Socialistische Theorien des Alterthums. L Es scheint, als habe die Menschheit ganz wie das Individuum ihre Wachsficber zu bestehen. Unsre Generation muß in neue Verhältnisse hineinwachsen, welche durch gewaltige Veränderungen des wirthschaftlichen Lebens, durch die Fabriken und durch die Vereinfachungen des Verkehrs entstanden sind, und daß dieser Vorgang nicht ohne Gliederschmerzen verlaufen werde, haben kluge Köpfe längst vorausgesagt. Jedoch Hand in Hand damit gehen geistige Umwälzungen, welche man so gerne als nothwendige oder doch bedingte Begleiterscheinungen jener wirthschaftlichen Revolutionen auffaßt. Es soll nicht bestritten werden, daß Beziehungen dieser Art vorhanden sind, aber die Fäden gehen nicht nur herüber, sondern auch hinüber. Mag immer die Stärke der geistigen Stürme durch diesen und jenen äußeren Umstand gesteigert werden, so haben sie doch sicher ihre eigenen Ursachen und ihre eigenen Formen, welche den gedachten Einflüssen wenig verdanken. Das lehrt die Geschichte des menschlichen Geistes, welche gewisse Arten der Gedanken immer wieder an die Oberfläche geworfen zeigt, trotz aller sonstigen Verschiedenheiten, und gerade für die socialen Theorien läßt sich dies durch einen Blick in das sogenannte klassische Alterthum treffend nachweisen. Man kann dort nicht von Maschinen, verbesserter Technik und ähnlichen schönen Dingen reden, und der Kapitalismus jener Tage unterscheidet sich denn doch wesentlich in bedeutenden Stücken von dem Kapitalismus der Neuzeit. Wenn in Folgendem versucht wird, die antiken socialen Theorien kurz und faßlich ihrem Hauptinhalte nach darzustellen/) so darf sich derjenige, welcher das Alterthum genau kennt, außer etwa in Einzelheiten, welche sich bei der selbstständigen Durchforschung der geschichtlichen Akten herausstellen, nichts Neues erwarten, aber der größere Kreis der Leser wird doch manches finden, was ihm unbekannt war. Die Entwicklung der socialen Verhältnisse war vor dem Auftreten der socialistischen Theorien, um es mit wenigen Worten zu sagen, folgende: An der Wiege des griechischen Volkes stand nicht, wie französische Forscher (Viollet, Laveleye) glauben machen wollten, der Kommunismus in Betreff des Grundbesitzes, sondern der Besitz war, entsprechend der genti- licischen Verfassung, — das haben P. Guiraud^) und R. Pöhlmann unabhängig von einander gefunden — ursprünglich den Familien oder Sippen zu eigen, d. h. im Grunde genommen Privatbesitz. Die Bevölkerungs- znnahme und der Fortschritt der Cultur, Vermögens- theilnugen und Arbeitstheilnng, menschliche Leidenschaften und geistige Verschiedenheiten trugen ihr Theil dazu bei, daß Klassengegensätze, Feindseligkeit von Reich- ') Auf Grund der Werke von Zeller (Die Philosophie der Griechen). Pöhlmann, Geschichte d. antiken Kommunismus und Socialismus. München 1893, Fr. Susemihl. Anmerkung zur Politik des Aristoteles, K. Kautsky, Die Vorläufer des neueren Socialismus. Stuttgart 1894, Geschichte des Socialismus in Einzeldarstellungen, 1. Bd. 2) lli» proprlöts koueisrs su 6rLes zusgu'a la oon- gusts Romains. Paris 1893. Gekrönte Preisschrift. S. auch die Anzeige von Tlnnn s er in der Berliner Philolog. Woch enschrist 1895 S. 80. thnm und Armuth, auch unter den Angehörigen desselben Stammes sich ausbildeten. Bereits Solon hatte mit großen Mißständen in dieser Beziehung zu kämpfen. Es wird von einer all- gemciuen Schnldenherabsetzung oder gar, von einem vollständigen Schnldencrlaß (Seisachthcia) und von einer Einschränkung der Latifundien durch den großen Gesetzgeber Athens berichtet. Das sociale Band, welches in den alten Geschlechtsgenossenschaften wenigstens gruppenweise die Glieder des Staates enger aneinander schloß, wurde durch Solon gelockert, der zugleich an Stelle des Geburtsadels eiuen Geldadel setzte, indem er die Bevölkerung nach dem Vermögen abstufte, aber auch entsprechend belastete. Weiter noch ging in der Zerstörung der alten Gcschlechtsvcrbäude Kle isthcnes. So war den Individuen freie Bahn geschaffen, und die Eon- ccntration von Kapital und Grundbesitz, begünstigt durch die ausgedehnte Sklavenwirthschaft, mußte zur Ver- schärfnug der Gegensätze führen. Nähere Fühlung des Einzelnen mit dem Ganze» wurde noch aufrecht erhalten durch die sogen. Leitnrgien. Es ist dies eine Art Steuer, welche die Reichen neben der Ertragsstcner traf. Gewisse Staatsbedürfnisse und Staatsansgabcn wurden von reichen Privatpersonen gedeckt. Die wichtigste Leiturgie war die Instandhaltung eines Flottenschiffes nebst Vcrproviantirung und A»ö- löhnnng der Mannschaft, eine Leistung, zu welcher sich oft mehrere zusammeuthaten. Besonders in der Zeit des Demosthenes gelangte in Folge der Verarmung weiterer Kreise hier der genossenschaftliche Gedanke zum Ausdruck, inmitten der individualistischen Epoche. Aber die ganze Einrichtung war doch nicht socialistisch, da in diesem Falle Einzelne für den Staat aufkamen, nicht der Staat für den Einzelnen. Näher an das socialistische Ideal traten die Reformen der perikleischen Zeit heran, welche dem Ueber- gcwichte einzelner Persönlichkeiten Einhalt thun sollten. Die Theilnahme am Rechtsprechen, eine Funktion, welche nicht durch Beamte, sondern durch Männer aus dem Volke ausgeübt wurde, sowie das Erscheinen im Landtage (Volksversammlung), welches jedem Bürger zustand, wurde bezahlt, damit keiner einen Verlust an seinem Verdienste habe. Vor allem bezeichnend für die socialen Zustände der damaligen Zeit ist aber das Schauspielgeld, ein staatlich ausgeworfener Beitrag, welcher es auch dem Unbemittelten ermöglichte, das Theater und damit einen der vornehmsten antiken Gottesdienste zu besuchen. Die Zeit, in welcher zu diesen Maßnahmen gegriffen wurde, die des mächtigen Staatsmannes Pcrikles, war die Zeit eines Umschwungs, welcher die alten, noch einfacheren Sitten durch feinere, aus den asiatischen und Mischen Kolonien eingeführte Bildung und Ueppigkeit verdrängte. Damals zog die philosophische Schule der Sophisten, welche von auswärts kommend in Alt- griechenland ihre Wandervorträge hielten und es leicht hatten, durch ihre blendende Dialektik die wißbegierige Jugend zu berücken, alle Begriffe der Religion, dcS Rechtes, der Sitte und der Sittlichkeit in eine Zweifel« süchtige Diskussion und predigte die Berechtigung deS subjektiven, individuellen Beliebens. Eben ein Haupt dieser Schule, Protagvras, soll die Quelle zu Platons socialistischen Ideen geliefert haben. Selbstverständlich ist von einer tiefer gehenden Beein- flnssnng nicht die Rede; eine solche wäre bei der Verschiedenheit des philosophischen Standpunktes unmöglich gewesen. Aber eine abfällige Kritik der bestehenden gesellschaftlichen Lage in dem Sinne, daß sich in derselben das Recht des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren wie im Thierreiche geltend mache, wie auch eine hypothetische Ausmalung eines ganz anders geordneten Gesellschnfts- wesens — etwa mit Frauenemancipation, Aufhebung der Ehe u. ä. — könnte den Sophisten immerhin schon zu- gemnthet werden. Die Sophisten sind aber, wie anerkannt ist, die ersten Ausbildner des Prosastiles in Attika; aus ihrer Zeit stammen die ersten Schriften zur Politik, so das Büchlein „vom Staate der Athener", welches fälschlich unter Renophons Flagge segelt, und einzelne jener Schriften tragen Keime des Socialismus in sich. Zwei solcher Schriftsteller sollen hier zugleich mit den eigentlichen Socialisten des Alterthums vorgeführt werden! (Fortsetzung folgt.) Die Abteikirche zu Kastl. Kunstgcschichtliche Skizze von F. Mader. (Fortsetzung.) Auffallend ist in der Kastler Stiftskirche der scharf ausgeprägte Unterschied zwischen dem für die Laien bestimmten Raum und dem Chor der Mönche. Von den neun Travöen des Gewölbes treffen fünf auf die Laienkirche, vier auf den Chor der Mönche. Auf je acht Pfeilern und zwei Wandpfeilern erheben sich Arkaden und Hochwand des Mittelschiffes. Von diesen acht Pfeilern find je drei Rnndpfeiler. vr. Nichl bemerkt, diese Rnndpfeiler gehörten der Gothik an; allein es findet sich an einen« dieser Rnndpfeiler die attische Basis mit Eckknollen, und dieser Umstand läßt keinen Zweifel zu, daß diese säulenähnlichen Pfeiler romanischen Ursprungs sind. Bekanntlich sind solche Rundpfeiler selten; die Schule, aus «oelcher der Baumeister der Kastler Klosterkirche hervorging, bevorzugte jedenfalls die Säule. Des schweren Gewölbes halber konnte aber in Kastl keine Säule verwendet werden, vielleicht hätte sich in der Gegend auch gar kein Säulenmaterial gefunden. Er suchte daher einen Ersatz in dem Rnndpfeiler, und schuf sich auf diese Weise die Möglichkeit des Stützen- wechsels. Auch ein gewisser Rhythmus im Wechsel von rechteckigen und runden Pfeilern ist vorhanden, wenn auch nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Zwei von den Nundpfeilern gehören zum Langhaus, einer zum Chor. Die Gesimse der Pfeiler wurden Zu der Zeit, wo die Jesuiten das Kloster besaßen, übermörtclt und nilt Renaissanceprofilen versehen. Die ursprüngliche Pro- filirung wird wohl eine einfache gewesen sein. Ueber den Arcaden erhebt sich die Hochwand des Mittelschiffes im Laienranme zur Höhe von 15 in; hoch oben befinden sich die Fenster; eine andere Belebung besitzt die Wand nicht. Die drei Schiffe der Laienkirche waren ursprünglich mit flachen Decken versehen. In« Anfang des 14. Jahrhunderts, wahrscheinlich unter dein Abte Herman, fand die gothische Wölbung der drei Schiffe statt. Die Schlußsteine und die Konsolen, auf denen Gurten und Rippen des Mittelschiffsgewölbes ruhen, sind mit mannigfaltiger ornamentaler und figürlicher Plastik geschmückt. Wenden tvir nunmehr unsere Schritte zu den« knnst- grschichtlich bedeutendsten Theil der Kastler Stiftskirche, zum Chor der Mönche. Ehedem war dieser Chor von der Laienkirche durch einen Lettner getrennt, vor welchen« ein Krenzaltar stand. Beide sind verschwunden; die Basilika hat dadurch an freier Entfaltung ihrer Räume gewonnen, allerdings auch ein malerisches Element eingebüßt. Dieser vordere Theil der Kirche wurde fünfschiffig erbaut und umfaßt in den drei mittleren Schiffen vier Gewölbejoche, in den äußeren Nebenschiffen aber deren nur zwei. Sämmtliche fünf Schiffe sind gewölbt und zwar verwendete man in den Seitenschiffen das in Deutschland zur Zeit der romanischen Kunst zumeist gebräuchliche Kreuzgewölbe, das Mittelschiff aber wurde mit einem Tonnengewölbe versehen. Dasselbe erstreckt sich, wie schon angegeben, über vier Joche und ist von Pfeiler zu Pfeiler durch starke Quergurten unterstützt und dadurch zugleich in vier Traväen gegliedert. Die Gurten ruhen auf Halbsänlen, die den Pfeilern vorgelegt sind, am Triumphbogen auf vorgelegtem Halbpfciler. Die Pfeiler sind also im Chor reicher ausgebildet tvie im Schiff, lvo sie nur einfach rechteckigen oder runden Durchschnitt aufweisen. Die Gratgewölbe der Seitenschiffe sind durch breite, vom Pfeiler zur Wand geführte Qnergnrtcn getrennt. Jedes der fünf Schiffe besitzt eine Apsis. Die Anlage der Seitenapsiden ist einfach; die Hauptapsis, die reicher ausgestaltet war, ist nicht in ursprünglichem Zustand erhalten. Im Jahre 1264 fiel nämlich der nördliche Thurm der Kirche ein und zerstörte die Apsis in ihrem oberen Theil. Auf dein stehen gebliebenen Unterbau errichtete man sofort wieder eine neue Apsis, aber mit gothischen Fenstern und einer gothisch constrniricn Halbknppel. Die Gcwölbetheile derselben sind in ein fächerartiges Rippensystem eingefügt. Die Apsis hat gleiche Höhe mit dein Tonnengewölbe des Mittelschiffes. Dr. Rieh! betrachtet diese Choranlage, wie sie .Kastl anfweist, „wohl als das älteste Beispiel der Wölbung von fünf Schiffen in Deutschland. . .. Kastl müsse daher bei der kritischen Behandlung der Frage nach der Einführung der gewölbten Basilika in Deutschland als besonders wichtiges Denkmal ins Auge gefaßt werden." Sicher gehört Kastl zu den frühesten gewölbten Basiliken in Deutschland; auch die Kirchenbanten in den Rheinlanden, wo man in der Kunstcntwicklung den anderen deutschen Gebieten immer vorauseilte, erschwingen sich erst mn die Zeit, wo die Klosterkirche zu Kastl gegründet wurde zum Gewölbebau. Ein Specificnin Kastls ist aber das Tonnengewölbe im Mittelschiff des Chores. Das Tonnengewölbe fand in der romanischen Epoche äußerst selten Anwendung in Deutschland; unter den vorhandenen scheint das zu Kastl das ausgedehnteste zu sein. Jedenfalls handelt es sich um eine kunstgeschichtlich merkwürdige Erscheinung, die auf eine eigene Bauschule schließen läßt. Den beiden äußeren Nebenschiffen sind östlich die Thürme vorgelegt: daher treffen auf diese Schiffe nur zwei Gewölbejoche. Das südliche ist leider — man weiß «licht wann — demolirt worden. Das nördliche ist durch eine Wand von« Chor abgeschlossen und dient gegenwärtig als Sakristei: die zugehörigen Apsiden sieht man noch an den Westwänden der beiden Thürme. Die Abteikirche zu Kastl besaß also einen fünf- schiffigen Chor. Es ergibt sich naturgemäß die Frage, ob vielleicht ursprünglich die ganze Basilika sünsschiffig erbaut worden war. Eine sichere Antwort wird man aber nur auf Grund von Nachgrabungen geben können. Gegenwärtig besitzt die Stiftskirche allerdings auch im Westen fünf Schiffe, aber nur in einer Ausdehnung von drei Gewölbejochen von der Westwcmd her gerechnet, wahrend, wie oben beschrieben wurde, fünf Joche auf die Laienkirche treffen. Diese äußeren Schiffe, oder nennen wir sie lieber Kapellen, sickd aber spätgothische Bauten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie haben die Höhe der Seitenschiffe