Die Inschrift von Hsi-Ail-Fn, ein altchristliches Denkmal in China. ^ Manchen Lesern dieses Blattes kommt der Name Hsi-An-Fn heute vielleicht zum ersten Btale unter die Äugen. Den Sinologen ist er geläufig, denn an denselben knüpft sich der Gelehrtenstreit über die Aechtheit des ältesten, uns erhaltenen christlichen Denkmals in China. Soweit wir von heute an auf die Geschichte des Christenthums in China in sicherer ununterbrochener Zeitfolge zurückschanm können, verdankt es seine Anfänge den Missionären aus der Gesellschaft Jesu, welche alsbald nach ihrer Gründung sich das große Land mit der eigenthümlichen, aber in seiner Art hochentwickelten Cultur als Missionsgebiet erwählte. Dort haben die Jesuiten in der That Wunderbares geleistet: in Zeiten der Verfolgung mit erstaunlichem Heldeumuth ihr Blut als Märtyrer vergossen, in Zeiten des Friedens mit der Predigt des Evangeliums die wissenschaftliche Forschung so erfolgreich vereinigt, daß wir fast Alles, was wir aus älterer Zeit auf siuologischem Gebiete besitzen, den Jesuiten verdanken. Bei dem Gedanken, daß unter dem zweiten Kaiser der gegenwärtig noch regierenden Tshiug-Dynastie, unter dem energischen K'ang-Hsi( 1662 — 1723) zwischen dem „Sohn des Himmels" und den gelehrten Ordensmännern ein friedlicher Austausch wissenschaftlichen Strebens und eine glückliche Eintracht herrschte, die in der Folgezeit leicht hätte dahin führen können, daß wir heute China ein christliches Reich nennen dürften, bei dem Gedanken — sagen wir — kann man den Unmüth nicht verbergen über den servilen und kurzsichtigen Papst Clemens XlV., der 1773 durch Aushebung des Jesuitenordens die kostbarsten, mit schweren Opfern errungenen Früchte, wie auch die schönsten Hoffnungen selbstloser Missiousthätigkeit mit einem Schläge zerstörte und es mitverschuldcte, daß nach und nach allerlei christliche Sekten (meist aus Amerika) in China Eingang fanden, deren sich so vielfach widersprechende Lehren dem denkenden Chinesen die christliche Religion nicht verlockend erscheinen lassen. Die Jesuitcn-Missionäre waren aber nicht die ersten, Welche christliche Lehren iu das „Reich der Mitte" (stoftunZ- Luv) gebracht haben. Als sie ihre Missionsthätigkeit begannen, fanden sie Spuren christlicher Ansiedelungen vor, die freilich schon Jahrhunderte vorher wieder vorn Schauplatz verschwunden waren. Die Legende, welche die Welt nach dem Tode des Herrn kurzer Hand unter die zwölf Apostel vertheilte, machte den hl. Thomas zum ersten Glaübensboten -) der Chinesen; er soll, nachdem er 'in Pcrsien und Indien gepredigt, auch nach China vorgedrungen sein. Ungefähr um dieselbe Zeit, da der Buddhismus in China Eingang fand (um 65 n. Chr.) soll der Sage nach ein chinesischer Fürst sich durch Gesandte, die er in die westlichen Länder ^ ) Unter K ang - Hst war bekanntlich P. Ferdinand Verbrest ( 8 . ck.) Director der kaiserlichen Sternwarte n Pei-Tshing (Peking). Der großmüthige Gönner der Wissen schaft auf dem Throne war selbst Gelehrter; sein „Wörter buch (Ws 2 s tien) hat klassisches Ansehen. — Vgl. Fries Geschichte Chinas nach chinesischen Quellen (Wien 1884) S. 270. st Vgl. Huc (langiahriger Missionär in China und Trbet) „I,s okristianism« «n OIuns, en Wortart« «t on wbidöt« (4 voll. waris 1857) w. I, p. I. schickte, christliche Lehrer erbeten haben, und im dritten Jahrhundert zählt Arnobins die „Serer" (— Chinesen?) zu jenen Völkern, die den christlichen Glauben angenommen haben. Diese Nachrichtens entbehren indeß der Begründung, und von da an verstummen sie gänzlich. Den Anstoß zur geschichtlich beglaubigten Besiedelung Chinas durch Christen gab der Nestorianismus. Die Lehre des Patriarchen Nestorius von Konstantinopel, daß in Christo auch zwei Personen (nicht bloß zwei Naturen) seien, sowie daß Maria nicht 8 - 016 x 0 ;, sondern nur Xo-.oioioxo; (also nur Meuschen-Gebärerin) sei, wurde von der Kirche auf dem III. allgemeinen Concil zu Ephesns 431 feierlich verworfen; vier Jahre später begann Theodosius die Anhänger der neuen Lehre mit großer Härte zu verfolgen, wodurch ihr Widerstand nicht gebrochen, sondern nur verstärkt und ihre Zahl vermehrt wurde. Den widerspenstigen Nestorianern wurde der Aufenthalt im ganzem Reiche unmöglich gemacht, und so griffen sie zum Wanderstaü. . In Schaaren zogen sie, den Spuren des Apostels Thomas folgend (Thomas-Christen), nach Syrien, Arabien, Persien, Indien, und endlich, bis nach China. Dort blieben sie, wie es scheint, vielfach unbclästigt, nahmen aber auch, von der Einheit der katholischen Kirche losgerissen, viele fremde, heidnische Bestandtheile (Feuer-Cultus) in ihr Christenthum auf. So lebten durch den harten Kampf um's Dasein einander genähert im Reiche der Mitte, wo die verdrängten Nestorianer das Ziel ihrer Wanderung fanden, die Bekenner Christi friedlich neben den Anhängern des Confncius (Knng- Tsze) und des Buddha (Fo) und erhielten sich dort auch sehr lange Zeit. Nachrichten von der Existenz der Thomas- Christen in China haben wir aus dem 8 . Jahrhundert;^) gegen Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt Barhebräus einen christlichen Erzbischof in China (Osssmani, Libl. or. II, 255), De Sacy (Xoticws, XII, 277) beschreibt eine in China gefundene syrische Bibelhandschrift, und noch der große Venezianer Marco Polo fand in der Mongolei wie in China eine Menge Nestorianer, die das Syrische") sogar zur Bedeutuug einer Art von Gelehrtensprache in tartarischen Gegenden brachten. Das merkwürdigste Zeugniß aber von den weiten Wanderungen der Syrer und der Existenz christlicher Gemeinden in China ist die berühmte syro-chinesische Inschrift, die im Jahre 1625 bei dem Städtchen Hsi-An-Fn H in der Provinz Shan-Hst gefunden wurde. Dieser interessante Fund hat die ganze gelehrte Welt in Aufregung versetzt; wir finden kaum eine fachwissenschaftliche Zeitschrift, die diesem Gedenkstein und seiner Inschrift nicht ihre Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Bereits 11 Jahre nach der °) Vgl. Rohrbacher, Historie äs I'vgllss (Worts 1857) w. XXV, x. 69 u. ff. 8 Xövs, Mabllssomsnt st ckestruotion cks la Premiers ollrätientä sn 6kin«. I-onvain 1846. °) wen an, Histoirs gönörals st Systeme eomxarä ckss langn«!? sLmitiguss. (Worts 1663.) pag. 288. — Die mongolische Schrift hat (wie die chinesische) die Richtung von oben nach unten, sonst ist sie der syr. Estranghelo- schrift so ähnlich, daß Klaproth und Römusat an eine Entlehnung von den Nestorianern denken. y Vgl. Wla^kair, wir« eitles anck tovns ok Odin» (Hongkong 1879) M. 2620 ; 6160. — Wir schreiben nach hochchinesischer Aussprache (Peking-Dialekt): Hsi-An-Fu statt des gewöhnlichen: Si-Ngan-Fu, wie oben Pei-Tshing (Peking), K'ang-Hsi (Kang-Hi) usw. 118 Entdeckung spricht als einer der ersten über ihn der gelehrte Polyhistor des Jesuitenordens ?. Athanasius Kircher in seinem „l?roäromus ooptus sivo LLA^ptisaus" (1636) und ausführlicher in seiner „Odins, monumontis i 11 n 5 trs.ro." ') (Lmstsboäaini 1668), woselbst er eine von k. Boym gefertigte Uebersetzung der Inschrift gibt. Die Literatur b) über dies wichtige Denkmal ist seitdem zu einem ziemlichen Umfang