Die Weltanschauung im Sinne des hl. Thomas von Aquin. (Vortrag gehalten im akad. Görresvcrein in München.) 3. 6. Welcher Gegenstand läge dem forschenden menschlichen Geiste zugleich näher wie ferner als die Frage nach dem Wesen des Weltganzen, nach dem „ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht". Welch wunderbares Gebilde ist nicht das Weltall! Sehen wir nicht darin die physische und die moralische Natur oft im Frieden, oft aber auch im Streite liegen? Sehen wir nicht, wie in diesem Universum das Ewige den Hintergrund abgibt für das Vergängliche, wie Sterbliches die Schaubühne bildet für Unsterbliches? Sehen wir nicht, wie in der Welt die größte Willkür verbunden ist mit der größten Dienstbarkeit? Kurz, sehen wir nicht in dem All, das uns umgibt, die schreiendsten Dissonanzen, und sieht nicht unser Geist, der ein Geist der Ordnung ist, hinter ihnen im letzten Grunde doch die größten Konsonanzen? Wem sollte darum nicht das Verlangen kommen, hinter das Geheimniß dieses großen scheinbaren Irr- und kVirrgartens einen Blick zu thun? Diesen Blick thun, heißt aber eine Weltanschauung haben. Wenn wir eine Weltanschauung suchen, dann suchen wir die Principien, wo möglich das eine Princip, aus dem wir der gesammten Welt Entstehen, Bestehen und Vergehen einheitlich zu begreifen vermögen; dann suchen wir den einen Punkt, das eine Rom, zu dem alle die viel- vcrschlungeneu, weitverzweigten Pfade des Weltalls in letzter Linie nothwendig hinführen. Wer dieses Rom erreicht hat, der hat eine Weltanschauung gewonnen. Viele Forscher haben nach einer Weltanschauung gerungen; auf manchen Wegen hat mau sie zu erreichen versucht. Leider waren es unr zu oft Irrwege; leider mußte sich und muß sich noch heute von der Lippe des sterbenden Forschers nur zu oft das Bekenntniß los- ringcn: „DrZo arraviwus", „Also war es doch verkehrt". Doch nicht alle sind so unglücklich. Schon aus dem Dunkel des Heideuthums sehen wir in Sokrates, Plato und namentlich in den: großen Stagiriten, dem „Meister der Wissenden'") die Erkenntniß der Wahrheit aufdämmern. Doch erst in der Zeit, wo der „Oriens ex alte", der „Morgenstern in der Höhe" über der Welt aufgeht, steigt das Licht der Wahrheit zur Mittagshöhe empor. Da sehen wir die großen Kirchcnväter und namentlich den Niesengeist des heil. Angustinus Gottes unermeßlichen Weltendom in kühnen Linien geistig nachbauen und unserm staunenden Sinn begreiflich machen. Allein noch finden wir auch bei diesen Leuchten der Wissenschaft nicht den Weltendom als Ganzes wieder; nur den einen oder andern mächtigen Stein zum Bau des Ganzen hat ein jeder von ihnen Herbeigetragen. Den Ban selbst hat zum erstenmale und zugleich mit unübertroffener Meisterschaft der hl. Thomas von Aqniir vollendet. Dieser Aufgabe ist namentlich sein meisterhaftes Buch „Lumina contra gsutss" gewidmet. Indem ich mir darum vorgenommen habe, das Bild einer Weltanschauung wenigstens in einigen Umrissen vor Ihren Augen zu zeichnen, werde ich mich getreulich an das Vorbild dieses großen englischen Lehrers halten. Möge nun der Name des heil. Thomas von Aquin Ihr Vertrauen zu meinen Worten erwecken; denn wahrlich dieser Name hat in der Kirche *) „I! maostro äi color olle saune". (Dante, luk. IV. 131.) und unter den Gelehrten einen guten Klang; es ist der ersten und besten einer?) So werden Sie mir auch in einem gewissen Punkte um so lieber Ihre Nachsicht gewähren; wenn ich nämlich aus der Noth des Zeitmangels eine Tugend der Darstellung mache und nicht jeden Satz, den ich ansspreche, ausführlich beweise. Oefter kann ich die Beweise nur andeuten, öfter kann ich auch nur die Thatsachen erwähnen. Wollte ich anders handeln, so würde ich auch nur mit einem nothdürftigen Bilde einer Weltanschauung im Rahmen eines Vortrages unmöglich fertig. Und nun an's Werk! Um die Darstellung übersichtlicher zu machen, wollen wir die Welt zuerst in ihrem Anfange und Ursprünge, dann in ihrem Bestände und schließlich in ihrem Endziele und ihrer Vollendung betrachten. I. Wenn der Mensch an die Dinge der Welt, die ihn umgeben, an Sonne und Sterne, an die Steine, die Pflanzen und Thiere, wenn er schließlich an sich selbst die Frage richtet: Woher denn seid ihr?, so hört er laut und einstimmig die Antwort: „Nicht wir haben uns gemacht, sondern Er, der über uns steht, hat uns geschaffen." „Aon ipsi Hos, sock ipso kamt uv8". Diese Frage an die Welt ist ein tiefes Nachdenken über ihr Wesen und ihre Ursachen, und die Antwort der Welt ist die gewonnene sichere Erkenntniß, daß über all diesem Veränderlichen auch ein Wesen existiren müsse, welches selber nie verursacht aller Dinge letzte Ursache sei. Dieses eine unverursachte, unveränderliche Wesen uenuen wir Gott?) Und so müssen sich im großen Gemälde des Weltalls immer zwei charakteristische Linien zeigen von grundverschiedenem Aussehen. Die eine bildet das Centrum, die andere die Peripherie; die eine ist ewig, unveränderlich, alles Bestehenden letzte Ursache, die andere ist