AiigMgcr §mMg§M. Ml. 41. 7. Oktober 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post» Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Aus den Missionsbriefen -er Gesellschaft Jesu. Schreiben des ?. D. Smet aus der Gesellschaft Jesu an den hochwürdigsten k. General derselben Gesellschaft. (Schluß.) Am 22. Juli verließ ich die Mission von St. Jgnaz, begleitet von ?. Congiato und einigen Führern und Jägern der Wilden. Das Fort Benton liegt in einer Entfernung von beiläufig 200 Meilen. Das Land, welches man vier Tage lang durchzieht, ist schön und malerisch, und bietet keine Schwierigkeit dar. Es ist eine Reihe von freien Wäldern, schönen Wiesen, Strömen und Bächen, und hie und da erblickt man Seen, die 3—4 Meilen im Umfange haben, deren Wasser klar ist wie Krystall, und das Auge des Reisenden entzückt. Dem größten See haben wir den Namen Maria gegeben. Am 26. Juli überschritten wir den Berg, welcher die Quellen der Flüsse Colombie und Missouri von einander scheidet; er liegt im 48. Grade nördlicher Breite und im 3. der Länge. Der Uebergang über diesen Berg ist sehr leicht, selbst für Wagen, und dauert kaum 20 Minuten. Wir zogen dann im Thale des Sonnenflusses fort, säst bis zu seiner Mündung. Im Vorbeigehen besuchten wir die größten Wasserstürze des Missouri. Der vorzüglichste hat 93 Fuß; die andern machen zusammengenommen 400 Fuß aus aus einem Wege von 19 Meilen. Die U?. Höcken und Mogri kamen uns entgegen. Am 29. kamen wir in dem Fort Benton an, eine Station der Pelzwaaren-Gesellschaft von St. Louis, wo alle Beamte uns sehr freundlich aufnahmen. Die Schwarzfüße bewohnen einen ungeheuren Landstrich. Sie zählen 10—12,000 Seelen in den sechs Völkerschaften, die ihre Nation bilden. Seit mehreren Jahren haben sie Schwarzröcke begehrt; dies ist ihr allgemeiner Wunsch. Als ich sie im Jahre 1846 besuchte, baten sie mich, ihnen einen Priester zu verschaffen, der sie unterrichte. In Folge dessen brachte damals der 1'. Point einen Winter in ihrer Mitte zu. Das Resultat seiner Mission erhellt aus meinem 23. Briefe (kl-öcis Iiisloriquö). Ihr großes Verlangen scheint endlich erfüllt zu sein; U. Hocken wohnt in diesem Augenblicke bei ihnen, und ich habe,mit größtem Vergnügen in den Annalen zur Verbreitung des Glaubens gelesen, daß das Werk der Bekehrung der Schwarz- süße mit völliger Gutheißung Eurer Paternität begonnen hak. Bei unserer Ankunft in diesen Gegenden lagerte eine große Zahl Indianer in der Umgebung und in der Nähe des Fort. Es war die Zeit, wo ihnen jährlich von den Agenten der Regierung Geschenke ausgetheilt werden. Sie bezeigten ihre Freude und Zufriedenheit über die Anwesenheit des Missionärs in ihrem Lande und hofften, daß Alle ihr Ohr und Herz eröffnen werden, das heißt nach ihrer Sprachweise, daß Alle seinen Unterricht gelehrig und aufmerksam vernehmen werden. Der Häuptling eines großen Feldlagers, das wir besuchten, erzählte uns eine sehr merkwürdige Thatsache, die Erwähnung verdient. Die Kunde davon hatte sich in den Lagern der Schwarzfüße überall verbreitet, und machte bei ihnen den Eindruck einer großen Hochschätzung unserer heiligen Religion. Als k. Point sich unter den Schwarzfüßen befand vertheilte er an einige Häuptlinge mehrere Kreuze als besonderes Unterscheidungszeichen. Er hatte ihnen die Bedeutung des Kreuzes und der Abbildung Christi erklärt, und sie ermuntert, besonders zur Zeit der Gefahr den Sohn Gottes, dessen Bild sie tragen, anzurufen und auf ihn ihr ganzes Vertrauen zu setzen. Der Häuptling der dies