AWhSM AMljMIt. 49. 2. December 1860. Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. (Fortsetzung.) „Ohne Zweifel," sagt Brownson in der erwähnten Schrift, „hat die katholische Bevölkerung unseres Landes, größtentheils ein Zusammenfluß aus den niederen Classen in der alten Welt, soweit in dreihundert Jahren ihre Vater von der Bigotterie, der Unduldsamkeit, den Verfolgungen, den Unterdrückungen Seitens protestantischer oder halbprotestantischer Regierungen zu leiden hatten, manche Züge angenommen in ihrem Charakter, ihren Sitten und ihrem Betragen, welche für den nichtkatholischen Amerikaner äußerlich wenig Anziehendes, ja etwas Abstoßendes haben. Unleugbar mag sich in unseren größeren Städten eine, leider, unverhältnißmäßig zahlreiche Volksclasse von Namenkatholiken finden, die weder ihrer Religion, noch dem Lande ihrer Geburt oder dem Lande, das sie aufgenommen, zur Ehre gereichen. Kein Katholik wird leugnen, daß die Kirche dieser Leute schmählich vernachlässigt worden, daß man sie ohne den geringsten Unterricht in den Grundlehren der Sittlichkeit und Religion aufwachsen und unsern lasterhaften Pöbel, die Menge unserer Taugenichtse und Galgenstricke anschwellen läßt. Das ist gewiß sehr zu beklagen, aber es erklärt sich leicht, ohne ein übles Licht auf die Kirche zu werfen, wenn man die nachteiligen Verhältnisse in Erwägung zieht: die Lage, in welcher diese Leute sich befanden, ehe sie hieher kamen; die Enttäuschungen und Entmuthigungen im fremden Lande; die Wehrlosigkeit den neuen und unvorgesehcnen Versuchungen gegenüber; die Thatsache, daß sie auch in ihrer Heimat nicht zu den besten Katholiken gehörten; ihre Armuth, Verlassenheit, Unwissenheit, mangelhafte Bildung, nebst einer gewissen Unbeholfenheit und Sorglosigkeit; endlich unsern großen Mangel an Schulen, Kirchen und Priestern. Es ist übrigens das Verhältniß dieser Leute zu unserer ganzen katholischen Bevölkerung ein weit geringeres, als man gewöhnlich annimmt. Auch sind sie nicht so durch und durch verdorben, als sie scheinen; denn selten oder nie bekümmern sie sich um ihr Aeußeres und sie verstehen es schlecht, ihre Fehler zu verbergen. Wie tief sie auch stehen und wie verkommen sie auch sein mögen, so sind sie doch nie so gemein und lasterhaft als die entsprechende Classe von Protestanten in protestantischen Ländern. Ein lasterhafter protestantischer Pöbel ist immer schlechter, ein lasterhafter katholischer immer besser, als er zu sein scheint. In den Schlechtesten unter diesen ist immer noch ein Keim, der mit angemessener Sorgfalt zum Leben herangezogen werden, Blüthe treiben und Frucht bringen kann. In unseren engen Gassen, geschlossenen Häfen, dumpfen Kellern und schwülen Bodenkammern, wo es wie in einem Bienenstöcke schwärmt und summt, — im tiefsten Schmutz und im zerlumptesten Elend, wo der Trunk die Luft verpestet und die Lästerung laut aufjauchzt und flucht, — da, wo man äußerlich nichts sieht, als Höhlen des Lasters und des Verbrechens und der Schande, da findet man oft einzelne Personen, von welchen man wohl annehmen darf, sie haben ihre Taufunschuld noch nicht 4 ' ' zss " verloren, wahre llour» >le Nai'ie, die sich immer rein und unbefleckt erhalten und die in ihrem niederen Lebenskreise glänzende Beispiele liefern der helden- müthigsten, christlichen Tugenden. Der größere Theil unserer katholischen Bevölkerung besteht aus ungelehrten Bauern, armen Handwerkern, Dienstmädchen und Taglöhnern aus verschiedenen Theilen Europa's; wenn auch an sich ganz schätzbare Leute und brauchbare Kräfte für das Land, können sie doch, wenigstens von einem weltlichen und gesellschaftlichen Standpuncte aus gesehen, nicht für solche gelten, nach