tt,'. 14. 13. My 1897. Wage zm Dgsklirger Zur „? 1 t 1 i 663 .NtIiroxu 8 srsotus"-Frage. Von Stadtkaplan Joh. Bu Müller in Neuburg a. D. Der Verfasser des Folgenden hat früher in den Spalten dieses Blattes (Jahrgang 1895, Nr. 33—35) einen kurzen Bericht veröffentlicht über eine neue Stammform des Menschengeschlechtes, den kitiiccaMdroMg «roctuo, einen „aufrechtgehenden Affenmenschen", welcher im Jahre 1891 in fossilem Zustande in Gestalt eines Schädeldaches, eines Oberschenkelknochens und eines — später noch eines zweiten — Backenzahnes aus der Insel Java das Licht der Welt erblickte. Dubais, Militärarzt in Niederländisch-Jndien, fungirte in jener wichtigen Stunde als Geburtshelfer, während Karl Vogt noch vor seinem Hinscheiden das hohe Glück zu Theil wurde, Gevatter stehen zu können. Vielleicht interessirt es den einen oder andern der verehrlichen Leser der Postzeitung, über He weiteren Lebensschicksale dieses schon so defekt zur Welt gekommenen Wesens etwas zu erfahren. Es war Anfangs zu erwarten, daß dem neugeborenen kirstoe- zntffroxns dasselbe Schicksal bevorstände, wie schon so nanchen seiner Vorgänger, welche, eine kurze Zeit lang 'm Mittelpunkte der Diskussion stehend, plötzlich von den naßgebenden Oootores aufgegeben und ohne Sang und Klang zu Grabe getragen wurden. Mein der junge kitstceautliropuv hat ein zäheres Leben; schon über zwei Jahre innren alle möglichen Doatoros auf der ganzen Welt an ihm herum: und trotzdem ist er noch am Leben. Genannte Vootoi-W werden nämlich über die Diagnose nicht einig: die einen wollen ihn zu einem ganz ordinären Affen stempeln, andere zu einem idioten- haften Menschen, die dritten zu einer wahrhaften Ueber- gangsform zwischen Affe und Mensch, also so ungefähr zum Ururgroßvater Adams — ganz genau ist der Stamm- baum noch nicht festgestellt — , die vierten endlich meinen, daß sich nach der Lage der Verhältnisse vorerst ein Urtheil überhaupt nicht abgeben lasse. Das einfachste wäre nun eigentlich diese letztere Ansicht zur unsern zu machen und hiemit vorliegenden Artikel zu schließen. Doch da es heutzutage einmal Mode ist, über jenes, worüber man am wenigsten Positives zu sagen weiß, am meisten Worte zu machen, so wollen wir, diesem Zuge der Zeit folgend, unter Herbeiziehung der hauptsächlichsten von fachmännischen Autoritäten abgegebenen Urtheile (vorzüglich mit Benutzung des Centralblattes für Anthropologie, herausgegeben von Or. Bnschan) unsern ?itstoLnnt1iropu8 orcotno nochmals einer gründlichen Besichtigung unterwerfen. Zuerst sollen die Haupteigenthümlichkeiten des Schädelfragmentes in besonderen Abtheilungen behandelt, oan» der Oberschenkelknochen und die Backenzähne noch mrz besprochen werden. L. Schädelfragment. 1. Die Chamäkephalie (Niedrigkeit) des Schädels, verbunden mit Abflachung der Stirne. Pros. William Turner führt im llourrr. ot uunv. g-uä pl>^8, Bd. 29 verschiedene Schädel an, welche dem Java-Schädel an geringer Höhe nahe stehen. Nach Dr. Martin (Globus, Bd. 67, 1895 M. 14) ist die Höhenentwickelung des Schädels und seine Wölbung in der Stirnrcgion eine viel beträchtlichere als beim 1ro^1oä^to8 und (Gibbon). Virchow dagegen, welcher den kitstccautstropua ercekna als eine riesenhaft entwickelte Gibbonart erklären möchte, zeigte anläßlich des Auftretens Dnbois' in der anthropologischen Gesellschaft in Berlin an der Abbildung des fossilen Schädeldaches und eines um das Doppelte -s- 10 oom vergrößerten Gibbon-Schädels die ähnliche Form derselben, besonders ihre gemeinsame hochgradige Chamäkephalie. Allein dies ist immerhin nur eine allgemeine Aehnlichkcit, die ihren wirklichen Grund z. B. in Mikrokephaler oder sonstiger Mißbildung u. dgl. haben kann. Auch ist der Java-Schädel nach Martin eben doch höher als ein Gibbon-Schädel. Mit dem gleichen Rechte könnte man auf Grund einer Abbildung der von Turner angeführten chamäkephalen Schädel auf die Zugehörigkeit zur Species Liomo schließen. Es wird sich daher aus der Chamäkephalie weder ein nrguiuoutum pro noch contra entnehmen lassen. Was speziell noch die abgeflachte Stirne betrifft, so ist nach Turner beim Java- Schädel das je nach hinten znrückgeneigte Stirnbein flach wie bei den Affen, während der Neanderthaler Schädel auf der Stirn gerundete Höcker trägt. Dies spricht für die H^lobatos-Theorie. Dem gegenüber aber findet sich wiederum in der Sammlung der Universität zu Edin- burg der Schädel einer Mikrokephalen Frau, bei welchem die Abflachung des Stirnbeins fast so groß ist wie beim Java-Schädel. 2. Schädelkapazität (Größe des Gehirns). Da nur ein Fragment des Schädels erhalten ist, kann die Kapazität natürlich nicht absolut sicher bestimmt werden. Den Rauminhalt oberhalb der Glabella-Jnion-Ebene schätzt Dnbois auf 575 coru. In diesem Falle würde der Inhalt des ganzen Schädels nach Virchow ungefähr 1000 com betragen. Die größten Schädel von Anthropoiden (i. o. der menschenähnlichen Affen: Gorilla, Schimpanse, Orang, wozu einige auch noch den Gibbon rechnen) fassen höchstens 600 coru. Wiewohl nun der gewöhnliche Inhalt des menschlichen Schädels ein 1000 com weit übersteigender ist — nach Topinard ist für den männlichen Europäer-Schädel das Mittel 1400 com —, so sind doch auch Kapazitäten wie die des Java-Schädels keine gar zu seltene Ausnahme. Jedenfalls ist nach unsern bisherigen Erfahrungen 1000 cova eine spezifisch menschliche Kapazität, welche das nur in seltenen Fällen erreichte Maximum der Anthropoiden um 400 ccra übertrifft. Turner hat bei 24 männlichen Anstralierschädeln als Minimum 1044 cciu erhalten. Von 12 weiblichen Anstralierschädeln hatten 5 eine Kapazität von 1100, 3 eine soche von nur 998—930. Virchow bestimmte, wie schon in meinem früheren Artikel erwähnt, bei den Wedda auf Ceylon einen sonst anscheinend normalen weiblichen Schädel zu nur 960, unter Reihengräberschädeln einen solchen zu 930 ccua. Welcker hat als Minimum bei der mitteldeutschen Bevölkerung einen normalen weiblichen Schädel von 1090 coru gefunden. Der Rauminhalt des Javaschädels ist also nach unserer bisherigen Erfahrung ein spezifisch menschlicher, und selbst Thomson, nach welchem das Schädeldach in allen (??) seinen Merkmalen asfcnähnlich ist, nimmt hiebet die große Kapazität aus. Wie soll sich nun ein solches Gehirn bei einem Affen erklären? Virchow sagte auf dem anthropologischen Congreß zu Speyer (im August 1896), daß man in der ricscnmäßigeu Entwickelung dieser Gibbonart, wofür er den ?itstooantdropu8 erectua hält, nicht eine höhere Mcnschenähnlichkeit erblicken darf, da gerade der Orang-Utan und der Gorilla uns gelehrt haben, daß, je riesemnüßiger sie sich entwickeln, sie um so mehr vom 98 Menschen sich entfernen, wie ja bekanntlich die größte Menschenähnliche bei den jungen, nicht bei den ausgewachsenen Exemplaren der Anthropoiden besteht. Dies scheint gerade gegen Virchows Theorie zu sprechen. Denn wenn wir es mit einem Anthropoiden