AWtiiM AmtliiMoIt. Mi 35. 26. August 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poft- Aeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Deutsche Missionen in Brasilien. (Fortsetzung.) Alle Tage der Mission, besonders aber die beiden, welche dem allerheiligsten Altarssacramente und unserer unbefleckten Jungfrau Maria geweiht wären, sahen unzählige Thränen des Schmerzes und der Liebe fließen. Wir haben uns bemüht, diese Tage bei unserer äußersten Armuth so sinnig und kindlich zu feiern, wie es unsere schwache Kräften gestatteten. Angenehm und trostvoll war es zu sehen, wie die Blumen und Kränze zum Schmucke der Himmelskönigin nicht von Mädchen und Jungfrauen, sondern mit frommem Kindersinn von den Männern und ehrwürdigen Greisen gewunden wurden, die sich einmal diese Ehre nicht nehmen lassen wollten, obwohl sie schon viele Kindeskinder zählen. Und wie gnadenreich leuchtete das einfache ganz ärmliche Muttergottes-Bild — wie wir es in der Noth hier ausweiden konnten — zwischen Lichtern, grünen Palmzweigen, Blumen und Kränzen auf die ihr fromm ergebenen, mit Gott wieder versöhnten Kinder hernieder, welche den ganzen ihr geweihten Tag, wie auch die folgenden nicht müde wurden, aus frohem Herzen zu ihrer Ehre die andächtigsten Lieder zu singen. — Mit gleicher Entschiedenheit, wie die Aussöhnungen, gingen, wie man mir berichtigte, die Rückerstattungen ungerechten Gutes vor sich, sei es an Gegenwärtige oder an Abwesende, sogar bis nach Europa. Man trat ganze Theile von Colonien wieder ab. Auch dem Branntwein entsagten sie; gleichwohl dürfte hierin an der Beharrlichkeit des einen oder andern Trinkers gezweifelt werden, da keine kirchliche Bruderschaft oder ähnliche Hilfe sie im Kampfe gegen die starke Neigung und häufige Gelegenheit unterstützt. — Während der Mission hatte ich natürlich allein Beicht zu hören und zu predigen; dabei oft zu taufen und zu begraben. Am Morgen hielt ich die Predigten oder Unterricht, gewöhnlich zwei, oft auch dreimal. Nach der ersten Woche waren jeden Nachmittag die Beichten bis in die Nacht. Aber nach den ersten 14 Tagen, um mit den Beichten mehr voranzukommen, hielt ich drei Tage keine Predigt. Und später setzte ich noch einmal sechs Tage aus. Der Schluß der von Gott reichlich gesegneten Mission war am Feste Allerheiligen. Möchten doch Alle die heilsamen Einwirkungen der Gnade und inneren Ergriffenheit mit durchs Leben auf das Todtenbett bringen! Die dankbare Liebe zur römisch-katholischen Kirche und besonders die treueste Ergebenheit an den heil. Vater den Papst strahlte auf Aller Antlitz. Die Schlußpredigt war über das heil. Missionskreuz, welches neben der Capelle des heil. Raverius in einem Halbkreis von schönen Palmbäumen gerade an jener Stelle steht, wo es in vier Thäler hinabblickt und alle Vorübergehenden schon von ferne zum Gebete einladet. Seit der Zeit ist nun auch frommer Brauch, wie ich anfangs selbst sah und später erzählen hörte, daß Alle, Jung und Alt, wenn sie vorüber- reiten, absteigen und vor dem Kreuze betend niederknieen. — Kaum war die 274 Mission für die Lebenden geschlossen, so begannen die nun eifrig gewordenen Colonisten alsbald am Allerseelentage eine Mission zur Erlösung der Verstorbenen, indem sie 8 Tage jeden Abend auf das Zeichen des Glöckleins, das hell über die benachbarten Berge und Thäler schallt, mit Gebet das Herz Gottes zu Gunsten der armen Seelen bestürmten, wie sie es einen Monat lang für die Bekehrung der Sünder gethan. Am Allerseelentage haben die Priester in Brasilien das Privilegium, drei heilige Messen zu lesen. Alle Gläubigen opferten die heilige Communion für die Verstorbenen auf. Nach