zeitlich, vergänglich und geschaffen; die eine heißt Gott oder Schöpfer, die andere Welt oder Schöpfung. Was nun für die Peripherie das Centrum, was die Sonne für die Sterne, was für das Menscheuherz seine größte Liebe ist, das ist Gott für das Weltall, Ansgang und Ende, Vorbild und Leiter, « und c», kurz Alles. Es kann daher eine wahre Weltanschauung nur in engster Verbindung der Welt mit Gott gewonnen werden. Wie gelangt nun aber unsere Vernunft einigermaßen zu einem Begriff des göttlichen Wesens? Nur auf dem einen Wege, daß sie von dem unverursachten Urheber aller Dinge alle jene Unvollkommenheiten entfernt, welche den geschaffenen Wesen eben darum anhaften, weil sie einem anderen Wesen ihr Dasein verdankend) Die höchste Ursache aller Dinge muß also zunächst rein durch eigene Kraft existiren. Um das aber zu können, muß sie jeder Unvollkommenheit baar, die reine Wirklichkeit selbst sein, aetus purus. -h nxneri; Diese existireude unendliche Vollkommenheit ist aber nothwendig -) „Olle sovra ZU aktri eoms aquika veka". (Dante.) °) Herrlich hat diesen Gedanken der hl. Angustinus ausgeführt; vgl. 8. ilus. 8okikoguia cap. XXXI. — ek. 8. Illnin. 8. e. Zentss, Üb. 1. eap. XIII; 8. III. I. gu. 2. 8. Illoin. 8. v. §. Ull. I oax. XIV „Dst entern via reinet tonts ntsnänin praeeixme in consiäerations cll- vinas snllstantiae" ek. rel.; ek. 8. III. I. gu. XII a. 12; et g. 13 a. 12. °) „Dsns est priinnrn ens et prima eausa.., non itzitnr ballet in 8S akignick potentiae ackinixtum". 8. e. kill. I. cap. 16; ok. rel.; — in bletapllxs. kill. 9 ksot. 8. absolut einfach"), d. h. ohne jede Theilung oder Teilbarkeit in ihrem Wesen. Ebenso ist sie ewig?), d. h. ohne Anfang und Ende ihrer Existenz; schließlich kann die existirende unendliche Vollkommenheit nur eine") sein und muß daher alles Bestehenden und mit ihr nicht Identischen letzte absolute Ursache sein. Alles, was demnach in der Welt besteht und nicht dieses unendliche Wesen, Gott selbst ist, war einmal nichts und hat in letzter Linie von Gott sein Dasein empfangen. So war also der Ursprung der Welt auf ihrer Seite das Nichts, auf Gottes Seite die schöpferische Allmacht. °) Für den Ursprung der Welt war aber noch mehr als die Allmacht Gottes thätig. Schon eben sagten wir, daß Gott die existirende reine Wirklichkeit selbst ist. Dieser Begriff schließt den Gedanken ein, daß die göttliche Wesenheit alle und jede irgend mögliche Vollkommenheit in einem einfachen, unendlichen, reinen Acte umschließt.'") Daraus folgt unmittelbar, daß alles, was irgendwie Dasein und Vollkommenheit haben kann, in Gottes unendlicher Wesenheit seinen Urtypus besitzt, den es in einer genau bestimmten Weise nachahmt.") Da nun die göttliche Wesenheit unendlich vollkommen ist, so kann sie von den Dingen in unendlich mannigfalt ger Weise nachgeahmt werden, aber von keinem geschaffenen Dinge so, daß nicht noch eine Kluft weiter als Plancten- fernen zwischen ihm und Gottes Unendlichkeit läge. Indem nun ein jedes Ding in seiner Weise Gott nachahmt, würden schließlich umsomehr Seiten der göttlichen Wesenheit wiedergespiegelt werden, je mannigfaltiger die Dinge im Einzelnen sind und je vollkommener sie sich zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügen. Darum führt uns der Ursprung der Welt auf Gottes unendliche Wesenheit als auf ihr Urvorbild zurück. Dieses unerreichbare Vorbild ahmt das Weltall schon in allen seinen Theilen, ein jedes Ding in seiner Weise nach, mehr aber noch in der Gesammtheit seiner Existenz in Raum und Zeit.'?) Zwischen der Wesenheit und Allmacht Gottes fehlen aber noch zwei verbindende Glieder, die göttliche Erkenntniß und der göttliche Wille. Gerade sie sind aber Ar unsere Auffassung des Anfanges und Bestandes der Welt von grundlegendster Bedeutung. Wie die göttliche Wesenheit die ganze Fülle des Seins in einem reinen Acte vereinigt, so erstrahlt sie von Ewigkeit als die unendliche Wahrheit dem mit ihr dem Sein nach identischen göttlichen Verstände. Als die reine absolute Wahrheit, die keines Zuwachses, sei es an Inhalt, sei es an Sicherheit des Wissens fähig ist. erkennt und begreift Gott in unendlich vollkommener Weise durch alle Ewigkeit sich selbst.'") Es muß ferner im göttlichen Verstaube von Ewigkeit her alle und jede nur irgend mögliche Wahrheit ohne irgend welche Beschränk- ") 8. 1b. I. yrr. 3 a. 3. ') 8. o. §. üb. I. esp. XV; 8. 1b. I. q. 10. ') 8. o. §. lib. I. eap. 42; 8. 1b. I. ga. 11. ') 8. e. Ub. II. e. 6—8; 15, 16. 8. 1b. 1 gu. 44—46. ") „Kalla cls xsrleetioaibus ssssucU xotsst clsssss ei, huoä 68t jxsuill 6SS6 sul)sist6ii3". 8. 1. 4 a. 2 aä 3; 8. e. Ub. I eax>. 28. ") „Rolls ornuirro esse polest evtis ratio, in gaolibet: xsrrsrs, guallbstvs catsKoria, guas lorraaUssiras von ennstet spseiali gaoäai» illiitationsipsiasKsss sabsistsatis" tlmil. Killot, Ks I)so u»o. Komas 1693 p. 130). 8. Ibour. L. s. A. Ub. I cap. 29; 8. II-. 1 y. 4. a. 3. ") 8. o. A. Ub. III eap. 20; Ub. II eap. 45. ) 8 . o. §. Ub. I cap. 44 — 48. 8. Ibor». 1. o. 10 a. 5 ; rt. 14 a. 1—4. ung ideelle Existenz haben. Gottes Verstand begreift nämlich nothwendig absolut vollkommen die göttliche Wesenheit. In dieser sind aber gleichsam zwei Seiten zu unterscheiden. Auf der einen Seite erglänzt Gottes Wesenheit in ihrer eigenen absoluten Vollkommenheit, auf der andern Seite aber steht sie auch da als das große Urbild, das in unendlich vielen Stufen der Vollkommenheit von andern Dingen nachgeahmt werden kann. Daher gehört es zur unbegrenzten Vollkommenheit der göttlichen Erkenntniß, daß sie die göttliche Wesenheit nicht nur in ihren eigenen Zügen durchschaut, sondern daß sie als zweiten Gegenstand in dieser Wesenheit und durch sie alle ihre möglichen Abbilder, d. h. die ganze mögliche Welt des Seienden, soweit und so groß sie ist, sowohl in jeder Einzelheit wie in allem möglichen Zusammenhange ohne jede Dunkelheit, Beimengung oder Ungewißheit mit absoluter Klarheit ewig durchdrängt.") Wäre das nicht der Fall, so hätte Gott nicht von Ewigkeit her die ganze Wahrheit gegenwärtig gehabt, wäre also wenigstens seinem Verstände nach nicht unendlich vollkommen. Alles also, was in der jetzigen Welt seinen Platz hat, jeder Vogel in den Lüften, jedes Blümlein am Grunde, jedes Menschenherz, das in einer Menschen- brüst schlägt, ja jede freie Regung, die in diesem Herzen wach wird,'") die ganze physische und moralische Welt vorn Anfange bis zum Ende der Zeiten, in allen ihren Verkettungen und Verzweigungen, in allen ihren Dissonanzen und Konsonanzen, dies alles stand mit absolutester Deutlichkeit und Gewißheit bis in die kleinsten Differenzen des Seins ewig vor dem Sonnenauge des göttlichen Verstandes. Aber auch dies ist nur ein kleiner Bruchtheil der unendlichen göttlichen Erkenntniß. Auch alle die andern unzähligen möglichen Welten, jedes Blatt, das in dieser Welt auch anderswohin oder anderswann hätte fallen können, jeder freie Willensentschluß, der statt zum Bösen zum Guten sich hätte hinwenden können, alles, was irgend möglich ist, erstrahlt ewig mit der Helligkeit der Mittagssonne vor dem Geistesauge Gottes.'") Versuchen wir es, diese Hoheit der göttlichen Erkenntniß uns einigermaßen klar zu machen. Zwar werden wir nie hinter ihr ganzes Geheimniß kommen — denn nicht unlsonst heißt es von Gott, daß er hinter den Wolken sein Zelt aufgeschlagen —; aber auch das Wenige, was wir so erkennen, genügt vollständig, um uns zu zeigen, daß die heutige Welt nicht blind und aufs Gerathewohk entstanden ist, sondern nach dem Plane längst vorher, bis in die kleinsten Einzelheiten, genau bestimmter göttlicher Ideen.") Was aber ein vernünftiges Wesen nach ") 8. o. K. lib. I eap. 54; 8.1b. 1 tz. 14 a. S; tz. l>. äs Vsr. g. 3 a. 2. „Heus esssrrtiar» «asm psrlsots eo- Anoseit. llncls eoZnosoit sarn ssoauclum oraasm raoäai», guo coK»oseibiIis est. 'lotest autsm eoxaosei von solar» sseuaäum guocl i» ss sst, sscl sseaaäaor guoä sst par- tioipabiUs ssounclar» aligueai raoclui» siirrilitaäillis s crsaturis sie." — l. g. 15 a. 2. ") „Kivirrus illtsllsctas eomxrsbsaäsnclo ärviirar» ss- ssatiar», so ipso spserrlatrrr onrass possibilss tsrariuosiraits- bilitatis ipsirrs. Kirre, Osi iatuitus, prirao gaiclsr» Isrtur i» essential» suam; clsiaäs vsro,tra»s esssrrtiar» visarn,i» orrrrria possibiUa st oruuss, gaotguot saut, moilos sillAalaritatis eorurn; Isrtur itagus irr oirrirsrri volurrtatsar ersabilsr», sseulltturrr grrocl sst base irr incliviclrro volantas, ab omni alia xossibili voluatats äistineta ste.". Lillot I. o. p. 203. ol. 8. e. K. llb. I eap. 40, 54, 67, 68 ; 8.1b. I. g. 14 a. 13; tz. K. cls vsr. 4. 2 a. 12. 8. 1b. 1. grr. 14 a. 12. ") 8. 0. A. lib. I. cax. 64; lib. II. eap. 24.. 8. 1b.' 1. 0. 15. 90 . vorher erkannter Idee ins Dasein ruft, das ist sein Kunstwerk. Darum ist denn das Weltall das wohlüberlegte Kunstwerk des ewigen Künstlers über den Sternen, das XÜ 70 -: x-rr' der Abglanz der unendlichen Schönheit selbst. (Fortsetzung folgt.) Neue hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Palästinafahrt. Erwerbung Kapharnaums für das katholische Deutschland und des Johanniterspttals für Preußen von Professor Dr. Sepp. (Schluß.) Ich wollte hier die Etymologien Sepps einer genauern Besprechung unterziehen; aber ich will lieber die Theologie Sepps beleuchten. Seine Vorrede schließt mit den Worten: „Dieses Buch enthüll zugleich neue Religionsstudien auf dem Boden Palästinas. Ich fange Theologie zu stndiren da an, wo gewöhnlich die Gottesgelehrten aufhören." Es fällt mir natürlich nicht ein, alle theologischen Exkurse Sepps zu referiren, nur die hauptsächlichsten sollen zur Sprache kommen. I, 59: „Die Sage von der Empfängniß durch ein Bad verlautet schon in der Zendrcligion, wonach eine reine Jungfrau im hl. See Kan^u den LebenSkcim Zoroasters zur Geburt des Weltheilandes Saosios aufgenommen. Hierouimus aäv. llovin. I, 35 meldet von der entsprechenden Menschwerdung Buddha's, aber Ephrcm der Syrer und Angustiu, von Späteren nicht zu reden, übertragen die wunderbare Lenreptio per aureiu unbeanstandet auf den Logos des Evangeliums, namentlich das Brevier der Maroniten." Sepp scheint also nicht zu wissen, daß dieser Ausdruck coueeptiv per unrein nur ein Tropus ist!!!! Das war eine Probe aus der Patrologie. 1. 363: „Aus solchen Beispielen mag man den Abstand des alten Testamentes von der Religion Christi erkennen! Und diese politische Rachgier muß Jehovah gutheißen und mit seinem Namen decken! Gleichwohl zürnt uns der sehr gelehrte, vom Mosaismus herüber- bekehrte Paul Cassel (ülsmun IX, XII, XV), daß wir nicht den Geist des alten Testaments (tatet) im neuen wiederfinden (patet). Wir erwidern: Hat nicht Jesus in der Bergpredigt der alttestameutlicheu Moral wider- sagt und die neue Doktrin der alten entgegengesetzt? Daß Rom die Bibel den Laien lieber voreuthält, verdient keinen Vorwurf. Die in der biblischen Geschichte vorgetragenen Wunder von Moses, Josna, Simson, Ellas und Elisa usw. sind Legenden und verwirren den Verstand und die Phantasie der Jugend, ja wenn wir vom Judaismus uns nicht völlig bekehren, sind wir keine Christen. Ist eS doch Esra, den die Samariter als el Ozair (wie oben Kap. 55) charakterisiren, welcher den ältesten Bibelkanon zusammenstellt und Sage und Dichtung nicht ausgeschieden hat." Das ist gnostische oder modern-antisemitische Theologie; aber das Tridentiuum lehrt anders. Sepp, der sich in der Vorrede noch einen Anfänger in der Theologie nennt, ist bereits II, 20 ein Meister der Gottesgclehrtheit geworden und verkündet feierlich Ilrbi ab Drill: „ll'u es ketrus! ,Drei Worte nenn' ich euch inhaltsschwer, sie gehen von Munde zu Munde, sie schreiben sich aus der Bibel her, man deutet sie falsch bis zur Stunde? Drei Worte sind es ferner, wodurch das Mißverständniß gehoben wird; es sollte Matth. 16,18 heißen: /roe oder ck -7 Nämlich auf das Bekenntniß des Simon bar Jona: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! erwidert Jesus: ,Selig bist du, dein Fleisch und Blut haben dir dies nicht eingegeben, sondern mein Vater im Himmel, welcher zu mir spricht: Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche baue, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen? Dies ist das richtige Bindeglied; denn gleich 5 Verse darauf kehrt sich der Herr zu Petrus mit den Worten: ,Hinweg von mir, Satan, du bist mir zu Aergerniß? In einem Athem kann nicht, der gegen die Hölle Stand hält, selber vielmehr zum Stein des Anstoßes werden und den Namen Satan verdienen, wie der Herr den Versucher in der Wüste gescholten. (Matth. IV, 10.) Unverkennbar steht das Wort des Herrn bildlich in Beziehung zum Tempelfels oder lapis kuuäameutalis, der nach der Idee der Schlußstein des Weltalls war und die Pforten des Abgrundes schloß, — die Theologen des neuen Bundes mögen sich das merken. Wie könnte Simon bar Jona der- Grundstein und daneben Christus der Eckstein heißen?" Soweit Sepp. Diese Worte Christi: „Selig bist du, Simon bar Jona, denn nicht Fleisch und Blut hat es dir geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel; aber auch ich sage dir, daß dn bist Petrus, und anf diesen Felsen werde ich meine Kirche, bauen, und die Pforten der Hölle werden nichts vermögen wider sie", haben schon den älteren protestantischen Exegcten Beschwerden verursacht, sie haben daher „diesen Felsen" bald auf Christus selbst bezogen, bald als Glauben des Petrus oder als christliche Predigt gedeutet. Die neuere protestantische Exegese ist, wie Schegg (Matth. II, 355) schreibt, „von dieser unwürdigen Art polemischer Exegese in besonnene Bahnen zurückgekehrt". Sie anerkennt nach dem Vorgänge von Grotius jetzt übereinstimmend, daß „auf diesen Fels" zu Petrus gehöre und daß jede andere Art der Verbindung und Deutung sprach- und denkwidrig nur in Folge dogmatischer Befangenheit gemacht worden sei, z. B. Banm- garteu: „il-rp« (Fels) geht ohne Zweifel auf die Person des Petrus. Andere Erklärungen entstanden ans befangener Scheu vor einem Primat des Petrus überhaupt oder seinem angeblichen Nachfolger." Diese Charakteristik paßt noch viel mehr auf dte Prokrustcs-Exegese des Pros. Sepp. Er begnügt sich nicht hineinzulegen statt auszulegen, sondern er wirft ohne jeden ersichtlichen Grund als den dogmatischer Befangenheit (wozu ich auch die Scheu vor einem gewissen Dogma rechne) ös c-c->. X- 70 , ans dem Texte heraus und ersetzt es durch sroe Xs-sTl, und der Lehrprimat ist aus der Welt geschafft. Diese Methode ist sehr einfach, aber gewaltthätig. Sepp kann keinen Zeugen dafür aufbringen, daß jemals die 3 Sepp'schen Worte im Text gestanden. Gleich auf der nächsten Seite II, 21 führt er sogar einen Zeugen aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts an, welcher sogar das Gegentheil beweist, nämlich daß die Worte tu es petra eto. auf Simon gehen und nicht auf Christus. Sepp citirt nämlich unsere Stelle ans dem Diatessarou, welche nach ihm dort also lautet: Leatus es Liiuou. Lt portas iukeri ts neu viuovut. 1u es petra. Das te und tu kaun sich hier auf niemand andern als auf Simon beziehen. Wenn Sepp daran Anstoß nimmt, daß einige Verse später der Herr zu Petrus sagt: „Hinweg von mir. Satan, du bist nur zum Aergerniß", und deducirt: „In 30 Beifall, denn die Phrasen klingen, dramatisch nnd theatralisch betrachtet aber ist es keinen Kreuzer werth". Beweis für den alten wahren Satz: äs Zuotidus nou est, äia- putanäuin! Eine bessere Zeit wollte 1824 für den Dichter beginnen mit seinen Vorlesungen über Shakespeare'sche Stücke, der Vortragssaal wurde zu klein, aber seine Frau kränkelte und dies „nagte selbst an meinem Leben", und als sie am 28. Januar 1825 an Herzbeutelentzündung starb, war sein Schmerz, denn wir dürfen seinen eigenen Bekenntnissen Glauben schenken, ein sehr großer. Die beiden Kinder wurden in neue Pflege übergeben, der Vater selbst wurde Direktionssekretär, Theaterdichter und Regisseur mit einem Jahreseinkommen von 800 Thalern beim Königstätter Theater. Aber auch hier bald wieder Unzufriedenheit nach außen und innen, mit Gott, der Welt und sich selbst, so daß wir ihn bald in Paris sehen, Vorlesungen haltend und mit den Schöngeistern und Theaterdichtern der damaligen Zeit verkehrend u. a. mit Scribe, Boieldieu, Rossini rc. Im Jahre 1820 ging's zurück nach Deutschland, wo sich der Dichter besonders in Weimar aufhielt und dann wieder in sein „geliebtes" Berlin zurückkehrte und von dort nach Breslau und wieder uach Berlin, wo er gnasi Zeitungsredacteur wurde und als solcher manchen gewaltigen Strauß zu bestehen hatte, wie dies ja das Schicksal der Redacteure aller Zeiten war, ist und sein wird. Sein „vielseitiges" Talent mag aus seinen eigenen Worten hervorgehen: „ich redigirte, schrift- stcllerte, correspondirte, dichtete, schwärmte, rasete, sang, trank, liebte, lebte und las vor" — Herz, was willst du noch mehr? „Meine Posse Maberl als Robiuson° wurde ausgezischt und ausgepfiffcn", aber es ließ ihn kalt; er wollte Frankreich nachahmen, kam aber in Deutschland schlecht weg. Wohl aber mußte damals schon in allen Gesellschaften das „Mantellicd" ertönen: „Und wenn die letzte Kngel kommt. Jn's preußische Herz hinein!" In Weimar machte er die Bekanntschaft Börne's, kam auch mit Göthe zusammen, wurde aber durch das brutale Wesen seines Sohnes August sehr verletzt. Doch gestaltete sich das Verhältniß später recht gut, so daß „der Sohn des Vater mich (Holtei) selbst bei seinem Abschied andichtete". In Berlin wurde unseres Dichters Schauspiel „Leonore" mit sehr gutem Erfolg gegeben, der Dichter wurde gerufen und nachher von seinem Freunde Schwelle mit den Worten empfangen: „wie kann man ein solches Stück geschrieben haben und so ein Schafsgesicht dazu machen, wie du jetzt eben gemacht hast?" „Ich hielt dies für eine ungeheure Schmeichelei." Mit seinem „Faust" prosperirte er desgleichen, sein „Stern" leuchtete wiederum, und eine zweite Frau Julie „verschönerte mir zudem das Leben", natürlich tvar es wieder „eine vom Theater". Wieder kommen Intriguen und wieder rast- und friedloses Wandern zwischen Darmstadt, Weimar und Berlin. Dankbar ist er, wenn Julie auftreten darf: „Ja, noch im Tode will ich Euer denken! Den tiefsten Gram habt ihr zum Glück geweiht. Und wenn sie mich in kühlen Boden senken. Versinken nie darf meine Dankbarkeit." Er schrieb damals (gegen das Jahr 1833) seine „Erzählungen" und das Schauspiel „Der dumme Peter", das sich bis zum Tode Ludwig DevrientS auf dem Ne- pertorium erhielt. Sein „Trauerspiel in Berlin" fand ebenfalls Beifall und mag als Kritik die Aeußerung einer ! Dame angeführt sein, die lautete: „Es weint sich nlr» gends so gut, als in Ihren Stücken, und das .Trauerspiel in Berlin' geht noch über .Leonard." Auch sein „Lorbeerbaum und Bettelstab" fand Beifall, ja „ich selbst als Schauspieler" in Berlin, Hamburg und München, in welch' letzterer Stadt nach seinem Geständniß die Theaterverhältnisse damals mangelhaft waren. In München verkehrte er besonders auch mit Sophie Schröder und Charlotte Birch-Pfeifer. Wieder ging es — ewiges Wandern! — nach Berlin. In den folgenden Jahren wurden Brunn, Baden und Wien besucht und die Schauspiele „Der Leiermann" und „Shakespeare in der Heimath" gedichtet und aufgeführt. Bald finden wir Holtei als Theaterdirektor in Riga-, jetzt saß er trocken, gute Einnahmen, keine Sorgen, stets Beifall, recht gute Freunde, „die Suppe ist gut eingebrockt". Aber es fehlte eben, wie immer auf die Zeit die Zufriedenheit und das ruhige gute Leben behagte dem „Zugvogel" nicht, wieder ging er mit seiner Frau, durchzog Oesterreich, Schlesien, gastirte, recitirte, und nun mußte er die magere Suppe wieder ausbrocken, Meubel verkaufen, es war ihm zu wohl oder wollte er neue Lorbeeren holen, sie wurden ihm oft zu Theil, aber auf Kosten eines oft harten täglichen Brodes. Keine Ruh . bei Tag und Nacht, gleichsam unstät und flüchtig durchzog er wieder einige Jahre die Welt! 1845 und folgende Zeit finden wir ihn wieder in seiner Vaterstadt, er machte neue Schauspiele, schreibt „große und kleine" Artikel und singt Kunstreiterinnen an — welch' vielseitiges Talent! wie oft mißbraucht! Auch ein Aufenthalt als „Großvater" bei den lieben Seinen be- bereitete ihm nur kurze Freude, bald zog er wieder von bannen, er wurde öffentlicher Vorleser in Dresden, er begann eine neue „Knustreise", Fortsetzung in Magdeburg und Halberstadt, Göttingen, Hannover, nie zufrieden und Künstlers Loos so oft — nie bei Kasse. „Was ist denn all das Geschrei von der Kunst? Ein eitler Scheiu ein blauer Dunst, Ein täuschender Nebel, der bald verweht. So lang die Knnst nach Brode geht." In Bremen verdiente er sich durch Vorlesungen ein vorzügliches Brod und noch nie hatte „ich so viel Geld bei einander, als da ich aus Bremen reisete". Das Jahr 1848 läßt ihn kalt als Politiker, er machte begeisterte Prologe auf den achtzehnten Oktober, den Tag bei Leipzig, und fand Beifall, dann zog er wieder in der weiten Welt herum. In Wien erfreute er sich der Bekanntschaft und Freundschaft Grillparzers, den er in mehreren Gedichten besang. Ein Vers aus einen: derselben sei hier citirt: „Die Rosen hast du kühn gepflückt Aus dem Dorngenist finsterer Tage, Des göttlichen Greises Haupt geschmückt. Daß Er blühend die blühenden trage." Mit dem Jahre 1850 schließt Holtei seine Selbstbiographie, die 4 starke Bände faßt mit rund 3000 Seiten, so detaillirt, daß es oft langweilig ist, sie zu lesen trotz selbstverständlich vieles Interesse erregenden Details. Mit' ihr wollen auch wir schließen. — Der Dichter starb am 12. Februar 1880 in Breslau. Im Jahre 1870 sang der greise Dichter: „Er (Napoleon) wähnt es schlimm zu machen, Gott hat es gut gemacht!" Es steht fest, Holtei hat viel geleistet, fast zu viel. Wäre er nicht stets „fahrend" gewesen, seine Leistungen 31 wären entschieden viel größer und bedeutender. Doch wird er stets einen geachteten Namen in der deutschen Literatur einnehmen. In seinen hübschen Liederspielen hat er das französische Vaudeville in deutsche Form umgegossen. Seine „Berliner in Wien", „Der alte Feldherr" mit dem „Denkst du daran, mein tapfrer Lagienka?" und „Fordere Niemand, mein Schicksal zu hören I" feine Leonore mit dem berühmten Mantellied „Schier dreißig Jahre bist du alt," sind Gemeingut des deutschen Volkes geworden. In dem vielbändigen Romane: „Die Vagabunden" schildert er.seine eigenen Irrfahrten als Thcarer- direktor und Theaterdichter, daneben aber das ganze Künstlerprolctariat, „alles, was gauckelt und sich sehen läßt um Geld". Sehr gemüthvoll ist auch sein Roman „Christian Lammfell", nur etwas weinerlich und zu breit. Bedeutender aber als seine hochdeutschen Dichtungen sind feine „Schlesischen Gedichte", zu denen er durch Hebel angeregt wurde. Darin trifft er den Volkston auf das trefflichste und charakterisirt Land und Leute seines Schlesierlandes auf das treueste. Reise in Kleinasien, Sommer 1895. Forschungen zur Seldschukischen Kunst und Geographie des Landes von Friedrich Sarre.*) In den Monaten Juni und Juli unternahmen Dr. Sarre und Or. mach. Osborne eine Forschungsreise in das Gebiet der alten Provinzen Phrygien, Ly- kaonien und Pisidien, dem jetzigen Wilajet Koma (Jkonium) in Kleinasien. Der Hauptzweck der Reise war das Studium der frühtürkischen Architektur, besonders jener des seldschukischen Reiches von Jkonium. Daneben wurden antike und mittelalterliche Inschriften gesammelt und zahlreiche photographische Aufnahmen gemacht; eine besondere Sorgfalt wurde der topographischen Aufnahme des eingeschlagenen Weges gewidmet, so daß die Kartographie eine wesentliche Förderung erfuhr. Die Beobachtungen sind mit großer Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit gemacht. Jede Zeile zeugt von deutscher Akribie. Nur was selbst erfahren und gesehen wurde, fand Aufnahme. Am interessantesten ist das Kapitel V über die feldschukische Kunst (im Mittelaltcr). Weitere Kreise dürfte die Seite 66 citirte Hypothese Niegel's (Stilfragen S. 277 u. ff.) intcressiren, wonach die „Arabesken" aus dem abgelösten Zacken des byzantinischen Akanthns hervorgegangen sind. Sarre schließt sich dieser geistvollen Hypothese an. Der Leser wäre ihm gewiß sehr dankbar gewesen, wenn er diesen Entwicklungsgang durch Abbildungen veranschaulicht hätte. Das Urtheil Sarre's über die feldschukische Kunst ist folgendes (px. 70): „Die Formenwelt der seldschukischen Kunst.scheint uns ... auf dem Boden der hellenistischrömischen und byzantinischen Kunst entstanden zu sein. Von dem nahen Syrien aus, das zu jener Zeit noch hervorragende architektonische Denkmäler aller vorhergehenden Kunstepochen besaß und selbst unter kräftigen muhammedanischen Fürsten eine hohe Cultur hatte, wurden Baumeister und Künstler in die Hauptstadt des jungen '-) Mit 76 Lichtdrucktafeln, zahlreichen, von O. Geerke und G. Rehlender gezeichneten Text-Illustrationen nach den Original-Photographien und mit einer Karte von R. Kiepert nach den Nouten-Aufnahmen des Verfassers. Berlin, 1896. Geographische Verlagshandlung Dietrich Reimer. 210 Seiten. Preis gebunden 18 Mark, geheftet 16 Mark. emporblühenden Staates berufen, um sie ihrer Bedeutung entsprechend zu schmücken, während das gerade unter dem Eindringen der Mongolen zu Grunde gehende, hoch- cultivirte Persien hierher den schönsten Zweig seiner heimischen Kunstübung verpflanzte: die mosaikartige Bekleidung der Wände mit buntglasirten Ziegeln, das Fayence-Mosaik." Die überaus zahlreichen, meist ausgezeichnet gelungenen Abbildungen geben uns einen Einblick in jene hochentwickelte Kunst, von der bisher so wenig bekannt war. Wenigstens in weiteren Kreisen hatte man von dem Vorhandensein solcher Kunstwerke keine Ahnung. In der griechischen Kirche des heil. Stephanus auf der Insel Nis im Egherdir-See erwarb Sarre eine zinnerne Schüssel, welche fünfmal die Legende HII^III'IILU (Martin Luther) zu enthalten scheint. Der Verfasser schreibt hiezu: „Derartige Schüsseln sind im Verlauf des XVI. und XVII. Jahrhunderts in Messing oder Zinn von der' Beckenschlägern der großen mitteldeutschen Städte, vor Allem Nürnbergs und Augsburgs, in großer Menge angefertigt und theils als Taufschüsseln, als Waschschüsseln in den Sakristeien, als Collectenschüsseln oder zu häuslichem Gebrauch benützt worden." (S. 152.) Besondere Erwähnung verdient das Seite 153 abgebildete und xa§. 155 beschriebene Weihrauchgefäß aus derselben Kirche, welches romanische, gothische und arabische Formen ausweist. Daß sich in den griechischen und armenischen Kirchen von Jsparta alte Monstranzen (xaZ. 168) vorfinden, dürfte auf Verwechslung beruhen. Es wäre das ein liturgisches änaL Der Anhang enthält noch mehrere Kapitel, darunter eines über die auf der Reise gemachten praktischen Erfahrungen, eines über die gesammelten Stickereien, eines über Ablesungen am Schleuder-Thermometer. Den Schluß bildei ein guter Index und 76 meist gelungene Lichtdrucktafeln nach Originalaufuahmen; ferner ist eine sehr genaue Karte des Wilajets Konia nach den Nouten-Aufnahmen der beiden Reisenden beigegeben. Das Werk ist mit Liebe, Sorgfalt und großen Kenntnissen verfaßt und sehr hübsch ausgestattet. Es bietet demjenigen, der seine geographischen und kunsthistorischen Kenntnisse erweitern will, eine Fülle von Anregung und Belehrung, und die zahlreichen Bilder der in Frage kommenden Bauwerke reichliches Material zum Studium der seldschukischen Kunst im XIII. Jahrhundert. Auch das kann man aus dem Buche lernen, wie man auf Reisen wissenschaftliche Beobachtungen anstellt. Wer aber Abenteuer und Reise- plaudereien sucht, für den ist das Werk nicht geschrieben. Im Verhältniß zu dem Gebotenen, namentlich zu der Fülle von Abbildungen und Lichtdrucktafeln, ist der Preis ein mäßiger. Ottmarshausen 1897. Dr. 8. L. Chronik des Jahres 1896. (Nachdruck verbot«».) Oktober. 1. Gladstone hält eine fulminante Rede gegen die Unthaten in der Türkei und den Sultan. 2. Der Exsultan Said-Kalid von Zanzibar flüchtet sich vor den Engländern auf das deutsche Schiff „See- Adler". 5. Landung des Zaren in Cherbourg. 6. Der Zar und die Zarin in Paris. 9. Große Parade vor dem Zaren-Paare bei ChalüNs. n. Die Brüsewii; - Affaire in Karlsruhe: Mechaniker Siebmann vom Lieutenant v. Brüscwiü erstochen. 13. Socialdemokratischer Parteitag in Gotha. 15. Demission des Kolonialdircktors Kayser. 15. Schlug der bayer. Landes-Ausstcllung in Nürnberg. 15. Schluß der Berliner Gewerbe-Ausstellung. 18. Ermordung des Justizraths Levy in Berlin durch zwei junge Burschen. 18. Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals auf dem Wittekindsberg (Porta Westfalica). — Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals in Düsseldorf. — Enthüllung des Kaiserin Augusta-Denkmals in Coblenz. 19. Freiherr v. Nichthoscn zürn Colonialdirektor ernannt. 20. Begegnung des Zaren und Kaiser Wilhelms in Wiesbaden. 21. Uebertritt der Prinzeß von Montenegro zur römisch- katholischen Kirche. 22. Bismarcks Enthüllungen über das Zustandekommen des russisch-französischen Einvernehmens. 24. Vermählung des italienischen Kronprinzen mit der Prinzeß von Montenegro. 26. Unterzeichnung des Friedens zwischen Italien und Menelik von Äbcssynien. 27. Der Reichsauzciger zu den Bismarck'schen Enthüllungen. 29. Wahlsieg der liberalen Partei in Ungarn. 31. Nochmalige Antwort des Ncichsanzeigers auf Bismarcks weitere Artikel. November. 2. Abfertigung der Hamburger Nachrichten (Bismarck) durch den Rcichsanzeiger: Die Frage, von welchem Zeitpunkt an geheime diplomatische Vorgänge den Charakter von Staatsgeheimnissen verlieren, kann ausschließlich von leitenden Staatsmännern auf Grund ihrer Verantwortlichkeit und ihrer besonderen Kenntniß der politischen Lage entschieden werden. 3. Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten (Sieg Mac Kinlcy's). 7. Schröder in der Äernfungs-Jnstanz zu 5 Jahren Gefängniß vernrtheilt. 10. Deutscher Reichstag wiedcreröfsnet: Zweite Lesung der Jnstiznovellc. 11. Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen dem Papste und dem Negus Menelik betr. Frellaffung der italienischen Gefangenen. 