zu thun haben, so sollten wir am Schädel nicht nur die spezifisch äffischen, den riesenmäßig entwickelten Anthropoiden eigenthümlichen Knochcnkämme, sondern auch einen Rauminhalt erwarten, der im Verhältniß zur Größe des Thieres und dem Menschen gegenüber ein spezifisch thierischer, nicht aber ein viel größerer als bisher bei Anthropoiden nachgewiesen, und ein den Inhalt mancher menschlichen Schädel erreichender, ja übertreffender ist. Eben, daß das letztere der Fall ist, spricht nach den von Virchow angeführten, an den Anthropoiden hinsichtlich Größeentwickelung und Menschen- ahnlichkeit gemachten Erfahrungen gegen Virchows Hz-Io- bates-Theorie. Aus ähnlichen Gründen können wir auch jenem Beweise für die Gibbon-Theorie, welcher sich aus die den Javaschädel und einen ums Doppelte -s- 10 om vergrößerten Gibbon-Schädel darstellende Zeichnung stützt, die Virchow anfertigen ließ, eine Bedeutung nicht beilegen. Auf dem Papier ist es allerdings sehr einfach, einen Gibbonschädel um das angegebene Maß proportional zu vergrößern; in Wirklichkeit dürfte aber eine solche Zeichnung ziemlich werthlos sein, da Hiebei vor allem die mechanischen Einflüsse, welche in der Natur eine solche Vergrößerung des Schädels begleiten würden, in ihren npthwendigen, den Schädel umgestaltenden Wirkungen gänzlich außer Acht gelassen worden sind. Hier sind vor allem die nach bisheriger Erfahrung mit riesenhafter Größcentwickelung verbundenen Knochenkämme zu nennen. )- 3. Abschnürung des Orbitaltheiles; Schläfenenge. Virchow hat aus dem Zoologencongreß in Leyden die Behauptung aufgestellt, daß bei den Affenschädelu und so auch beim Javaschädel die soliden Wülste um die Augenhöhlen durch eine tiefe Einschnürung in der Schläfen- gcgend von dem eigentlichen Gehirnschädel getrennt sind, und daß sich dadurch der Affenschädel von allen normalen Menschcnschädeln unterscheidet. Auch Nehring bezeugt diese Abschnürung, welche beim erwachsenen Affen um so deutlicher und energischer ausgeprägt ist, je kräftiger die Kaumuskeln (und dem entsprechend der Sagittalkamm) entwickelt sind. Allein, daß diese Einschnürung nicht ein allgemein gültiges, absolutes Unterscheidungsmerkmal ist, das beweist ein von Nehring in der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" X, 46 beschriebener, aus den Samba- quis von Santos in Brasilien stammender Menschenschädel, welcher eine ganz ähnliche Abschnürung ausweist, wie der Javaschädel. Dies zeigt sich auch aus dem Index, den Virchow oben als Unterscheidungsmerkmal ausstellen wollte. Dieser Index ist das Verhältniß der kleinsten Stirnbreite zu der — 100 gesetzten größten Schüdelbreite. Beim Javaschädel ist dieser Index — 69,23, nach Virchow kleiner als bei ähnlichen Schädeln z. B. von zwei Australier- schädeln der eine 71,1, der andere 72,6; der Neander- thalschädel 76,3. Hierin soll sich nach Virchow der Asiencharakter des Javaschädels zeigen. Dem gegenüber verweist Dr. Mics-Köln auf einen Schädel vom Index 61,8, dessen Jnnenraum 1310 acw faßt; ferner erwähnt er einen Mikrokephalen Schädel mit dem Index 66,7. Der von Nehring beschriebene Sambaquischädel hat gleichfalls noch einen geringeren Index als der Javaschädel, nämlich 64,79. Bei einem Gorilla ist der nach Nehrings Angaben berechnete Index 68, bei einem Gorilla ? 69,38, Sehnn- pause A 69,79. Daraus geht hervor, daß es menschliche Schädel gibt, deren Index kleiner, ja bedeutend kleiner ist als derjenige der angeführten Anthropoiden, daß also dieser Index als Unterscheidungsmerkmal einen allgemein gültigen Werth nicht besitzt. Uebrigens sei noch erwähnt, daß Dubois betont, die temporale Breite am unversehrten Javaschädel müsse 94 betragen haben; dann wäre sein Index sogar 72,3. Diese Einschnürung läßt sich also keineswegs als Beweis für die Gibbon-Theorie verwerthen. Man kann sich diese temporale Enge sehr Wohl als Folge einer kräftigen (Einschnürung), aber doch nicht allzu kräftigen (Fehlen eines Sagittalkammcs) Entwickelung der Kaumnskulatnr vorstellen, ivas gewiß nichts Auffallendes bieten kann bei Völkern, welche auf tieferer Culturstufe stehen, besonders bei den versprengten Vorposten des über die Erde sich ausbreitenden Menschengeschlechtes — und zu diesen dürfen wir wohl die ehemaligen Besitzer des Sambaqni- und Javaschädels, wenn dies überhaupt ein menschlicher ist, rechnen —, welche in Verhältnissen lebten, die alle Kräfte zur Erwerbung der nothwendigen Nahrung in Anspruch nahmen. So gut als bei sehr stark verwilderten rohen Völkern bei ein- zelen Individuen in Folge stärkerer Entwickelung der Kaumuskulatur die Ansatzstellen derselben sich am Schädel affenähnlich deutlicher ausprägen, diese Dinaas tarnpo- ralso dann beiderseitig weiter hinanfrücken können (Ueber- gang zum anthropoiden Sagittalkamm; bei dem verkommensten Jndianerstamme, den Pah Uta, die extremste Annäherung 1 mw), ebenso ist denkbar und thatsächlich, daß durch stärkere Entwickelung dieser Muskeln in extremen Fällen eine affenähnliche Abschnürung des Orbitaltheiles entsteht. Auffallend erscheint dagegen beim Javaschädel, daß von den Innekw tomxoralas weder eine stärkere Entwickelung noch ein Hinanfrücken am Schädel bekannt ist. Man sollte erwarten, daß die länoa tam- xoralis als Muskelansatzstelle in erster Linie durch die stärkere Entwickelung des Muskels beeinflußt würde» wie nach Nehring auch bei den Affenschädeln die Abschnürung um so größer erscheint, je ausgeprägter die Knocheukämme entwickelt sind. Dies scheint auf eine unregelmäßige resp. pathologische Bildung des Schädels hinzuweisen, legt also den Gedanken an eine pathologische, vielleicht mit Mikrokephalie zusammenhängende „Schläfenenge" nahe. In jedem Falle darf selbstverständlich von einem einzigen Schädel nicht auf die Gestalt aller gleichaltrigen Schädel geschlossen werden. Hiemit kann also der Javaschädel wegen seiner Abschnürung nicht zu einem Affenschädel gestempelt werden; dies wäre ganz ähnlich, wie wenn man aus einem oben erwähnten Pah llta- Schädel wegen seiner Knochenleisten einen Affcnschädel machen wollte, denn beiden Erscheinungen liegt höchst wahrscheinlich dieselbe Ursache zu Grunde. 