2 15. Jan. 1897. Ein sociales Wirken in der Stille der Familie. Monsiguor Joseph Weis, er Gründer und Vater der Marien-Anstalt in München und Warenberg. 3. 8. Die neuere Natnrwissenschaft kommt immer mehr zur vollen Erkenntniß des Princips der Einfach heit, welches ehedem Galilei mit so großem Erfolg verwerthet hat. Die großen Revolutionen der Erdoberfläche sind in unseren Tagen auf die einfachsten Erscheinungen, das Gesetz der Schwere und das Gesetz der Temperatur-veränderung, reducirt worden. Vielleicht kommt unsere Wissenschaft von den Revolutionen des socialen Körpers auch einmal zu dem Verständnisse dessen, was Euler das Princip der kleinsten Aktion in der Mathematik genannt hat, oder was bei Matthäus 13, 33 zu lesen ist: „Gleich ist das Reich Gottes dem Sauerteig, den ein Weib nimmt und in drei Maße Mehl mischt, bis das Ganze durchsäuert ist." Wer etwa während eines Menschenalters Gelegenheit hatte, das stille Wirken des am 13. November 1895 dahingegangenen Geistlichen Rathes Weis zu beobachten, dem wird es kaum schwer werden, zu sagen, daß dieses Gesetz der Einfachheit die Lebensmaxime des Mannes war, der in stiller Zurückgezogenheit bis in die letzten Tage seines Lebens eine geradezu erstaunenswerthe Arbeitskraft war in aller Stille, im Kreise der Seinen. Wenn wohl auch dem Fernestehenden schon die äußere Erscheinung, die imponirende Gestalt, welche ein nicht geringes Maß von Energie bekundete, mit welcher jedoch Güte und Milde gepaart waren, auffallen mußte: seiner Umgebung war er noch viel mehr, er war allen seinen Kindern gegenüber die Liebe selbst. Seinen Freunden war er der treueste Freund, liebenswürdig, Niemand verletzend, heiter nach harten: Tagewerk. Nicht selten war seine Unterhaltung voll Humor, kleinen Schwächen Anderer gegenüber besaß er die seltene Gabe liebenswürdiger Schalkhaftigkeit. Bis in die letzten Tage seines Lebens gab er täglich fünf bis sechs Stunden Unterricht, nicht etwa bloß in der Religion, sondern auch in andern Gegenständen. Er unterrichtete die Schwestern und Kinder in Gesang und Musik, in den Gegenständen der Haushaltung, ja oft in den gewöhnlichen täglichen Arbeiten. Dazu hatte er als geistlicher Leiter der Anstalt den täglichen Gottesdienst, die Spendnng der Sakramente, den Beichtstuhl für die Kinder und Schwestern zu versehen. Jeden Sonntag hielt er noch abwechslungsweise besondere Vortrüge. Dabei fand er aber noch hinlänglich Zeit, die Arbeit der Hand in vielseitigster Weise zu verbinden mit der Arbeit des Kopfes. Beide Arten wechselten gegenseitig ab, die Arbeit der Hand war für ihn Erholung. Schon die ausgedehnten Gärten in der Anstalt München gaben ihm volle Gelegenheit, seine Kenntnisse als Pomologe und Gärtner zu verwerthen. Er verstand es, die feinsten Obstarten und besten Gemüse zu produciren. Erst aber, als er das in der Nähe von München gelegene Gut Warenberg mit einem Komplex von nahezu dreihundert Tagwerken erworben hatte, also in dem letzten Decenuium seines Lebens —, ein Gut, das nebenbei fast gänzlich vernachlässigt, dessen Gebäude und Inventar in trostlosem Zustande waren, — da entfaltete sich die ganze vielseitige Thätigkeit des Mannes auch als Leiter eines Oekonomie-Anwesens. Ueber 500 Bäume hat er in dem Garten selbst gesetzt. Der Zweck der Erwerbung desselben war zunächst, sich für eine tägliche Tischgenossenschaft von etwa dreihundert Personen, Schwestern, Pensionären, Kindern — die täglich kommenden und gehenden Dienstmädchen nicht gerechnet — die nothwendigsten Nahrungsmittel, Brod, Milch, Fleisch, Gemüse, zu verschaffen. Dazu kam noch — die Absicht, in Warenberg eine Filiale der Maricnanstalt München zu errichten, nämlich eine Haushaltungsschule für die Töchter der Landwirthe. Dieselbe wurde errichtet und von etwa 50 Mädchen besucht, sobald die Gebäude in Stand gesetzt waren. Welche Erfahrungen, welche Enttäuschungen mußte der gute Vater Weis machen, bis er die Gebäude der Anstalt in München, wie sie jetzt sind, zu Stande brachte — welche Sorgen und Mühen kostete das! Kaum war der Neubau der Maricnanstalt München zu Ende, begann der Umbau und Neubau in dem neu erworbenen Warenberg. Dort mußten Pferde, Kühe, Ochsen, Wagen, Pflüge gekauft, die Wirthschaft neu or- ganisirt, die vernachlässigten Gründe verbessert werden. Schon jetzt ist das Gut als Muster-wirthschaft zu bezeichnen. Und heute ist in München und in Warenberg nur Eine Klage der leitenden Organe: nämlich die, daß sie keinen Platz mehr für so viele arme Kinder und Dienstmädchen haben, obwohl täglich sechzig bis siebzig der letzteren ihre Unterkunft und Nahrung im Hanse vorübergehend haben; darunter viele, die von der Heimath kaum ein Paar Strümpfe, ein Hemd, vielleicht einige Mark — als ganze Habe mitbringen. Solcher armer Geschöpfe, welche hier ein Heim gefunden seit Vater Weis die Anstalt gegründet, sind etwa 70,000. Wenn man bedenkt, welche Gefahren einem armen Landmädchen drohen, das unerfahren wenn nicht der Verführung, so doch der Ausbeutung, der Schädigung der Gesundheit der Seele und des Leibes entgegengeht: so wird die sociale Wirksamkeit der Anstalt nach dieses Seite hin vielleicht nicht zu gering taxirt werden. Wenn man dazu oft die ganz eigenartige Hilflosigkeit rechnet, die Nachwehen einer vernachlässigten häuslichen Erziehung, manchmal sogar eine Art naiver Wider- borstigkeit, welche in der unbedingt nothwendigen Hausordnung einen