AilgMgtt SmtajMiilt. Mr. 3S. 23. September 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Nugsburget Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Aus den Misstonsbriefen der Gesellschaft Jesu. Schreiben des k. D. Smet aus der Gesellschaft Jesu an den hochwürdigsten u. General derselben Gesellschaft. (Fortsetzung.) Die Entfernung von Panama nach St. Francesco beträgt mehr als 3000 Meilen. Das Dampfschiff legte in der prachtvollen Bai von Acapuca, einem kleinen Seehafen von Mexico an, um die Briefpost, Wasser und Kohlen einzunehmen. Am 16. Oct. Abends kam ich zu St. Francesco an, und schätzte mich glücklich, in einem Hause der Gesellschaft und in der Mitte mehrerer meiner Brüder in I. Ch. mich zu befinden, welche mich mit Beweisen der Güte und der herzlichsten Liebe überhäuften. Man fühlt und schätzt es besonders, qusm licmum et suecmäum Imlntaro lcMi'es in nimm, wenn man ein californisches Schiff verläßt, auf dem mau sich einige Zeit in der Mitte von 1400 bis 1500 Menschen aus allen Nationen der Erde befunden hat, die Alle von dem Goldfieber angesteckt sind, und an nichts denken und von nichts reden und träumen, als von Goldminen und von den irdischen Freuden, welche ihnen das Gold späterhin verschaffen wird. Aber diese Hoffnung wird oft fürchterlich getäuscht. Wir reisten am 20. von St. Francesco ab, und legten mehr als 1000 Meilen in 4 Tagen zurück, um uns nach dem Fort Van Couver in Columbien zu begeben. Zu Van Couver erhielt man die Nachricht von der Einstellung der Feindseligkeiten und der Unterwerfung der indianischen Völkerschaften. Indeß mußte man den Wilden noch ihre Vorurtheile und Unruhe benehmen, und falsche Gerüchte berichtigen und widerlegen, die ausgestreut waren und späterhin leicht neue Feindseligkeiten hätten herbeiführen können. Mit den Aufträgen des commandirenden Generals 'versehen, verließ ich das Fort Van Couver am 26. Octbr., und begab mich unter die Völkerschaften der Gebirge, die etwa 800 Meilen entfernt waren. Auf meiner Reise besuchte ich die katholischen Soldaten in den festen Plätzen zu Dalle-city und Walla-Walla. Hier traf ich zu meinem großen Troste den hochw. U. Congiato auf seiner Rückreise von den Missionen und erhielt von ihm sehr beruhigende Nachrichten über die Stimmung der Wilden. Der würdige Commandant des Forts hatte die ausgezeichnete Güte, auf mein Begehren allen Gefangenen und den Geiseln der Coeurs d'Alönes und Spokanes die Freiheit zu schenken, und er vertraute mir es an, sie zu ihren betreffenden Völkerschaften zurückzuführen. Diese guten Wilden, besonders die Coeurs d'Alenes, waren während ihrer Gefangenschaft der Gegenstand großer Erbauung in Mitte der Soldaten, welche sie oft mit Verwunderung umgaben, wenn sie Morgens und Abends ihre andächtigen Uebungen hatten und ihre frommen Lieder sangen. Gewiß fühlten manche der Soldaten Hiebei innerlich einen Vorwurf- Auf der 306 ganzen Reise gaben sie mir fortwährend Zeichen ihrer aufrichtigen Dankbarkeit, und ihre Genauigkeit bei den religiösen Uebungen war für mich eine Quelle des Trostes und der Freude. Den 21. November kam ich in der Mission vom heiligsten Herzen Jesu an. Des gefallenen Schnees wegen mußte ich daselbst bis zum 18. Februar 1859 verbleiben. Während dieser Zeit schneite es mehr oder weniger durch 43 Tage und 43 Nächte; 7 Tage hatten wir Regen, 21 Tage trübes Wetter, und 16 Tage war das Wetter heiter und hell. Ich verließ die Mission am 18. Februar mit dem hochw. 