22. Jan. 1897. «>-. 3. Wagt zur AngskuM Fößzmiiiig. Ein sociales Wirken in der Stille der Familie. Monsignor Joseph Weis, der Gründer und Vater der Marien-Anstalt in München und Warenberg. (Schluß.) tl. 8. I. Weis war ein hervorragendes Mitglied des St. Vkncentius-Vercins und namentlich den armen weiblichen Dienstboten, deren Loos oft in späteren Jahren der Arbeits-Unfähigkeit ein recht trauriges war, galt seine Fürsorge. Er faßte den Entschluß, eine Anstalt für arme Dienstboten zu gründen und gewann für diesen seinen Plan eine wirklich geeignete Kraft, welche die Leitung des Hauswesens übernahm und als Seniorin — so hieß man sie — in die Anstalt eintrat. Es war die Erzieherin in der Familie des Freiherr» von Pfetten, Fräulein Marie Lindemann. Eine Wohnung in der Karlsstraße — allerdings in der vierten Etage — wurde gemiethet und am 12. Oktober 1856 die Marien-Anstalt eröffnet. Vier ausgediente Dienstboten wurden unentgeltlich zur Verpflegung und zwei junge Mädchen zur Heranbildung zu Dienstmädchen, nebst drei stellenbedürftigen Dienstmädchen — also die drei Kategorien der heutigen Anstalt wurden aufgenommen. Schon im ersten Jahre war die Wohnung zu klein geworden. Es fand eine Uebersiedeluug in ein Haus an der Hundskugcl statt. Leider war es dem trefflichen Fräulein Lindemann nur zwei Jahre gegönnt, Leiterin der jungen Anstalt zu sein. Sie starb 1859, zu früh für die Anstalt, welche erst nach einem langen, vergeblichen Suchen eine taugliche, der früheren Seniorin ebenbürtige Hauswirthin erhielt. Der Versuch, die Barmherzigen Schwestern zur Leitung zu gewinnen, war nicht ausführbar. Herr Präses Weis mußte den ganzen Werth, die ganze Vielseitigkeit einer leitenden Kraft kennen lernen, eben auf dem Wege des Suchcus und des Mißlingend. Der Bitterkeiten waren es nicht wenige; der Gründer der Anstalt mußte eine harte Geduldprobe durchmachen. — Doch gerade hier war seine Stärke. Bange machen gilt nicht, sagte er. Da endlich fand sein scharfes Auge in der erst im Jahre 1864 eingetretenen jugendlichen Schwester Sophie die Kraft, die jetzt seit mehr als dreißig Jahren die Leitung der fort und fort wachsenden Anstalt übernehmen mußte, trotz ihres Widerstrebens. Eines setzte die neue vierundzwanzigjährige „Seniorin" doch durch — nämlich dies, daß ihr, wahrlich nicht der lieben weiblichen Eitelkeit wegen, der vornehme, etwas humanistisch angehauchte und für deutsche Mädchen so nicht recht verständliche Titel „Seniorin", abgesehen von der Ironie der Verhältnisse, mit dem der „Schwester" vertauscht wurde. Diesen Titel führt sie bei den Ihrigen, sagen wir ihren Untergebenen, heute noch, trotzdem dieselben ihr gegenüber die volle Superiorität der Oberin der gesammten Anstalten re- spcktircn. Nach außen wird selbstverständlich sie als solche angesehen. Der Präses hatte mit der Wahl derselben keinen Mißgriff gemacht. Die jugendliche Leiterin fand sich sehr bald in ihre wahrlich nicht beneideuswerthe Aufgabe hinein. Sie begegnete überall einer keineswegs freundlichen Mitschwester, nämlich der Armuth. Spärliche freiwillige Beiträge waren Alles, auf was gerechnet werden konnte. Auch hier waren die Armen eigentlich die reichsten Geber, wie das nicht selten anderwärts der Fall ist. Zwei Erfordernisse hatte die Oberin wohl von Hanse — als unentbehrliche Gottesgaben — für ihr Amt mitgebracht, eine zähe Geduld, welche durch die größten Widerwärtigkeiten und die täglich auf's neue wiederkehrenden Prüfungen nicht erlahmt, und eine ebenso unverrückt ih- Ziel verfolgende Ausdauer. Jetzt konnte der sel. Präses den Plan fassen und verwirklichen, geeignete jugendliche Kräfte für die Zwecke der Anstalt heranzuziehen, welche dann zu einer Genossenschaft vereinigt wurden. Aus einem größeren Kreise, einer Wallfahrerbruderschaft, wählte der kundige Mann weitere drei Schwestern, die er für die speciellen Anstaltszwecke erzog und in strenge Disciplin nahm. So begann der Grundstock der Genossenschaft allmählig zu wachsen, bis dieselbe zu einer Anzahl von fünfzig heranwuchs, von welchen fünf bereits verstorben sind. Im Jahre 1859 erhielt die Anstalt ein Legat von 30,000 Gulden. Damit wurde das kleine Häuschen nebst Garten an der Briennerstraße Nr. 28 erworben/ welches 16,000 Gulden kostete. Sofort wurde auf diesem Grunde mit dem Neubau eines für die dreifachen Zwecke geeigneten Hauses: a) Versorgung alter Dienstboten, k) Beherbergung dienstsucheuder Mädchen, c) Erziehung junger Mädchen zu Dienstboten, begonnen. Der durchweg praktische Neubau konnte schon am 12. Oktober 1860 bezogen werden. ^ Natürlich war das geräumige Haus leer. Jetzt begann innerhalb der Genossenschaft die Kraft zu wirken, welche die beste und siegreichste Ueberwinderin der Armuth ist, nämlich die organisirte Arbeit. Durch diese Organisation der weiblichen Arbeitskräfte, dadurch, daß der Präses die geeigneten leitenden Personen fand und an die rechte Stelle in den Arbeitsstätten, in Haus und Küche, in dem Garten, in der Leitung der Ockonomie u. s. w., stellte, dadurch überwand er die zahllosen im Wege stehenden Hindernisse. ^ Durch richtig organisirte Arbeit und Arbeitstheilung sollte all das erworben, verdient, erspart werden, was die zehrenden Kräfte, die alten Dienstboten und die zur Erziehung in der Anstalt befindlichen Kinder, täglich kosteten. Das, was in den alten Klöstern als die Maxime des ganzen Ordens galt: Gebet und Arbeit, das war für den sel. Präses das Lebenselement seiner Familie. Als der sel. Weis einmal zur Bestätigung seiner Stiftung bei dem damaligen Cultusminister von Lutz sich vorstellen mußte, versuchte derselbe den Präses etwas in die Enge zu bringen, indem er ihm barsch erwiderte: „Nun, da werden Sie halt wieder betteln müssen!" Darauf gab der keineswegs aus der Fassung gebrachte Präses die Antwort: „Excellenz, wir arbeiten, und betteln nicht." „Wir arbeiten!" das war sein Motto. In der Arbeit unterrichtete er seine Schwestern und seine Kinder. Zur treuen Pflichterfüllung, zu Fleiß, Ausdauer spornte er sie täglich an. Für die Arbeit sollten die Kinder der Anstalt erzogen werden. Sie sollten sich — was so nothwendig und namentlich bei dem Weibe unentbehrlich ist — in der frühen Jugend an die Pflicht der Arbeit und der Entsagung gewöhnetk. Nicht aber an jene sklavische Arbeit, welche uns so häufig aus den mürrischen erbitterten Gesichtern, den gelben ab- 18 geleLten Zügen selbst jugendlicher Arbeiter unserer Fabriken in den Städten entgegentritt, die als Fluch, und nur um den Hunger vom Leibe zu