Eingriff in die persönliche Freiheit sieht, von schlimmeren Dingen nicht zu reden, welche die Vorsteherin sogar nöthigen, die Polizei in Anspruch zu nehmen: so wird mau die Arbeit und Geduld der Schwestern verstehen. Dieses tägliche Kommen und Gehen, Sichan- und -abmelden, sich den betreffenden Hausmüttern — doch um modern zu sprechen — den Damen vorstellen lassen usw., von Morgen früh bis spät Abend. Dazu in jüngster Zeit die nicht selten telephonischen und telegraphischen Anfragen; von der brieflichen Correspondenz gar nicht zu reden. All das verlangt ganz selten beanlagte Naturen, die nicht ermüden, nicht ungeduldig, nicht zaghaft werden, um diesen Dienst von Morgen früh bis spät Abends zu thun, und — freudig zu thun. Dazu kommt noch die Eigenart — oder manchmal Unart — der Herrschaften, welche Dienstmädchen suchen, die Anstalt für alles Mögliche und Unmögliche haftbar machen, nicht selten selbst' Unmögliches von den armen Geschöpfen verlangen. Selbstverständlich fehlt es da nicht au Enttäusch- 10 «stgen, an Klagen, an Vorwürfen von Seite der Damenwelt, nicht bloß gegen die empfohlenen Mädchen, sondern gegen die empfehlenden Schwestern, gegen die Anstalt selbst. Wenn wir nun erwägen, wie so manche moderne Damen alle möglichen guten Eigenschaften besitzen, nur die eine einer guten Hausfrau nicht — so können wir ungefähr ahnen, wie die leitenden Schwestern täglich einen eigenartigen Kampf um's Dasein führen. Und doch — leidenschaftliche Auftritte sind höchstens auf Seite der Damenwelt. Die Schwestern selbst sind dabei stets freundlich, artig, erwidern die oft ungegründeten Angriffe, reduciren die übertriebenen Anforderungen auf das Mögliche. Gewöhnlich genügen drei Schwestern, um die ganze Last des Bureau's zu versehen, die Bücher zu besorgen, die Korrespondenzen zu pfl gen. Im Hintergründe steht die leitende, liebevoll gebietende, immer gleiche, freundliche Schwester Sophie — die Oberin der ganzen Anstalt, die nur eine Klage hat, — nicht die Klage über Undank, Müdigkeit, Unverstand, Hochnäsigkeit — nein — die Klage, daß sie nicht mehr zu leisten vermag, daß der Raum der Anstalt zu klein ist für die sich stets steigernde große Nachfrage. Nach München kommen jährlich Tausende dienstsnchender Geschöpfe. All das vollzieht sich stille in dem Erdgeschoß der Anstalt. In den oberen Etagen sind die Arbeitsschulen, die Arbeitsstätten, in denen unter der Leitung gewiegter Kräfte, technisch vorzüglich gebildeter Schwestern, alle möglichen weiblichen Näharbeiten, von der gewöhnlichsten bis zur feinsten, ausgeführt werden. Hier lernen nicht bloß die der Anstalt angehörigen internen Mädchen, sondern ebenso externe so viel, daß sie ihren Lebensunterhalt zu verdienen vermögen. Und Jahre lang war von all dem der leitende, führende Geist der geistliche Vater Weis. Bei ihm fanden die Schwestern stets Rath und Hilfe. Wenn es Schwierigkeiten und Hindernisse gab — sie kamen zu ihm. Er fand, freilich oft nach harten Mühen, immer wieder einen Ausweg. Wie viele Mütter, wie viele Väter kamen zu ihm, oft ohne einen Pfennig Geld, und baten ihn, ihr Kind in die Anstalt aufzunehmen! Wie viele Waisenkinder haben hier Vater und Mutter gefunden! Und wie viele Demüthigungen mußte der Dahingegangene erfahren bei Solchen, welche kein Verständniß für sein Wirken, für seine Ideen hatten, deren Hilfe oder deren Wohlwollen und Geneigtheit aber die Anstalt nothwendig bedurfte. In späteren Zeiten äußerte er sich über manche seiner mißlungenen Versuche, über manche Enttäuschungen oft humoristisch. Als einmal zu unseren Füßen eine Ameise vergeblich ein Stückchen Holz bald von dieser, bald von jener Seite packte, bis es ihr endlich gelang, die große Last zu bewegen, lachte der treffliche Mann herzlich — er hatte einen scharfen Sinn für Naturbeobachtung — und sagte: Gerade so ist mir's auch oft gegangen. Er mußte, wie so mancher Andere, bei seinen vielseitigen Unternehmungen, Bauten, Käufen usw. die Erfahrung machen, daß er von den Geschäftsleuten übel berathen und ungeschickt bedient oder geschädigt wurde in manchen Dingen, die er, auf fremden Rath sich verlassend, ausführte. Wie kam ihm da die Vielseitigkeit seiner Kenntnisse, sein praktischer, schnell das Rechte findender Sinn, namentlich seine Meuschenkenntniß zu statten! Wie oft dankte er seinem Vater, der als Lehrer auf i>em Lande eine Art Factotum der Bildung für seine Kinder sein mußte, in seinen späteren Lebensjahren, indem er dessen Maxime billigte: man kann nie zu viel lernen! Fast volle 40 Jahre war der sei. Weis Führer und Leiter, Stecken und Stab der Marien-Anstalt. Der Gründungstag war der 12. Oktober 1856. Geboren ist Joseph Weis den 8. Januar 181? als Sohn des Lehrers Weis in Waldeck in der Oberpfalz, Diöcese Negensburg. Er absolvirte das Gymnasium in Bayreuth, das Lyceum in Amberg, wurde den 15. Juli 1843 vom Bischof Valentin von Niedel in Negensburg zum Priester geweiht, versah seine ersten Seelsorgsposten in Ober- viechtach, Weiden, Tirschenreuth, Pressath, Neustadt a. d. W.