51. 16. December 1860. Das Augsburg» Sonntagsblatt (SonntagS-Beiblatt zur Augsburg» Post- Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. AGP- Beim Herannahen des Jahres und resp. des I. Quartals oder I. Semesters 1861 erlauben wir uns, unsere ergebenste Einladung zur baldigen Bestellung des Augsburg» Sonntags-Blattes (Beiblatt zur Augsburg» Post-Zeitung) zu machen, auf daß wir die Auflage bemessen und unsern Titl. Herrn Abonnenten vollständige Exemplare liefern können. Der Abonncments-PreiS ist derselbe wie im abgelaufenen Jahre (pro Quartal 20 kr., pro Semester 40 kr). Man abonnirt bei der n ächstgelegenen Poststation. Auch durch den Buchhandel kann der Bezug bewerkstelligt werden. Die Expedition. Vifion Verdüstert zieht am nächt'gen Htmmelsbogen Des Mondes Horn herauf in flücht'ger Eile> Als ob ein Nachen die umschäumtcn Wogen Mit seines Kieles Brüstung jäh zertheile. Die cw'ge Stadt am lauten Tibcrstrande Hat schon in stillen Schlummer sich gebettet; Nur Einer wacht, der von des Abgrunds Rande Als muth'gcr Hirt die scheue Hecrde rettet. In stummer Andacht tief das Haupt gesenket Vor des Erlösers lichtumstrahltem Bilde, Erfleht der Greis für die, so ihn gckränket, Inbrünstig des barmherz'gen Richters Milde. Und eine Thräne, wie im Sonnenstrahls Der Thau erglänzt, benetzt die bleiche Wange; Da sich! Ein Engel faßt mit gold'ner Schaale Die rinnende, und seufzet schwer und bange. Er schaut im Geiste wohl, wie die Gefahren Sich thürmen gleich den sturmgejagten Wellen, Und hört, wie sie mit frevelndem Gebühren Sauer Petri Schifflein drohen zu zerschellen. Nun breitet aus die Stirne des Geprüften Der Bote Gottes segnend aus die Hände, Und licht entschwebt er nach des Himmels Lüften Mit des bewährten Dulders Opferspende. „Plus getröstc fromm sich mit der Hecrde" „In der Versuchung Noth!" spricht der Gerechte; „Um dieser Einen Zähre willen werde" „Sein Leos ein glänzendes, dem treuen Knechte!" G. B. TafrathShof». Die Greuelfcenen in Syrien. (Fortsetzung.) Beirut, den 1. August 1860. Der nördliche Theil des Libanon, von Tripolis bis zum Nähr el Kelb oder Hundsflusse, der sich anderthalb Stunden nördlich von Beirut befindet, ist ausschließlich von maronitischen Christen bewohnt. Dort befindet sich in nur geringer Entfernung vorn Nähr el Kelb, in dem Districte von Kes- ruan, die Residenz des maronitischen Patriarchen, des apostolischen Delegaten, die berühmten Kollegien von Antura und von Ghazir, mit einem Worte, die vorzüglichsten katholischen Anstalten des Landes. Jenseit des Nähr el Kelb und ganz um Beirut herum, erstreckt sich eine andere Region, in welcher die Bevölkerung ziemlich gleichmäßig aus Maroniten und Drusen besteht. Dann 402 ^ >1 kommt das Ras et Metn, Her Mittelpünct der drufischen Macht, in dem.jedoch, aber ganz abgeschnitten von den andern maronitischen Gegenden, die christliche Stadt Dei'r el Kamar, die alte Residenz des Emir Beschir liegt; dieselbe zählt etwa 4000 Einwohner. Im Süden von Ras el Metn, auf dem Gebirge und an dem Ufer bis nach Scuda (dem alten Sidon) ist das Land von außerordentlich verschiedenen Volksstämmen bewohnt: Drusen, Metuabrs oder Muselmänner von der Seele Ali's, arabische Sunniten, Maroniten, unirte und schismatische Griechen wohnen daselbst. Nach der Organisation, die dem Libanon im Jahre 1840 von den fünf Großmächten gegeben worden, ist das Gebirge beinahe ganz frei, regiert sich selbst und zahlt der Pforte nur einen Tribut; diese ernennt die Kaimakan's, welche die höchste Gewalt