AiigZhllM Äililtagslililtt. Hr. LS 23. December 1860. DaS AugSburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Rüg Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährige Abonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann. Beim Herannahen des JahrcS und resp. des I. Quartals oder I Semesters 1861 erlauben wir uns, unsere ergebenste Einladung zur baldigen Bestellung des Rugsburger Sonntags-Blattes (Beiblatt zur AugSburger Post-Zeitung) zu machen, auf daß wir die Auflage bemessen und unsern Titl. Herrn Abonnenten vollständige Exemplare liefern können. Der Abonnements-Preis ist derselbe wie im abgelaufenen Jahre (pro Quartal 20 kr., pro Semester 40 kr). Man abonnirt bei der nächstgelegenen Poststation. Ruch durch den Buchhandel kann der Bezug bewerkstelligt werden. Die Expedition. (Eingesandt.) An PinS IX. Gerüstet mit des Glaubens Schild und Bogen, Des starken Glaubens, der da spielt mit Bergen, Der stolze Niesen nievcrwicsl gleich Zwergen, Und furchtlos schreitet auf deS Meeres Wogen, So kommst Du in den großen Kampf gezogen; Doch nicht Giganten nah'n, noch grimme Fergen, Nein, Pharisäer senden ihre Schergen, Den Geist zu sah'», der himmelan geflogen. Da neigt zu Dir sich ganz deS Heilands Liebe, Daß er den treuen Streiter herrlich lohne, Bekränzt er dich mit seiner Dornenkrone; Schon würfeln frech um Dein Gewand die Diebe Und rasen blind, nicht Dir, nur sich zum Höhne: Du stehst unsterblich groß vor Gottes Throne. K. D. Die Greuelfcenen in Syrien. (Fortsetzung.) Alles dies war aber nur eine Falle. Die Consuln merkten sie nicht, und kehrten voller Vertrauen in die Rechtlichkeit des Pascha nach Beirut zurück. Dieses Vertrauen war so groß, daß der französische Consul dem mächtigsten christlichen Scheik des Gebirges Namens Joseph Kawam, der an der Spitze einer Truppe aus der Umgegend von Tripolis kam, und im Begriffe stand Zahle!) zu Hilfe zu eilen, den förmlichen Befehl zugehen ließ, sich ruhig zu verhalten und nichts zu unternehmen, weil der Pascha alles Nöthige zu tbun übernommen habe. Was war die Folge dieses Vertrauens? Die von dem Pascha angeblich nach Zahlet) gesandten Truppen machten an einer Stelle Halt, wo durch sie alle. Hilfe an Menschen, Lebensmitteln und *'.I "' 17 -' Munition, die der Stadt noch hätte geleistet werden können, abgeschnitten war, und dort blieben sie ohne sich zn rühren. Die Einwohner Zahlchs erwarteten mit Ungeduld die Hilfe Joseph Kawam's, die ihnen angezeigt worden war. Als sie ihn nicht eintreffen sahen, und weder Brod noch Pulver mehr hatten, entschlossen sie sich, die Stadt zn räumen und sich kämpfend durch ihre Feinde nach dem Kesruan durchzuschlagen, Nicht Alle erreichten dieses Land der Rettung: eine große Anzahl blieb auf dem Wege; indessen kann man sagen, daß es der Mehrzahl der Bevölkerung von Zahleh gelang, sich zu retten. Es waren in der Stadt einige Nachzügler, einige Frauen und einige Kinder zurückgeblieben, Leute, welche hofften, nichts für ihr Leben befürchten zu müssen. Alle mußten über die Klinge springen. Zwei Jesuitenväter empfingen zu Zahleh die Martyhrer-Palme: der eine, ein Araber, wurde getödtet in dem Augenblick, wo er auf seine Rettung bedacht war; der andere, ein Franzose, der Pater Billotet wurde im Beichtstühle ermordet, wo er einigen Unglücklichen, die sich zum Tode vorbereiteten, die Absolution gab. Die Drusen des Hauran zeigten vor allen andern eine besondere Wildheit. Die Drusen des Libanon zogen gegen dieselben den Säbel, um aus ihren Händen die französischen Ingenieure zu befreien, die auf dem Wege nach Damakus beschäftigt