Nr. 8. Wage M Sügzüarger 13. Felir. 1897. Joseph Ruederer, der — erste bayerische Dichter. Von Gymnasiallehrer Coel. Schmid in München. In verschiedenen Dezember-Nummern der Beilage zur „Augsburger Postzeitung" sind tiefschauende Ausführungen über das Dreigestirn Jbsen-Sudermann-Haupt- manu erschienen. Ein Artikel der in Wien von Hermann Bahr herausgegebenen Zeitschrift „Die Zeit" (1897 Nr. 120) veranlaßt mich, als aufmerksamen Beobachter der „modernen" Erscheinungen, dazu eine Ergänzung nach anderer Richtung zu geben. Der besagte Artikel, der mich geradezu verblüffte, ist überschrieben: „Joseph Ruederer". Der Münchner Jos. Ruederer, allerdings, im vorhinein gesagt, ein nn- bezweifelbarcs lyrisch-dramatisches Talent, hat vor einigen Jahren einen Roman erscheinen lassen unter dein Titel „Ein Verrückter! Kampf und Ende eines Lehrers". Kurz darauf muß er auch das Bauernstück „Fahnenweihe" fertig gehabt Haben, mit dem er jedoch ziemlich lange Zeit vergeblich an allen Theatern anklopfte, bis dasselbe neulich in dem nengegründeteu Berliner „Theater des Westens" mit ziemlich durchschlagendem Erfolg aufgeführt wurde. Seitdem hat er auch schon wieder ein Novctlen- buch „Tragikomödie" erscheinen lassen, größtentheils Motive aus den bayerischen Bergen behandelnd. Der Artikel der „Zeit", Dr. Poppenberg-Bcrliu unterschrieben, bringt nun im Rahmen von dionysisch begeisterten, qualmigen Bcweihräucheruugeu auch folgende zwei lapidare Aufstellungen. Erstens soll Joseph Ruederer der Mann sein, der gleichsam Anzengruber, G. Keller — und Boeckliu zu intensiver Einheit sammeln und so, wohl recht bald, die langgesuchte hohe Tragikomödie, zu der ja auch unterdessen der Berliner moderne Gründer Schlaf einen wuchtigen Ansatz gemacht, liefern könnte. Fürs zweite soll er „tief in seiner eigenen Stammesart wurzeln und sie künstlerisch und wahr zur Erscheinung bringen"; und so soll denn auch „durch sein Werk mit eins das Bayernthum, kraftvoll anschaulich, litcrarisch in Erscheinung treten". Das erste bedeutet nach meiner Anschauung eine literarische Kurzsichtigkeit, dje alle Zeit- und Naturgesetze verkennt. Gegen das zweite kann nicht bestimmt und entrüstet genug protestirt werden. Und will man den zwischen den Zeilen zu lesenden Schluß aus diesen beiden Prämissen ziehen, daß allenfalls das Altbayernthnm berufen sein könnte, die große Tragikomödie der Zeit (oder wohl überhaupt?) zu liefern, so würde das, allem zu Trotz, erst recht heißen, Zeit und Bayernthum verkennen. Ein großes Verdienst haben, wie es auch Poppen- berg andeutet, Ruedcrer's Schöpfungen: er hat das andere Extrem zu der „Lampen- und Kulissenwelt" der Gang- hofer und Schmid und zu der noch unseligeren Schlier- seer Speculationsmache herausgetrieben. Da jedes bedeutende Resultat der Naturgesetze sowie des künstlerischen Schaffens aus dem Kämpfe zweier Extreme entspringen und denselben vermittelnd lösen muß, so könnte mit den „Werken" Ruedcrer's eine erste, grundlegende Vorbedingung gegeben sein, die zu wahr abgewogenen dramatischen Wesensbildern, wenigstens des bayerischen Oberlandes, führte. Hie verlogen tdcalisirende Combinirnng der bayerischen Vorlands- typcn einerseits (doch meistens an die nächste Vergangenheit anknüpfend) und specnlatioussüchtige Verhetzung eines hohl gewordenen Jndustriebauernthums andererseits, hie zäher, derber Grundschlamm eines in vielfachen Reibungen mit der nahen Hochcnlturwelt atomisirtcn, in sich verrohten oder verseuchten Volksthums. Aber auch diese neuen, vermittelnden Schöpfungen könnten als wahres Lebensprincip nur die Abwägung zwischen den beiden schlimmen Factoren haben. Gesunde Volkskunst, gar gesunde bajuvarische Volkskunst wird da kaum mehr zu schöpfen sein: je mehr man das wollte, umsomchr müßte man mit Suchen nach Motiven und Volksthum nach den noch vereinsamten, unentweihtcn Gegenden zwischen den Vorlandsmooren bis hinab zur mittleren Donau und den böhmisch-bayerischen Waldbergen gehen. Da wäre freilich für liebevoll eingehende Kenner noch Stoff genug für Volksdramatik zu finden. Aber auch hier muß der Gedanke an die hohe Tragikomödie himmelweit fernliegen. Vorher müßte dem bayerischen Volksstamm, der in seiner großen Entwicklung, trotz mancher epigrammatischen und kraftmimischen Leistung von heute, mit der großen mittelalterlichen Epopöe stecken geblieben ist, wenigstens die leiseste Ahnung von der tragischen Gewalt jener Epik wieder aufdämmern. Und da wiederum müßte natürlich vorher wenigstens ein Theil der Gebildeten, der zum Volk vermittelnd stände, einigermaßen begriffen haben. Wie soll man sonst eine die Tragik überwindende Tragikomödie von den Altbaycrn erwarten können? Jedermann sieht : wie die Prämisse, so bedeutet auch der Schluß einstweilen eine Absurdität. Es müßten vielleicht erschütternd, große, elementarische Dinge kommen, um das verschüttete und verträumte Bayernthum gar zu solchen literarischen Weiterentwicklungen aufrütteln zu können. Und vorher müßte der Durchschnitt unserer Gebildeten vor allein eine von der jetzigen wesentlich verschiedene Stellung zu Volk und Volksthum, zu Volksintercsse und geschichtlicher Anschauung einnehmen. Man braucht nur an das Schicksal der leider auch mit mancher Mache verbundenen historischen Aufführungen in Kraiburg (Ludwig der Bayer von Martin Greif) zu denken, um all das zunächst ins Fabelland der Träumerei verweisen zu müssen. Und doch soll ein Bayer, und zwar der Münchner Jos. Ruederer, der allerdings auch früher vielfach unter den Bauern gelebt haben soll, in Bälde berufen sein, gerade aus seiner bayerischen Eigenart heraus berufen sein, die höchsten Wünsche unserer sehr voreiligen Zeit erfüllen zu können. Eigentlich ein von Berlin aus ungewohntes, fast verblüffendes Kompliment für Bayern! Doch sehen wir zu, wie es sich des genaueren damit verhält! Nach meinen Informationen behandelt „Ein Verrückter" ein direkt lokales Motiv aus Farchant bei Gar- misch-Parteukirchen, wo sich Herr Ruederer mit Halbe, dem Dichter der „Jugend", zusammen viel aufhält. Die Fahnenweihe aber würde in einem benachbarten Markt, ebenfalls mit direkt lokalen Anspielungen und Motiven, spielen. Durch den Roman „Ein Verrückter" scheint sich Jos. Ruederer zu einem der Hochsitze der Münchner „Modernen", in deren Kreis er gewöhnlich verkehrt und bei deren einem Verein („Die Nebenregierung") er Vorsitzender ist, aufgeschwungen zu haben. Durch den sattsam bekannten Albert-München kam er in die Literatur. Mit der „Fahnenweihe" aber erlebte er nach eigenem Ausspruch eine ganze Komödie. Selbst Meßthaler scheint den Plan, die „Fahnenweihe" in seine Sammlung „Modernes Theater"' aufzunehmen, fallen gelassen zu haben, so un- 58 möglich mich manche andere Stücke seiner Sammlung sind. Sicher fignrirte das Stück nicht anf dem Repertoire- programm des „Deutschen Theaters" in München, in das doch selbst Panizza aufgenommen wurde. Sollte die „Fahnenweihe" selbst diese Leute geschreckt haben? Ich für meine Person wenigstens hörte, bevor ich das Stück noch selber kennen gelernt, von verschiedener, höchst freisinniger Seite Urtheile über dasselbe, die es überhaupt unmöglich erscheinen ließen, daß es zur Ausführung gelangen könne. Endlich erscholl, für den ersten Augenblick verblüffend, das Siegesgcschmcttcr von Berlin her: Jos. Rncderer war sogar mit einem Schlag znm ersten Saisonautor am