inne haben und aus den Leuten des Landes gewählt werden müssen. Nördlich ist das Land einem maronitischen, südlich einem drufischen Kai- makan unterstellt, mit Ausnahme der Leiden Städte Zahl eh und Det'r el Kamar, wovon die erste Stadt sich selbst regiert, die andere aber direct unter der Pforte steht. Händel, ja selbst Kriege zwischen Drusen und Maroniten kommen sehr häufig vor. So gab es noch im vorigen Jahre einige Kämpfe, weil die Maroniten den Kaimakan nicht annehmen wollten, den die Pforte ihnen sandte; durch das Dazwischentreten der Consuln wurde diesen Kämpfen aber bald ein Ende gemacht. Aber keiner dieser Kriege, selbst nicht jener von 1845, der doch so viel Aussehen in Europa gemacht hat, kommt dem diesjährigen nur entfernt nahe. Seit mehreren Monaten konnte man die Vorzeichen desselben bemerken: in den drufischen Dörfern waren christliche Reisende und ein maronitischer Priester ermordet worden, auch herrschte die größte Aufregung aus dem ganzen Libanon. Inzwischen hoffte man noch immer, daß die Feindseligkeiten nicht vor dem Ende des Sommers ausbrechen würden, und man ihnen vielleicht noch zuvorkommen könne. Man näherte sich nämlich der Zeit, wo die Ernte der Cocons beginnen sollte, und da die Unterbrechung dieser Ernte den Drusen und den Maroniten gleichen Nachtheil bringt, so pflegen nm diese Zeit, selbst in den heftigsten Kriegen, alle Feindseligkeiten aufzuhören. Ungeachtet dieser Hoffnung versammelten sich, da der Horizont sich immer drohender umwölkte, am 20. Mai d. I. die bedeutendsten europäischen Kaufleute von Beirut in den Sälen der türkischen Bank, und unterzeichneten eine an die Consuln der verschiedenen Mächte gerichtete Petition, um von diesen zu erlangen, daß sie sich hei dem Pascha zu dem Zwecke verwendeten, damit er die Sicherheit der Stadt und den Frieden im Gebirge aufrecht erhalte, welches Beides nothwendig sei, wenn die Handelsthätigkeit fortbestehen sollte. Zwei oder drei Tage später erfuhr man, daß am Nähr el Kelb ein Zusammenstoß stattgefunden hatte. Um unparteiisch zu sein, muß ich anerkennen, daß an diesem Tage die Christen zuerst das Feuer eröffnet hatten.*) Erschreckt durch die von den Drusen verübten Mordthaten, und durch das Gericht, welches eine allgemeine Metzelei der Christen in Aussicht stellte, wollten die Maroniten dieser Gefahr dadurch zuvorkommen, daß sie selbst ihre Feinde angriffen. Der Krieg hatte begonnen, aber seine Ausdehnung konnte noch immer verhindert werden. Die Consuln wendeten sich deshalb an Kurschid-Pascha, den Gouverneur dieses Theiles von Syrien, und dieser machte die schönsten Versprechungen von der Welt. *) Die schlechte Presse hat nicht verfehlt diese Thatsache in ihrer Weise zu benutzen; gerade als ob dieser Umstand genüge, die Grcuelthaten der Drusen zu entschuldigen. Poriges Jahr hat sie es mit der Kriegserklärung Oesterreich'S eben so gemacht. In Folge dieser Versprechungen verließ er Beirut mit 750 Mann regelmäßiger Truppen, mit Kanonen und einer großen Anzahl von Baschi-Bozuks und wandte sich nach dem Gebirge unter dem Vorgeben, dort den Frieden wieder herzustellen. Aber kaum hatte er die Stadt verlassen, so hielt er Plötzlich an und ließ ohne scheinbaren Grund zwei Kanonenschüsse abfeuern. Man hätte denken können, dies sei ein Signal gewesen, denn so zu sagen in demselben Augenblicke erhob sich eine große Flamme auf einem der obern Puncte des Libanon. Es war dies das schöne christliche Dorf Veit Meri, zwei Stunden von Beirut, welches so eben