A?. 8 L8. Fevr. 1897. Das Schulwesen der kgl. bayerischen Haupt- i'.nd Residenzstadt München?) Auf dem Gebiete der Schnlgcschichte, dieses Wort kn seinem weitesten Umfange genommen, niacht sich in den letzten Jahren erfreulicher Weise eine sehr rege und fruchtbare Thätigkeit geltend; auch die Erforschung und Darstellung des bayerischen Schulwesens haben gerade in jüngster Zeit rüstige und tüchtige Hände wieder aufgegriffen und ersprießlich gefördert. Der Wetteifer mit manchem unserer Nachbarländer, so mit Württemberg, läßt uns in Bälde manche bedeutsame Arbeit dieser Art erwarten. Die nach manche» Richtungen hin sehr rühmens- werthe „Geschichte des Bolksschnlweseus in der Oberpfalz" twn dem Rcgensburger Lehrer Holl weck, von den Anfängen bis zum Jahre 1810 herab, macht in jedem Leser den Wunsch rege, es möchten recht bald auch andere Kreise Bayerns und sonstige größere Gemeinwesen eine ähnliche zusammenfassende Behandlung des Bolksschnlweseus auszuweisen haben. Das große, nicht genug zu begrüßende Unternehmen Dr. Kchrbachs „Novuwmitn Dornaariiaa linsäai-opficm" und die damit verbundenen „Mittheilungen der Gesellschaft für deutsche Erziehnngs- und Schnl- geschichte" u. s. f. werden allmählich auch diese Seite des deutschen Schulwesens in den Kreis ihrer Qnellenforsch- lingen und historischen Darstellung hereinziehen, und die glücklicher Weise endlich auch in Bayern zu Stande gekommene „Gruppe" dieser Gesellschaft wird ihre Arbeiten bald auch auf diese hochwichtige und noch lange nicht genügend gewürdigte Seite des cnltiirelten Lebens vergangener Zeiten auszudehnen bestrebt sein. Was ein einziger Schnlordcn innerhalb unseres engeren bayerischen Vaterlandes im Laufe von zwei Jahrhunderten für das weibliche Unterrichts- und Erziehnngswesen gewirkt hat, lehrt uns die schöne und gehaltreiche Monographie Dr. Ludwig Mnggeuthalcrs „Der Schnlordcn der Salesianerinncn in Bayern von 1007 bis 1831" (Bam- berg 1895). Es kann nur schmerzlich beklagt werden, daß dieser treffliche und gewissenhafte Gelehrte und Lehrer, ein Mann von echt biederem und tüchtigem Wesen, so unerwartet rasch seinem edlen Wirken entrissen wurde; von ihm hätten wir noch manche äußerst schätzbare Gabe auf dem Gebiete der bayerischen Schul- geschichte erwarten können. — Oberlehrer Gebele in München hat mit dem vorliegenden Werkchcn, das im Auftrage des Ortsausschusses als Festgabe zur XIII. Hanptvcrsammsnng des Bayerischen Bolksschnllehrervereins im August vor. Js. herausgegeben wurde, den Versuch gemacht, das Münchener Schulwesen in seiner geschichtlichen Entwicklung und in seinem gegenwärtigen Bestände etwas eingebender vorzuführen. Es kann nicht verkannt werden, daß er für die Vergangenheit eine große Zahl zumeist im gemeindlichen Verwahr befindlicher Urkunden und Literalien sorgsam benützt hat — er theilt uns im Anhange des Buches auch einige derselben im Wortlaute mit —, doch ist die Darlegung über das ältere Schulwesen Münchens, von den Anfängen bis 1770, ziemlich dürftig. Eingehender wird die Darstellung für den Rest ch In seiner geschichtlichen Entwicklung und unter Berücksichtigung der älteren bäuerischen Schul,zustande aus archivalischcn Quellen dargestellt von Jos. Gebele, Oberlehrer. Mit 0 Abbildungen. München, 1M6. M. Kellerer's Hosbuchhaudlnng. 