welchen über die Katholiken ihrer Heimat ein unbefangenes Urtheil zu fällen möglich wäre. Der katholische Adel, die gebildeteren, wohlhabenderen Classen, die besseren Schichten im Gcwerbestande sind nicht hierher gewandert. Zwei oder drei Millionen aus den niederen, ärmeren, weniger gebildeten, und oft weniger tugendhaften Classen des katholischen Volkes in Europa sind in einem verhältnißmäßig kurzen Zeitraume an unsre Ufer geworfen worden, ohne oder fast ohne daß Vorsorge getroffen worden wäre für die Befriedigung ihrer geistigen, sittlichen oder religiösen Bedürfnisse. Und dennoch sehen wir, was diese Bevölkerung ist und was mit jedem Jahre mehr aus ihr erwächst, so können wir nur staunen über ihre wunderbare Willenskraft und ihre Fortschritte. Die geistige Thätigkeit der Katholiken tritt, wenn man Alles erwägt, weit glänzender hervor als die unserer nicht- katholischen Landsleute, und im Verhältniß zu ihrer Anzahl und ihren Mitteln tragen sie weit mehr als irgend eine andere Classe der amerikanischen Bürger- schaft zu Erziehungs zwecken, für niedere und höhere Bildungsanstalten bei, denn aus dem öffentlichen Schatze erhalten sie wenig oder nichts, und außer dem, was sie für ihre eigenen zahlreichen Schulen thun, haben sie ihren Beitrag zu liefern für die Staatsanstaltcn. Ich behaupte nicht, daß die katholische Bevölkerung unseres Landes lite- rarisch hoch stehe, oder daß ihr als einem Ganzen überhaupt nur in einigermaßen strengem Sinne geistige Bildung zugeschrieben werden dürfe. Wie wäre das möglich, da die meisten dieser Leute sich abzuarbeiten hatten um das tägliche Brod und alle ihre Kräfte in Anspruch genommen sahen durch die Sorge für die dringendsten Bedürfnisse der Religion und ihrer persönlichen und häuslichen Selstständigkeit? Gleichwohl ist ein achtbares katholisch-amerikanisches Schriftenthum im Aufblühen begriffen, und die Katholiken haben ihre Vertreter unter den ersten Gelehrten und wissenschaftlichen Größen des Landes. In der Metaphysik, in der theoretischen und praktischen Philosophie stehen sie bereits an der Spitze; in der Naturgeschichte und den physikalischen Wissenschaften bleiben sie nicht weit zurück; und wird erst einmal die Schranke gefallen sein zwischen ihnen und der nichtkatholischen Lesewelt, so werden sie in der gemeinnützigen und schönwissenschaftlichen Literatur bald die erste Stelle einnehmen. Noch ist unser eigenes lesendes Publicum aus den oben erwähnten Ursachen leider nicht zahlreich genug, um den Schriftstellern aufmunternd entgegenzukommen, und die übrige Lesewelt macht es sich zum Gesetze, unsere, der Katholiken, literarische Bemühungen zu übersehen*). Aber das wird nicht immer so fortgehen, denn es streitet mit den Vortheilen und dem Geiste aller edelfreicn Bildung, und die katholischen Schriftsteller werden bald ein Publicum finden, das ihnen Gerechtigkeit widerfahren läßt. Die Nichtkatholiken thun sich selbst großes Unrecht, .indem sie nach dem Grundsätze handeln, von Nazareth könne nichts Gutes kommen; denn in dem, was wir selbst schreiben, was wir von den Werken unserer Brüder im Lrititschen Reiche abdrucken, und was wir an katholischen Büchern aus dem *) Dieselbe Erscheinung macht sich auch bei uns täglich bemerkbar. Die hervorragendsten Erzeugnisse katholischer Schriftsteller werden vornehm ignorirt oder nur erwähnt, um durch geringschätzende Kritik und wegwerfendes Urtheil ihrem Eindringen in das lesende Publicum entgegenzuarbeiten. Ueberall doch dieselbe Tactik! Deutschen, Französischen, Spanischen und Italienischen übersetzen, haben wir bereits eine reichere und auch vom gelehrten und wissenschaftlichen Standpuncte aus betrachtet gewichtvollere