von einer beträchtlichen Schaar Drusen überrascht und in Brand gesteckt worden war. Bald darauf sah man die Feuersbrünste, sich über das ganze Gebirge verbreiten, und man hörte Gewehrfeuer in allen Richtungen. Während der ersten Tage widerstanden die Christen mit Muth und Erfolg; sie drängten die Drusen in Unordnung zurück und drangen mit ihnen gemeinschaftlich in den Ras el Mein ein, dessen vorzüglichstes Dorf, genannt El Metn, sie als Repressalie in Brand steckten. Um diesen glücklichen Erfolg aufrecht zu erhalten, bedurften die Christen an den Orten, wo der Kampf stattgefunden hatte der Unterstützung; sie bedurften der Hilfe der Bevölkerungen aus den durchaus christlichen Districten, besonders jene ihrer Nachbarn, der kriegerischen Bewohner des Kesruan, die den Drusen ein Schrecken sind. Nun hatte aber Kurschid- Pascha auf seinem Marsche plötzlich Halt gemacht und sein Lager zwei Stunden von Beiruth aufgerichtet, an einem Orte, genannt Babdah, das er seitdem nicht mehr verlassen, und wo er durch einen Zufall, der sorgfältig berechnet zu sein scheint, den einzigen Weg abschnitt, auf welchem die Männer des Kesruan zu den Maroniten hätten gelangen können, bei welchen der Kampf begonnen hatte. Bis dahin hatte der Krieg, obgleich er einen ganz besonders wilden Cha- ratter trug, sich in den gewöhnlichen Grenzen dieser Art von Vorkommnissen gehalten. Plötzlich erfuhr man aber, daß er eine bis dahin unbekannte Ausdehnung annahm. Der Dschihad oder „heilige Krieg" war gepredigt worden unter den Drusen des Hauran, und inmitten aller Beduinen-Stämme Coelesyriens in der Umgegend von Balbek, und Alle machten sich auf, um den Drusen des Libanon zu Hilfe zu eilen. Zu derselben Zeit schloffen die Metualis aus der Umgegend von Saida mit den Drusen ein Bündniß, und ergriffen die Waffen, nm denselben beizu- stehen. In den Metzeleien und Feuersbrünsten um Sa-da und Sur machte sich bald eine gewisse Regelmäßigkeit bemerkbar, und schon waren die Bischöfe dieser beiden Städte gezwungen gewesen, zu fliehen und sich nach Beirut zu flüchten. Alle Stämme, welche ich soeben aufgezählt habe, und die sich in einem Augenblicke erhoben hatten, eilten alle nach ein und demselben Punkte. Welcher war dieser Punkt? Niemand wußte es. Auf den Abhängen des Anti-Libanon, nach der Seite von Damaseus hin, bestanden zwei reiche und blühende Districte, die beinahe ausschließlich von griechischen Christen bewohnt wurden, nämlich jene von Hasheia und Rascheia. Dies war der Weg, dem die Drusen des Hauran folgen mußten, um den Kamm des Libanon zu erreichen und ihre Vereinigung mit ihren Glaubensgenossen aus der Gegend von Beirut zu bewerkstelligen. Die Einwohner von Hasbeia und Rascheia lebten in der vollkommensten Sicherheit. Der Krieg war weit von ihnen entfernt, und nie hatten sie sich bei ähnlichen Gelegenheiten bedroht gesehen. Sie lagen daher mit vollem Vertrauen ihren gewöhnlichen Beschäftigungen ob, als ihr Territorium von einer wahren Fluth von' Barbären über- 404 schwemmt wurde; von Damascus, angeblich zur Aufrechthaltung der Ordnung gesandte Soldaten, keine Baschi-Bozuks, wie bei Beirut, sondern Nizams, Soldaten der regulären Infanterie, langten zur selben Zeit in den beiden Distrikten an. Nachdem sie sich von ihrem ersten Schrecken erholt hatten, begannen die Christen lebhaften Widerstand zu leisten, so daß die Entscheidung schwankte. Aber die Nizams sielen ihnen in den Rücken und begannen das Blutbad, an dem nun die zurückkehrenden Drusen einen thätigen