der Predigt hielten wir feierlichen Umgang über den Gottesacker unter Gebet und Gesang; dann zogen wir hin zum heiligen Missionskreuz, unter dem wir nach einem Gebete um Beharrlichkeit von einander Abschied nahmen. Tages darauf ritt ich über hohe und abschüssige Berge in das „Jammerthal," begleitet von einem langen Zuge Reiter und Reiterinnen. Als wir in das tiefe Thal hinabestiegen, kamen uns die frommen Bewohner in Procession singend entgegen. In einer mit Blumen und Palmen ausgeschmückten Lehmhütte, die noch nicht vollendet war und künftig als Schule dienen soll, brachte ich das hochheilige Opfer dar, bei dem sich von ferne her unsere Deutschen — auch Protestanten im Feierkleide — einfanden. An dem improvisirten ländlichen Altare hatte der fromme Sinn der guten Einwohner wohl alle Bilder und Bilderchen zusammengebracht, die sich in der ganzen Picade finden ließen. Nach der heil. Messe schritten wir in Procession zur Einsegnung des Missionskreuzes, das mit Kränzen umwunden ebenfalls in einem Halbkreise von Palm- bäumen an einem zur Andacht einladenden Orte steht. Daraus folgte die Einweihung des Gottesackers und eine Predigt unter dem Friedhofskreuze. Endlich bewegte sich der Zug zum heil. Missionskreuze zurück, wo wir nach andächtigem Gebete einander Lebewohl sagten. — Dasselbe geschah Tages darauf in der andern Picade „Wallachei," wo die Bewohner mit vereinten Kräften in heiliger Freude Alles aufgeboten hatten zum Schmucke ihres Missionskreuzes und einzusegnenden Gottesackers. Während der Mission war mein Kämmerlein aus dem Buckerbergc lange in Belagerungszustand versetzt, da sich Alle um die wenigen frommen Gegenstände, Bilder, Rosenkränze, Medaillen, die ich Lei mir hatte, förmlich stritten, besonders aber Männer und Jünglinge um jeden Preis sich einen Rosenkranz verschaffen wollten; ja würdige Männer, die vielleicht in ihrem Leben nie einen Rosenkranz angerührt hatten, thaten weite Ritte zu mir oder zu k Lipinski, um einen solchen als Missionsandenken zu erhalten. Hätte ich nur einen großen Worrath solcher Gegenstände, welch große Freude könnte ich diesen guten Leuten machen; wie leicht und wie oft würden sie sich an die gehörten Wahrheiten und die gefaßten Entschlüsse erinnern, und wie manche fromme Gebete würden sie vor den Bildern und beim Gebrauche des Rosenkranzes verrichten! Endlich nach sechs Wochen kehrte ich heim. Den Sonntag darauf erschienen nach dem Gottesdienste in Masse alle vier Picaden, Gläubige jeden Alters und Geschlechtes, vor unserm Häuslein, wiewohl der Regen in starken Güssen vom Himmel stürzte, um auf alle Weise dem hochw. k. Lipinski für die Wohlthat zu danken, daß er ihnen den Missionair geschickt habe. Während ihre Abgeordneten eintraten, stimmte draußen das ganze Volk das „Großer Gott, dich loben wir" an, und nachdem sie dreimal laut den Segen des Himmels auf uns Herabgerufen, hörte man sie unter Jubelgesängen zu Ehren der Mutter Gottes von dannen ziehen. Das wäre also die erste oder so ein Anfang von Misston unter unsern deutschen Auswanderern, zwar ein sehr bescheidener, wobei nicht, wie in Deutschland, 15 oder 20,000 Zuhörer sich einfanden, aber immer doch ein von Gottes Gnade reichlich gesegneter, und ich darf sagen, eine Mission, wie mir noch keine ähnliche vorgekommen, wo die armen Leute gerade wegen der Mission so viele und große Schwierigkeiten zu überwinden gehabt und sie auch wirklich edelmüthig überwunden hätten. Indem Gott allein davon alles Lob gehört, der mit seiner Gnade diejenigen, welche ihr selbst bei Missionsgelegenheiten in Europa widerstanden, endlich im fernen Brasilien zu besiegen wußte, so möge zur Vermehrung