Literatur, als unsere Gegner vermuthen. Ich habe lange und genaue Bekanntschaft gepflogen mit dem protestantischen Klerus der Vereinigten Staaten und bin keineswegs geneigt, die natürlichen Fähigkeiten oder die gelehrten und wissenschaftlichen Kenntnisse desselben zu niedrig anzuschlagen, und wiewohl ich die jetzt lebenden Mitglieder desselben für sehr tief unter ihren Vorgängern stehend erachte, so habe ich doch hohe Achtung vor den Beiträgen, die sie zur Wissenschaft und Literatur unseres ge- s meiusamen Vaterlandes geliefert haben und zu liefern fortfahren. Aber unsere katholische Geistlichkeit wiewohl in mancher Beziehung wegen Ungunst der Verhältnisse weniger gebildet, als sie es sein sollte, kann, abgesehen von solchen Mitgliedern, deren Muttersprache nicht die unsere ist, in Bezug auf Genauigkeit und Feinheit im englischen Ausdrucke nicht anders als sehr zu ihrem Vortheile mit Jenen verglichen werden. Im Ganzen genommen übertrifft sie den nicht- katholischen Klerus an wohl eingeschulter Logik, an theologischer Wissenschaftlich- keit und an Gründlichkeit, nicht selten auch an Reichthum und Mannigfaltigkeit der Kenntnisse. Ich habe in der That unter den Katholiken in ihrem Denken, ihrem sittlichen Urtheil, ihrem persönlichen und gesellschaftlichen Verhalten einen höheren Ton vorwaltend gefunden, als ich ihn jemals auch unter günstigeren Verhältnissen bei meinen nichtkatholischen Landsleuten zu beobachten Gelegenheit hatte; und nimmt man die katholische Bevölkerung unseres Landes auch nur als das, was sie unter allen Nachtheilen ihrer Lage gegenwärtig ist, so wird auch der gebildetste und feinste Mann der Wissenschaft oder der Gesellschaft nichts finden, weshalb er sich zu schämen brauchte und nicht gern bekennen möchte, er sei ein Katholik. — s -Freilich habe ich Ursache gehabt, mich über Katholiken bei uns und in andern Ländern zu beklagen; allein nicht, als stünden sie in Vergleich mit den Nichtkatholiken auf tieferer Stufe, sondern weil sie von der Höhe, die sie als Katholiken behaupten sollten, herabgesunken sind. Ich finde in der Denk- und Handlungsweise zwar lange nicht Aller, aber doch nur zu Vieler wie zur andern Natur geworden einen Mangel an männlichem Muthe, an Willenskraft und Geradheit, welche mir als eine eben so große Unklugheit erscheinen, wie sie für die Besscrgesinnten unter den Engländern und Amerikanern etwas Abstoßendes haben. In Dingen, die nicht zum Glauben gehören, herrscht unter uns weniger Einmüthigkeit und weniger Hochsinn, weniger Schicklichkeitsgefühl und weniger Neigung, alle berechtigten Meinungsverschiedenheiten sich frei aussprechen zu lassen, als man erwarten sollte. Aber ich weiß ja, daß ich selber nicht unfehlbar bin, und mich vielleicht beklage, wo ich es nicht sollte. Vieles mag mir als Unrecht erscheinen, weil ich nicht daran gewöhnt bin. Einiges muß auf das eigenthümliche Wesen des Volkscharakters und seine Entwickelung zurückgeführt werden; und was weder durch natürliche noch durch geschichtliche Verhältnisse zu ^ rechtfertigen oder zu entschuldigen sein möchte, das läßt sich in allen Fällen aus Ursachen herleiten, die mit der Religion nichts gemein haben. Die Gewohn- > heiten und Eigenthümlichkeiten, welche mir am wenigsten behagen wollen, sind offenbar daher entsprungen, daß unsere Katholiken größtenteils aus Ländern eingewandert sind, wo entweder der katholische Theil der Bevölkerung unterdrückt wurde von einer nichtkatholichen Regierung, die grundsätzlich den Katholicismus zu schwächen und zu ersticken suchte, oder wo der Staat dem Despotismus verfallen war, welcher aus den unseligen Religionswirren im 16. Jahrhundert hervorging, und welcher dem