-N. Als im Jahre 1846 sein Vater gestorben war, mußte der junge Priester die Sorge für seine Mutter und sieben kleinere Gcschwisterte übernehmen. Im Jahre 1853 wurde er Prediger an der Heil. Geistkirche in München, diese versah er bis 1865. Außerdem wurde er Religionslehrer an der damaligen Kreis-Gewerbeschule, eine Stelle, die er 25 Jahre mit voller Aufopferung versah. Ferner wirkte er Jahre lang in gleicher Eigenschaft an der Schule des kathol. Gesellenvereins. Dazu kam noch eine angestrengte Thätigkeit als Privatlehrer, um die Mittel für die Seinigen zu erwerben. (Schluß folgt.) Zur Geld- und Kreditwirthschaft im 16 . Jahrhundert. Von Dr. Franz Schweyer. Man braucht kein Anhänger der sogen, materialistischen Geschichtsauffassung zu sein, wenn man behauptet, daß die ökonomischen Verhältnisse einer Zeit, einer Nation einen weitgehenden Einfluß auf die allgemeine Entwickelung, insbesondere auch auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse, ausüben, und daß thatsächlich dieser Einfluß ein weit größerer ist, als gemeiniglich angenommen wird. Je mehr die Forschung aus dem Gebiete der Wirthschaftsgeschichte fortschreitet und uns über die Zustände einer früheren Wirthschaftsepoche aufklärt, je mehr wir wahrnehmen, daß hinter den Erscheinungen des politischen Lebens und den Ereignissen der Weltgeschichte als Triebfeder neben einer Reihe anderweitiger Faktoren insbesondere auch ökonomische Verhältnisse wirken, desto mehr wird die aufgestellte Behauptung allmählig zu einer unumstößlichen Thatsache, und desto mehr wird deßbalb die Wirthschaftsgeschichte au Ansehen und Bedeutung gewinnen. Neuerdings liegt ein Werk vor uns, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die wirthschaftlicheu Vcrbältuisse einer vergangenen Zeit nach einer ganz bestimmten Richtung hin eingehend zu untersuchen, die Ergebnisse der Untersuchung längst als feststehend anerkannten Thatsachen der Geschichte gegenüberzustellen und gar vielfach eine Wechselbeziehung derart darzuthun, daß erstere als Ursache oder wenigstens Mitursache, letztere als Wirkung erscheinen müssen. Es ist das vor nicht langer Zeit erschienene Werk des I)r. Richard Ehrenberg über das Zeitalter der Fugger.') 0 Ehrenberg (Nich.), Das Zeitalter der Fugger. Geldkapital und Krcditverkehr im 16. Jahrhundert. Bd. 1: Die Geldmächte des 16. Jahrhunderts. Jena, Fischer. 1896. 8". M. 8. 11 Der Mensch mit seinem schwachen Erkenntuißver- m'ögen und seinem angeborenen Hang am Nächstliegenden, an der Gegenwart, hat nur zu rasch und zu leicht das Verständniß für frühere Verhältnisse verloren und ist nur zu sehr geneigt, die Vergangenheit mit dem Maßstabe der Gegenwart zu messen. Eine schwierige Aufgabe bleibt es darum für den Forscher, nicht bloß einzelne Thatsachen, sondern längst vergangene Zustände, nicht mehr gekannte Begriffe und Einrichtungen dem Verständnisse näher zu bringen. Je mehr es ihm dann gelingt, ein bereits zerrissenes Bild aus einzelnen Ueberresten wieder zu reconstrniren, in desto vollkommenerer Weise hat er seine Aufgabe erfüllt, und desto sicherer wird sein Werk auch verstanden und anerkannt werden. Der Verfasser hat nun mit staunenswerthem Eifer eine Fülle von Material, das zerstreut und oft nur wenig beachtet — weil in seinem Werthe nicht verstanden — in einzelnen Archiven sich vorfand, gesammelt, gesichtet und aus demselben ein stattliches Gebäude aufgeführt. Wenn wir trotzdem bedauern, daß einzelne Lücken in dem Ganzen sich finden, so liegt die Schuld an der unvollkommenen Ueberlieferung, nicht an der Person des Verfassers. Er hat ein vielseitiges Material der Vergessenheit, zum Theil auch dem Untergänge entrissen. Zu letzterer Annähme berechtigt wohl der Zustand, in dem er einzelnes Akten- matcrial vorfand. Dieser war vielfach ein solcher, daß man ersehen konnte, wie wenig Bedeutung bisher den ökonomischen Verhältnissen beigemessen wurde. Der Verfasser hat dem historischen Werthe des Materials zu der gebührenden Anerkennung verhelfen und sich damit ein großes Verdienst erworben. Wenn man das vorliegende Werk liest, so wird man unwillkürlich von dem Eindrucke festgenommen, als ob in den Ereignissen der Weltgeschichte, die wir theils als ein nationales Geschick bedauern, theils als ein Glück preisen, gar manchmal weniger die Wirkung idealer Momente, als vielmehr materieller Faktoren, insbesondere ökonomischer Verhältnisse, zu erblicken sei. Gar manche Ereignisse erscheinen in einem Bilde, das ebenso klar und verständlich zu uns spricht, als es andrerseits unerfreulich wirkt, je mehr man sich mit dem Zusammenhange der mitwirkenden wirthfchaftlichen Coöffizientcn vertraut macht. Demgegenüber darf man indessen die Art, die Anlage und den Zweck des Werkes nicht aus dem Auge verlieren. Man darf nicht vergessen, daß der Verfasser es sich zur Aufgabe gesetzt hat, gerade ökonomische Verhältnisse uns zu schildern, und daß deßhalb bei der dabei nothwendigen Betonung derselben die anderweitigen in der Geschichte wirkenden Ursachen einer besonderen Hervorhebung nicht bedurften und auch naturgemäß nicht finden konnten. So beurtheilt, ist das Werk nicht eine Stütze der materialistischen Geschichtsauffassung, wenn anderseits auch zu befürchten steht, daß dasselbe vielleicht als eine solche mißbraucht werden könnte, sondern vielmehr ein sprechender Beweis für die Nothwendigkeit und Dankbarkeit einer Verwendung und Verwerthung wirthschaftsgeschichtlichen Materials bei der Geschichtschreibung. Wenn wir auf eine kurze Schilderung des allgemeinen Inhalts des ersten Theiles des Werkes, welcher ein selbstständiges Ganzes bildet, eingehen sollen und dabei von den Details, die der Verfasser bei Schilderung der einzelnen Geldmächte vorführt, absehen, dieselben vielmehr als Bestätigung der allgemeinen