und sind mit schönen Stern- gewölben versehen. Die Anregung zu diesen Bauten mag allerdings die Tradition von einer ehemals füufschiffigen Anlage gegeben haben, oder sie mögen sogar auf den Fundamenten der romanischen Ncbenschiffe sich erheben. Es finden sich überdies mehrfache deutliche Spuren, daß diese westlichen Kapellen und die vorderen äußeren Neben- schiffe baulich verbunden waren; aber auf welche Weise, läßt sich vorläufig nicht mit Bestimmtheit annehmen. * «- * Von dem mittelalterlichen Kircheninventar ist sehr wenig erhalten geblieben. Ich will die Urheber der Zerstörung der Zeitfolgc nach sing irn et oäio namhaft machen. Den Anfang in der Demolirnng des Kircheniunern machte die zum Calvinismus übergetretene churfürstliche Regierung von Ambcrg. Durch Befehl vom 15. Januar des Jahres 1567 erhielt der damalige Verwalter des Klosters, das inzwischen durch die Reformation auf den Aussterbeetat war gesetzt worden, den strengsten Auftrag des Pfalzgrafcn Friedrich, „alles Götzenwerk, d. i. alle abgöttischen Bilder, Crucifix, Sakramentshäuschen, Altäre, Oelberg, und was dergleichen noch mehr von dem anti- christlichen Papstthum herkommt ... in und außer der Kirche . . . zum ehesten mit guter Bescheidenheit und ohne Tumult, auch, wo von nöthen, auf genügsame vorgehende christliche Erinnerung und Vermahuung .abthun, zerbrechen und zerschlagen und nicht mehr denn einen Altar..., darauf das hl. Abendmahl zu halten, bleiben lassen zu wollen . . . auch (sollen) die flachen Gcmähl (die Wandmalereien) allenthalben mit Weiß verstrichen tverden." Es ist möglich, daß dieser Befehl nur zum Theil ausgeführt wurde, die Bemerkung, es hätte die Dcstrnction der alten Kircheneinrichtnng mit „guter Bescheidenheit und ohne Tumult" und nöthigenfalls nach vorausgegangener Belehrung zu geschehen, läßt darauf schließen, daß das Volk der neuen Kirchenordnnug feindlich gegenüberstand. Das war der Anfang der Zerstörung, dann kamen die Schweden. Sie versäumte» nicht, ihre deutschen Lorbeeren auch in Kastl um einige Blätter zu bereichern; im .Heumonat des Jahres 1632 richteten sie in der Stiftskirche zu Kastl ihre obligaten Verwüstungen an. Im Jahre 1636 übernahmen die Jesuiten das Kloster und besaßen es bis 1673. Nachdem die Noth überwunden war, die der 30jährkge Krieg über die deutschen Gaue gebracht, gingen die Jesuiten an eine Restauration der Kirche im Sinne der damaligen Zeit; das bedeutete aber die Zerstörung dessen, was von der mittelalterlichen Kircheucinrichtung noch übrig geblieben war. Mit dem Jahre 1774 begann das Werk. Die Glasgemälde, die eine wahre Nacht in der Kirche hevorbrachten, wie der Jesuitcnchronist sich ausdrückt, wurden zerschlagen, der Krcnzaltar entfernt, der Kreuzgang theilweise eingcrisscn, fünf neue Altäre sammt .Kanzel in der Kirche aufgestellt. Diese Altäre haben sich mit Ausnahme des Hochaltars bis heute erhalten. Ihr Kunstwerth ist gering. Der jetzige Hochaltar stammt aus der Zeit, in welcher die Malteser das Kloster innc hatten, d. i. vom Jahre 1782 bis zur Aufhebung des Ordens im Jahre 1808. Er ist ein Werk des Empirestiles, mit Nococomotivcn vermischt, eine mittelmäßige Arbeit. Doch ist er mit gutem Naumverständniß in die Apsis eingefügt. Von den aus dem Mittelalter erhaltenen Details ist von Interesse das Grabmal der Prinzessin Anna, einer Tochter Ludwigs des Bayern. Sie starb als Kind von drei Jahren in Kastl und wurde daselbst begraben. Das Grabmal ist eine einfache, gothische Tumba, an den Seitenflächen mit Blcudmaßwerk verziert. Die Deckplatte zeigt nur ein verziertes Kreuz, kein Bildniß. Dieses Grabmal stand in Mitte der Kirche vor dem ehemaligen Kreuzaltar und gehört dem Beginn des 14. Jahrhunderts an. Der nämlichen Zeit theilt Sighart die schönen Statuen der drei Stifter zu, die neben dem Eingang zum Paradies stehen; sie haben die ursprüngliche Polychromirung bewahrt. Unter den erhaltenen Grabdenkmälern von Aebten und adeligen Personen, die sich hier bestatten ließen, finden sich verschiedene künstlerisch wcrthvolle Arbeiten. Drei dieser Monumente, die besten von allen, müssen einem Bildhauer zugeschrieben werden, der um die Zeit ihrer Entstehung in Eichstätt lebte und den dortigen Dom - und Kreuzgang mit hervorragenden plastischen Werken schmückte. Innere und äußere Gründe bezeugen die Kastler Denkmäler unbestreitbar als seine Werke. Wir wollen annehmen, daß der Eichstättcr Bildhauer Loy Hering der in Frage stehende Meister ist. Das eine der bezeichneten Denkmäler ist das Grab- mounment des Abtes Johannes Lang von Sulzbach, des 26. Abtes von Kastl. Er starb 1524. Es befindet sich an einem Pfeiler im sogenannten Eugclgarten. Der Abt ist mit dem Rationale der Eichstättcr Bischöfe bekleidet, ein Irrthum, der sicher auf einen Eichstättcr Meister hinweist. Die beiden andern Denkmäler sind Bestellungen des Abtes Johannes Menger von Abcnberg, des 29. Abtes von Kastl. Das eine stellt den Abt dar, kniend vordem Gekreuzigten, das andere vor der Madonna. Die Madonna ist eine Wiederholung oder möglicherweise das Urbild der auf dem Arzat'schen Denkmal im Mortuarium zu Eichstätt befindlichen Madonna. Johannes Menger starb im Jahre 1554. Schweppcrmauus Grabstein ist sehr einfach: Wappen und Inschrift in Contouren eingegraben. Die Malteser errichteten ihm ein Denkmal im Stile der Empirezeit: ein Sarkophag, oben eine Vase mit den zwei Eiern. (Schluß folgt.) Stilln von Abenberg. Von Adam Hirschmann. (Fortsetzung.) Stilln starb; ihr Leichnam sollte nach dem Familien- bcgräbnisse im Kloster Hcilsbronn überführt werden, aber derselbe konnte nicht von der Stelle gerückt werden. Da entschloß mon sich, an den Leichenwagen zwei Zngthiere anzuspannen und sie unbehindert ihre Wege gehen zu lassen. Siehe da! Diese unvernünftigen Thiere schlugen den Weg zur Peterskirche ein, so daß alles Volk erkannte, es sei Gottes Wille, daß Stilla daselbst ihre Ruhestätte finde. Aehnliche Vorgänge werden auch sonst berichtet. Als Bischof Otkar gegen das Jahr 870 die Reliquien der hl. Waldburga von Heidenheim am Hahnenkamm nach Eichstätt überführen ließ, blieben die Pferde, welche au den Wagen mit den ehrwürdigen Ueberresten gespannt waren, von selbst an der Pforte der hl. Kreuzkirche in Eichstätt stehen, woraus der Bischof folgerte, es wolle die Schwester des hl. Willibald hier ruhen, (kalcstsnstsin, ä,ntic;u. XoräZ. I, 72.) Die fromme Magd Radiana oder Radcgnndis auf Schloß Welleuburg bei Augsburg, welche in barmherziger Liebe den armen Siechen ihre eigenen Ersparnisse zutrug, sollte nach ihrem Ableben in dem Familienbegräbniß ihrer Herrschaft in Augsburg beigesetzt werden; allein das vorgespannte Zugvieh blieb bei dem Sicchenkobel stehen und konnte nicht weiter gebracht werden, worauf Radiana dahin begraben wurde. Später erhob