Antheil nahmen. Die Schlächterei dauerte mehrere Tage ohne Unterbrechung fort, und die christliche Bevölkerung von Hasbeia und Rascheia ist so zu sagen vernichtet. Kaum 2000 Seelen dieser beiden Districte mögen entschlüpft sein, und sich inmitten von tausend Gefahren nach Beirut und nach dem Kesruan geflüchtet haben. Bei diesem Schrecken fühlt das Herz sich erquickt durch einen Zug des Muthes und der Aufforderung. Den District von Hasbeia bewohnte eine gewisse Anzahl von muselmännischen Emir's, die inmitten der christlichen Bevölkerung und in großer Eintracht mit derselben lebte. Als die Drusen des Hauran das Land überflutheten, hätten diese Emir's sich leicht außerhalb jeder Gefahr stellen können. Sie thaten dies durchaus nicht. Sie griffen mit den Christen zu den Waffen, thaten alles um sie zu vertheidigen und theilten auch ganz ihr Schicksal. Einunddreißig derselben fielen in dem Gemetzel, und gegenwärtig sind ihrer nur noch drei vorhanden; nach Beirut geflüchtet, sind sie gezwungen, wie die ärmsten der Flüchtlinge, ihr Brod in den Straßen zu betteln. Von Hasbeia und Rascheia streiften die Drusen bis in die Umgebungen von Damascus, wo sie ihre Vereinigung mit den Beduinen von Balbek bewerkstelligten, und wo sie von Neuem alle christlichen Dörfer anzündeten. Jeden Augenblick glaubte man sie in Damascus einziehen zusehen, und die ungeheuere muselmännische Bevölkerung dieser Stadt sprach mehrere Tage lang von nichts, als davon, der Sache ein Ende zu machen und alle Giaurs (Ungläubige) zu tödten; sie warteten nur auf ein Signal. Die Christen der ersten Stadt Syriens werden nur durch die plötzliche Dazw i schenkunst und die Thatkraft Abd-el-Kader's gerettet. Aber bald sammelten sich alle muselmännischen Streitkcäfte vor Zahleh, dem Schlüssel aller christlichen Positionen auf dem Libanon, einer bis dahin unbesiegten Stadt, deren Einwohner-in den vorhergehenden Kriegen immer die Drusen zum Zittern gebracht hatten. Für die Feinde der Christen war die Eroberung dieser Stadt der größte Erfolg, den sie erringen konnten, der. Haupt- und entscheidende Triumph. So waren denn auch alle Anstrengungen gegen diesen Punkt gerichtet. Drusen vom Libanon, Metualis, Drusen vom Hauran, Araber, Beduinen Coelesyriens und aus der Ebene Esdrelon, Baschi-Bozuks, Arnauten, reguläre türkische Infanterie mit sechs Stück Kanonen, aus Damascus abgezogen und unterwegs ausständig geworden, versammelten sich vor den Mauern Zahleh's. Die Einwohner zählten nur 2000 streitbare Männer, sie hatten wenig Lebensmittel und wenig Munition, und dabei waren sie mit einer großen Anzahl von Frauen und Kindern beschwert, die aus benachbarten Gehöften in ihre Stadp geflüchtet waren. Nichts desto weniger hielten sie sich mehrere Tage und wichen nur der unverhältnißmäßigen Uebermacht ihrer Feinde. Als in Beirut die Gefahr bekannt wurde von der Zahleh bedroht war, gab sich daselbst eine große Aufregung kund. Von Neuem hielten die Cosuln Rath, und da sie einsahen, daß das Geschick christlicher Dürfen, welche noch auf dem Gebirge bestanden, so wie die Sicherheit der Stadt Damascus selbst zum größten Theil von dem Geschicke Zahle's abhänge, entschlossen sie sich, statt vereinzelter Schritte, einen feierlichen gemeinsamen Schritt zu thun, um die türkische Behörde zu veranlassen, die Belagerung aufheben zulassen. So begab sich denn das ganze 40ö Corps der Consuln, begleitet von ihren Dolmetschern, bis nach Bladah zu dem Pascha. Dieser empfing dasselbe mit den Versicherungen der besten Art. Alles, was man von ihm verlangte, bewilligte er auf der Stelle. Auf Ehrenwort verpflichtete er sich die Einnahme Zahleh's zu verhindern, und um die Consuln zu beruhigen, ließ er vor ihren Augen mehrere Regimenter abziehen mit der Weisung der Belagerung ein Ende zu machen. (Fortsetzung folgt.) Missionsberichte -es hochw. 