halten, geübt oder besser ertragen wird: nicht diese Arbeit aus Verzweiflung, nein, die freie Arbeit um Gotteswillcn, welche, selbst wenn sie Schweiß kostet und Entsagung fordert, freudig und friedlich geleistet wird und darum die Kräfte nicht verbraucht und den Körper nicht zerstört: die vernünftige und den Kräften angepaßte Arbeit forderte er, von dem Grundsätze ausgehend, daß die Gaben verschiedene sind und nicht Jeglicher für Jegliches geeignet ist. Daher ist dieser Arbeit um Gotteswillen die Gabe der Geduld und Freudigkeit beigemessen. Deßhalb unterscheiden sich diese Arbeiter von den anderen durch die Heiterkeit des Gemüthes, den freudigen ruhigen Blick, durch rothe Wangen und gesunde Glieder. Mit welchem stillen Vergnügen sah der Verstorbene an den Sommer-Abenden den Spielen der Kinder und Schwestern im Garten zu! Da und dort griff er selbst ein, ordnend, das Ganze des Spieles fördernd. Und wenn die Kinder sangen, sang er mit und gab den Grundton an. Trotzdem die Anstalt ein eigenes Heim hatte, gab es noch harte Arbeit und harte Kämpfe, den gesteigerten Ansprüchen zu genügen, die Schulden allmählig abzutragen. Und doch bald war das so trefflich gebaute Haus wieder viel zu klein. Der Präses sah sich genöthigt, das Nachbarhaus der Anstalt in der Dachauerstraße zu Erwerben, das Austaltsgebäude um einen Flügel zu verlängern und über das Ganze einen dritten Stock zu bauen. Um den gegenwärtigen Raum für 70 Zöglinge, 70 dienstthuende Mädchen und 54 alte Personen zu bekommen, mußte die Bausumme von 170,000 Mark ausgegeben werden. Und auch dieses stattliche Haus ist gegenwärtig den täglich sich steigernden Bedürfnissen, namentlich den vielen dienstsnchenden Mädchen gegenüber, für welche kein Platz mehr ist und die mit schwerem Herzen abgewiesen werden müssen, — also gegenüber großstädtischen Verhältnissen — zu klein. Ebenso ist die Filiale Warnbcrg, welche 1886 um 170,000 M. erworben und fast neu gebaut wurde, zu klein. Es ist dort bereits eine Ziegelei errichtet, um demnächst die Oekonomie- und dann die Wohngebäude zu erweitern. Die prächtige Hauskapelle in der Münchner Anstalt wurde 1884 den 15. November von dem sel. Erzbischof von Steichele eingeweiht, ebenso wie in Warnberg selbst das äußerst zierliche Hauskapellcheu, welches, wenn auch vernachlässigt, so doch intakt von den ik?. Jesuiten in trefflicher Stuck-Arbeit herrührt. In Warnberg ist seit 1888 eine Haushaltungsschule von etwa 50 Zöglingen eingerichtet, in welcher der sel. Weis bis zu seinem Hingang der leitende Genius war, Unterricht nicht bloß in der Religion, sondern in der Haushaltung ertheilte. Für diese Anstalt wurde von dem Seligen als Gehilfe der seit einer Reihe von Jahren für dieselbe thätige und befreundete Pfarrer Wunibald Britzl- mayr, der jetzige Präses, gewonnen. Nach langen vorbereitenden Arbeiten und der Beseitigung mancher Hindernisse gelang es dem Dahingegangenen die Sanktion der Statuten der Anstalt von Seiten der geistlichen und weltlichen Behörden zu er- Ltzlgen. Alles dessen, was er bis jetzt auf eigene Gefahr erworben, erarbeitet und erspart hatte, wollte er ledig werden, ihm persönlich sollte nichts mehr eigen sein — obwohl er all sein Mühen und Arbeiten, seine bart ersparten Pfennige der Anstalt geopfert hatte. Deßhalb errichtete er unter Aufsicht des Staates eine Stiftung. Für diese erbat er die landesherrliche Bestätigung. In dem Kriegsjahre 1870 nahm er verwundet* Soldaten in sein Haus auf und entsendete einig* Schwestern zur Pflege der Verwundeten nach Frankreich. Er wurde in Folge dessen mit dem Verdienstkreuze ausgezeichnet. Im Jahre 1878 wurde er zum kgl. geistl. Rathe ernannt und 1894 zum Geheimkämmerer Sr. Heiligkeit Papst Leo's Xlll. Am 15. Juli 1893 feierte er das Freudenfest für seine Anstalt, seine Schwestern, Kinder, Dienstboten, Freunde und die weitesten Kreise, nämlich das fünfzigjährige Priesterjubiläum. Zwei Jahre später, am 13. November 1895, nahm ihn der Herr zu sich. Während des Sommers 1895 begannen seine Kräfte sichtlich abzunehmen. Ein lästiger Husten wollte nicht mehr weichen. Die sonst so rüstige aufrechte Haltung machte der des Greisenalters Platz. Die Stimme war matter geworden. Die Schwestern und Freunde baten ihn, sich zurückzuziehen, sich zu schonen. Doch dafür fehlte dem Dahingegangenen jegliches Verständniß. Mitten in den Sorgen und Arbeiten für die Anstalt wurde er am 6. November von einem schweren Anfall überrascht. Es war noch Hoffnung, sein Leben für einige Zeit zu fristen. Am 13. November hauchte er die edle Seele aus. Wenige Tage zuvor, etwa Ende Oktober, überraschte Schreiber dieses den Seligen mitten in dem zahlreichen Geflügel des Hühnerhofes stehend, das ihn umringte, das er mit den Brosamen von seinem Mittagstische mit eigener Hand fütterte. Die zutraulichen Thiere nahmen ihm das Futter aus der Hand, eine schwarze Henne ließ sich's nicht nehmen, stets empor zu ihm zu flattern, um ja die erste zu sein. Erst nachdem ich, ohne bemerkt zu werden, bis auf zwei Schritt vor ihm stand und mit Geduld und Genuß an dem Spiele mich ergötzt hatte — grüßte ich den vielbeschäftigten ehrwürdigen Greis, der mit freundlichem Lächeln die Frage an mich stellte, ob er jetzt schließen müsse. In dieser Situation ist er von befreundeter Seite, ohne daß er es ahnte, photographirt: es ist ein herziges Bild, das die volle Liebenswürdigkeit des edlen Mannes auch gegen die Thierwelt darstellt. Stets hatte er, wenn er durch die Ställe ging, ein Stückchen Brod für dieses oder jenes Thier. So sehr er den Schaden als Oekonom zu würdigen verstand, den auf den Feldern ein zahlreicher Wildstand anrichtet, so war er nicht unglücklich, wenn namentlich in Winterszeit ein Dutzend Rehe auf seinen Feldern ätzten. Seit Jahren hatte er vor seinem Fenster einen Käfig mit Kanarieuvögeln, die ganz an ihn gewöhnt waren; die Tauben flogen auf ihn zu, wenn er vor die Hansthüre kam. Was wir an dem Dahingegangenen außer seiner Menschenfreundlichkeit und Opferwilligkeit bewundert haben, das war seine hohe pädagogische Befähigung. Mag ja in ihm vielleicht etwas von Vererbung von seinem Vater, der, soviel wir wissen, ein. Schulmeisteren des Wortes ursprünglicher, bester Bedeutung war, — mag es die Folge oer jahrelangen Uebung und Selbstcrziehung gewesen sein: — die Gabe, zuerst sich selbst und vaun auch Andere zu leiten, in allen Dingen Ordnung, Zucht ( und Frieden zu schaffen, besaß er in hohem Maße. Er j besaß die Gabe des ächten Pädagogen — daß ihm die Angehörigen von verschiedenen