sich daselbst die St. Rade- gundis-Kapelle. (Schöppner I. e. I, 51.) Als der hl. Sebaldus auf dem Sterbebette lag, da soll er befohlen haben, ihn nach seinem Tode auf einen Wagen zu legen, vier ungezähmte Ochsen vorzuspannen, und wo diese still stehen würden, den Körper zu begraben. Da nun die Ochsen zur St. Peterskapelle gekommen, sind sie daselbst stillgestanden, daher der Leichnam auch dahin bestattet worden ist. (Schöppner I. a. I, 132.) o«) Von Heinrich, einem Sohne des Grafen Babo von Abensberg, berichtet die Legende, daß er als Pilger verkleidet nach Eberzhansen gekommen sei und daselbst 40 Jahre hindurch in aller Demuth die Dienste eines gemeinen Vieh- hirten versehen habe. Darnach sei er in dem sogenannten heiligen Holz verschieden. Sein Vater habe alsdann einen Wagen mit einem Paar Ochsen geschickt, den Leichnam nach Abensberg überzuführen; allein die Ochsen kamen von dem Orte, wo Heinrich gestorben, nicht weiter als bis zur Kirche St. Peter in Eberzhansen; da mußte des Seligen Leichnam begraben werden. (Schöppner 1. o. III. 245.) Nach der Legende gehörte Stilln von Abenberg zur Verwandtschaft des kinderreichen Vabo von Abensberg; hier wie dort findet sich die Sage von einem Begräbnisse in der Peterskirche; beide Male konnten die Zug- thiere nicht dazu gebracht werden, den Leichnam anderswohin zu transportircn. Da dem hl. Heinrich von Eberzhansen die Priorität zukommt, so ist wohl die Annahme nicht ungercchtfertiget, daß die Ueberlieferung über Babo's Sohn von Abensberg nach Abenberg übertragen und mit der dortigen Grafentochter Stilln in Beziehung gebracht worden sei. Die Gründungsgeschichte des Klosters Bibnrg bei Abensberg dürfte für die Ausgestaltung der Stilla- Legende auch nicht ohne Einfluß geblieben sein. Im Jahre 1124 vertheilten die überlebenden Söhne des Heinrich von Bibnrg und Berthas, seiner Gemahlin, aus Jstrien, das väterliche Erbe in der Weise unter sich, daß Heinrich und Gebhard Hilpoltstein, Chunrad aber und Erbo (Aribo) mit Bcrtha, ihrer Schwester, Bibnrg erhielten. Schon im folgenden Jahre gründeten die letztgenannten drei Erben ein Doppelkloster für Männer und Die Filialkirche zu Biberbach, Pfarrei Plaukstetten bei BcilngrieZ, verehrt in der hl. GnnthildiZ eine fromme Magd, welche nach ihren! Hinscheiden durch ungesäumte Ochsen nach Suffcrsheim bei Wcissenbnrg geführt und daselbst begraben ward,- über ihrer Ruhestätte erhob sich ein Kirchlein. (Past.-Bl. 1655, 135.) Biberbach kam durch Schankung der Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen 43-0 an das Kloster Heilsbronn. cGöt> t. o. I. 743.) I Frauen, welche nach der Regel des hl. Bencdiktus lebten. Die Anregung zu dieser Klosterstiftung in Bibnrg war von dem hl. Otto von Bamberg ausgegangen, welcher dann auch am Feste der Apostel Simon und Juda 1133 zugleich mit dein Bischöfe von'Regensbnrg, Heinrich 1., Grafen von Wolfratshausen, einen! Verwandten der hochherzigen Gründer, die Weihe der Klosterkirche zu Bibnrg vornahm. Znm ersten Abt bestellte Otto den bisherigen Abt von Prüfening, Eberhard, einen Bruder der Stifter, welcher in Bamberg seine Studien gemacht, in Paris Philosophie gehört hatte. Nach seiner Rückkehr hatte er bei St. Michael in Bamberg das Ordenskleid genommen; von dort zog er auf Otto's Veranlassung in das nen- gcgründete Kloster Prüfening, bis er nach Bibnrg abberufen wurde. Als Erzbischof Konrad von Salzburg 1147 mit Tod abging, folgte ihm Eberhard von Bibnrg, sein Verwandter, aus dem Erzstnhl des hl. RupertuS nach; 1163 ereilte auch ihn der Tod. Bei seinem Wegzüge von dem Doppclkloster Bibnrg hatte er die Leitung desselben seinem Bruder Konrad übergeben, welcher 6^ Jahre an der Spitze desselben stand; schon 1153 segnete er das Zeitliche. Mit dem Kloster hatten die drei frommen Geschwisterte auch eine Herberge für arme und kranke Leute gestiftet, welche von den Nonnen verpflegt wurden. Bertha selbst nahm den Schleier und machte unter der Leitung ihres Bruders Eberhard große Fortschritte in der christlichen Vollkommenheit; besonders gerühmt ward ihre Liebe zu den Armen und ihre Barmherzigkeit gegen alle Nothleidenden. Am Feste des hl. Sixtus, den 6. August 1151 starb sie eines seligen Todes. In der Klosterkirche zu Bibnrg fand sie ihre letzte Ruhestätte; kommenden Geschlechtern verkündigte eine Tafel: „Im Jahre Christi des Erlösers 1151 ist verschieden die hl. Bcrtha, seligen Andenkens, die Stiftern! dieses Ortes." (drois. X, 593; Unnciius, mek-rostol. Lalmdnrst. II, 200, 202; Räder, Lnvnria, snneta I, 247; Götz I. o, I, 561.) Vergleichen wir Bertha's Leben mit der Legende über Stilla, so finden wir: beide besitzen zwei Bruder, welche sich durch Klostergrnndnug einen Namen erworben haben, allerdings mit dem Unterschiede, daß Bertha's Bruder: Konrad und Aribo, im Verein mit ihr ein müthig ihr Allodium Hingaben, während Stilla's Bruder Rapoto und Konrad, der beabsichtigten Niederlassung ii Abenberg feindlich gegenübcrtraten und an der Gründung von Heilsbronn historisch nnbetheiligt sind; Bcrtha stammte nachweisbar aus einer hohen Familie, welche der Kirche zu Salzburg zwei hervorragende Bischöfe: Konrad und Eberhard, schenkte; Stilla wird durch die Legende zur Tochter Wolframs von Abenberg erhoben, welcher nach glaubwürdigen Quellen der Bruder des schon oft genannten Erzbischofes Konrad von Salzburg gewesen ist; Bertha und Stilla stehen unter dem sittigenden Einfluß des hl. Otto von Bamberg, dadurch jedoch von einander unterschieden, daß Otto's Eingreifen in Bibnrg bei Gründung und Einweihung des Klosters historisch erwiesen werden kann, während für Otto's Thätigkeit in Abenberg jegliche Quelle versagt. Bertha's und Stilla's Leben fallen in ihren Hauptmomenten so eng zusammen, daß man in der beglaubigten Geschichte der ersteren unwillkürlich an die nachdichtende Sage der letzteren erinnert wird. Diese Annahme wird außerdem noch sehr begünstiget durch die Aufzeichnungen des Pfarrers Litns Koch von Schönfcld, welche wir eingangs mittheilten, woruach Stilla auf ihrem Schlosse zu „Abenspcrg" vcr- 81 schieden sei. Da Abenbcrg und Abcnsberg rännilich weit .von einander getrennt sind, so darf eine innere Beziehung der Stilla-Tradition zu dem nieder-bayerischen Abcnsberg wohl angenommen werden. In der Peterskirche zu Abcnberg befindet sich dermalen an der nördlichen Seite des Kirchenschiffcs ein Grab in Felsen gehauen, welcher nach Müller (I. v. p. 35) 77 bis 80 am unter dem Kirchenpflaster beginnt. Die Länge des Grabes mißt 218 ein und dessen Breite 77 om. Ungefähr 50 am tief ist der Felsen viereckig ausgehaucn. Sodann aber beginnt am Boden eine eigenthümliche Vertiefung, deren Umriß dem des menschlichen Leibes entspricht. Diese Vertiefung ist etwas über 2 in lang. Das Grab war früher geschlossen durch einen