1> Joset, der mich begleitete, bis wir mit dem hochw. U. Hoecken zusammentrafen, der uns auf dem Flusse bis Klark oder Pends d'oreille entgegenkam. Eis, Schnee, Regen und Winde verzögerten sehr unsere Reise, die wir in schwachen Kähnen von Baumrinde auf den Flüssen und großen Seen zu machen hatten. Oft waren wir in Gefahr durch die Strömungen und Wasser- stürze umzukommen, von denen der Fluß Clarke besäet ist. Ich habe aus einem Wege von 70 Meilen deren 34 gezählt. Ueberall fanden wir kleine Feldlager der Indianer in ihren Winterquartieren. Beim Herannahen dieser Jahreszeit sind sie in der Nothwendigkeit, sich in kleine Parthien zu theilen, und sich in Wäldern und längs der Flüsse und Seen aufzuhalten, wo sie von der Jagd und vom Fischfänge leben. Sie nahmen uns überall mit dem größten Wohlwollen auf, und trotz ihrer äußersten Armuth theilten sie doch gern mit uns ihren kleinen Vorrath an Lebensmitteln. Sie benützten unsere Anwesenheit auf das Eifrigste, um dem Unterrichte, den wir ertheilten, und der heil. Messe, sowie den Andachtsübungen Morgens und Abends beizuwohnen, die wir abhielten, so viel es die Umstände erlaubten. Am 11. März kam ich in der Mission von St. Jgnaz bei den Bergbewohnern von Pends d'oreilles an. — Als die Kocktanois, Nachbarn der Pends d'oreilles, meine Ankunft erfahren hatten, machten sie einen Weg von mehreren Tagreisen mitten durch den Schnee, um mir die Hand zu drücken, und ihre kindliche Dankbarkeit auszusprechen. Ich war der erste Priester, der ihnen das Wort Gottes verkündet hatte, und hatte alle ihre Kinder und Erwachsene getauft. Sie kamen jetzt mit einer bewunderungs- und der ersten Christen würdigen Einfalt und Demuth, um mich zu versichern, daß sie dem Gebet, das heißt der Religion, getreu geblieben sind, und allen guten Lehren, die sie erhalten haben. Alle Väter ertheilten diesen guten Wilden das größte Lob. Es herrscht bei ihnen in voller Blüthe die brüderliche Einigkeit, evangelische Einfalt, Unschuld und Friede. Ihre Ehrlichkeit ist so groß und bekannt, daß der Gastwirth, wenn er sich manchmal für einige Wochen entfernt, sein Haus und seine Lorrathskammer offen stehen läßt. Die Indianer kommen und bedienen sich selbst dessen, was sie gerade nöthig haben; und wenn der Wirth zurückkehrt, bezahlen sie auf das getreueste, was sie zum Gebrauch genommen haben. Er hat mir dlbst erklärt, daß er bei dieser Gattung von Handelschaft niemals verkürzt werfen sei, auch nicht um den Werth einer Stecknadel. Am 18. März begab ich mich mitten durch den Schnee in das Thal St. Marie, das 70 Meilen weit entfernt war, um meine ersten und ältesten geistlichen Kinder in den Bergen wiederzusehen, die armen und verlassenen Tetes-plates. Sie waren sehr erfreut zu hören, daß Eure Paternität sich ihr geistliches Wohl zu Herzen nehme, und die Absicht haben, die Mission wieder besorgen zu lassen. Ihr oberster Vorsteher versicherte mich, daß sie seit der Abreise der Väter nicht aufgehört haben, sich Morgens und Abends zu versammeln, um ihr Gebet zu verrichten, zur gewöhnlichen Stunde zum englischen Gruße zu läuten, und an den Sonntagen sich einzufindeu, um den großen Tag des Herrn zu feiern. Um nicht zu lange zu werden, gehe ich nicht in eine ausführliche Schilderung ein über den gegenwärtigen Zustand dieser kleinen Völkerschaft. In Abwesenheit ihrer 1 307 Däter hat der Teufel manches Uebel unter ihnen angestiftet, indessen mit der Gnade des Herrn ist der Schaden nicht unheibar. Ihre täglichen Gebetsübungen und die Besprechungen, die ich in diesen Tagen mehrmal mit ihnen hatte, geben mir die tröstliche Ueberzeugung, daß der Glaube sich unter ihnen erhalten hat, und noch Früchte des Heils wirkt. Ich wurde bei meinem flüchtigen Besuche der Mission in den steinigen Bergen überall von den Indianern mit Zeichen aufrichtiger