4. Sonstige Eigenschaften des Schädels. Die Aiigen- braucnbogen sind nach Dr. Martin beim Javaschädel schwächer ausgebildet, als beim Schimpanse. Ferner weist nach Mannvrier und Dr. Martin der Abstand der Schläfenlinie von der Ptcilnaht auf menschliche Eigenschaften hin. Die oft mächtigen Knocheukämme, die bei den ausgewachsenen menschenähnlichen Affen zu beobachten sind, fehlen, wie schon erwähnt. Ob die Schläfengcgcnd menschlich geformt sei, darüber besteht eine Eontroverse zwischen Virchow und Martin, welch letzterer die Frage bejaht. Auch Nehring weist darauf hin, „daß die Schläfenbeine des DitÜLcautnropuv, soweit sie erhalten sind, einen durchaus menschenähnlichen Bau zeigen und 99 von denjenigen der erwachsenen Affen durchaus abweichen". (Naturwissenschaftl. Wochenschrift X, 46.) Martin hatte näherhin behauptet, daß die Schläfenregion, welche hinter dem Jochfortsatze unterhalb der beginnenden Schläfenlinie liegt, beim Menschen und ähnlich beim Javaschädel eine ebene, fast senkrecht gerichtete Fläche bilde, beim H 5 I 0 - lmt63 und 'IroZloä^tss aber eine ganz charakteristische Couvexität zeige, was dann von Virchow bestritten wurde. „Demgegenüber weist Martin an einer Zeichnung, die Frontaldurchschnitte (am Schädel eines Schweizers, Australiers, des Neandertalers und eines Hzckobatoo) durch die von ihm bezeichnete Schädelpartie (direkt hinter dem kroo. 08813 krönt, senkrecht zur deutschen Horizontalebcne) darstellt, deutlich nach, daß die vordere Schläfenpartie beim Il^losiatW ein ganz anderes Relief zeigt, als beim Menschen, wie er auch früher behauptet hatte." Dieses wird zurückgeführt auf den verschiedenen Verlauf der Schläfeulinien, welche beim Javaschädel übrigens nicht ganz erhalten, sondern von Martin re- construirt worden sind. „Dabei stellt sich heraus, daß hier der Verlauf der Inntzao tsmxoral 68 von dem am LFIodutss gänzlich abweicht und eher dem am Menschen gleicht." (Centralblatt für Anthropologie I, 3.) (Schluß folgt.) Reliquien der hl. Birgitt» in Rom. Uebersetzt aus dem Schwedischen von Georg Binder, Priester der Erzdiöcese München-Freising. Während der Einsender der nachstehenden Ueber- setzung an der „Geschichte der bayerischen Birgittenklöster" arbeitete, welche nun in diesem Jahre in den „Verhandlungen des historischen Vereines für Oberpfalz und Regensburg'") erschienen ist, fand sich in einigen italienischen und deutschen Zeitungen eine Notiz, daß man in der Kirche SanLorenzo in Panisperna in Rom einige Reliquien der hl. Birgitta von Schweden gefunden haben soll. Diese in der Folge auch in schwedische Zeitungen übergegangene Neuigkeit veranlaßte den Herrn Reichsantiquar Hildebrand von Stockholm, daß er den schwedischen Gesandten am Quirinal in Rom, Excellenz Baron Carl von Bildt, um Aufschluß über den Vorfall ersuchte. Die Folge war, daß Herr Baron von Bildt diplomatisch genaue Nachforschungen über die Reliquien der hl. Birgitt« in Rom anstellte, deren Ergebniß er in einer Monographie niederlegte, welche den Titel trägt: „ 8 . LirZittas vollster i Korn". Die Monographie erschien 1893 in Stockholm in „Vitztsrlrets Hiotoria 0 . ^utiHultets llstg-äsmieiig nauirnckedlaä", zugleich aber auch als Separat-Abdruck in der Königl. Buchdruckerei zu Stockholm. Als im Jahre 1894 der bayerische Reichsgraf Carl Theodor von und zu Sandizell, dessen Ahne Wolfgang von Sandizell 1487—1525 Bruder im bayerischen Birgittenklöster Alto Münster war, in Rom mit dem schwedischen Gesandten zusammentraf und von dessen Forschungen erfahren hatte, übersandte er bald nach seiner Rückkehr nach Bayern dem Einsender dieses, von dessen Arbeiten über die hl. Bir- ') Auch als Separat-Abdruck erschienen und zu haben in der I. I. Lentner'schen Buchhandlung (E. Stahl fr.) in München. gitta und den Birgitten-Orden er Kenntniß Haffe, die genannte Broschüre und später die Ermächtigung zw Veröffentlichung derselben in Deutschland. Der Inhalt der Monographie folgt nun in getreuer Uebersetzung zugleich mit den Anmerkungen. Wir enthalten uns jeder Besprechung und fügen nur bei, daß Herr Baron von Bildt die im Eingänge aufgestellte Behauptung, daß die hl. Birgitt« sehr wahrscheinlich im Kloster der Clarissen bet Sän Lorenzo in Panisperna gestorben sei, auf Anregung des Unterfertigten nunmehr dahin richtig gestellt hat, daß sie nicht im Clarissenkloster, sondern in ihrer Wohnung an der Piazza Faruese gestorben sei, wie aus dem in der vatikanischen Bibliothek befindlichen Urocsoouo 6 a.- irolli^ationia 8 . LirAittas mit Evidenz hervorgehe. Der Zeuge MagnusPetri, Kaplan der Heiligen, habe in einem Berichte erklärt, daß er beim Tode der hl. Birgitt« gegenwärtig war, welcher stattgefunden habe „in äomo apuä Oampuur klare, üb» ipsa. Dort, am Blumenmarkte (Ouvapo cli kiori) ander Piazza Farnese ist heute noch die „Damno 8 . LirZittas" nebst der Kirche 8 . Lri- giäs, mit vielen Erinnerungen an die Heilige. * * „Birgitt«'s älteste Biographen haben nicht berichtet, in welchem Hause in Rom sie starb, und die Angaben darüber sind deßhalb strittig. Die eine der zwei Bullen, welche Papst Bonifaz IX. am 9. Oktober 1391 aus Anlaß ihrer Canonisation ausfertigte, und in welcher er gewisse Ablässe für diejenigen festsetzte, welche an den Festtagen der Heiligen die Kirche Sän Lorenzo in Panisperna besuchen, sagt nämlich, daß sie starb in dem bei dieser Kirche gelegenen Clarissenkloster. Damit stimmt auch die im Kloster bewahrte und bis auf den heutigen Tag fortlaufende Tradition Lberein. Aber anderseits beweisen die Inschriften in dem Hause an der Piazza Farnese, welches 1383 von einer römischen Dame, Francesca Papazuri, dem Kloster Wadstena geschenkt-wurde, und wo später das Hospital der hl. Birgit'.ta eingerichtet wurde, daß sie dort starb. Auch hierüber findet sich eine Tradition, und der Raum, wo sie starb, wird immerfort den Besuchern gezeigt. Ebenso kommt in den von der Aebtissin von Wadstena für das Hospital gegebenen „Constitutionen" die Meinung zum Ausdruck, die sich hierauf bezieht. Noch andere Beweise können für beide Ansichten angeführt werden, aber mir scheint es auf Grund der päpstlichen Bulle wahrscheinlich, daß sie im Clarissenkloster starb?) Eiuestheils ist dasselbe zur Zeit das älteste, anderntheils stimmt dies mit anderen Umständen übereilt, für welche innerhalb der Grenzen dieses Aufsatzes keine Rechenschaft gegeben werden kann. Sicher ist indeß, daß Birgitt« den 23. Juli 1373 starb, und daß ihr Leib nach ihrer eigenen Anordnung die folgende Nacht zur Panisperna-Kirche gebracht wurde, sei es nun, daß dies geschah von dem Hause an der Piazza Farnese aus oder von dem nahegelegenen Kloster, sowie daß ihr Leib die folgenden Tage unter großem Zulauf des Volkes feierlich ausgestellt wurde. Wunder konnten bei einer solchen Gelegenheit nicht fehlen, I Eme bestimmte Ansicht wage ich nicht auszu- sprechen bevor ich Gelegenheit habe. die in der k. Bibliothek aufbewahrte Handschrift „Uroosssus 6 anoin 2 g>tioius Lrixickas cks Lnseia" einzusehen, welche vielleicht die Losung der Frage geben kann. 100 aber es waren doch zwei unter den vielen, welche einiges Aufsehen erregt haben und für würdig erachtet wurden, in der Canonisations - Bulle Bonifaz IX. erwähnt zu werden. Das eine geschah au einer Wittwe Agnes von Contessa — ein in Rom im Mittelalter oft vorkommender Geschlechtsname —, welche von einer Halsgeschwulst befreit wurde, und das andere an einer Clarisfen-Nonne, Francesco, aus dem edlen Geschlechte Savelli, welche von einem langwierigen Magenleiden befreit wurde. — Den 27. Juli wurde ihr Leib in einen Holzschrein gelegt, welcher mit Tüchern bedeckt und von Birger Ulfson, dem Sohne der