8». IV. 250, XXXll S. Preis M. 2,50. des 18. Jahrhunderts und die in demselben bethätigten „Ncformbcstrebungen" mit guten Seitenblicken auf da? benachbarte Gebiet der „realen" (Hanptbürger-) Schüttn. Bei den Ausführungen über den bekannten Schulrcformator Heinrich Braun (S. 41 ff.) hätte auf die neueste trefflich-: Arbeit über denselben von L. Wolfram hingewiesen werden sollen. Nach einem Kapitel „Die Umwälzung im Jahre 1801" wendet sich der Verfasser in längerer, zum Theile sehr detaillirter Ausführung „dem gegenwärtigen Stands des Münchener Schulwesens" zu, wobei die äußeren und inneren Verhältnisse desselben: Schulbezirke, Schnlhänser, Schnlbehörden, sowie Lehrpläne, Unterrichtsmittel, Stellung der Lehrer n. s. f., auch anhangsweise die männliche und weibliche Feiertags- und Fortbildungsschule nebst Central- zeichen- und Centralsingschnle zur Darstellung gelangen. Der großen und durchgreifenden Umgestaltung, welcher das Münchener Volksschulwescn mit dem Beginne der Siebzigerjahrc durch die neuen liberalen Stadthäupter und simultanen Schnlrcferentcn (Marschall, Nohmeder, Brannwart) unterzogen wurde, die mit der Zwangs- stmnltanisirnng derselben Hand in Hand ging, steht der Verfasser augenscheinlich sehr sympathisch gegenüber; er geizt nicht mit lobenden Beiwörtern für dieselben; daß es auch einmal um die Schule wohl verdiente Bürgermeister von konservativer Richtung, wie den unvergeßlichen Widder und Stcinsdorf, gegeben, würde man aus dem Büchlein nicht erfahren, und die Verdienste des edlen Priesters und milden Lehrerfreundes A. Meitinger, der auch mehrere Jahre hindurch bis zum Anbrnche der neuen Aera Stadtschulrcferent war, sind schon soweit in Vergessenheit gekommen, daß man nicht einmal mehr seinen Namen richtig wiedergeben kann (S. 186). Wer der Entwicklung der Dinge in jenen Jahren unmittelbar nahe stand, wie wir, weiß nur zu gut, daß auch damals durchaus nicht alles Gold war, was glänzte; gar manche Lehrer, die nach außen hin frohe Miene zeigten, seufzten im Innern unter dem Drucke der einzwängenden Schablone und des Polizciregiments des Mannes „mit dem marmornen Gesichte". Nebrigens soll nicht verkannt werden, das; diese letzten Abschnitte in Gebelc's Buch eine reiche Fülle interessanter und vcrlässiger Mittheilungen über ein Schulwesen enthalten, das schon nach seinem Umfange und seiner Organisation sowie nach den Aufwendungen, die für dasselbe gemacht werden, zu den bedeutsamsten in ganz Deutschland gehört. Die beigegebenen Pläne und Abbildungen von Münchener Schnlhünsern sind dankens- werlh, und die gcsammte Ausstattung des Buches verdient alle Anerkennung und entspricht durchaus der sorgsamen Bemühung, welche Gebele auf diese seine Arbeit verwendet hat: dafür wird ihm jeder Freund her „Schick- geschichte" Dank wissen. -ac;- k. Simon Nettenvacher, 0. 8. L., Oesterreichs Horaz. Während in Frankreich, England, Spanien die Literatur auf der Höhe der Entwickelung stand, mußte sich Deutschland mit dem Schwulste Lohcnsteins und der „Zucker- und Honigpoetcn" oder der nackten Nüchternheit der „Wasserpoeten" begnügen. Es war eine traurige Zeit. Noch waren die Wunden, welche die „fortgcsctzte Orgie der Bestialität", der 30jährige Krieg, dem Vaterlande geschlagen, nicht vernarbt, so drohten neue Feinde:. 68 ückens knnwi, nnlitiuk: votem, Zvttsrs inAoaii (U8pic.it omni» . . . novit laksstosgus retmntore Ltgus arosre proenl moonibaL impivs. In eiueiil herrlichen Bilde führt er uns den Bayern- löwen, Max Emnnuel, vor: 8>eat llvrcnnk leo 8»cvu8 tjnem Un»c8 ateox stimulat, kc-roell, 8tornit nrinentuin. laverat, vrusntv viripit vre . . . 