und kindlicher Freude ausgenommen. Ich glaube, Eurer Paternität sagen zu dürfen, daß meine Gegenwart in ihrer Mitte von einigem Nutzen war, sowohl in religiöser Beziehung als aus ihr zeitliches Beste. Ich habe mein Möglichstes gethan, um sie zu ermuntern, getreu und beständig zu sein in den Uebungen unserer heiligen Religion, und die Bedingungen des mit der Regierung abgeschlossenen Friedens genau einzuhalten. Auf dieser Wanderung habe ich die Freude gehabt, mehr als hundert Kinder und eine schöne Zahl Erwachsener zu taufen. Am 16. April begab ich mich nach dem Auftrag des commandirenden Generals in das Fort Van Couver, und verließ die Mission St. Jgnaz. Auf mein Verlangen begleiteten mich alle Häuptlinge der verschiedenen Völkerschaften aus den Bergen, um den Frieden mit dem General und den Intendanten der indianischen Angelegenheiten zu erneuern. Ich setze ihre Namen bei, und den Namen der Völkerschaften, welchen sie angehören: Alexander Temploghetzin oder der Mann ohne Haare, Häuptling der Pends d'oreilles: Victor Alamiken oder der glückliche Mann (er verdient diesen Namen ganz wunderbar, denn er ist ein Heiliger), Häuptling der Totes Plates: Adolph Kwitkwisshapo oder die rothe Feder, Häuptling der Totes Plates; Franz Saxa oder der Fraguese, ein anderer Häuptling der Totes plates; Dionysins Sementietze oder Kleid des Donners , Häuptling der Schujelpi; Andreas Bonaventura, Häuptling unter den Coeurs d'Alönes oder Sleizonmich; Kamiatein der Jakomans und Gezzy, oberster Häuptling der Spokanes. — Diese zwei Letzteren sind noch Heiden, aber ihre Kinder haben bereits die Taufe erhalten. (Fortsetzung folgt.) Der katholischen Kirche Obsorge sür -as^Leibliche. (Schluß.) 6. 3) Die Wirkungen der beiden vorhergehenden Segnungen erkennen auch christliche Genossenschaften mit andern Glaubenssymbolen. Wir betrachten nun mehre göttliche Gnadenspendungen, welche fast ausschließlich oder doch zum größer» Theile im Schooße der katholischen Kirche sproßen. Hieher zählen die hl. Sacramente und andere Gnadenmittel. Die sichtbaren Zeichen mehrer dieser heiligen Gnadenmittel erinnern uns gleichsam an ihre sichtbaren Wirkungen für das zeitliche Wohl der Menschheit. Das Bekenntniß der Sünden, die Losspre- chung des Priesters in der heiligen Beicht sind von gleich fruchtbaren Einflüsse auf die Gegenwart, auf die Zukunft sür das irdische Wohl des Einzelnen, wie auf den ganzen Weltkörper. Menschen, deren Gewissen eine schwere Schuld drückte, waren schon oft der Verzweiflung nahe, und in der gänzlichen Zerrüttung des Gemüthes keimte die Zerrüttung der körperlichen Gesundheit. Da wälzte ihre reumüthige Schuldanklage, das gewichtige Wort des Priestirs „adsolvo te!" eine Zentnerlast von ihrer Seele, und Ruhe kehrte in das Herz und frisches Leben in den siechen Körper zurück. Anders glaubende Christen, oder Katholiken, deren Glaube erloschen ist, kennen keine Linderung, keine Befreiung von der Gewissensfolter, und oft stei- gert sich ihre Verzweiflung zum Selbstmorde. Wie unermeßlich endlich sind die Wirkungen des heiligen Bußsacramentes für den Weltverkehr? Liebe, Friede kehren in Familien, Gemeinden zurück, in denen früher Haß und Zwietracht herrschte. Redlichkeit erstattet ungerecht gewonnenes Gut, und in frommer Mildthätigkeit gegen Einzelne findet der reuige Sünder ein Sühnemittel für seine Verbrechen an Gott, au sich selbst, an den Mitmenschen. Während das heilige Bußsacrament das Herz von der Sünde befreit, erfüllt es das heilige Altarssacrament mit den unendlichen Segnungen göttlicher - Liebe. Dieser Gegensatz einer tilgenden und gewährenden Gnade prägt sich auch in den