Ergebnisse betrachten und nur einzelne selbstständige Bemerkungen hinzufügen, so entrollt sich uns folgendes Bild von der Geld- und Kreditwirthschaft des 16. Jahrhunderts. Die Zeit, in welche wir uns zu versetzen haben, ist eine Zeit- welche den Anfang einer neuen Epoche in der Geschichte nicht nur in politischer, sondern auch in wirth- schaftlicher Beziehung bedeutet. Um die Wende des 15. Jahrhunderts trifft eine Reihe von Ereignissen zusammen, die auch eine Umwälzung auf wirthschaftlichem Gebiete zur nothwendigen Folge haben mußten: wir erinnern nur an die Entdeckung Amerika's, an die des Seewegs nach Ostindien, an die vollkommene innere Umgestaltung des Heer- und Kriegswesens, an die Entdeckung scheinbar unerschöpflicher Schätze edlen Metalls in den Ländern der neuen Welt, welche eine allgemeine Preisrevolution im Gefolge hatte. Bisher hatte die Naturalwirthschaft die unumschränkte Herrschaft besessen, nunmehr beginnt die Zeit des allmähligen Eindringens der Geldwirthschaft. Zwar wurde dem Grundbesitze bereits früher durch das Aufblühen der Städte seine ausschließliche Bedeutung benommen, indem der bewegliche Besitz zu immer höherem Ansehen kam, allein die Herrschaft der Naturalwirthschaft war damit noch keineswegs gebrochen. Dieser Bruch wurde erst eingeleitet und weitergeführt mit dem Aufkommen der Geld- wirthschaft, mit der allmähligen Loslösung des Werthes von Grund und Boden und dessen Früchten, mit der Anerkennung einer selbstständigen Bedeutung des beweglichen Besitzes und des Geldkapitals. Der Landbesitz ist nunmehr nicht mehr die einzige Art des Vermögens, daher auch nicht mehr die einzige Art der Entlohnung von Diensten. Die alte Feudalverfassung muß einer neuen Organisation der Verwaltung weichen, die nicht mehr auf dem Besitze von Grund und Boden und der Erblichkeit des Amtes, sondern mehr und mehr auf persönlicher Tüchtigkeit des Beamten und freier Anstellung beruhte. Dazu kam nun die Entwickelung des Geldwesens. Enorme Quantitäten edlen Metalls wurden aus der neuen Welt nach Europa gebracht, und in Folge dessen erfuhr der Baargeldschatz eine ungeheure Steigerung. Der Geldwerth begann zu sinken, die Preise stiegen; die Macht des Geldes stieg indeß gleichfalls. Die wunderbare Kraft des Goldes fand immer mehr Bewunderung, und ein wahres Goldfieber bemächtigte sich der ganzen damaligen Welt. Es ist, als ob die ganze Entwickelung der Geschichte sich in Gegensätzen nach den Gesetzen deS Pendels bewegen sollte, so fiel man von einem Extrem ins andere; früher nur Grund und Boden, jetzt nur mehr Geld. Das Geld wird sprichwörtlich zum norvus rarum §sron6aruin, zu einer Macht. Was Wunder» wenn damals die ganze Politik sich in dem Bestreben erschöpfte, möglichst viel Geld ins Land zu bekommen, denn das bedeutete möglichst viel Macht. So hat diese Entwickelung ein eigenes wirthschaftliches System hervorgebracht, das sogenannte Merkantilsystem, dessen Haupicharatteristicuin in einer besonderen Werthschätz- ung des Handels und geradezu in einer Ueber- fchähung des Geldes beruht. Die Macht des Geldes trat in den Erfolgen nun zunächst in die Erscheinung im Kriegswesen. Wie bereits hervorgehoben wurde, hatte das Kriegswesen eine vollständige Aenderung erfahren. An die Stelle der bisherigen Heeresverfassung trat die Einrichtung der stehenden Heere, die einen ungeheuren Aufwand von Geld erforderten. Der Krieg stand im 16. Jahrhundert so zu sagen auf der Tagesordnung; denn nur 25 Jahre im 12 ganzen Jahrhundert werden gezählt, in denen nicht größere Kriegsoperationen stattfanden. Und in diesen Kriegen, unter denen die Karls V. gegen Franz I. von Frankreich eine besonders wichtige Rolle einnehmen, lag die Entscheidung vielfach geradezu in der Summe der verfügbaren Mittel. Mehr als einmal sehen wir Karl V. seinem Verderben nahe und noch zu rechter Zeit wird er immer wieder aus seiner Lage befreit. Und fragen wir: wodurch? so ist die Antwort: durch das Geld; durch Eröffnung eines neuen Kredites, womit er sich die nöthigen Truppen verschaffen konnte. Am deutlichsten kommt indeß die Macht des Geldes zum Ausdrnct bei der Kaiserwahl Karls V. Hier hat bekanntlich das Geld eine außerordentliche, um nicht zu sagen widerliche Rolle gespielt. Die Bedeutung Franz' I. in seiner Eigenschaft als Rivale bei der Kaiserwahl beruhte vorzugsweise in den reichen Geldmitteln, über die er verfügte; die Wahlfrage war geradezu eine Geldfrage; die Kurfürsten gaben ihre Stimme nur gegen enorme Zahlungsversprechen, für deren Erfüllung zugleich die beste Sicherheit geboten werden mußte. Die Wahl zum Kaiser kostete Karl V. nahezu 1,0 0 0,0 0 0 fl., eine ungeheure Summe, wenn man den damaligen Werth des Geldes im Auge behält. Ein weiterer Punkt, der ungeheure Geldmittel erforderte, war die allmählige Umwandlung des mittelalterlichen Feudalstaates in einen Beamten st aat. Das Mittelalter hatte nach der ganzen Natur seiner Wirth- fchaftsverfassung lediglich Grundeigenthnm als Zahlungsmittel für öffentliche wie für private Dienstleistungen gekannt; die Neuorganisation der Verwaltung machte ungeheure Geldmittel nothwendig. Dazu kam, daß die Staatsthätigkeit allmählig bedeutend an Umfang gewann und deßhalb auch das Geld- bedürfniß entsprechend zunahm. Wir finden somit, daß die ganze Entwickelung zu einer immer steigenden Bedeutung der Macht des Geldes führte uist> daß bereits in der Zeit, welche wir uns vorzustellen haben, das Geldbedürfniß der Fürsten einen hohen Grad erreicht hatte. Demgegenüber taucht von selbst die Frage auf, wie diesem Bedürfnisse genügt wurde? Um diese Frage gebührend würdigen zu können, muß man die ganze staatsrechtliche Stellung eines Fürsten dieser Zeit und dessen Finanz wirthschaft im Auge behalten; und uns möchte es dünken, als ob der Verfasser in dieser Beziehung die Stellung des Fürsten nicht scharf genug hervorgehoben, sondern etwas zu viel als bekannt vorausgesetzt hat. Durch die goldene Bulle (1356) war die Reichsgewalt den Kurfürsten ausgeliefert worden; letztere waren zu wirklichen Landesherren geworden. Damit ward die Stellung des Kaisers eine bedeutend andere, eine abhängige. Aber auch die Stellung der Landesherren war in dieser Zeit eine durch die Macht der Landstände sehr beschränkte; gerade in unsrer Zeit waren die Landstände zur Blüthe ihrer Bedeutung gekommen. Diese Macht der Landstände und die entsprechende Ohnmacht der Fürsten tritt gerade in der Finanz Wirth schuft derselben am deutlichsten zu Tage. Die Fiuanzwirthschaft des Staates fiel auch jetzt noch im wesentlichen zusammen mit der Fiuanzwirthschaft des Fürsten, er hatte eine beschränkte Zahl von Einnahmequellen, die Staatsthätigkeit und damit die Bedürfnisse wuchsen immer mehr. Nehmen wir außerdem estuzu, daß die Fürsten vielfach zudem noch außerordentlich schlecht wirthschafteten, so fehlt nichts mehr, um uns deren ständige Geldverlegenheit zu erklären. Die Einkünfte des Fürsten bestehen im wesentlichen in Grundgefällen, in den Erträgnissen der sogen. Regalien, der nutzbringenden Hoheitsrechte: eine Einnahme aus eigentlichen Steuern in unserm Sinne kannte das Mittelalter nicht, Der Fürst suchte deßhalb seine Einkünfte gegenüber den steigenden Bedürfnissen zunächst zu steigern durch eine rationelle Ausbeutung der ihm zustehenden Rechte; die Domänen werden verpachtet, der Bergbau erhält einen neuen Aufschwung. Allein diese legale Steigerung der Kammereinkünfte reichte nicht hin zur vollen Befriedigung des Geldbedürfnisses, und da stand der Fürst vor der Wahl: entweder von seinen Ständen gegen Verzicht auf die wichtigsten Rechte, gegen Einräumung der weitgehendsten Zugeständnisse Abgaben bewilligt zu erhalten, oder unabhängig von den Ständen außerordentliche Maßregeln zu ergreifen, insbesondere auch den Kredit in Anspruch zu nehmen. Die zweite Art der Befriedigung wurde vielfach vorgezogen und kam in verschiedener Weise zur Geltung. (Schluß folgt.) Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Paliistinafahrt. Erwerbung Kapharnaums für das katholische Deutschland und des Johanniterspitals für Preußen von Professor Dr. Sepp.*) Dr. 8. L. Schon vor 50 Jahren hat der Verfasser des zu besprechenden Werkes seine erste Orieutreise unternommen und deren Resultate in dem „Pilgerbuch nach Palästina, Syrien und Aegypten" (2 Bde. 1863, 2. Aufl. mit 550 Illustrationen 1873 u. 1876) niedergelegt. 1874 hat er zum zweiten Male das hl. Land durchforscht und war seitdem bemüht, durch Forschen und Vergleichen die biblische Geographie und Topographie zu bereichern. Besonders lebhaft trat und tritt der Verfasser dafür ein, daß auch Deutschland im hl. Land Besitz erwerbe und von dem Nachlasse der Kreuzzüge soviel als möglich zu retten suche. Er hat vor allem auf den Muristan, das ehemalige Johanniterspital in Jerusalem, und auf Chirbet Minieh am See Genesareth hingewiesen und kann sich schmeicheln, daß seine Mahnungen williges Gebor fanden, indem der Muristan von den Protestanten, Chirbet Minieh von den Katholiken Deutschlands erworben wurde. Es ist das ein schöner Erfolg, dessen sich der energische Forscher rühmen kaun. Warum gerade Chirbet Minieh dem katholischen deutschen Palästinaverein so sehr an's Herz gelegt wurde, erklärt sich aus der von Professor Dr. Sepp mit aller Entschiedenheit vertretenen Ansicht, daß Chirbet Minieh mit Kapharnaum identisch sei. Dem Beweis für diese Behauptung ist ein ziemlicher Raum im vorliegenden Werke gewidmet. Bei der Wichtigkeit der Sache ist es wohl gestattet, näher darauf einzugehen. Sepp nimmt an, daß die Juden wegen der m Kapharnaum ansässigen Christen, welche in der Rabbinen- sprache: Nimm — Abtrünnige heißen, diese Stadt spott- weise Kaphar Miuim (richtiger wohl K. phar Miuim) genannt hätten. Sepp belegt zwar den Ausdruck Nimm — Christen, sowie die Thatsache, daß in Kapharnaum, *) Mit zwei Karten und zahlreichen Illustrationen. 2 Bände. (386 -s- 292.) München: Lit. Institut Dr. M. Huttler. 1896. Preis 12 M. > ) 13 > - > ) Christen wohnten; aber die Hauptsache, worauf es gerade ankommt, den Namen Kaphar Minim für Kapharuaum kann er nicht belegen. Seine Gleichung: Lupstnr Mstom — Xaximr Nimm — Lastr Ntoioli (so Berghaus 1835) — 6stirstet Niuiest ist zwar möglich, aber nicht erwiesen. In Kapitel 26 will Sepp aus der christlichen Tradition nachweisen, daß man zu Minieh das biblische Kapharuaum suchen müssen. Es ist höchst interessant, zu sehen, wie Quaresmius, Fröre Lisvin, Furrer (2vkV 1879), Sepp die Pilgerberichte für sich in Anspruch nehmen, wiewohl Quaresmius und Sepp für Minieh, Lkövin und Furrer für Tel Hum eintreten, die Ansichten also getheilt sind. Furrer hält den Beweis für erbracht, daß bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts nie irgend ein Reisender oder Geograph Kapharuaum anderswo als zu Tel Hum gesucht habe. Liövin hält