quälen. Jesus naht sich Dir in der heiligen Communion, Er, der zu seinen Jüngern sagte: „Ich will Euch zu Menschenfischern machen." Auch Dich kann er zu einem Menschensischcr machen, wenn Du die Gnade, welche Dir durch die heilige Communion zu Theil wird, in Dir wirken läßest, so daß sie aus Deinem ganzen Lebenswandel gleichsam herauslcuchtet und du in Andern die Sehnsucht erweckest nach einem Strahle dieser leuchtenden Gnade. Nur mußt Du zuvor, wie der heilige Petrus, Deinem Heilande zu Füssen fallen und ausrufen: „Herr! geh' von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch!" d. h. Du mußt beichten nach vollkommenster Selbsterkenntniß, in tiefster Zerknirschung, mit festestem Vorsätze zum Guten. Jesus kehrt durch den Empfang der heiligen Hostie in Dein Herz ein, Er, welcher zu den Bewohnern Kapharnaums sprach, da er in ihrer Stadt weilte: „Thut Buße! das Himmelreich ist nahe!" Wehe dir, wenn Du nicht schon Buße gethan hast vor seiner Einkehr bei Dir! Christus und mit ihm das Leben wird dir am Tische des Herrn gereicht, jener Christus, der die Tochter des Jairus vom Tode erweckte. Bist du schuldlos, wie dieses Kind, von welchem der Heiland sagte: „Es ist nicht gestorben, es schläft nur?" Oder schläfst du den Schlaf der Sünde so fest, daß Jesus dir zurufen müßte: „Du schläfst nicht, Du bist gestorben ?" Jesus brachte der Tochter des Jairus das Leben, als er zu ihr trat. Bringt er auch Dir das Leben der Seele, wenn er in Dein Herz einzieht, oder vielleicht ihren ewigen Tod, indem Du zum göttlichen Gastmahle gehst ohne ein hochzeitliches Kleid? O mein Christ! Du genießest im heiligen Abendmahle Deinen Mittler, der den acht und dreißig Jahre lang Kranken gesund gemacht hat. Auch Dich will er gesund machen, und wärest Du viel länger, viel ärger krank. An einem Sabbathe heilte der göttliche Menschenfrend den Kranken, und deßhalb ladet dich die katholische Kirche alle Sonnabende und Vorabende heiliger Feste zum ernsten Bußgerichte, weil es ihm an Sonn- und Feiertagen die innigste Freude gewährt, Kranken die Gesundheit, Todten das Leben wieder zu schenken durch den Genuß seines heiligsten Leibes und Blutes. Doch Du, machst Du nicht gerade an diesen Tagen, die vorzüglich Deinem Gott gewidmet sein sollten, Dich krank durch übermäßigen oder unerlaubten Genuß von Weltsreudcn? Jesus erquickt Dein Herz durch die heilige Communion mit himmlischem Labsale, Er, welcher der büssenden Magdalena die Sünden vergeben, nachdem sie seine Füsse mit köstlicher Salbe begossen. Siehe! Du bist nicht würdig, Deinem Herrn und Meister die Schuhriemcn aufzulösen, vielweniger seine Füsse zu salben, zu küssen oder mit Thränen zu benetzen. Dennoch hat er Dir Deine Sünden vergeben und reicht Dir nicht nur seine Füsse, sondern sich ganz, mit Leib und Blut in der heiligsten Brodgestalt. Du jedoch, benetzest Du ihn mit den Thränen wirksamer Reue, mit dem Oele der Gottinnigkeit, oder beschmutzest Du ihn nicht vielmehr mit dem Gisthanche Deiner Sünden? Dein Heiland besucht Dich im allerheiligsten Altarssacramente, wenn Du ihn in Dein Herz aufnehmen willst, Er, welcher dem Stnrme auf hoher See gebor, daß er schweige, wird er nicht auch durch seine in Dir wirkende Gnade dem Sturme Deiner Leidenschaften gebieten können, sich zu legen, wenn Du nur nicht ihn wach erhalten willst? Warum also, Kleingläubiger! verzweifelst Du an der Kraft der göttlichen Gnade und Deiner eigenen ernsten Mitwirkung, und sagst: „meine Leidenschaften sind zu tief eingewurzelt, als daß ich sie bekämpfen könnte!" Verschließe der Gnade Dein Herz nicht, welche durch den Empfang der heiligsten Hostie Dich überströmt. Christus auf hoher See gebot uur Ruhe, Christus in Deinem Herzen aber gebietet nicht nur dem Sturme Deiner Begierden und Neigungen Ruhe, sondern er wirkt auch in Dir neue Kraft zur Tugend. Jesus kommt zu Dir im heiligen Abendmahle, der einst zu Petrus gesagt hat: „Deinem Bruder sollst Du stebenzig Mal sieben Mal vergeben." Siehe! auch Dir vergibt er stebenzig Mal sieben Mal. Wann nun willst Du zum letzten Male sündigen? Jesus sättigt Deinen Liebeshunger in der hochheiligen Brodgestalt. Mit fünf Broden hat er Tausende von Menschen