seiner Ehre das Licht des katholischen Eifers und der christlichen Erbauung, das unsere armen Deutschen in den Urwäldern Amerika'? leuchten lassen, auch hinüberdringen in ihr altes Hcimathland zum Troste ihrer dort zurückgebliebenen Landsleute, aber auch zum Beweise für Alle, denen das Heil dieser verlassenen Seelen zu Herzen geht, daß sich hier gar Manches, ja Alles für die katholischen Deutschen und die Brasilianer selber bewerkstelligen ließe, wenn uns von Deutschland aus geeignete Hilfe zukäme. Indessen wollen wir die uns zu Gebote stehenden Mittel und Kräfte fleißig und treu benutzen, um die trostreichen Worte des Herrn vernehmen zu können: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weil du in Wenigem getreu warst, will ich dich über Vieles setzen." Bonifacius Klüber, 8. 5. Die gegenwärtige Lage der Genfer Katholiken. Seit dem Berichte, welchen die Kirchenzeitung Anno 1857 über Genf erstattete, hat die Lage der Katholiken sich daselbst immer mehr befestiget und erweitert. Wir reden nicht von der Landschaft; denn hier ist sie ungefähr die nämliche geblieben, doch nimmt das Uebergewicht der Katholiken dort immer mehr zu. Dieses Uebergewicht, an und für sich gerecht und sich in mäßigen Schranken haltend, ist eine Folge der Verfassung von 18-16. Auch in der Stadt vermehrt sich der Einfluß der Katholiken, nicht etwa durch Uebertritte der Calvinisten zum Katholicismus (davon ist keine Rede), sondern weil unter den vielen Ankömmlingen, welche die Bevölkerung vermehren, die Mehrzahl Katholiken sind: Folge der Eisenbahnen, durch welche, zum Nachtheile der kleinern, größere Mittelpuncte der Industrie gebildet werden. So entsteht in Genf eine neue Bevölkerung von Industriellen und meistens Bedürftigen. So schlägt der Katholicismus immer tiefere Wurzeln und befestigt sich immer mehr. Indeß wird diese Bevölkerung, wenn auch im Zunehmen begriffen, den Protestanten gegenüber, was sociale Stellung und Einfluß betrifft, noch lange die schwächere sein, theils weil sie noch nicht alt genug ist, theils weil ihr gehörige Wohlhabenheit und Bildung großenteils fehlen. Denn die Zahl einzig, wenn die gehörigen Eigenschaften abgehen, gibt in dieser Welt noch nicht den Ausschlag. Durch das allgemeine Stimmrecht gelangt Wohl eine ziemlich große Anzahl Katholiken in den Großen Rath, aber da sie, wie gesagt, meistens ohne socialen Einfluß sind und nur durch die radicale Strömung hineingeführt werden, so gelten sie bloß als Zahlen bei den Abstimmungen und weiter nichts. Handelt es sich blos um materielle Interessen, so sucht man diese katholische Bevölkerung zu befriedigen. Ist aber von höheren, moralischen oder politischen Fragen die Rede, so folgt dieselbe gelehrig der Regierung, sei es, weil dieselbe nichts gegen ihr Gewissen von ihnen verlangt, oder weil die hartnäckige Verfolgung von Seite der conservativen protestantischen Partei sie zwingt, ihre Interessen mit denen der Radikalen zu vereinigen. Auch muß man gestehen, daß die dermalige Regierung gegen die Katholiken immer im höchsten Grade gemäßigt und billig ist. Freilich ist dieselbe auch von den revolutionären, antikatholischen Lorurtheilen angesteckt, aber in der Praxis zeigt sie sich über dieselben erhaben und respectirt den nicht unbedeutenden Einfluß der Katholiken. Daher wird unsere Geistlichkeit von der Regierung mit vieler Achtung behandelt. Die protestantisch-conservative Partei hat dermalen weder im Regierungsrathe noch im Kantonsrathe einigen Einfluß, wohl aber im Stadtrathe von Genf und auf diesen Einflnß ist sie sehr eifersüchtig. Hier ist sie Meister und läßt es die Katholiken bei jedem Anlasse fühlen, immerhin