geistigen und physischen Anlagen, von verschiedenen Bildungsgraden frei und gerne gehorchten, weil sie in ihm Gerechtigkeit und Liebe harmonisch gemischt fanden. Daher die sämmtlichen Schwestern, Kinder und Pensionäre ihm eine Liebe entgegengebracht, die stärker ist als der Tod, die über das Grab hinüberreicht. Zur Geld- und Kreditwirthschaft im 16 . Jahrhundert. Von Dr. Franz Schweyer. (Schluß.) Für Kriegszwecke wurde vom Fürsten ein besonderer Kriegsschatz angesammelt, eine Maßregel, die jedoch nur vereinzelt vorkam; der Fürst griff viel häufiger zu anderen Mitteln, wie zu einer oft schwunghaft betriebenen Münzverschlechterung, Verkauf von Aemtern oder Veräußerung bezw. Verpfändung von Krongütern. Einen eigentlichen Staatskredit in unserm Sinne gab es noch nicht; der Kredit war vorzugsweise Realkredit oder Personalkredit der Person des Fürsten. Die Vorstellung von einer uns geläufigen ewigen Dauer des Staates und ein darauf basirender öffentlicher Kredit war noch unbekannt oder jedenfalls erst im Entstehen begriffen. Die Uebernahme der Schulden eines Fürsten durch seinen Nachfolger galt keineswegs als selbstverständlich, weßhalb häufig der präsnmtive Nachfolger bereits bei Aufnahme einer Schuld die persönliche Haftung übernehmen mußte. Fand der Fürst wirklich Kredit, so mußte er meist seine Einkünfte auf Jahre hinaus verpfänden und dazu meist hohe Zinsen entrichten. Eine andere Art der Geldbeschaffung fanden die Fürsten im Laufe der Zeit in der Zwang sän leihe. Dieses Mittel wurde hauptsächlich solchen Unterthanen gegenüber angewendet, welche auf den besondern Schutz des Fürsten angewiesen waren, besonders den Juden. Allein thatsächlich waren diese sogenannten Anlchen meist eine Art Steuer. Die Fürsten anticipirten Abgaben in der Art, daß sie wohlhabende Unterthanen Zwangen, ihnen gegen Ucberlassuug künftiger Abgaben, die willkürlich geschätzt wurden, den Betrag der letzteren vorzuschießen, ohne jedoch eine spezielle Anweisung auf diese zu ertheilen. Anders wurden die freiwilligen Anlchen seitens der Fürsten behandelt. Für diese wurden meist hohe Zinsen, welche die Fürsten erst recht zu Grunde richteten, ferner Sicherstellung durch Bürgschaft oder Pfand geboten. Diese Bürgschaft wurde entweder, wie bereits hervorgehoben, vom Thronfolger oder den Groß- wnrdenträgern des Fürsten, den Ständen oder angesehenen Städten geleistet. Ein gestelltes Pfand bestand in Faustpfand (Juwelen und sonstige Kostbarkeiten), regelmäßig jedoch in der Verpfändung bestimmter Einkünfte. Gerade diese Verpfändungen haben eine weitgehende Zersplitterung und Schwächung der fürstlichen Einkünfte zur Folge gehabt. Die Anleihen der Fürsten waren regelmäßig zunächst Anticipatiouen, also, modern ausgedrückt: schwebende Anleihen. Diese wirkten besonders verderblich, einestheils wegen der außerordentlich hohen Zinsen, andern- theils deßhalb, weil die Einkünfte immer wieder auf Jahre hinaus in einer Weise belastet wurden, welche deren Leistungsfähigkeit oft weit überstieg. Fundirte Anleihen im heutigen Sinne kamen damals bei den Fürsten noch nicht oder nur vereinzelt vor. Dagegen finden wir solche im 16. Jahrhundert schon ziemlich häufig bei den Städten in der Form von Nentenan leihen. Wie die Fürsten, fielen auch die Städte gegen Ende des Mittelalters immer steigender Verschuldung anheim. Diese hatte ihren Grund in den Kriegen, die auch die Städte um diese Zeit vielfach führen mußten, ferner in der Nothwendigkeit starker Befestigung, die auf die Umgestaltung der Kriegsführung durch Anwendung der Feuerwaffen zurückzuführen ist. Der Kredit der Städte war ein weit größerer, als der der Fürsten. Sie konnten ohne Mühe durch freiwillige Anleihen oder Nentenverkäufe die nöthigen Summen aufbringen. Es herrschte geradezu eine außerordentliche Neigung, das Geld bei Städten anzulegen, so zwar, daß diese ihrerseits wieder mit dem aufgenommenen Gelde Kredit gewährten und somit in gewissem Sinne Bankgeschäfte trieben. Bei den Städten hatte sich eben bereits die Anschauung von einer ewigen Dauer, die von dem Bestehen des jeweiligen Geschlechtes unabhängig ist, gebildet; die Städte genossen bereits einen öffentlichen Kredit im Gegensatz zu den Fürsten, deren Kredit vorzugsweise Personalkredit war. Dieser Umstand war von wesentlicher Bedeutung für die Ausgestaltung eines öffentlichen Kredites im modernen Sinne. Hiezu trug vor allem auch der Umstand bei, daß für die Schulden der Städte nach damaliger Nechtsanschauung nicht allein die Stadt, die Gemeinde, als juristische Person, sondern vielmehr daneben jeder einzelne Bürger mit seiner Person und seinem Vermögen solidarisch für die Gesammtheit verhaftet war. Hierin lag ein großes Sicherungsmittel für den Gläubiger, ein Umstand, der das Vertrauen in das Zahlenkönnen des Schuldners als unerläßliche Voraussetzung des Kredits in hohem Grade bestärkte. Von einer derartigen unbeschränkten Solidarhaft konnte bei den Fürsten keine Rede sein. Auch die ältesten städtischen Anleihen waren in der Regel Anticipatiouen bestimmter Einkünfte, mit der bessern Ausgestaltung des öffentlichen Kredits wurde aber die Form des Rentenverkaufs die normale Art der Verschuldung. Gerade dieser Schuldtypus, dessen Wesen in einer einmaligen Hingabe eines Kapitals besteht, wofür die Gegenleistung seitens des Schuldners eine regelmäßig wiederkehrende Leistung von ewiger Dauer bildet, wofern nicht der Schuldner es vorzieht, seine Schuld abzulösen, gerade diese Schuldform, bei welcher dem Gläubiger ein Kündiguugsrecht nicht zustand und deßhalb regelmäßig dessen Ansprüche auf eine lange Zeitdauer sich erstreckten, setzte bereits ein großes Vertrauen in eine ewige Dauer deS städtischen Gemeinwesens voraus. Am meisten entwickelt war das städtische Kreditwesen in den Städten Oberitaliens, in welchen die sogen, uaonvi eine hervorragende Rolle spielten. Das Wesen dieses Instituts ist sehr bestricken. Der Verfasser findet die Hauptwnrzel derselben im Steuerpacht- syftem und ist der Ansicht, daß in dieser Einrichtung die Keime mehrerer moderner Einrichtungen zn finden wären. Und in der That muß man zugeben, daß dieselben mit unsern Aktiengesellschaften, Syndikaten von Staatsgläubigcrn und den eigentlichen Staatsanleihen Manches gemein haben. Soviel ist gewiß, 20 dak es feste Organisationen waren, die sowohl den Städten die Befriedigung ihrer Gcldbedürfnisse als auch den Kapitalisten eine Anlage ihres Kapitals ermöglichten. Wir stehen nunmehr vor der Frage, wer in unsrer Zeit die nöthigen