sind, und die sie ebenfalls morden wollten. Dieses geschah am l8. Juni. Am folgenden Tag wandten die Würger sich in Menge von Zaleh nach Deck- el Kamar. Der türkische Divisions-General Feryk-Pascha war noch mit seinen Soldaten in der Stadt, und zwar unter dem Scheine, die Ausführung des Vertrages zu garantircn, welchen er die Einwohner hatte unterzeichnen lassen. Als die Horden, welche Zaleh genommen hatten, vor Dew el Kamar anlangten ließ Feryk-Pascha die Christen sich versammeln und sagte ihnen, daß sie von einer großen Gefahr bedroht seien; daß sie derselben aber entgehen könnten, wenn sie ihre Waffen ablieferten und sich in das Serail zurückzögen unter dem Schutze der türkischen Ehre. Die Unglücklichen glaubten seinem Worte, lieferten ihre Gewehre ab, und zogen sich so entwaffnet, theils in das Serail, theils in die Kirche und Häuser zurück. Daraus wurden die Stadtthore den Drusen geöffnet, welche, unterstützt von den türkischen Soldaten, die Schlächterei begannen. Alle Häuser wurden mit Gewalt genommen; was aber die Christen betrifft, welche in das Serail geflüchtet waren, so wurden sie mit Stockschlägen und Bayonnet- stichen gezwungen, einer nach dem andern das Serail zu verlassen und sich den Schüssen der Mörder auszusetzen, welche aus sie gerichtet wurden, sobald sie vor der Thüre erschienen. Das Blutbad dauerte vom Morgen bis zum Sonnenuntergang; 2730 Personen verloren dabei das Leben. Ich kann Ihnen diese Zahl verbürgen; sie ist auf authentische Weise durch ein Actenstück beglaubigt, das den verschiedenen Consulaten zugestellt worden ist/') Was nun die Details betrifft, welche erzählt werden von einzelnen Personen, die dem Blutbad haben entrinnen, so wie von Verwundeten, die sich bis Beirut haben schleppen können, so sind sie grausenerregend. An diesem Bluttage bestand der Lieblingsscherz der Drnsen und Türken, darin, die unglücklichen Christen von De>r el Kamar aus dem Kreuze zu ermorden, indem sie ihnen zuriefen: „Warum rettet dich jetzt dein Gott nicht?" Andere sind auf der französischen Flagge mit ähnlichen Worten getödtet worden. Die Schule der Stadt hatte, als Zeichen des Schutzes, die dreifarbige Fahne aufgezogen; sie ist nichts desto weniger verbrannt und die Farben Frankreichs in den Koth getreten worden. Was wird Europa? was wird Frankreich zu diesen Greuelthateu sagen? * * * ___ * *) Als die französischen Truppen nach De'i'r el Kamar kamen, fanden siedaselbst in den Straßen noch 300 unbegrabene Leichen, welche von ihnen bestattet wurden. 4,1 Damascus, den 12. Juli. Dies ist ohne Zweifel mein letzter Brief, und ich schreibe ihn, damit Du, Wenn ich nicht mehr bin, die Verluste beanspruchen kannst, die wir durch Plünderung und Feuer erlitten haben .... Das christliche Quartier besteht nicht mehr, das jüdische Quartier ist zerstört, und das Feuer dehnt sich schon nach dem türkischen aus; der Anfang wurde von den Türken gemacht, später fielen noch vielleicht 50,000 Drusen, Araber, Beduinen u. s. w. über die Stadt her, die überall plündern und brennen, selbst in den muselmännischen Quartieren: die christliche Bevölkerung zu Damascus besteht aus 20,000 Seelen und 5—6000 von jenen, welche in benachbarten Städten und Dörfern dem Blutbad entronnen sind^ in diesem Augenblicke haben sich 4—5000 in die Festung geflüchtet, 1000 in türkische Häuser, die andern sind unter der Axt gefallen oder verbrannt; später, wenn Gott will, daß ich der Gefahr entgehe, werde ich das Nähere mittheilen. Der Emir Abd-el-Kader wird zuletzt angegriffen werden; er hat 3000 entschlossene Algierer um sich, aber das