Theater des Westens geworden. Und darauf die Dithyramben des Herrn Dr. Poppcnberg in der jndeugencigten, Decadence fördernden Wiener „Zeit", die aber auch für die moderne Wiener Bewegung entscheidend ist! „Ein Verrückter" und „Fahnenweihe" beruhen anf dem gemeinsamen Kunstprincip, ein winzig kleines Stück Erde und primitive Lcbenscultur in den Schmclzticgel zu nehmen, mit verschiedenen Reagentien zu vermischen, sodann das sonderbare Gebräu brodeln und seine Jchcultnr- triinme daraus aufsteigen zu lassen. In der ersten Schöpfung sind beide Parteien, sowohl der Lehrer als seine Widersacher, schuldig; in der „Fahnenweihe", anf deren Figuren man manchorts mit Fingern deuten können soll, gibt es erst recht keine Personen-Gestaltung, die einen Rest von Positivem, Lösendem hätte. Alles ist gleich, von dem kleinen, cholerisch vergrolltcn und verkümmerten Sub- alternbeamteii bis hinauf zu Pfarrer und Bürgermeister: und alles muß so sein. Nirgends hat jemand Recht oder bedeutet etwas wie ein charaktervoll in sich Geschlossenes, von positivem Wirken Beseeltes: und das muß so sein. Und zwar muß das alles so sein, weil Jos. Nuederer alle Qualitäten hat, in Bälde vom bayerischen Volksthum aus die große Tragikomödie liefern zu können: „Bergsteiger mit kühlem Blut, haarscharfer Sicherheit, überlegter Ruhe; ein wagmnthiger Werber um die Gefahr mit trotziger Zähigkeit und straffer Spannkraft; ein Mensch voll lebenden Gefühles, im Innersten erregt und aufgewühlt, durchschüttert im stillen Zimmer von den schwellenden Wogen der Meistersinger (Oper) oder den unendlich sich ergießenden und fließenden Melodicnwellen des Tristan, voll starker, heißer Herzcnsehrlichkcit und zähen Temperamentes, das nur mühsam sich im Zaum hält und mit starken Banernfäustcn auf den Tisch schlägt, daß die Zahmen und Verbindlichen zusammenfahren." So Poppenbcrg. krodaturn est! Nun haben wir's also! Ein Stück scheinbar primitiver Lokalgeschichte, nicht aus dem culturfremdcn, einsamen Norwegen, aus dem in die Natur versinkenden oder zu jäher, ungelöster Zwcifclfrage sich erhebenden Norwegen des Henrik Ibsen, sondern aus Farchant und nächster Umgebung» seit ziemlich langer Zeit vom großstädtischen, bald auch vom preußischen und jüdischen Touristen- und Sommcrsrischlerschlamm übcrwälzt: aber nach der Methode des Henrik Ibsen anf chronische Elemente und Reactionen geprüft, mit dem Schcidcwasscr des modernen Hochzwcifcls, der modernen Jnsichsclbsihcrrlichkcit übergössen. Tristan — Farchant sammt Umgebung — der „Moderne" Joseph Nuederer: und die hohe Tragikomödie aus echter, unverfälscht bayerischer Nationalität! Dazu noch etwas Poppcnberg: und die wirkliche Komödie ist fertig! Jede Reaction anf ein Extrem ist berechtigt, wird aber auch ihrerseits, soll sie wirtlich natürlich und gcsctz- entsprcchcnd sein, wieder ins Extrem fallen. Von diesem, aber auch nur von diesem abstrakten Standpunkt aus, der natürlich noch lange nicht auch eine Anerkennung verbissener Tendcnziösität in sich schließt, kann mau den Roman „Ein Verrückter" als verdienstliche That eines, wenn auch erst abzuklärenden, so doch zu berücksichtigenden Talentes gelten lassen. Das dramatische Wescnsbild „Fahnenweihe" aber als erster Versuch zu einer Tagikomödie ist lächerliche Uebcrhcbnng und brutale Mache. Gut, wenn der Verfasser, wie auch Poppcnberg andeutet, alle ausländischen Anlehnungen, mit Ausnahme der idealen Beziehungen Zu Anzengrnber, Keller und—Boccklin, ermangelt; in Herrn Ruedcrer's „kraftvoller Persönlichkeit" erlaube ich mir aber zunächst eine noch ungesundere Steigerung der ungesunden berlinisch- ostelbischcn Literatnrbcwcgung zu sehen, die in brutal voreiliger, alle tieferen Zeit- und Wcltgesctze mißkennender Weise mit allem Heiligen, mit allem Schauerlichen tändelt und am liebsten alle Sterne des Himmels auf einmal herabholen möchte — für das eigene RnhmeSdiadem als Schmuck. Auf jene Weise könnte man ja auch — ich weiß nicht, ob es nicht vielleicht schon geschehen ist — den „prometheischen Denker", den Pfälzer Lndw. Scharf, mit seiner stellenweise geradezu scheußlichen Dichtung als künftiges Ideal der alemannischen oder, wenn man will, der rheinfränkischen Jndividualitätscnltnr hinstellen. Thatsächlich haben Beide gemeinsam das von Pappen- berg so sehr, und zwar jedenfalls in lobender Absicht, Betonte: den leidenschaftlichen Haß gegen die „Pfaffen", der sich bei Nuederer dann in den späteren Schöpfungen in romanisch pikanter Auffassung zu wcltiibcrwiudender, humoristischer Ironie abgeklärt haben soll. Durch seinen heiß verbissenen Kampfruf gegen die „Pfaffen" ist ja in der letzten Zeit auch der fast verschollene Tiroler Gilm, manchmal sogar mit dem Prädikat eines zweiten Walther von der Vogelweide, so sehr in Mode und Verehrung gekommen. Den thatsächlichen Schlüssel zu den beiden großen Süddeutschen Scharf und Nuederer, die man sich dann dvrch Hans v. Gumppeubcrg und Conrad zu einem erhabenen Quadrat ergänzt denken mag, gibt der ebenfalls große Panizza (siehe seinen „Abschied an München") ir einem Aufsatz „Variota" der „Gesellschaft", des moderne? Centralorgans. Er preist darin die in der schöne» Literatur am konsequentesten von dem Dentsch-Amerikanei Wedckind gepflogene Art der Dichtung, die den alten englischen Clown in der Lyrik wieder erstehen läßt, den genialen Lyriker selbst zum Clown macht, der mit dem Heiligsten und Nothwendigsten gebrochen und nun hierüber unter barocken Bockspriingcn, das Gesicht mit leichen- blasser Schminkkreide verschmiert, seine trüben, lachreizendcn Späße macht. Man fängt in Berlin über Bayern auch litcrarisch sonderbar zu denken an. Hans von Gumppenbcrg ist schon in Berlin: hole und behalte man dort lieber auch noch den Jos. Nuederer! Wir haben, wenn auch einige Filialen der nordost- deutschen Decadence (siehe den Artikel Decadence von Bartcls in „Kunstwort" Jan. 97) in München und sonst einzeln verstreut, so doch gottlob noch kein national- bayerisches Verfallzeitlerthnm. Wenn sich auch manche Kruste und mancher Schleier über bayerisches und bajnvarisches Volksthum und Nationalgefühl gezogen, so braucht man noch lauge nicht zu erwarten, daß das immer so bleiben wird. Um zu verstehen, wie sich dann das erwachende Bayernthnm manifeststen könnte, lese man gefälligst wieder einmal die großen Auffassungen eines Goerrcs und Deutinger, die neulich erschienene „Dnlcamara" des Paul Garin (Regensburg, Wnnderling) und nicht minder den mitteldeutschen Protestanten Richl („Land und Leute") nach! Santiago de Cvmpostela im Jubeljahr 1897. (Fortsetzung.) Als Papst Calixtus II. im Jahre 1120 die hohe Bedeutung, welche Compostela durch die Wallfahrten gewonnen hatte, wahrnahm, erhob er die dortige Kathedrale zur Mctropolitaukirche als Erbin der Jurisdiction von Mörida. Derselbe Papst gewährte im Jahre 1122 das Jubiläum des heiligen Jahres, welches seine Nachfolger Engen III., Anastasius IV. und Alexander III. bestätigten. Die Bulle des letzteren ist am 25. Juni 1179 ausgefertigt. (Es folgt nun im Original der Wortlaut der Bulle.) Vom Jahre 1130 bis 1181 wurde für die Santiago- Pilger in Leon ein Kloster mit Hospiz zum hl. Markus errichtet.') So groß war der Ruf des Heiligthums des Apostels, daß selbst Könige es für eine hohe Ehre hielten, wenn ihre Leiber in dieser Kathedralkirche nach dem Erdenleben ruhen durften; und so gab