erzählte, stand an der Spitze von 30 Kriegern, welche gegen die Raben in's Feld gezogen waren. Als diese die Absichten ihrer Feinde erkannt hatten, versammelten sie sich eilends in großer Anzahl, um sie zu vernichten. Sie entdeckten sie bald in einem Walde, durch trockene Baumstämme verschanzt, und umgaben sie mit Kriegsgeschrei. Die Schwarzfüße waren bei dem Anblicke der überlegenen Zahl ihrer Gegner, die sie unvermuthet überfielen, der festen Ueberzeugung, daß sie alle zu Grunde gehen müssen. Einer von ihnen trug das Zeichen des Heiles, das Kreuz auf der Brust. Er dachte alsdann an die Worte des Schwarzrockes, und theilte sie seinen Gefährten mit, und alle riefen aus: „Das Kreuz allein ist für uns noch Hoffnung des Heils." Sie rufen sodann die Hilfe des Gekreuzigten an und verlassen die Barrikade. Der Träger des Kreuzes zieht an der Spitze, die Andern folgen ihm. Die Raben schleudern eine große Menge Kugeln und Pfeile gegen sie; aber Niemand ist ernstlich getroffen, und Alle entkommen glücklich. — Als der Häuptling diese Erzählung endigte, fügte er mit einem Tone des Vertrauens zu: Ja führwahr, das Gebet (die Religion) des Sohnes Gottes ist Allen gut und mächtig; wir verlangen Alle sie anzunehmen und ihrer würdig zu sein. Als ich den General Hearney verließ, hatte ich die Absicht, mit seiner Beistimmung, die ganze Reise bis St. Louis zu Pferd zu machen, in der Hoffnung, einer großen Anzahl indianischer Völkerschaften zu begegnen, namentlich der zahlreichen und kriegerischen Völkerschaft der Comanchen, um mit ihnen in Bezug auf meine Mission zu verhandeln. Ich mußte jedoch auf diesen Plan Verzicht leisten, denn die sechs arme Pferde waren ganz erschöpft und nicht mehr im Stande, den langen Weg zurückzulegen, der noch übrig blieb; sie waren fast alle auf dem Rücken verwundet, die übermäßige Hitze vermehrte noch das Uebel; da sie nicht beschlagen waren, so waren ihre Hufe durch die vielen Steine und Felsenwege sehr beschädigt. In der Verlegenheit, in der ich mich befand, ließ ich im Forte Benton ein kleines Boot zurichten, und der würdige Herr Danton, Oberintendant der Pelzwaarengesellschaft, hatte die ausgezeichnete Güte, mir drei Ruderknechte und einen Piloten zu bewilligen. Am 3. August nahm ich von U Congiato und Höcken und vom lieben Bruder Mogri Abschied, und schiffte mich auf dem Missouri ein, welcher Fluß wegen seiner Felsen und Wassergefahren berühmt ist. Auf unserm gebrechlichen Fahrzeuge fuhren wir beiläufig 2ä00 Meilen stromabwärts. Wir machten gewöhnlich 50 bis 60 Meilen des Tages, manchmal sogar bei günstigem Winde 80 Meilen. ^Sobald wir das erste Dampfschiff begegneten, schifften wir uns mit unseren kleinen Effecten aus demselben ein. Von da aus machten wir 700 Meilen in sechs Tagen, und am 23. Sept., am Vorabend des Mariensestes von der Erlösung der Gefangenen, liefen wir in den Hasen von St. Louis ein. Auf dieser langen Wasserfahrt brachten wir die Nächte unter freiem Himmel zu, oder in einem kleinen Zelte. Oft blieben wir auf Sandbänken, um uns vor den Mosquiten zu schützen, oder am Sande einer Ebene oder in einem 323 Urwald. Oft hörten wir in unserer Nähe das Geheul der Wölfe oder das dumpfe Schreien des grauen Bären, des Königs der Thiere in den hiesigen Gegenden, ohne sehr zu erschrecken. Man lernt vorzugsweise in der Wüste erkennen, daß der Herr allen Thieren Furcht vor dem Menschen eingeflößt hat. Eben so lernt man in der Wüste und fern von allen menschlichen Wohnstätten die väterliche Vorsehung Gottes bewundern, die