Feuer kann auch ihn zwingen. (Schluß folgt.) Misstonsberichte -es hochw. t?. Franz Xaver Weninger. (Fortsetzung.) Meine Feinde hatten die Sache sehr schlau angelegt. Sie verbreiteten durch Zeitungen, ich zöge durch das Land, um alle katholischen Frauen von ihren protestantischen Männern zu jagen. Das wirkte; denn das allarmirte ^ alle diese Portestanten und gab auch den Radicalen einen erwünschten Anhalts- punet. Sie wußten wohl, daß sie mit den Verleumdungen der Missionen an und für sich nicht durchdringen konnten. Es traf sich nun, daß der reichste und einflußreichste Protestant zu St. Antonio, ein Bierbrauer, eine katholische Frau hatte. Dieser Mann stellte sich wie ein Absalon an die Kirchthür und forderte die Hineingehenden auf, mich zu lynchen, d. h. durch Volksjustiz zu richten. Davon weiß man in Deutschland und überhaupt in Europa nichts mehr, seit den Tagen der Revolution. Hier in St. Antonio ist das kein ungewöhnlicher Fall. Derselbe ereignet sich auch sonst in den Vereinigten Staaten. Wenn das Volk eines großen Verbrechers habhaft wird, so hängt man denselben ohne Weiteres auf. Es geschah schon, daß um St. Antonio herum mehrere Leichen zugleich von den Bäumen hingen. Die Sache wollte jedoch nicht ziehen, bis sich ihm ein Sherif der Stadt selbst anschloß. Er hatte ein Weib, die früher schon drei Männer hatte. Als diese ihm erklärte, sie könne keine Lossprechung erhalten, sondern müsse ihn vorerst verlassen, da brach der Stnrm los. Er kam zu einem katholischen Bürger, zeigte ihm einen Dolch und sagte: Dieser Dolch ist für den Missionär heute Abend bestimmt. Man sagte es mir. Ich predigte den- . selben Abend von der Verehrung des h. Herzens Jesu, und sah eine Menge ganz , ungewöhnlicher Gesichter in der schönen, großen deutschen Kirche, die 30,000 l Thaler gekostet. Ich hatte auch da in zwei Sprachen zu predigen. Man hörte mich mit gespannter Aufmerksamkeit an. Als die Predigt vorüber war, erhob sich ein Gemurmel. Die Verschworenen besprachen sich, was zu thun, und wagten sich nicht an mich. Ich gab den Segen mit dem allerhl. Sacrament und entließ das Volk. Es sollte nun der besondere Standesunterricht der Jünglinge beginnen. Ich bemerkte, daß sich das Volk nicht entfernen wolle. Ich fragte um die Ursache; da hieß es, die ganze Straße sei voll von bewaffneten Protestanten. Der Rädelsführer kam ganz nahe an mich. Ich trug ihm dagegen ganz ruhig einen Platz an. Da wendete er sich um, und sagte ganz entrüstet: Jetzt haben wir ihn doch nicht. Er entfernte sich und ich hielt meinen Stan- 412 des-Unterricht. Man erwartete des Nachts einen Angriff auf das Haus, wo ich bei den Schulbrüdern wohnte. Es geschah jedoch nichts. Des andern Tages hingegen war die ganze Stadt voll Drohgerüchte. Man wolle, koste es was es wolle mich Abends in der Kirche ermorden, oder außer der Kirche aufhängen. Das erfuhren nun auch die Katholiken, und ohne daß ich etwas davon wußte, bewaffneten sich dieselben. Namentlich zeigte sich dabei der französische Charakter in seinem eigenthümlichen Lichte. Es gab Franzosen, die wohl 30 Jahre nicht mehr in die Kirche gingen, Allein als andere zu ihnen kamen und ihnen sagten: ^ujourciliui notre »sinkt! ivligion sora stlsguee — venex pour 1s llekencle-:! (Heute wird unsere h. Religion angegriffen, — kommt, um sie zu vertheidigen) -— da zogen sie sogleich ihr Pistol und gingen mit: Ssn» cloukv, oui — il t'sm I,. lletenäl't! ! (Ohne Zweifel — ja — man muß sie vertheidigen). Als die Rebellen davon Wind bekamen, da kühlte sich ihr Müthchen ab. Die ganze Kirche war gedrängt voll und bewaffnet; auch der Major der Stadt war gegenwärtig. Ich feierte die Erwählung Mariä zur Mutter, und Alles lauschte auf jedes Wort mit Ehrfurcht und Bangen. Es geschah nichts und ich beschloß den andern Tag hochfeierlich die Mission. Hierauf gab ich noch den Ursulinerinnen in französischer Sprache die ltou-siie, und ging nach Castroville. Da lebt eine große Anzahl von Elsäßern und Schweizern. Auch da ge'' lüftete es einem She'rif, das Beispiel von St. Antonio nachzuahmen. Doch mit Elsäßern und Schweizern ist nicht viel zu scherzen. Er gab sein Ansinnen bald wieder aus. Dagegen war die nächste Station eine höchst gefährliche. Es war die letzte, sehr nahe an der Gränze von Mexico gelegen. Der Priester, der mich dahin begleitete, sagte: Ich kenne die Leute; ich gehe nicht dahin, es sei denn, ich habe zuvor eine Generalbeicht abgelegt. Es gab dort ganz wüthende Ra- dieale. Der Ort heißt D'Haunis. Al» wir dort ankamen, da rotteten sich diese Kameraden sogleich der Kirche gegenüber in einem Gasthause zusammen, und fingen zu saufen und zu singen an. Ich hatte die Nacht allein in einer höchst unsaubern von Ungeziefer wimmelnden Sacristei zuzubringen. Das war eine in der That sehr unsichere Nacht, die ich lange nicht vergessen werde. Doch auch hier verzog sich das Drohgewitter. Gott fügte es nämlich hier und an allen folgenden Orten, daß sich jedesmal ein Haupträdelssührer bekehrte, der mich dann beschützte. So hier zu D'Haunis. Als ich allein im Wohnhaus war, das ich nach jener Nacht bewohnte, da kam er zu mir und sagte: Fürchten Sie sich nicht vor mir; ich komme um Ihnen meinen Respect zu beweisen. Man wird Ihnen gesagt haben, ich stünde an der Spitze des Mob, den man gegen Sie angezettelt. Hochwürdiger Herr! ich habe Ihre Predigt gehört, und jetzt solle Einer etwas gegen Sie anfangen, da rechnen Sie nur auf meine Hilfe. — Es trug sich übrigens in D'Haunis ein sehr merkwürdiger Fall zu. Ich pflege nämlich in den Kirchen, wo ich Missionen gebe, wenn das Kreuz sich nicht im Freien ausrichten läßt, in der Kirche selbst ein Kreuz, 12 Fuß hoch, aus Wallnußholz verfertigt, aufzurichten. Jedes dieser Kreuze trägt die Inschrift in Gold: „Wer ausharrt bis ans Ende, wird selig." Da nun in dem kleinen Städtlein D'Haunis kein Vergolder war, so ließ ich das Kreuz zu Castroville verfertigen, und mit der Inschrift in Gold zieren- Man wickelte das Kreuz ein und legte es auf einen Wagen. Mir bangte gleich anfänglich, die Inschrift würde beim Fahren abgerieben und verletzt werden. So war es auch. Als das Kreuz ankam und enthüllt wurde, da war dir Inschrift beinahe unleserlich und ganz weggerieben. Der Pfarrer war trostlos. Doch siehe, was geschieht. Das Kreuz blieb so drei Tage lang in meinem Zimmer stehen. Als die Zeit kam, daß man dasselbe zur Einweihung in die Kirche bringen sollte, siehe, da stand die Inschrift unversehrt in vollem Goldglanze da. Wie der Pfarrer das sah, rief er: das haben 413 Sie gethan! — Freund, wie können Sie so etwas denken, war meine Antwort, ich habe doch kein Gold mitgebracht, und verstehe mich auch nicht darauf. Alles verwunderte sich. Das Kreuz stund die ganze Zeit in meinem Zimmer. Niemand berührte es. Da sagte ich den Leuten: Wisset ihr, Freunde, was dies zu bedeuten hat? Weder mein Predigen, noch eure Vorsätze können uns die Gnade der Beharrlichkeit versichern, sondern sie ist und bleibt eine Gnade. Bitten wir Gott recht oft und inständig um dieselbe vor diesem Kreuze. — Mir war dieser Fall um so trostreicher, weil es die äußerste Station meiner Missionsreisen in dieser Richtung war. Ich ging von