gemeinen Volke keine Rechte zuerkannte und ihm nicht > gestattete, sich der herrschenden Masse gleich zu achten. Unter den despotischen ! Regierungen einiger katholischer Länder und unter der Bigotterie und Jntole- ranz protestantischer Staaten konnte es kaum fehlen, daß sie sich mancherlei angewöhnten, was nicht stimmt zu der Art nnd Weise solcher, die niemals verfolgt wurden und sich nie gezwungen sahen, um leben zu können, darauf zu sinnen, wie sie grausamen Willkürgesetzen oder den Launen eines Gewaltherrn ausweichen möchten. (Schluß folgt.) Misfionsberichte -es hochw. I*. Franz Xaver Weninger. Ich begann das Jahr 1859 in Cincinnati, mit meiner eigenen Mission, d. h. mit den geistlichen Uebungen des hl. Jgnazius. Diese Ordnung hat kür mich eine ganz eigene Wichtigkeit und Bedeutung. Da mich nämlich mein Beruf als Missionär dazu auffordert, Anderen aus allen meinen Kräften beizustehen, damit sie das Geschäft ihres Heiles in Sicherheit setzen, so thue ich wohl am Besten, wenn ich bei dem Beginne des Jahres zuerst bei mir selbst anfange. Denn „was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, und an seiner Seele Schaden leidet." Ueberdies sind Exercitien gerade das von Gott begnadigte Mittel, den Eifer für die Ehre Gottes und die Rettung der Seelen immer von Neuem zu beleben. Bekannterweise ging die Stiftung der Gesellschaft Jesu, deren mindestes Glied ich mich zu nennen das Glück habe, eben aus den geistlichen Uebungen hervor, welche der hl. Jgnazius einst mit sich selbst zu Manrosa hielt. Ich thue demnach gut, wenn ich diesem Winke folgend jährlich die ^geistlichen Uebungen in Cincinnati durchmache, und dann als Fortsetzung derselben die Missionen gebe. — Ich Pflege scherzweise mich eines Vergleiches zu bedienen, den mir besonders Amerika überall vor Augen stellt. Ich Pflege nämlich zu sagen: Zuerst heize ich die Locomotive und erhebe die Dampfkraft, dann hänge ich die Waggons der Misston an und fahre davon. Es versteht sich, daß man dabei auch während der Fahrt nicht unterlassen darf, nachzuheizen und nachzupumpen, aber vorerst hat nian die Dampfkraft selbst gehörig zu conden- siren. So eben, was den Seeleneifer für das Werk der Missionen, und über^ Haupt der Seelsorge betrifft. — „Mich verlangt nicht, von deiner Armuth reich zu werden," so ruft der hl. Bernhard denjenigen Arbeitern im Weinberg des Herrn zu, die viel arbeiten aber wenig beten. Die erste Mission gab ich hierauf in der Stadt Louisburgh, Cincinnati gegenüber. Die Mission kam um so gelegener, da so eben ein großes Vergehen des Pfarrers derselben Gemeinde gewaltiges Aergerniß gegeben hatte. Jetzt befindet dieselbe sich wieder in einem vortrefflichen Zustand. — Ich gab hierauf noch vier Missionen in der Diöcese Fort-Wayne, und entschloß mich, dieses Jahr Texas mit Missionen zu bereisen. Ich hatte bereits vor zehn Jahren dem hochwürdigsten Bischof von Gal- veston, Hrn. Odin, versprochen, seine Diöcese mit Missionen zu bereisen; allein es war mir nicht möglich, es früher zu thun, und so war es besser. Die Mission konnte nicht gelegener kommen als gerade dieses Jahr, wo Texas beinahe alle seine deutschen Priester zugleich verlieren sollte. — Ich gestehe jedoch daß ich übergroße Beschwerden von dieser Mission befürchtete, wenngleich ich nicht wußte, woher insbesondere dieselben mir erwachsen würden. Ich wußte nur, daß es ein tropisches Klima habe und von unzähligen giftigen Jnsecten wimmle, und daß das gelbe Fieber an der Küste des Golfes von Merico in entsetzlicher Weise wüthe. Indeß es gab andere noch größere Hindernisse zu überwältigen, wie der Verlauf meiner Erzählung sogleich darüber Aufschluß gehen wird. Ich reiste von