aber bloß in administrativen Angelegenheiten. Vorzüglich bei Naturalisationen ist die Stadt Calvin's ihren alten Traditionen treu geblieben; der Stadtrath sucht seine Partei durch häufige Naturalisation von Protestanten zu vergrößern. Seien diese > übrigens wer sie wollen, dem Parteigeist sind sie alle willkommen. Außerhalb den Behörden üben die Katholiken übrigens einen reellen Einfluß aus. Sie üben denselben aus durch einen ausgezeichnet guten Klerus, > welcher die Welt und die Zeit kennt und seiner Aufgabe in einer Stadt, wo er ! sich beständiger Eifersucht und Kritik ausgesetzt sieht, vollkommen gewachsen ist. Sie üben ihn aus durch die Vereinigung einiger ausgezeichneter Familien, welchen sich die katholischen Weltleute anschließen, und in welchen auch viele Fremde Zutritt suchen und finden. Was Einzelnes betrifft, habe ich Ihnen zu melden, daß unsere neue Kirche unter dem Titel der unbestellten Empfangn iß seit 20 Monaten dem öffentlichen Cultus übergeben ist. Wir haben zwei Pfarrabtheilungen, die von üiotrk-vame und jene der vormaligen Kirche von St. Gervais. Diese Vertheilung war bei einer katholischen Bevölkerung von 17,000 Seelen durchaus nothwendig und hat schon sehr glückliche Resultate herbeigeführt. Es ist bewiesen, daß über ^000 Personen gegenwärtig die hl. Messe anhören, welche vor zwei Jahren nicht daran dachten, dieses zu thun. Der Empfang der hl. Kommunion hat in gleichem Maße zugenommen. Die Zahl derjenigen, welche sich > nicht kirchlich verheiratheten, welche ihre Kinder nicht taufen ließen, welche mit einem Worte ohne Cult lebten, hat bedeutend abgenommen. Solche wie Wilde lebende Katholiken kommen gewöhnlich aus Mittel-Deutschland oder aus den größern Städten Frankreichs. Unter diesen Unglücklichen sucht die protestantische Propaganda durch Geld sich zu recrutiren. Ist es zu verwundern das es ihr zuweilen gelingt? Aber solche Seelenkäufe sind wenig solid; besser gelingt es ihnen durch die Mischehen, die sie auf alle Art und Weise befördern. Die Protestanten zeigen in Genf eine große Rührigkeit; sie suchen die Aufmerksamkeit der Katholiken durch alle Mittel, durch Conferenzen, Controversen, Lehrcurse rc. auf sich zu ziehen. Aber die Katholiken achten nicht darauf; hat sich doch sogar eine aus erkauften italienischen Flüchtlingen bestehende protestantische Gemeinde wieder aufgelöst. Die durch den Bundesrath letzten Winter geforderten Maßregeln haben in dieser seinsollenden Kirche große Verirrungen hervorgerufen. In unsern beiden Kirchen zu ?lotro-vam6 und St. Gervais blühen mehrere fromme Vereine, Kongregationen des Herzens Jesu, des Allerheiligsten Altars- sacramentes, die Frauen der christlichen Liebe, die Gesellschaft für Dienstboten rc. Im Kanton bestehen überdieß vier St. Vincentius-Conferenzen. Unsere „Lieb-Frauen-Kirche" ist noch nicht vollendet und schwere Schuldenlast drückt noch unsern verehrungswürdigen Hm. Pfarrer. Auch mangelt noch ein Pfarrhaus, um die 6 Priester unterzubringen, welche unter der Leitung des Hochw. Hrn. Abbö Mermillod die Pfarrei besorgen. Diese Pfarrei öiolre- V»M6 empfängt keine Unterstützung von der Regierung, der Unterhalt und die Wohnung der Priester, der ganze Cultus, kurz Alles muß durch die Gläubigen bestritten werden. Eine Dame, welche den Katholiken von Genf schon viele Wohlthaten erwiesen, hat uns in der Nähe der neuen Kirche einen Theil.ihres Parks abge- , treten, um dort ein Haus für die barmherzigen Schwestern zu bauen. Unser so thätige und intelligente Klerus fährt übrigens fort unter der Leitung des Abbe Mermillod die so geschätzten „Katholischen Annalen von Genf" herausgegeben. Diese Annalen