gespeist. O undurchdringliches Geheimniß! Mit einem Brode speist er Millionen! Es ist dies das Brod des ewigen Lebens für die nach der Tugend Hungernden und Dürstenden, das Brod des ewigen Todes für die im Giftbecher der Sünde unersättlich Schwelgenden. O Geheimniß der Geheimnisse! Jesus labt und stärkt Dich mit seinem heiligsten Leibe und Blute. Labst auch Du ihn mit der Inbrunst Deines Herzens, mit heißer Sehnsucht nach seinem Besitze? Siehe! die Kleinen, welche von den Müttern zu Jesu gebracht wurden, mußten von den Jüngern des Meisters rauhe Worte hören, bis er ihnen zurief: „Lasset die Kleinen zu mir kommen!" Doch Du? Deine Mutter, die katholische Kirche führt auch Dich zu Deinem Mittler. Jesus und seine Jünger, die Priester, laden Dich mit den liebreichsten Worten, oft, recht oft zu kommen. Niemand drängt Dich zurück, und Du kommst dennoch nicht, oder vielleicht nur Ein Mal des Jahres. Warum nicht? Weil Du nicht schuldlos und rein bist, wie diese Kleinen waren; weil Du nicht mehr werden willst, wie sie. 255 Jesus geht ein unter Dein Dach, wenn Du auch seiner nicht würdig bist. Er spricht nur Ein Wort und Deine Seele wird gesund, aber er spricht dies Wort nicht immer gleich. Die Mutter der vom bösen Geiste besessenen Tochter hörte er Anfangs nicht, dann gab er ihr scheinbar unfreundliche Worte. Doch sie hörte nicht auf, nach ihm zu rufen. Und so sprach er: „Dein Glaube ist groß," und heilte ihre Tochter. Siehe! Du hast ihn aufgenommen in Dir, und Du fühlst nicht die Wirkungen seiner Gnade im Kampfe gegen den bösen Geist der Sünde. Du rufst ihn, und er schweigt. Du rufst nochmal und er antwortet Dir, wie jenem Weibe: „Erst müssen die Kinder, d. h. die Schuldlosen satt werden. Es ist nicht billig, daß man den Kindern das Brod, d. h. das Brod des Lebens mit seinen Gnadenwirkungen nehme und es den Hündchen, d. h. den Unreinen und Sündern vorwerfe." Wenn Du nun in Herzensdemuth antwortest, wie jenes Weib: „Ich weiß es, Herr! allein die Hündchen bekommen doch Etwas von den Brosamen ihrer Herren," dann wirst Du gewiß in Dir die Stimme Deines Mittlers vernehmen, die da spricht: „Dein Glaube, Deine Hoffnung, Deine Liebe sind groß, fest, wie Felsen, und auf diesen Felsen will ich mir eine Kirche bauen, eine Wohnstätte meiner Gnadenwirkungen bereiten. (Schluß folgt.) Ein protestantisches Zeugniß für -as katholische Ordensleben. Gegenüber den vielen Angriffen und teilweise gemeinen Ausfällen, welche besonders wieder seit neuerer Zeit gegen das Ordensleben gemacht werden, ist es gewiß nicht ohne Interesse, auch das Urtheil eines Mannes zu höreu, der sich eben so sehr durch das größte Wissen als die lauterste Wahrheitsliebe ausgezeichnet hat, — nämlich des größen sächsischen Philosophen Leibnitz. Dasselbe lautet also: „Da Jeder auf verschiedenerlei Art entweder durch Befehl oder durch Beispiel, nach Stand und Fähigkeit, die Ehre Gottes fördern und seinem Mitmenschen nützlich sein kann, so ist es offenbar, daß es nebst denen, welche als Staatsbeamte und Privatpersonen leben, zum größten Nutzen auch in der Kirche asketische und contemplative Männer gebe, die losgetrennt von allen irdischen Sorgen und abgeschält von den Vergnügungen, sich ganz in der Anschauung des göttlichen Wesens und in die Bewunderung seiner Werke versenken, oder auch aller eigenen Geschäfte entlöst, nur auf das bedacht sind, daß sie den Nöthen Anderer zu Hilfe kommen, indem sie entweder die Unwissenden und Irrenden belehren, oder den Dürftigen und MülMjgm beistehen, und dies ist nicht die geringste aus den Eigenschaften, welche jene Kirche empfehlen, die allein den Namen und das Kennzeichen der Katholicität zu jeder Zeit behauptete und in der wir allein die hehren Beispiele der herrlichsten Tugenden und des ascetischen Lebens allenthalben glänzen und sich fortpflanzen sehen. Ich gestehe also, daß ich allzeit die klösterlichen Vereine, die frommen Confraternitäten und Gesellschaften und andere dergleichen lvbenswürdige Anstalten vorzüglich gebilligt habe, denn diese sind gleichsam eine Himmelsmiliz auf Erden, wenn sie nur, ferne von Verderbniß und Mißbräuchen, nach den Satzungen ihrer Stifter regieret und vom obersten Bischof zum