zeitlichen Wirkungen dieser erhabenen Heilmittel aus. Die heilige Buße nimmt von der Seele die Folter des Gewissens; ihr Zustand wird Ruhe vom Sturme. Das allerheiligste Altarssacrament erfüllt die Seele mit der stillen Heiterkeit befriedigter Sehnsucht; ihr Zustand wird Ruhe in Gott. ^ Sobald der Sinn für diese stille Heiterkeit, für diesen Frieden im Herrn ; aus der Menschenbrust entflieht, weicht auch der Geist Gottes von uns, welcher ! durch seine Einkehr in unser Herz diesen stillen Sinn weckte und belebte. Wir ergötzen uns wieder au den rauschenden Vergnügungen des Tanzes, des Theaters, Wirthshausbesuches, weil der rauschende Weltgeist, der Urheber dieser Genüsse, wiederum in unserm Herzen wohnt. Die letzte Oelung ist für den Kranken ein Gnadenmittel zur Wiedererlan- ^ gung seiner Gesundheit, wenn dieselbe für seine Seele heilsam ist. Aber eben j dieses Wenn macht diese Wirkung wenigstens zu keiner regelmäßigen. Die ficht- s Laren Zeichen jedoch der Salbung und des priesterlichen Gebetes lassen uns nicht selten sichtbare Wirkungen der innern Gnade am Kranken gewahren, welche derselbe vor dem Empfange dieses heiligen Sacramentes nicht empfunden hatte. s Diese sichtbaren Wirkungen haben ihre Quelle in der jetzt erlangten Krast, den > körperlichen Schmerz, die geistige Furcht vor dem Tode zu beherrschen, wie im neubelebten, oder erst gewonnenen Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, und üben auf das geistige wie leibliche Wohl des Kranken den wohlthätigsten Einfluß aus. Haben in letzter Beziehung Schmerz und Furcht keine Gewalt mehr über den Verstand, so erlangt dieser die nöthige Kraft zur Ordnung irdischer ! Angelegenheiten. Die Hoffnung aus Gottes nachsichtsvolle Huld macht den Leidenden nachsichtsvoll und dankbar gegen seine Umgebung. Und doch kann menschlicher Unverstand aus Furcht vor der entgegengesetzten Wirkung dem Kranken diese stärkende Tröstung ganz oder zu rechter Zeit versagen? Die Ehe in der sakramentalen Auffassung der katholischen Kirche ist eine Nachbildung der Verbindung Jesu mit seiner heiligen Kirche und als solche von doppelter Wirkung auf das Wohl der Menschheit. Wie der Geist Gottes bei der Kirche bleiben wird, so wird er auch stets über eine Verbindung wachen, welche das Gepräge dieser kirchlichen Verbindung an sich trägt. Das Bewußtsein von diesem geistigen Schutze, welches durch die priesterliche Einsegnung belebt und gestärkt wird, ermuntert die Ehegatten zur Erfüllung ihrer religiösen, wie irdischen Berusspflichten, zum treuen Aushalten und Hoffen auf Gott in der Stunde ewiger, wie zeitlicher Gefahr. Wie ferner die Verbindung Jesn mit seiner heiligen Kirche eine unauflösbare ist, so muß auch ihre Nachbildung: die Ehe unzertrennlich sein bis in den Tod. Diese Unauflösbarkeit der Ehe muß vor der Eingehung beide Theile und die zur Einsprache Berechtigten zur reiflichen Erwägung des wichtigsten Lebensschrittes bewegen. Im Ehestände selbst aber verbürgt die Unauflösbarkeit der Gattin die der Frauenwürde gebührende Lebensstellung, den Kindern die ihrem geistigen, wie leiblichen Heile ersprießlichste Erziehung zu brauchbaren Gliedern der Menschheit. Einer der rührendsten Beweise der mütterlichen Sorgfalt der katholischen ! Kirche für ihre Kinder ist der Ablaß, d. h. Nachlaß der durch die Sünde ver- ! dienten zeitlichen Strafen, welcher an die Erfüllung gewisser äußerst gelinder und dem Seelenheils förderlicher Bedingungen geknüpft ist. D Eine fernere Bürgschaft für unser zeitliches Wohlergehen gewähren die trostreichen Glaubenswahrheiten der katholischen Kirche. Die Gemeinschaft der Heiligen versichert uns der