so überflüssig für die Bedürfnisse der Menschenkinder gesorgt hat. Die Worte des hl. Matthäus 5, 26. drücken dies so wunderbar aus: „Betrachtet die Vogel des Himmels, sie säen nicht u. s. w., aber euer himmlischer Vater erhält sie. Seid ihr nicht biel mehr werth, als diese?" Während der ganzen Reise hat Gott immerfort für uns gesorgt. Ja wir lebten sogar im Ueberflusse. Die Flüsse lieferten uns ausgezeichnete Fische verschiedener Gattung, Wasserhühner, Enten und Schwanen. Die Wälder und die Ebenen versahen uns mit Wurzeln und Früchten. Wildpret hat uns keinen einzigen Tag gefehlt. Ueberall trafen wir bald Heerden von Büffeln, bald Rehe, Fasanen^ Tauben, wilde Hühner und Rebhühner. Den Weg auf dem Missouri entlang begegnete ich Tausenden von Indianern aus verschiedenen Völkerschaften der Assiniboins, der Raben, der Minotaries, Mandans, Ricories, Sioux u. s. w. Ueberall verweilte ich einen oder zwei Tage unter ihnen; sie gaben mir von ihrer Seite die größten Beweise von Hochachtung und Zuneigung, und schenkten meinen Ermahnungen die lebendigste Aufmerksamkeit. Seit vielen Jahren verlangen alle diese Völkerschaften Missionäre und Unterweisung. Mein großer Trost, und ich möchte fast sagen mein einziger, ist, daß ich auf dieser langen Reise in der Hand der göttlichen Vorsehung ein Werkzeug des ewigen Heils für beiläufig 900 arme, verlassene Kinder war, denen ich die Taufe ertheilte. Es schien, als ob Viele derselben gleichsam auf dieses Glück warteten, um dann sogleich in den Himmel zu fliegen, und Gott durch die ganze Ewigkeit zu loben. Gott und der seligsten Jungfrau Maria sei die Ehre und unser demüthig- ster, innigster Dank für den Schutz und die erhaltenen Gnaden auf dieser langen und letzten Reise. Nachdem ich zu Lande und auf den Flüssen 8314 englische Meilen und auf dem Meere 6950 englische Meilen ohne irgend ein bedeutendes unglückliches Ereigniß zurückgelegt hatte, kam ich frisch und gesund zu St. Louis in der Mitte meiner lieben Brüdcr in Jesu Christo an. Ich bin mit tiefster Hochachtung und aufrichtigster Ergebenheit Hochwürdigster Vater Ihr demüthiger und gehorsamsterDiener in Jesu Christo p. I. de Smet 8. g. Universität von St. Louis am 1. Nov. 1859. Die Bedrückung der Kirche in den katholischen Staaten Lm 18. nnd 19. Jahrhundert und ihre Folgen. (Schluß.) So ist das stolze Spanien, das unter der Herrschaft freimaurerischer Ideen sich dem allgemeinen Sturme gegen die Kirche angeschlossen hatte, aus dessen Drängen vorzüglich Papst Clemens XI V. den Jesuitenorden aufzuheben genöthigt ward, von seiner einstigen Höhe zu einer Macht dritten Ranges herabgcsunken. Kaum vom Napoleonischen Joche befreit, ward es der Schauplatz ununterbrochener Revolutionen und Bürgerkriege, während welcher Kirche und Klerus unterdrückt, 324 die Klöster aufgehoben, ihre Besitzungen eingezogen, Mönche und Nonnen dem Mangel und Elend preisgegeben und aus die Wohlthätigkeit der srommgesinnten Gläubigen verwiesen wurden^ Die Priester, die sich dagegen auszusprechen wagten, wurden bestraft und die pflichttreuen Bischöfe, die das Werk der Gewalt anzuerkennen sich weigerten, in die Verbannung geschickt, so daß der greise Papst Gregor XVI. sich veranlaßt fühlte (1842), eine Aufforderung zu öffentlichen Gebeten für die bedrängte Kirche in Spanien zu erlassen. Trotz alledem oder vielleicht gerade deshalb blieb das Land in seiner Ent« Wickelung zurück Wie überall zeigte sich auch hier, daß durch die Beraubung der Kirche und ihrer Institute, für welchen Akt