angewachsen. Auch Abbildungen des Denkmals findet man in Jule's „Uarao kolo" (II, 22 ), sowie in Williamson's „ckonrno^s in HoLtd-Odins.", eine neuere Uebersetzung der Inschrift bei Huc (a. a. O. I, 52 — 68 ). Namhafte Orientalisten haben an der Entzifferung der Inschrift gearbeitet, aber auch die Aechtheit mit Leidenschaft bestritten oder verfochten. Seit P. Dabry v) schwieg endlich die Frage, da trat sie in ein neues Stadium durch die ostasiatische Reise des Grafen Adalbert Szßchenyi, eines Sohnes des großen ungarischen Patrioten Stephan Szbchenyi, der als Wohlthäter und Reformator des modernen Ungarn sein Denkmal auf dem Franz-Josephs-Platz (l'sreiuL-isürsak-tbi), dem imposantesten der herrlichen Landeshauptstadt Budapest, hat. Um, von schwerem Schicksalsschlag heimgesucht, nicht ganz in trübem Leide zu versinken, faßte Graf Böla Szöchcnyi den Entschluß, sich die Welt zu besehen. Im Jahre 1877 trat er seine ostasiatische Reise an, und heute nach zwanzig vollen Jahren erscheint in ungarischer Sprache der zweite Band seines großen Neisewerkes.") Ausgerüstet mit allen Mitteln, trotzend allen Schwierigkeiten ist der Graf ausgezogen und reichbeladen mit werthvollen Ergebnissen heimgekehrt. Hervorragende Männer der Wissenschaft haben die „oxolis. opiius." dieser Forschungsreise mit hingebendem Fleiße bearbeitet und durch ihre Beiträge ein auf der Höhe der Wissenschaft stehendes Werk zu stände gebracht, das dauernden Werth behalten wird und sowohl ihnen selbst als auch dem hoch- sinnigen Herausgeber zur höchsten Ehre gereicht. Die Aufgabe, für den zweiten Band die syro - chinesische Inschrift von Hst-An-Fn zu besprechen, fiel dem gelehrten Jesuitenpater, unserm bayerischen Landsmann I. Heller, damals Rector des Collegs in Preßburg (jetzt in Innsbruck), zu, der sich seines Auftrages auch glänzend entledigte. Graf Szßchenyi hat den berühmten Denkstein an Ort und Stelle gesehen und, nicht zufrieden mit den durch chinesische Bonzen den Reisenden gewöhnlich angebotenen Abklatschen, eigenhändig eine vollständige Sammlung der genauesten Abdrücke hergestellt. Geben wir das Wort einem Reisebegleiter des Grafen, dem damaligen Oberlieutenant Gustav Kreitner") (jetzt leider gestorben), ') Dies Werk enthält auch, was für Sanskritisten interessant ist, die ersten Devanägari-Typen in Europa. °) Zusammengestellt bei 6 oraler, Liblioillsoa sinios. (Laris 1878.) lll. I, xsK. 328—329 „kisrre cke Li-UAsn-l'ou". °) O ab r^, Os ostbolieisms en Obine an VIII. siede, sveo nne nonvelle trsckuviion cke l'insorixiion cke 8^-UAsn- t'ou. karis 1677. ") 82 ckeb ell^i Lölit ZrüI, Lolsiäesisi cktjänak tuckomäu^os ereckmsn^s 1877—80-bsn. Luckapost 1890—97 (Vol. I, II). Erst drei Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes im Original kam derselbe auch in deutscher Sprache heraus: „Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise in Ostasien 1877—1880". Wien 1893. 2 ° 061,1V -j- 882 SS. mit 176 Abbild, u. 11 Tafeln, nebst Atlas von 32 geogr. u. geoloa. Karten. — Der zweite Band ist vorläufig nur ungarisch vorhanden, das ganze Werk ist auf drei Bände berechnet. ") Kreitner G ust., Im fernen Osten: Reisen des Grafen B 6 la Szöchemsi in Indien, Japan, China, Tibet, der uns erzählt: Im Januar 1879 erreicht Graf Szschenyi das Städtchen Hsi-An-Fu. Wir erkundigten uns bei dem Bonzen, ob wir nicht die nestorianische Gedenktafel besichtigen könnten. Er antwortete, die Tafel stehe ganz frei sichtbar in einem vor dem östlichen Thore der Stadt gelegenen, aber schon lang von den Muhamedanern verwüsteten Tempelgarten. Am folgenden Morgen erschien ein chinesischer Christ, um uns zum Denkmal zu führen. Etwa drei Lt (— 1,5 kw) von der Stadt entfernt kamen wir zu einem von einer Mauer umfaßten halb verfallenen Tempel. Der buddhistische Priester öffnete uns auf Verlangen die Pforte und führte uns gegen ein Trinkgeld zum Denkmal. Einen schon längst unbewachten Buddha-Tempel durchschreitend, gelangten wir zum bezeichneten Garten. Der Raum war öde und leer, zwischen tiefen Gräben Trümmer der einstigen Mauern und Grabniäler, deren hier früher an die Hunderte gewesen sein mochten. Nach längerem Suchen wies uns der Bonze das nestorianische Denkmal, das auf dem Trümmerfelde einen Ehrenplatz einnimmt und zwischen den wenigen noch anstecht stehenden Grabsteinen dem Beschauer durch seine Größe und durch den wohlerhaltenen Zustand imponirt. Der Führer erzählte, der Stein stehe seit 20 Jahren an demselben Platz. Graf Szöchenyi kaufte von unserm Begleiter einige Abklatsche des Denksteines, die man auch andern Reisenden anbietet, aber nur die Kreuzesfigur und den chinesischen Text der Vorderseite reproduziren. Der Graf aber wollte die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen. Es war ihm vorzüglich um die syrischen Inschriften der Seitenflächen zu thun; mit der ihm eigenen Energie und unter Zuhilfenahme einiger schon längst vergessen geglaubter lithographischer Kenntnisse war er in kürzester Zeit im Besitze eines gelungenen, des bis jetzt besten, wissenschaftlich genauen Abklatsches des viel umstrittenen Denkmals. k. Heller hatte das Glück, vollständige und genaueste Abdrücke des Steindenkmales in die Hände zu bekommen, wie sie keinem andern Erklärer zur Verfügung standen. Dieser Vortheil berechtigte und ermuthigte ihn, das schon so viel besprochene, auch abgebildete und interpretirte Denkmal einer erneuten Untersuchung zu unterziehen, deren Ergebniß die Frage wohl zum endgiltigen Abschluß gebracht hat. Das Denkmal ruht auf einem Sockel, der die Form einer Schildkröte hat, ein sowohl bei Indern als auch bei Chinesen in der Kunst häufiges Motiv. Den Sockel abgerechnet, beträgt die Höhe des Denkmals 2,75 Meter, die Breite 95 und die Dicke 35 Centimeter. Das Material ist ein behauener Kalkstein-Monolith. Das vordere Feld, 2,35 Meter hoch, ist mit 1789 eingemeißelten chinesischen Schriftzeichen bedeckt; davon sind einige große späteren Ursprungs, dieselben verkünden die Anwesenheit eines chinesischen Würdenträgers, der sich damit auf dem Stein verewigen ließ, aber dadurch einige der ursprünglichen Zeichen austilgte. An den Seitenflächen befinden Birma 1877—80. Wien 1881. — Das Werk wird mit Recht geschätzt, doch S. 179 passirte ihm etwas menschliches: er hielt das englische Wort „olmir" (Sänfte) für chinesisch und schreibt isolier; „Sänfte" heißt chinesisch „isbiao"; die Deutschen in China gebrauchen in ihrem Kauderwälsch meist das englische Wort „olmir", daher die Verwechslung. (Vgl. Arendt. Nordchines. Umgangssprache. Berlin 1894. I, S. 17). — Im Atlas zum großen Reisewerk rühren die 17 geograph. Karten von Kreitner (Original-Aufnahmen) her, die 16 geologischen von Ludwig von Lüczy, der auch ein selbststäudiges Buch obinsi birockiüoin" (Budapest 1886) herausgab. 