Verstorbenen, versiegelt wurde, sowie von Latinus Ursini, ihrem adeligen Freunde, und mehreren vornehmen römischen Herren, deren Namen nicht aufbewahrt sind?) Der Schrein wurde sodann in einen Marmor-Sarkophag gelegt, und dieser wurde in der Kirche aufgestellt hinter dem Gitter, an dem Platze, welchen Birgitt« selbst zu ihren Lebzeiten gewählt hatte. Ueber den Sarkophag sagt eine jüngst herausgegebene französische Arbeit über Birgitts) daß Stefana Savelli, eine Wohlthäterin des Klosters, ihn zu ihrer eigenen Bestattung machen ließ, aber ihn nun zu Gunsten Birgittas abtrat. Er ist jedoch eine heidnische Arbeit aus dem 4. Jahrhundert. Auf der Vorderseite ist er durch Säulen in fünf Felder getheilt, von welchen das mittlere zwei halbgeöffnete Thüren mit Medusen-Hänptern und Löwenrachen zeigt, während die anderen vier geschmückt sind mit beflügelten Figuren, welche die vier Jahreszeiten darstellen?) Was aber Stefana Savelli betrifft, kaun sie mit der Sache nicht das Geringste zu thun gehabt haben, denn sie lebte erst 200 Jahre später; aber es scheint mir wahrscheinlich, daß die Idee, einen antiken Sarg anzuwenden, ausgegangen ist von einer Dame aus dem Geschlechte Savelli, möglicherweise der obengenanntcn Francesca. Jene hatte ihre Grabcsstätte in dem stattlichen Grabmonumcnte, welches 100 Jahre früher in der Kirche Lra 6os!i für ihre Anverwandten errichtet wurde und bei welchem alte heidnische Sarkophage als Postament verwendet wurden. Die Beisetzung im Panisperna-Kloster war gleichwohl nur provisorisch, denn Birgitt« hatte in ihren letzten Tagen verordnet, daß ihre irdischen Ueber- restc nach Schweden gebracht werden, damit sie dort in der Klosterkirche ruhen. Ihre in Rom lebenden Kinder Birger und Katharina mit ihrem treuen Gefolge und den Beichtvätern, Prior Petrus von Alvastra und Magister Petrus, begannen nun bald über die Heimreise zu berathschlagen, aber einer ihrer nächsten Freunde, Alfonso von Jaen, war fernes in Avi- gnon, wohin er die .letzte Prophezeiung Birgittas an Gregor IX. gebracht hatte. Er war mit der Abgeschiedenen in ihren letzten Lebensjahren zu sehr befreundet, so daß es in Frage kommen konnte, ob man ihren Staub fortführen solle, bevor er zurückkam. In den ersten Wochen des September war er nun wieder °) IMoosssiis Oanonwatiouis, Ospositio NnAui Ustri super srt. XUIX. Loriptorss Herum Svsoiearum Llsckü Xevi lkl. 2. 224. 0 Oomlssss cks 8. Lira-itts cks Luöcks. Paris 4892, Seite 503, ch Diese Dccoraiion, welche das menschliche Leben versinubildet, kommt nicht selten an römischen Sarkophagen -'or. In alten Klosterhandschristen ist die Rede von einem Monument, welches geschmückt ist mit „ausgehauenen Ems.elsbitdcrii und anderen Arbeiten". Uroeesr-us vanoum. !. o. in Rom, und es wurde beschlossen, die Vorbereitungen zur weiten Leichenfahrt zu machen. Birgittas Haus- caplan Mag uns Petri bestellte erfahrene Leute und die nothwendigen Materialien zur Einbalsamirung, aber wenn man ihm und anderen Zeitgenossen glauben darf, war dies eine unnöthige Vorsichtsmaßregel. Als nämlich der Schrein geöffnet wurde, befand sich das Skelett trocken und rein im Todtenkleide. Alles war verwundert! Nur ein Theil ihres Gehirns fand sich, nach Katharinas Aussage, in der Hirnschale. Diejenigen, welche über eine Heilige schreiben, geben sich oft zufrieden, zu sagen: „Ralnta, reksro". Für mehr kritisch angelegte Leser kann es angenehm sein, zu wissen, daß solches durchaus nicht unmöglich ist. So lesen wir z. B. öfter, daß ein heiliger Leib einen Wohlgeruch ausströmte. Daß dies der Fall war mit Birgt ttens Ueberresten, hat Magnus Petri allerdings nicht als Beweismittel beim Canonisations-Proccß gebraucht, aber das kann ein Uebersehen gewesen sein. In dem von ihm gegründeten Birgittenkloster bei Florenz, wo er 1397 starb, wußte man längst besseren Bescheid, denn in der Biographie über Birgitta, welche dort ungefähr 1450 vom „Oonksssor gsnsralis" des Klosters, Werth old von Rom» geschrieben wurde, wird erzählt,') daß am Skelette an Stelle der Eingeweide eine schwarze Masse gefunden wurde, welche duftete wie Weihrauch oder Myrrhen?) Die Clarisser-Nonnen bei Sän Lorenzo in Panispernc?) drangen unterdeß darauf, daß sie einige Reliquien bei sich behalten konnten. Birgitta hatte dort manche Freundin, sie hatte oft in ihrer Kirche ihre Andacht verrichtet und hatte noch dazu an der Pforte mit den Bettlern das Almosen geholt, sie war Gast in der Klosterherberge, vielleicht starb sie auch dort, sie wollte sich wenigstens nicht ganz und gar im Tode von denjenigen trennen, mit welchen sie im Leben so innige Gemeinschaft hatte! So war es auch. Von dem Skelette, welches von den Trauernden nach Schweden geführt wurde, wurde ein Arm mit anderen Theilen abgetrennt, welcher seinen Platz in dem schon genannten Marmor-Sarkophag fand. Dieser wurde eingemauert an der Längsseite zur Rechten des Altars. ') lud. III Proosmium , gedruckt in Xota Lauetor Ost. IV, S. 524. „Was noch wunderbarer ist", fügt naiv der Verfasser hinzu. °) Diese Kirche ist eine der ältesten in Rom; sie wurde wahrscheinlich unter Konstantins Regierung auf dem Viminal erbaut, wo nach der Tradition der junge spanische Diakon Laurentius den Märtyrer-tod erlitt, ungefähr 260. Sie wurde zuerst genannt >>»ä Vimi- uri-Ism", dann „ill ll'ormosc?, und später, im 9.Jahrhundert „in kauispsrna", welchen Namen sie bis jetzt noch hat. Ueber dessen Bedeutung herrscht Ungewißheit. Einige leiten es her von „paus s psrua", da nämlich dort an die Armen an den Festtagen des hl. Laurentius Brod und Speck ausgetheilt wurde. Nach Anderen sollen beim Umbau der Kirche die Arbeiter mit einem wunderbaren Brode gespeist worden sein, welches die Engel jeden Morgen in einem nahegelegenen Hause niederlegten, das eine Wittwe mit Namen Per na bewohnte. Andere schließlich halten dafür, daß die Kirche aufgebaut wurde von einigen Mitgliedern des Geschlechtes Perpcrna oder Perpenna. Diese Ansicht scheint die größte Wahrscheinlichkeit zu haben. Ein Perperna Quadratus war Präfekt zur Zeit Conftantins und stand dem Bau der nahegelegenen Thermen des Kaisers vor. Grc- gorovius sagt (Geschichte der Stadt Rom l. 99), daß im Klostergarten ein Stuck Marmor gesunden worden fei mit der deutlichen Aufschrift „Uerpsrim?, was gewiß 101 Außer dem, was den Arm angeht, findet man in gleichzeitigen Handschriften oder den älteren Biographien nichts aufgezeichnet darüber, was für Theile es waren, die in der Panisperna-Kirche zurüciblieben. Die Canonisations-Bulle des Papstes Bonifaz IX. sagt blos, daß es einige waren, und in den Franziskaner- Annalen^) ist noch später angeführt, daß die Cla- risser-Nonnen „den linken Arm mit anderen Ueber- resten" behielten.") Erst im Jahre 1574 findet sich aufgezeichnet, daß es neun Reliquien waren, was übereinstimmt mit der nun dort befindlichen Anzahl (1 Arm, 1 Beckenbein, 3 Rippen und 4 Rückenbeine). Möglich, daß