der Gewalthätigkeit die Neuzeit die euphemistische Bezeichnung: Säkularisation erfunden hat, der allgemeine Wohlstand nicht vergrößert worden ist, während die Massenarmuth entschieden zugenommen hat. Erst in der allerjüngsten Zeit, nachdem die weltliche Macht ihren Frieden mit der Kirche geschlossen, macht sich ein Aufschwung zum Besseren nach allen Richtungen bemerklich, vorzüglich wohl auch darum, weil der gesammte Kern des Volkes sich von fremden Einflüssen abgeschlossen und mit Innigkeit und Herzlichkeit seinem alten katholischen Glauben treu verblieben. Das angrenzende Portugal dagegen, das katholische Land, in welchem noch jüngst barmherzige Schwestern, jene herrlichen Töchter der christlichen Charitas, denen die ungläubigen Herrscher der Türkei und Perstens ihre Achtung und Anerkennung zu erkennen gaben, denen selbst die wüthenden und blutdürstigen indischen Rebellen, ihrer uneigennützigen Thätigkeit eingedenk, Schonung ange- deihen ließen, wo diese öffentlich beschimpft wurden, Portugal, das Vaterland der Albuquerque und Vasco de Gama, ist fast aus der Reihe der selbststäudigen Staaten gestrichen und eine englische Colonie geworden, in welcher Ungläubige und Freimaurer ihre verderbliche Herrschaft führen. Das Volk aber ist verarmt, die Beraubung der Kirche hat es nicht reich gemacht, es ist in Künsten und Wissenschaften zurückgeblieben und kaum ein namhafter Dichter ist in der Neuzeit in dem Vaterlande der Gil Vincente und Camoöns erstanden. Auch Neapel, deren Herrscher dem Beispiel seiner Bourbonischen Vettern folgend, sich an dem heiligen Stuhle versündigt, auch Neapel hat dies bis aus den heutigen Tag zu büßen. Seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts von Revolutionen heimgesucht, deren Grund allerdings nicht sowohl in der Unzufriedenheit des Volkes, als in fremden Wühlereien und Umtrieben zu suchen ist, konnte es natürlich nicht zu einer gedeihlichen Entwickelung gelangen, obschon nicht zu läugnen, daß der jüngstverstorbcne, über Gebühr verlästerte und geschmähte König Ferdinand, außerordentlich viel für den materiellen Wohlstand des Landes gethan. Eben jetzt ist der Aufstand, Dank englischer und sardinischer Hetzerei, wieder in lodernden Flammen ausgebrochen, und der junge Herrscher wird aller Kraft und Energie bedürfen, um ihn zu unterdrücken, um sich und sein Geschlecht auf dem wankenden Throne zu halten. Die Regenten Toskana's und Parma's, deren Vorgänger in den Reigen der Kirchenstürmer eingestimmt, sind ihres Thrones beraubt und essen das Brod der Verbannung, ihre Länder aber sind die Beute raubsichtiger Abentheurer und Revolutionäre geworden. Oesterreich endlich, wo man die Kirche durch den starrsten Bureautratis- mus ersetzen zu können vermeinte, auch Oesterreich ist von seinem Schicksal ereilt worden. Die Ereignisse des glorreichen Jahres 1848, und noch mehr der letzte italienische Krieg, der dem Reiche die Lombardei kostete, sowie die mit demselben in engster Verbindung stehenden jüngsten Enthüllungen, haben eine Cor- ruption in den Kreisen jener plumpen, glaubenslosen Bureaukratie erblicken lasten, die wie ein fressender Krebsschaden an dem Mark und Kern des wackeren Volkes nagte und sein bestes Herzblut aussaugte, und die die Wiederherstellung der Autorität der Kirche im Concordat im glänzendsten Licht erscheinen läßt. Es war dies ein Akt wie der Gerechtigkeit, so der Nothwendigkeit. Denn die Geschichte hatte gezeigt, daß die autoritätslose Kirche keine Stütze mehr war für den Thron und daß