Cincinnati mit Anfang des Monats März ab. Der Bischof wünschte, ich sollte die Mission in der Faste beginnen. Leider war damals die Eisenbahn bis New-Orleans noch nicht vollständig fertig, wie sie es heute ist, und so mußte ich einen Tag und zwei Nächte in amerikanischen Reisekutschen> und zwar durch die Moräste und Wälder des Staates Misfisippi zubringen. Nie hat mich eine Reise so sehr erschöpft wie diese. Die Passagiere an diesen Plätzen waren öfter genöthigt, mit aller Anstrengung die mit Koffern bepackten Wagen aus den Morasthöhlen herauszuheben, und neben denselben im tiefen Koth zu waten. Wie froh ist man dann, wenn man nach solchen Strapazen wieder das Pfeifen der Eisenbahn hört! Durch Hilfe deS Dampfes gelang es mir dennoch, die Strecke von 1600 englischen Meilen in drei Tagen zurückzulegen. Die ganze Reise von Cincinnati nach Galveston kann jetzt in H Tagen zurückgelegt werden. — Ich begann die Mission in der Kathedrale selbst, und zwar am ersten Fasten-Sonntag. Bald wurde es mir nun klar, welche Prüfung der Herr mir besonders für Texas aufbewahrt habe. Es war nicht sowohl das Klima und die physischen Uebelstände, als der Fanatismus der Methodisten, die besonders hier in Texas mächtig sind. — Die Veranlassung zu dieser Art von Raserei und Opposition der Methodisten gab der „Wahrheitsfreund" von Cincinnati. Derselbe verkündigte meine Abreise nach Texas mit der Bemerkung, daß ich daselbst den Methodismus zu begraben gedächte. Diese Aeußerung brachte die Methodisten in Angst und Wuth. Die Redacteure eines ihrer Haupt-Jour- nale, nämlich „des christlichen Apologeten," stellten sich an die Spitze der Bewegung. Sowie die Mission begann, störmten diese Methodisten schaarenweise herbei, und die Pastoren notirten sich bei der Predigt, was ihnen besonders ausfiel. Indeß sie konnten dabei wenig gewinnen; ich gab die Mission nach ihrer Ordnung und polemisirte nicht. — Da bot ihnen der Beichtstuhl mehr Gelegenheit zu Verleumdungen dar. Es gibt in Texas eine Unzahl von gemischten Ehen, und leider ist bei sehr vielen die katholische Kindererziehung nicht gesichert. Da hieß es nun auf einmal, und wurde auch sogleich durch Zeitungen ausposaunt, es habe eine katholische Frau bei mir gebeichtet, die einen protestantischen Mann, einen Büchsenmacher, geheiratet, und die ihre Kinder in der protestantischen Kirche taufen und protestantisch erziehen ließ. Dieser Frau nun hätte ich gesagt, daß die Taufe ungiltig sei, und daß sie besser gethan hätte, wenn sie die Kinder in kochendes Wasser gesetzt und ihnen die Haut über die Ohren herabgezogen hätte. Jeder Mensch sieht leicht ein, was an der Sache Wahres gewesen sei, und wie der Lügengeist die Sache entstellte, um den Methodisten einen solchen Braten aufzutischen, nach welchem ihnen gerade gelüstete.— Herr Mölnig, der Redacteur des Apologeten, ein abgefallener Katholik, richtete demnach, und zwar. im Namen aller Protestanten von Galveston ein offenes Sendschreiben an mich, mit der Aufforderung, ich sollte mich über diesen Beichtfall vertheidigen. Ich ergriff diese Gelegenheit, um, abgesehen von dem Beichtfalle, einige Fragen zu beantworten, die sich auf solche Lehren der h. Kirche beziehen, welche von den Feinden derselben besonders entstellt zu werden Pflegen. Ich schrieb ein Pamphlet. Im Eingang erklärte ich Hrn. Mölnig, daß ich sein Schreiben, wenn es indessen alleinigem Namen an mich gerichtet gewesen wäre, Wetters auch nicht berücksichtigt hätte. Ihn treffe der Ausspruch des deutschen Dichters: „Ein solcher Wurm erstickt in seinem eigenen Gestank." Wenn ich dessenungeachtet auf eine Antwort eingehe, so geschehe es nur aus Rücksicht aus die Protestanten von ganz Galveston, in deren Namen er das Schreiben an mich gerichtet habe. Unter diesen seien allerdings ehrenwerthe Männer und für diese sei die Antwort geschrieben. Ich bemerkte jedoch, wie unpassend es für ihn als abgefallenen Katholiken sei, mich über einen Beichtsall zu fragen. Er wisse doch, daß ich als kathol. Priester daraus nicht antworten könne. Wolle er und Consorten wissen, Wie ich Beichtende anzureden Pflege, so möge er selbst kommen und beichten. — 390 Die Fragen, die ich dann abgesehen vorn Beichtfalle selbst^ beantwortete, waren diese: 1. Was halten wir Katholiken von der Taufe durch Protestanten ertheilt, und warum werde dieselbe zeitweise unter Bedingung ertheilt? , 2. Warum verlangt die lathol. Kirche die lathol. Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen, und was ist von einer katholischen Mutter zu halten, welche die kathol. Kirche als die allein seligmachende Kirche erkennt, und ihre Kinder dennoch aus Rücksicht für ihren Mann protestantisch erziehen läßt? 3. Verdammen wir Katholiken die Protestanten, wenn wir behaupten, daß die kathol. Kirche die allein seligmachende sei, oder verdammen sich dieselben selbst, wenn sie freiwillig irren? Ist freiwilliger Irrthum im Glauben wirklich eine schwere Sünde. 5. Ist der Beweisgrund für die Wahrheit der kathol. Kirche wirklich durchaus an und für sich peremtorisch: Die erste Kirche die wahre? Diese Fragen beantwortete ich so bündig, einfach und klar, als es mir nur möglich war, und ließ das Pamphlet an den protestantischen Kirchthüren vertheilen. — Der Eindruck war ein gewaltiger. Während man früher aus offener Straße debattirte, verstummte nun Alles. (Fortsetzung folgt.) Zufall oder Strafe. Bei der immer höher steigenden Fluth der Gottlosigkeit und des Sitten- verderbnisses in Italien treten auch immer häufiger merkwürdige Erscheinungen zu Tage, in welchen das noch gläubige Volk mit Recht die strafende Hand Gottes erkennt. Als neulich der Präsident der sardonischen Kammer das Ver- zeichniß der Abgeordneten aus den annexirten Staaten verlas und eben die Namen der Deputirten aus der Nomagna, jener dem Papste und der katholischen Kirche gewaltsam entrissenen Provinz, aussprechen wollte, sank er vom Schlage getroffen ohnmächtig nieder und mußte aus dem Saale bewußtlos fortgetragen werden. Dieser Vorfall verursachte unter den Anwesenden einen solchen Schrecken, daß die beiden ältesten Glieder der Kammer, welche das Präsidium zu übernehmen gebeten wurden, diese Ehre ablehnten. Noch auffallender ist folgender Fall, der erst vor wenigen Tagen in den öffentlichen Blättern mitgetheilt wurde. Ein Gottloser trat in ein Wirthshaus und forderte ein Glas Liqueur mit den Worten: „Gebt mir für zwei Kreuzer von der Excommunication!" Er trank das Glas in einem Zuge aus >— und fiel todt zu Boden. An einem Wallfahrtsorte fand ein wohlbeleibter Volksversührer sich bemüßigt, eine Versammlung in der Nähe der Kirche zu halten und gegen die Excommunication zu Felde zu ziehen. Der Pfarrer öffnet seine Kirche und läßt mit der Glocke ein Zeichen zum Gebete geben; Alles eilt zur Kirche, wo der Priester über den geistigen Tod spricht. Der Volksverführer lästert fort und ereifert sich im Fluchen so sehr, daß er, vom Schlage getroffen, zusammenbrach. Ein Student, der in Rom den Universitätsscandal gegen die Unterzeichnung der Adresse an den Papst veranlaßt und öfter gesagt hatte, es sei besser zu sterben, denn als Sclave der Priester zu leben, bekam plötzlich den Blutsturz und erklärte in der Todesgefahr vor einem Priester und vor eigens berufenen Zeugen, er nehme den frevelhaften, von ihmden geheimen Gesellschaften geschworenen Eid zurück und bitte um Verzeihung