16. Deutscher Reichstags Interpellation betr. das Verhältniß zu Rußland im Hinblick auf Bismarcks Ent- hülluiigen; der Reichskanzler und der Staatssekretär von Marschall erklären: unbedingte Geheimhaltung f. Z. beschlossen; das Vertrauen der Bundesgenossen hat durch die Enthüllungen nicht gelitten: die Beziehungen zu Rußland sind gute. 17. Deutscher Reichstag: Interpellation betr. des Duells und Falls Brüscwitz. 20. Ormanian zum armenischen Patriarchen gewählt. 21. Der französische Minister Hanotaux über die Beziehungen Frankreichs zu Rußland. 24. Großer Streik der Hafenarbeiter in Hamburg. 30. Oberst Liebert, im Begriff nach China abzureisen, wird zurückberufen uno zum Gouverneur von Ost- Afrika ernannt. Dezember. 2. Demission des rumänischen Cabinets Stourdza; Au- rclian mit der Neubildung des Cabinets betraut. 2. Prozeß Leckert-v. Lützow in Berlin. Kampf der politischen Polizei gegen das Auswärtige Amt. Das Auswärtige Amt glänzend gerechtfertigt. 9. Der kubanische Jnsurgentcnführer Maceo fällt im Kampfe gegen die Spanier. 9. Der Lloyddampfer „Salier" an der Nordküste Spaniens im Sturm zu Grunde gegangen; 276 Todte. 14. Empörung auf Mindanao gegen die spanische-Herrschaft. 14. Ausstand der Seeleute und Heizer in Glasgow. 15. Deutscher Reichstag: Scheitern der Justiz-Novelle. 21. Bemnn des Prozesses gegen die Mörder Stambulows in Sofia. 22. Die 10 geretteten Leute vom Iltis kommen in Hamburg an. 22. Der türkische Sultan erläßt General-Amnestie für die Armenier. 22. Abgang der ersten Gruppe italienischer Gefangener aus Abessynien nach Italien. 25. Graf Schnwalow von seinem Posteil als General- Gouvcrnenr von Warschau auf feinen Wunsch enthoben. 26. Der König von Serbien nimmt die Demission des Kabinets an. 26. Professor Du Bois-Reymond h. 28. Im Prozeß Stambulow Georgiew, einer der wirklichen Thäter, freigesprochen, Tufektschiew und Athow der Beihilfe für schuldig erachtet: jeder 3 Jahre Gefäuguiß. 30. Im Münchener Habercr-Prozeß werden 59 Angeklagte zu Strafen von 4 Monaten bis zu 2M Jahren verurtheilt. Recensionen und Notizen. Literarischer Handweiser, begründet, herausgegeben und rcdigirt von Msgr. Dr. Franz Hülskamp in Münster. 1896. Nr. 18 u. 19. Joseph Wilpert's „Ikraotio panis" (Ehrhard). — Weitere kritische Referate über Schmid Wirksamkeit des Bittgebetes (Deppe), 8abstti OoMpsuäium Ibsolotz-ias rooralis (Deppe), ^srtnz-8 PbsoloAia moralis (Prümmer), Baldns Verhältniß Justins des Märtyrers zu den synoptischen Evangelien (Blndau), 8. ^.lxlions. äs lsi Korio Oisssriatio äs prasäs8tinatious Obristi und Oarwina saora (Deppe), Hei osoonäo Osutsimrio äi 8. Nikons» (Bellesheim), Lstri äs Osoia Vita b. Okristiuas sä. kaulsou (A. Steffens), Osraräi äs I'raolisto Vitas k'ratrum Orä. Urasä. sä. Ksiobsrt (Fanlhaber), Eäriu I,ouis XIV. st ts 8t. 8isZs (Zimmermann), Esrarä rvbat VU8 tbs 6uu- polväsr iktot (Bellesheim), Lexis Stand der Währnngs- frage (F. Walter). — 41 Notizen über h Herm. Rolfus, viele kathol. Staildes- und Volkskalender für 1897 und einige andere Nova (Hülskamp). — Novitätenschan. Zeitschriften-Jnhalt. Literarifche Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freibnrg i. Br. Dreiundzwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M. 9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 1 u. A.: lllwosllansa aus der Geschichte und Archäologie der christlichen Kunst. (Kraus.) — Heinrici, Der erste Brief an die Korinther. (Nisius.) — Oibsou, 8tuäia 8iuaitioa. Xr. V. Hpoor^püa 8inaitioa. (Bardenhewer.) — Kranich, Die Ascetik in ihrer dogmatischen Grundlage bei Basilius dein Großen. (Kihn.) — Lrauu8bsrAsr, Lsati Vstri Oanisii, 8ooistati8 losn, svwtulas st asta. (Künstle.) — Brück, Geschichte der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert. (Peters.) — Watterich, Der Consecrationsmoment im hl. Abendmahl und seine Geschichte. (Schanz.) — Wasmann, Zur neueren Geschichte der Entwicklungslehre in Deutschland. (W. Schneider.) — Bendir, Die deutsche Rechtseinheit rc. Greifen.) — äs Oirarä, Lsttslsr ou la gusstiou ouvrisrs eto. (Franz.) — Hourri88on, Voltairs st Is VoltairiarÜEs. (v. Hertling.) — ltrans, Geschichte der christlichen Kunst. (Aldenkirchcn.) — Nachrichten. — Büchertisch. Katechetische Blätter. Zeitschrift für Religioslehrer. Zugleich Correspondenzblatt desCanisius-Katecheten- Vereines. Herausgegeben von Pfarrer Franz Walk zu Konzenberg, Post Burqau (Schwaben). Kemvten, Verlag der Jos. Kösel'schcn Buchhandlung. Preis pro Jahr 2 M. 40 Pf. Inhalt des 1. Heftes des 23. Bandes: Vom kleinen Katechismus zum großen. — Gedanken für eine Anrede am Kindheit-Jesu-Feste. — Ist im Religions-Unterrichte nur die erotematische Lehrform berechtigt? — Von heiligen Lippen. — Eine Antwort auf die „Katechismusfrage". — Literatur und Miscellen. — Correspondenz des Canisius- Katechctenvereins.' Verantw. Redacteur: Ad. Haaöin Augsburg. — Druck ».Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.