jener starre Bureaukratismus der Revolution Thür und Riegel öffnete. Daß die Beseitigung der kirchlichen Obergewalt eben die Fürsten zur Revolution geführt, ist keine „ultramontane Anschauung," wie man gegenerischer- seits behauptet, sondern eine Thatsache, die von der Umsturzpartei sehr gut gekannt und gewürdigt wird. Als Beleg führen wir eine treffende Stelle aus einem Werke Proudhons, an. Der bekannte Socialist spricht sich in seinen „Bekenntnissen eines Revolutionairs" folgendermaßen aus: „Seit undenklichen Zeiten war der Staat bestrebt, sich von der Kirche unabhängig zu machen. Das Zeitliche hatte sich vom Geistlichen losgerissen. Die Könige als die ersten Revolutionäre kamen dahin, den Papst mit ihrem Eisenhandschuh zu ohrfeigen. Indem das Königthum sich gegen den Papst erklärte, betrat es den Weg zu seinem Untergang. Indem die Kirche gedemüthigt war, fand sich das Princip der Autorität an der Wurzel angegriffen; die Gewalt war nur noch ein Schatten. Jeder Bürger konnte die Regierung fragen: Wer bist du, daß ich dir gehorchen soll? Der Socialismus verfehlte nicht, diese Consequenz zu ziehen, und wenn er, die Hand auf eine Charte gestützt, welche das Evangelium leugnete, sich der Monarchie in's Angesicht zur Anarchie, zur Leugnung jeder Autorität zu bekennen wagte: so hat er nur die Folgerung aus einem Raisonnement gezogen, welches sich seit tausend Jahren unter der revolutionären Action der Regierungen und der Könige entfaltet hatte." In diesem tausendjährigen Kampfe des Königthums gegen die kirchliche Obergewalt, hat das erstere nur schwere, unheilvolle Wunden davongetragen, während die Kirche aus all ihren Bedrängnissen in immer erneuerter und gesteigerter Macht- und Kraftfülle hervorgegangen ist. Und grade diejenigen Herrscher, welche am gewaltigsten gegen die Kirche anstürmten haben zur Befestigung der Macht und des Ansehens derselben, allerdings gegen ihren Willen am meisten beigetragen. So die Hohenstaufen, so Heinrich IV., so Napoleon I.; sie alle unterlagen der moralischen Kraft des Papstthums, das auch in Gregor XVI. den Kaiser Nikolaus, jenen starren, unbeugsamen Czaren, demüthigte, und in dem jetzt wahrhaft glorreich regierenden heiligen Vater Pius IX., auch den Sieg über den zweiten Napoleon und seine Trabanten davontragen wird. In der so glänzend zu Tage gekommenen Anhänglichkeit und Liebe der Gläubigen des ganzen Erdkreises liegt eine solche Fülle des freudigen Trostes und der Genugthuung für den so schwer geprüften Statthalter Christi, daß er ungebeugten Muthes allen den Prüfungen und Heimsuchungen entgegensehen kann, die der Herr in seiner Langmuth und Weisheit zum Heile der Kirche zulassen will. Reflexionen über das Wallfahrten nach Einfiedeln. (Schluß.) Vielleicht aber ist die ganze Sache nur eine Täuschung oder gar absichtliche Betrügerei des Klosters, um damit Millionen Pilger und Wallfahrter nach Einfiedeln zu ziehen, und diesen ihre Spar-Pfennige aus der Tasche herauslocken zu können. Vielleicht ist die ganze Sache nur eine spekulative Spiegelfechterei der Mönche in Einfiedeln. Allein eine Täuschung, könnte sie sich auch bereits 1000 Jahre lang erhalten?! Sollte es möglich sein, daß eine Täuschung während so langer Zeit, von so gelehrten Männern, wie das Kloster Einfiedeln zu allen Zeiten zählte, nie entdeckt worden wäre? Nein gewiß nicht! — Oder tonnte es gar absichtlicher Betrug oder eben specu- lativc Spiegelfechterei des Klosters Einsiedeln sein, um durch die Wallfahrt viele Pilger für das Kloster zu