1^. Franz Xaver Weninger. (Fortsetzung.) Ich reiste von Galveston ab; indeß das Methodisten-Blatt stieß die Drohung aus, daß im Fall ich es wagen würde durch Texas durchzureisen, sie mir zweifelsohne den Garaus machen und die Haut über die Ohren herabziehen würden. — Ich konnte natürlich auf solche Drohungen nicht achten, und begab mich in die große, Galveston zunächst gelegene texanische Handelsstadt Houston, wo auch die nächste deutsche Gemeinde sich befand. Die Mission ging ohne Störung vor sich. Die Protestanten und Radicalen murmelten sich nur in die Ohren, was sie aus den Zeitungen erfuhren; „das ist Der," hieß es — aber dabei blieb es auch. Ich trat nun meine Reise in das Innere von Texas nordwestlich an. Die erste deutsche Gemeinde in dieser Richtung befindet sich in Victoria. Man fährt, um dahin zu gelangen, über den Golf von Merico nach Port-Lavaca, Der Golf ist als ein sehr bösartiges Meer bekannt. Er ist nicht tief und da gewöhnlich eine sehr starke Brise sich Nachmittags erhebt, so schaukeln die kleineren Dampfboote ungemein, und Alles wird seekrank. Ich leide nicht an dieser Krankheit, allein man fühlt doch immer sehr deutlich, daß man nicht auf dem festem Lande sei. So wie man an das Cap Powderhocn gelangt, und um so mehr, so bald man in die davon nicht ferne liegende Seestadt Port-Lavaca kommt, da merkt man, daß man in ein Land kommt, welches mehr den Typus von Mexico als von den Vereinigten Staaten an sich trägt. Die Vereinigten Staaten sind buchstäblich Neu-England. Die ganze Lebensweise ist die der Engländer, ebenso der Bau der Wohnhäuser. Nebstbei sind die Vereinigten Staaten nun kreuz und quer von Eisenbahnen durchschnitten. Texas hat erst einige Ansäge von Houston aus mit Anlegung von Eisenbahnen gemacht. Bis jetzt werden die Transporte mit Ochsen-Caravanen bewerkstelligt, und Passagiere reisen mit den berüchtigten amerikanischen „Stages," eine Art Eilpost aus der älteren Zeit. Da ist man doch auf den so gefährlichen amerikanischen Eisenbahnen noch weit sicherer als in diesen Postkutschen, in die man wie Pickelhäringe eingepfercht sitzt. Es ist in der That ein merkwürdiger Anblick, eine ganze Stadt gleichsam mit Ochsen-Zügen belagert zu erblicken. Alle Straßen sind mit Wagen der ganzen Länge nach besetzt, vor welchen gewöhnlich mindestens sechs Joch Ochsen gespannt sind, die ganz majestätisch vor denselben auf der Erde liegen, bis die Zeit zur Abfahrt da ist; da fahren dann mehrere zugleich fort, zehn bis zwanzig Wagen, um sich an schlechten Sumpfstellen auf dem Weg wechselseitig Hilfe zu leisten. Welch ein Contrast im Vergleich mit den mächtigen Eiscnbahnzügen, wo die Ochsen selbst zu Tausenden in Wägen sitzen! — Was das Land selbst betrifft, so bietet dasselbe von Port-Lavaca bis Victoria den Anblick einer unabsehbaren Steppe. Hat man so eben im Golf nur Himmel und Wasser gesehen, so sieht man jetzt nur Himmel und Gras. ES 406 thut deyr Auge wohl, wenn man das anmuthige Städtlein Victoria mit wald- begränzten Anhöhen vor sich erblickt. Ich bemerke hier gelegenheitlich etwas über die Beschaffenheit des Staates Texas, von dem so viel für und wider in Deutschland geredet