es ursprünglich mehrere waren, denn am Schlüsse des 15. Jahrhunderts fanden Verhandlungen statt, welche wahrscheinlich zur Folge hatten, daß ein oder das andere Neliquienstück über die Alpen geführt wurde. Im Jahre 1485 wurde nämlich die Grabesruhe gestört, wenn auch blos znr größeren Ehre der Heiligen. Herzog Georg von Bayern, welcher ein eifriger Gönner der Birgittiner war, hatte den Wolfgang Sandizeller") nach Rom geschickt, um von Papst Jnnocenz VIII. zu erwirken, daß das 1480 von den Benediktinerinnen verlassene, später so ruhmreiche Kloster Maria-Altomünster den Birgittinern übergeben werde. Im Zusammenhang damit sollte eine große Generalversammlung des Ordens zur Einigung der in den verschiedenen Ländern verschieden gehandhabten Regel im großen bayerischen Birgittenkloster Gnaden- berg") in der Oberpfalz gehalten werden. Während der Sandizeller zu diesem Zwecke sich in Rom aufhielt, ließ er für die hl. Birgitts die Kapelle bei Sän Lorenzo in Panisperna einrichten, welche noch ihren Namen trägt; es ist dies die zweite „s. lutoro svanAslii" (an der Evangelienseite), d. i. zur Rechten!?! des Hochaltars.") Bei dieser Gelegenheit wurde am 19. Juni 1485 in Gegenwart vieler Zeugen der Sarkophag geöffnet und am 21. desselben Monats wieder geschlossen und unter den Altar der Kapelle gestellt; der Altar wurde am nämlichen Tage von dem Bischöfe Petrus vonNisa feierlich eingeweiht. Das geht aus den beiden Protokollen hervor, welche darüber von dem apostolischen Notare, dem Kanonikus Ermengild Gade, errichtet wurden, welche besagen, daß damals mit den Birgitts-Reliquien zugleich zwei andere, sehr kostbare Reliquien mit hinein- kcin Zufall war. — Neben der Kirche wurde im 9. Jahrhundert ein Benediktiner-Kloster gebaut, welches jedoch im 12. Jahrhundert verlassen wurde, wahrscheinlich wegen Verfalls der Gebäude. Ungefähr 100 Jahre später kam Kloster und Kirche in Besitz der Clarisscr-Nonnen, welche dort wohnten bis 1877, als das Kloster von der Regierung eingezogen und in ein chemisches Institut umgewandelt wurde. ") Lukas Wadding, Xunales LLuorum ack 1318 n 43. ") Cons. Durante hat in seiner Auflage der Ncve- lationen. Rom 1628,11,5 29, ein Fragment einer alten Handschrift abgedruckt, welche im Birgitta-Hospital aufbewahrt wurde und worin der Arm der erhabenere Ueberrest genannt wird. "0 Er wird auch 2oleue8s genannt. Siehe Nettelbla, Nachricht von Birgittincr'KlösLern, Frankfurt 1764, Seite 81 und 88. ") Das war 1487. Zur Generalversammlung kam von Wadstena der Senior Clemens Petci, welcher das Wort führte, und Johannes Matthäi. S. Nettelbla !. e. ,,a latsre LvanZ'slii", nämlich wenn man am Altare sich umdreht und nach rückwärts sieht, also auf der rechten Seite. (Mittheilungen des Herrn Grafen von Sandizell 1895 an Binder.) gelegt wurden, nämlich ein Zahn des Evangelisten Lukas und ein Kinnladenbein des Apostels Philippus.") Aller Wahrscheinlichkeit nach nahm nun der Sandizeller einige Birgitta-Reliquieu mit, denn es ist kaum denkbar, daß er unter solchen Umständen sich nicht einige Andenken an die von ihm so hoch verehrte Heilige ausbednngen hätte, welche er dann dem Kloster Alto- münster übergab, wo er 1517 Mönch wurde und 1525 starb.") Ungefähr 100 Jahre später wurden große Baureparaturen in Sän Lorenzo nothwendig, und diese erstreckten sich auch auf die Birgitta-Kap clle. Während der Arbeiten, welche ungefähr 1574 stattfanden, scheint der Sarkophag geöffnet worden zu sein, und die innere Holzlade, welche zunächst die Reliquien einschloß, wurde weggenommen. Ein am 5. August 1574 von dem Beichtvater der Clarisser-Nonnen, Petrus Hispamus, mit den Franziskanerbrüdern Berna rdin Tiburtinus und Johannes Mariä aufgenommenes Protokoll'') besagt, daß für den Sarkophag eine andere Holzlade angefertigt wurde, welche nenn Reliquien der hl. Birgitts enthält, darunter ein Schulterblatt (acmxnla) sammt Rückenknochen und Rippen. Der Arm wird dabei nicht besonders genannt. Ein Schulterblatt findet man gleichwohl auch nicht. Was so benannt wurde, ist ein Beckenbein, welches später in allen Urkunden seinen unrichtigen Namen beibehielt. Das zeigt von wenig anatomischen Kenntnissen bei den kirchlichen Autoritäten, welche die Reliquien immer als Schulterblatt bezeichnen; aber gleichwohl kann man an der Echtheit der Reliquien nicht zweifeln. Es beweist dies blos, daß die guten Mönche, welche 1574 die Reliquien vor sich hatten, nicht hinreichend kundig waren, den Gebeinen den rechten Namen zu geben, und deren Nachfolger waren ebensowenig gründlich. Es war bei dieser Gelegenheit, daß eine Stefana Savelli, welche Novizin bei den Clarisser-Nonnen war, über den Altar, wie es in den Franziskaner-Annalen") heißt, eine elegante Kapelle ausführen ließ, womit wahrscheinlich ein Lettner gemeint ist, der nun über- ") Das Original dieser auf Pergament geschriebenen Handschriften wurde im großen Archive der Franziskaner auf Xra 6oeli aufbewahrt, welches nun nicht mehr cxistirt. Wie so manch andere Archive in Rom erlitt es zuerst große Verluste in den Revolutionsjahren 1798—99 - was übrig blieb, wurde nach 1870 vom italienischen Staate eingezogen, aber da über zwei Jahre verflossen zwischen der Kundmachung und der Bewerkstelligung der Confiscation, so wurde manches bei Seite geschafft. Die Claris- ser-Nonneu hatten jedoch Abschriften, und von diesen nahm wiederum solche der Beichtvater ?. Andreas di Rocca di Papa. Beim Umzug der Nonnen im Jahre 1877 in ihr neues Kloster au der Piazza Giovanni Lanza kamen deren Papiere in Unordnung, und die älteren Abschriften konnten nicht mehr gefunden werden. Auf eine Vorstellung hin lieh mir U. Andreas sodann die Abschriften, welche jedoch unbeglaubigt sind und nach Abschriften gefertigt, von denen man nicht weiß, ob sie beglaubigt waren.- aber da kein triftiger Grund vorhanden ist, eine Fälschung oder mala lickos anzunehmen, weder bezüglich der ersten noch der zweiten Hand, zweifle ich nicht, daß man auf deren Wahrheit bauen darf. ") Ein Verzeichnis darüber findet man, nach Nettelbla, bei Scheckh's Beschreibung vom Maria-Altomünster, Cap. 14, paZ-. 34. Es ist mir nicht gelungen, diese Arbeit in Rom anszutreiben. ") Hierüber gilt dasselbe, ivas im Vorhergehenden schon über das Protokoll des Hermencgild Gade gesagt wurde. '") Wadding, Lunalss Lliuorum!. o. baut ist. Der Hauptschmuck war eine große Freskomalerei, welche die hl. Birgitt» im Gebete zum Gekreuzigten vorstellt. (Schluß folgt.) Socialistische Theorien des Alterthums. (Fortsetzung.) 