erwerben, wie es die arge Welt und boshafte Menschen auslegen, nach dem bekannten Grundsätze der Welt: Nunllu» vull cwe'ijii, llocllchMui' Allein bedenke man, welch eine schändliche Verruchtheit ein solcher Betrug wäre. — Betrügen, und zwar wissentlich und mit Absicht und aus ungerechter Gewinnsucht betrügen, und zwar Millionen Menschen und um Millionen Gulden — betrügen im Heiligthume der Religion und dcsGlaubens! wahrlich für die Verruchtheit eines solchen Betruges gäbe es keine Benennung. Und ein solcher Betrug geschebc durch gelehrte, geachtete, heilige Männer, welche von der katholischen Kirche auch als Heilige anerkannt worden, und geschehe durch neun Iahrhunderte hindurch!! Welch' eine höllische Verruchtheit wäre dies nicht! Wer dürfte eine solche einem Institute zutrauen, welches seit Jahrhunderten sich den Ruhm der Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Wvhlthätigkeitbewahrt hat, und manchem Sturm trotzte, und aus mancher Niederlage sich wieder erhob?! — Nein solche Scheusale von Volksbetrügcrn können keine in einem Institute wohnen, dessen Zweck und Bestreben nur Heiligung seiner selbst und der Nebenmenschen ist! --- Wenn es aber so ist, wenn jenes Ereigniß der wunderbaren ja göttlichen Einweihung der Capelle im Kloster zu Einsiedeln, weder ein Traum oder bloße Vision und noch viel weniger absichtlicher Betrug oder speeula- tive Spiegelfechterei von Seite des Klosters sein kann, was bleibt dann Anderes übrig, als anzunehmen und zu glauben, daß dasselbe in der That und Wahrheit das gewesen sei, für was es Jahrhunderte gehalten wurde, nämlich eben eine wunderbare, ja göttliche Einweihung jener Cape lle durch Christus und seine hl. Engel, um welcher willen die Sache eben Engel weihe genannt wird. — Da es aber so ist, — für was müssen wir wohl jene geheiligte Stätte halten, und was sollen wir dort thun? Müssen wär jene heilige Capelle nicht für eine Hütte Gottes bei den Menschen halten, von welcher der hl. Johannes in seiner geheimen Offenbarung schreibt: „Sieh da die Hütte Gottes bei den Menschen! Er „wird bei ihnen wohiren, und sie werden sein Volk sein, und Er der Gott mit „Ihnen, wird sein Gott sein. Er wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, „und es wird nicht mehr sein Jammer und Klage und Schmerz." Osfenb. 21.10. Wenn es aber so ist, wie es wohl zuverlässig ist — dürsten wir uns wohl schämen, in jene Hütte Gottes zu pilgern und zu wallfahrten? Ja wer möchte nicht gerne, wohnen in der Hütte Gottes bei den Menschen? — Und was sollen wir in derselben vorzugsweise thun? Ach müssen wir nicht uns freuen der Güte und Menschenfreundlichkeit unsers Herrn und Gottes, welcher sich würdiget zu uns zu kommen und Wohnung unter uns aufzuschlagen? Und müssen wir nicht anbetend preisen die Erbarmung und Lieb'e unseres Gottes, daß Er uns in dieser Seiner Hütte eine Zufluchtsstätte in jeder Noth und eine Trostquelle in jeder Betrübniß des Leibes und der Seele angewiesen hat. Und sollen wir nicht die angebotene Erbarmung und Gnade von Oben dankbar annehmen und anwenden zu seiner Ehre und unserm Heile, und aus dem Uebermaße seiner Erbarmung durch die vermittelnde Fürbitte seiner Mutter, schöpfenVergebung, wenn wir gesündiget haben, Kraft, wenn wir schwach find, Muth, wenn wir gedrängt werden durch Leiden und Verfolgung, Trost, wenn Unglück uns drückt und Heil und Segen in zeitlichen und ewigen Dingen. Ja hört, der Herr ruft aus jener Capelle uns entgegen: „Kommet zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, „ich