Stein, welcher in gleicher Höhe wie das Kirchenpflaster gelaufen sein muß, denn sonst wäre es unerklärlich, wie derselbe fast bis zur Unkenntlichkeit ausgetreten werden konnte. Der jetzt noch vorhandene Grabstein stellt wohl eine weibliche Person dar, welche in der rechten Hand eine Kirche mit Thurm trägt. Did Gesichtszüge sowie die Kopfbedeckung sind gänzlich verwischt, die linke Hand mit weit geöffnetem Aermel liegt auf der vorderen Taille; die Gewandung weist reichen Faltenwurf auf. Wem gehört nnn dieses hochinteressante Grabdenkmal? Welchem Jahrhunderte verdankt es seinen Ursprung? Kein Name, keine Jahreszahl gibt sichere Kunde auf diese Frage. Müller hält es, gestützt auf die Autorität des Direktors Essenwcin, dem man eine Photographie des Grabmales unterbreitete, für wahrscheinlich, daß dasselbe dem 13. oder 14. Jahrhunderte entstamme (I. a. pax. 37). Dagegen spricht jedoch die Kostümkunde. Wenigstens behauptet Wcinhold (Die deutschen Frauen II, 225): In dem 11. Jahrhundert trat im Anfang ein enger Schnitt des Kleides auf, welcher den Körperbau weit genauer erkennen ließ, als der bisherige taillenlose. Er erregte mich Anstoß und ward als leichtfertig und schamlos gerügt... Bezeichnend werden für das 11. Jahrhundert „die langen Hängeärmcl". „Die langen Oberärmel des Rockes, ebenso der tnrban- artige, mit seinen Zipfeln fliegende Schleier erhielten sich bis zum Ende des 12. Jahrhunderts." „Im 13. Jahrhundert verloren sich die weiten Aermel" (a. a. O. II, 227). Achnlich schreibt Grnpv (Cnlturgeschichte d. Mittelalters 11,86): „Charakteristisch für die höfische Zeit ist das Aufkommen der langen, faltenreichen Gewänder für Mann und Frau. Nachdem sie lauge Zeit mit der engen und kurzen Nationaltracht der Deutschen im Streite gelegen und als ausländisch und weichlich gegolten hatten, verhalf ihnen im 12. Jahrhundert die Bildung der höfischen Sitte zum Siege. So erscheinen denn Mann und Frau in gemalten oder gemeißelten Bildern in lange, bis auf die Füße reichende Röcke gehüllt. Eitle Frauen trugen bereits ein Mieder, schnürten das Hemd, ließen den Halsausschnitt des Rockes offen, wußten durch künstliche Gürtnng und Faltung die Körpcrformcn zur Geltung zu bringen, trugen lange Schleppen mit feiner Fältclung, umwanden ihre Haarlocken mit Gold- und Silbersädcn und scheitelten sie zu Schnpelu oder tranbeuartigeu Gehängen." Vergleichen wir mit diesen Schilderungen die Darstellung aus dem Grabmale der PctcrSkirchc zu Aben- bcrg, so dürfe» wir den Ursprung demselben in das 11. oder 12. Jahrhundert hiuanfdatircn, da sowohl durch das enganliegende Kleid des Oberkörpers die Brustsormeu sehr stark hervortreten, als auch die charakteristischen langen Hängeärmcl sich vorfinden.^) Die .Hauptfrage bewegt sich indessen um die Person, welche auf jenem Grabdenkmale dargestellt sein soll. Da derselben eine Kirche als Attribut bcigcgeben ist, so muß sie wohl mit der Stiftung eines Gotteshauses in enger Beziehung gestanden haben. Pleickhard Stumpf (Bayern II, 753) bezeichnet Sibylla, die Tochter des Grafen Wolfgang II. von Abenbcrg, als die Stisterin der Pctcrskapclle. Hicgegen ist zu bemerken, daß sich in der bisherigen Genealogie der Grafen von Abenbcrg der Name Wolfgang nicht findet. Oder sollte darunter Wolfram II. verstanden werden, welcher gegen 1071 — 1108 gelebt hat? Dann müßte aber auch der Nachweis erbracht werden, daß Wolfram II. eine Tochter Namens Sibylla besessen habe. Die abeubergische Ueberlieferung bringt den Grabstein in Verbindung mit der Grafentochter Stilla. Sollte vielleicht dieser Name mir eine vokksthümliche Verkürzung des Namens Sibylla sein? Wem: aber Stilla dem gräflichen Hause von Abenbcrg entsprossen ist, wie die Legende annimmt, dann erscheint es zum allcrmindcsten sehr auffallend, daß man ihren Leichnam nicht einmal in einen Sarg verschlossen zur Erde bestattet hat, sondern nach Sitte armer Leute nur in einfacher Umhüllung dem Grabe übergeben hat, wie Müller (S. 37) annimmt; freilich den Beweis für diese seltsame Behauptung ist er schuldig geblieben. Oder hat sich Rapoto's Abneigung gegen seine fromme Schwester auch noch über das Grab hinaus erstreckt, so daß er der Entschlafenen nicht einmal eine standesgemäße Beerdigung zukommen ließ? (Grupp, Cnlturgcsch. II, 107.) Aber wer hat dann Sorge getragen für Errichtung eines Grabdenkmals, das keineswegs die Spuren der Armuth an sich trägt? Müller glaubt den noch vorhandenen Grabstein nicht als den ursprünglichen ans der Zeit Stilla's, sondern als „Bestandtheil des zweiten Grabmales aus dem 13. oder 14. Jahrhunderte ansehen" zn dürfen (l. c. p. 37). Eine Erneuernng des Grabsteines schloß aber fast regelmäßig eine Erhebung der Ucberrcste einer Person, in sich, welche ob ihrer Tugenden vom Volke als hcilio verehrt und um Fürbitte angefleht wurde. Eine derartige Erhebung galt als Kanonisationsfeier, welche ihren äußeren Ausdruck in der Sitte fand, den Deckel des Stclusarges etwas über den Boden des Beisctzungsortes hervorragen zu assen, um das Grab des Heiligen kenntlich zu machen. Die Geschichte jedoch schweigt über die Erhebung der Gebeine Stilla's im 13. oder 14. Jahrhunderte. Das Grab selbst wurde nach Müllers Angaben (S. 42) 1689, 1630 und etwa 50 — 80 Jahre vorher geöffnet, lieber die erste und wichtigste Eröffnung fehlen alle Urkunden; von 1562 — 1587 stand das Kloster Maricnbnrg öde und verlassen. Der Visitator Vogt spricht 1480 nur von einem verfallenen Chöre und einem restaurakionSbedürftigen Altare in der Pcters- knpelle; Pfarrer Habcrstroh o«) „nd die Bürgerschaft von "0 In einer Pcrgamenthandschrift von Wolshards Lliraenla boatao VvoltgurKue aus dem 12. Jahrh, findet sich die Heilige dargestellt als die Fürstentochtcr aus England mit dem Königsdiadem geschmückt, im reichen Pracht- gewaude mit weiten Aermcln, welche durch die enge ärmellose Tunika an das faltenreiche llntergcwand gesteckt werden. Sammelblatt d. histor. Vereins Eichstätt VII, 116 (!893). '°) Im Jahre 1344 war Ludwig von Seckendorf Pfarrer in -Abcnberg (Mstr. des bisch. Ordinariatsarch. i Eichstätt). Abenberg stifteten im Jahre 1460 eine Frühmesse zu Ehren der allcrscligstcn Jungfrau; die Ablaßbriefe^) gehen über das Jahr 1488 nicht hinaus: alle diese Umstände sprechen gegen eine Erhebung der Reliquien Stilla's im 13. oder 14. Jahrhunderte und damit auch gegen die Neuschaffung eines zweiten Grabmales. (Schluß folgt.) I)i Sepp's „hochwichtige Entdeckungen auf der zweiten Palästinafahrt". (Schluß.) Im zweiten Theil seiner „Rechtfertigung" spricht Herr Professor Dr. Sepp über die Lage von Dalmanntha, Kann Galil, Ephrem und Emmans. Er schreibt: Wir sagen nicht zu viel: grundfalsch ist die Behauptung, daß „das ganze Mittclalter die Ruinen von Tclhnm als Reste der Stadt des Herrn verehrt