6. Der stoische Staat. st'. Inhaltlich noch merkwürdiger, wenngleich der Form nach nicht eben aumuthig, war ein im späteren Alterthum mit Befremden und Staunen betrachtetes Staatsideal, welches ein Schüler der oben genannten chnischen Schule am Ende seiner Lehrjahre entwarf. Es ist dies der „Staat" des nachmaligen Gründers der stoischen Philosophenschnle, des Zenon (um 300 v. Chr. Geburt), eines Halboricntalen. In der Absicht, gewisse Jnconsequenzen der platonischen Staatslehre aufzudecken und das rücksichtslos einfache Staatsidcal der Cyniker zu rechtfertigen, verstieg er sich zu einer Formnlirnng der chnischen Sätze, welche entschieden über das von jener Schule Gewagte hinausgeht. Keinerlei Schranke irgendwelcher Art sollte dem Verkehr der Geschlechter gesetzt sein, die Gleichstellnng von Mann und Weib sich nicht nur auf die Erziehung, sondern auch auf die Kleidung erstrecken und die Erziehung rein ethisch sein; die gewöhnlichen llnterrichts- gcgenstände seien werthlos. Tenipcl, Gerichtsgebände und Turnhallen, welche Platon noch geduldet hatte, seien vollständig überflüssig. Münzen bedürfe der Verkehr weder im Innern, noch nach außen. Denn der richtige Staat sei nicht an die engen Grenzen einzelner Städte und Gaue gebunden. Alle Menschen auf der Erde seien sich Landslente. Eine Lebensweise und eine Sitte solle herrschen in der Heerde, die auf gleicher Weide durch das gemeinsame sittliche Natur- und Weltgesetz genährt werde. Allerdings setzte Zenon dabei voraus, daß sämmtliche Staatsglieder Weise und Gerechte seien, unfähig der Sünde und der Leidenschaft. Denn nur Weise seien wahre Bürger, Freunde, Verwandte und freie Männer. Die Ingredienzien des platonischen socialistischen Gebräues, Frauenemancipation und Brüderlichkeit, sind hier mn drei weitere: Gleichheit, Freiheit und Kosmopolitis- mus (Internationale), vermehrt. Bei Zenon ist das antike Staatsideale, auf die äußerste Spitze getrieben, oder vielmehr in Wahrheit ist das gar kein Staat mehr. Das Individuum in seiner Sclbstherrlichkeit ist unmittelbar dem allgemeinen Gesetze der natürlichen Sittlichkeit Unterthan und bedarf der Vermittlung eines sichtbaren Staates und der besonderen Gesetze nicht mehr. Darin liegt denn auch der Grnndabstand des zenonischen Staates von dem Platons, welcher sich immer noch nicht von der Vorstellung des antiken Einstadtstaates hatte losreißen können und vom Staatszwang noch nachdrücklichen Gebrauch gemacht hatte, welcher das Eigenthum beim Nährstande noch bestehen ließ und das Eiscngeld nicht verschmäht zu haben scheint. Der Socialismus Platons hat sich bei Zenon zur Anarchie verartet. * » -P Wir schließen mit Zenon die Darstellung der antiken Staatstheorien socialistischer Färbung ab, da von da an eine Weiterentwicklung nicht mehr stattfinde* Von Bedeutung für die Würdigung der geschilderten Ansichten ist außer ihrem Inhalte noch die Frage, ob die alten Reformatoren der Gesellschaft ihre Vorschläge praktisch ernst gemeint haben oder ob sie selbst dieselben lediglich als logische Spekulationen ansahen. Darauf ist zu erwidern, daß all die Genannten ihre Sätze für durchführbar hielten, wenn auch nicht in der nächsten, so doch in fernerer Zukunft. Und begründet schien diese Hoffnung durch die Verhältnisse Sparta's, wo Analogien und Ausätze zur Frauen-, Kinder- und Besitzgemeiuschaft vorlagen. Wie Platon, so mag auch Zenon auf diesen Staat hingewiesen haben; denn zwei seiner Schüler schrieben über die lake- daimonische Verfassung. Der erstere war Persaios, der auch das Dogma des Meisters, daß der Weise der beste Feldherr sei, durch die That zu erhärten suchte — freilich mit schlechtem Erfolge! Der andre, Sphairos, setzte sich mit Kleomenes, einem genialen Könige des spartanischen Staates, in Verbindung, um die alte Verfassung, die im Laufe der Zeit Veränderungen erlitten hatte, dort wieder einzuführen, schwerlich ohne Beziehung auf die Theorien des Schulgrnnders. Die sociale Reform, die auch die Erziehung in sich begriff, wäre, nach einem auswärtigen Krieg, nach der Ermordung von vier hohen Beamten (Ephoreu) nnd der Verbannung von 80 Adeligen, thatsächlich vollendet gewesen, wenn nicht fremde Könige neue Verwicklungen und den Tod des Kleomenes herbeigeführt hätten. Der Schwierigkeiten freilich, welche die Einführung seines Staates mit sich brachte, war sich Platon wohl bewußt. Er verhehlt nicht, daß dieser Staat nur mit Gewalt zur Anerkennung zu bringen sei, wie er denn auch vor Todesstrafe, Kindesaussetzung und ähnlichen Mitteln nicht zurückschreckt. Auch eine stoische Stimme läßt sich dahin vernehmen, die Bilder der Schule würden wegen ihrer übergroßen Erhabenheit und Schönheit nur für Dichtungen und Träume gehalten; es sagte dies Chrysippos, der sich den richtigen Staat wenn auch nicht hypercynisch, so doch cynisch vorstellte, in einem Werke, welches über die sociale Wirksamkeit der Gerechtigkeit und deren politische Anwendung handelte. Zenon hat vielleicht feinen Staat auf eine Art Nobinsoninsel verlegt oder an Lagen gedacht, wie die, in welche Sindbad, der Seefahrer, kam; denn schon die Phantasie der Alten nahm seit Homeros gerne ihre Zuflucht zu Inseln (Pamhaia, Atlantis). Zur Beleuchtung der antiken Theorien muß aber — und das übersieht Kantsky» der socialistische Geschichtschreiber derselben, welcher übrigens auch die nachplaton- ischen Staatsideale allzu vornehm beiseite stellt — noch das eine betont werden, daß Platon im reiferen Alter sein Ideal gewaltig herabstimmte und in den Gesetzen Privateigenthum und Ehe zugab, sowie, daß auch Zenon in späteren Jahren seine Ansprüche gemäßigt zu haben scheint, indem er dem Weisen ein gewisses Vermögen zugestand, damit dieser, ohne zur Leidenschaft der Furcht, welche durch die Abhängigkeit erzeugt wird, Anregung zu erhalten, der Tugend nachleben könne. Wenn Zenon und seine treuesten Anhänger, trotzdem sie sonst ihre Maximen möglichst zur Richtschnur für's eigene Leben wählten, Geld von reicheren Schülern nahmen, so thaten sie dies, um ihren Studien leben zu können. Auch hielten sie sich selbst nicht für Weise und meinten, der vollkommene Weise sei ohnehin so selten wie der Vogel Greif. Die späteren Styiker haben, unter dem Eindrucke 103 der römischen Weltauffassung, wohl jenen Schwärmereien ganz Valct gesagt, und die Versuche der Nenphthagorecr und Nenplatoniker, Platons Grundsätze ins Werk zu setzen, können über engere Kreise nicht hinausgcdrnngen sein. So sehen wir denn, daß die alten Socialisten selbst oder ihre Getreuen den socialistischen Theorien ein kleines Mißtrauensvotum ausstellten. Um so mehr erhebt sich ganz natürlich die Frage, wie sich wohl das übrige gebildete Alterthum dazu verhielt. An Kritik hat es nicht gefehlt. Doch sei hier die Polemik späterer Philosophen gegen die stoische Lehre Übergängen, weil die von dieser Seite ausgehende Kritik im ganzen sich auf eine vielfach ungerechte Suche nach Widersprüchen in der stoischen Doktrin beschränkt. Es wird, um die Thatsache zu beweisen, daß auch das Alterthum jene Ansichten nicht widerspruchslos hingenommen hat, wohl genügen, zwei Männer zu hören, welche sachliche Einwendungen vorzubringen wußten. Der eine derselben entstammte demselben Lager, aus welchem Platon hervorging, den Reihen der athenischen Aristokratie. Aristophanes, der