119 sich kurze Aufzeichnungen in syrischer Sprache, und zwar in Estraughcloschrift gezeichnet. Den Denkstein bekrönt eine interessante Sculptnr: über der Mitte der Aufschriftstafel ist ein Dreieck angebracht, von welchem, umgebe» von einem Kranz chinesischer Charaktere, das Zeichen der Erlösung hernnterleuchtet, das Kreuz, dessen Figur (9 ein lang und 6 ein breit) jedem, der auch nur eine Abbildung besteht, in der auffallenden Umgebung einen unvergeßlichen Eindruck machen muß und eine so geheinmiß- vollc Sprache von der Macht des Evangeliums aus dem stummen Steine redet. Des Kreuzes Enden sind lilien- förmig ausgezackt; zwei fabelhafte Thiergestalten halten darüber Wacht. Die gepanzerten Schlangenleiber über den eigenen Köpfen in einander schlingend, ruhen beide mit dem Rachen und einer Tatze auf dem Boden, während sie in den andern einander entgegengehaltenen Klauen eine von Flammen gekrönte Scheibe halten. Rechts und links davon reihen sich je drei mit den beschriebenen im gleichen Stil gehaltene Drachenfiguren an, die Rachen zu Boden gekehrt, die Schweife oben an diejenigen der beiden großen Figuren geschmiegt. Die Darstellung ist gewiß höchst merkwürdig, und dürfte in der ganzen Geschichte der Plastik wohl nichts Aehnliches aufzufinden sein. Jedenfalls ist das Werk nicht von chinesischer Künstlerhand, und das spricht zu Gunsten der Aechtheit. Vielleicht ist ma- layischer Knnsteinflnß anzunehmen. Die chinesische Inschrift gibt auch in ihren Wortzeichen syrische Eigennamen wieder, woraus man Schlüsse auf die chinesische Aussprache ziehen kann.'s) (Schluß folgt.) Zur Geschichte des Kreuzweges. (Fortsetzung.) ll. k. 8. Wie erklärt sich nun die Unsicherheit und Verwirrung jener Zeit? Ein Grund wurde bereits angegeben, es ist das Haus des Kaiphas, in dem Christus gerichtet und verurtheilt wurde, wie in dem des Pilatus. Einen besondern Anhaltspunkt gewährte dabei der hieher versetzte Stein, auf dem Christus gestanden, sowie die Geißelsänle, welche dort gezeigt wurde. In rnonts 8^on scwlasia 8a1vs,toris, yuns ollm tuit äonnis Laipllas. Ibi consuavit ostenäi xars oolunmas, aä czuam kuit uocius wans IiAatus at tiaZoliatus. bannt. III, 14, 8. Letzterer (1321) und Graf Solms (1496) sahen in der Grabkirche zwei solche Säulen, den Theil einer größeren und eine kleinere. Es sind also dem Anscheine nach zwei verschiedene anzunehmen: die eine aus dem Hause des Pilatus, die andere aus dem des Kaiphas. Nach der Zerstörung des erster» (Antonia) kam jene in die Sions- kirche, wo schon Hieronymus sie sah. Als die Mohammedaner vor der Ankunft der Kreuzfahrer dieselbe zerstörten, wurde auch die Geißelsäule zerschlagen. Ein Theil wurde von den Christen in die Grabkirche gerettet, wo sie bereits Säwulf (1103) fand, später Saundo, Zimber (1483), Graf Solms, Fürst Radzivil (1583), und wo sie sich noch befindet. Immer wird berichtet, daß sie aus dem Hause Pilati sei. Ein anderer Theil soll nach der Meinung des Saundo nach Konstantinopel, nach H. v. Zimmer nach Rom und Lyon gekommen sein. Die Der allbekannte Ehrentitel „Llar" (Herr) vor den Namen von Priestern oder Bischöfen ist interessanter Weise im chinesischen Text mit wiedergegeben, was wörtlich „erhabene Tugend" heißt und eigentlich die Wiedergabe des indischen Namens (— Hoch- würden) ist, den sich die buddhistischen Priester beilegten. zweite Säule wurde, wie früher erwähnt, in der Erlöser» kirche (Haus des Kaiphas) verehrt, wie schon der Pilger von Bordeaux (333) und AntoninuS (570) bezeugen,! und kam später theils in die Sionkirche (nach deren Wiederaufbau), theils in die Grabkirche und zuletzt nach Rom in die Kirche der hl. Praxedis. Die Erinnerung hastete aber an dem ursprünglichen Orte, und die angeführten Pilger Johannes v. W., Fratellus u. a. gaben dort nicht bloß den Platz der Geißelung und des nächtlichen Kerkers, sondern auch der Krönung und Verurtheilung durch Pilatus an. Uebrigens sind sie durchaus nicht vertrauenerweckende Berichterstatter, auch abgesehen von ihrer Verworrenheit. Johannes sah an vielen Orten Gemälde und Inschriften, welche auffallenderweise andere Zeitgenossen nicht erwähnen. Er verlegt den Ort des Abendmahls an die Nord-, PhokaS an die Südseite der Sionkirche; dieser setzt die Stelle, wo der hl. Geist herabkam, mitten gegen Osten, Epiphanias gegen Süden, während Arknlf, welcher um ein halbes Jahrtausend dem Geschehnisse näher war, sie genau in Nordost der Kirche seiner Zeit angibt. Durch die Gewaltthätigkeiten der Moslims, namentlich der fanatischen Aegypter und Seldschuken, war eben Alles ins Wanken gerathen, Manches ganz verrückt worden. Von großer Bedeutung war besonders der Umstand, daß der Platz der ehemaligen Burg Antonia wegen seiner einzigen Lage von den'Ungläubigen durchgängig zur Residenz erwählt wurde, wie denn noch bis vor Kurzem der Pascha in der Nähe wohnte und noch eine Kaserne dort ist. Schon dadurch wurden die Christen von dieser wichtigen Stätte verdrängt; noch mehr aber durch das Uebereinkommen, wonach ihnen von dem ägyptischen Chalifen Mnstanser Billah (1063) das Viertel um das hl. Grab zum alleinigen Wohnsitze angewiesen wurde. So mußten sich alle Heilgen Erinnerungen der Stadt auf einen engen Raum zusammendrängen und zum Theil ihren allen wahren Platz verlieren. Diesen Zustand fanden die Abendländer vor, als sie im Jahre 1099 das Land eroberten und die heiligen Stätten restaurirten. Die zwei Kirchen auf dem Sion waren zerstört, nur eine tiefe Höhle am Abhänge, des Berges geblieben, wo die Christen jetzt ihre PctcrsArche (statt der im Hause des Kaiphas) hatten und seine Buße dahin verlegten, daher Hahnschrei genannt oder Gallläa, weil der Herr dort sein Erscheinen in Galiläa verheißen haben soll. Nach der Eroberung wurde die große Marien- oder Abendmahlskirche am ehesten wieder aufgebaut, statt der früheren Peterskirche nur eine Kapelle errichten in deren Gegend mehrfach das Nichthaus des Pilatus »vermuthet wurde (ostsuciitur). Weil sie nahe der Sionyrche war, gerieth vereinzelt die Vermuthung in diese selbst hinein. Bei solchen Restaurationen waren Mißgriffe unvermeidlich, außer der Stadt, wie in Gcthsemane und Jutta, dem Schauplatze von Maria Heimsuchung, der erst seit jener Zeit und gerade von den genannten Beschreiben! vorzugsweise, doch dann allgemein nach Ain Karin verlegt wurde. Durfte ja kein Christ in Hebron, wo die Gräber der Patriarchen sind, und in der Umgegend wohnen. Die Christen aber wollten die Schauplätze der evangelischen Geschichte sehen und ehren. Es sind gewiß mehr als 40 Kreuzwege, welche in Deutschland allein dem Jerusalemer genau nach den Entfernungen nachgebildet wurden. Es kam vor, daß der eine oder andere Pilger, z. B. M. Kötzel von Nürnberg, der das Maß verloren, eigens nochmal hinreiste, um eS sich zu holen. Diese Wanderung der Tradition ist eine Wiederholung jener, welche zu Anfang der christlichen Zeit stattgehabt. 