z. B. der Bischof Peter Elias von Le6n das Geleite nach Santiago den irdischen Ueber- resten der Kaiserin °) Dona Berenguela, der Gemahlin des Königs Alphons VII., die ihr Grab in der Religuien- Kapelle hat. Da es der Wunsch des Erzbischofes Peter Raimund von Santiago war, da); die gottesdienstlichcn Verrichtungen in einer so berühmten Kirche mit möglichst großer Feierlichkeit stattfinden, so verordnete er, daß dem Ma- tutinum auf das Fest des hl. Apostels und auf den Tag der Uebertragung seiner Reliquien alle Aebte und Prioren der Stadt und Diöcese beiwohnen sollten. Im 13. Jahrhundert fand ein solcher Andrang von Pilgern aus allen Weltgegenden statt zum „glorreichsten unter den Gräbern der Heiligen aller Völker der Erde" (um mit dem hl. Bouaveiitura zu reden), daß die vierzehn Thore der Kathedrale Tag und Nacht von der Menge der aus- und einströmenden Pilger dicht versperrt waren. Aus dieser Zeit stammt ohne Zweifel der gegen Ende des '') Leön in Alttastilien gehört zu den durch Geschichte und Kunst gleich merkwürdigen alten Königsstädten Spaniens. Das Interessanteste und Schönste von Leön ist sein an Zierlichkeit und Leichtigkeit unübertroffener gothischer Dom („I-sön en KsntilsLg"). Die zweite Merkwürdigkeit dieser Stadt ist die alte Abteikirchc des hl. Jsidor von Sevilla (1636), dessen Gebeine dort rächen und der nächst Jimencs der gefeiertste Bischof Spaniens ist. In der gleichen Kirche sind die Grabstätten der Könige von Leon und Leün-Castilien. Der dritte Monumentalbau von Leon ist das im vorliegenden Hirtenbrief genannte Pilgerhospiz Sän Marcos. Es liegt am Ufer der Veresga und fesselt den Blick durch eine wunderschöne Fa?ade, deren Hauptschmuck in Stein gemeißelte, auf die Pilgerfahrt nach Santiago sich beziehende Muscheln sind. Neben Uclcs war Sän Marcos einer der Hauptsihe des berühmten Ritterordens von Santiago de Compostela, dessen ursprünglicher Zweck war, die Pilger, welche nach Com- postcla wallfahrteten, zu beherbergen und gegen die Angriffe der Sarazenen zu beschützen. Die Stürme der Revolution vertrieben die Santiago-Ritter aus ihrem viel- hundertjährigeu Besitzthum Sän Marcos. Im Jahre 1859, als wieder ruhigere Zeiten für die Kirche in Spanien anbrachen, durften Jesuiten das Gebäude beziehen, mußten es aber später (1868) wieder verlassen. Jetzt werden die Räume des prächtigen Baues theüweise als Provinzial- museum verwendet. ') Der durch seine glänzenden Siege über die Mauren zu großer Berühmtheit gelangte Alphons VII.. .König von Leon und Kastilien, berief im Jahre 1135 die Großen seines Reiches nach Leon und ließ sich hier — mit dem Königstitel nicht mehr zufrieden — zum Kaiser krönen. Jahrhunderts nachweisbare Gebrauch des großen Rauchfasses (Lotakuwsiro),") das den Zweck hatte, die durch so riesige Menschenansammlung verdorbene Luft des Tempels zu reinigen. In den alten Cvnstitutioneu der Kirche findet mau Beschlüsse, welche der Erzbischof Johann Arias (1231 bis 1266) und das Metropolitankapitel ini Anschluß an altehrwürdiges Herkommen hinsichtlich der Ncliquicnverehruug in Santiago faßten. Diese Beschlüsse gebe«; einen werteren Nachweis von der unermeßlichen Zahl der Pilger und von der Aufrechterhaltung der Ordnung am Altar des heil. Apostels. „Zu Fuß und mit dem Stab in der Hand rief die Altarwache und ein Kleriker die frommen Wallfahrer nach Nationen und in ihrer Muttersprache herbei. Darauf sammelten sich diese, um die Ablässe zu gewinnen, um das Presbyterium, und wurden zum Zeichen mit dem Stäbe") leicht an der Schulter berührt. Alsdann sprach ein Priester die Absolutionsformel, indem die Nationalgruppen der Reihe nach vorgerufen wurden; dann betete er zum Apostel gewendet:") „Nimm wohl auf. heiliger Jakobus, den Donner, den Donner des Gebetes." Nach Schluß des Morgenofficiums traten die Pilger an den Altar des Apostels, wo sie ihre Opfergaben niederlegten; darauf bezeigten sie der Kette, womit die Juden unsern hl. Patron gefesselt hatten, ihre Verehrung und gingen dann zu den übrigen Stationen. „Wenn die Krone des Apostels, besagt ein Artikel jener Satzungen, sich auf dem Altar befindet, dann treten die Deutschen vor, um ihre Gaben bei der Krone, dann bei der Kette und zuletzt beim Bau- Opferkasten zu entrichten." ... Am 21. April 1211 wurde der herrliche Tempel vom Erzbischof Peter Muniz eingeweiht. Auf Geheiß des Königs Ferdinand III. des Heiligen ") von Kastilien und Leon brachten im Jahre 1236 maurische Kriegsgefangene auf ihren Schultern in die Basilika nach Santiago dieselben Glocken, welche 239 Jahre vorher gefangene Christen auf Befehl Almanzors nach Cördoba auf ihren Schultern gebracht hatten. Die hl. Elisabeth, Königin von Portugal, machte zweimal (1325 und 1335) die Wallfahrt nach Compostela und ließ dort kostbare Geschenke zurück. — Im Jahre 1340 nahm Erzbischof Martin Ferdinand Gres an der Schlacht am Salado theil.") Seit jener Zeit brennen fortwährend °) An Festen ersten Ranges ist das Lotstumeiro noch heutigen Tags in der Basilika des hl. Jakobus in Gebrauch. Es wird mittels eines in der mächtigen Vierungs- kuppel zwischen dem Domherruchor und dem Presbyterium angebrachten Mechanismus geschwungen. Zu anderen Zeiten wird „der König der Rauchfässer" (sl rsv äs los iiwsiisarios) oder „das große, einzigartig in der Welt bestehende Rauchfaß" (e! Kran inoonsario, nnico en la oristianiäact), wie unser Führer es mit Stolz nannte, im Bibliotheksaal des Metropolitaukapitels aufbewahrt. Es gibt in der That kaum anderswo auf dem Erdkreis ein größeres Rauchfaß: bei einer Höhe von 1 m 45 om und eurem Durchmesser von 60 am beträgt sein Gewicht 60 IiKr. — Wenn uns das „große Rauchfaß" als überflüssige, unwürdige Spielerei erscheint, an der das kindliche Mittelalter keinen Airstoß genommen, so sei daran erinnert, daß auch die Aesthetik moderner Frömmigkeit Geschmacksverirrungen ausweist, die viel ärger sind, z. B. die Moustre- Monstranzen, die eine Spezialität eucharistischer Vereine sein sollen. ") Dies geschah von dem Altarwächter und vom Kleriker. ") Die Worte des Gebetes spielen offenbar aus Marc. 3, 17 an; dort wird erzählt, daß Christus der Herr den beiden Söhnen des Zebedäus, Jakobus und Johannes, den Beinamen «->«»--(>7x5 (— Donnersöhne) gegeben hat. — Die obige Anrufung lautet in der Mundart der Galizier (OalleKos): „Ls tom a atrom, 8an Otama! s, atrom cks labro!" ") Ferdinand der Heilige (1218—1252), ein vom spanischen Volk hochverehrter Fürst, war der Erbe von Eör- doba und Sevilla; seine Gebeine ruhen in silbernem Schreine im Dome zu Sevilla. ") Die große Schlacht führt ihren Namen nach dem Flüßchen Salado in Südaudalusien. Die Siegesbeute der Christen war so groß. daß der Geldeswerth daraufhin um ein Sechstel fiel. Drei Stunden im Umkreis soll die Erde 60 Tag und Nacht vier Kerzen am Hochaltar der Basilika von Compostela, und zwar auf Grund einer Stiftung des Königs Alphons XI., der den Sieg in jener Schlacht der Fürbitte des hl. Apostels zuschrieb. Nach dem Zeugnisse des Geschichtschreibers Gil Gon- Mez d'Avila waren im Jahre 1643 unter den Nationen, die nach Compostela pilgerten, vertreten: Spanier, Franzosen. Italiener, Deutsche, Engländer. Schotten, Jrländer, Polen, Russen, Slovenen, Ungarn, sowie auch asiatische Stämme. In der Sitzung vom 3. Dez. 1666 verordnete das Metro- politankapitel, daß in der „Kapelle des Königs von Frankreich" woselbst den Pilgern gewöhnlich die hl. Kommunion gereicht wird, stets zwei Fackeln brennen sollen, um das AÜerheiligste zu begleiten, wenn es, wie bei großem Pilgerandrang, z. B. im Jubeljahre, nöthig ist. die hl. Kommunion im Schiffe äs la Solsäaä oder gar aus dem Platze Quintana") zu spenden. Im „heiligen Jahre" 1766 ordnete das Kapitel die Ausstellung von Altären im Kreuzgange an, um den Priestern die Feier der hl. Messe und der hl. Kommunion reichlicher zu ermöglichen. Im Jahre 1794 schrieb der Dombaumeister Michael Ferro, der Zudrang der Pilger sei so groß, daß an Festtagen kaum zwei Ärittheile der Andächtigen in der Kirche Platz hätten, die Einheimischen ganz abgerechnet. In den letzten sechs Tagen des Dezembers vom Jahre 1875 wurden in der Kommnmonkapelle der Kathedrale über 30,000 Kommunionen ausgetheilt, meist nur an fremde Pilger, und die hl. Kommunion wurde noch Abends um 6 und 7 Uhr. ja noch später, enipfangen. Wir können nicht umhin, einige gefeierte Namen von Santiago-Pilgern anzuführen. An erster Stelle erwähnen wir den hl. Franz von AM, den hl. Dominikns, den hl. Vinzenz Ferreri. den hl. Thuribius von Mogrovejo, die hl. Elisabeth, Königin von Portugal, die hl. Brigitta. Auch der regierenden Fürsten verschiedener Länder wollen wir nicht vergessen: die meisten, um nicht zu sagen alle, Könige von Le6n und Castilien pilgerten nach Santiago, Ferdinand und Jsabella, Philipp der Schöne und Johanna die Wahnsinnige, Katharina von Arragonien, Kömgin von England"), Karl V., Philipp II.. Philipp III., Jsabella II.. Alphons XII., sowie endlich auch Ihre Majestät Dona Maria Christina, die Königin-Regentin des Reiches. Zum Besuche der Reliquien des hl. Apostels tarnen auch viele Fürsten aus Frankreich und England, aus Portugal und anderen Königreichen. Unmöglich ist es uns, alle durch Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Tapferkeit und hervorragende Stellung ausgezeichneten Personen aufzuzählen, die nach Compostela pilgerten; nur zwei Heldm dürfen wir nicht übergehen, den Cid Campeador im II. Jahrhundert und den „großen Feldherrn" (Oran vapitLu) Gonzalo Fernande; de Cördoba im 16. Jahrhundert. Schon aus dieser flüchtigen Umschau begreift es sich leicht, wie die stete Zunahme der Andacht zum hl. Apostel in allen Theilen der Christenheit unzählige Pilger zum Besuche seiner hl. Reliquien herbeilockte, und ivie diese Wallfahrten den römischen Päpsten Veranlassung gaben. mit Leichen bedeckt gewesen sein. Als der damalige Papst Bcnedikt XII. vom siegreichen König Alphons XI. die Ehrengaben mit dem von ihm dereinst geweihten Banner erhielt, stimmte er begeistert den bekannten Kircheuhymnus -Vexilla rsAis proäsunt" an, und Tarisende stimmten ein. Den König aber verglich er beim feierlichen Dankgottesdienst mit David. Vgl. Weiß, a. a. O. VI, 537. ") Der an die Kathedrale anschließende Platz heißt tzuintaua äs Nusitos, denn er war in früheren Zeiten die zur Basilika gehörende Begräbnißstätte. Jede Großstadt könnte auf diesen herrlichen Platz, den schönsten von Santiago, stolz sein. In diesem Jahrhundert erhielt er auch den Beinamen „t)uiiitaim äs lo,-- Uitsrsrio8" zum Gedächtniß an das aus „Studenten" der Universität Santiago gegen die napolconischen Heere gebildete Freiwillchencorps. Katharina (6e.ta1iua) von Arragonien, die lungste Tochter Jsabella's und des Königs Ferdinand, ist in der l ef-hichte nicht wc-niger ob ihrer Tugenden, als auch wegen ihre traurigen Geschickes bekannt; sie war die Gemahlin des wohllüftigen Tyrannen Heinrich VIII. von England. im Jubiläum des hl. Jahres ein ganz einzigartiges Privilegium zu gewähren, das seinerseits wieder die Pilgerfahrten mächtig förderte und den Ruhm des „Jerusalem des Abendlandes" von Tag zu Tag erhöhte. Unseren Tagen war es vorbehalten, daß der glückliche Fund der Reliquien des hl. Apostels und feiner beiden Schüler Athanasius und Theodor der ruhmreichen Geschichte des Heiligthums und der Pilgerfahrten nach Compostela ein unvergängliches Wahrzeichen ausdrückte und neuerdings eine mächtige Anspornung bot, daß Gläubige aus der ganzen katholischen Welt mit erneutem Eifer zum Besuche des ruhmvollen Grabes und des kostbaren Schreines herbeieilen, der nunmehr die heiligen Ueberreste des erhabenen Patrons von Spanien in sich birgt. Eine besondere Cardinalscougregation hat die Echtheit der Reliquien erklärt, die un Centrum der Absis unserer Metropolitankirche nicht weit vom ursprünglichen Aufbewahrungsorte gefunden wurden. Der Heilige Vater Papst Leo XIII. hat sich nicht damit begnügt, das Dekret dieser Cardinalscougregation zu bestätigen, sondern er hat am 1. November 1884 eigens eine Bulle „Heus omuixotsns" erlassen, in der wir nicht nur einen Akt der vom Statthalter Christi geübten Vollgemalt verehren, sondern auch ein historisches Denkmal von unschätzbarem Werthe besitzen, da diese Bulle Alles- was sich auf die Geschichte des hl. Apostels und seiner Reliquien bezieht, zusammenfaßt, und somit die, welche unseren wahlberechtigten Ruhm gehässig verkleinern wollen, nothwendig zum Schweigen zwingt. In dieser päpstlichen Bulle geschieht bereits der ältesten Wallfahrten zum Grabe des hl. Apostels Erwähnung: „Seit Wiederherstellung der Ruhe (nach den Christenverfolgungen durch die römischen Kaiser) verbreitete sich die Kunde von der Uebertragung des Leibes des heiliger» Jakobus uuter den Spaniern, welche von besonderer Verehrung zu diesen! Apostel durchdrungen waren, und Schaaren Volkes fingen an, sein Grab zu besuchen mit einem Eifer und einer Frömmigkeit, fast ebenbürtig jener, von der jene erblühten, die in NoM das Grab der Apostel und die Ruhestätten der ersten hl. Blutzeugen besuchten. .... Zahlreiche Wunder verherrlichten das Grab des hl. Jaköbus, so daß nicht bloß aus der Nachbarschaft, sondern auch aus den fernsten Gegenden das Volk herbeiströmte, um in der Nähe der hl. Reliquien zu beten. Deßhalb unternahm König Alphons III., dem Beispiele seines Vorgängers (Alphons II.) folgend, den Ban einer größeren Kirche, wobei er jedoch das alte Grab unberührt ließ, und stattete den bald glücklich vollendeten Tempel mit königlicher Pracht aus.Gegen Ende des 10. Jahrhunderts fielen von neuen» die wilden Horden der Araber in Spanien ein und zerstörten viele Städte. Nach einem schrecklichen Blutbade unter den Bewohnern trugen sie die Verwüstung nach allen Seiten mit Feuer und Schwert. Almanzor, der die Verehrung des Grabes des hl. Apostels wohl kannte, faßte deßhalb den wohlberechneten Plan, dasselbe zu zerstören, in der Meinung, damit das stärkste Bollwerk Spaniens zu Lande zu überwinden, da Spanien all seine Hoffnung darauf gesetzt hätte. Er beauftragte daher den Führer feiner Horden, geraden Wegs auf Compostela loszugehen und die Stadt mit den» Tempel sowie alles auf den Cult des Apostels Bezügliche im Feuer zu vertilgen. Gott aber erstickte die verzehrenden Flammen gerade an der Schwelle des Presbytcriums und suchte Almanzor mit seinem Heere durch solche Plagen heim, daß er sich zum Rückzüge genöthigt sah und Alle, außer Almanzor selbst, eines unerwarteten Todes starben.