hat". Man bringe nnS dafür Citate! Die Üeberbleibscl rühren noch dazu nicht von einer Kirche, sondern von dem Grabmal des berühmten Rabbi Tanchnma her, welcher da seine noch erhaltene Synagoge und Lehrschnle gründete, um der Ausbreitung des Christenthums von Kephar Minim aus den Riegel zu schieben. Diese Ruinen erweckten zuerst den Gedanken, das sei eine Reliquie von der' durch den Hauptmanu von Kapharnanm erbauten Synagoge. Jüngst hat die türkische Regierung ein Veto gegen Ausgrabungen eingelegt, welche doch schwerlich große Schätze zu Tage fördern würden. Dieß erregt natürlich neuen Zorn, der an uns Deutschen ausgeht. Wahrhaft naiv ist es, wenn ein Pilgerführcr, wie Livouius (Lievin), der nicht Deutsch versteht, jedenfalls vor deutscher Wissenschaft einen Horror hat, ja nicht einmal den Josephus zu kennen scheint, den Anssprnch wagt: Telhum (so. weit weg von der Ebene Gennczaret und einem denkbaren Flusse Kapharuaum) sei „die einzige Stätte, wo man letztere Stadt suchen könnte"! Das ist bald gesagt, verdient jedoch keine Beachtung. Wenn Markus 8, 10 berichtet, Jesus sei nach der zweiten Volksspeisung in der Gegend von Dalmanntha gelandet, so bildete dieses XL-scha-'-o-- bisher das „Kreuz der Exegeten", wie unser wackerer Censor erklärt. Um desto dankbarer sollte man sein, daß endlich der Ort erkundet ist. Wir haben schon vor mehr als einenE Menschenaffen den lokalen Accusativ von Dalmans zu lesen vorgeschlagen und dieses mit dem Bethmaus in Josephus' vita, identificirt, da val wie ") Bischof Wilhelm von Rcichenau gewährte am 27. Juni 1488 einen Ablaß von 40 Tagen, ebenso sein Weihbischof Jakob Raschauer sxise. mieromisusis am 4. April 1490; der apostolische Legat Kardinal Raymund am 4. Sept. 1501 und Bffchof Markus von Rhodi am 9. Nov. 1501 gewährten 40 und 50 Tage Abl. (Past.-Bl. 1855, 164; Priefers Aufzeichnungen). Nach Falckeustcin dloi-clAkn-. I, 256) starb Weihbischof Jakob Rasch- aucr (auch Rastauer) 1495 und, liegt in Pollenfeld, unweit Eichstätt, begraben. Nach einer Notiz in einem Akte über Abenberg (Mskr. d. bisch. Ordinariatsarchivs Eichstätt) wurde 1468 in Abenberg unter Pfarrer Christian Haberstroh die Kirche (wohl die St. Jakobskirche) gebaut. Nach Suttner (Schematismus von 1480 S. 57) war die Frühmeßstiftung in Abenberg nach der hl. Katharina benannt (vergl. dagegen Past.-Bl. 1858, 190) und stand der Bürgerschaft das Präsentationsrecht darüber zu, während nach Falckenstein (Hntig. dlorckK. II, 299) der Bischof das freie Collationsrecht übte. Cooperator war 1480 Konrad Mair aus der Diocese Eichstätt, geweiht zu Würzburg; Frühmesser war Paul Feuchtner, geweiht zu Augsburg. Lotff das Haus bezeichnet (Psalm 141, 3). Ich hatte hiefür in letzter Zeit sogar noch Hanebergs Zustimmung, der doch unser tüchtigster Hebräer war. „Heillose Verwirrung" entsteht dann, wenn man nach dem Pyrrhonischen Grundsätze verfährt: es läßt sich in allen Fragen genug für und etwas dagegen sagen. Damit ist auf jedes positive Resultat verzichtet. Ich fürchte, daß mein Kritiker diesem radikalen Skepticismus verfällt, denn es steht am Ende von allem nichts mehr fest! Positive Kritik habe ich nicht zu scheuen, man gieße mir nur nicht Scheidewasser über das Papier. Das habe ich zum Danke für diese meine Entdeckung. Josephus Flavius weilte in Beth Maus (der Deutsche übersetzt Bethmaun), während sein Gegner Johannes von Gischala die heißen Bäder von Chamat, südwärts von Tiberias, benlltzte. Maus, mit dem Artikel Ammans, bedeutet ebenfalls Bad. Ich habe in Ain Fulieh noch das Römerbad vorgefunden und auch gebraucht, und fand Arknlfs Aeußerung 570 am Platze: „Alan blickt von der Quelle gigeu Mittag auf Tiberias." Wie freudig überraschte mich aber die Legende bei Theo- dosiuS 540. „Von Tiberias bis zu den sieben Quellen sind fünf Millicn. Hier hat Christus die Apostel getauft." Der berühmte Abt Daniel von Kiew schreibt in der ältesten slavischen Urkunde 1113 zur Ergänzung von der kiseinL Jesu, Maria und der Apostel eine Werstc ("/^ Stunden) von Tiberias. Er nahm noch von der Mittheilung Akt, Jesus sei in die Grotte geflüchtet, woraus der süße Born fließe (noch heute Am el Bande genannt), als die Menge nach der Speiinng der 4000 ihn zum Könige erheben wollte. Die Araber nennen die Quelle sogar nach Jesus — Ain el Aissa. Paßt dies nicht zu Dalmanntha, und von alldem hat man bisher nichts gewußt. Wie mag nun mein grausamer Recensent (dem ich aber doch gut bin) moderne Skribenten für sich anführen, welche Heptapegon im Norden der Ebene Genuezaret suchen — jenes Siebenbruun, wo unter Karl dem Großen ein Klösterlein bestand! Wer kann noch mehr Argumente fordern, und doch bringe ich noch in Erwähnung, daß der Jude Carmoly hier das Dorf Ras el Amis vorfand, was Quellhanpt bezeichnet, und Amis geht eben auf Amaus zurück. Die Maxime wollen wir nicht gelten lassen: „Du sollst mich nicht überreden, auch wenn Du mich überzeugst." Ebenso wenig geht an, daß das Urtheil dahin laute: Hier erscheinen zehn Zeugen, die nicht unterrichtet sind, gegenüber dem Einen, der Alles gesehen und sorgfältig durchforscht hat, mithin — ist die Majorität gegen den Einen. Unser Freund übergeht Kann Galil, den Wunder- ort, der noch den alten Namen trägt und, an der direkten Straße von Aka nach Tiberias gelegen, mit dieser verödet ist. Ich habe die Stätte nach ein paar Jahrhunderten zum erstenmal wieder besucht und nur Pferche, umgeben von sonnetrockeneu Ziegelmauern, ohne ein lebendes Wesen vorgefunden. Auch Cannä, der Schlachtplatz Haunibals in Italien, ist zu einem Schafhofe hcrab- gesnnken. Der Bibelname rührt vom nahen Rohrgewässer Battof, einem Sumpfe, her, aus dem ich 1646 noch Schildkröten auflas. Alle Christglünbigen, vor, während und nach dem lateinischen Königreich Jerusalem, hielten an Kana in Galiläa fest, ja noch 1310 schreibt der Veuetiaucr Marino Sannto: „Von Nazaret zwei Leuka nach Sepphoris, von da dritthalb nach Ehana Galiläa. Herkömmlich macht man den Weg von Ptole- 83 > > mais fünf Lenkn ostwärts nach Chana Galiläa und von hier über Sepphoris nach Nazaret." Man kann nicht deutlicher schreiben. Ich habe den Muth, die Wahrheit zn bekennen. Erst vor wenig Lnstren lief man den Griechen nach, welche in Kefr Kanna am wasscrlosen Berghang einen Hochzeitsaal eingerichtet. Um den Pilgern den weiten Umweg zu ersparen, entdeckte man mit einmal das Haus des Bartholomäus und trieb Gelder zum Bau von Kirche und Hospiz ein. Von solchen topographischen Eigenmächtigkeiten war schon einmal in diesen Blättern die Rede. Doch mögen wir nach 50jähriger Ueberlegung behaupten, was wir wollen: es stößt auf Widerspruch. Zum erstenmal stelle ich Magdala Gadara, das palästinische Karlsbad, als Heimath der Magdalena auf, die gewiß eine reiche Dame war, da sie aus einem