120 Im alten Testamente ist Sion und Tempelberg anf dem Osthügcl, wo der Herr wohnt und angebetet wird (Ps. 2,6; 9, 12; 73, 2; 86, 2 usw.), immer Eins, nur zuweilen wurde der Name auf die ganze Stadt angewendet, aber nie auf den Westhügel allein. Allmählig kam der Name außer Gebrauch, Fl. Josephus, welcher in seinen Alterthümern und dem Jüdischen Kriege die ausführlichste Quelle ist, gebraucht ihn gar nicht mehr. Nach der Zerstörung des Tempels griffen Juden und Christen wieder darauf zurück. Die Juden, weil sie einen Ersatz wünschten für den verlorenen Tempelbcrg. Lange durften sie in Jerusalem nicht wohnen und erst allgemach siedelten sie sich unvermerkt auf dem südlichen Theile des Wcsthügels au, der seit der Zerstörung außerhalb der Stadtmauer liegt, und klammerten sich an die Gräber Davids und Salomons, welche von da an dort als auf dem Sion gesucht wurden. Die Muhammedaner traten in das Erbe ein und betrachten das Grab Davids (Nebi Daud) als eines ihrer größten Heiligthümer. Die Christen erkannten in der Zerstörung die Erfüllung der Weissagung Christi und eine gerechte Strafe dafür, daß die Juden das Heil von sich gestoßen. Deßwegen ließen sie den Tempel in seinen Ruinen und erwählten gleichfalls den Westhügel zu ihrer Verehrung und Wohnung. Die Anserwählung war von den Juden anf die Christen übergegangen, das Heiligthum von dem alten Sion auf den neuen. Sowohl der Apostel Petrus (I., 2, 6) als der hl. Paulus (Nöm. 9, 33) erinnerten an die Weissagung des Propheten Jesaias (28, 16) „Siehe, ich setze in Sion einen Eckstein, einen auserlesenen, kostbaren; wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden." Christus ist der Stein» den die Bauleute verworfen haben, der aber dann zum Eckstein geworden ist. (Matth. 21,42; Apostelgesch. 4, 11). In der Sionkirchc wurde demnach ein Stein gezeigt, den die Bauleute verworfen haben (Antoninus v. P.) Statt der vielen altteftamentlichen Opfer auf dem Osthügcl hat er Eines vollbracht, aber das höchste, auf Golgatha im Westen und zur Vervielfältigung und Aneignung der Früchte desselben hat er das immerwährende Opfer eingesetzt auf der Höhe des Westhügels. „Ihr seid hingetreten zum Berge Sion, zum himmlischen Jerusalem, zu des Neuen Testamentes Mittler Jesus" (Hebr. 12, 22). Zudem kam ebendort der hl. Geist auf die Apostel herab zur Fortsetzung des Werkes Christi. Für den Christen ist demnach der Westhügel mit vollstem Rechte der Sion und dieser Name soll ihm bleiben in Ewigkeit (Ps. 71, 19; Dan. 2, 44). Wie schon erwähnt hielt man nur kurze Zeit dafür, daß der Anfang des Leidensweges, das Nichthaus des Pilatus, aus dem Sion gewesen sei. Doch war diese Meinung auch damals nicht allgemein. Die Ossta. I'ransorum Hisrosol^iuaw sxpugnantiuin 6ap. 25 (ca. 1108) versichern: Rase intra nrdsva g, ticisliinm vsnsrantur: bluZsIIatio ckssu Oüristi at^us eoro- nntio st äsrisio st cstsra, guas pro nodis psrtnlit. Lsä non tasils usti tusrnnt nuno soAnosoi xossmit, eum eivitas ipsa totalitär postsa ässtruota athns äsleta 8it. Der Ausdruck intra urdsin schließt das Haus des Kaiphas aus, weil es außerhalb der Stadt lag. Wo intim nrbem tiagsllatio atgus sorouatio, demnach der Anfang war, besagt die ununterbrochene Ueberlieferung von den ältesten Zeiten bis heutzutage, welche zudem in der hl. Schrift und der Geschichte begründet ist. Die Hanptburg in Jerusalem war die Antonio an der Nordwestseite des Tempelplatzes, welche Herodes d. Gr. erbaut und zu Ehren seines Gönners Antonins benannt hatte. „Sie war auf einen Felsen erbaut, 50 Ellen hoch. Inwendig hatte sie den Umfang und die Pracht eines Königspalastes und zählte verschiedene Abtheilungen zu allerlei Zwecken: Wohnungen, Gallerien, Vorplätze, Bäder und geräumige Höfe, welche zur Unterbringung der Soldaten sich eigneten, so daß sie alle Bedürfnisse in sich schloß, einer Stadt, an Stil und Pracht aber einem Königsschlosse gleich. Wo sie mit den Tempelhallen in Verbindung stand, liefen links und rechts Treppen hinab, auf denen die Wachen herabfliegen. Denn regelmäßig lag darin eine starke römische Besatzung, um an den Festzcitcn das Volk im Auge zu behalten, daß es keinen Aufruhr gab." Joseph. Jüdischer Kr. V. Das war also der Platz, wie ihn die Römer für ihre Zwecke sich nicht günstiger wünschen konnten. Für sie war vor Allem der militärische Gesichtspunkt, die Beherrschung des Tempels, namentlich bei einem großen Zusammenströmen des Volkes zur Osterzeit, maßgebend. Nebenbei boten die weitläufigen Räumlichkeiten rückwärts alle Annehmlichkeiten einer prächtigen Wohnung. Selbst nachdem die Herrlichkeit zerstört war, erkannten die nachmaligen nurhammedanischen Herrscher die Vorzüge und wohnten dort. Es wäre unbegreiflich, wenn der kluge Pilatus in jener aufrührerischen Zeit, wo Barabbas kaum erst abgeurtheilt war, dort nicht gewohnt hätte gerade zur Osterzeit. Der Ort, wo Christus gerichtet wurde, wird vom hl. Johannes (19, 13) lütliostrotus und zwar Gabbatha d. i. Hochpflaster genannt. Ein Pflaster von großen viereckigen Platten wurde denn auch bei dem Ban des Klosters der Stonsschwestern, anstoßend an die ehemalige Burg, gefunden, ist jedoch kein Hochpflaster, sondern scheint als Hof gedient zu haben, wo das Volk vor dem Palaste sich versammelte. Dagegen findet sich im Hofe der jetzigen Kaserne, welche unzweifelhaft zur Antonia gehörte, ein solches altes, wirklich hochgelegenes Pflaster. Dort konnte Pilatus öffentlich Gericht halten und das ini Hofe unten versammelte Volk Alles sehen und hören?) Zur Lage stimmt auch der Lass fioino- Bogcu, das Stück einer Gallerie, von der aus Christus dem Volke vorgeführt wurde. Matthäus (27, 27) und Markus (15, 16) berichten übereinstimmend, daß nach der Geißelung, welche Pilatus selbst durch seine Soldaten hatte vollziehen lassen, die ganze Cohorte zur Dornen« krönung sich versammelte. In Jerusalem war aber vor dem jüdischen Kriege nur 1 Cohorte sammt 1 Fähnlein Reiter, und lag in der Antonia. Daß überhaupt eine geordnete Hcerschaar, bei Josephus nur eine Cohorte bedeute, erhellt daraus, daß der Höchstcoinmandirende ein Chiliarch, Befehlshaber über tausend, war. Unwider- leglich folgt daraus, daß Pilatus bei der Cohorte in der Antonia war. (Forts, folgt.) Christliche Kirnstintercssen. Kirchenrestaurirungen in Bayern. I. I'. b'. Als die nach außen vom Zahne der Zeit und im Innern nicht weniger durch den wechselnden Gc» °) Bei der Herodesburg in der Nähe der Citadelle wurde schon viel gegraben, jedoch kein solches Pflaster gefunden, wird auch in der Tradüion auf Sion nirgends erwähnt, sondern nur die darnach benannte Kirche. 121 schmack mitgenommene Frauenkirche kn Nürnberg von dem frühern Director des Germanischen Museums, Dr. Aug. Essenwein, so gründlich restaurirt wurde, daß man mit dein aufgewendeten Gelde ganz gut eine geräumigere Kirche hätte neu aufführen können, da war es doch ein Glück für das architektonische Schatzkästlein auf dem grünen Markte, daß es nicht gar viel an der plastischen wie malerischen Dekoration zu erneuern resp. zu ergänzen gab. Die Innenwände mit neuen alten Mustern und Teppichen von oben bis unten, wie beabsichtigt, zu bemalen, verhinderten die alten von Pros. Eberlein in Nürnberg entdeckten und dann auf Anordnung der Regierung aufgefrischten naiv aumuthigcn Wandbilder, die meist aus der Zeit der Erbauung der Kirche (1355 bis 1361) stammen. Diese wurden vom Director Essenwein in ihren Lücken ergänzt und vom Dekorationsmaler I. Looseu neu übermalt. Die großen Gruppen der scharf stilistisch bewegten Gestalten auf den zwei Streifcnbildern aus der Legende der hl. Ursula über dem Marienaltare, in den der Zeit eigenthümlichen feinen, gebrochenen Farben, machen vor andern einen feierlichen