--) Die im Umkreis des Heiligthums verstreute Asche blieb allein übrig zur Erinnerung an die Wildheit des Feindes, aber auch als Zeichen himmlischen Schutzes. Nachdem Spanien von diesem Uebel befreit war, ließ Bischof Diego Pelaez von Compostela auf den Ruinen des alten Tempels einen anderen, noch größeren erstehen, dessen Glanz und Herrlichkeit durch die ehrende Auszeichnung einer „Basilika" noch erhöht wurde unter den» Nachfolger jenes Bischofs, Diego Gelmirez. Die Hanptsorge dieses Kirchenfürsten war jedoch, die Echtheit der Reliquien gewissenhaft zu prüfen und das Grab durch Aufführung einer neuen -°) Nach Weiß (a. a. O. V. 222) geschah die Eroberung Santiago's und die Niederbrennnng des Tempels durch die Mauren im Jahre 994. 61 Mauer unnahbar zu machen. . . Unterdessen hatte sich der Ruf des spanischen Heiligthums allenthalben verbreitet, und so groß war der Zufluß der frommen Pilger, daß uian ihn mit Recht demjenigen zu den heiligen Orten in Palästina und den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus vergleichen konnte. Deßhalb behielten die römischen Bischöfe. Unsere Vorfahren, dem Heiligen Stuhle die Enthebung vom Gelübde der Wallfahrt nach Com- postela vor."") (Schluß folgt.) Stilln von Abenberg. Von Adam Hirsch mann. (Fortsetzung.) Betrachtet man ohne Voreingenommenheit den Stiftnngsbrief des Klosters Heilsbronn, so gewinnt man die Ueberzeugung, daß der hl. Otto von Bambcrg allein, ohne Unterstützung seitens einer adeligen Familie, die Kosten der Klostergründung getragen hat. Dieser Auffassung huldigten auch die Mönche in Heilsbronn, denn in einem Visitationsprotokolle des Jahres 1311, worin es sich um die Pflichtmessen für die Stifter von Ordens- niederlassungen handelt, wird ausdrücklich gesagt: Originalst antsm nostor tuväator beatus tüit Otto, Hui uo8tris von inckigst, soll noa snst orationidus inäigswus. Unser Hauptstifter ist der hl. Otto gewesen, der jedoch unserer Fürbitte nicht bedarf, sondern vielmehr wir haben die seinige nöthig.") (Hocker, Heilsbr. Antiq.-Schatz, supxl. I, 5.) Erst im 15. Jahrhundert griff die Ansicht Platz, daß der Graf Rapoto von Abenberg das Heilsbronner Cistercienserkloster gestiftet habe. Während im ältesten Kalendarium dieses Klosters zum 22. Mai bloß der Vormerk sich findet: Obiit Rapoto eovaeo: Todestag des Grafen Rapoto, fügte eine spätere Hand hinzu: äe Fbenborg, tnmlator nostsr: von Abenberg, unseres Stifters, wie auch das Jahrtagsver- zeichniß vom Jahre 1483 die Worte enthält: 22. Mai: Jahresgedächtniß des Grafen Rapoto von Abenberg, > unseres Stifters. (33. Jahresbericht des Histor. Vereins von Mittelst'. 1865, 126; Seefried, Die Grafen von Abenberg S. 13.) Daher schreibt denn auch Muck (I. o. I, 10): Irrigerweise wurde in späterer Zeit Graf Rapoto von Abenberg als Mitbegründer von Heilsbronn genannt. Rapoto stand damals der Klosterstiftung noch ferne, ja feindlich gegenüber, bis er, durch die Bischöfe von Würz- burg und Bamberg bewogen, dem neuen Kloster befreundet und dessen Wohlthäter wurde. Der Umstand, daß der erste Abt von Heilsbronn den gleichen Namen wie der Graf von Abenberg getragen hat, berechtigt noch nicht zu dem Schlüsse, daß entweder beide identisch feien oder wenigstens im Verwandtschaftsverhältnisse zu einander stehen. Hinsichtlich des ersten Punktes bemerkt schon Hocker: Wäre Graf Rapoto ein Abt und zudem der erste von Heilsbronn gewesen, so wäre sicherlich beim Eintrag des Namens in das Todtenregister dieser geistlichen Würde nicht vergessen worden, da doch 16 Aebte vorgemerkt seien, denen Jahrtage zu halten waren. (Heilsbr. Antig.-Schatz S. 71; suppl. I, 6.) Secfried legt sich die Sache so zurecht, daß er der Stilln von Abenberg zwei Brüder: Rapoto und Konrad, zuweist. ") Es geschah dies, wie Eingangs erwähnt, durch Papst Sirius II. im Jahre 1478. ") Otto von Bamberg, welcher am 30. Juni 1139 das Zeitliche segnete, wnrde schon durch Papst Klemens III. am 1. Mai 1189 heilig gesprochen. (6rets. X, 669.) Aber daß ersterer dreimal die abteiliche Würde in Heilsbronn und einmal in Ebrach bekleidet habe, ist der Stilla- Legende völlig fremd. Daher schließen wir uns der Meinung Mucks an (I. o. I, 42), welcher sagt: Der erste Abt Rapoto 1132 — 1157 wurde durch den Klosterstifter aus dem Mutterkloster Ebrach nach Heilsbronn berufen. Gleichzeitige Aufzeichnungen berichten nichts über seine Herkunft und seine sonstigen Lcbensvcrhältnisse. Was man in späteren Zeiten hierüber geschrieben, ist Legende, Sage oder geradezu unwahr. In der Meinung, das Kloster gewinne durch adelige Aebte an Glanz, stempelte man gleich den ersten Abt zu einem Grafen von Abenberg, ja man identifizirte ihn mit dem gleichnamigen Grafen Rapoto. In der Heilsbronner Stiftungsnrknnde werden neben den Grafen Adalbert und Chunrad auch drei Schwestern genannt, deren Namen indessen nicht angegeben werden. Nach der Abenberger Ueberlieferung jedoch haben die Brüder Rapoto und Konrad, die angeblichen Gründer von Heilsbronn, nur eine einzige Schwester besessen, welche den Namen Stilla getragen. Somit stehen sich auch hier Geschichte und Legende widerspruchsvoll gegenüber. Die drei ungenannten Schwestern bilden wohl die historische Grundlage für den Zug der Stilla-Sage, daß drei gleichgefinnte adelige Jungfrauen das Ehrengeleits der frommen Grafcntochter von Abenberg gebildet haben. Uebrigens findet sich die Legende von drei Schwestern oder drei Jungfrauen, welche durch wohlthätige Stiftungen sich den Dank der Nachwelt erworben haben» in der Diöcese Eichstätt an manchen Orten vor. So hängen in den Kirchen Preith (bei Eichstätt), Wiirmersdorf und Wachenzell die Bildnisse dreier Jungstauen, die ihren Wald den drei Gemeinden vermacht haben sollen. Drei Fräulein, angeblich von Spielberg (Pfarrei Gnotzheim), vermachten der dortigen Gemeinde den Wald, Beischlag geheißen. Die Gemeinde Lanterhofen will ihren Gemeindewald von den Fräulein des Schlosses Oberlauter-' Höfen erhalten haben, die Gemeinde Wintershofen (Pfarrei Berching) erzählt ebenfalls, ihr Communalacker sei ein Geschenk dreier Schwestern. Auch verschiedenartige Stiftungen an Kirchen verdanken drei Jungfrauen ihren Ursprung. So gaben in Greding drei Schwestern von Liebeneck ihren Wald auf dem Pfaffelsberg zur Gemeinde, damit zn gewissen Zeiten in der Kirche geläutet werde; in Mettendorf (Pfarrei Greding) hängen die Bildnisse dieser drei Jungfrauen iu der Kirche. Aehnlich lautet die Sage in Berngan und Möning, in dem nunmehr protestantischen Pfarrdorfe Langenaltheim, Bittelbrunn und Bergen bei Thalmässing. Es werden auch die Namen dieser drei Jungfrauen genannt: Adelheide, Chrimhilde, Kunignnde; so zu Preith, Wiirmersdorf und Wachenzell; anderswo heißen sie: Gwerbetta, Ainbetta, Villbetta, auch Gwerre, Anbei, Cubet.^) Vergleicht man damit die Namen der drei abenbergischen Jungfrauen: Gewcrra, Widerbringa und Widerkuma, welche die Gespielinnen Stilla's waren, so erkennt man sofort den legendären Charakter der aben- In der Kavelle des Schlosses Leutstetten befindet sich ein Bild mit der Darstellung der auch iu Schlchdorf verehrten Heiligen Eiubcth (an welche auch die nahe Einöde Eiubettl erinnert). Gerbet und F-ürbet. Götz, geo- graphisch-histor. Handbuch von Bayern 1, 358. In dem Verzeichnisse der Relignien des Klosters Heilsbronn findet sich eine vom Arme der hl. Genera (cko braekno s. övvsras). Hocker, Heilsbr. Antig.-Schatz 1, 61. 62 bergischcn Ueberlieferung. (Past.-Bl. des Bisth. Eichstätt 1856, 127). An der Hand der Heilsbronner Stiftnngsurknnde des Jahres 1132 haben wir gefunden, das; die aben- bergischcn Grafen Rapoto und Konrad vollständig un- bctheiligt waren, als Bischof Otto von Bambcrg das Cistercienserkloster Heilsbconn gründete und mit verschiedenen Liegenschaften und Gütern begabte. Die aben- bergische Ueberlieferung entbehrt somit jeglicher historischen Grundlage. Die Legende weiß nun ferner zu berichten, daß Stilln auf dem Hügel zu Abenberg, welcher dem Schlosse gegenüber lag, eine Kirche erbaut habc,^) welche in der Ehre des hl. Petrus vom hl. Otto eingeweiht worden sei; bei dieser Gelegenheit habe die Grafcntochter aus den Händen des Bamberger Bischofes den Schleier als Zeichen ständiger Jungfräulichkeit entgegengenommen; auch sei sie Willens gewesen, daselbst ein Klöstcrlein zu errichten; der Tod jedoch habe sie an der Ausführung dieses Planes gehindert. Wenn wir das kostbare Pontifikale des heiligmäszigen Bischofes Gnndakar II. von Eichstätt 1057 — 1075 aufschlagen, so finden wir in dem Berzeichnisse der von ihm geweihten Kirchen an 113. Stelle auch Abenberg benannt. (U. (I. 88. Vll, 247; Lefflad, Regesten S. 16-17.) Suttner glaubt diese Kirchweihe in das Jahr 1072 verlegen zu dürfen. (Past.-Bl. 1856, 148.) Nun aber wird znr Zeit des, Grafen Rapoto von Abenberg, des angeblichen Bruders unserer Stilla, in einer Gebiets- rcgelnng zwischen dem Kloster Hcilsbronn und dem Grafen, auch eine Kapelle des hl. Jakobus (cmxella, s. -laoobi in abinberoli) in Abenberg erwähnt. (II. Jahresbericht des Hist. Vereins ini Rezatkr-eis 1831, 28.) Welche Kirche ist nun älter? Welche wurde wahrscheinlich von Gnndakar II. schon eingeweiht? Die Kirchen, welche dem hl. Apostclfürsten Petrus geweiht sind, gehören gewöhnlich einer sehr weit hinaufreichenden Periode christlicher Banthätigkcit an. Die alten Dome von Köln, Trier, Metz, Toul und Verdnn waren ihm gewidmet. (Beissel, Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland bis znm Beginne des 13. Jahrhunderts S. 9 .)^) Als der hl. Bonifatins in Geismar die von den heidnischen Hessen hochverehrte Donnerciche mit wenigen Hieben zum Falle gebracht hatte, erbaute er aus dem Holze derselben eine Kirche, welche er in der Ehre des hl. Petrus weihte. (Vita, 8. Lorü- t'atii, auotoro Willibaldo sd. Nürnberger p. 42.) Auch zu Fritzlar widmete er dem Apostelfürsten ein Gotteshaus (l. o. x. 44). In der Diöcese Eichstätt waren die Benediktinerkloster Wülzbnrg oberhalb Weissen- burg^) und Kastl bei Amberg unter den Schutz des hl. Petrus gestellt. Ersteres verdankte dem Frankenkönige '9 Achnlich wie von Stilla wird auch von der hl. Kunignudis erzählt, daß sie ein Gefäß mit Geld angefüllt in die Mitte des zu erbauenden Domes zu Bamberg gestellt habe, woraus jeder Arbeiter den ihn treffenden Lohnantheil erheben konnte, aber nicht mehr, als er thatsächlich verdient hatte. (6rets. X, 554.) Ein ähnlicher Vorgang wird auch von dem Bischöfe Virgilius berichtet, welcher die verfallene Basilika des bl. Rnpertus in Salzburg wieder anferbaute. l?rop. tast. dioeo. L^ststt. znm 27. Nov. Ueber den Bischof Virgilius vergl. N. O. Lpx>. III, I, 336, 360. Der hl. Rnpertus erbaute eine Peterskirche zuxta laemn vocabulo Walarsse, Keiuz, indienlus ^unonis pag. 27. '0 Die Pfarrkirche in Weissenbnrg war dem heiligen Andreas gewidmet. Karl dem Großen gegen das Jahr 792 seinen Ursprung (h'alobenstoin, ^.nti^. blord§. III, 403), während letzteres durch den Grafen Friedrich II. im Jahre 1098 gegründet worden ist. 22 ) (IUebenskein 1. 0 . II, 327.) In einer Urkunde vom 6. Juni 1053 wird genannt: Waltebirieba. in pago blortücnvo, Waldkircheu bei Berching, im Volksmunde jedoch Petersbcrg geheißen, weil eben dieses Gotteshaus dem hl. Petrus geweiht war. Auch Dollnstein, das auf römischer Grundlage auferbaut ist, und 1007 von Kaiser Heinrich an das Kloster Bergen vergabt wurde, ehrt heute noch den Apostelfürsten als Kirchenpatron;.Bischof Gnndakar II. fand ihn Wohl schon als solchen vor bei der Einweihung der dortigen Kirche 1063.2--) Wenn wir nun in Betracht ziehen, daß sowohl Greiser als Koch in Abenberg durch Bischof Gundakar II. einen Altar zn Ehren Stilla's in der Peterskirche errichtet werden lassen, obwohl Stilla einer späteren Periode angehört, so mag darin eine dunkle Erinnerung ausgesprochen sein, daß eben dieser Bischof in Abenberg die Peterskirche eingeweiht habe. Wenn die heutige Pfarrkirche mit einem gothischen Presbyterium noch im 12. Jahrhundert eine Kapelle des hl. Jakobns genannt wird, so dürfte "sie wohl kaum Anspruch darauf erheben können, schon gegen 1072 eingeweiht worden zu sein. Mag die Sache auch nicht mit voller Klarheit entschieden werden können, aber darüber kann unter besonnenen Forschern kein Zweifel obwalten, daß der hl. Otto von Bamberg, dessen Dom auch dem Apostelfürsten gewidmet ist, die Peterskirche in Abenberg nicht eingeweiht habe. Denn kein Biograph dieses, streng kirchlichen Oberhirten meldet, daß derselbe in Abenberg, welches doch unbestritten zur Diöcese Eichstätt gehörte, soinit seiner eigenen Jurisdiktion entzogen war, eine Kirchenconsekration vorgenommen habe; keine einzige Urkunde ist bislang von den Verfechtern des Stillacultes beigebracht worden, aus welcher klipp und klar erschlossen werden könnte, daß Bambergs Bischof auf eichstättischem Gebiete eine Kirche eingeweiht habe.^) Otto's Persönlichkeit sowohl, sagt 2 --) In Kastl standen schon vor Erbauung der Klosterkirche drei Kapellen; die Kastler Reimchronik berichtet vom Grafen Ernest Vers 140—144: Und Kastelberch was für sich kamen» Mit zwelf Huben widemt er In der Zwelfpoten Er Ein Capellen daz ist war. Auch fünfzig Zehent gab er dar. Und Vers 335-338: Ein ieglich Burk besunder Hat gemaches ellew Wunder Drin Capell ftent noch hivt den Tae Darinne man Gotesdinstes pflac. Die Kastler Reimchronik, deren Verfasser. Herman Abt zu Kastl war von 1323—1356, zählt nur 790 Verse und ist abgedruckt mit historischen Erörterungen in Frey- bergs ges. Schriften 1828, II, 455—483; und bei Moritz, Stammreihe der Grafen von Sulzbach 1833, II, 103—158. 22) Past.-Bl. 1856, 147: Wolfram von Eschenbach gedenkt im Parzival der streitbaren Kauffrauen von Dollnstein, wenn er erzählt, daß die Amazone Antikonie an ihres Buhlen Gawan Seite so tapfer und mannhaft gestritten: clin biinvZ'inue riebe streit da rittsrlivbs d! Oavan si verliebe sebeiv dar ckiu kout'vip 20 l'nlenstsin an der vasnabt nie bau Asstriten: van si tnontrr von gampslsiten unde innent an not ir lip. VIII, 409. 2*) 6rets. X, 568 — 669: Vita s. Ottonis. Oonk. Zeitschrift für kathol. Theologie 1889 S. 62; H,et. 88. llul. I, 63 Watteubnch (Deutschlands Geschichtsgnellen 5. Anst. II, 165), wie die außergewöhnlichen Umstände seiner Mis- sionsrciscn nach Pommern und der glänzende Erfolg derselben, regten frühzeitig zn schriftlichen Aufzeichnungen über ihn an, denen der Reichthum des vorliegenden Stoffes mehr Inhalt und Werth verlieh, als der Mehrzahl anderer Legenden. Warum sollte denn gerade die bischöfliche Thätigkeit Otto's in Abenbcrg vergessen worden sein? Oder war vielleicht der Stuhl des heil. Willibald damals verwaist? Von 1125 — 1149 trug in Eichstätt Bischof Gebhard II. aus dem Hanse der Grafen von Hirschberg das Rationale: am 5. Okt. 1129 weihte er das Kloster Kastl ein (Lefflad, Regesten nr. 209 und ff.), im März 1131 huldigte er zu Lüttich mit etloa fünfzig anderen Bischöfen dem Papste Jnnozenz Ist, 1135 am 17. März wohnte er dem Fürstentage zn Bamberg bei, 1138 war er in den Maitagen abermals zu Bamberg, am Allerheiligentag des genannten Jahres weihte er das von ihm und seinen Brüdcrn Ernest und Hartwic gegründete Kloster Plankstetten ein; 1140 unterzeichnete er zn Nürnberg eine Urkunde des Königs Tonrad III. Angesichts dieser regen Thätigkeit Gebhards war doch für den vielbeschäftigten Pommernapostel gar keine Veranlassung geboten, von Bamberg, wo auch die Ankaufsurkunde von Heilsbronn 1132 ausgefertigt worden ist, nach Abenberg zu eilen, um zu Gunsten einer sagenhaften Grafentochter die Peterskirche einzuweihen und das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit von Seite Stilla's entgegenzunehmen! Um in dieser Frage allen Täuschungen zn entgehen, wurden sowohl im kgl. Kreisarchive zu Nürnberg, als auch im kgl. allgemeinen Reichsarchive zn München Nachforschungen über Stilla und ihre Beziehungen zur Peterskirche angestellt, aber es konnte bei allem Entgegenkommen der Archivverwaltungen, wofür hier der gebührende Dank ausgesprochen sei, nicht das mindeste einschlägige Material vorgefunden werden."^) Was nun die beabsichtigte Klostergründnng Stilla's betrifft, so steht es außer Zweifel, daß im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts zn Abenberg ein Kloster bestanden habe, allerdings nicht für Frauen, sondern für Männer. In einer Urkunde des Bischofes Gebhard II. gegen das Jahr 1132, wodurch die Dörfer Halesbrunnen, Obercndorf, Velsenberg, Witrammcsdorf und Pezemanns- dorf, welche nunmehr dem Kloster Heilsbronn zugehören, von dem Zehenten zur Eichstätter Kirche befreit werden, erscheint neben dem Abte Heinrich von Plankstetten als Zeuge: Ondalric, Abt von Abenberch. (Lefflad, Regesten nr. 215.) Wo ein Abt sich findet, kann doch wahrlich auch ein Kloster nicht fehlen. Die Existenz eines solchen in Abenbcrg erhellt ferner klar aus einer Gebietsrcgclnng 349-463. Am 25. Juli 1123 (nach Goß. 1. o. I. 732: 1125) weihte Otto die Klosterkirche zu Ensdorf in der Ehre des hl. Jakobus ein, aber mit Erlaubniß des Bischofes Kuno von Rcgensburg (Ried, ooä. äipl. 1,179 ur. OXOI). Bischof Herman I. von Bamberg 1065—1075 gründete daselbst aus eigenen Mitteln das Augnstincrstift St. Jakob des Zebedäiden, Otto der Heilige vollendete es. (Grctscr X, 508: Kirchenlexikon I, 1917.) -5) Die Klostergründnng zu Heilsbronn, welches zur Diverse Eichstätt gehörte, kann nicht als Instanz gegen obige Darlegung aufgerufen werden, da Otto auch in der Diocele Regcnsburg Klöster errichtete, deren Kirchen er nic»t als zuständiger Ordinarius, sondern nur mit Er- lanbmß des Tiöcesanbischofes oder in dessen Gegenwart conickrirtc. zwischen dem Grafen Rapoto und dem Kloster Hcils- bronn, worin es heißt: Den Wald und was immer mit eigenen Mühen die Mönche in Abenberg enltivirt haben, erhält vom Kloster Heilsbronn der Graf Rapoto als Entschädigung, mit Ausnahme eines halben Mansns, den die Kapelle des hl. Jnkobns in Abenberg zurückbehalten hat?°) Wer hat Wohl dieses Kloster gegründet? Antwort hierauf gibt uns eine Urkunde des Bischofes Bnrthard von Eichstätt, aus welcher wir auch die Auflösung der Niederlassung erfahren. (Fortsetzung folgt.) Recensionen nnd Notizen. Gehet zum hl. Anton ins! Gebet- und Erbanungs- büchlein von U. Arsenius Dotzler, O. 8. iA-. Zweite Auflage. Würzbnrg, Göbcl. Gcbd. in Ganz- (einwand. Rothschnitt 75 Pf. D Die erste, sehr starke Auflage war in k nrze r Zeit vergriffen. Das Büchlein hat also einem Bedürfnisse entsprochen. Die vielen Verehrer, welche St. Antonius wie anderwärts so auch in Deutschland hat, nahmen die Gabe aus der Hand des U. Dotzler mit Freuden entgegen. Die neue Auflage hat außer einigen kleinen Aenderungen im biographischen Theile durch ausführlichere Behandlung des „Äntoniusbrodcs" eine Erweiterung erfahren. Möge das Büchlein auch in seiner neuen Gestalt recht zahlreiche Abnehmer finden! Die sorgfältige, praktische Auswahl des Stoffes und die populäre Behandlung desselben empfehlen das Büchlein von selber. Nieszcn Jos. und Mcrtes Pet., Viktor Joseph De- wora, der Trier'sche Ovcrbcrg; Sein Leben, Wirken nnd feine Schriften. Trier, Löwenberg 1896. 8°, 296 SS. M. 3.60. -> Die beste nnd eindringlichste Empfehlung einer anf christlicher Grundlage beruhenden, gesunden Pädagogik ist ohne Zweifel das Leben und Wirken eines Mannes, der auf dieser Grundlage Großes hervorgebracht und reichen Nutzen gestiftet hat. Ein solcher Mann war der münster- länöische Priester Viktor Joseph Dcwora (1774—1837), welcher sein unermüdliches 'Arbeiten höchst segensreich in den Dienst der Jngendbildnng und Erziehung gestellt hat. Ein kerniger, christlicher Geist geht durch seine zahlreichen Schriften, die von Pädagogen nicht eifrig genug gelesen werden können. Wir sind den beiden Verfassern des Buches großen Dank schuldig, daß sie sich die Mühe nicht haben verdrießen lassen, alles Material gewissenhaft zu sammeln aus dem die anregende und lebensvolle Darstellung de Wirkens dieses katholischen Mnsterpädagvgen ersteht. Der erste Theil des Buches umfaßt außer dem Lebcnsabriß Deworas eine Uebersicht seiner gesammtcn Schriften. Der zweite Theil bringt Auszüge nnd Inhaltsangaben der be- 2 °) Oonoambinm intsr soelssiam Ualssbrnnsnsom st oomitsin 1 t. äs enrts no 8 tra Xstslsnäork. silvam st gnie- gniä propriis Isboribns sxeolnsrint wonaebi in abinbsrell rseopit a nobis U. somss pro rseompsnsations sxespto äimiäio man80, gnsm rstinnit eapslla 8 . .Inoobi in abin- dereb. II. Jahresbcr. des Histor. Vereins im Nezatkrcis 1831, 28. Diese Notiz gehört dem 12. Jahrh. an. Außerdem werden noch genannt: metslsnäork (Mettcndorf bei Grcding), tilsinbnrcb (Theilnberg), ixstsstsin (Hilpolk- stein?): intsr viiias änas rota et plmpbonbovsn (Roth und Pfaffenhofen bei Schwabach paK. 29: Urasäinm nostrmn in Ontslonbolon (Uttenhofen) smnnns ab ot- nanäo äs sebsnonevs oetotzinta äuabus niorois st ab »lüg gnibnsäain, viäsliost Itabotons äs tisrbaslr, anim- psrto st KIüs e.jns itiäsm, eonsilio vfnsäsw O. Stadt- pfarrer Fuchs von Spalt, ein um Eichstätts Diöcesan- geschichte hochverdienter Forscher, schreibt in Bezug auf obige Notiz im 25. Jahresbericht des Histor. Vereins in Mittelfranken 1857 Seite 14: Es ist Thatsache, daß die Mönche wirklich im Besitze zn Abenberg waren, allein sie vertauschten laut Urkunde, die aus dem Jahre 1151—1159 stammen soll, die abenbergischcn Güter wieder an den Grafen Rapoto. 64 deutendsten Werke desselben. Vollständig finden wir in dem Bande drei ausgezeichnete Schriften des großen Pädagogen über „die sittliche Erziehung der Kinder in den Elementarschulen" über „die zweckmäßigsten Strafen und Belohnungen" und über den „Lektionsplan des kgl. Schul- lchrer-Seminars zu St. Mattheis bei Trier". Es wäre nur zu wünschen, daß jene Lehrer, die über Pestalozzi und andere Götzen der Zeit so leicht in Verzückung gerathen, einen Blick in dieses Buch werfen, um zu erkennen, wie Gold und Flitter sich unterscheiden und wie unsere katholische pädagogische Literatur die beliebte Zurücksetzung ganz und gar nicht verdient. Charitas. Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland. Verlag von Herder, Freiburg i. Vr. Erscheint, 16 Seiten stark, je an: 1. des Monats. Äbounementspreis jährlich 3 M. Inhalt von Nr. 2 des II. Jahrgangs: Der Kapu- zinerpatcr Theodosius Florentini und die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuze zu Jngenbohl (Schweiz). I. — Das charitative Wirken der katholischen Kirche im Bisthum Münster. — Die Krippen-Anstalt in Augsburg links der Wertach. — Katholische Streiter im Kampf gegen die Unsittlich keit. I. — Der Mädchenschutz auf dem Charitas- tag zu Schwäbisch-Gmünd. — Kleinere Mittheilungen. — Katholische Mätzigkeitsblätter. (Beilage zur „Charitas".) Nr. 1: Ein Gclestswort für die „Mäßigkeitsblätter". — Die Alkoholfragc. — Fünf Fragen und Antworten über die Mäßlgkeitsbewegung. — Wie es einem geht, wenn man kein Vier mehr trinkt. — Katholische Mäßigkeitsschriften. U. s. w. — Österreichisches Literaturblatt, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, redigirt von vr. Franz S chnürer. (Administration: Wien. I-, Annagasse 9.) Inhalt der Nr. 3 u. A.: Rilkes N.. Lalsn- äarinin Manuals utrinsgus Leelssias orisntalis st oeci- äentalis. (vr. Aug. Rösler, Mautern in Stink.) (65.) — Poggel H., Der 2. und 3. Brief des hl. Apostels Johannes. (Theol.-Prof. vr. I. S ch i n d l e r, Leitmeritz.) (67.) — Seeböck Phil., St. Paulus, der Heidenapostel. (Theol.-Professor vr. A. Cigoi, Klagenfurt.) (69.) — Mahrenh oltz R.. Fvnelon, Erzbischof von Cambray. (k. L. Winter«, Braunau r. B.) (69.) — Spörr Bhd., Lebensbilder aus dem Serviten-Ordcn. IV. (Pros. vr. Alb. Hübl, Wien.) (69.) — Massow Julie v., Dorotheen- Körblein. (?- Gregor v. Holtum, Prag-Emaus.) (70.) — Gutberlet Const., Die Psychdlogie. (vr. Richard v. Kralik, Wien.) (70.) — Kehr ein L., Ueberhlick der Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes, herausg. von Kayser und Schultz. (vr. C. Lud ewig, Preßburg.) (71.) — Haffner A., Das LitLb ss-8a. (vr. Rud. Geyer, Scriptor der Hofbibliothek, Wien.) (75.) — Sattler A., Die religiösen Anschauungen Wolfram's v. Eschenbach. (vr. C. Domanig, Custos am kunsthist. Hofmuseum, Wien.) (76.) — Kraus Frz., Höhlenkunde, (Univ.-Pros. vr. Ed. Richter, Graz.) (80.) — Rank Emil, Das Eisenbahntariswesen. (vr. Friedr. Frhr. zu Weichs - Glon, Innsbruck.) (81.) -- Ellis Hav., Mann und Weib. — Ders., Verbrecher und Verbrechen, (vr. HZ. Krticzka Frhr. v. Jaden, Wien.) (82.) U. s. w. Das Archiv für katholisches Kirchenrecht, das im Jahre 1857 von Ernst Freiherr« v. Moy de Sons gegründet und durch viele Jahre unter Friedrich H. Vering's Verdienstreicher Redaction fortgeführt wurde, ist nunmehr seit letztem Sommer in die Hände des Freiburger Kirchen- rechtslehrers vr. Franz Heiner, Rectors des Kollegium Savientiae, übergegangen. Mit Freuden stellen wir fest, daß dieses Organ, in dessen bis jetzt erschienenen 76 Bänden ein reiche Fülle gründlich bearbeiteten canonistischen Materials niedergelegt ist, mit dem neuen Jahrgang 1897 eine erhebliche und glückliche Umgestaltung erfahren hat. Ist auch das äußere Aussehen der Hefte, sowie das Programm, in welchem Förderung wissenschaftlicher Forschung und Pflege kirchenrechtlicher Praxis zum friedlichen Bunde sich einen, selbstverständlich auch die correcte kirchliche Haltung Zeitschrift dieselbe geblieben, so fällt doch gleich bei e Inhaltsangabe des ersten Heftes die systematische Uebersichtlichkeit des Dargebotenen angenehm auf. Während früher die Artikel in zwangloser Reihenfolge dem Leser vorlagen, erscheinen dieselben jetzt in fünf Abtheilungen gegliedert, wovon die erste die wissenschaftlichen Abhandlungen, die zweite und dritte die kirchlichen und staatlichen Aktenstücke und Entscheidungen, letztere in mehreren Unterabtheilungen, die vierte kleinere Mittheilungen und endlich die fünfte eine Uebersicht der kirchen- rechtlichen Literatur uns bietet. Gerade durch sorgfältige Behandlung der letzter» neuhinzugefügten Abtheilung, mit der zugleich eine Zeitschriftenschau und ein Verzeichnis; der in den letzten Jahren erschienenen kirchenrechtlichen Werke verbunden ist, wird sich die Redaction den Dank der Leser verdienen. Ueberraschend wirkt ferner die lange Reihe der auf canonistischen; Gebiete thätigen Männer, welche ihre Mitarbeit am Archiv neuerdings zugesagt haben. Nicht weniger als 81 Namen zählen wir, unter deren Trägern kaum ein hervorragender Vertreter des Kirchenrechtes aus Deutschland und Oesterreich fehlen dürfte. Wenn wir auch auf den reichen, für den Praktiker wie den Theoretiker gleich interessanten Inhalt der Zeitschrift hier nicht näher eingehen können, so verdient doch hervorgehoben zu werden, daß gleich zu Anfang zwei junge Kräfte (Stiegler und Rösch) mit wirklich gediegenen Arbeiten auf dem Plane erscheinen, was im Zusammenhalt mit der großen Reihe von Mitarbeitern auf einen intensivern Betrieb der canonistischen Wissenschaft in nächster Zukunft hoffen läßt. Wir bemerken noch, daß die Zeitschrift in; neuen Jahre zugleich Organ des katholischen Juristenvereins geworden ist, wodurch hoffentlich die Neubelebung des letzter;; befördert wird. Auch in der Erscheinungsweise hat die Zeitschrift eine Aenderung erfahren, indem statt der sechs Hefte jährlich nunmehr vier Quartalhefte mit einem Umfange von wenigstens 12 Druckbogen ausgegeben werden. Hierdurch wurde auch eine wesentliche Herabsetzung des Preises von 15 auf 10 Mark ermöglicht, was vielen, besonders den Geistlichen, den Bezug sicherlich erleichtern wird.. Freilich wurde zu dieser Preisminderung die Verlagshandluug von Franz Kirchheim in Mainz auch durch die Erwartung bewogen, daß nunmehr die Auflage der Zeitschrift sich wesentlich heben werde. Wir wollen diese Erwartung durch eine warme Empfehlung des Archivs in dieser Zeitung womöglich noch steigern. Bei den zahlreichen katholischen Zeitschriften anderer Wissenszweige wäre ja die Frage einer Verminderung, behufs Couccnlration der Kräfte und Schonung des Geldbeutels, vielleicht uicht unangebracht; beim Archiv für katholisches Kirchenrecht müssen wir sagen, seine Existenz ist einfach nothwendig und seine Unterstützung eine Pflicht der katholischen, kirchlichen und gelehrten Laienkreise, wenn anders wir uicht aus diesen; Wissensgebiet uns für bedeutungslos erklären wollen. Es ist doch wahrlich keine Ehre für uns Katholiken, wenn auf den; uns so e;gcnen Gebiete des Kirchenrechtes Andersgläubige die schwierigen und umfassenden Arbeiten uns liefern müssen, deren Leistung uns vor allem obliegen und gebühren sollte. Wie ganz anders standen die deutschen Katholiken da zu den Zeiten eines Engel, Pirhiug, Reiffenstnel, Leuren, Schmalzgrueber, Pichler usw., deren Namen jetzt freilich mehr im Auslande als in der deutschen Heimath genannt werden, wie der Herausgeber des Archivs in dem schönen Einleitungsworte mit Recht bemerkt. Um so mehr Dank gebührt dem neuen Redacteur, daß er die Last der Redactwn in uneigennütziger Weise übernommen und so das altbewährte Organ vor dem Eingehen bewahrt hat; Dank ferner sei dem Verlag von Fr. Kirchheim ausgesprochen, der so lange Jahre hindurch uicht unerhebliche Opfer für dasselbe gebracht hat. An uns Katholiken ist es nun, dafür zu sorgen, daß das einzige deutsche wissenschaftliche Organ für katholisches Kirchenrecht lebensfähig und lebensfroh erhalten werde, damit in demselben viele junge Gelehrte ihre Kräfte üben können durch Bearbeitung der verschiedenen kirchenrechtlichen Gebiete und Beantwortung der manchfachen canonistischen Fragen, von denen viele noch auf dogmatische wie rechtsgesch;chtliche Vertiefung harren. (Köln. Volksztg.) Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.