nur Tel Hum für die richtige Stelle, obwohl die erste Autorität seines Ordens, der gelehrte Guardian Quaresmius, dem er sonst fast überall folgt, in der Oesoriptio tsrras snnotas 1628 (II, 854) ganz formell schreibt: „An der Stelle von Kapharuaum sieht man viele Ruinen und einen elenden Khan (äiversorium). Derselbe liegt 6 Mil- lien (— 2 Stunden) vom Jordaneinflnß und heißt Menieh." Interessant ist ferner, daß Sepp und Lisvin folgende Stelle des Arkulf (670) für sich in Anspruch nehmen: „Kapharuaum liegt ohne Mauer auf engem Raum zwischen Berg und See beschränkt in die Länge am Meeresufer hin, hat den Berg gegen Norden, den See auf der Morgenseite und dehnt sich von West nach Ost aus." (Huas murura noir Kastens, anZustv intsr niontem et staZnuin eoarctata sxatio per illain mnritima.ro oram longo tramite proteuäitur, moniern äst aguilons plaZa, lacum vero äst australi Kastens, äst noeasn in ortum extevsa ZiriZitur. (^6amnanus 2, 25.) Dazu bemerkt Sepp I, 162: „Diese Schilderung paßt einzig für Chan Minieh." Die gegenwärtige Autorität der Väter des hl. Landes, der Pilgerführer Lisvin (stavinius) de Hamme, behauptet das Gleiche von Teil Hhoum. In seinem Oniäe-inäiaateur äss sanetuaires st Ilvux stistorigues 18. Durch Dekret wird der Kriegszustand in Erythräa (Afrika) für beendet erklärt. 19. Neue Dynamit-Explosion der Anarchisten in Barcelona. 24. Rechtsanwalt Dr. Friedman» von der Unterschlagung freigesprochen. 25. Großes feierliches Konsistorium beim Papste in Rom; 16 neue Bischöfe. 25. Berufung der kretensifchen National-Versammlung durch die Pforte; diplomatische Vorstellungen der europäischen Mächte bei der Türkei. 27. Angebliches Attentat auf den neuen Schah von Persien Musaffer-Eddin, der unverletzt bleibt. 27. Deutscher Reichstag: Zweite Lesung des bürgerlichen Gesetzbuches beendet. 28. Entlassung des Ministers von Berlepsch und Unter- staatssekretär Brefeld zum preußischen Handelsminister ernannt. 30. F. Schröder, Beamter der deutsch-ostasrikanischen Plantagengesellschaft, wegen zahlreicher Schandthaten aus Befehl des deutschen Gerichtes in Buschiri verhaftet. Recensionen nnd Notizen. Oivus Iboinas oommentsriuw in8srvisns ^.esäsmiw st I-^oaeis Lellolastieaw «ootautibus. H Unter obigem Titel erscheint in Piacenza, Italien, eine Zeitschrist, welche jetzt schon im 17. Jahre, ganz in Uebereinstimmung mit dem berühmten Päpstlichen Rundschreiben „^stsrul Uatris" vom 4. August 1879, mit allem Eifer die echte Lehre des hl. Thomas von Aquin zu verbreiten sucht. Alle 2 Monate erscheinen 2 Fascikel mit je 16 Seiten in Groß-Quart; 36 Fascikel bilden einen Band (3 Jahrgänge), welchem ein nach den einzelnen Materien geordnetes fortlaufendes Jnhalts-Verzeichniß. sowie ein genaues alphabetisches Sachregister beigegeben ist. Der jährliche Abonnementsprcis beträgt nur 4 Mark. Der Inhalt ist ein reichhaltiger und umfaßt: Oowwsn- taria, Opuseula, Ui88srtatic>ns8, UiblioKrapbias, Varia (Nekrologe, Zeitschriften u. dgl.), 8ebc>1as st -reaäsmias Tbowistloas. Unter den Ooinmsritaria sind besonders be- merkcnswerth der von Cardinal Rotelli äs Inoarnations (8. lAso!. 3. 9.1—26); der tlz-stsriis Öbristi (3. 9.27—59), äs Intsllibsrs 11 si (8. Uliil. v. Osnt. I, cpp. 44 sgg.); der zum Päpstlichen Rundschreiben: Os Lt.uäiis 8aeras Lcrip- turas. Von den Opnsoula heben wir hervor: das äs Uso Duo; äs ^ntüsntia LvanKslioram; äs bnwana persouali- tats; unter den Ui88srtatiou68: äs naturis inäiviänalibu8 guoaä - positum, sogns ro1ißsio8in8 tsnsts, gnoä nv8ti8 oniu Or- äiais vs8tri oon8titutiouibu8 äscrsti8gus oinnino von- rxrnsrs. Lx tbs8auro opsrum Lquinatis, in oinns8 rsrain parts8 pras8tanti88imo, 8tuäste iutsKrain äoetrinam sx- promsrs, msntsin sju8 vsram, Isgitiins sxeutisuäo äi- luciäsqus sxplieanäo, grolsrrs, apta inäs 8UKAsrits aä- juwsuta aä vovas serornin opinionss rslntanäa8 omnia- gus aä inorswsllta äi8oiplinaruw, st, gnoä capnt 68t, aä rsü^ionis prassiäla, in tain aeri sx bostibus oonüivtiono, xruäsnts8 oonvsrtits." Eine den Wünschen des Papstes, gemäß dessen eigenen Worten im erwähnten Handschreiben, ganz entsprechende philosophisch-theologische Zeitschrift verdient sicherlich weiteste Verbreitung. Mit dem 17. Jahrgange hat der 6. Band begonnen. Am leichtesten abonmrt man mittelst internationaler Postanweisung an folgende Adresse: lllla Oirsrions äsl Usrioäioo — Üivu8 chhvrnLS, UiaosnLS (Italia). „Die katholische Wahrheit" oder „Die theologische Summa des heil. Thomas von Aquin ; deutsch wiedergegeben von vr Ccslaus M. Schneider. Lex.-8. 12 Bände. M. 60.-. Hlbfrzbde. M. 82.-; auch bandweise zu beziehen. Bei Gelegenheit der bedeutenden Preisermäßigung machen wir auf das noch viel zu wenig beachtete Wer! aufmerksam. Der Titel bereits drückt die demselben zu Grunde liegende Absicht aus. Die katholische, d. h. allumfassende, Wahrheit soll vorgelegt werden; wie nämlich die Principien des hl. Thomas geeignet sind, alle Wissenszweige befruchtend zu durchdrängen und zu einem für die Samenkörner der geoffenbarten Wahrheit empfänglichen Boden zu machen; wie zudem diese Principien zu allen Zeiten heilbringend für das menschliche Wissen gewesen sind. sowohl ber den großen heidnischen Philosophen, wie bei den christlichen Vätern. Die Uebersetzung will zunächst das Verständniß der „Summa" erleichtern. Darum ist alles gelehrte Beiwerk weggelassen. Der Text des Aquinaten ist im einfachsten, verständlichsten