Komiker, hat den socialistischen Weiberstaat nur geschildert, um denselben an den Pranger zu stellen. Hatte er schon für luftschloßartige Unternehmungen den Namen „Wölkenkuckucksheim" erfunden, so suchte er in seinem „Weiberlandtag" die Lacher auf die Seite der Autisocialisten zu bringen, indem er den Weiberstaat drastisch an zwei einfachen Schwierigkeiten zu nichte werden läßt. Wie nämlich der Staat im Lustspiel zur Einführung gelangen soll, wird zunächst befohlen, alle Bürger sollten ihre gesammte Habe an Mehlsäcken, Betten, Wasserkrügen, Pomadetöpfen, Kochgeschirren und Dienstboten an den Fiskus ausliefern. Die meisten schleppen in der That, gehorsam dem Gesetze, eifrig alles aus dem Hause. Nur ein einziger verschmitzter Patron hintergeht den Staat und behält das Seine für sich, ist aber, sobald die Bürger- schaft zum Staatsschmause eingeladen wird, der allererste, der zum Festessen eilt, um, wie er sich ausdrückt, „auch sein Theil am Staatsbrei zu erwischen". Ist nun auch dieser Theil der aristophanischen Kritik auf die modernen Socialisten nicht ganz anwendbar, da letztere die Möbel und Geräthe nicht verstaatlichen wollen, so hat doch Aristophanes richtig erkannt, daß die einzelnen Naturen ungleich sind, daß beim allgemeinen Kladderadatsch das Fischen im Trüben nicht ausbleiben könne und daß der egoistische Mensch das Nehmen für seliger hält denn das Geben. Und ebenso nüchtern gedacht ist des Lnstspikldichters zweiter Eiuwnrf. Gleich in das Gesetz von der Fraucngemeinschaft läßt er, damit diese absolut sei, die nähere Vollzugs- beftimmuug aufnehmen: Aus daß nicht die häßlichen und alten Personen von der Vcrbindungscommunität ausgeschlossen würden, müsse sich jeder, der sich mit einer Zungen und Schönen verbinden wolle, zuvor mit allen häßlichen und alten Weibern einlassen, und entsprechend solle es seitens der Frauen geschehen. Das ist, um von der moralischen Qualität des Gesetzes abzusehen, natürlich schon an sich lächerlich. M adsnccknm aber wird das Gebot, dessen Zweck allgemeine Verbrüderung und Liebe im Staate ist, durch seine Folgen geführt: Ein Jüngling, der sein Mädchen liebt und bei der Schönen Gegenliebe findet, wird dem Mädchen von einer Megäre unter Berufung auf das Gcsctz streitig gemacht, und als die spitze Zunge der Jungen endlich doch die wüste Alte zum Rückzug zu bringen scheint, stürzen, von dem Lärm angelockt, zwei andere alte Basen herbei und zerren und reißen an dem armen Jüngling, bis die Junge das Nachsehen hat. So endet denn das Gesetz der allgemeinen Verwandtschaft und Eintracht in eine wilde Rauf- und Schimpfscene, welche der griechische Dichter mit antiker Unverblümtheit und Derbheit wiedergibt. Der traurige Ernst, welcher in diesem Theile des Lustspiels steckt, bedarf keiner näheren Ausdeutung. Viel eingehender als die aristophanische tonnte selbstverständlich eine ernsthafte Kritik ausfallen, die nicht an künstlerische Rücksichten gebunden war. Eine solche haben wir von Aristoteles, dem weitblickenden Schüler Platons. In politischer Beziehung darf er monarchisch gesinnt genannt werden. Sein Auftreten gegen den Lehrer ist jedoch nicht auf die Verschiedenheit der politischen Anschauungen, sondern auf den grundsätzlichen Widerspruch zurückzuführen, in welchem sich die Philosophie beider befand. Platon war Idealist, Aristoteles gemäßigter Empirist. Der Freund der Medizin und sorgsame Naturforscher, der besonnene Kopf und klare, schlichte Denker mußte zu einer wesentlich ander, >. Auffassung des socialen Wesens gelangen, als das poetische Genie Platon. Nicht von der philosophischen Spekulation ging er aus, sondern von einer historisch-kritischen Ucberschau über die thatsächlich verwirklichten Staatsverfassungen. Indem er jedoch auch in seinem Werke über die beste realisirbare Staatsform (nach 336 v. Chr. Geburt) seiner empiristisch vorgehenden Methode getreu die bedeutendsten seiner historischen und literarischen Vorbilder bespricht, wird er zu einer genauen Kritik derselben veranlaßt und gibt auf diesem Wege zugleich eine Kritik der socialistischen Ideen überhaupt. Was er an den Entwürfen des Phaleas und Hippo- damos auszusetzen findet, soll hier nicht wiederholt werden. Der Hauptsache nach vermißt er die Antwort auf die" Frage, wie denn sich die vorgeschlagenen Reformen im einzelnen ausführen und gegenüber etwaigen äußeren Schwierigkeiten festhalten ließen. Zum Theil sind ja die beiden eben erwähnten Männer auch durch die Kritik des platonischen Staates getroffen, und letztere verdient mit den Zügen, welche noch heute beachtenswert!) sind, gekennzeichnet zu werden. Dem Stagiriten gefällt dreierlei nicht an Platons Mnstcrstaat: die Kinder-, die allgemeine Frauen- und die Gütergemeinschaft. Er schickt dagegen eine Reihe von dialektischen und sachlichen Gründen ins Feld. (Schluß folgt.) Recensionen nnv Notizen. Emmerich, Der heilige Kilian. Historisch-kritisch dargestellt. Würzbnrg, Göbel, 1896. M. 1,50. D Der Verfasser har das Quellenmaterial in den Bibliotheken Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz persönlich eingesehen. Die wichtigsten Urkunden sind im ersten Theile der Monographie zum Abdrucke gelangt. Im zweiten Theile verbreitet sich Emmerich über die einzelnen Streitfragen. Die Kritik ist maßvoll, gründlich und praktisch-vernünftig. In überzeugender und, wie uns scheint, nnwid er leg sicher Weise wird die Grundfrage nach der primären und zuverlässigste!, Quelle entschieden: die Uaosio minor erweist sich nach der St. Gallener Handschrift als der ältere und glaubwürdigere Bericht. Die Zweifel, welche die protestantische Forschung an der Romreise Kilrans geäußert, waren leicht zu über- 104 winden. Schwieriger gestaltete sich die Feststellung des Todesjahres, als welches, wohl mit Recht, 689 angenommen wird. Die von einigen mittelalterlichen Schriftstellern vermuthete Mitschuld Gozberts an dem Martyrium Kilians wird als grundlose Conjcctur nachgewiesen. Im Uebrigen wird das Dunkel, welches über der Person des Herzogs und seiner Nachkommen schwebt, nicht leicht gelichtet werden, es müßte denn sein, daß neue Urkunden aufgefunden würden. Emmerichs Schrift ist ein werthvoller Beitrag zur Geschichte Frankens und ist in Folge dessen nicht bloß für die Diöcese Würzburg, sondern auch für die bayerische Geschichtsforschung von hohem Interesse. -r. „Kurze Geschichte des -Ordens von der Heimsuchung Mariens — genannt Salesianer- innen — in Bayern, von seiner ersten Niederlassung in München bis Heute", betitelt sich eine reich illustrirte, bei Pustet in Regensburg gedruckte Jubiläumsgabe, welche ein ehemaliger Zögling der allgeliebten „boims mdro", Maria Salesia Hammel, Oberin in Zangberg, zu ihrem SOjährigen Profeßjubiläum darbietet. Dem reizend ausgestatteten und fließend geschriebenen Büchlein, das wir allen ehemaligen Zöglingen der bayer. Salesianerinnen- klöster wärmstens empfehlen, entnehmen wir Folgendes: Der vom hl. Franz von Sales anno 1610 in Ännecy gegründete Orden ließ sich im Jahre 1667 in München nieder (erste Niederlassung in Deutschland) und bewohnte dort zuletzt das jetzige Damenstift — Amberg und Sulzbach, später säkularisirt, wurden von München aus gegründet. 