verdienten unter dem Klerus eine größere Leserzahl, denn sie behandeln protestantische Angelegenheiten nicht nur von Genf, sondern auch von ganz Europa. Ihr Genfer Korrespondent möchte endlich die Aufmerlsamkeit gerne noch auf einen andern Gegenstand lenken, nämlich auf die Rehablitation (Wieder- gültigmachung) der so zahlreichen ungültigen Ehen. — In der Fremde gibt es tausend und tausend Katholiken, die sich zum Concubinate verleiten lassen. Wenn die „Gesellschaft des hl. Regis", die sich's zur Aufgabe gestellt hat, solchen Verbindungen die Gültigkeit der Ehe zu verschaffen, in der Schweiz Schritte thut, um die nöthigen Papiere zu erhalten, so stößt sie auf tausend Schwierigkeiten. Es gibt sogar Kantone, wie St. Gallen, Graubündten, Thurgau, Aargau und andere, wo solche Rehabilitationen unmöglich sind, weil die Gemeinden übermäßige Taxen fordern. Könnte die Eidgenossenschaft, die Bundesbehörden, welche sich um Ehescheidungen und Mischehen so sehr bekümmern, nicht auch Etwas für diese Unglücklichen thun, und es ihnen nicht länger unmöglich machen, den Opfern der Ausschweifung wieder zu ihrer Ehre zu verhelfen? Diese Frage verdient Beachtung. Mir scheint unmöglich, daß man mit Geduld und Aus- harrung am Ende nicht Etwas erlange. Jesuit und Redemptorifi auf dem Sterbebette. Die Gegner der katholischen Kirche haben keinen der religiösen Orden, die im Laufe der christlichen Jahrhunderte entstanden, so gehaßt, verleumdet und verfolgt als den der Jesuiten und Redemptoristen. Es kaun nicht im Zwecke dieser Blätter liegen, eine ausführliche Vertheidigung dieser vielge- schmähten kirchlichen Institute zu unternehmen; ohnedieß haben unterrichtetere und gelehrtere Männer schon hundert und tausendmal es vor uns gethan, so daß Jeder, der hier eine genügende Belehrung sucht, sie auch leicht finden kann; aber Eines möchten wir doch zu bedenken geben, wie nämlich der alte Satz: „Der Tod ist eine Probe auf das Leben" gerade sin den genannten Orden sich oft so glänzend bewahrheitet. Wir theilen hier aus Vielen nur zwei Sterbebilder mit: eines aus dem Orden der Redemptoristen, das andere aus dem der Jesuiten und gewiß muß Jeder, der unbefangen diese Aufzeichnungen liest, sich eingestehen: Orden, in denen man so stirbt, können nicht schlecht und verwerflich sein, wie man sie häufig schildern hört. — Vor anderthalb Jahren verschied zu Tournah in Belgien im Hause der I>. I>. Redemptoristen der hochw. I*. Joseph Passerat, der zweite General- vicar der transalpinischen Provinzen der Kongregation des allerheiligsten Erlösers. Geboren zu Joinville im I. 1772 — 15 Jahre vor dem Tode des heil. Alphons von Liguori, Stifters dieser Kongregation — lebte ?. Passerat nicht viel weniger, als ein Jahrhundert; und dieses Leben, so reich an Jahren, war es nicht minder an Arbeiten und Tugenden. Getreu der Gnade, die ihn berief, sich Gott zu weihen, war er im Begriffe, für den heiligen Dienst der Seelen sich vorzubereiten, als er seinen Studien und seinem Vaterlande durch die französische Revolution sich entrissen sah. Die Vorsehung lenkte es indessen, daß er in Polen wieder die Freiheit erlangte, seinem Berufe zu folgen. Er trat zu Warschau in die Kongregation des allerheiligsten Erlösers, wo er im Jahre 1796 in die Hände des e. Hoffbauer, des ersten Generalvicars des Ordens, seine Gelübde ablegte. 