und geschrieben wird. Texas unterscheidet sich, was den Boden betrifft, wesentlich, je nachdem man den nordöstlichen oder südwestlichen Theil betrachtet. Der Norden und Osten unterscheidet sich wenig von den übrigen südlichen Staaten. Hingegen die Südwest-Seite ist häufig sanddürres Land und leidet oft sehr an Wassermangel. Es kann geschehen, daß es da sechs bis acht Monate mrd noch länger nicht regnet. Der Boden an und für sich ist jedoch durchweg fruchtbar, auch in diesen trockenen Theilen; namentlich was die Haupterzeugnisse, Baumwolle und Welschkorn betrifft. Für beide ist Texas das eigentliche Vaterland. Merkwürdig ist es, daß einige Flüsse auch von der größten jahrelangen Trockenheit nicht beeinflußt werden. Ihre Quellen sprudeln immer gleichmäßig hervor, ja manchmal bei großer Trockenheit noch reichlicher. Glücklich, wer sein Land an diesen Flüssen gelegen hat, und dasselbe mit Cauälen bewässern kann. So ist namentlich der St. Antoniusfluß beschaffen. Was das Klima betrifft, so hat Texas ein beinahe mexikanisches Schön- wetter. Winter und Sommer unterscheiden sich, was die Sonnenhitze selbst betrifft, wenig von einander. Das heißt, wenn kein Nordwind weht, so hat die Sonne immer große Kraft; doch wenn der Nordwind heult, dann kann es auch in zehn Minuten eine solche Veränderung geben, wie Niemand es glauben kann der es nicht erfahren hat. Es kann geschehen, daß ein paar Männer ohne Rock mit einander reden und schwitzen, und auf einmal erhebt sich im Winter ein Nordwind, der bis in das Mark der Gebeine dringt und selbst das Wasser gefrieren macht, und wo Alles beeilt ist, in den Oefen und Kaminen Feuer anzuzünden. Doch wie der Wind nachläßt, tritt sogleich die Wärme an seine Stelle. Man sollte meinen, ein so schneller Wechsel der Temperatur müsse nachteilig auf die Gesundheit einwirken; in der That ist aber das in Texas dennoch nicht der Fall. Texas ist am Golf bis 12 Meilen landeinwärts ein wegen der Pest des gelben Fiebers höchst gefährliches Land. Hingegen im Innern ist Texas das nach Minnesota gesundeste Land, das ich in Amerika angetroffen. Ich fürchtete die drückende Hitze, allein ich fand dieselbe in der That nicht so lästig wie in den nördlichen Staaten, oder wie in New-Orleans und überhaupt in Louisiana. Es weht nämlich durch die zehn warmen Monate beständig die angenehmste Brise vom Golf landeinwärts, so daß beide Winde, der Süd- und Nordwind, kühl und erfrischend wehen. Während in New-Aork an einem heißen Sommertag zehn Todesfälle am Sonnenstich sich ereignen können, ist ein Sonnenstich in Texas unerhört. Doch wehe, wenn die Brise ausbleibt; da schnappt man auch im Innern von Texas nach Luft wie der Fisch nach Wasser; allein es ist selten der Fall- Ich fand auch durchweg, daß die Leute, die in Texas ein paar Jahre gelebt nicht ohne Schrecken an die Winter des Nordens gedenken können. Die göttliche Vorsehung vertheilte das Angenehme und Unangenehme so in der Welt, daß jeder Theil seine Bewohner an sich zu fesseln geeignet ist; sonst würden wohl Alle sich gerade nur an die besten und angenehmsten Stätten drängen, und die Erde würde nicht allgemein bewohnt, sondern nur an gewissen Orten ganz überfüllt sein So anziehend z. B. das Klima von Texas im Vergleich mit den nördlichen Staaten ist, so hat es doch anderseitsso abschreckende Eigenthümlichkeiten, daß Tausende ohne Bedenken ihm jede Strenge des Winters vorziehen. Dieses Abschreckende sind die unzähligen ekelhaften und höchst gefährlichen Jnsecten. Die