Kapitalien vermittelte und aufbrachte? Am frühesten war der K aufmannsstand in der Lage, größere Kapitalien zu vermitteln, da sie zu ihrem Geschäftsbetriebe meist über größere Summen verfügen mußten. Gewerbsmäßig haben sich zuerst die Juden mit dem Ausleihen von Geldkapitalien befaßt und sich dem Geldgeschäfte ganz gewidmet, nachdem sie allmählig in Oberdcutschland aus dem Waarenhandel verdrängt wurden. Mit der wettern Ausbildung des Handels, insbesondere auch mit der allmähligen Durchbrechung des kanonischen Zinsverbotes, die gerade in unsere Zeit fällt, wurden die Juden, für welche das Zinsverbot nicht galt, auch aus dieser Position mehr und mehr verdrängt. Die christlichen Kaufleute größeren Stils befaßten sich neben dem Waarenhandel mit dem Geldhandel. Sie nahmen auch Geld von Privaten auf und versahen so die Funktionen einer Bank. Zuerst kamen die Florentiner zu einer gewissen Berühmtheit, und ihre Glanzperiode im 15. Jahrhundert knüpft sich an den Namen der Medici. Im 16. Jahrhundert kamen die Frescoboldi, Gualterotti und Strozzi zu einem Weltruf. Gleichzeitig kamen die Genuesen empor; gegen Mitte des 16. Jahrhunderts in Deutschland insbesondere die Fugger, die Weiseru. a. Wir haben bereis oben die Gelegenheit gehabt, die Bedeutung der Fngger theilweise kennen zn lernen, welche wiederholt großen Einfluß auf die Ereignisse der Geschichte hatten. Sie waren das bedeutendste Haus, die bedeutendste Geldmacht der damaligen Zeit, die über enorme Kapitalien verfügte, theilweise mit ungeheuren Gewinn st en arbeitete und einen geradezu unbeschränkten Kredit in der ganzen Christenheit genoß. Der größte Vermögensstand der Fngger fällt in das Jahr 1546 und bezifferte sich auf 4,700,000 fl. mit einem Goldwerth von etwa 40,000,000 Mark, was einen heutigen Kaufwerth vom Vierfach cn hievon repräsentirt. Die Geschäftsgewinne, mit welchen die Fngger beispielsweise arbeiteten, schwankten in der Zeit von 1511-1653 zwischen 2'/z °/g - 54'/, °/o pro Jahr, woraus allein das Unbeständige des damaligen Geldgeschäftes hervorgeht. Dabei ist das Nifico bei den Geschäften mit den damaligen Fürsten zu bedenken, das einen hohen Zinsfuß bedingte. Aus allem erklärt sich auch der rasche Aufschwung und der oft ebenso rasche Untergang oder wenigstens Rückgang der damaligen Geldgeschäfte treibenden Kaufhäuser. Diese Kaufhäuser waren meist offene Handelsgesellschaften mit einem ausgeprägten familiären Charakter, Familiengemeinschaften. Die Leitung war aber regelmäßig eine einheitliche und deßhalb umsichtige, sichere und feste. Die drei das Geschäft betreibenden Söhne des alten Jakob Fugger, unter denen Jakob II. der bedeutendste war, vereinbarten beispielsweise auch, daß das Vermögen des Mannesstammes u n« g-etheilt bleiben solle und nur die Töchter mit Heiraths- gütern abgefunden werden sollen. Dieser Grundsatz wurde auch in der Blüthezeit festgehalten und dadurch die ganze Macht fest und geschlossen erhalten. Die großen Häuser hatten damals au den gewichtigsten Platzen ihre Filialen, Faktoreien genannt, deren Leitung unter einem Faktor mit großen Befugnissen stand. Als die bedeutendsten Plätze erscheinen um diese Zeit Antwerpen, Lyon, Lissabon u. And. Gerade diese Einrichtung von Faktoreien ist zugleich ein Beweis, daß auch damals das Kapital eine internationale Bedeutung hatte, sie ist gleichzeitig aber auch das wirksamste Mittel, diese Jnternationalität zu fördern und zu begünstigen. Der Wechsel war damals bereits ein gewöhnliches Mittel für Geldtransaktionen. Anfangs suchten die Geldmächte vielfach international und neutral zu bleiben bei Abschluß von Geldgeschäften mit Fürsten. Allein im Laufe der Zeit begann eine Nationalisirung des Großkapitals, d. h. die einzelnen Geldmächte ergriffen im politischen Kampfe der Nationen und Fürsten die Partei eines Theiles und stellten sich nicht bloß vorübergehend, sondern dauernd in dessen Dienst. So sind die Fugger von jeher auf Seiten der Habsburger gestanden, haben deren Geschicke getheilt und nicht selten auch bestimmt. Geraume Zeit waren die Geldmächte so mächtig, daß sie den Fürsten gegenüber das Uebergewicht hatten und letztere deßhalb in eine gewisse Abhängigkeit Miethen. Jedoch bald wurden die großen Häuser durch einseitigen und ausschließlichen Betrieb von Geldgeschäften ihrer eigentlichen kaufmännischen Aufgabe entfremdet, sie versäumten es, auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes ihre Thätigkeit gehörig Zu entfalten. Dadurch zeigten sich alsbald die schädlichen Wirkungen derselben. So nützlich und unerläßlich nothwendig Kapital und Kredit für die Culturentwicklnng sind, indem sie eine unerläßliche Vorbedingung derselben bilden, so werden sie doch ungcmein schädliche Wirkungen üben können, wenn deren Inhaber ihre kulturelle Aufgabe außer Acht lassen und sich lediglich von einem weitgehenden Egoismus und einer daraus hervorgehenden Spekulationswuth leiten lassen. Als Steuerpächter und Staatsgläubiger begannen sie allmählig einzelne Völker zu bedrücken, als Kreditvermittler verwickelten sie vielfach kapitalrciche Völker in gefährliche Finanzkriseu, unter denen sie vielfach selbst zu Grunde gingen. Wir finden demnach, daß an der Schwelle des Ueberganges vom Mittelalter zur Neuzeit die wirthschaft- lichen Verhältnisse nothwendig zur Entstehung großer Geldmächte führen mußten, daß denselben wichtige wirthschaftliche Aufgaben zukamen, daß sie jedoch ihre Aufgabe schließlich einseitig in Finanzgeschäften suchten, wodurch die ganze Entwickelung einen bedeutenden Rückschlag erlitt; indeß ist dabei nicht außer Acht zu lassen, daß diese schädlichen Finanzgeschäfte vielfach doch nichts anderes waren als symptomatische Erscheinungen des Rückganges einer geordneten Erwerbsthätigkeit, für den Mangel einer genügenden gesunden Anlagegelegcnheit und Erwerbsmöglichkeit in der damaligen Zeit. Damit war auch das Schicksal derjenigen, die keine so zweifelhaften Finanzoperationen vornahmen, besiegelt; auch sie Miethen, wenn auch langsamer, so doch nicht, minder gründlich, ins Verderben. Wir fassen mit dem Verfasser die wirthschaftliche Bedeutung der Geldmächte des 16. Jahrhunderts dahin zusammen, „daß sie die Todtengräber des Mittelalters und die Fackelträger der Neuzeit waren, welche sie selbst aber nicht mehr erleben sollten; sie standen gleichsam Wache an der Pforte zu diesem neuen Zeitalter". 21 Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Palästinafahrt. Erwerbung Kapharnaums für das katholische Deutschland und des Johanniterspitals für Preußen von Professor Dr. Sepp. (Fortsetzung.) Dr. 8. L. Eine hübsche Beigabe ist I, Kapitel 55, in welchem Sepp's Interview mit dem Hohenpriester Amram der Samariter erzählt wird. Echt orientalisch ist die Zurückhaltung des Kohen, der nur etwas wärmer wird bei der Erwähnung der Anstreitung des Garizim durch die Juden und beim Namen des Ozair — Esra. Sonst erfährt man mehr aus den Worten Sepp's, als aus den Bemerkungen des Kohen. Echt orientalisch ist der Schluß des Interview, welcher sich ganz kurz arabisch in die bekannten Worte zusammenfassen läßt: Bakschisch, Chaivadsche (ein Geschenk, Herr!). Es hat mich übrigens getröstet, daß Sepp auch nicht viel mehr herausgebracht hat, als ich bei meinen Fragen an Kopten, Syrer, Karaffen rc. Uebrigens sind seitdem die Samariter in der Cultur weiter fortgeschritten. Als ich vor 2 Jahren ihre Synagoge betrat, überreichte mir ein Knabe einen gedniäten Zettel, welcher in englischer Sprache, in ein paar Bibelsprüche eingewickelt, dieselbe Bitte enthielt, die vor 20 Jahren der Kohen Amram an Sepp stellte, nämlich die Bitte um fränkisches Geld. Im Verlauf dieses Gespräches erwähnt Sepp den Spottnamen, welchen die Samariter dem Tempel der Juden gaben. Statt wiciäasolr (Heiligthum) sagten sie: inrcktMoir — Mörser. Im vorliegenden Kapitel schreibt Sepp unrichtig inalcclosoll mit Daleth statt Thaw, übersetzt aber richtig mit Mörser; I, 18 dagegen schreibt er richtig wuktssolr mit Thaw, übersetzt aber irrthiimlich mit Aussatz. Derartige Flüchtigkeiten sind noch mehrere im Buche. Der Verfasser tritt mit den Samaritern dafür ein, daß der Garizim der Berg Moriah sei, also die Stätte, wo Abraham seinen Sohn opfern wollte. Dagegen wäre nichts einzuwenden» wenn die Beweise ftringenter wären. Ueber den 2. Theil, welcher von Jerusalem und Umgebung handelt, kann ich mich kürzer fassen. Zwar enthält derselbe Sepp's Ansichten über die Topographie des alten Jerusalem, welche von den übrigen Ansichten (es existiren ca. 20) in gar manchen Punkten abweicht. Aber da gerade jetzt die Ausgrabungen des Amerikaners Bliß am Ophcl die Jerusalemfrage in ein neues Stadium bringen, so will ich lieber die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Ausgrabungen abwarten, als mit den unzulänglichen Mitteln, mit denen bisher die Frage mehr verwirrt als gelöst wurde, operiren. Sepp verlegt das praotorrum kilnti in die Nähe des Jaffathorcs, da, wo gegenwärtig die evangelische Christuskirche steht (II, 64). Demnach ist die via llolorcwa, unecht. Soweit Sepp sich damit beschäftigt, darzuthun, daß die Burg Antonio niemals das prnsvorium Uilutu gewesen sei, soweit halte ich seine Gründe für stichhaltig. Dagegen möchte ich nicht mit Sepv dasselbe beim Jaffathor suchen, sondern mit Zanccchia (Im iUaiWtina, ll'oAgi I, 240 n. ff.) in der Nähe des Bab es Silsile (Kcttenthor) des Haraui, in dem jetzt Mchkeme genannten Gebäude. Diese Ansicht hat die Tradition der ersten 10 Jahrhunderte für sich, wie der gelehrte Dominikaner looo citatn, ausführlich nachweist. Allerdings sind dann die ersten acht Stationen der traditionellen Via ävlvrosn an falscher Stelle, aber mit Recht bemerkt Zanecchia: in oZui vwclcr il visitars äetto stamoni L somxrs una buona, e Icr äovolö pralioa cii xiotL, altm g, lioüi rrmars allg, uronts i tatti oüo aeoompagnarono la xasowns cisl äivin Roäentoro. Aber wie konnte die wahre Richtung und Lage des Kreuzweges in Vergessenheit kommen? Darauf gibt Sepp II, 95 eine ganz befriedigende Antwort: „Die via äolorosa, hat die Krcuzschleppung des Hcraklius für sich." Der Weg also, auf welchem Heraklius das hl. Kreuz im Triumph durch die Straßen Jerusalems zur hl. Grabkirche trug, hat die Erinnerung an die echte via äoloi' 08 a, auf welcher der Heiland in bitterer Leidens- stnnde das Marterholz zum Calvarienberge schleppte, verdrängt. Sepp tritt mit aller Energie für die Echtheit des hl. Grabes ein. Es wäre doch ein ganz absonderliches psychologisches und historisches Räthsel, wenn den Christen die Kenntniß des Grabes Christi abhanden gekommen wäre. Die Funde bei dem russischen Hospiz haben auch den Gelehrten Recht gegeben, welche für die Echtheit des Kalvaria und des hl. Grabes eingetreten sind. Sepp fordert Oesterreich auf, das CLnaculum, welche» der Kaiser schon im Frieden zu Carlowitz 1699 beanspruchte, zu reclamiren. Ob die Sache so leicht geht, als sich Sepp denkt, kann ich nicht entscheiden; aber jedenfalls wäre es ein Freudentag für die ganze Christenheit, wenn im Abendmahlsaale zum ersten Male nach langer Zeit wieder die hl. Geheimnisse gefeiert würden, ljuoä taxit Oens. Ein Lieblingsthema des Pros. Sepp ist die Hypothese, daß die Omarmoschee ein Bauwerk Justiuians, also christlichen Ursprungs, die Aksamoschee dagegen ein arabisches Werk (von Abd el Malik) sei. Die Franziskaner- Tradition dagegen hält die Omarmoschee für ein arabisches und die Aksamoschee für ein christliches Baudenkmal. Die literarische Fehde über diesen Gegenstand, au welcher sich Nieß und Gildenmeister gegen Sepp ausgesprochen haben, hat gezeigt, daß die Entscheidung aus architektonischem Gebiete liegt und daß die Pilger- und Reiseberichte, sowie die historischen Zeugen, welche beide Parteien vorbrachten, allein die Frage nicht lösen können. Der verdiente Jerusalemkenner und -Forscher Vaurath Schick hat neuerdings eine Schrift über dieses Problem herausgegeben. Leider ist mir dieselbe noch nicht zu Gesicht gekommen. Jedoch aus Anzeigen dieses Buches geht hervor, daß Schick der gleichen oder doch ähnlicher Ansicht ist, wie Sepp. Letzterer erwähnt auch eines Congreffes von Architekten, Ingenieuren und Kunstverständigen, welcher mit 29 gegen 2 Stimmen ihm beipflichtete. (11. 