Eindruck. Die Scenen aus der Legende und dem Martyrium der Heiligen unter den Fenstern zeigen Gestalten von der Lieblichkeit und Anmuth derer aus der Kölner Schule. Auch Einzelfiguren, farbige Wcihckrenze nebst Todtenschilden sind über die Wände vertheilt. Den an der Nordwand des Chores befindlichen zwei größer» hl. Franengestalten von strengem Stil und schöner Zeichnung gegenüber macht der kolossale, von einer Mauer- lücke mitten entzwei geschnittene, neue St. Christoph mit seiner nicht gerade idealen Figur und seiner flachmaler- ifchen dekorativen Technik einen etwas kölnischen Eindruck. Von all den Wandmalereien im Innern der Kirche sind aber glücklicherweise die zwei etwas spätern, prachtvoll componirten und vollendet gezeichneten Gruppen an der Wcstwand unterhalb der Orgelempore — (nunmehr durch je einen Leinwandüberzug und Beichtstuhl verdeckt!) — von der Hand des Dekorationsmalers oder „Nestaurators" verschont geblieben. Von ihnen ist besonders die nördliche, die Madonna mit dem Kinde von Heiligen umgeben darstellend, noch gut und mit scharfen Contouren erhalten. Diese Perlen spütgothischcr Malerei von imponirender Gesammthaltnng und feinster Linienführung harren noch immer der verständnißvollen Renovation durch die sichere Hand eines durchgebildeten Künstlers. Die Säulen wurden mit den neuen, von Essenwein gezeichneten, spätgoihischcn Figuren der Apostel nnd der vier großen Kirchenvüter mit Spruchbändern durch Loosen bemalt. Den Fußboden ließ Ersterer in Mosaik mit denselben romanisch gehaltenen Darstellungen der vier Elemente, der Lebensalter (im Chöre: des fruchtbaren nnd unfruchtbaren Baumes und der Paradiesesströme) belegen, die er an der Decke des von ihn: rcstaurirten romanischen Domes zu Vrannschwcig hatte anbringen lassen. Wie der Fußboden nach der Auffassung der Alten als ein Sinnbild der Erde, so sollte das Deckengemälde als Sinnbild des Himmels erscheinen. Darum ließ Essenwein den obern Rand der Pfeilerkapitäle mit 48 neuen vergoldeten Engeln, mit Musikinstrumenten in den Händen, besetzen. Früher waren solche jedenfalls nicht vorhanden. Die neun Schlußsteine des dreithciligen gleichhühcn Hallcnschiffes mit Darstellungen des Marien- cnltes nnd eines Christnskopfcs erhielten ihre alte Be- malnng. Der neue, unter den Fenstern des Chores umlaufende Teppich ist mit den symbolischen Bildern der lauretanischen Litanei bedeckt. Wie die imponirenden, ächt statuarischen ältern Standbilder des Chores (Kaiser Karl IV. nebst Gemahlin Maria und die heiligen drei Könige), dann die über dem Gesimse mit ihren Leuchter» knieendcn lieblichen Engel, so wurden auch die wie jene Engel meist der Spätzeit des XV. Jahrhunderts angehörenden Scnlptnren des Schiffes — außer dem wundervollen Pergeusdörfer'schen Grabdenkmal von gedunkeltein grangelbem Stein an der Nordwand, das im starken Hochrelief unter einem reich durchbrochenen Spitzgiebel eine herrliche jungfräuliche Madonna mit einem kindlich lebhaften Jesuskinde zeigt, die von zwei Engeln gekrönt wird, während zwei andere ihren Mantel über die Schutz suchende Christenheit ausbreiten, ein Werk Adam Kraffts vom Jahre 1499 — sowie auch der ungewöhnlich reiche Bildschmuck des Innern der Vorhalle neu polychromst, sowie die Bilder der personificirten Tugenden Mariens und darüber der klugen und thörichten Jungfrauen an den Seltenwänden der Halle frisch aufgemalt. Am kräftigsten und verhältnißmäßig am brillantesten erscheint gerade die Polychromirnng dieser Vorhalle, des Paradieses, das bis dahin wie in schwarzer Nacht der Vergangenheit begraben lag und nun, gleichsam aus den dunkeln Schatten des Todes erstanden, den Eintretenden wieder mit dem seinen erhabenen Raum erhellenden neuen Gold- und Farbenglanze stimmungsvoll anmuthet. Diese concentrirte und erhebende malerische Wirkung, welche von den polychromsten Statuetten nnd Reliefbildern im Tym- panon der innern Eingangsthüre und den neuen, voin Schlußstein ausgehenden und zu den Gewölbekappen sich hinziehenden, theils figürlich symbolischen, theils ornamentalen Malereien ausgeht, wird vorherrschend erzielt durch den kräftigen Zusammenklang der drei dominirenden Farbcutöne. Es sind die Grundfarben Roth, Gold (Gelb) und Blau, welche nach dem Gesetze der Farben- vertheilung zum Ganzen sich genau ausgleichen lind nur durch wenig Grün in den Hohlkehlen, Fialenblenden, Sockclgründen und an den innern Flächen der Drapir- ungen abgelöst werden, unten jedoch in ein sattes Noth- braun der Wandsockel und oben am Gewölbe in eir nuancirtes Blau als Untergrund der symbolischen Ring- nnd Strnhlenkreise, der Cherubim, Seraphim unk Throne, übergehen. Für einen solchen spärlich beleuchteten Raum, wie unsere Vorhalle, ist eine so kräftige Polychromirnng in Glanzgold nnd den ungebrochenen Grundfarben, schon zur Erzielnug einer möglichst deutlichen Anschauung des Bildschmnckes, gewiß berechtigt, ja geboten. Für ein lichchellcs und zugleich so beschränktes Interieur würde die konsequente Bemalnng in den vollsaftigcn, ungemischten Farbentönen, wie sie mit dem Pinsel aus dein Farbcntopfe genommen werden, einem modernen Auge doch zu — beleidigend erscheinen; außer wenn sie in nicht zu langer Zeit durch Staub und Rauch zu dunkeln („pa- tiniren") Aussicht böte. Die drei Fenster des östlichen Chorabschlusses wurden von Essenwein in ihrem bildlichen Inhalte nach den wenigen noch vorhandenen Scheiben rcconstruirt (Pfingst- fest, Himmelfahrt Mariens, Hierarchie der Kirche rc.) — und nebst den andern von Glasmaler Klans in Nürn- berg ausgeführt. Sie bilden ein einheitliches Ganze in Zeichnung und Farbe nnd legen vor allem ein glänzendes Zeugniß ab von der gründlich ausgebildeten archäolog» 122 ischcn Kunst dcs Ersieren. Könnte sie doch selbst der Kenner nach Stil und Technik — bis anf die ja nicht ganz zn erreichende Tiefe der Leuchtkraft — fast für „echte" halten! Weniger einheitlich wirken die sehr verdunkelnden Fenster im Schiffe, in welchen die mit vielem Silberweiß durchsetzten weichfarbigcn alten Wappenbilder ergänzt wurden durch nicht ganz passende, in der Jnnsbruckcr Glasmalerei nach den Entwürfen des ch Pros. I. Klein in Wien hergestellte Krcnzwegstattonen, die mit ihren kribbeligen, schattenschmntzigen Bekrönungen, den schweren Tcppichanhängscln und den obern dnnkelgründigen rothen und blauen Scheiben es zu keiner rechten Harmonie kommen lassen. Sie machen auch die Kirche, die an sich schon durch die sie im Süden und Osten im geringen Abstände umgebenden Häuser verdunkelt wird, noch dunkler, so daß das Innere im Winter wie in Nacht gehüllt wird. Schon in spätgothischer Zeit hat man bei der Liebe, durch reichste Fenstcrbemalimg ein möglichst abgeschlossenes, stimmungsvolles Interieur zu schaffen, dadurch wieder das Innere nehr zu erhellen und ein klarer beleuchtendes Licht zu gewinnen gesucht, daß man die obere Hälfte der hohen Fenster mehr mit lichtem, durchsichtigerm weiß- und goldfarbigem Maß- und Rankenwcrk ausfüllte und sonst auch mehr das hellende Silberweiß verwendete. Damit die Beter in der Frauenkirche im Winter lesen können in ihren Gebetbüchern, wird nichts anderes übrig bleiben, als