Nutzen der allgemeinen Kirche angewendet werden." Was sollte in der That ruhmvoller sein, als das Licht der Wahrheit durch Fluthen, Feuer und Schwerter zu den entferntesten Völkern tragen, nur mit dem Heile der Seelen sich beschäftigen, auf verschiedene Vergnügungen und selbst auf den Reiz der Unterhaltungen und Gesellschaften verzichten, um der Betrachtung der unergründlichen Wahrheiten und der göttlichen Beschauung obzuliegen, sich der Erziehung der Jugend widmen, um sie zu den Wissenschaften und zur Tugend zu bilden; den Elenden, Verzweifelten, Unglücklichen, Gefangenen, Verurteilten, I kl'... » W- 256 Kranken, im Unstath, in den Banden, in weit entfernten Gegenden Hilfe leisten, ihnen beistehen, nnd sich sogar nicht einmal durch die Schrecknisse der Pest vor ausgebreiteten Liebeswerken abschrecken lassen: „Wer dieses verkennt oder vernichtet, der hat nur einen gemeinen oder niedern Begriff von der Tugend und beschränkt in dummer Einfalt die Pflichten der Menschen gegen Gott schlechthin auf äußerliche Verrichtungen und geistlose Gewohnheiten, welche insgemein ohne Eifer und Gefühl geschehen." Der berühmte Philosoph Leibnitz denkt und urtheilt also über die Orden ganz anders, als mancher badische Professor und Landstand. Ein treu geliebter Seelenhirte. Aus Treno in der Lombardei schreibt man: Unser ehrwürdiger Pfarrer und Decan wurde am 8. Mai aus dem Gefängnisse entlassen. Die Richter in Bergamo wurden es endlich müde, den guten Pfarrer, welcher der Majestätsbeleidigung angeklagt oder vielmehr verdächtiget worden war, nach 2 und i/z Monaten gesänglicher Haft länger zu quälen, da sie nicht einmal einen Schein des angeschuldigten Verbrechens aufzufinden vermochten; sie begründeten ihr desfallsiges Erkenntniß mit dem Verwände, daß nach dem seit dem l. dieses eingeführten Gesetze es nicht möglich gewesen wäre, ihn zu verurtheilen. Wie dem nun auch sei, so kann man sich keine Vorstellung machen von der Freude der Bewohner Treno's und der Umgegend, als dieselben die Freilassung ihres Seelsorgers erfuhren; sie kamen noch denselben Abend nach Bergamo, um ihn ungesäumt zurückzuführen, mußten aber bis zum nächsten Tage ihr Vorhaben aufschieben, welche Zeit sie indeß benützten, um geeignete Vorbereitungen zu treffen, den Empfang noch glänzender und feierlicher zu machen. Lange vor der Wagen in Treno anlangte, waren alle Glocken in Bewegung und die Landleute gaben Feuersalven mit Flinten, Pistolen, Böllern, kurz mit Allem, was sie eben zur Hand hatten. Bis eine Meile von dem Flecken war das Volk dicht an der Straße geschaart, so daß der Wagen bei seiner Ankunft nur im Schritte vorwärts kommen konnte. Ein Jeder wollte seinen Pfarrer zuerst sehen und ihm die Hände drücken, und Alles schrie ohne Aufhören: „Es lebe unser Pfarrer!" „Es lebe die Unschuld!" rc. Als man endlich zum Pfarrhause gelangte, sah man die Unmöglichkeit in das Haus zu gelangen; denn dasselbe, der Garten, die Bäume, Alles war dicht mit Menschen besetzt. Die Priester des ganzen Decanats, welche ihrem Vorstand entgegengeeilt waren, führten ihn also in die Kirche, wo ein „Gott Dich loben wir" angestimmt und hierauf mit dem allerheiligsten Sacramente der Segen ertheilt wurde. Als die Feierlichkeit geendet war, wollte Niemand die Kirche verlassen, denn die Gemeinde wünschte, der Pfarrer möchte noch die Kanzel besteigen und einige Worte an sie richten. Allein der gute Decan war so gerührt von dem herzlichen Empfange, daß er nichts hervorzubringen vermochte: da bestieg nun ein anderer Priester die Kanzel, nnd hielt eine vortreffliche Ansprache von den Tröstungen, welche Gott denen bereitet, die für die Religion Leiden und Trübsale erdulden. Die braven Leute weinten vor Rührung, so daß der Redner inne halten mußte, um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Endlich verließen sie die Kirche, umringten aber den Pfarrer und verließen ihn nicht eher, bis ihm Jeder die Hand geküßt hatte. So wurde der gute Seelsorger für mehr als zweimonatliche Gefangenschaft und Trübsal im reichsten Maße durch die Liebe seiner Psarrangehörigen an einem einzigen Tage entschädigt. Redaction un» Verlag: vn. M. Huttler. — Druck von I. M. Aleinlc.