8io ke>v8 'I'braees tu« ckextra rapit. Schon aus diesen dürftigen Proben ist leicht zn ersehen, das; wir ctz bei Ncttcnbachcr nicht mit einem gewandten Versedrcchslcr, sondern mit einem gottbegnadeten Dichter zn thun haben, der neben inniger Frömmigkeit Schärfe des Blicks, Menschenkenntnis; und glühenden Patriotismus besaß. Und wie Bälde gehört auch Reiten- bacher der deutschen Literaturgcschichte an trotz des fremde» Gewandes. vr. Eduard Stemplinger. Neceusroueu nnd Notizen. Wolfs Ioh. Ios.. Lesebuch für Fortbildungsschulen, zugleich ein Buch für die Familie und das Haus des Arbeiters und Handwerkers. 8", Xll -s- 466 SS. Frciburg, Herder 1896. M. 3,20; geb. M. 3.80. >. Die Herder'sche Verlagsbuchhandlung, welche ihre Erscheinungen nicht bloß auf die wissenschaftliche Fach- literatur ausdehnt, sondern auch ganz hervorragend gediegene Schulbücher bringt, bietet uns hier bei mäßigem Preise ein treffliches Lesebuch für Fortbildungsschulen, das ob seines reichen und abwechslungsvollen Inhaltes wohl bei keinem Leser Ueberdruß erregen wird. Selbstverständlich ist Alles vermieden, was Glaube und Sitten gefährden könnte oder für die Fugend unpassend wäre. Geschichtliche Aufsätze, Gedichte, geographische Darstellungen wechseln mit einer große» Anzahl belehrender Aufsätze aus dem Gebiete der Naturgeschichte in bunter Fülle ab. Im Ganzen haben wir 174 Lesestücke, denen noch Geschüftsaufsätze und Geschäftsbriefe, sowie ein Fremdwörter-Verzeichniß angehängt sind; 23 Abbildungen und 3 Kärtchen verschönern und beleben den Text. Für Abwechslung in sogenannter lateinischer und deutscher Schriftgattung ist Sorge getragen. Die Rechtschreibung steht auf dem jetzt geltenden, osficicllen Standpunkt, der aber freilich mit Anwendung großer Anfangsbuchstaben bei Hauptwörtern noch kein sehr vorgeschrittener nnd vernünftiger ist; es ivird noch lange dauern, bis die bei manchen philologischen 'Autoren allmählig sich mehr bahnbrechende Gepflogenheit durchgängig kleiner Buchstaben auch endlich einmal in der Schulorthographie Platz gewinnt. Wir begreifen, daß ein Schulbuch vorläufig noch nicht wagt, eine süße, aber grundlose Gewohnheit zn durchbrechen. Es besteht kein Zweifel, daß das tüchtige Lesebuch bald Freunde bei Lehrern und Schülern gewinnen wird. . krilmelam coe1o.8ts parvum je Majors tibro Onil. Xalmteni (s. -Ich exeerptnm st nsni ,javentniis titorurum stnckiosao aeeommockatum s Llatlli. -Himms (s. ,7.). 32° pp. XIV -s- 447. AI. 1.60 ti§. ItatiHbonas, IA. pn.8tet, 1806. § Ueber den Inhalt des allbeliebten Gebetbuches von U. Nakatcnns, das „Himmlische Palmgärtlein", braucht man kein Wort zn verlieren; es hat die Probe in den Händen von Tausenden bestanden. Niedlich und be- gucm ist die vorliegende, überaus billige Ausgabe mit abgekürztem Texstfür Studirendc. Wenn die liturgischen Bücher (lllissalv, Lreviarinm, Uituale) zum Gebrauch des Priesters mit Tonzeichen versehen sind, und die Erfahrung lehrt, daß es sehr nöthig ist, so wäre es um so weniger überflüssig, den Text eines Schülerbüchleins zu accentuiren, um die richtige Aussprache zu sichern. Bekanntlich sind ja die Erfolge des klassischen Sprachunterrichtes an unseren Gymnasien so schwach, daß man selbst noch aus dem accentnirten Text bei Alumnen, ja sogar bei älteren Geistlichen die gräulichsten Prosodicfehler hören muß. Die Ausstattung des Büchleins ist sehr gut; jeder Gymnasial-Religionslehrer sollte seinen Schülern ein solches Bündchen m die Hand geben. Praktisch nnd würdig sind besonders die Beicht- und