43.) Wo dieser Congreß stattfand und wann, ist nicht erwähnt. Auch die Emmnusfrage wird auf's Neue angestellten und Emmaus mit Kolouieh idcntificirt. Die Franziskaner halten Kubcbe, 60 — 70 Stadien nordwestlich von Jerusalem, Zanecchia, Schiffers und Andere Amwns-Nikopolis, 176 oder 160 Stadien von Jerusalein, für das evangelische Emmaus. Diese drei Orte haben alle etwas für sich, und jeder hat vor dein. andern einen besonderen Vorzug, so daß die Entscheidung schwer ist. Kubebe ist von Jerusalem etwas mehr als 60 Stadien (---- 11 Kilometer — 2 Stunden 45 Minuten), vom Jaffathor gerechnet, entfernt, stimmt also mit der Vulgata Luc. 24 übcrcin; außerdem besitzt es die Rinnen einer herrlichen dreischiffigcn Basilika, für deren Errichtung an diesem Punkt man keinen Grund 22 einsieht, wenn man nicht Emmaus hier finden will. Amwas- Nikopolis hat den Namen, den hl. Hicrcmymus und Eusebins für sich, sowie eine Anzahl CodiceS, wie die meisten armenischen Handschriften, die Peschito, die 6ollä. graeLU8 LanFörwLiius, illulllonsis, Oz'prus, Linuitious, welche 160 Stadien lesen. Doch die Entfernung von 160 bis 175 Stadien — 30—32^2 Kilometer ist für die Luc. 24 erzählte Begebenheit zu groß. Kolonieh hat den Vorzug der Nähe von nur 30 Stadien — 5'/g Kilometer — 1 Stunde 20 Minuten und einen Brunnen Bet Amüs. Eine Handschrift des Josephus schreibt nach Sepp 30 Stadien, ebenso hat Nufiuus; alle sonstigen Handschriften des Josephus haben 60 Stadien. Die Stadien waren aber nicht immer gleich groß, z. B. in Aegypten — 216 Meter, anderswo — 180, 182, 185 Meter. Die Tradition nehmen natürlich alle drei Ansichten für sich in Anspruch. Die Vulgata - Lescart 60 Stadien ist wohl die ursprüngliche, da nur eine solche Entfernung mit der evangelischen Geschichte im Einklang steht; die Nummer 1 scheint von denjenigen vorgesetzt worden zu sein, welche Nikopolis dem evangelischen Emmaus gleichsetzten, in Wirklichkeit aber ist Nikopolis von Jerusalem 176 und nicht 160 Stadien entfernt. Auch glaube ich, daß, gerade um den Leser vor einer Verwechselung mit Emmcms- Nikopolis zu warnen, der Evangelist oder ein früher Glossator die Entfernung beigesetzt hat, ein Vorgang, der ganz ungewöhnlich ist; hätte Lucas die Stadt Emmaus im Auge gehabt, so wäre ein solcher Zusatz unnöthig gewesen. Ich bin leider gezwungen, zu gestehen, daß ich weder für Kolonieh noch für Amwas-Nikopolis mich entscheiden kann, auch nachdem ich Scpp's Ausführungen gelesen habe; ich neige mich vielmehr der Ansicht zu, daß Kubebe sehr viel für sich hat. Wenn es sich auch nicht sicher als das evangelische Emmaus erweisen läßt, so haben die Franziskaner mindestens ebensoviele und ebenso gewichtige Gründe für sich, als die Anhänger von Amwas und Kolonieh. Daher ist Sepp durch nichts berechtigt, II, 248, den Franziskanern folgende Zeilen zu widmen: „Die Ordensväter in der hl. Stadt brauchen gerne das Wort: No o äa, tolle, nag, solarnonto äolla trallitiono! Wohlgesprochen, wenn man traäitio im Sinne von ,Verrath' an der Wahrheit nehmen darf." Es gibt ein deutsches Sprichwort, welches einem hier unwillkürlich aus der Feder fließt: „Mein Freund, Du hast unrecht, denn Du wirst grob!" — Uebrigens hege ich die feste Ueberzeugung, daß die Väter nicht no S sondern iron Z sprechen beziehungsweise schreiben, ferner daß keiner der so sehr von oben herunter behandelten italienischen Patres jemals tr> ikiono gedruckt hätte, sondern wie jedes Wörterbuch der italienischen Sprache ausweist: tralliriono mit 2 . Die Franziskaner haben jedenfalls ebensoviel Recht, ihre eigene Ansicht zu haben, wie jeder andere, der sich mit der hl. Geographie beschäftigt. Solange sie ihre Tradition mit Gründen belegen können, solange hat man kein Recht, ihnen den schwer wiegenden Vorwurf des Verrathes an der Wahrheit zu machen. Ich halte keineswegs jede und alle Tradition der Väter vom hl. Land für wissenschaftlich haltbar; aber daran habe ich keinen Zweifel, daß alle Traditionen optimg, 6äo empfangen und überliefert werden. Quaresmius, auf den sich die Hüter der Tradition fast immer berufen, wird selbst von Sepp I, 163 der „gewissenhafteste Mann unter den Vatern des hl. Landes" genannt und mit dem Prädikat „gelehrt" geehrt. Wenn die Patres gegen die wissenschaftlichen Forschungen vielleicht zu skeptisch sind, so ist das ihnen nicht so sehr zu verargen; denn die Franziskanertradition hat gar viele Hypothesen entstehen und vergehen sehen. Z. B. nach einem Brief des Missionärs und Palästinaforschers Don Gatt in Gaza scheinen die neuen Ausgrabungen am Ophel in Jerusalem die bisher so verpönte traditionelle Ansicht vom Sion zu bestätigen. — ^ Man bekämpfe also die Tradition, wo sie unhaltbar ist, mit wissenschaftlichen Waffen, aber werde nicht gleich nervös, wenn der Gegner auf seiner Meinung besteht, weil er gnte Gründe dafür zu haben glaubt. Die Franziskaner haben für das hl. Land mehr gethan, als alle europäischen Palüstinaforscher mit einander, sie haben oft ihr Leben eingesetzt, ihr Blut vergossen, um die heiligen Stätten zu vertheidigen; daher ist es undankbar und ungerecht, sie jetzt als guautitö noZIiZonbis zu behandeln. Damit will ich die Besprechung der geographischen Ausführungen Sepp's beschließen. Zu meinem Bedauern mußte ich fast immer erklären, daß mich die vorgebrachten Beweise nicht oder nicht ganz überzeugen konnten. Sepp's Methode krankt vor allem daran, daß er die Einwürfe seiner Gegner zu wenig ernst nimmt. Würde er sich der Mühe unterzogen haben, die Gründe der Gegner > eingehend zu prüfen und zu widerlegen, dann hätte er erkennen müssen, daß es auch seinen Gegnern mit dem Streben nach Wahrheit Ernst ist, und daß auch sie Gründe haben für ihre Meinung, und gar manches bittere und verbitternde Wort wäre ungeschrieben geblieben, und manche Hypothese wäre nicht aufgestellt worden. (Schluß folgt.) Die Ode Papst Leo's XIII. an Frankreich. ch Wie in Nr. 13 der Postzeltung („Aus der kathol. Welt. — Frankreich) bereits gemeldet wurde, bringen die französischen Blätter die Uebersetzung der von Leo XIII. zum 1400jährigen Chlodwig-Jubiläum gedichteten Ode. Das Poöm berührt mehrere große Ereignisse in Frankreichs Geschichte, z. B. Chlodwigs Bekehrung, die Pipinische Schenkung, die Krenzzüge, Jeanne d'Arc, die Reformation u. a. Der hl. Vater sandte die Ode an den Cardinal von Reims, welcher sie am heil. Christtage in seiner Kathedrale den Gläubigen verlas. > Soeben veröffentlicht das neueste Heft der Oivlltä eattolioa vom 16. Januar den Originaltext. Die Ueber- schrift lautet in Nachahmung der bekannten Stelle im Prologe zur 1 -ox Laliea: „Vivat Odristus gui äi- liAitk'rg.noos! Ob moworiain auspieatissiwi ovontus guum I'ranoornw natio praosnnto Oloäovoo ro^o ss Obristo acläixit, oäo." Was die historischen Anspielungen des Gedichtes betrifft, so kann man vom geschichtswissen- schaftlichen Standpunkte aus bisweilen anderer Meinung sein. Die Befürchtung, daß eine chauvinistische Ausnutzung der Ode durch unsere Nachbarn erfolgen wird, dürfte auch nicht unberechtigt erscheinen. Dazu verleitet schon das Wortspiel mit „^ranoi" rc. rc., obwohl der Papst z. B. in der 2. Strophe nicht ohne Absicht und angesichts seiner versatilen Sprachkunst gewiß nicht aus metrischem Zwang das Wort „loutonum" gewählt hat statt des näher liegenden, aber