Deutsch wiedergegeben, insbesondere auch die tsrmini tsl-Iwiei. Kein Wort deS Textes ist Übergängen; kein Bild und Gleichniß ausgelassen: sogar der Bericht über die Meinungen der alten Natur-Philosophen ist mit aufgenommen. Man lernt eben die Größe des Engels der Schule erst kennen, wenn man sein System als ein zusammenhängendes Ganzes nimmt: ist doch, wie er selber sagt, seine Summa eben nur eine euwms,, d. h. eine kurze Zusammenfassung der Philosophie und Theologie, und darum in derselben nichts überflüssig. Weit entfernt, daß die Uebersetzung den Leser vom Urtexte abzieht, führt sie ihn vielmehr zum Urtexte zurück, weil sie dessen Verständniß eröffnet. Denn ist es einmal gelungen, dem Texte ein fruchtreiches Verständniß abzugewinnen, so wird man auch um so eifriger diesen lateinischen Text lesen und die darin verborgenen Schätze heben. Von Untersuchung zu Untersuchung sind, zumal im ersten Theile, kürze Ueberleitunnen angebracht. In denselben wird gezeigt, wie der engelsgleiche Lehrer die wissenschaftliche Richtschnur einer gesunden Äscese bietet, und wie die Schriftstellen und Väter, gleichsam von selbst, sich um die Lehre des hl. Thomas schaaren, ihr von ihrem Lichte mitzutheilen. Dabei ist auch in vielen Fällen insbesondere betont, wie einzelne Ausdrücke des Textes, welche meist unbeachtet bleiben, entscheidende Wichtigkeit haben und sehr fruchtbar sind für das praktische Leben. Niemand wird es gereuen. St. Thomas in Allem zum Leitstern genommen zu haben. In ihm ist eine wahre Goldgrube für alle Theile der christlichen Lehre vorhanden; eine wahrhaft katholische, alles umfassende Lehre liegt da vor. Die Eintheilung der einzelnen Haupttheile, wie der Artikel, ist genau beibehalten. Nur in den ersten Artikeln wurde der leitende Gedanke und der vernunftgemäße Zusammenhang der Einwürfe untereinander in der llebertragung mit hervorgehoben. Dadurch soll der Leser angeleitet werden, auch in den anderen Artikeln den Zusammenhang der Gegengrüude herauszufinden. Wir sehen hier ganz deutlich, wie iin Laufe der Jahrhunderte die Irrthümer wohl ihr Kleid wechseln, nicht aber ihren Inhalt. Die Bemerkungen zwischen den einzelnen Untersuchungen weisen immer wieder darauf hin» daß der heil. Lehrer mit seiner Wissenschaft durchaus zeitgemäß ist, nnd daß Papst Leo XIII. stn höchsten Grade Recht hat, wenn er befiehlt, in den katholischen Schulen die Philosophie des hl. Thomas wieder zu Grunde zu legen. Es darf aber dann von der Lehre des Aquinaten nichts hinweggenommen, nicht der Vordersatz geleugnet und der Hintersatz behaiiptet werden; man Mich sie in ihrem Ganzen nehmen gerade so wie sie ist. Um nun in vorliegendem Werke ein volles theologisches Ganzes zu bieten und zugleich davon zu überzeugen, wie die philosophischen und theologischen Principien des hl. Thomas auch 16 für unsere Zeit nach jeder Seite hin passen, sind jene Lehrvunkte, welche die moderne Theologie eingehender oder als Theil für sich zu behandeln pflegt, in Ergänzungs- bänden auf die Principien und die Praxis des Agui- naten zurückgeführt; und zwar nach dem ersten Haupttheile die Quellen der katholischenWahrheit (looi tKeoloZiei), nach dem zweiten die unbefleckte Em- pfängniß der Gottesmutter, nach dem dritten das Verhältniß des Natürlichen zum Uebernatür- lichen; alles geschrieben in mehr populärer, zum Herzen sprechender Werfe, möglichst ohne allen gelehrten Apparat. Der Schluß- und Registerband dient zum Nachschlagen und bietet zugleich einen kurzen Abriß der Lehre des Aguinaten. Aus Liebe zu St. Thomas ist dies Werk hervorgegangen; möge es Liebe zu dieser hellleuch- tenden Verstandessonne verbreiten! Ohne Zweifel wendet sich dann diese Liebe zum Urheber der großen Gnadenaben, welche der Engel der Schule besessen, zu Gott ein Dreieinen. vortrefflich redigirte Zeitschrift Immergrün hat meinen vollen Beifall." Der Dichter Franz Eichert schreibt im „Volksblatt für Stadt und Land": „Diese Zeitschrift zeichnet sich durch große Billigkeit aus. Man glaube aber nicht, daß diesem billigen Preise auch ein magerer und minderwertiger Inhalt entspreche. Ganz im Gegentheil! Wir finden neben hübschem Äilderschmuck eine Reichhaltigkeit des Lesestoffes, die fast für jeden Geschmack, für jedes Alter etwas Passendes bringt. Dadurch rechtfertigt .Immergrün' seinen Ruf als ausgezeichnete und billige christliche Familienzeitschrift und wir schließen uns gerne den Empfehlungen an, mit welchen die christliche Presse die bisherigen Jahrgänge dieses verdienstvollen Unternehmens begleitete." Vaterland vom 22. Dezember 1893: „Das im christlichen Geiste geschriebene .Immergrün' steht, ivas den Inhalt und den billigen Preis betrifft, vielleicht einzig in Oesterreich da und berechtigt zu den besten Hoffnungen." „Der Liberalismus." Von U. Georg Freund 0. 88. R. Wien, Heinrich Kirsch. 