278 Der Geist des Gebetes, der Liebe und der Selbstverleugnung vermehrte sich in ihm nach dem Maße, als er weiter aus dem Wege kam, den Gott ihn führte, und er zeigte in der Folge einen solchen Muth und eine solche Stand- haftigkeit mitten unter den härtesten und langwierigsten Proben in jener Zeit der Verirrnng, daß der hochwürdige r>. Hosfbauer sterbend noch ihn als den Fähigsten bezeichnete, die Bürde seines hl. Amtes zu tragen. u. Passerat wurde demnach im Jahre 1820 zum Generalvicar ernannt. Unter, seiner väterlichen Regierung und durch seine Sorge geschah es, daß das apostolische Institut des heil. Alphons von Liguori in Deutschland und in der Schweiz, in Frankreich, in Portugal, in Belgien, in Holland, in England und in den vereinigten Staaten von Nordamerika sich ausbreitete. Gott hatte ihn zu einem vorzüglichen Werkzeug seiner Ehre erkoren und erfüllte ihn mit seinen Gaben, deren dieser keine verloren gehen ließ. Er war vor Allem ein innerlicher Mensch, wie es diejenigen sein müssen, die sich's zur Aufgabe machen, den Fußstapfen der Heiligen zu folgen; er führte seine Schüler zur Liebe des Gebetes durch Rath und Beispiel, und man konnte von ihm in Wahrheit sagen, das Gebet sei das Athemholen seiner Seele gewesen, denn Gebet fand sich in Begleitung bei allen seinen Werken und machte den eigentlichen Grund seines Lebens aus. Seine Herzensgütte war nicht blos die eines Vaters, sondern die einer Mutter. Als der Nuntius des heil. Stuhles eines Tages ihn für einen bischöflichen Sitz vorschlagen wollte, suchte U. Hosfbauer den Gesandten des heiligen Vaters abzubringen, indem er sagte: „Ich kann seiner nicht entbehren, er ist wie die Mutter der Congregation." Dieses Zartgefühl des Herzens für seine Brüder mußte desto mehr bewundert werden, je mehr er streng und abgetödtet gegen sich selbst war. Die heilige Schrift war ihm das kostbarste Vergnügen; Kraft, Salbung, Einfachheit und Autorität charakterisirten in bei Verkündigung des göttlichen Wortes. Personen vom höchsten Range in der Kirche und in der Welt wurden in seiner Gegenwart von Rührung ergriffen und beugten sich vor dem ehrwürdigen Greis, während er allein, sanft und demüthig von Herzen, nicht wußte, in welch' hohem Grade die Vereinigung mit Gott so zu sagen aus seiner ganzen Person herausstrahlte. Die traurigsten Ereignisse konnten ihn nicht verwirren, noch vermochten die trostreichsten Begebenheiten ihm die Ruhe des Herzens zu nehmen, indem seine Seele so innig mit demjenigen vereiniget war, dem man sich auf dem Wege der Heiligen sowohl durch Freude als durch Schmerz nähert. Für Alle, die ihn kannten, ist sein Andenken wie eine Gnade; sie werden, was sie von ihm hörten, wohl nie vergessen; seine zahlreichen Briefe über das innerliche Leben, seine geistliche Leitung und Führung werden immer ein Schatz für seine Jünger bleiben. Eine Revolution war es die ihn aus seinem Vaterlande entfernt hatte, eine andere Revolution vertrieb ihn aus Wien im Jahre 1848. Sein Herz führte ihn nach Belgien. Sein hohes Alter ließ ihn die Befreiung von der Last seines AmteS verlangen und dort diesen Wunsch auch erreichen. Das Ende seines Lebens war die Krone desselben nach den Worten der Schrift: „Die Geduld vollendet das Werk." Jak. 1, 4. Zweimal vom Schlage getroffen schien er nur leben zu müssen, um zu leiden; indeß verwendete er noch seine ganze Kraft, um dafür den Herrn zu preisen und von göttlichen Dingen zu sprechen. Durch die Unmöglichkeit, in die er versetzt war, das heil. Meßopfer zu feiern, war er seines größten Trostes beraubt; daher hörte er täglich mehrere hl. Messen und empfing täglich die hl. Communion. Obgleich schwer leidend nahm er sich doch in keinem einzigen Puncte von der Ordensregel aus, was seine Umgebung mit Staunen erfüllte. Die Frömmigkeit, und zwar die Frömmigkeit eines Heiligen, war die Seele 279 seines zurückgezogenen, wie seines ganzen früheren Lebens. Alle, die das Glück hatten, Zeugen der letzten Jahre