1783 mußten die Schwestern ihr liebgewonnenes und so segensreich wirkendes Kloster in München verlassen und rnit Jndcrsdorf vertauschen. Daß sie hier in Jiwersdorf trotz aller Schwierigkeiten des Bleibens hatten, verdankten sie hauptsächlich dem thatkräftigen Eintreten der - Kurfürstin Karoline. Im Jahre 1831 siedelten die Schwestern '.nach Dietramszell über^ wo im Jahre 1837 die hochbetagte Oberin, Gräfin von Spreti, starb, die schon in Jndersdorf die Seele der ganzen Klostergemeinde war. Von hier aus wurde im Jahre 1838 Pielenhofen (früher ein Beruhardinerkloster) und anno 1845 Beuerberg (ehemaliges Augustinerkloster) gegründet. Von Beuerberg aus entstanden Niederlassungen in Thurnfeld (1859), in Moselweis (1863), ja sogar in Luxemburg und Böhmen. Pielenhofen sendete Schwestern 1857 nach Westphalen. Im Jahre 1862 endlich wurde das gegenwärtig weitLber die Grenzen Bayerns bekannte Kloster Zangberä gegründet. Das herrliche, auf luftiger Höhe liegende Schloß, welches das ganze Schlachtfeld von Ampfing beherrscht, ursprünglich sehr ruinös, wurde allmälig in besseren Zustand versetzt, mit Anbauten, auch mit einer eigenen, schönen Kirche versehen, mit Gärten und Parkanlagen geichmückt, so daß es nach Wjährigem Bestand nicht blos zu den schönst gelegenen, sondern auch zu den blühendsten Mädchen-Instituten Bayerns, ja Süddeutschlands, gehörte; zu letzterem trug nicht wenig bei der einheitliche Geist, der dieses Kloster seit seinem Bestehen beherrscht; Zangberg kennt bis heute nur eine bouvo wero, nur eine msro äöposss. Mögen diese beiden Damen noch recht lange wirken zur Ehre Gottes, zum Nutzen unserer weiblichen Jugend! — Leo Taxils Palladismus-Roman. Unter dieseni Titel ist soeben im Verlag der Germania (Berlin) der erste Theil eines Werkes von Hildebrand Gerber (?. H. Gruber 8. ll.) erschienen, in welchem der Verfasser es unternimmt, den Schwindel der ganzen Compagnie Dr. Bataille, Leo Taxil, Diana Vaughan, Margiotta usw. klarznlegen und in seinen Einzelheiten zusammenfassend zu verfolgen. Der erste (erschienene) Theil (180 S.) enthält das Vorwort, die orientirenden Vorbemerkungen, die Charakteristik Dr. Batailles, des Werkes I-s äiabls au XIX siäols und dessen Fortsetzung, der Rsvus msllSllsIIö. Der zweite Theil wird Domenico Margiotta und seine „Enthüllungen" in den Werken Xclriano I-smirn und I-s kallaäiswe, der d ritte Theil „Miß Diana Vaughan" und ihre „Enthüllungen" im „kallackium", in den ,,M- moiros ck'nno üx-l's.UguIists" und in „I-s 38: Orispl" behandeln. Jetzt, nach der glücklichen Entlarvung des Schwindels, und da die antifreimaurerische Bewegung in , Folge des Trienter Congresses in eine neue Phase einzu- i treten im Begriffe steht, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, die ganze Angelegenheit in allen einschlägigen Punkten gründlich und actenmäßig aufzuklären. Dies geschieht in dem angekündigten neuen Werke. Hildebrand Gerber (H. Grnber 8. ,1.) war zur Lösung dieser Aufgabe besonders berufen. Hatte er doch den Feldzug der katholischen Presse, welcher nun mit der völligen Entlarvung der Schwindler geendet hat, (durch die Artikel voni 15. und 25. August der Köln. Volkszeitung und vom 22. August der Germania) eröffnet. Soweit aus Publicationen oder sonstigen öffentlichen Kundgebungen, auch von freimaurerischer Seite, bekannt geworden ist, dürfte sich unter den auf demselben Gebiete schriftstellerisch thätigen Katholiken und selbst Nicht-Katholiken Niemand finden, der ihm an Kenntniß der einschlägigen Literatur, namentlich auch der freimaurerischen, und an Sicherheit des Urtheils über die einschlägigen Thatsachen gleichkäme. (Preis des ersten Theiles: M. 1,60.) I^vu^s kisrrs, ^pbroäits: Llosurs aatiguss. All. illustres par D. Oalbst, 12° pp. 392. Uaris, Bors!, 1896. IÜ-. 3,80. ^ In letzterer Zeit hat kein anderes Buch in Frankreich einen so reißenden Absatz gefunden: in wenigen Wochen waren 70,000 Exemplare in 50 Austagen der gewöhnlichen Ausgabe verkauft; jetzt erschien der Roman auch in der OoUsotion Läouarä Ouillsams „Xxwpbös" mit Bildern: eine ungarische Uebersetzung von Göza Rüzsa (Pest, Sachs u. Pollak. st. 1,50), sowie eme deutsche (Pest, Grimm, st. 2,50) haben soeben die Presse verlassen. Warum verzeichnen wir diese Thatsachen? Nicht, weil das Buch einen Werth hätte, sondern nur, um zu beweisen, daß die Größe des Erfolges immer von der Größe der Schweinerei abhängt, in der die Literaten des modernen Frankreich mit einander wetteifern. Das Geschreibe des neuesten Schlammwälzers aus der Heerde Epikurs ist das zünftigste Bordell-Opus, das unter dem Vorwand, den „Cult der nackten Schönheit" im Gegensatz zum prüden Christenthum wieder mehr zu Ehren zu bringen, einfach die vollste sinnliche Ungebundenheit in der schamlosesten Weise predigt. Wenn es so fort geht, wird Zola bald zu den anständigsten Schriftstellern gehören. Daß die Bilder der illnstrirten Ausgabe, die jetzt an allen Schaufenstern Münchens prangt (und allerdings, was Schönheit des Druckes und der Ausstattung anlangt, höchste Eleganz zeigt, und eines besseren Inhaltes würdig wäre), an Unfläthigkeit dem Texte in nichts nachstehen, ist klar. Die Sittenpolizei, die oft viel harmlosere Dinge aufgreift, dürfte sich doch fragen, ob derartige literarische Novitäten nicht schon zur „Pornographie" gehören: wir wüßten nicht, wie man an Un- zweidentigkeit noch mehr leisten könnte. Doch genug davon! Nur eines noch: das ist die Literatur, die unsere „gebildete Welt" verschlingt und mit der sich die Verfasser mühelos den Geldsack füllen, während der wahre Liebling ernster Muse oft genug sich die Füße »lach einem Verleger vergeblich wund läuft und verhungert. Die katholischen Missionen. Illustrirte Monatschrift. Jahrgang 1897. 12 Nummern. Mk. 4,—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlnng. Inhalt von Nr. 3: Die Missionen der „Weißen Väter" in Deutsch-Ost-Afrika. — Tinos, die Perle der Cykladen. — Die Krisis im Maschonaland. — Nachrichten aus den Missionen: Asiatische Türkei (Lage in Armenien); Japan (Statistik): China (Fortschritte m der Ost-Mongolei); Philippinen (Mission auf Mindanao); Acgypten (Neue koptische Diöcese): Abessinien (DerFriede); West-Äfrika (Kamerun): Siio-Amerika (Süd-Patagonien); Oceanien (Neu-Pommern); Aus verschiedenen Missionen. — Beilage für die Jugend: Sidya, der treue Sohn. (Forts.) — Diese Nummer enthält 9 Illustrationen und eine Kartenskizze. Berichtigung. In dem Artikel „Stilla von Abenberg" ist in Beilage Nr. 12 statt „Agnes Ceslinger" zu lesen „Agnes Aislinger". Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.