etwa die unterste und dritte Reihe der verdunkelnden Glastafeln zu entfernen und die andern herunterzurücken. Im Ganzen verfehlt aber die brillante Farben- harmonie der Glasgemälde des Chores im Verein mit der Leuchtkraft der alten Tafeln im Schiff, sowie die warme, von dem gebrochenen Lichte der farbcnsatten Fenstergläser mystisch gedämpfte Stimmung des ganzen, so reich dekorirtcn Interieurs nicht ihre unmittelbare, feierlich ansprechende Wirkung. Der durchgehende (durch Umbra und Ocker hergestellte) feine rehbraune Ton, der an der Decke um eine leichte Abstufung Heller erscheint und an den Säulen in ein zartes, ansprechendes Ockergelb übergeht, mag vielleicht Manchen im ersten Augenblicke eigenartig berühren, wird jedoch bald, durch die ihn belebenden Elemente, nämlich die dekorativen und bildlichen Malereien an den Wänden, Säulen und Profilen, harmonisch aufgelöst, immer angenehmer berühren und zu jener feierlichen Wirkung nicht unwesentlich beitragen. In die Detaklbetrachtung des Figürlichen, so der nicht stehen und gehen könnenden Apostel an den Säulen, darf man sich freilich nicht einlassen, um nicht sogleich an die Mache, die stets gcist- und seelenlose bloße Imitation, erinnert und — verstimmt zu werden. Die von dem Kölner Maler Kleinertz gefertigten innern Flügelbilder dcs Hochaltars — die auf der Rückseite sind ohne künstlerischen Werth! — zeigen dagegen, daß ein durchgebildeter Meister der Technik von naiv-gläubigem Gemüthe allenfalls im Stande ist, sich die Kunstsprache einer geschichtlich abgeschlossenen Periode anzueignen und in ihr annehmbare Bilder in besserer alter Form zu schaffen. In besserer alter Form. sagen wir, d. h. in Anlehnung an die bedeutenden' Künstler der Vergangenheit, an die wirklichen Altmeister, nicht an ihre Gesellen und Knechte, die ebenfalls nur in deren Hand Werks zeuge sich zu bewegen verstanden. Das allermeiste, was uns von der Kunst des Mittelalters erhalten blieb, dürfte aber gerade von der Hand der bloßen Gesellen der alten Kunstwerlstätterr herrühren. Leider sind nun gerade auch unsere Architekten vielfach schon zufrieden, wenn die für sie arbeitenden bildenden Künstler nur das rein Aenßere, die den alten Stil rein äußerlich charakterisirende ungefähre Haltung, Bewegung oder Linie in ihren Gebilden zu treffen wissen, wenn es diesen auch an der von innen heraus belebenden und bewegenden Kraft und damit an aller ergreifenden und überzeugenden Wirkung fehlt. So wollte auch Essenwein die Herstellung des neu zu ersetzenden plastischen Schmuckes an Figuren und Ornamenten lieber in einer improvisirten eigenen Bauhütte durch gewöhnliche Handwerker und Techniker anf dem Wege einer tastenden Imitation alter ruinöser Stücke, als durch die frei modelltrende Hand geschulter Bildhauer besorgen lassen. Die Folge davon konnte aber nur diese sein, daß nicht nur die Wasserspeier, Krabben, Kreuzblumen, Friese und andere ornamentale Stücke der Architektur, sondern auch das noch mehr in die Augen springende felbst- ständtge Figurenwerk bezüglich der Zeichnung, resp. Empfindung weit hinter dem Alten zurücksteht. — So sieht die unten am Nordwesteck der an herrlichem plastischem Bilderschmucke so reichen Hauptfa^ade stehende große Madonna aus wie eine zu einer unmöglichen „gothischen" Stellung gezwungene Puppe, der man aus einer modernen Garderobe einen altzugeschnittencn Ueberwnrf umgethan hat. Der unter der Draperie befindliche Körper ist kein von Leben und Schönheit putschender Organismus, sondern ein zu einer „Figur" zugehauener Steinklotz, und aus dem todten Antlitze schaut kein empfindender Geist. Nun hatte aber gerade in der Zeit des XIII. und XIV. Jahrhunderts die deutsche Bildnerei eine in diesem Umfange nicht mehr dagewesene Höhe sozusagen klassischer Ausbildung erreicht. In Nürnberg nehmen neben andern auch die Bildwerke der Frauenkirche von Schonhöfer bereits eine hohe Stufe der Knnstentwtcklnng ein und verbinden bet der zeitgemäßen Weichheit der Formenbildnng im Allgemeinen zugleich mit einer gewissen Großheit eine sehr liebenswürdige Anmuth der natürlichen Erscheinung; dabei behaupten jedoch gegen alle übrigen Erfahrung e n gerade hier die ganzen Figuren und ihre naturgemäße Bewegung einen entschiedenen Vorrang vor der mehr in allgemeinen Zügen gehaltenen Ausbildung der Köpfe. Man kann sagen, daß in der deutschen Bildnerei ein eigentlicher, zugleich volksthümlicher Bildnerstil, gleich weit entfernt von dem früher überwiegenden Einfluß der Baukunst, sowie dem spätern der Malerei, nie auf dieser reinen ungetrübten Höhe stand (couk. die Figuren am Schönen Brunnen!), „und unsre Bildhauer könnten hier ebensogut in die Schule gehen, wie bei den uns immer fremd bleibenden Griechen und Römern".*) Der Unterschied zwischen der schwerfälligen Mache des neuen und dem mit elegantem und leichtem Meißel gearbeiteten alten Figurenwerk dürfte auch dem ganz un- geschulten Auge auffallen. Recensionen nnd Notizen. Koch-Breuberg Friedr.: Siegfried der Träumer. Roman aus den letzten Jahrzehnten. Innsbruck, Waaner'sche Universitäts-Buchhandlung, 1897. gr.- 8° (303 S.) * Ueber diesen s. Z. bereits angezeigten Roman findet sich im „Oesterreich. Literaturblatt der Leo-Gesellschaft folgende Recension: „Der hohe sittliche und religiöse Ge- *) „Nürnbergs Kunstleben" .. R. v. Rettberg. S. 33. 123 halt des vorliegenden Romanes, verbunden mit einem reinen Idealismus, erheben ihn hoch über das Niveau des Mittelmäßigen. Was oft an natürlicher, lebenswahrer Ausführung einzelner Handlungen und in Schilderung mancher Charaktere fehlt, ersetzt Verfasser durch das Streben, den Werth der kathol. Religion als moralischen Halt für den Einzelnen lowohl. als auch in volkswirth- fchaftlicher Beziehung znm Bewußtsein zu bringen. In trefflichen Worten weist er nach, daß man auf die Verrohung der Massen nur einwirken könne, wenn man ihnen den Glauben an Gott gibt und ideelle Güter in il>re Seele legt. Der Verfasser hat seinem Werke die Form eines Romanes wohl deßhalb gegeben, auf daß es einen weiteren Leserkreis gewinne und der flute Same in viele Herzen gelegt werde; und schon aus diesem Grunde, spräche auch sonst nicht der ganze eigenartige und interessante Bau des Romanes dafür, ist dein Buche ein großer Erfolg zu wünschen." Hug, Die christliche Familie ,m Kampfe gegen feindliche Mächte. Vortrage über christliche Ehe und Erziehung. Dritte, vermehrte Auflage. 