gerade sür Franzosen zweideutigen und darum leicht mißbräuchlichen ,,^Iaman- norum"! Das wirklich klassische Sprachgefühl und das jugendliche Gcistesfeuer des 87jährigen Papstes kann man ^ nur anstaunen. Es folgt hier der Text der Ode: „Oontinm oustos Osus est. Rspsnts Ltornit üwiZuss bumilssgus prowit: Llxitus roriim tonst atguo nutu lomporat asguo. Doutoniim pro 88 U 8 Olollovous arrnis, Ot 8U08 viciit tropicioo porioli, 23 I'srtur das voess iterssse, sä sstrs Rnmivs tenäens: . Oivs, gusm supplex sssxs mes eoniux l^unenpst ckssnm, mibi clsxtsr säsis; 81 iuvss xromxtus vslläusgne, totum Lle tibl äsäsm. » lilleo exeussns xsvor: seriores Dxeitai: virtus snimos; resur^it I'rsneus in xnKvsm; rait, et ernentos Oisiieit dostes. » Victor 1, voti Oloäovss eompos, 8ud inZo Obristi esxnt obllAstum Rone; ts Remis manet inkulsts Rronts ssesräos. Imäor? Da siZnis xositis sä srsm Ipse rex sacris rsnovstur unäis, Lt oodors omnis popnlnsgns äio llin^itnr smvs. » Roms ter kelix, caput o renstss Ltirpis bnmsnss, tns xsnäs rsKvs: Hsmgns vietriees tidi sxonts Isnros I'ran ei» äekert. I^s eolst mstt'em; tu» msior esse Oestist ustn: xotiors vits Liesest, se summa beneüäs Retro Llsrs keretur. II t midi lonßgim lidet intueri ^§msn deroum! Oomitor keroeis L'Äxet Xstolü, plus ille säen luris smstor, Remgue Romsnsm populsntis uttor Bis Per adruxtss metuenäus »Ipes Irrait, summogue Rstro volsntss >sserit indes. diaetus sämiror Lolxmis positss Vinäiees 8sneti lumuli pbalsnASs: Ns Rslsestims renovsts esmpis Rroslis tsnAUllt.') O novum robur eeledris xnellss Osstrs perrumpens iuimies! lurxem 6sUise elsäem repullt äosnns dlomine tret». 0 guot illustres snimss vsksuäs Lloustrs Lalvini äomuere, §sntem Rade tsm äirs xrodidere tortss 8eeptrsgus reZni! tzuo ksror! lemxus rsäit suspiestum llrises gno virtus suimis eslesest. Leee Remeusis^) eiet atgus säurZst Ooräs triumxbns. Eslliess xentss, iudsris vetusti die ciuiä odseuret rsäios, esvets: bleve suiknuäst malesusäus error LIsutidus umdrss. Vos reKst Odiistus, sidi guos reviuxit: Obsegui seetis xuässt probrosis; Oeeiäst livor, soeissgue in uunm Lo^ite vires. 8seels dis septsm eslor setuosss Rerstitit vitse, remrens perire: ') Anspielung auf die orientalischen Wirren unserer Tage. i -) Anspielung auf die neuerliche Konferenz in Reims. ! Lurrits sä Veslsm'): novus sestusdit Reetors kervor. Oissitis üoret msxis usgus terris Esllieum uomen: poprllis vel ipsis L.äsit eois, üäeigus sauetse Vots sveuuäet. I^ll Läs Ldristi prius: dse säempts Illl äiu kelix. 8tstit uuäs priseae 8umms laus Aeuti, msuet iuäs iuxis Öloria Osllos. d,eo xm. Chronik des Jahres 1896. (Nachdruck »erbotn,.) Juli. S. Wahlen in Belgien. Resultat: Kolossales Anwachsen der Socialdemokratie, vollständiges Ende der Liberalen; Stichwahl zwischen Katholiken und Socialisten. 10. Ministerkrise in Italien; Rudini mit Neubildung des Cabinets wieder betraut. 11. Fünfundzwanzigjähriges Jubiläum des Klangs von Sachsen als Generalfeldmarschall. 14. Reconstruirtes italienisches Ministerium Rudini; Pelloux Krieg, der Herzog von Sermoneta (Aeutzeres) nicht mehr Minister. 16. Die Drusen werden von Tahir Pascha bei Taleh entscheidend geschlagen. 20. Visconti Venosta zum italienischen Minister des Aeußern ernannt. 20. Zahlreiche Christenermordungen durch Muhamedaner auf Creta. 22. Die Pforte rüst in Folge der Vorstellungen den Botschafter Abdullah Pascha von Creta ab. 23. Demonstrationen in Lille gelegentlich der Anwesenheit der deutschen Socialisten. 23. Das deutsche Kanonenboot „Iltis" während eines Taifuns in den asiatischen Gewässern untergegangen; Capitain Braun, alle Officiere und die Mannschaften, bis auf 10 Gerettete, untergegangen. 28. Sämmtliche Angeklagte im Prozeß Jameson verur- theilt; Jameson 15 Monate Gefängniß. 28. Internationaler Socialisten-Congreß in London. 29. Straßcntumulte in Zürich gegen italienische Arbeiter. 30. F. Schröder wird vom kaiserlichen Gericht in Tanga zu 15 Jahren Zuchthaus vernrtheilt. Äugn st. 1. Eine Fluthwelle überschwemmt die Provinz Kiangu (China) und richtet großen Schaden an. 2. Fünftes deutsches Sängcrbundesfest in Stuttgart. 4. Der erste Zug der transsibirischen Eisenbahn in Tomsk eingetroffen. 7. Dritter internationaler Congreß für Psychologie in München. 15. Entlassung des Kriegsministers Brousart von Schellen- dorff bewilligt: Nachfolger Geuerallieutcnautv.Goßler. 17. Fridtjof Nansen kommt in Hammerfest an; große Ehrungen. 20. Nansens Schiff „Fram" in Skjervö angekommen. 22. Entdeckung einer Verschwörung auf den spanischen Philippinen. 23. Erklärung im Staats- und Reichsanzeiger, betr. den Willen des Kaisers, einen Gesetzentwurf zur Militär- Itrafprozeß-Orduung vorzulegen. 23. Deutscher Katholikentag in Dortmund. 24. Audröe beschließt, wegen ungünstigen Windes mit dem Ballon nicht aufzusteigen. 25. Sultan Hamed bin Thwain von Zanzibar stirbt; lein Onkel Said-Kalid ergreift widerrechtlich Besitz vom Thron. 26. Furchtbares Blutbad unter den Armeniern in Kon- stantinopel. Eine Anzahl Armenier sind in die Ottomanbank eingedrungen, erreichen aber nichts. 27. Kaiser Nikolai II. von Rußland als Gast des österreichischen Kaisers in Wie». °) „Iklnmeu allnens Homos, nbi rei cbristisnse spuck Vrsneos äeäieals snut initial September. 1. Die Engländer werfen den Aufstand in Zauzibar nieder und nehmen den Sultan Said-Kalid gefangen. I. Massenhafte Verschwörer-Verhaftungen m Konstantinopel. 4. Festliche Kaisertage in Breslan; das deutsche Kaiserpaar gefeiert. , ^ 5. Festliche Ankunft des russischen Zarcnpaares in Breslan. ^ S. Vierzigjähriges Regicrungs - Jubiläum des Groß- herzogs Friedrich von Baden. 5. Kaisertoaste auf dem Festessen (Galatafel) in Breslan. Der Kaiser von Rußland sagt: »äs puis vons assuror, Lirs, gas zs suis. avimä ä ss intzmss ssutimsnts tra- äitionsls gus votrs Llazesto." Wolff's Telegraphenbureau bringt die drei letzten Worte „gas man xdro". 7. Neue cretische Verfassung vorn Sultan bewilligt. 8. Das russische Kaiserpaar in Kiel. 9. Großartige Empfangsfeier Nansens und der Fram- Leute in Christiania. 13. Entdeckung einer geheimen Dynamit-Fabrik in Antwerpen: angebliches Komplott gegen das Leben des Zaren; Tunan, die geheimnißvolle Nr. 1 der Uube- sieglichen, Ehef der senischen Mordbande, in Bonlogne verhaftet. 14. 20 . Krawalle von Opalenitza (Posen). '. we Eirtdeckung einer Bombenhöhle in Konstantinopel. — Deftige Unruhen im Innern Armeniens. 20. Versaminlimg deutscher Naturforscher und Aerzte in Frankfurt a. M. 23. Deftige Ausfälle Gladstones gegen den türkischen Sultan wegen der armenischen Gräuel. 