lästigen Moskitos sind freilich nur am Golf, das Innere von Texas ist von dieser Plage des Nordens frei; aber welch eine Unzahl von schwarzen Spinnen, Seorbionen, Taranteln und besonders von den berüchtigten eoini^eä oder Tausendfüßlern durchwimmelt das Land. Am wenigsten gefähr- lich find aus diesen die Scorpionen. Ihr Biß schmerzt wüthend eine sehr kurze Zeit, dann ist es vorbei. Es gibt Wespen, die ärger stechen. Die schwarzen Spinnen können lebensgefährlich werden. Die Taranteln sind noch weit gefährlicher; am giftigsten aber sind die Lenripeä. Diese colossalen ekelhaften giftig befaßten Würmer erreichen die Länge von 9 bis 16 Zoll. Ihr Biß ist mehr gefürchtet, als der einer Klapperschlange. Sie halten sich in altem oder feuchtem Gemäuer, und in faulem Holze aus. Was die Klapperschlangen betrifft, so kommen selbe selbst in den Städten bis in die Zimmer, wie z. B. nach St. Antonio, wo es jährlich Todesfälle in Folge von solchen Bissen gibt. Es ist Hiebei jedoch zu bemerken, daß jedes dieser giftigen Thiere den Menschen flieht, so lange es kann. Darum thun die Mexicaner nicht schwer mit denselben. Sie lassen solche gewähren, d. h. diese Jnsecten halten sich über den Zimmern unter denMächern auf, und dableiben sie. So wie man sie aber dort verfolgt kriechen sie überall herum und werden um so gefährlicher. Der Deutsche bliebt ein reinliches Haus, und so kommt er nicht selten mit dergleichen Miteinwoh- nern in Conflict. Ich halte es jedoch für etwas außerordentliches, daß trotz der Menge dieser Thiere es doch jo selten vorkömmt, daß Jemand verletzt wird. Es kam mir nicht ein einziger Fall vor, daß ein Deutscher von einem Oemipeä gebissen wurde, und doch sind deren überall zu finden, kriechen manchmal die Kleider hinan oder fallen in der Stube vor dem Gesichte auf den Boden nieder. Ja die Scheu, die anfänglich jeden Einwanderer vor diesem Ungeziefer befällt, verwandelt sich bald in eine wirkliche Verachtung dieser Gefahr. Es gibt Viele, welche das ganze Jahr im Freien schlafen ohne die geringste Angst vor dem nächtlichen Besuch solcher Jnsecten. Wenn somit einer meiner geehrten Leser Lust hat, nach Texas einzuwandern, so darf er sicher sein, die Angst vor dieser Landplage dürfe ihn durchaus nicht zurückhalten. Es bewährt sich da ganz auffallend das Wort des Herrn: Kein Haar werde ohne den Willen Gottes von euerem Haupte fallen. So viel im Vorübergehen von dem Lande selbst. Ich rathe Keinem hin, ich rathe Keinem ab; aber würden die guten Tiroler von Priestern begleitet auswandern, so meinte ich doch, Minnesota und Texas im Inland wäre, weil so gesund, eine weit geeignetere Aösiedlung als Peru. Ich nehme den Faden meines Missionsberichtes wieder auf. In Victoria hatte ich wie in Houston englisch und deutsch zu predigen. Das ist in der That lästig und anstrengend. Ich mußte dabei den Heißhunger des englischen Volkes nach dem Worte Gottes bewundern. Menschen aus den besten Ständen, selbst Advocaten und Prediger, saßen durch eine ganze Stunde da, bis die deutsche Predigt vorüber war, und dann die Reihe an sie kam. Es fing der Methodisten-Sauerteig allda zu gähren an; doch kam die Sache erst nach mir zum Ausbruch. Es reute die Methodisten, daß sie mich so unbeirrt gewähren ließen, besonders da ich zu Victoria, wie auch zu Houston und Galveston Protestanten in den Schooß der katholischen Kirche aufnahm. Ich ging nach St. Antonio ab, um allda zuerst die Charwoche zu feiern, und dann am hl. Ostersonn- tag selbst mit der Mission zu beginnen. In St. Antonio lebt eine große Anzahl Mexicaner. Sie haben eine große Kirche. St. Antonio kann ungefähr 12,000 Einwohner zahlen. Auch die Deutschen sind dort sehr zahlreich. TexaS erhielt einen beträchtlichen Theil der Einwanderer vom Jahre 1848. Ich hätte nie geglaubt, daß diese Stadt es sein sollte, wo das Gewitter der Methodisten- und Radicalen-Verfolgung sich über mich entladen sollte, um mich dann durch ganz Texas zu begleiten. (Fortsetzung folgt. 408 Der Bamu und die Quelle. 6. Clara war von einem Besuche aus der Stadt zurückgekehrt und klagte über die vielen reichen Leute, die da müsfig umhergingen. Woraus schließest du aus den Müsfiggang dieser Leute? — fragte die Mutter. Aus ihrer Berufslosigkeit und der Zwecklosigkeit ihres Daseins. Bei Allen? Ich wüßte keinen Grund zu einer Ausnahme. Frau Ellen ließ das Gespräch fallen. Nachmittags herrschte eine heitere, aber ungewöhnlich heiße Witterung. Die Mutter machte mit der Tochter einen Spaziergang. Sie gingen nicht die besuchte Straße, sondern einen entlegenen Pfad durch Felder und Wiesen. Bald war Clara müde und klagte über brennende Hitze und glühenden Durst. Tröste Dich, mein Kind! Wir finden bald an einem lieblichen Plätzchen Abwehr gegen beide. Und wirklich. Nur noch eine kleine Strecke waren sie gegangen. Da lud sie ein Baum mit weitausstrebenden dichtbelaubten Aesten zur Ruhe, da bot ein Quell köstliches Wasser zur Labung. Erkenne in diesem Baume und in dieser Quelle das Bild vieler scheinbarer reicher Müssiggänger! versetzte die Mutter. Wie? — entgegnete Clara! — Die Reichen der Stadt sind mitten im Weltgetriebe, Baum und Quelle in abgeschiedener Verborgenheit. Gerade dieser Gegensatz verdeutlicht noch mehr die Ähnlichkeit des Bildes. Baum und Quelle würden mehre Wanderer erquicken, lägen sie an der Landstraße, und mancher Reiche vielleicht mehr Gutes stiften mit seinem Ueberflusse, lebte er, der einzige Wohlhabende, auf dem Lande in durstiger Gegend. Dessenungeachtet thun Baum und Quelle, thut mancher Reiche in der Stadt aner- kennenswerthes Gntes. Baum und Quelle würden also Mehrere erfreuen bei der günstigen Lage an der Landstraße? Allerdings, deßgleichen thäte auch mancher Reiche mehr Gutes, wenn er sich an jenen Platz stellte, an welchen ihn sein Talent und die Gelegenheit, dasselbe auszubilden, bestimmt haben. Verbringt er gleichwohl sein Leben in behaglicher Ruhe, verdient er doch insoweit uns're Achtung und nicht lieblose Aburtheilung, als er durch Mildthätigkeit dem allgemeinen Berufe genügt, seinen Mitmenschen Gntes zu thun. Woher aber wissen wir, daß er diesem Berufe genügt? Ich gewahrte an diesen Reichen kein Kennzeichen ihrer Mildthätigkeit. ^Djes wissen wir freilich selten und müssen deßhalb so lange das Gute vermuthen, bis wir vom Gegentheile überzeugt sind. Allein deine Frage erinnert mich an einen zweiten Vergleichungspunkt in unserm bisherigen Bilde. Hättest du wohl die Labsale des Baumes und der Quelle so beachtet, wenn sich beide in einer Wald und wasserreichen Gegend befinden würden? Keines Falles. Halte jetzt an dem äußern Gegensatze fest, welcher sich schon bei unserm ersten Vergleiche ergab! Die Mildthätigkeit des wohlhabenden Mannes nämlich finde umgekehrt größere Beachtung durch ihre Vereinzelnung in dürftiger Gegend, als durch ihre Vereinigung mit der Mildthätigkeit reicher Genossen. In großen Städten wirkt oft die Liebe Gutes im Gewände christlicher Demuth. Redaction un« Verlag: Or. M. Huttler. — Druck von I. M. Klei nie.