424 Seiten mit Stahlstich. Freiburg (Schweiz), Uni- versitäts-Äuchhandlung (B. Veith). Preis gebund. M. 3,20; in feinem Geschenksband M. 4,—. Daß ein ernstes Buch, welches die Gelüste und Leidenschaften der menschlichen Natur energisch bekämpft, innerhalb Jahresfrist in dritter Auflage erscheinen kann, ist wohl die beste Empfehlung für das Werk, und könnten wir iiiis mit diesem kurzen Hinweis begnügen. Da das Werk jedoch eine ebenso zeitgemäße und wichtige wie schwierig zu behandelnde Aufgabe mit großem Tact und eben solchem Freimut!) löst. und zwar in solcher Form und Sprache, daß der Hochgebildete das Buch mit großem Interesse liest, und der Mann aus dem Volke jeden Satz versteht, beiden aber beim Lesen wann wird und der Wille bewegt wird, möchten wir, wenn auch nur kurz, auf den reichen Inhalt naher eingehen! In 42 Vortrügen behandelt der Hochw. Verfasser ziemlich alle Fragen, welche ha _ . . .. . . _ „ . christliche Eheleute für sich und ihre Kinder zu wissen nothwendig haben. Ausgehend von der Mutter- und Vaterwürde wird zunächst der Weg zu einer glücklichen Ehe gezeigt, der sacramentale Charakter der Ehe dar- gethan und den Brautleuten vor Augen gehalten, wie sie die Ehe einzugehen haben; es folgen 10 Kapitel über die Erziehung, drei weitere über die Lectüre; Beruf und Standeswahl sind drei Vortrüge gewidmet: es werden noch einzelne specielle Pflichten gegen Gott und den Neben- menschen behandelt, um in zwei begeisterten, tief ergreifenden Vortragen über «Christliche Familie und Arbeiter" auszuklingen. Eine Lösung der socialen Frage in knappster Form, wenn nur die Lehren befolgt würden. Daneben werden in den einzelnen Vortrügen eine große Anzahl anderer wichtiger Punkte berührt und Fehler bekämpft, z. B. die Sucht nach neuen Andachten und Bruderschaften, die Ueberhandnahme von Vereinen, auch frommer und an und für sich lobens- werther, die wachsende Oberflächlichkeit usw. Ein wahres Volksbuch, dem wir den Eingang in alle katholischen Familien wünschen möchten: für den Hochw. Scelforg-Klerus eine reiche Quelle von Anregung und Stoff für Predigt und Katechese. — Ein treffliches Fest- und Brautgeschenk. L. 8. Das neue Universitätsgebäude zu Würzburg. dessen Baugeschichte und Einweihungsfeier, im Namen des Akademischen Senates veröffentlicht vom Rectorate der Universität Würzburg. Mit 1 Titelbild. 7Ab- bildnnflcn und Grundplänen. Würzburg, Druck der Königlichen Universitäts-Druckerei von H. Stürtz 1897. Preis 3 M. Die Festschrift zerfällt in 5 Theile. Der Baugeschichte der neuen Universität (1 — 23) folgt die Beschreibung der Eiuweihungsfeier (24—78): Abschied von der alten Universität, Einzug in die neue, Rede des Rectors Lenke, der einen interessanten historischen Ueberblick über die Entwickelung der Unterrichtslocale an den Universitäten gab. Rede des Cnltusministcrs. Bcglückwünschungen durch Abgesandte der Universitäten Erlangen und München, durch den Bürgermeister von Würzburg. Verkündigung der Ehrenpromotionen. Die ideenreiche Rede des neuen Rectors Schell. Daran reiht sich die Schilderung des Festmahls (79—99), des Festcommerses (100—119), beide mit einem überreichen Menü von Reden ausgestattet. Den Schluß bildet die Beschreibung (120—126) des neuen Universitätsgebäudes. Beigegeben sind in ivohlgelungener Ausführung als Titelblatt der Mittelbau der neuen Universität, im Texte eine Hofansicht des alten Universitäts« gebäudes mit dem Thurm der Neubaukirche, eine Totalansicht der neuen Universität, die Aula, Vorhalle und Vestibül, das Stiegenhans m der neuen Universität. Dazu kommen 4 Grundpläne. Die Redaction der Festschrift wird Herrn Pros. Dr. Henn e r verdankt. Das Ganze, vornehm ausgestattet, wird nicht bloß den Theilnehmern an der Festferer eine angenehme Erinnerung, sondern auch allen früheren Angehörigen der Würzburger Universität eine in vielfacher Hinsicht interessante Lectüre sein. Dr. F. Hoffmann, Die Verehrung und Anbetnng des allerheiligsten Sacramentes des Alk tars. Kempten 1997. Ll. L. Das Werkchen bietet für die Verehrung des höchsten Gutes der Kirche, des allerh. Sacramentes, eine Stütze durch die Darstellung ihrer Geschichte. Die Grundlage ist gegeben in der Erörterung der dogmatischen Lehre der Kirche, und so stellt der Verfasser zuerst die Frage: war eine Anbetung des Sakramentes nach dem Glauben der Kirche allezeit möglich, auch in den ersten Tagen des Christenthums? Er zeigt, daß diese Frage mit Ja! beantwortet werden müsse, und beivcist im Anschlüsse hieran, daß man auch die Konsequenzen aus der Lehre gezogen habe. Auf dieser sicheren Grundlage läßt der Verfasser die Entwickelung der einzelnen Formen des cncharistischen Cultus vor unsern Augen sich vollziehen, indem er die wichtigsten Zeugnisse der Schriftsteller und der Liturgien des Abend- und Morgenlandes erörtert. So erhalten wir ein lichtvolles Bild von dem Stand der eucharistischen Verehrung zu allen Zeiten in der Kirche und erkennen in dem Culte unserer Tage nur die volle Ausbildung des Früheren. Besondern Werth verleiht dem Buche, daß der wissenschaftliche Gegenstand in ansprechender, populärer Darstellung behandelt ist. Wir schließen uns der Empfehlung im Amtsblatts für München - Freisiug (1897 S. 164) an; dasselbe sagt: „Das Büchlein kann nicht bloß Studirenden der Theologie, sondern allen Gebildeten, die sich für religiöse Dinge interessiren, bestens einpfählen werden." Antiochus. Drama in 3 Akten von Hans Eschelbach. Kempten. Kösel, 1897. 8°. 196 S. Der Verfasser ist kein Ankömmling in der zeitgenössischen schönen Literatur. Dramatische Dichtungen, eine Sammlung eigener Poesien, Natur und Literaturbilder und Aehnliches liegt bereits vor, womit der Kölner Dichter allenthalben bei der Kritik zur Anerkenuung gelangt ist. Sein „Antiochns", auf einer dichterisch freien Behandlung des Makkabäerkampfes beruhend, verräth ersichtlich ein starkes Talent und tüchtiges Bühnenverständ niß, mag man auch hie und da noch auf einen gewissen Ueberschwaug der Diktion — die Metrik ist sehr gewandt gehandhabt — und eine Vorliebe für krasse Effekte stoßen. Bei einer mehr energischen Zusammenfassung der dramatischen Fäden und rhetorischen Zwiegespräche könnte das Stück an scenischer Wirksamkeit nur gewinnen. Die Sprache hat Mark und Schwung. Bühnentechnische Schwierigkeiten stellen sich nirgends ein. Daß es nicht recht zu einer Entwicklung der Charaktere kommt und die nothwendige Klimax in der Struktur der Gesammthand- luug etrvas unklar durchscheint, das liegt an dem ins Epische spielenden Stosse selbst. Bühnenfähig ist das Drama und eine kraftvolle Dichtung. — 2 . Antonius von Padua. Jllnstr. Zeitschrift für alle Verehrer des Heiligen, herausgegeben von Franziskaner-Patres der Provinz „Antonius von Padua". (Verlag der Jos. Hochueder'schen Buchhandlung sH. Wcitlj, Landshnt, Bauern.) 12 Monatshefte 1 M. 20 Pfg.; dircct durch die Post 1 M. 70 Psg. Diese Zeitschrift, deren vollständiger in. Jahrgang (1896) uns vorliegt, ist die erste, welche zur Verehrung dieses Heiligen ergchieneu ist. Dieselbe bringt in monatlichen Heften von je 32 Seiten gediegene, praktische Abhandlungen. Erzählungen und Gedichte für Geist und Herz. Für jeden Monat ist eine eigene Gebctsmeinnng angegeben, in einer besonderen Rubrik lassen die zahlreichen Verehrer dieses Heiligen ihre Danksagungen für die durch den hl. Antonins erhaltenen Gebetserhürungen veröffentlichen. Die Ausstattung ist schön und der Preis für den ganzen Jahrgang ein sehr mäßiger. Möge diese segensreiche Monatschrift bei Beginn des 4. Jahrganges allerorts Eingang finden!