Will euch erquicken! Ja kommet und empfanget mit Zuversicht, was ihr bedürfet!" — Oder sollte vielleicht Jemand an der Möglichkeit solch wunderbarer Dinge zweifeln, so möge er bedenken, daß ein Wunder ja immer erwas Ungewöhnliches und Unerklärliches ist; daß man konsequent entweder alle Wunder leugnen oder doch wenigstens jene annehmen müsse, welche man factisch und historisch nicht leugnen kann — daß dem Allmächtigen nichts unmöglich sein kann — er solle denken an das Wandeln Gottes im Paradiese, an seinen vertrauten Umgang mit den ersten Menschen — an die Erscheinung Gottes dem Moses im Dornbüsche. In dem neuen Bunde an die verschiedenen Erscheinungen des auferstandenen und neu lebendigen Heilandes bei seinen Jüngern z. B. im Saale zu Jerusalem, aus dem Wege nach Emaus, am See Liberias, ja das Essen und Trinken des sonst vergeistigten und verklärten Christus u. s. w. Dann auch noch an sein Wohnen in dem Tabernakel unserer katholischen Kirchen in der sacramentalischen Brodesgestalt und endlich an sein von Ihm selbst vorgesagtes Wiederkommen am letzten Gerichtstage als Richter der Lebendigen und der Todten. O lasset uns nicht ungläubig, sondern gläubig sein! Scheuen wir uns nicht im zuversichtlichen Glauben an die Heiligkeit jener ehrwürdigen Capelle in der Kirche zu Einsiedeln, in diese zu wallfahrten im Dränge des Herzens und da aus dieser Heilesquelle zu schöpfen Gnade um Gnade und Heil für die Zeit und für die Ewigkeit! Aus dem Leben einer Fürstentochter. Zu den edelsten und ruhmwürdigsten Sprossen am Stamme des österreichischen Kaiserhauses zählt Anna Julian«, Erzherzogin von Oesterreich, 1566 zu Mantua geboren. Ihr Vater war Herzog Wilhelm III. von Mantua, und ihre Mutter Eleonora, des Kaisers Ferdinand 1. Tochter, beide hangend mit innigster Zärtlichkeit an dieser letzten zartesten Frucht ihres Ehestandes, die in ihrer ersten Jugend lange hoffnungslos krank darniederlag, eine vielbestrittene Himmelsblüthe, kaum gewöhnbar an die Schärfe der irdischen Luft, nur mühsam dem frühzeitigen Verwelken abgerungen. „Jesus und Maria!" war das süße Wort auf ihrer kaum gelösten Zunge, oft wiederholt mit heiligster Andacht der Leitstern ihres Lebens, das, abgewandt von den Freuden dieser Welt, in reinster Gottesliebe emporschlug in die Wonnen himmlischer Betrachtung. Kaum sechszehn Jahre alt geworden, völlig unbekannt mit den Reizen der prangenden Sünden dieser Welt, für alle reinen Seelen überaus liebenswürdig in ihrer harmlosen Unschuld, wanderte sie nach Innsbruck, und trat im Jahre 1582 an die Stelle der gefeierten Philippine Weiser als zweite Gemahlin des Erzherzogs Ferdinand, geziert mit den Erinnerungen an ihre fromme Mutter, daher dem Volke Tirols als Sprosse des österreichischen Kaiserhauses höchst wohlgefällig, in aller Ueber- macht der italienischen Glaubensinnigkeit, unerbittlich der Irrlehre vom Norden her. Mit allem Feuer ihrer herzlichen Frömmigkeit, mit aller Aufopferung einer himmlisch gesinnten Seele ehrte und liebte sie ihren Gemahl, der bereits bejahrt mit der sinkenden Flamme seines Lebens athmete und wirkte für die Rechtgläubigkeit der Tiroler, für sein eigenes ewiges Heil, und bewog ihn, überall die Ehre des Erlösers und seiner Mutter Maria zu befördern, und dadurch die Glut der katholischen Andacht im Volke anzufachen. Mit emsiger Sorgfalt linderte sie seine Negierungssorgen, wie ein Engel Gottes betete sie neben dem Nachtschlummer ihres Herrn und Vaters — denn so pflegte sie ihn zu nennen — daß der gute Geist von