24. Bomhen-Ausstellnng der türk. Polizei; 242 Bomben. 26. Feierliche Eröffnung des eisernen Thores zu Orsova. Recensionen und Notizen. Der Campo Santo der Deutschen zu Rom. Geschichte der nationalen Stiftung, zum elfhnndert- iährigen Jubiläum ihrer Gründung durch Karl den Großen herausgegeben von Anton deWaal, Rector des Campo Santo. Freiburg i. Breisgau, Herder, 1896. * Ueber diese treffliche Schrift lesen wir im Augsb. Diöcesan-Amtsblatt: Wir betrachten es als Ehrensache, der Geschichte der Nationalstiftung der Deutschen in Rom an dieser Stelle einige Worte zu widmen. Unter der Führung eines hervorragenden Gefchichts- und Alterthumskenners, der sich während der 25 Jahre seiner Anstellung am Oampo santo äst Isässobi mit der Geschichte desselben beschäftigt hat, eine Wanderung durch die im Verlaufe von 11 Jahrhunderten sich abspielenden wechsel- vollen Schicksale der Nationalstiftung zu machen, ist ein geistiger Genuß. Viel des Erbebende!: von treuem Zusammenschluß der nach Rom, diesem ebenso einzigartigen als vielseitigen Anziehungspunkte der Geister, wandernden Laudsleute, von mannigfacher Bethätigung religiöser Gesinnung, von Achtung gebietenden Bestrebungen aus den Gebieten christlicher Charitas, echter Kunst und katholischer Wissenschaft, und das alles eingestellt in den großen Rahmen der ewigen Stadt und ihrer Geschichte: ein überaus abwechslungsreiches und wirkungsvolles, dabei — Dank der Darstellungsgabe des Verfassers — äußerst anschauliches Gemälde. Mit aufrichtiger Freude und berechtigtem Stolze aber muß jeden deutschen Leser die Thatsache erfüllen, daß die Nationalstiftung in der jüngsten Zeit durch Zuweisung neuer und höchst zeitgemäßer, in erster Linie wissenschaftlicher Aufgaben einen ungeahnten Aufschwung genommen hat und geehrt und geachtet dasteht, wie kaum in einer der vorangehenden Blütheperioden. Den derzeitigen rührigen Herrn Rector, dessen Name in der wissenschaftlichen Welt selbst einen guten Klang hat und dessen Umsicht und Liebenswürdigkeit nicht zuletzt der gegenwärtige blühende Stand des Campo Santo mit zu verdanken ist, möchten wir gebeten haben, den Ausdruck unserer freudigsten Theilnahme aus Anlaß dieser seltenen Säcularfeler entgegen zn nehmen. Die prophetischeJnspiratiou. Biblisch-patristischs Studie von Dr. Franz Lcituer, Subregens des Georgianischen Clerikal - Seminars in München. (Biblische Studien, hcrausg. von O.Äarden- hewer, I. Band, 4. u. 5. Heft.) Freiburg, Herder, 1896. 8°. IX, 195 S. 3 M. 60 Pf. v. Der Verfasser hat sich die Aufgabe gesetzt, den Einfluß begrifflich zu bestimmen, den Golt nach der Lehre der hl. Schrift und der Väter auf das Zustandekommen der Prophetie im weiteren Sinne des Wortes ausübt. Er zeigt in lichtvoller, überzeugender Darstellung, daß mrch für diese Form der (mündlichen) Verkündigung göttlicher Wahrheiten eine außerordentliche und übernatürliche Einwirkung Gottes nothwendig ist. in Folge deren sowohl der Inhalt der Prophetie rn Gott seinen Ursprung hat, als auch die Mittheilung der iuspirirten Gedanken auf göttlichen Antrieb und unter beständiger göttlicher Leitung geschieht. Mit den rationalistischen Versuchen, die Prophetie ohne göttliche Inspiration aus bloß natürlichen Airlagen und natürlichen Motiven zn erklären, zeigt L. sich bestens vertraut und legt in besonnener, ruhiger Kritik die Grundlosigkeit dieser Theorie dar. Anderseits tritt er auch der Annahme, die Inspiration bedeute die direkte Eingebung eines jeden Wortes, mit vollem Rechte entgegen und setzt auseinander, wie sich die Individualität des Propheten auch unter dem göttlichen Einflüsse in mannigfacher Richtung bethätigt. — L.'s sorgfältige und nach streng wissenschaftlicher Methode durchgeführte Arbeit reiht sich würdig den Werken an, die bislang in den „Biblischen Studien" erschienen sind, und bringt den ersten Band dieses vorzüglichen Organs trefflich zum Abschluß. „Katholischer Schulfreund" mit der Beilage „Der katholische Jüngling", Organ des Vereines zur Heranbildung katholischer Lehrer. Ganzjährig 12 Hefte zuni Preise von fl. 1.20 sanrnit Postzusenduug. Bestellungen sind zu richten an die Vereinscanzlei Marienheim in Strebersdors bei Wien. Soeben kommt uns das 1. Heft des 2. Jahrganges dieser eigenartigen, vortrefflich redigirten Monatsschrift zu. Der „Schulfreund" beginnt nrit dem herrlichen Gedichte Franz Eichert's: „In Jesu Namen"; dann beginnt der begeisterte Kauzelredner ?. Emanuet Martine!. Franciscaner-Ordenspriester in Wien, einen Artikelcyclus: „Die Hauptaufgabe der Schule in unserer Zeit". Im ersten Theile behandelt er die Frage: „Christenthum oder Atheismus ?" — Von den hervorragenden Pädagogen aus der Schulbrüderconaregation wird uns der Bruder Philipp und sein begeistertes Streben vorgeführt, daran reiht sich eine kurze Geschichte der katholischen Universität Frei- bura in der Schweiz, eine Schilderung des Lehrerseminars in Tisis, die Fortsetzung Vänas schöner Erzählung u. s. w. — „Der katholische Jüngling" beginnt mit einem Leitstern für die Jugend von einem wohlbekannten Jugendfreunde: ein Gedicht: „Des katholischen Jünglings Liebe zum göttlichen Kinde"; eine Lcbensgeschichte Joseph Wichners; eine Schilderung des großen Pariser Jüng- lingsvereines, gegründet von Vicomte de Melnn, eine Oricntreise vom Hof-Photographen Scolik und vieles Interessante und Lehrreiche der mannigfachsten Art. Wir empfehlen dringeudst die Unterstützung und weiteste Verbreitung der tüchtigen pädagogischen Schrift. Der Mensch und sein Engel. Ein Gebetbuch für katholische Christen von Alban Stolz. Mit Approbation des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Freiburg. Zehnte Auflage, mit farbigem Titelbild. Freiburg i. Vr., Herder'sche Verlagshaudlung. * Alban Stolz regt in der Form von Betrachtung und Gebet in seiner kräftigen Sprache den Katholiken an zu recht vertrauensvollem und wirksamem Gebete. Das Gebetbuch enthält neben den üblichen Audachtsübungen, Beicht- und Communiongebeten sieben Meßgebete und als Zilgabe die Vesperpsalmen, mehrere Litaneien und sonst bei kirchlichen Andachten übliche Hymnen und Gebete, zum Theil im lateinischen Original mit deutscher Uebersetzung. Die große Zahl der Auflägen und der Name Alban Stolz bilden die beste Empfehlung für das Gebetbüchlein. Preis geb. von 1 M. 15 Ps. bis 5 M. 60 Pf. Derantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck ».Verlag des Lit. Instituts von Haas LGrabherr in Augsburg.