Alabastergefäß mit indischer Narde den Herrn salbte, auch die Gesellschaft Jesu mit ihrem Vermögen unterstützte. Luk. VIII, 3. Was ist dagegen das aus Mangel an Landeskunde angenommene Medschdel als ein Lause- nest, keine „Stadt"! Ein Arbciterheim in der Ebene Gennczaret, wovon die Kirche niemals Besitz genommen hat. „Man kaun darüber streiten, schreibt unser Censor, aber die Gründe für das eine oder andere sind ebenso wenig durchschlagend, wie die Identifikation von Ephrem in der Wüste (Joh. 11, 54), zwei Stunden südlich von Dschedar (Gadara). Damit will ich aber nicht behaupten, daß Medschdel als Heimath der Magdalena gesichert, oder Tayebeh bei Bethe! sicher Ephraim ist; ich behaupte nur, daß auch nach den Sepp'schen Aufstellungen diese Fragen nicht endgiltig entschieden sind." — Ja, streiten kann man über Alles, es kömmt nur aus das Jndicium au. Trete ich für Ophera bei Bethel ein, so erwidert der Gegner: aber dieses liegt ja in der fruchtbarsten Gegend, nicht in Wald und Wüste. Er hält sich aber oppositionell an letzteres, weil ich zuerst für Ephrem in Peräa mich ausspreche und für höchst unwahrscheinlich halte, daß Jesus, den die Juden steinigen und todten wollten, sich in der Nähe Jerusalems aufgehalten, zumal er auch später über den Jordan flüchtete. Nach gegnerischer Ansicht bliebe die Frage ewig unerledigt, da ich eben auf ein zweites Ephraim aufmerksam machte. Bei diesem Zickzack und Hin und Her wird der Nahmen der Geschichte Jesu immer ein anderer. Wir hatten in der Paulskirche ein Mitglied, Wcdekind, das zu jedem Paragraph der Berathung auf die Tribüne lief, und ein „Aber, meine Herren" sprach, und deßhalb den Titel Reichszweifler erhielt. Diese Methode sollte in der Theologie sich nicht einbürgern. Neue Skrupel entstehen über das neutestamentliche Emmaus. Ich erfinde nichts, sondern finde dasselbe in Veit el Amus zu Colonieh gegeben und halte mich um so entschiedener an letzteres, weil Josephns anführt, Titns habe mit 800 Veteranen i>n Dorfe Emmaus, 60 Stadien von Jerusalem, eine Colonie angelegt. Es steht dabei schon in der Vulgata oukteiium Lmmnno, heute Ca stnl, weil dieses zum Schutze der Colonie erfordert war. Und doch läßt bei dieser Ausstellung mich, wie bei Chörbet Minieh, auch der Pilgerführer von So ein und Benziger allein. Meinem skrupulösen Censor geht hier wieder Alles durcheinander. Vergebens verweise ich sogar aus den Talmud, wo das alttestament- liche Amosa (Josua XVIII, 26) mit der Erklärung übersetzt ist: „Mosa ist Colonia". Vergebens betont Lulas den Ort in der Entfernung von 60 Stadien (da die Nömerstraße den Berg umging) als zum Unterschied von der acht Stunden entfernten Stadt Ammaus. Abt Haueberg schrieb im April 1864 als Pilger aus Jerusalem: „Wo ich hinkomme, hier wie in Bethlehem, herrscht in den Klöstern Aufregung wegen Emmaus, das die einen nach wie vor in Kuböbe, die andern auf die Zwischenrcdc der Franzosen in den Ruinen der fernen Stadt EmauS suchen. Da kömmt mein unglücklicher Dr. Sepp mit einem neuen Emmaus in Colonieh, das schon gar keinen Glauben findet." — Ich halte aber als tapferer Deutscher gegen die Wälschen Stand, bis sie ihre Degen abgeben. Die Stadt liegt eine Tagrcise von Jerusalem ab. Ich kann hier nicht auf all die Beweise eingehen, die ich in meinem neuen Werke II S. 228—254 geliefert, daß die constante Tradition im Volke und bei den Mukari bis auf meine erste Palästiuareise für Castul Colonieh spricht. Der jüngst verewigte Dompriester Schiffers in Aachen trat mit heiligem Eifer für Ammaus Nikopolis, 176 Stadien von der hl. Stadt, ein und erließ sogar einen Aufruf zu Beiträgen, die dortige Kirchenrnine aufzubauen. Ich appellire dagegen an den gesunden Sinn eines Jeden, ob die beiden Emaus- jünger an Einem Tage oder Abend sechzehn Stunden zurückgelegt haben werden, um in der Nacht, nachdem der Tag sich schon in der Herberge geneigt, noch den versammelten Aposteln die Freudenbotschaft zu bringen. Ein Schnellläufer müßte die Probe hin und her machen. Doch, so überlegt der letztgenannte Pilger: Ist es denn ausgemacht, daß sie nicht zu Pferde zurückkehrten? — Schade, daß es damals uoch weder Schienenbahn noch Fahrrad gab, sonst wären sie selbst mit dieser Erfahrt von der Stadt Ammaus aus — nicht mehr rechtzeitig am Berge Sion eingetroffen! Lassen wir diese künstlichen Excnrse. Heute hat Kubllbe die meisten Vertheidiger, auch mein verehrlicher Recensent neigt dazu, wenn er gleich „nicht sicher" ist und wie allenthalben uns im Nebel stehen läßt. Ich hoffe ihn bei gutem Willen zu bekehren, wie kürzlich den Rektor der Wiener Hochschule und früher des österreichischen Pilgerhanses in Jerusalem, vr. Zschokke, der eigens eine Schrift gegen mich erließ, nun aber für meine Ansicht wirbt. In den Diplomen der Kreuzritter, wie ich nachwies, wird Cubeba ausdrücklich von Oastollum Lmwuu8 unterschieden, also kann es nicht derselbe Ort sein. Die „kleine Kuppel" über einer wenig ergiebigen Quelle liegt doppelt soweit von Jerusalem ab, ivie Castul Colonieh, dazu kömmt aber im nächsten Dorfe eine verfallene Kirche, wohl von den Johaiinitern erbaut; also wollte die Marquise Nikolah sich durch ein Grabmal im Neubau verewigen, natürlich weist man das Haus des Kleophas daneben. Nun appellire ich an den gesunden Menschenverstand. Gottfried von Bouillon marschirte mit dem Krenzheer von Lydda nach Nama (Ramie) und von da in Einem Tage bis zur Station Emmaus, wo die Bcthlehemiten um Hilfe flehten und Tankred hiuüberritt, um die Muhammedaner zn vertreiben, aber andern Morgens schon vor der hl. Stadt eintraf. Ich frage: macht man mit einer Armee ganz überflüssig einen Spaziergang auf dem Umweg von mehreren Stunden, kehrten die Kreuzritter von Nama wieder nach Lydda zurück, um, die Heerstraße verlassend, aus ungewissen Pfaden, namentlich von Knbbbe aus, wo man am hellen Tage sich nicht znrecht findet, endlich das ersehnte Ziel Zu erreichen? Und doch sollte dieser Klosterzwisi ein fiir die orientalischen Missionen bedenkliches Ereignis; herbeiführen. Der nach Wiedererrichtung des lateinischen Patriarchates unter Pins IX. dafür ernannte Gennese Valerga »erhing über die neue Kirche zn Knbbbe das Interdikt und sprach sich energisch gegen die beliebige Errichtung neuer Sanktuarien aus. Die um die Erhaltung der heiligen Stätten des gelobten Landes hochverdienten Vater des hl. Franz wandten sich nach Xra, 6c>e1i, und Rom gab ihnen Recht. Der hochw. Patriarch dachte mir 1867 bei seinem Besuche von Paris auf der Durchreise durch München die Ehre der Einladung zu einem Besuche zu und appellirte so an den bescheidenen Professor. Nachdem aber sein Nachfolger Bracco, welchem ich 1874 nahe trat, mit Tod abgegangen, hob man, um die Zwietracht mit den Ordens- väteru für immer zu beseitigen, das Patriarchat thatsächlich auf, indem ein würdiger Franziskaner mit dein Ehrcnamte bekleidet wurde, was wohl so fortgehen wird. Ich trage die Mitschuld und kann doch nicht dafür! Mein hochw. Recensent erscheint wahrlich nicht unparteiisch, indem er mir zum Vorwürfe macht: „Sepp's Methode krankt vor allem daran, daß er die Einwürfe seiner Gegner zu wenig ernst nimmt." Ich habe in un- bhängiger Stellung kein Interesse als die Wahrheit, es wäre mir ein Triumph, den weniger Unterrichteten bei- znspringen, die ich nicht eigentlich als Gegner betrachte; aber was mein Kritiker Gründe nennt, blase ich mit Einem Hauche in den Wind. Lichtmesse, 1897. Pros. Dr. Sepp. Verzeichnis; bei der Redaction eingegangener Schriften. Immergrün. Jllustrirte Monatsschrift zur Unterhaltung und Belehrung. Verlag von Ambr. Opitz in Warnsoorf (Nordböhmen). Preis per Jahrgang 3 M. Tabernakel-Wacht. (A. Laumaun'sche Buchhandlung in Dülmen, Westfalen. Jährlich 12 Hefte, Preis M. 2,40.) Das 1. Heit dieser neugegründcten Zeitschrift ist ziemlich umfang- und inhaltreich und zugleich recht gefällig ausgestattet. Dieverschiedenartigen Themata, welche dahin behandelt werden, sind mit praktischem Verständniß ausgewählt und entsprechen in angemessener Weise dem einheitlichen Zwecke, welchem sie dienen sollen, nämlich der Anbetung und Verherrlichung des allerheiligsten Sakramentes. Stimmen vom Berge Karin el. Monatsschrift für das katholische Volk. Graz 1697. Verlag des Karme- litcn-Conventes. Preis jährl. M. 2.36. Missionsblätter. Jllustrirte Zeitschrift für das kathol. Volk. Organ der St. Benediktus-Genossenschast für ausländische Missionen zu St. Ottilien. Die ..Missionsblätter", welche man bei der Expedition derselben in St. Ottilien, Post Türkenfeld. bestellt, kosten jährlich M. 1,50. Dieselben erscheinen Heuer im ersten Jahrgange und.verdanken ihr Entstehen dem Wunsche verschiedener Wohlthäter und Freunde der Genossenschaft, über deren Wirken genauere Nachrichten zu erhalten. Durch Herausgabe der „Missionsblätter" ist es möglich geworden, das im gleichen Verlage erscheinende „Heidenkind" ganz der Jugend zu widmen. Letztere Zeitschrift erscheint monatlich zweimal und kostet jährlich 1 M. „Kreuz und Schwert im Kampfe gegen Sklaverei und Heidenthum." — Inhalt des Febrnarhestes: 1. Mis- ftonstyätigkeit. — Koloniales: Die Missionen der Weißen Väter in den deutschen Schutzgebieten. Gründung einer neuen Mission. — Aus der Togo-Mission (Väter vom Göttlichen Wort). — Das Herz-Jesu-Missionshaus zu Hiltrup bei Münster i. W. — Kleine Nachrichten. — 2. Zur Belehrung und Unterhaltung: Blumen aus dem Garten der Missionsschwestern. — Etwas über die schwarzen Handwerker in Togo. — Aus Pins' IX. schweren Tagen u. s. w. — Verleger: W. Helmes, Münster i. W. Jährlich 1,80 M. portofrei. Die katholische Welt. illustrirtes Familienblatt mit den Beilagen „Der Hausfreund" und „Für fleißige Hände" (jährlich 12 reich illustrirte Hefte ü 40 Pfg.) Das soeben ausgegebene Heft 4 enthält folgende Theile: Ein Tag in Alcraudrien: Ausflug nach Kairo; von Alexandrien über Jaffa nach Jerusalem, mit 11 Illustrationen. Ge- sammtzahl der Illustrationen im Hefte: 41 und eine Kunstbeilage. Probehefte versendet die Verlagshandlung von A. Rifsarth in M.-Gladbach (Rheiul.). Die heilige Familie, Monatschrift für die christliche Familie, insbesondere für die Mitglieder des allgemeinen frommen Vereins der christlichen Familien zu Ehren der heiligen Familie von Nazareth, herausgegeben unter Mitwirkung mehrerer Welt- und Ordenspriester von Clemens Schlecht, Kraukenhauskurat. Jährlich 12 Hefte. 16—24 Seiten stark, mit Illustrationen. Preis 1 Mk. Verlag von vr. Franz Paul Datterer, Verlagsanstalt, Freising. Litcrarisches. * Ein neues Geschichtswerk, auf das wir hier vorläufig kurz aufmerksam machen möchten, ist jüngst vom Herder'schen Verlag (Freibura) und zwar zunächst der 1. Band ausgegeben worden. Dasselbe nennt sich „Geschichte des deutschen Volkes seit dem 13. Jahrhundert bis zum Ausgang des Mittelalters" und hat den Jnnsbrucker Professor der Kirchengerichte Dr. Einil Michael 3. (I. zum Verfasser. Das Werk erscheint in 6—7 Bänden in Format und Ausstattung von Janisens Geschichte und wird die deutsche Geschichte bis dorthin fortsetzen, wo Janssen begonnen hat. Der erste Band, über welchen wir ein Referat aus berufener Feder bringen werden, behandelt „die sociale Frage in Deutschland während des 13. Jahrhunderts und ihre Lösung"; der zweite Band wird die religiös-sittlichen Zustände, Erziehung und Unterricht, Wissenschaft und Mystik; der dritte Band die deutsche Kunst des 13. Jahrhunderts behandeln und in den nächsten Bänden die Darstellung sich der politischen Geschichte zuwenden. (Preis des 1. Bandes 5 M.; in Orig.-Einband M. 6,80.) (Wie uns die Verlagsfirma soeben mittheilt, war die Nachfrage nach dem Werke so stark, daß bereits wenige Wochen nach der Versendung des Bandes zu einem Neudruck geschritten werden mußte, welcher Mitte März als zweite, unveränderte Auflage in Lieferungen zu erscheinen beginnen wird.) * In Beilage Nr. 51 (1896) befand sich eine litterarische Anzeige von „48 Betrachtungen über das Hohe Lied von Maria Anna Zaubzer. In derselben hieß es u. A.: „Wenn die Verfasserin die S. 101 erwähnten Sitten belegen könnte, wären ihr die Ausleger des Hoben Liedes dankbar." Hiezu schreibt uns die Autorin der „Bettachtungen": Diesen Dank will ich mir herzlich gerne verdienen und glaube ich den genügenden Beleg zu liefern, indem ich auf folgendes Werk hinweise: „Die hl. Schrift des alten und neuen Testamentes nach der Vulgata mit steter Vergleichung des Grnndtextes, übersetzt und erläutert von Dr. Valentin Loch und vr. Wilhelm Reischl. Neue illustrirte Ausgabe, II- Band. Regensburg, 1885. Verlag von Manz. Seite 543. Anmerkung k." dort heißt es wörtlich: „Die ältere Leseart der Vulgata stimmt noch näher mit dem hebr. Texte: ,Der Geliebte langte durch das Thürgitter an den Riegel herein, entweder um den Versuch zu machen, ihn loszuknüpfen (1 zu Matth. 16,19) oder (nach V. 5) um denselben, wie es uraltes, noch im Morgenlands übliches Zeichen und Pfand treuer Liebe ist, mit Aroma zu salben'. Das also ist mein Beleg. Weiter schreibt uns die Verfasserin, daß sie sich eingehend orieutirt habe, wie sich die hl. Väter über das Hohe Lied aussprcchen, daher werde den Exegeten auch „das ofte Schütteln des hermeneutischen Hauptes erspart bleiben"; denn, wenn sie sich die Mühe nehmen wollen, nachzuschlagen, so werden sie da und dort wieder finden, was sie, die Verfasserin, in allerdings gekürzter einfacherer Form wieder gegeben habe. Was sie auf diesem Grunde weitergebaut, mäche keinerlei Ansprüche auf Exegese, sondern bewege sich im Reiche der Vergleiche. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.