D'Haunis nach Friedrichsburg. Diese Stadt liegt säst an dem Territorium der wilden Comanches- Jndianer. Da zog sich wieder gegen mich das Gewitter des Hasses und der Wuth der Radikalen schwarz in den drohendsten Formen zusammen. Eben zur Zeit der Mission sollten auch die Sänger von Texas ihr Sängerfest dort feiern. Was konnte diesen ungelegener kommen, als eben diese Mission? Es fügte, sich, daß die Kirche, wo ich Mission hielt, gerade an dem entgegengesetzten Theil der Stadt gelegen war. Dies war ein sehr erwünschter Umstand. Die Sänger hatten sich ein Gezelt für Musik, Spiel und Tanz aufgeschlagen, und vor der Kirche wurde auch ein Zeltdach aufgespannt, um die Menge der Zuhörer zu beschatten, welche nicht Raum in der Kirche fanden. Die Sänger wagten es nicht, sich dem Stadttheil der deutschen Kirche zu nahen; selbst nicht als sie ihre Proeessions-Umzüge hielten. Man hörte ihr Lärmen nur von ferne, während das andächtige Glöcklein der Kirche die Leute zu den geistlichen Uebungen rief. Das ganze war eine lebhafte Illustration der Meditation von den zwei Fahnen. Indeß, die Sache sollte doch nicht ohne Mobversuch gegen mich ablaufen. Es erhoben sich einige der Haupträdelsführer und beantragten, mich in der Nach: zu besuchen unb aus Friedrichsburg zu verjagen. Dagegen nahm ein Advokat aus St. Antonio das Wort. Wie, sagte er, meine Herren, Sie thun sich so viel auf die Redefreiheit von Amerika zu Gute! wie können Sie einem Priester verwehren, in der Kirche rundweg seine Meinung herauszusagen? Wenn Ihnen seine Predigt nicht zusagt, so bleiben Sie davon. Im Falle Sie sich unterstehen und thun dem Priester Gewalt an, dann meine Herren haben Sie es mit mir zu thun; ich werde ihn vertheidigen. Darauf erwiederten die Haupträdelsführer: Nun denn, wenn es hier nicht geschieht, daß der Missionär gemobt wird, so soll das doch gewiß in Neu-Braunsfeld geschehen. Sie gingen darauf eine Champagner-Wette ein, mich in Braunsfeld zu überfallen. Ich ging dahin ab, und es kostete sehr viel, einen Priester als Begleiter dahin zu bekommen. Jeder fürchtete sich. Die Gemeinde war schon drei Jahre ohne Priester, um so weniger durfte ich dort die Mission unterlassen. Endlich entschloß sich der Generalvicar von St. Antonio mit mir zu gehen. Die Lage der Kirche selbst erleichterte jedes Attentat gegen mich. Die katholischen Bürger sind seit Erbauung derselben größtentheils 5, 6 bis 8 Meilen weg von der Stadt auf das Land gezogen. So war ich mitten unter deu Protestanten. Sie konnten ihre Wette leicht gewinnen. Man warnte mich besonders vor einem Wirthe daselbst. Ich jedoch ging, als ich ankam, gerade zu ihm, und speiste daselbst. Der Mann wurde ganz enthusiastisch für mich und die Mission eingenommen. Als die Mitte der Mission herankam und die Rädelsführer an ihre Champagner-Wette dachten, da sprachen sie ganz offen im Gasthaus von ihrem Plan. Allein der reiche Gastwirth nahm meine Partei und sagte: Meine Herren, ich warne Sie, dem Missionär etwas anzuhaben. Sie sollen wissen, daß ich bereit bin. denselben zu vertheidigen, und koste es mich mein ganzes Vermögen. Sogleich bezahlen Sie den Champagner, nnd wir trinken denselben im Frieden mit einander aus. So geschah es auch. Ich bemerke hier gelcgenheitlich, daß ich in Braunsfeld auch den Trost hatte, zwei Tirolerfamilien zu begrüßen. Graf 414 Coreth wohnt nämlich ein paar Meilen von Braunsfeld entfernt, nnd Herr Carl v. Mayerhofen ungefähr 30 Meilen. Letzterem schrieb ich. Er kam mit seiner Gemahlin, was mich sehr erfreute, und wohnte dem Schluß der Mission bei. Ich begab mich von Braunsfeld nach Austin, der Hauptstadt des Landes. Die Anzahl der Deutschen ist daselbst klein. Ich predigte vorzüglich englisch. Wer sollte es glauben — selbst hier wurde ich bedroht. Man schrieb nämlich ganz absurde und infame Lügen in die deutschen Zeitungen, als hätte mich die Bevölkerung von Castroville, aufgeregt durch meine anstößigen Standespredigtcn, bis St. Antonio verfolgt rc- rc. Von allem war kein Wort wahr. Doch schlechte deutsche Radicale übersetzten diese Berichte ins Englische, und lasen dieselben auf Gassen und Straßen den Amerikanern vor. Indeß, diese konnten mich selbst hören, und somit verzog sich das Ungewitter auch hier. Es erübrigten noch drei deutsche Gemeinden in der Nähe von Friedrichsburg. Auch da war ich in einer dieser Gemeinden in großer Gefahr. Ein Protestant, dessen Frau katholisch war, und die ihm erklärte, daß alle Kinder katholisch erzogen werden müßten, kam in Raserei und sprengte an die Kirche heran. Nachdem er sich um dieselbe herum satt geflucht, wollte er den Mob einleiten. Allein Gott fügte es, daß gerade Der, welchen er zum Leiter des Aufstandes sich erkoren, bereits zur Beichte gekommen war und ihm erklärte, er schieße ihn sogleich nieder, wenn er etwas gegen mich unternähme. So kam ich auch hier unversehrt davon und hatte noch den Trost, in der nächsten Pfarre acht Protestanten in die h. Kirche aufzunehmen, d. h. alle, die in jener Pfarre sich befanden. Ich wohnte bei dieser Mission in einem ganz bethlehemitischen Pfarrhaus, nämlich in einem Pferdestall. Es war dies die einzige Hütte nahe an der im Walde gelegenen Küche. Indeß bietet ein solches Pfarrhaus doch mebr Trost in meinem Beruf, als alle die bequemen Wohnungen, die ich als Missionär in Deutschland bei Missionen bewohnte. Die Bisthnmer Asiens. Asien, der größte Welttheil, die Wiege des Menschengeschlechts, dessen größere Hälfte er allein in sich birgt, die Geburtsstätte des Christenthums, dessen göttlicher Stifter daselbst seine irdische Laufbahn wandelte, hat hinsichtlich der Ausbreitung der christlichen Religion durch Gottes Zulassung ungemeine Rückschritte gemacht. Alle jene blühenden Gemeinden und Bischofssitze, Zeugen der ruhmvollen Wirksamkeit der Väter der Kirche, sie sind zerstört, auf ihren Trümmern Hausen rohe Horden, fanatische Feinde des Christenthums, deren Wuth erst ganz neuerdings Ströme christlichen Blutes geflossen sind. Auch in den weiter gelegenen Ländern dieses ungeheuren Welttheils kämpft Satan mit äußerster Macht für seine Herrschaft, und weicht nur Schritt vor Schritt vor dem von allen Seiten eindringenden Evangelium zurück. Ob aber auch dieses Eindringen bisher nur sehr langsam von Statten gegangen ist, so dürfen wir uns doch ' der Hoffnung hingeben, baß auch für diese im Todesschlaf befangenen Gegenden der Tag des Erwachens nahe sei. Unter 650 Millionen Bewohnern befinden sich im Ganzen annähernd sechs bis höchstens sieben Millionen katholischer Christen (die Anzahl der Protestanten ist kaum nennenswerth), von welchen die größere Hälfte allein auf die Philippinischen Inseln kommen. Sie sind unter 109 Diöcesen vertheilt, von denen 38 allein auf die asiatische Türkei kommen, 25 auf Ehina und seine Nebenlande, 22 auf Ostindien, 8 auf Anam, 4 auf die Philippinen, 3 auf Persten, auf Japan, Siam, Java, Borneo je 1. Die der Zahl der Gläubigen nach größten Diöcesen befinden sich begreiflicher Weise auf den Philippinen, wo 3Vr Million Gläubige in vier Diözesen vertheilt sind, so daß fast auf jede eine Million Seelen kommen. Alle andern sind bedeutend kleiner bis zu vier, die sogar weniger