des Seligen gewesen zu sein, sprechen mit Rührung von seinen zahlreichen Uebungen der Liebe zu Gott, des Vertrauens auf die unendlichen Verdienste Jesu Christi und auf die Fürsprache der unbefleckten Jungfrau Maria, des heil. Joseph, der hl. Apostel und des hl. Alphons, von jener unveränderlichen Sanftmuth, von jenen demüthigen Ausdrücken, womit er für jede, auch die geringste Dienstleistung dankte, von seiner Geduld, die sich immer gleich blieb, von seiner beständigen Ergebung in den Willen des Herrn. Denselben Tag an dem er das drittemal vom Schlage getroffen wurde, ließ er sich den Gedanken des heil. Franz von Sales mehreremal wiederholen: „Daß die vollkommene Ergebung in Beziehung auf den Tod, der eine gerechte Strafe für die Sünde ist, zugleich auch eine vollkommene Sühnung dafür in Jesu Christo sei." Da der heilige Greis sein Ende nahe glaubte, verlangte er alle Mitglieder der Communität vor sich vereint zu sehew; doch vermochte er damals nicht, zu ihnen zu reden, dafür aber sagte er während der Nacht zu dem seiner Mitbrüder, der bei ihm Wache hielt: „Ich wollte ihnen gestern Abends empfehlen, immer in der Furcht Gottes zu leben. Versprechen .Sie mir, dieß allen meinen Mitbrüdern sagen zu lassen." Man konnte nicht umhin, bis zu Thränen gerührt zu werden, wenn man ihn das Gebet für die Verstorbenen aus sich selbst anwenden hörte: „Herr, gib mir die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte mir!" Indessen erhörte ihn Gott nicht sogleich und schien zu wollen, ihn noch auf Erden das Fegfeuer der Heiligen durchgehen zu lassen, welches darin besteht, daß er ihnen die Erfüllung der Hoffnung nach dem verzögert, wornach sie so heiß verlangen. Das Uebernatürliche bei diesen Prüfungen war unschwer zu erkennen; denn während er das Gedächtniß für Alles das, was zeitliche Dinge anbelangt, beinahe gänzlich verloren hatte, hörte man ihn über göttliche Dinge wie einen wahren Weisen reden, der vom Geiste Gottes erfüllt ist. Bis zu seiner letzten Stunde gab er denen, die ihn über ihren Seelenzustand zu Rathe zogen, Antworten voll Erleuchtung. Er hörte nicht aus, die Acte der Liebe zu Gott und dem Nächsten zu erneuern, und bat den Bruder Krankenwärter, nach dem Beispiele des hl. Alphons, ihm solche Acte der Liebe vorzubeten, welche die vollkommensten wären. Es war hinreichend, in seiner Gegenwart den Namen Maria auszuspre- chen, um allen seinen Zügen den Ausdruck kindlicher Freude zu geben, und eine Quelle in seinem Herzen zu eröffnen voll der glühendsten und vertrauensvollsten Gebete. Der Rosenkranz kam nie aus seinen Händen, und das Ave Maria war das letzte Gebet, das er mit hinsterbender Stimme gesprochen. Er verschiev, getröstet durch die heil. Sacramente der Kirche, ohne Todeskamps in der Vigil von Allerheiligen des Jahres 1858. — Das ist der Tod eines Redemp- to risten. (Schluß folgt.) Religion und Industrie. Es dürfte nützlich sein, bekannt zu geben, was die Vertreter der Industrie in Belgien thun, um die moralischen und physischen Zustände der arbeitenden Classe zu heben. Der Vorsteher an den Hochöfen, die an einem berühmten Flusse liegen, erschrack, als er sein Amt antrat, über die Verkommenheit und Stumpfheit, in welcher die Familien der seinen Befehlen Unterstehenden sich befanden. Von nun an beseelte ihn nur ein Gedanke, jener nämlich: einer solchen Lage abzuhelfen und diese Seelen der menschlichen Gesellschaft wiederzugeben. Auf einer Reise nach Paris hatte er das Vorhaben, sich an die Oberin der Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (barmh. Schwestern) zu wenden und ihr seine Gedanken vorzulegen. Das den Schwestern dargebotene Schlachtfeld, wo