des gegebenen Aergernisses. Er starb eines christlichen Todes. — In Bologna starb eines jähen Todes jener Deputirte der Nationalversammlung, welcher das Decret der Entthronung des heiligen Vaters verfaßt hatte. — Zu Cesena, einer gleichfalls in der Roma- gna gelegenen Stadt, ließ sich Graf Spada zum Deputirten wählen und war Tags darauf eine Leiche. — Salvagnoli in Florenz, der dort den Cultusminister abgab, hatte kaum durch ein Decret das Concordat mit dem heiligen Stuhl außer Kraft gesetzt, als er vom Schlage gerührt wurde. Er ließ zwar einen Priester rufen, allein da er sich weigerte, sein Decret zu widerrufen, wurden ihm die hl. Sacramente nicht gereicht. — Vor etwa zwei Monaten ging ein Dampfschiff auf dem Wege von Livorno nach der Insel Corsica in der Nähe von Bastia zu Grunde. Auf demselben befand sich eine Schauspielertruppe, die kurz zuvor in Florenz ein schändliches Stück zur Verhöhnung des heiligen Vaters aufgeführt hatte. Eine freche Dirne hatte darin den Papst gespielt, war aber noch am selben Abend in Wahnsinn verfallen, in welchem sie sich aus dem Fenster auf das Pflaster herabstürzte und todt blieb; ihre übrige Gesellschaft fand danach den Tod in den Wellen. — Als jüngst eine Abtheilung päpstlicher Gendarmen unter Oberst Pimodan von dem Strerfzuge gegen die aus Toscana eingefallenen Freischärler heimkehrte, klagte ein Osficier über seine Erschöpfung, die ihm den Weitermarsch unmöglich machte. Oberst Pimodan überließ ihm deßhalb sein Pferd, das jedoch der Unglückliche kaum bestiegen hatte, als er herab geschleudert ward, wobei ihm die Hirnschale so schwer verletzt wurde, daß er daran starb. Da fand sich unter seinen Papieren der schriftliche Beweis, daß daß er bereits mit den Aufrührern in Unterhandlung getreten war und die Zusicherung von 2000 römischen Thalern im Fall seines Desertirens erhalten hatte. — Aus diesen wohlverbürgten Strafbeispielen geht hervor, daß Gott immer noch der Herr ist über Leben und Tod und daß er schon dafür zu sorgen weiß, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Unsere Hoffnung. Eines Tages — vor beinahe 1000 Jahren — als die Raubschaaren der Saracenen ganz Italien bedrohten, erschienen neapolitanische Gesandte im Lager eines Emirs, um ein Bündniß zu schließen. Aber dieser würdigte sie nicht einmal einer Audienz, sondern ließ ihnen, nachdem er sie einige Tage in einer angstvollen Ungewißheit gehalten hatte, folgende verhöhnende Antwort geben: „Diese Leute mögen in ihre Heimat zurückkehren und ihren elenden Herren sagen, daß die Sorge für das Abendland mir gebühre. Ich werde schon wissen, nach meinem Gutdünken das Schicksal seiner Bewohner zu regeln. Sie mögen abreisen und es sich merken, daß ich nicht blos Neapel und seine ganze Umgebung zum Untergänge verurtheilt habe, sondern auch die Stadt jenes schwachen Greises, den sie Petrus nennen." Wenige Tage nachher, sagt die alte Legende, schlief dieser Fürst der Ungläubigen in einer alten Capelle, als Plötzlich eine ehrwürdige Gestalt vor ihn trat. Der Emir ist unwillig, daß man so seinen Schlaf stört und stößt im Traume heftige Drohungen aus, aber plötzlich fühlt er sich von einem Stäbe getroffen, den die Erscheinung in der Hand führte. Erschreckt fährt er aus dem Schlafe auf, ruft seine Wache und befiehlt, nachzuforschen, ob sich irgend ein Römer in seinem Lager befinde, und ihn dann herbeizuführen. „Als man mich entdeckt hatte — berichtet der Erzähler — führten sie mich vor den Emir." „Male mir, rief er, das Gesicht des Greises Petrus." „Ich kenne keinen Petrus," antwortete ich ängstlich. „Aber, rief der Emir von Neuem, ich meine den Petrus von Rom." Als ich ihm dann die Gesichtszüge des h. Petrus