als tausend (1000) Gläubige zählen; es sind dies Sero im griechischen Archipelagus mit 500, Zer (Tprus) in Syrien mit 700, Diarbekir und Kaisanich in Kleinasien, letzteres gar nur mit 250 Seelen, Armeniern, die erst neuerdings zur Kirche zurückgetreten sind. Die Zahl der Säcularpriester beträgt aber 6500, von denen 3000 auf die Philippinen kommen, 1900 auf die asiatische Türkei (darunter 1200 maronitische, 300 lateinische, 200 malchitische, 100 armenische, 100 syrische), 1000 auf Vorder-Jndien, 300 auf Anam, 200 auf China, die übrigen in geringerer Zahl zerstreut über den ganzen Erdtheil wirkend. — Von männlichen Ordensvereinigungen sind 19 in 188 Häusern vertreten, von denen die größte Anzahl (127) auf die asiatische Türkei kommt, während sich auf den Philippinen 30, in Ostindien 16 Niederlassungen befinden. Am zahlreichsten sind die Maroniten in 60 Häusern (1500 Mitglieder), die Franziskaner in 37, die Kapuziner in 20, die Lazaristen in 17, die Jesuiten in 14 Häusern; alle übrigen sind in geringerer Anzahl vertreten. Die Zahl sämmtlicher Ordensmitglieder ist unermittelt. — Von weiblicher Congregation finden wir 13 in 63 Häusern verzeichnet, von denen 35 auf die asiatische Türkei, 11 auf Ostindien, die übrigen in geringerer Zahl verstreut. Am zahlreichsten unter ihnen sind die Maronitinnen, 14 mit 400 Mitgliedern, die barmherzigen Schwestern in 12, die Josephsschwestern in 10 Häusern; außer ihnen finden sich die Schwestern vom guten Hirten (in 2 Häusern), Englischer Fräulein (2), Lorettinerinnen (3), Congregation der Heimsuchung Maria (3), Töchter von Sion (2), die Schwestern von Nazareth in Palästina, Morizschwestern (in China), Damen vom hl. Mauros (in Hinter-Jndien), Jgnatiusschwestern und Carmeliter Ordens- srauen in einer Niederlassung. Die Zahl der Mitglieder ist ebenfalls nicht ermittelt. (Schluß folgt.) Die letzten Lebensmomente Sr. Ein. des Cardinals Btale-Prela, Erzbischofs von Bologna. ß Gegen das Ende deS Monats Februar hat sich der Cardinal bei der allzu rauhen Jahreszeit ein Brnstleiden zugezogen, das er bei der Erfüllung seiner Berufspflichten nicht beachtete, und dessen Hebung er in seinem Eifer nicht die Aufmerksamkeit widmete, die es erheischte. Das Leiden steigerte sich mit jedem Tage; aber er unterließ nicht, mit Wärme sich allem Dem zuzuwenden, was sein beschwerliches Amt ihm auflegte. Im April hatte das Leiden solche Fortschritte gemacht, daß man an seiner Rettung verzweifelte; aber durch seine Geisteskraft und seine Seelenstärke mochte er an eine Besserung mit dem Eintritte der bessern Jahreszeit und mit einer Luftveränderung glauben. Eitle Hoffnung! die Landlnft war ihm nicht zuträglich, sondern vielleicht sogar schädlich. Die Symptome mehrten sich und schwächten seine Kraft, aber nicht seinen Muth, obgleich die damaligen Verhältnisse ihm daS Herz sehr verbitterten. Nach einigen Tagen Aufenthalt war er zur Rückkehr nach Bologna genöthigt, und kam daselbst viel gebrechlicher und schwächer am 8. Mai des Abends an. Am folgenden Tage verließ er daS Bett und blieb den ganzen Tag hindurch auf. Durch die Bitten derer, die ihn besuchten, ließ er sich am folgenden Tage bestimmen, im Bette zu bleiben, und gegen Abend sowie während der Nacht stellte sich ein heftiges Fieber ein, das ihm die Besinnung raubte. Am 11. kehrte diese zwar wieder zurück, aber die Kräfte schwanden immer mehr. Am Sonntage den 13. empfing er die hl. Wegzehrung und richtete an den Klerus und au die vielen Bologneser, welche bei der hl. Handlung anwesend waren, folgende Worte: „Bevor ich von meinem innigstgeliebten