_ Die Stndienordnnng der Gesellschaft Jesu. Mit einer Einleitung von Bernhard Duhr 8. .7. gr. 8°. (VIII u. 280 S.) M. 3; geb. in Halb- franz M. 4,80. — Freiburg i. Breisg.; Herder'sche Verlagshandlung 1896. Gegenstand dieser Schrift ist die für die Geschichte des Unterrichts so wichtige Ratio stnctiornm der Jesuiten, welche zwei Jahrhunderte an den Gymnasien, Seminarien und Universitäten der katholischen Welt in Uebung und Geltung war und für manche das Gebiet des höhcrn Unterrichts betreffende Fragen auch heute noch den Weg zur Lösung zeigt oder diese selbst gibt. Der erste oder einleitende Theil handelt von deren Geschichte und Quellen und weiterhin von den in ihr zum Ausdruck gebrachten pädagogis chen und didaktischen Grundsä Heu, wobei mancherlei betreffs derselben verbreitete Irrthümer und herrschende Vorurtheile treffende Widerlegung finden. Der zweite Theil gibt in fließender Ueber- fetzung den Text derselben, und zwar sowohl den ursprünglichen als den veränderten, jedoch mit Meidung der Wiederholungen, recht übersichtlich. Ein Personen- und Sachregister krönt die vortreffliche Arbeit, für welche der Verfasser den Dank aller beän- svruchcn darf, die sich für das höhere Unterrichtswesen rnteressiren oder irgendwie bei demselben mitwirken. Grundzüge der Beredsamkeit mit einer Auswahl von Musterstellen aus der rednerischen Literatur der ältern und neuern Zeit. Von Nikolaus Schleiniger, Priester der Gesellschaft Jesu. Fünfte Auflage. Neu bearbeitet und erweitert von Karl Racke 8. 7. 8". (XVI u. 552 Seiten.) M. 3,80: geb. in Halbfranz M. 5,40. — Freiburg im Breisgäu; Herder'sche Verlagshaudlnng 1896. Die Neubearbeitung von Schleinigers „Grund- züge" in dieser, nach des Verfassers Heimgang von seinem Ordensgenossen ?- Racke besorgten Auflage ist eine allseitig gründliche, zweck-und sachgemäße: auch die Erweiterung durch Zusätze, besonders im Anhang durch Hinzufügung neuer Müst erstellen, eine beträchtliche. Den Schluß bildet ein ausführliches Wort- und Sachregister. Durch die geschickte Bearbeitung ist das Buch noch mehr als schon bisher geeignet, die Lust zum rhetorischen Studium anzuregen und dasselbe ebensowohl möglichst leicht als praktisch und erfolgreich zu machen. „Alte und Neue Welt." Jllustrirtes, katholisches Familienblatt. Verlag Äenziger n. Comp. in Einsiedeln. Preis eines Heftes großen Formats von 68 Seiten Umfang 50 Pfennige. — Das Märzheft, soeben erschienen, hat folgenden reichen, mannigfaltigen und interessanten Inhalt: „Unter dem Banner von Bogen." Historische Erzählung von Anton Schott. „Die Geschichte eines Hexenmeisters. Eine Waldgeschichte von Margarete Marie von Oertzen. „Niemals." Skizze von Leo van Hufen. „Das Heidehans." Eine altmodische Geschichte von Blak Geißler. „Das Bankdepot." Humoreske von Bruno Sparta. „Die Piloten des Luftmeercs." Von Hans Eiden. (12 Jllnstr.) „Der Todtengräber." Von Th. Bertholt). „Eine neue Gasglühlampe." Von Or. Max Wildermaun. (3 Jllnstr.) „Flüssige Luft." Von A. Dix. „Der letzte Ausbruch des Ararat." Von Horst Wolfram. „Der 'apostolische Dele- aat in Ostindien." Don einem Priester der Gesellschaft Jesu. (3 Jllustr.) „Rübenthaler." Von G. Vudinski. (2 Jllustr.) „Eine Fahrt auf englischen Eisenbahnen." Don Oi-, E. Ä. Heine. „Die Namen der Wochentage. Von H. Reif. „Die Pest und die Parsi in Bombay." Von K. M. (3 Jllustr.) „Das neue französische Feldgeschütz." Von M. Noda-Noda. (3 Jllnstr.) Hierzu kommen noch das reich illustrirte Allerlei, die stets anregende Beilage für Frauen und Kinder und die immer sehr aktuelle Rundschau. Ein solcher Inhalt dürfte für sich selber reden. Jede besondere Empfehlung scheint da überflüssig. Frühlingsreif. Eine sociale Tragikomödie in 5 Akten von Gottfried Lütter. Wcucheim, Ackermann. 1896. 8°. 134 S. G Eine Copie nach Sudermann und zwar eine schlechte. Nicht mehr werth als die Ebers-Copie: Timophyt. Erzählung aus dem alten Aegypten von Alfred Hennig. Ebenda. 1896. 8°. 82 S. Literarische Rundschau für das katholische Deutschland. Herausgegeben von Dr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreiundzwanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M.9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 3 u. A.: Neuere Predigtliteratur. (Kcppler.) — Zenner, Die Chorgesänge im Buche der Psalmen. (Hoberg.) — Poggcl, Der zweite und dritte Brief des Apostels Johannes. (Fetten.) — Hauviller, Ulrich von Clritty. (Wurm.) — RisrttnZ-, Da Rnssis st 1s 8aint-8i«AS. (Paulus.) — Hittmair. Die Lehre von der unbefleckten Empfängniß an der Universität Salzburg. (Schanz.) — Hontheim, Der logische Algorithmus. (Braig.) — Kaufmann, Elemente der Aristotelischen Ontologie. (Pfeifer.) — Becker, Die christliche Erziehung oder Pflichten der Eltern. (Prnner.) — Wolfs, Lesebuch für Fortbildungsschulen. (Ziegler.) — Baumann, Die zwölf Artikel der ober-schwäbischen Bauern von 1525. (Glasschrödcr.) U.s.w. — Nachrichten. — Büchertisch. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1697. Zehn Hefte, M. 10.80 (oder zwei Bände ä M. 5.40). Freiburg i. Br., Herder'sche. Verlagshandluug. — Durch . die Post und den Buchhandel. Inhalt des 2. Heftes: Der Materialismus in Indien. I. (I. Dahlmann 8. .7.) — Lohnvertrag und gerechter Lohn. II. (H. Pesch 8. 7.) — Das Grab der Gottes- nnstter. (L. Fonck 8. 7.) — Livlands größter Herrmcister. II. (O. Pfülf 8.7.) — Zur Choralknnde. (Th. Schmid 8.7.) Recensionen: 1. Poggel, Der zweite und dritte Brief des Apostels Johannes, 2. Seeböck, Sankt Paulus, der Heidenapostel (I. Knabenbauer 8. 7.); .InuZmann, Tosspbi Rssslsr, guonäaw spisoopi s. IlippoFti, Insti- tutions« RatroloK-ias (C. A. Kneller 8. 7.); Heimbucher, Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche (O. Pfülf 8. 7.); Sociale und politische Zeitfragen. Heft 1: Pichler, Der Antrag Kanitz, Heft 2: Roeren. Das Gesetz zur Bekämpfung des unlautern Wettbewerbes (H. Pesch 8. 7.); Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst. Jahres- Ausgabe 1896 (St. Beisscl 8. 7.). — Empfehlenswert h e S ch r i f t e n. — M i s c e l l e n: Vom französischen Protestantismus: Herr v. Below über die. Duellfrage bei den heutigen und bei den alten Jesuiten. „Studien und Mittheilungen aus dem Benediktiner- und dem Cistercienser-Orden." Verlag des Stiftes Raigern (bei Brünu, Oesterreich). Preis per Jahrgang (4 Hefte ca. 48 Bogen) 8 M. — 4 Gulden. Das IV. Heft 1896 enthält u. a.: Wagner, Phil., Dr. (Berlin): Gillon le Muisi, Abt von St. Martin in Tournai. (I.) — Veith, Jldefons (0. 8. 8., Emaus): Die Martyrologien der Griechen. (II.) — Wittmann. Dr. Pins (München): Johannes Nibling, Prior in Ebrach (0. Ölst.), und seine Werke. (I.) — Willems, D. Gabriel (0. 8. 8. Afflighem): 8obo1as Lsuscliotiuas. (III.) — Dol- berg, Ludwig (Ribnitz): Die Cistercienser beim Mahle. Nenz, G. A. (München): Beiträge znr Geschichte der Schottenabtei St. Jacob und des Prwrates Weih St. Peter (O. 8. 8.) in Rcgeusburg. (VIII.) — Leistle, Dr. David (Dillingen): Wissenschaftliche und künstlerische Strebsam- keit im Magnusstifte zu Füssen. (VI.) — Ku ku la, Richard, Dr. (Wien): Römische Briefe der Mauriner aus dem Jahre 1699. — Weikert, D. Thomas Ag. (0. 8. 8 . von St. Meinrad, Am.): Meine Orientreise. (V.) — Förster, Remaclus (0. 8. 8. M.-Laach): Der Ehemiker und Me- diciner Basilius Valentin O. 8. 8. iVerantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druckn. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.