hingemalt hatte, sagte er: „Ja, ich erkenne ihn wieder; er ist es, der mich tödtlich verwundet hat während des Schlafes, gerade da, als ich so eben in Gedanken den Plan zur Eroberung des Abendlandes und vor Allem zur Vernichtung Moms entworfen hatte." Diese alte Geschichte bleibt ewig wahr und neu; unter welchem Namen immer der Feind der christlichen Civilisation, der Verwüster des Friedens, der Ehre und des Lebens der Völker auftritt, gegen den heil. Petrus — gegen den Papst, seinen Nachfolger — richtet er seine grimmigsten, unaufhörlich wieder- ^ holten Angriffe; es ist die Vernichtung der Kirche, ihrer Autorität, ihrer Unabhängigkeit, worauf er neben seinen andern finstern Planen vorzugsweise sinnt. Aber welche Prüfungen auch über den h. Stuhl in seiner Bedrängniß ergehen mögen, welche Grausamkeit, Perfidie und Schwäche auch immerhin sich verbünden 1 mögen, um ihn zu beschimpfen, zu berauben und zu demüthigen — er ist es, welcher thatsächlich alle Gewaltthätigkeit wie alle Ränke beherrscht; es ist der Stab des schwachen Greises, welcher die stolzesten Gegner zu Boden wirft; es ist der hl. Petrus, welcher die Feinde des Herrn und der Gesellschaft tödtlich verwundet. Die Wirkung der Bilder. Ein katholischer Geistlicher ist einmal mit der hl. Wegzehrung zu einem Schwindsüchtigen gekommen, der beim Empfang des hl. Sacramentes, obwohl unter Protestanten lebend, einen ungewöhnlich kräftigen Glauben und innige Andacht an den Tag legte und ihm Folgendes erzählte: Von katholischen Eltern gut erzogen entschied er sich bei der Standeswahl für das Geschäft eines Weinhändlers, bei dem er allmälig, indem er den verschiedenen Versuchungen unterlag, ein leidenschaftlicher Trinker wurde. Die Vorwürfe seines Gewissens über die dadurch herbeigeführte Zerrüttung seiner häuslichen Verhältnisse suchte er durch unmäßigen Branntweingenuß zu übertäuben. Das religiöse Gefühl war längst abgestumpft. Eines Abends spät kehrte er von einem Geschäftsgang in seinen Wohnort zurück, fiel in der Trunkenheit nieder und blieb liegen. Als er Morgens aus dem Schlaf erwachte, sah er über sich das Bild des Gekreuzigten, da er gerade unter einem Feldkreuz niedergefallen war. Dieser unerwartete Anblick und der Umstand, daß er eine kalte Märznacht ohne Schaden auf freiem Felde zugebracht hatte, machte einen so tiefen Eindruck auf den Mann, daß er an Ort und Stelle unter einem Strom von Reuethränen das Gelübde ablegte, nie mehr einen Tropfen Branntwein zu trinken. Zugleich hörte er von der Stadt her das Geläute zum Frühgottesdienste am Feste der Verkündigung Mariä, und dies vollendete seine Umwandlung. Er legte sofort eine hl. Beicht ab, die erste wieder seit mehreren Jahren, und hielt von da an treulich das Gelübde, das er unter'm Kreuzbilde gemacht hatte. Das Gewissen. Es ist mit dem Gewissen, wie mit einem Wecker an der Uhr. Der Wecker weckt, mahnt und schreckt nur, aber er zwingt dich nicht aufzustehen, noch viel weniger hebt er dich selber aus dem Bett, was oft nöthig wäre. So mahnt auch das Gewissen, aber du kannst gleichwohl thun, was du willst. Ferner fällt der Wecker ein-, zwei-, dreimal und du hörst ihn; stehst du aber nicht aus, sondern schläfst wieder ein, so hörst du ihn immer weniger, bis du seiner gar nicht mehr achtest; er fällt zwar und lärmt stark genug, aber dich weckt er nicht, du hast dich gewöhnt, ihm nicht zu folgen. So redet das Gewissen immer zu und stößt und mahnt dich; aber ein-, zwei- und dreimal nicht gefolgt, — da wird es stiller; es weiß ja, daß es nichts nützt. Das letzte Sonntagsblatt wurde unrichtig anstatt mit Nr. 48 mit Nr. 47 bezeichnet. Sikdatti»» uuv Lcrlaz: Dr. M. Hutller. Druck von 3. M. Kleiulc.