Communion-An- dachtcn; alle süßliche Andächtelei, die den gebildeten Menschen so leicht zurückstößt, ist selbstverständlich vermieden. „Gemsencier", 2. Portion. (Alpin-Humoristisches in Wort und Bild von Dr. E. Baybcrger. Verlag von I. Kösel in Kempten.) -l- Es war eine glückliche Idee des Herausgebers, den seiner Zeit in Baumbach'S „Enzian" zum Ausdruck gebrachten Gedanken eines alpinen Hnmoristitüms wieder aufzugreifen. Daß er diese Idee auch glücklich durchgeführt bat, beweist die günstige Aufnahme dcS 1. Bündchens „Gemsencier", so daß schon nach kurzer Zeit die nun vor uns liegende 2. „Portion" folgen konnte. Der ganze Inhalt des Büchleins ist alpin, lind der bergfrische, echte, kernige Humor hält an von der erstell bis zur letzten Zeile, so daß die „Gemsencier" eine wirkliche Bereicherung der alpin-humoristischen Literatur bedeuten. Dem Leser ivird hier vieles geboten: zum Vortrug in geselligen Kreisen sich eignende humoristische Gedichte, kurze und längere Erzählungen aus dem Touristenleben, witzige Einfälle und kölnische Vorkommnisse, in ihrer Situation köstlich erdachte Bilder (es sind deren 43 in vorzüglicher Ausführung) und eine vornehme Ausstattung, die dem Verleger alle Ehre macht. — Dies alles zusammengenommen und der wirklich billige Preis, (brosch. 1 M. 20 Pf., gebd. 1 M. 60 Pf.) dürften auch dem 2. Bündchen eilte recht weite Verbreitung sichern. Hansjakob Hcinr., „Die Salpeterer". eine politisch- religiöse Sekte auf dem südöstlichen Schwarzwaid. 8°. IV -j- 100 Seiten. Frciburg i. Br., Herder 1896. (Itl.) Preis 1 M. 40 Pf. » Aus der Feder des als Schriftsteller mit Recht hochgeschätzten Verfassers stammt der Aufsatz über „Die Salpeterer" in Kanlen's „Kirchenlexikon". Es ist gewiß dankenswertb. denen, welche das große Werk nicht besitzen, eine neue erweiterte Sonderausgabe zu bieten, die in klarer und anregender Sprache eine kurze Geschichte jener trüben Zeiten vorführt, in denen jene Sektirer entstanden und der berüchtigte Herr von Weffenberg eine bedeutende Rolle spielt. Von beiden Seiten wurde damals gefehlt, wie fast immer; mit welcher Zähigkeit bedauernswertbe Sektirer bei ihrer Stellung verharren, dafür bieten die Salpeterer, wie ihre Geistesverwandten, die Manharter in Tirol, ein trauriges Beispiel. Wir freuen uns, daß daS Büchlein, welches 1867 in zweiter Auflage erschien, aber gänzlich vergriffen war, zum dritten Maie auf dem deutschen Büchermarkt erscheint; es verdient von Allen, die sich für Kirchengcschichte intercssiren, gelesen zn werden. Möchten solche, die es angeht, Belehrung daraus entnehmen, welch' milde und vorsichtige Behandlung die Volksschule beansprucht, nur Schäden zu verhüten, die. wenn einmal entstanden, mit größter Mühe nicht gut gemacht werden können. „Die Volksschnlfrage." Vortrag des Landgerichtsraths Dr. Kiene, Vicepräsident der württembergischen Abgeordnetenkammer, gehalten in der Versammlung katholischer Männer im Gessllenhanssaal zu Ravcns- burg am 17. Januar 1897. Navcnsburg 1897. Verlag von Hermann Kitz. Preis 40 Pfg. (10 Exemplare 3 Mark). ** Die Schulsrage, insbesondere die Volksschnlfrage ist eine der wichtigsten Zeitfragen, deren Lösung jedes Elternhaus, jede Gemeinde, den Staat und die Kirche gleich nahe berührt. Jedem, der sich für diese wichtige Frage inleressirt, können wir genanntes Werkchcn, das dieselbe nach allen Richtungen in erschöpfender Weise behandelt, würinstens empfehlen. Veranlw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg.