Briefe des Herrn von Harleß.*) München im Februar. Der bayerische Oberconsistorialpräsident v. Harleß, welcher s.Z. mit Andern der Todteugräber des Ministeriums Hohen lohe in Bayern war, hat aus den ersten Jahren seiner Thätigkeit als Leiter des bayerischen protestantischen Kirchenwescus mit Professor R. Wagner in Göttingen (1864) einen Briefwechsel geführt, welchen Professor Mirbt zu Marburg im 1. Heft des III. Bandes der „Beiträge zur bayerischen (protestantischen) Kirchen- geschichte" veröffentlichte. Es sind nur wenige Briefe, welche Mirbt der Oeffentlichkeit übergab, aber sie werfen ein scharfes Licht auf daS öffentliche Leben in Bayern und Deutschland. Was die politische Richtung des Oberconsistorial- präsidcnten v. Harleß anbelangt, so war er ein entschiedener Bayer und Gegner der damaligen preußischen Politik. Ueber die Resultate des Orientkrieges veröffentlichte Harleß eine anonyme Broschüre, betitelt: „Die orientalische Frage." Harleß schrieb darüber: „Im Nachbarlande kam die Polizei dahinter, als die Geschichte unter der Presse war. Bescheid: scheint ganz richtig, aber für Ihren Verlag nicht passend wegen Kollision mit der Ansicht der Landesregierung. Der Verleger erschrak und cedirte es an einen Buchhändler in London. Seit der Zeit ist die Voraussetzung eingetroffen: England isolirt, Preußen discreditirt, für Deutschland der rechte Augenblick verpaßt." Der Brief trug das Datum vom 19. Juni 1856. Am 11. Januar 1863 schrieb Harleß: „Was Du über die politische Stimmung in Franken gehört hast, wird im Ganzen richtig sein, obwohl ich nicht weiß, ob nicht die Wendung der Dinge in Preußen theil- weise zur Abkühlung gedient hat. Auch war in Bezug auf eine Controverse, den Handelsvertrag, gerade ein Nürnberger Kaufmann auf dem Handelstagc der tüchtigste Kritiker. Welches perfide Spiel Preußen gerade mit diesem Vertrage treibt, erhellt aus dem Umstand, daß man hier wohl weiß, wie wenig Frankreich darauf aus ist, etwa nur mit Preußen und ein paar Adjacenten diesen Vertrag einzugehen und aufrecht zu halten. Was ich gestern hörte, kann ich nicht verbürgen, aber klingt nicht unwahrscheinlich, daß die französische Regierung hier angeklopft hat, welche Vcrändermrgen am Vertrage etwa wünschenswerth und genehm feien. Mit der Sprengung des Zollvereins aber hat es vor der Hand noch seine guten Wege, und niemand führe schließlich schlimmer dabei als Preußen. Denn der Export Süddeutschlands nach Preußen kommt in keinen Vergleich mit dem Export Preußens in die süddeutschen Vereius- läuder. Von Herrn v. Kleist-Retzow habe ich eine briefliche politische Expektoration erhalten, aus welcher ich nur entnehme, was ich schon vorher wußte, daß der politische Horizont dieses Herrn eigentlich über den schwarz- weißen Grenzpfahl nicht hinausrcicht und daß sie voll der blindesten und tollsten Zuversicht auf die in ihren Augen erst jetzt wiedergewonnene Machtstellung Preußens sind. Dort, fürchte ich, wiederholt sich die Geschichte von den zwei Bären, die sich auffressen bis auf die zwei Schwänze. Denn es stoßen die extremsten Richtungen ohne gesunde Mitte auf einander. Und da beklagen sie sich noch, daß die süddeutschen konservativen nicht init den preußischen Hand in Hand gehen können oder wollen! Und nun noch die Pastoren, welche frischweg bereits das preußische Abgeordnetenhaus — das mir freilich auch kein Muster scheint — mit dem französischen Konvent vergleichen! Es ist zum Tollwerden." Im selben Briefe äußerte sich Harleß in folgender Weise über Onno Klopp und die geschichtliche Auffassung Tilly's: „Du erwähnst bei Gelegenheit des hannöverschen Vereins auch Onno Klopp's, den ich in Frankfurt persönlich kennen lernte. Es wäre mir nicht unwichtig zu erfahren, warum er bei Dir in üblem Kredit zu stehen scheint. Ist es um seiner historischen Schriften willen? Das kann ich mir nicht recht denken. Denn neben manchem Einseitigen ist auch Vieles richtig, wie ich denn, um nun subjectiv meine Stellung zu bezeichnen, weder zu den Verketzern Tilly's (wir haben ja gerade in den hiesigen Archiven die schlagendsten Dokumente für ihn) noch zu den Verehrern des alten Fritz gehöre. Kurz, ich vermuthe, daß Du andere Gründe hast, und möchte sie gern kennen lernen." Am 3. Januar 1863 schrieb Harleß: „Auf das trübselig politische Thema mag ich gar nicht kommen, so nahe es liegt. Nur bin ich in der verwunderlichen Lage, gestehen zu müssen, daß ich zur Zeit die Zustände in Bayern für die alleracceptabelsten halte. Wenn mir das auswärtige Diplomaten, und darunter der preußische sogar selbst sagen, muß etwas Wahres daran sein. Aber ob das in der Feuerprobe Bestand hat» ist eine andere Frage." Wenige Jahre zuvor hatte Harleß die bayerischen Verhältnisse sehr scharf, sogar schroff beurtheilt. So schrieb er am 12. Juli 1853: „Was mich persönlich am meisten bekümmert, ist die Sorge, daß Zwehl (der Kultusminister) es nicht mehr lauge aushält. Ich habe ihn wahrhaft achten und lieben gelernt. Aber er hat als Minister das Fegfeucr bei lebendigem Leibe durchzumachen. Wer auf den König Max II. Einfluß h at, weiß Niemand; heute Der, morgen Jener, der Regel nach allerdings Jene nicht, die amtlich Vertrauenspersonen sein sollten. Genug Gelegenheit gibt es wenigstens für jene Studien, die der alte Oxcnstierna (m tallm) seinem Sohne empfahl: ut viciaa8, hunin parvis viribns muuäu8 ragatur.... (Du weißt nicht, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird.) Harleß macht sich dann lustig über die gelehrten Schrullen am Hof des Königs Maximilian II., der zur Erwcckung preußischer Sympathien (der König war von lauter „Nordlichtern" umgeben) ein Wörterbuch in plattdeutscher Sprache herausgeben lassen wollte. Die norddeutschen Professoren, mit welchen König Max II. sich umgeben hatte, machten auf Harleß den unangenehmsten Eindruck. Der König hatte in der Residenz ein eigenes Zimmer Herrichten lassen, in welchem er mit den aus Preußen berufenen Professoren, den „Nordlichtern", die Abende zubrachte. Dort wurden auch die politischen und kirchlichen Fragen discutirt und die Richtung für deren Behandlung bestimmt. Kultusminister v. Zwehl, ein sonst gescheidter Mann, aber ohne Energie, war nur das ausführende Organ. Das Zimmer, in welchem das „Symposium" abgehalten wurde, trägt ') Aus der „Deutschen Reichszeituug". fr eimaurerische Embleme und verherrlicht die Weisen aller Zeiten, Christus mitinbegriffen. Es ist ja bekannt, daß König Maximilian als Kronprinz während seiner Studienzeit in Göttingen sich mit dem Gedanken trug, aus der katholischen Kirche auszutreten und Protestant zu werden. Professor Dahlmann warnte ihn! Harlest nahm sich einmal den Muth und warnte den König vor der Freimaurerei. Da kam er aber schön an. Härtest selbst berichtet darüber also: „Was ich Lummo über seine Bureaukratie und die Geheim- bündlcrei, in Lnc-oie Frei maurer ei gesagt, glaubt er mir nicht. Sie haben ihn freilich in nächster Nähe umgarnt. Auch wird der Werth jeder offenen Aussage damit ruinirt» daß man darüber wieder andere fragt, welche Grund genug haben, die Wahrhaftigkeit zu beftrcitcn. Danke Gott, daß Du nicht hier bist. Es ist eine schweinische Pest-Atmosphäre, reich an Gewitter- stoff, der seiner Zeit schwerlich befruchtend explodiren wird ..." Ueber seinen Freund, den Cultnsministcr Zwehl, und. über Löhcr urtheilt Harleß in einem Briefe vom 19. Februar 1858: . Zwehl kann Dich über die hiesigen Vorkommnisse freilich, nicht vollständig oricntiren. Theils kennt er sich auf unserem Boden nicht aus, theils kennt er seine eigene Stellung nicht. Er weist schwerlich, daß ihm bereits ein besonderer Spitzel zu seiner Bewachung gestellt ist. Was ihm fehlt, ist der Muth wahrer Energie. Aber möchte ein ehrlicher Mann sonst so sein, wie er wolle, bei diesem System argwöhnischer Spionage kommt Keiner auf. Man kann ja die unsichtbaren Sykophanten nicht vackcn. Die Folge ist eine allgemeine Demoralisation oder Despcration. Daß Zwehl in Bezug auf Sybel nicht bedenklich ist, nimmt mich Wunder. Was meine Meinung über Löhcr betrifft, so halte ich ihn für eine gute ehrliche Seele. Eine Widerstandskraft ist er nicht. Aber, wie gesagt, ich wüßte auch gar nicht, wo eine solche bei der hier herrschenden Corruption herkommen sollte.. Sie müßte nebenbei viel macchiavellist- ische Kunst besitzen..." Sehr interessant ist folgende Schilderung vom 20. April 1856 über die „Nordlichter": „. . . Der große Haufe sogenannter Notabilität e n hier ist in meinen Augen Janhagel, dem ich weder Verkehr noch Aeußerungen zu Theil werden lasse. Da sie sich darüber ärgern, geschieht es auch manchmal, daß sie Aeußerungen -erfinden. Die lügenhafte Frau v. S. z. B. erfindet oder colportirt Dergleichen um so lieber, da seit Jahren meine Frau allen Verkehr mit ihr abgebrochen hat. Aber gegen Zwehl (Cnltnsminister) und Wagner (Professor der Zoologie st 1861) habe ich mich geäußert. Und zwar mein aufrichtiges Bedauern, wenn Du hierher kommen solltest, obwohl Zwehl mir sagte, er wisse nichts über Absichten dieser Art. Die Gründe sind dieselben, welche Du in Deinem Briefe nennst. Es ist hier Alles so niederträchtig verfilzt, daß nur eine Krise lösen kann, bei welcher voraussichtlich die in bester Gesinnung Bethciligten am meisten leiden werden." Wie man sieht, kämen bei Harleß die Frauen der „Nordlichter" um kein Haar besser weg, als die Professoren selbst. Sie waren ihm „Janhagel". Professor Löher wollte für König Ludwig II. eine Insel entdecken und hatte Reisen unternommen, um ein absolutes Königreich ausfindig zu machen, das man unter Umständen gegen Bayern austauschen könne. Es hat Löher schon in viel früherer Zeit Anlaß zu verschiedenen Projekten gegeben. Harleß schreibt am 4. Mai 1854: „. . . Was Löher betrifft, so will ich Facta nennen. Die Quelle ist ganz sicher. Nur dafür will ich nicht einstehen, daß Löher der einzige Autor der zwei nachher auszuführenden Vorschläge ist. Der König hatte eine sehr bedeutende Summe zur Durchführung „genialer" wissenschaftlicher Forschungen in Aussicht gestellt. Rubrik: Projektenmacherei und wissenschaftfördernde Klystir spritze. Löher in Verbindung mit dem Symposium sollte Vorschläge machen. Die seinigcn, wurde mir erzählt, fielen so aus, daß selbst Liebig mit der Scheere kam. Genannt wurden mir zwei: Ernennung einer Commission, Reisezeit drei Jahre, fabelhafte Summe, Zweck: Erforschung der Wiege des Menschengeschlechts, nämlich Tibet. Oder „znr Erweckung norddeutscher Sympathien": Fertigung eines Wörterbuchs der plattdeutschen Sprache dabier in Btünchen. (Als ob Kosegartcn nicht existire.) Das sind die Facta. ..." Alle jene Bayern, welche von den Nordlichtern gefürchtet wurden, wurden verleumdet, ihre Schwächen ausgekundschaftet. Harleß selbst und der Minister v. Zwehl wurden der Spionage unterworfen. Am 11. Februar 1858 schreibt Harleß: „. . . Der Ansgang der Gencraisynoden hat meine Stellung hier um gar nichts gebessert. Jn's Angesicht sagt man mir alles mögliche Schmeichelhafte, aber eigentlich gelte ich erst jetzt für ein antänt varridla. Man hat eine Art Spitzel-Regime errichtet, von dem ich leider weist, obwohl ich es nicht wissen soll. Denn au Schwatz- haftigkcit übertrifft unsere Hauptstadt jeden Krähwinkel. Ich wäre schon längst losgebrochen, müßte ich nicht hiemit so und so viel Vertrauensmänner compromittiren." Ueber eine protestantische Conferenz u» Neichenbach berichtet Harleß am 24. Mai 1854: „Stahl konnte über Neichenbach nichts sagen, ohne ins Blaue zu reden. ... Klirsoth war es, welcher die Landeskirchen vor den Gefahren der sie stützenden Territorialgewalt warnte, und Huschte, welcher wider Mißachtung der lutherischen Landeskirchen und unberechtigten Bruch mit ihnen sich anssprach. Kurz: Es waren schöne Tage, in welchen manche Hoffnung neu auflebte, an welchen der bankerotte, theologische Diplomat und diplomatische Theologe Bunsen sich schwer geärgert hätte. Was würde er erst sagen, wenn er wüßte, das; mein geistreicher katholischer Pflegesohu erklärte, er wolle lieber in unserer lutherischen Kirche betteln gehen» als durch Vermittlung königlicher Huld eine Versorgung in der unirteu preußischen Kirche annehmen? Denn da, in der lutherischen Kirche, fühle und erkenne er die Stimmung der alten, echten Karholicität. — „Was die deutsche lutherische Kirche betrifft, so muß ich freilich empfinden, das; ich mit Sachsen nicht bloß große, persönliche (äußere) Vortheile, sondern auch Verbinduugs- fäden aufgab, die dort sicherer als anderswo Gott in meine Hände gelegt hatte. Doch zerrissen sind sie nicht. Ich habe nur gelernt, daß Gott zu seinem Werk nicht gerade diesen oder jenen Menschen braucht. Die in Sachsen eingeleiteten, unscheinbaren, liturgischen Konferenzen in Dresden bestehen noch. Gibt Gott Gedeihen, so werden sie in ihrer weiteren Entwicklung gewissen Leuten mehr zu schaffen machen, als der ganze Pomp des geräuschvollen evangelischen Kirchentages. Dies aber nur so lauge, als Gott uns in der Demuth erhält und uns 95 das Läuten mit den großen Glocken unleidlich macht. Die Resultate müssen wie über Nacht aufschießen und über den Köpfen zusammenschlagen. In unserer Zeit bringen es die Hennen vor lauter Gackern nicht zum Eierlegen. Das ist mir von je in der tiefsten Seele zuwider gewesen." Ueber philosophisch-theologische Fragen schrieb Hnrlcß am 31. Dezember 1858: „Dagegen habe ich pstilosopllica, in der letzten Zeit weniger beachtet. Was Dn über Lotze sagst, ist auch mir aufgefallen und hat mich abgeschreckt. Ritters christliche Philosophie habe ich leider noch nicht angesehen. Ein längerer Brief, den er vor einiger Zeit über religiöse und kirchliche Dinge an mich schrieb, hat mich nicht sehr erbaut. Von dem, was Bunsen empfiehlt, lese ich gar nichts. Das ist der größte Windbeutel. Vor einiger Zeit hat ihn Platsch in den gelehrten Anzeigen in Bezug auf seine ägyptischen Forschungen sehr ruhig, aber höchst gründlich bedient. Dagegen freut es mich, daß Du vor dem abscheulichen Buch aritis staut clous denselben Ekel hast, wie ich. Bei den sogenannten plülosoplliois fällt mir ein Kuriosum ein. Als ich in diesem Sommer gegen die Spiritualismen etwas für Hengstenberg schrieb, erhielt ich als Uomrarr^a äo I'autaur aus Paris von Huldenstnbbe sein Buch: öarituro äiraeta lies ssxrlts oder xuauiugtalojgia positive at exparimsntalo zugeschickt. Das ist doch eine seltsame Ironie von Zusammentreffen. Und kolossaleren Unsinn und Frevel als jetzt eine Elite der guten Gesellschaft in Paris treibt, kann man sich, Zeuge dieses Buches, kaum denken. Es gibt doch wirklich gegenwärtig einen wahren Hcxcnsnbbath von Literatur! Die Spiritnalistcn und Materialisten sind wie Leute, die auf den Köpfen stehen und mit den Beinen nach einander stoßen." Harleß war Altlutheraner und Gegner der preußischen Union. Er schrieb am 20. Mai 1856: „Hengstenberg ist nur so respektabel, daß ich allzeit mit seiner Stellung zur Union Geduld gehabt habe. Die Frage des Bleibens oder Ausscheidens ist nicht so leicht abgethan, als manchem scheint. Nur ruht dieser Unions-Alp wie ein Fluch auf jeder gesunden Entwicklung. Wer übrigens andere Zustände in Preußen kennt, gewahrt auch in Hengstenbergs früherem Auftreten gegen die Freimaurerei und in seinem neulichen aus Anlaß der unseligen Hinkeldey'schen Sache einen Muth, in welchem es ihm in Preußen so leicht keiner nachthnt." Ueber seinen Weggang aus Dresden bemerkte Harleß: „Die Meinung über die Gründe meines Weggangs aus Dresden, von der Dn mir schreibst, war auch mir schon früher zu Ohren gekommen. Sie lag nahe genug. Wie sollte denn auch, so wird man räsonuirt haben, ein vernünftiger Mensch ca. 4000 fl. Mehreinnahme in die Schanze schlagen, wenn er nicht an seiner Stellung de- sperirt? Zudem konnte man auch mich klagen gehört haben. Die Klage aber bezog sich zumeist auf Reorganisationspläne, welche heute noch vom Kultusministerium approbirt in Dresden liegen, aber am Widerspruch der anderen ministri in avanZoliois scheiterten. Zu allen andern Fragen konnte ich unter Beu st' sMitwirknng alles durchsetzen. Bei Falkenstcrn wäre es vielleicht zögerlicher gegangen. Aber die Majorität im Ministerium hatte ich auch da auf meiner Seite, und manches, das unter Falkcnstein verfügt wurde, stammt noch aus meiner Feder und früheren Collegialücschlüssen. Ich hatte über nichts zu klagen, als über einen Mangel an Energie und über Hintern«.sgesist-.-^r Streiche, zu welchen ein Rath, der Dämon des Ministeriums seit Decennien, verleitete." Ueber verschiedene theologische Leistungen und Auffassungen schrieb Hartes; am 3. Zammr 1862: „Ein anderer in Vilmars Zeitschrift über Custasc, M.stic und dergleichen hat mich insofern nicht erbaut, als ich Ziel und Absicht nicht recht verstehe. Ein lebendiger mch frischer Kopf ist es, ich fürchte nur, er strebt zu pur, von der Peripherie ins Centrum zu kommen. Dazu gestehe ich, vor den naturwissenschaftlich gelehrten Theologen einen kleinen Schrecken zu haben. Was hilft Litera'm- kenntniß ohne genaueste Kenntniß der Sacist selbst? :5s ist doch meistens ein Reden der Blinden von der Farbe, und sie tappen mit dem besten Willen im Finstern. So habe ich das dicke Buch von Kecrl nir t dnr.ugcvracbt und die zweite Auflage von Delitzsch's l>imim;cr Pi. a gie namentlich in seinen physiologischen Cuaten »inst ohne Selbstüberwindung verspeist. ... „. . . Woher die Nichtachtung der Wege Gottes in der Geschichte und die Tendenz zu tlle wo.-.ste'-stoaen aus dem sogenannten Schriftvriuzip heraus d. h. eigentlich entweder aus der abstrakt-individuellen Schriftauffassnng oder aus dem in eine codisizirte Rechtsnorm umgewandelten Lebenswort der Schritt heraus? Dies uns ähnliches aber hört man in der Jctzrzcit gerade als specifisch lutberisch preisen, was nicht mög ich wäre, wenn man nicht statt des Geistes des Propreren so und so oft nur den abgerissenen Zipfel seines Mantels in der Hand hatte. Und dabei geht theologische Rechthaberei und Animosität über alles Maß im Schwange. Zu diesem Herzenserguß b-n 'ch gmrmru.en, weil ich nicht sowobl, wie Da sagst, granbe, daß oas Lntherthum „erstarrt", als daß es, was die theologischen Stimmführer betrifft, s. v. v. aus dem Leim geht. Es fängt auch an, sich mit allen möglichen Elementen zu vergesellschaften und die babyloni-, -ä Sprachverwirrung zu vervollständigen. Dem ücn hoffe ich aber immer noch, daß die v,rt tjumlazi-, der Katzenjammer befällt und die schlcsische Katastrophe karrn oazn ein gut Theil beitragen." Ein anderes Mal äußerte Hmckeß auch seine unverhohlene Abneigung gegen alles Limholffche. So schrieb er am 31. Dezember 1858: „Auf Deinen Bericht über Agassiz freue iw rn'ch. Mir hat wohl gethan, daß sogar Bischofs d här den wissenschaftlichen Werth des Materialismus öffentlich anfocht. Man wird allmählich zufrieden, wenn die Leute nur wieder halb vernünftig werden. Deine briefliche Begegnung mit Monjignore de Luca (Niurüns in München, später Cardinal) hat mich üor'gens doch nebenbei inter- essirt. Schade, daß man sich nicht der Täuschung hingeben kann, als würden Katholiken auf die Länge gemeinschaftliche Feinde mit uns in ehrlichem Brrudes- genosscnkampf bekämpfen. Diesen Traum muß ich den Gerlach's und Nathusius' überlassen, wenn sie ihn überhaupt noch träumen. . . . „. . . Was Preußen betrifft, so könnte man, wenigstens in Bezug aus den Stand kirchlicher Fragen, im Reinen sein, wenn die Worte entschieden, welche man in der regentlichen Mantelpredigt (Rede des Prinzrcgentcn Wilhelm an das Ministerium am 8. November 1858) hat reden lassen. Seltsam genug hält 96 man sie aber in kundigen Kreisen für bloße Worte und bittet mich, nnr noch ein paar Monate zuzuwarten. Ich selbst bin nicht ganz dieser Ansicht. Auch 5zengsten- berg nicht, wie es scheint, obwohl ich nur einen Brief älteren Datums von ihm habe. Von Stahl weiß ich nichts. Ich meine allerdings, daß gegenwärtig der Teufel wieder einmal Gottes Hauskncchts- dienste thun und den Stall fegen muß, befürchte aber nebenbei die Geschichte von Göthc's Zauberlehrling und glaube, das; man sich bald wird nach „rettenden Tbatcn" umsehen müssen. Sonst erachte ich jedes Wetter, das über die „Kirchlichkeit" kommt, für Gewinn. Bei unserm verdammten DoctrinarismnS, der mit Theorien experimentirt, Dächer, Giebel und Schnörkel ansetzt, während die Grundmauern herzustellen wären, kann nur recht preislicher Druck und recht greifliches Elend helfen." Im selben Briefe schrieb Harleß über die sog. cou- scrvativen Theologen, welche die moderne Gesellschaft gegen den Socialismus retten wollen, folgende Sätze, welche auch im katholischen Lager heute vollste Beachtung verdienen: „Ja, lieber Freuiw, es geht abwärts, nach allen Seiten hin abwärts^ Es wird eine grausige Zeit kommen, und oft blutet mir beim Blick auf meine Kinder für sie das Herz. Die Theologen sind des Teufels mit ihren rücksichtslosen, widerspruchsvollen Theoremen. Sie sind in eine conservative Fortbildnerei hineingekommen, die den Destruktoren, ohne es zu wollen, in die Hände arbeitet. In einer Art unkcnschcr Znchtlosigkeit sorgen sie sich weniger um die Salbe für Gilcad, um den Trost an Kranken- und Sterbebetten, als um manumeuta Ibeolo^ion aoro pormmiora. Und werden doch nur Knallhütten daraus." Wie man sieht, führte Harleß nach allen Richtungen hin eine sehr energische Sprache. Recensionen nnd Notizen. Hofs in ann Jak., Die Verehrung und Anbetung des allcrheiligstcu Sakramentes des Altars geschichtlich dargestellt. 8". SS. X -j- 294. Kempten, I. Koset 1897. M. 3,00. s Der Verfasser beschenkt uns mit einem willkommenen Beitrag zur Geschichte der Liturgie, indem er die Entwickelung desjenigen Cultus vor Augen führt, der von jeher den innersten und tiefsten Kernpunkt der Gottes- verehrnng in der katholischen Kirche gebildet hat. Es soll mit diesem Lob dem Verfasser gewiß nicht vorgeworfen werden, daß er etwa im Grunde zur Einführung neuer „Andachten", womit wir ja schon hinreichend versehen sind, verführen wolle. Seine Ausgabe war eine rein historische und als solche verdient sie alle Anerkennung. In vier Abschnürn ist behandelt: Der Cultus des aller- heiligsten Sakramentes in den fünf ersten Jahrhunderten der Kirche; die Zeugnisse der alten Liturgien in Verbindung mit der Ueberlieferung der wichtigsten liturgischen Schriftsteller vom 6. bis 12. Jahrhundert; die Ausgestaltung des eucharistischen Cultus vom 12. Jahrhundert bis zur Reformation; die Anbetung des Sakramentes in der Neuzeit. Daß die Uebertreibungen und oft lächerlichen Geschmacklosigkeiten moderner Ändachtsformen nicht etwa einer tieferen Erkenntniß und innigeren Gottesliebe, sondern dem Trieb nach Aeußerlichkeit entspringen, wird jeder ernste Katholik mit Bedauern zugeben. Hier hätte der Verfasser seinem begeisterten „Rückblick" noch ein bitteres Kapitel „Ueber den Geschmack in der Frömmigkeit" anfügen tonnen, Der sel. ?. Petrus Canisius 8. ck., Apostel und Patron der katholischen Schulen Deutschlands. Ein Lebensbild zum 300jährigen Centeuarium feines Todestages von GeorgEvers, früh. lnth. Pastor. 8. 64 Seiten. SO Pfg, Osnabrück, Verlag von B. Wehberg. Viel zu wenig bekannt ist im Volke das Leben und außerordentlich segensreiche Wirken des ersten deutschen Jesuiten, dem nach dem Ausspruch eines spätern Augs- bnrgcr Bischofs es zu verdanken ist, „was an katholischem Glauben in Oesterreich und Bayern noch vorhanden," und der ein zweiter Apostel Deutschlands geworden ist. Wenn in evangelischen Kreisen jetzt Melanchthon als der „Lehrer Deutschlands" gefeiert wird, so sollte nnt noch viel mehr Recht dies bezüglich des sel. Canisius von den Katholiken geschehen. Das treffliche Schriftchen bildet eine doppelt willkommene Gabe anläßlich des in diesem Jahre wiederkehrenden 300jührigen Todestages und der stattfindenden Wallfahrten zum Grabe des Seligen. Raymund v. Fugacr, „Die moderne Literatur und ihre Gefahren". (Heft 12 der Frankfurter Broschüren. Jahrg. 1896; brosch. einzeln ü SO Pf.) U. Vorliegende praktische Broschüre ist vom Verfasser auf vielseitigen Wunsch herausgegeben worden, nachdem er über obiges Thema mit größtem Beifall aufgenommene Vortrage in Stuttgart und Mainz gehalten hat. In 10 Capiteln unterwirft der verehrte Autor, der unermiid- liche Kämpfer für unsere katholische Sache, die heutige Literatur einer sehr sachgemäßen Kritik. Die heutigen Produkte der materialistisch angehauchten Wissenschaft führt uns der Verfasser in lichtvoller Darstellung vor's Auge, indem er sowohl den Zweck, der in solchen Schriften verfolgt wird, wie auch die Wirkung solcher Erzeugnisse auf den Einzelnen, wie auf das ganze Volk klar legt. Die moderne Roman- und Novcllen-Literatur, die sogenannte „schöne Literatur", die dem Ehebruch, der freien Liebe, dem Selbstmord, dem Zweikampf huldigt, erfährt eine scharfe Kritik. In gut gewählten Beispielen zeigt der Autor, daß sie meist Grnndsatzlofigkeit, Gottentfremdung und den reinsten Unglauben predigt. Sehr gut sind die ferneren Ausführungen über die dramatische Literatur, über die Colportage-Romane, über die partei- und farblose Presse. Wie gefährlich diese werden kann. beweist die Thatsache, daß kein Leser auf längere Zeit im Stande ist, sich dem Einfluß solcher Literatur, den offenen oder versteckten Angriffen in solchen Blättern ganz zu verschließen. Mit beredten Worten fordert der verehrte Verfasser zum beständigen Kampf gegen diese Presse auf. Der Katholik unterstütze und fördere seine eigene, gut katholische Presse, die der anderen nicht im Geringsten nachsteht. In Anbetracht des niederen Preises und der guten Ausstattung dieser äußerst spannend geschriebenen Broschüre ist sie zur Anschaffung (in Schul-, Capitels- rc. Bibliotheken, wie auch als wertlwolle Perle für die eigene Bibliothek) wärmstcns zu empfehlen. Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie. Herausgegeben von Dr. Ernst Commer, Professor an der Universität Breslau. XI. Bd. 3. Heft. Paderborn 1397, Schöningh. Inhalt: 1. Kinder in Polizei- und Gcrichtsgefäng- nissen. Von Dr. .jur. Raymund Zastiera, o. IW-wä. in Wien. (Forts, folgt.) — II. Zur neuesten philosophischen Literatur. (Forts.) Von Kanonikus Dr. M. Gloßner in München. — III. Die angebliche Maugelbaftigkeit der aristotelischen Gottcslehre. (Schluß.) Von Rector Dr. Eugen Rolfes in Franweilcr. — IV Die Neu-Thomisten. (Forts.) Von 0- Llax. 'ptwol. Guudisalv Feldner, O. kriurcl. in Lemberg. — V. Zeitschriftenschan. " Eine ueue Zeitschrift. Mitte März wird die erste Nummer einer jährlich 12mal erscheinenden popnlär- uatnrwisseufchaftlichen Zeitschrift auf positivgläubiger, antidarwiuistischer Grundlage unter dem Titel „Natur und Glaube" zur Ausgabe gelangen. Herausgeber und Verleger ist der kgl. Lycealprofeffor Dsi. I. E. Weiß in Freising. Die erste Nummer dieser Zeitschrift wird in 6—8000 Eceiuvlareu versandt werden. N,.au!w. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.