Fürsprache uns'rer himmlischen Brüder, sowie die Gemeinschaft mit der leidenden Kirche diese Fürsprache von uns verlangt, damit sie auch uns einst zu Theil werde im Orte der Reinigung. Wenn wechselseitiges Geben und Empfangen schon die Seele und Seligkeit weltlicher Freundschaft und Liebe bildet, um wie viel mehr muß dies bei einer so rein geistigen, heiligen Brudergemeinschaft der Fall sein? Und wenn schon irdische Freundschaft Segnungen ausbreitet über Geist, Gemüth und irdisches Wohlergehen des geliebten Freundes, wird dann dieses von Gott gestiftete himmlische Freundschaftsband unberücksichtigt lassen eine dieser Beziehungen? Wir wissen, daß Christus dxn obersten Eckstein, das unsichtbare Haupt dieser von ihm gegründeten Gemeinschaft bildet, und daß wir also als Glieder dieser Gemeinschaft Verbündete Gottes sein müssen. Durch diesen Bund mit Gott und der Kirche wissen wir, daß wir nicht allein stehen im Kampfe gegen das Böse, sondern im Leben und nach dem Tode durch liebende Brüder Fürsprache finden vor Gottes Thron. Dies tröstende Bewußtsein verleiht unserm ganzen Wesen eine ernste Heiterkeit, eine entschlossene Haltung, eine richtige Schätzung aller irdischen Dinge, welche wir lieben, wenn sie zum Guten, und hassen, wenn sie zum Bösen führen, eine Liebe welche nicht nur beim Gebete bleibt, sondern durch fromme Werkthätigkeit sich und den Brü- dern aus Erden, im Reinigungsorte Verdienste sammeln will. Der Protestant, welcher im Leben keinen Vermittler kennt zwischen sich und seinem Gott, nach dem Tode keinen Rettungsanker, wirkt nicht in Furcht und Zittern, sondern in Verzweiflung; nicht in demüthigem Gottverirauen, sondern im stolzen Selbstvertrauen das Heil seiner Seele und hat eine kalte Tugend ohne Liebe, oder er gibt sich auf im Kampfe gegen das Böse und hat eine brennende Liebe ohne Tugend, eine Liebe zu allem Sündhaften. 5) Die heiligen Tugendübungen gelten in allen christlichen Religions- genossenschaftcn, in den meisten philosophischen Lehrgebäuden als mitthätige oder ausschließliche Begründerinnen geistiger, wie irdischer Wohlfahrt. Jedes Laster trägt in sich den Zerstörungskeim der menschlichen Gesundheit; jede entgegengesetzte Tugend entfernt nicht nur diesen schädlichen Keim, sondern befestigt auch die menschliche Gesundheit.in der einem bestimmten Laster entgegenwirkenden Richtung. Wir erinnern an Völlerei und Mäßigkeit, an Zorn und Sanftmuth. Dies war schon die heidnische Anschauung, wie sie Senecca in seinen Büchern über den Zorn darlegt. Unendlich höher steht die christliche Anschauung, soweit sie von der katholischen Kirche in die übrigen christlichen Genossenschaften übergegangen ist. Sie lehrt uns nicht nur die Tugenden um Gotteswillen lieben, sondern sie hat auch viele den Heiden unbekannte Tugenden z. B. Demuth, Feindesliebe aufgestellt. Unerreichbar ist die Auffassung der katholischen Kirche, welche nicht nur die vorerwähnte Anschauung in sich schließt, sondern auch durch Aufstellung eines neuen Grundes die Liebe zur Tugend eine neue Tugend gegründet hat. Es ist dies die Tugend der Gottinnigkeit, welche uns jede Tugend nicht nur ihrer selbst willen, sondern als Ausfluß und Eigenschaft des höchsten Wesens lieben lehrt. Da nun durch die Tugenden jeder irdische Genuß seine dem Christen allein geziemende Veredlung erhält, z. B. der Genuß von Speise und Trank durch die Tugend der Mäßigkeit; so muß dieser durch die Tugenden auf Gott bezogene Genuß irdischer Güter von unberechenbarem Einflüsse sein auf unser zeitliches Wohl und zwar in doppelter Weise: für uns selbst, für unsere Mit- Lrüdcr. Keine Speise und kein Trank, kein Schlummer kann uns wahren Schaden bringen, wenn sie zur Verherrlichung Gottes dienen. Kein Verlust eines irdischen 310 Gutes ist schmerzerweckend, weil der Name des Herrn nicht durch den Genuß, sondern im Entbehren des Verlornen Gutes verherrlicht werden soll. Diese Liebe zu Gott erzeugt Dankbarkeit gegen ihn, den Geber alles Zeitlichen, und da wir ihm das Zeitliche nicht in ihm selbst zurückgeben können, so geben wir es ihm nach seinem eigenen Gebote in unsern dürftigen Mitmenschen zurück. Daher hat die mit Entsagung verbundene Mildthäthigkeit in keiner Religionsgenossenschaft eine solche Blüthe erreicht, wie in der katholischen Kirche, weil ihre frommen Jünger im Armen und Kranken den nackten und dürstenden, den leidenden und blutenden Gottmenschen erblicken. Den zeitlichen Segen aber einer solchen liebevollen Mildthätigkeit für den Geber, wie Empfänger erkennen Alle. Dies nur wenige zeitliche Wohlthaten der Segnungen der katholischen Kirche, abgesehen von ihren unendlich ersprießlicheren Wirkungen auf das Heil der Seele. Vieles blieb unberührt, wie der wohlthuende Einfluß des Fastens, der Entsagung, des gottesfürchtigen Beispiels. Vergleichen wir dagegen den Genuß der Welt von zeitlichen Gütern! Der fromme Christ erstrebt Zufriedenheit, der Weltling Befriedigung im zeitlichen Genusse. Daher verliert der Weltmensch mit den zeitlichen Gütern Alles, der Christ Nichts, weil der Christ in der Ewigkeit seine Befriedigung sucht, der Weltjünger diese Ewigkeit verwerfen möchte. Des Christen Genuß zeitlicher Güter ist für die ganze Lebensdauer, des Weltanhängers Genuß nur für den flüchtigen Augenblick berechnet. Darum ist des Christen Herz stets mit Freude erfüllt, des Weltjüngers Herz stets leer an der wahren, oft auch an der eingebildeten, selbst vorgelogenen Lebensfreude. Des Christen Quelle, woraus er den Genuß irdischer Güter schöpft, ist Liebe zu Gott, zur eigenen Seele, zu des Nächsten Seelenheile. Des Weltmcnschen Ge- nußanelle bildet die Liebe zum eigenen Körper, die Selbstsucht. Mensch! nur aus Einer, nicht aus beiden Quellen kannst Du trinken. Trinkst Du aus der Quelle der Selbstsucht, so wirst Du den ewig quälenden Durst der Hölle empfinden. Schöpfest Du aus dem Quelle der Liebe von dem lebendigen Wasser, dessen Jesus im Gespräche mit der Samariterin am Brunnen erwähnte, so wird es Dich in Ewigkeit nicht dürsten. Die Lage der katholischen Kirche in Australien. Die Geschichte der Kirche in Australien beginnt unter besonders günstigen Auspizien, die Vortheilhaft mit den Anfängen der Kirche in den amerikanischen Unions-Staaten contrastiren. Es würde in der That schwer sein, in Staaten, die eine confessionell gemischte Bevölkerung haben, günstigere Verhältnisse zu finden, als sie Australien hat. In allen Colonien Australiens gehört es zu den Grundrechten, daß alle Religionen vor dem Gesetze gleich sind. In Folge hiervon erhalten der katholische Bischof und seine Priester ebenso vom Staate ihre Besoldung, als die Diener des protestantischen Cultus. Ebenso wird das Schulwesen nach gleichen Bestimmungen behandelt. Es find getrennte Schulen für die Kinder jeder Consession errichtet und obgleich gegenwärtig eine mächtige Partei in Australien für s. g. „Mischschulen" thätig ist, so berichten wir doch mit Freuden, daß zu Sydney die katholischen Schulen ihr Terrain behaupten und sich besser und wohlfeiler als ihre Rivalen beweisen. Dasselbe Princip findet auch Anwendung auf das höhere Schulwesen. Das Colleg von St. Johann, welches die Katholiken von Neu-Süd-Wales so glänzend dotirt haben, ist durch Parlaments-Acte der Universität von Sydney einverleibt; ebenso gibt es ein mit der Universität von Melbourne verbundenes katholisches Colleg. Die Katholiken Australiens bilden nicht weniger als ein Viertel der Totalbevölkerung des Landes und sie sind daselbst gleichmäßig in allen Classen und Ständen vertreten. In Amerika legt die demokratische Partei großes Gewicht aus die Stimme der Jrländer, aber dennoch ist die Zahl der Katholiken, welche als Abgeordnete im Repräsentantenhause sitzen, unbedeutend und wir erinnern uns nicht des Namens irgend eines katholischen Staatsmannes von Bedeutung. In Australien dagegen haben wir katholische Minister, katholische Ober- und Unterbeamte, sowie katholische Repräsentanten. Die Katholiken figuriren also mit Ehre in allen Rangstufen der politischen und socialen Hierarchie. Bei solchen erfreulichen Verhältnissen ist es auffallend, daß die Zahl der kirchlichen Gebäude und Priester dem Einflüsse und der Größe der Kirche in Australien nicht entspricht. In der Diöcese Melbourne zählt man nur 23 Priester inmitten einer katholischen Bevölkerung von 90,000 Seelen, die sich von Tag zu Tag vermehrt und über ein großes Ländergebiet verbreitet ist. Die Diöcese Brisbane zählt 7000 zerstreut wohnende Katholiken und doch hat der Bischof dieser großen Diöcese nur zwei Priester zu Mitarbeitern. Ueber die kathol. Bevölkerung des Bisthums Adelaide finden wir keine statistischen Angaben; sie wird sicher 30,000 Seelen erreichen und doch zählt man dort nur neun Missionaire. Im Verhältniß zu ihrer Ausdehnung und Bevölkerung scheint die Diöcese Hobart-Thown die am besten organisirte von allen Diäresen Australiens zu sein; sie zählt äO Priester. Der Erzbischof von Sydney hat zwar die beträchtliche Zahl von 53 Priestern. Aber wenn man den großen Umfang der Diöcese Sydney und die großen Entfernungen, welche die einzelnen Pfarren trennen, betrachtet, so wird man erkennen, daß das Leben eines Seelsorgers ein äußerst mühseliges ist. Die katholische Bevölkerung der Metropolitan- stadt beträgt schon 32,000 Seelen. In den andern großen Städten, z. B. Goulburne, Dass, Bathurst, gibt es Pfarren von 3000 bis 5000 Seelen. Und überall, wo eine irgendwie beträchtliche Schaar Katholiken sich ansiedelt und sammelt, da wird mit einer wahrhaft irländischen Opferwilligkeit für die Gründung von Pfarren alles Mögliche geleistet. Man liest häufig in den Zeitungen, daß „eine schöne katholische Kirche" da und dort vollendet oder in Angriff genommen sei. Zu Aass sind unlängst drei Kirchen erbaut, vier andere in Wagga, Jugiony, Gunning und Gundagai. Und für diese sieben mit großen Kosten erbauten Kirchen hat man nur — zwei Priester! Der Schematismus gibt die Totalsumme der Katholiken in der Diöcese Sydney nicht an; aber sie kann nicht unter 80,000 sein. Schon nach der Zählung von 1851 betrug sie 56,889 Seelen, seitdem aber ist die Einwanderung von Katholiken beständig im Wachsen. 1851 war Australien den Jrländern kaum als ein Feld zur Auswanderung bekannt und seitdem, also in 9 Jahren, hat sich seine Bevölkerung verdoppelt! Der Staat zahlt jährlich für die verschiedenen Culte ^6,000 Pfd. Sterling und von dieser Summe empfangen die Katholiken 11,000 Pfd. Die statistischen Angaben über die Schulen sind befriedigend. Die Katholiken von Neu-Süd-Wales besitzen 100 katholische Schulen, welche 7,600 Schüler zählen. Jeder Schüler kostet den Staat 27 Francs, während in den s. g. „Mischschulen" aus den Schüler 68 Francs kommen. Mehr als für jede andere Frage müssen die Katholiken in neuen Colonien sich für die Unterrichtsfrage einig, wachsam und entschlossen zeigen. Im Mutterlande Europa ist diese Frage die wichtigste, von allen. In den Unions-Staaten Amerika's haben die katholischen Interessen viel gelitten von dem ungläubigen Ecziehungs-System in den vorn Staate gegründeten Mischschulen. Für die Katholiken Australiens dagegen ist es ein Glück, daß ihre Beziehungen zum Staate so freisinnig geordnet sind, und es würde ihre eigene Schuld sein, wenn sie in der Folgezeit die errungenen Vortheile verlieren sollten. 