Oben ihn durchdringe zur Heiligung des Vaterlandes im wahren Glauben, in unverfälschter Tugend. Alle irdischen Begierden waren in ihrer reinen Seele ausgestorben, nur der eine, kindlichstille, himmlischklare Sinn lebendig, dem göttlichen Heilande in strenger Abtödtung zu dienen, und den Hauch der Gnade durch alle Thäler ihrer neuen Heimath zu verbreiten. Ihre weibliche Dienerschaft wählte sie ausschließlich aus Edelfräulein des Tirolerlandes, sie anhaltend zu fleißiger Arbeit, übend in heiliger Zucht, das zukünftige Glück ihrer Ehe bewachend, die untugendhaften Bewerber zurückstoßend. Dadurch wurde im weiblichen Geschlechte des eingebornen Adels die alte lernhafte Frömmigkeit wieder eingepflanzt, und durch den göttlich erneuten Fraueneinfluß unberechenbare Vortheile für die Versittlichung verwildeter Gemüther begründet. Alle Armen fanden an ihr die zärtlichste Mutter, und an jede fürstliche Gabe war die Ermahnung geknüpft: „O Kinder! Lieber hundert Mal sterben, als eine Todsünde begehen!" Der Ruf: „Lieber hundert Mal sterben, als eine Todsünde begehen!" scholl durch's ganze Land, geweiht durch den warmen Liebeshauch der Landesmutter, bestärkt durch die H^jligkeit und Reinheit ihres Beispiels, eine Gottesmacht für alle noch nicht erstorbenen Herzen, entwurzelnd die Sündenlust, himmlische Begeisterung für die Tugend weckend. Sie speiste selbst täglich zwölf arme Weiber, ihre Füße waschend, ihre Wunden küssend, sich selbst vernichtigend im Liebesdienste gegen diese kostbaren Glieder des Leibes Christi, in dieser selbstgewählten Vernichtung des menschlichen Stolzes eine Predigt zur Buße für den ganzen Hofstaat, die eindringlichste, siegreichste Lehre der Demuth gegen die Prunkliebe und Schwungsucht der Großen in der damaligen Zeit. In allen Leiden dieser Erde war sie empfindunglos gegen die Bitterkeiten weltlicher Anfechtung, emporgerichtet an's Kreuz ihres Erlösers, vertieft in die Schmerzen ihrer himmlischen Mutter Maria. Ihr Beichtvater war Joseph Maria Bracht, ein italienischer Capuziner, von Mantua gebürtig, daher der Fürstin von Jugend auf werth, ein Mann von schlicht .einfältigen Sitten, gebildeter in der Schule der Leiden Christi, als in weltlicher Wissenschaft, arm und abgelöst von aller Anhänglichkeit an diese Welt. Mit ihm sprach sie oft von göttlichen Dingen, versunken in die Wonnen und Schmerzen heiliger Liebe zu JesuS, unserem Herrn. — , (Schluß folgt.) Bon der wahren Weisheit. 6. „Die Wurzel der Weisheit ist die Furcht des Herrn" ruft Sirach, 1, 25. Die Blüthe der dem Sterblichen möglichsten Vollendung in der Weisheit indeß wirb die Liebe zum Herrn sein. Dafür spricht der Unterschied zwischen der übernatürlich unvollkommenen und natürlich vollkommenen Reue in ihrem Wesen, ihrer Folge. Beide sind übernatürlich, weil sie sich auf Gott beziehen. Die erste indeß ist unvollkommen ob ihres Ausflusses aus der Furcht des Herrn, der den unbekehrten Sünder einst mit ewiger Strafe belegen wird; die zweite aber vollkommen ob ihres Ursprunges in der Liebe, welche den reuigen Sünder mit unermeßlichen Wohlthaten überhäuft hat. Nur diese Reue, nicht auch die unvollkommene kann uns Sünden- verzeihung erwirken, wenn wir ausser der Möglichkeit einer giltigen Beichtable- gung und im ernsten Vorsätze aufrichtiger Besserung uns befinden. Wie nun, die Liebe zu Gott stünde in der Reue ob unserer Missethaten über, in der Ausübung verdienstlicher Werke aber unter der Furcht des Herrn? Nedacm» uno Verlag : Dr. M. Hatt! er. — Druck »o» I. M. Äleinlr.