sie ihren Eifer, ihre Ergebung zeigen sollten, war ein ihnen bisher unbekanntes; es handelte sich darum: ohne Schleier in große, vom Rauche geschwärzte Werkstätten, wo eine unermeßliche Hitze herrscht, zu dringen; Männern, die Teufeln gleichen, die süßeste, die sanfteste der Erscheinungen zu bringen; die Erscheinungen von Engeln in Menschengestalt, diesen Menschen in Gestalt von Gespenstern das Licht des himmlischen Lebens zu bringen, ihre Kinder zu lehren, ihre Kranken zu Pflegen und zu heilen. Nach einigem Unterhandeln wurde das gemachte Programm angenommen, und fünf französische Nonnen sollten sich auf den Weg machen, um die Bewohner von Kohlendistricten zu civilisiren. Der Vorsteher zauberte gleichsam ein anständiges Haus für die barmherzigen Schwestern aus der Erde heraus, und sie nahmen es in Besitz. Es sind nun beiläufig fünf Jahre, daß sie ihre Arbeit an den Pforten einer Anstalt, die 2000 Arbeiter zählt, begannen und man kann bestätigen, ohne des Gegentheils überführt zu werden, daß sie die Gegend ganz geändert haben. Sie halten Mädchenschule, und Abends halten sie Stunden für die Erwachsenen. Eine 23-jährige Nonne erklärt jungen Leuten die großen Wahrheiten unserer hl. Religion, und lehrt ihnen Alles, damit sie hier als vollkommene Christen, gute und ehrliche Arbeiter und ehrsame Hausväter leben können. Wird in den Hammerwerken ein Arbeiter, sei es Mann oder Weib, beschädigt, was da, wo die Dampfkraft in Bewegung ist, nicht selten vorkömmt, so wird er alsogleich zu den barmherzigen Schwestern getragen, wo er mit mütterlicher Sorgfalt gepflegt wird. Frauen von christlichen Vereinen besuchen alle Wochen mit einer barmherzigen Schwester die ärmsten Familien und erleichtern ihnen ihr trauriges Loos. Ich war Augenzeuge dessen, was die guten Schwestern den Kranken thun, und ich habe mich an ihren Leistungen erbaut. Wie erhält sich ein so nützliches, patriotisches Werk? Der Edelmann, der es gestiftet, ist von Gott begeistert worden. — Zuerst hat er gewollt, daß alle Arbeiter Sonntags die heil. Messe hören, und Jene, welche Sorge zu tragen haben, daß die Oesen nicht erlöschen, treten ihre Arbeit erst um halb 8 Uhr an, nachdem sie vor 6 Uhr ihren Pflichten als Katholiken nachgekommen sind. Auch segnet ihn die Vorsehung in Allem was er unternimmt. Noch einige solche, vom Geiste Gottes beseelte Jndustriemänner, und die schweren Forderungen der Industrie wären im schönsten Einklänge mit den Geboten Gottes und der Kirche. Um nichts zu verschweigen, soll es gesagt sein, daß das Beispiel dieses so frommen und intelligenten Vorstehers die schönste Frucht, die es tragen konnte, gebracht hat. Es hat sich in Brüssel eine unter den Schutz des Grafen Merus gestellte Gesellschaft gebildet, deren Zweck ist, in den Kohlendistricten von Lüttich, Brüssel u. s. w. zu überwachen, daß 1. katholische Schulen für die Kinder der Arbeiter erhalten werden; 2. Zufluchtsstätten für greise und kranke Arbeiter bestehen. Diese Schulen und Spitäler sollen so viel als möglich unter der Leitung von Priestern stehen. — Edle und großmüthige Fabrikbesitzer! geht vorwärts, ohne euch von Hindernissen abschrecken zu lassen, Ihr werdet an das Ziel gelangen, Ihr werdet so den großen Bedürfnissen nachkommen. Ich habe die barmherzigen Schwestern in Mitte dieser von Rauch und Steinkohlen geschwärzten unzähligen Arbeiter betrachtet, und ich habe sie eben so reich an Entsagung und Ergebung, als auf den Schlachtfeldern der Krim gefunden. Es sind immer barmherzige Schwestern; da, wo sie sind, athmet man den Duft der heldenmütigsten Tugenden ein. Redaction un» Wcrlag: Dr. M. Huttlcr. — Druck von I. M. Klein le.