312 Eine große Lücke in dem kirchlichen Leben Australiens ist der Mangel jeglichen Männerordens. Man kamst sich ohne Mannsklöster kaum große katholische Kirchensysteme mit Bischöfen und Capiteln, mit Kathedralen und Collegien denken. Sydney ist allerdings durch seinen berühmten Erzbischof theil- weise mit Hilfe der Benedictiner organistrt. In Amerika sind alle Orden der Kirche, von den Augustinern bis zu den Passionistcn, gleichsam repräsentirt, und das Aufblühen der Kirche in den Unions-Staaten verdankt man zum großen Theile diesem Ordens-Klerus. In Australien würden die religiösen Orden ein unermeßliches Feld für ihr Apostolat finden, ein Feld, für dessen sorgfältige Bebauung der Psarr-Klerus zu wenig zahlreich ist. Nach zwanzig Jahren wird Australien wahrscheinlich eine Million gut unterrichteter und reicher Katholiken zählen; sie werden in politischer Hinsicht einflußreich sein und ihre Vertreter in allen hohen Staatsämtern und gesetzgebenden Versammlungen haben. Gerade jetzt ist es Zeit, für den Ausbau der Kirche und für Verbreitung kirchlicher Institution in Australien thätig zu sein. Wenn auch der materialistische Geist unseres Jahrhunderts dort viele Verehrer des goldenen Kalbes sammelt, so hat anderseits der dortige Staat die Kirche noch nicht in beengende Fesseln geschlagen. Die katholischen Interessen sind geschützt durch die Bestimmungen der Constitution; es besteht volle Freiheit des Unterrichts. Bei solchen günstigen Verhältnissen muß das katholische Australien nach Verlauf von zwanzig Jahren eine der blühendsten Provinzen der Kirche sein, und wir bitten Gott, daß er dazu seinen Segen gebe. Gottes und der Welt Ehre. 0. Jede an sich tugendhafte Handlung, z. B. Beten, Fasten, Almosengeben können wir dadurch entheiligen, daß wir sie nicht zur Ehre Gottes, sondern zur Ehre der Welt unternehmen. Umgekehrt können wir jede an sich weltliche Handlung, soferne sie nur dem göttlichen Sittengebote nicht widerstreitet, dadurch heiligen, daß wir uns ihr zur Ehre Gottes unterziehen. In Bezug auf diese letzte Behauptung schreibt der heilige Paulus (Cor. 10, 31. Col. 3, 17): „Ihr möget essen oder trinken, oder etwas Anderes thun, so thuet es zur Ehre Gottes!" Hätte der heilige Paulus die christlichen Pharisäer an dieser Stelle bekämpfen wollen, seine Worte müßten lauten: „Ihr möget beten, fasten oder Almosen geben, oder sonst etwas an sich Verdienstliches thun, so thuet es zur Ehre Gottes, und nicht zur Ehre d^rWelt!" Mensch! bei jedem Vergnügen, das Du genießen, bei jedem Gewinne, den Du ziehen willst, frage Dich: „thue ich es, oder kann ich es zur Ehre Gottes thun?"! Müßtest Du diese Frage mit Nein beantworten, so unterlasse die Handlung! Denn sie würde einem göttlichen Sittengebote Widerstreiten. Lebensurtheile. 6. „Das Leben ist süß", ruft der Sterbliche aus, wenn er aus dem Becher des Glückes trinkt. „Das Leben ist sauer", klagt derjenige, welcher im Schweiße des Angesichtes sein Brod verdienen muß. „Das Leben ist bitter", seufzt der von den Drangsalen Geängstigte. Thoren, die ihr für das Leben den sinnlichen Geschmack als Maßstab anlegt! Das Leben ist übersinnlich für den, welcher sein ganzes Dasein in Gott versenkt. Redaction uno Verlag: Vi'. M. Hutrler. — Druck von I. M. Äle inte.