Volke scheide, will l '-s ich, daß es durch mich Zeugniß erhalte von dem Glauben, der Frömmigkeit und Nächstenliebe, welche ich zu meinem großen Troste iu seiner Mitte habe blühen sehen. Dann will ich, baß mau wisse und kenne die besondere Liebe zu meinem Klerus, hauptsächlich zu meinem Capitel und der gesammten Pfarrgeistlichkeit, die sich durch Eifer und ein musterhaftes Leben so sehr auszeichnet, und die meine Hilfe und Stütze gewesen. Ich bitte dann Alle, immer mehr zu wachsen iu der religiösen Gesinnung, welche Bologna so sehr auszeichnet, und unerschütterlich festzustehen iu der Vereinigung mit dem Mittelpuncte der Einheit, der Säule der Wahrheit, dem Stuhle des hl. Petrus, dem römischen Papste. Ich habe mein Leben zum Opfer gebracht für mein Volk; und wenn der Herr mich gnädig in den Himmel aufnimmt, so werde ich vollenden das Werk, au dessen Ausführung mich die Kürze des Lebens und die Ungunst der Zeitverhältnisse auf Erden gehindert." Thränen iraten in die Augen aller Anwesenden, und das zahllose Volk, welches den Hofraum des. erzbischöflichen Palastes anfüllte, stimmte ein iu die Klagen deS Klerus, der das allerheiligste Altarssacrameut begleitete. Er segnete alle seine Diener, seine Freunde und Anwesenden, die um das Bett herum knieten. Da er ihre Thränen bemerkte, so sagte er mit heiterer nnd lächelnder Miene, daß sie ja keine Ursache haben sich zu betrüben, sondern daß sie sich vielmehr freuen sollten, weil Christus der Herr sein Flehen erhört und seine Wünsche, sich zum Besten seines Volkes zum Opfer zu bringen, erfüllt habe. Diesen nnd den folgenden Tag brachte er in beständiger Betrachtung nnd im Gebete zu, soweit eS sein schweres Leiden ermöglichte. Das, was ihn bedrohte, erfnhr er zwar nicht mehr, wohl aber sah er noch die Gefangeuuehmung seines GeneralvicarS, des Monsignor Ratta, die in demselben Augenblicke stattfand, in dem er ihm die hl. Wegzehrung reichen sollte. Auch seine Verhaftung würde erfolg! sein, wenn fein Zustand die Trausporiirung in den Kerker erlaub! hätte. Gegen die Nacht vom 14. auf den 15. war der Schmerz sehr groß; er war auf das Höchste gestiegen; zu den Personen, welche knieend für ihn beteten, sprach er, sie möchten lauter beten, weil er noch mit ihnen beten wollte. Es war schon Mitternacht, wenige Augenblicke nur mehr in seinem Lebe, da verlangte er eines seiner Gebetbücher, mit dem Titel „Das Licht nnd die Liebe der Welt" Luzern 1833 und las das in demselben enthaltene Gebet bei der vierzehnten Kreuzwegsstatiou. Als er eS gelesen, bat er die Umstehenden, daß sie drei Vaterunser und Ave zn Ehren deS heiligen Michael beten möchten, und entschlief dann im Frieden deS Herrn. Wer seinem Glauben nicht treu ist, der ist auch seinem Könige nicht treu. Der Kaiser Constantius Chlorus stellte sich, als wolle er nach seiner Vorgänger Sitte die Christen aufs Neue verfolgen und sie zwingen, den Götzen zu opfern. Er drohete seinen Hofdienern mit Lein Verluste ihrer Güter und Ehren- stellen, wofern sie nicht an dem Götzendienste Theil nehmen wollen. Mehrere gaben alsbald ihre Bereitwilligkeit kund, dem Willen des Kaisers nachzukommen; Andere standen fest wie Eisen in ihrem Glauben und erklärten offen heraus, sie würden um keinen Preis von demselben ablassen. Die Letzteren behielt Constantius in seinem Dienste, die Ersteren verabschiedete er alle insgesammt. Recht so! Wer seiner Religion und seiner Kirche Treue und Gehorsam beweiset, der wird sich als der beste Unterthan und der zuversichtlichste Freund bewähren. Redaction und Verlag: Dr. M. Huitlcr. — Druck von I. M. Älcinlc.