10 kr. — 20 Pf., per Post 12 kr. — 25 Pf. Zu den vielfachen von unserem bekannten Kanzelredner Sr. Hochw. U. Rector Freund herausgegebenen herrlichen Schriften ist wieder ein neues Büchlein, betitelt „Der Liberalismus", hinzugekommen. In gewohnter treffender Weise schildert der Verfasser den Liberalismus als den Feind Gottes, der Religion, der Heiligkeit der Ehe, der Eltern, der Kinder, als auch des arbeitenden Volkes. — Von den schönen Gedanken, welche wie Perle an Perle sich reihen, sei es gestattet, einen, die brennendsten Zeitfragen berührend, herauszugreifen. Der Liberalismus, ein Feind des arbeitenden Volkes. Ihm ist der Arbeiter kein Ebenbild Gottes, nicht ein Mitbruder, der denselben Schöpfer und Erlöser und dasselbe Endziel hat wie Jener, der nicht nöthig hat, ini Schweiße seines Angesichtes das Brod zu verdienen. Er sagt dann genau dasselbe, was ein sehr bekannter Grieche des Alterthums sagte: „Der Handarbeiter verdient nicht den Namen eines Bürgers, es ist kein Unterschied zwischen ihm und einem Sklaven, er hat keinen Adel der Gesinnung. Der Arbeiter ist nur Kraft; wird als Kraft erworben, gebraucht, verbraucht weggeworfen. Die Arbeiter find nur Wesen geringerer Kategorie, dazu auserwählt, die glücklichen Schemeldienste für die hocherhabenen Capitalisten zu verrichten. Zur Zeit, wo der Liberalismus im Rausche des Glückes seine wilden Orgien feierte und Niemand ihn darin störte, weil die Regierungen liberal waren, die Volksvertretung und Alles, ia Alles, was Etwas sein wollte, liberal war, und wo das Volk künstlich gegen seine wahren Freunde gehetzt wurde, zu dieser Zeit war die Ausbeutung und Knechtung des Arbeiters unbegrenzt: längste Arbeitszeit, geringster Arbeitslohn, Frauenconcurrenz, Kinderarbeit, willkürliche Entlassung. Im Unglücke und im Alter hinausgeworfen auf die offene Straße. Kein Ruhe- und Feiertag. Wenn in neuer und neuester Zeit durch die Gesetzgebungen die Ausbeutungswillkür des liberalen Ca- pitalismus etwas eingeschränkt wurde und das Loos der Arbeiter etwas menschlicher sich gestaltete, so kommt das nur daher, weil mittlerweile der Liberalismus seine Omni- votenz verloren und wirkliche volksfreundliche Factoren seine Tyrannei gebrochen haben. — Unsere Leser werden mit Freude dieses neue kleine Werk begrüßen. Möge es, aus Liebe zum Volke geschrieben, die größte Verbreitung finden! Die Kunst gut zu leben! Vom hl. Bernardus. Für den allgemeinen Gebrauch bearbeitet und mit einem vollständigen Gebetbuche versehen von Bernard Schmitz, Landdechant und Pfarrer zu Glandorf. Preis geb. in Calico 1 M. „Wie man sich nicht mit Mehl beschäftigen kann," sagte die hl. Theresia, ,,ohne bestäubt zu werden, so kann man sich auch nicht mit dem Leiden Christi beschäftigen, ohne einigen Nutzen daraus zu ziehen. — Dieses Wort findet auch eine passende Anwendung auf die Beschäftigung mit den Werken der hl. Väter. In ganz besonderer Weise glauben wir dieses von der vorstehenden Schrift des hl. Bernardus, des Honigfließenden Lehrers, sagen zu können, einer Schrift, in welcher wir von einem Kirchenlehrer und einem der größten Heiligen aller Zeiten in seiner ganz unnachahmlichen, herzlichen und zugleich eindringlichen Schreibweise über alle Tilgenden unterrichtet werden, welche zum guten, christlichen Leben nothwendig find. Zu einer geistlichen Lesung ist vorstehende Schrift besonders geeignet: ja, es kann dieses Büchlein der hochgeschätzten Philothea des hl. Franz von Sales auch in Beziehung auf das praktische Leben ebenbürtig an die Seite gestellt werden. Historisch-politische Blätter. Jahrgang 1897. 119. Band. Erstes Heft. Inhalt: Wieder Neujahr im Orient. — Die Rettung der Familie durch Christus. Eine culturhistorische Weih- nachtsbetrachtung. — Der Einfluß der Geschichte auf den Volkscharakter. — Der Klosterwald. — Karl Graf von Montalembert in seiner Jugendzeit (1810—1836). — Ein neuer Lebensführer für Gebildete. * Von Janssen's Geschichte des deutschen Volkes (Verlag von Herder, Freiburg) ist zu Ende des abgelaufenen Jahres der IV. Band bereits in 15. und 16. verbesserter Auflage ausgegeben worden. Derselbe ist von Professor Dr. Pastor, dem Fortsetzer des monumentalen Werkes, durchgesehen und verbessert worden; er umfaßt die politisch-kirchliche Revolution seit dem sogen. Augs- burger Religionsfrieden vom Jahre 1555 bis zur Ver- künoung der Concordienformel im Jahre 1580 und ihre Bekämpfung währmd dieser Zeit. , Die Zeitschrift „Immergrün" bringt jährlich 576 Seiten Text und ca. 80 Bilder in 12 schön ausgestatteten Heften ä 48 Seiten (mit zweifärbigem Umschlag), Verlag von A. Opitz in Warnsdorf (Nordböhmen) und Wien (Vm., Strozzigasse 41). Preis per Jahr nur 2 M. 80 Pf. —, Welcher Beliebtheit diese im 8. Jahrgange stehende, .—-.^ ^ besten Anzeiger: heimische Familienzeitschrift sich erfreut, durften am besten nachfolgende Urtheile beleuchten: Literarischer Anzeiger: „Die Auswahl der Themata ist sehr sorgfältig, die Erzählungen sind interessant, sittlich rein und Herz und Gemüth veredelnd." Westung. Volksblatt: „Immergrün ist sehr interessant und nett." Der bestbekannte Schriftsteller I Hr. Fr. Franziszi (Dechant in Grafendorf) schreibt: „Die ' * Von dem „Sendschreiben eines katholischen an einen orthodoxen Theologen", Augsburg 1895, chtet an Herrn Alexios von Maltzew, Propst an Kirche der kaiserlich russischen Botschaft in """ gerichtet „ „ . der Kirche der kaiserlich russischen Botschaft in Berlin, ist eine französische Uebersetzung erschienen mit dem. Titel: ll. L. Röbw, Obanovins äs ksssau, 1,'LZIisö ortboäoxs Krüoo-rs8ss. Oontroverss ä'un tbvo- loZisn oatboligus romain svso uu tk6olo§isu ortboäoxs sobismotignö; trsäuit ps.r L. Ll. Ommsr. karis st Lrn- xsllss 1897. Das erwähnte Sendschreiben hat eine lesens- werthe Erwiderung gefunden in der Schrift: „Antwort auf das Sendschreiben eines katholischen rk." von A. v. Maltzew, Berlin 1896. Verantw. Redacteur r Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas