31. Mir? 1897. Die Inschrift von Hsi-An-Frr, ein altchristlichLs Denkmal in China. (Schluß.) Der Inhalt der Aufschriften athmet ganz und gar christlichen Geist. Der Titel lautet in Uebersctzung: Gedenkstein der Ausbreitung der hell strahlenden Lehre des Großen Reinen im Reiche der Mitte sammt einem Hymnus verfaßt von Kiug-Tshing, einem Priester dieser Kirche." Der Text beginnt dann mit den Worten: „Siehe hier. den unnahbar Gerechten, den Unsichtbaren, der von Ewigkeit zu Ewigkeit währt; den wcitschauenden, vollkommenen Geist, dessen gcheimnißvolles Dasein kein Ende nimmt. Er nahm den ewig dauernden Stoff und schuf daS Weltall." Es folgen sodann die Namen der Herrscher Cbina's, unter denen dem Christenthum Ruhe und Gedeihen vergönnt war, nebst allerhand Lobsprüchen und Dankesworten. Eine gewisse schwungvolle Beredsamkeit, ein gläubig-christlicher Sinn läßt sich in diesem uralten Schriftwerk des Christenthums nicht verkennen. Die Schlußworte des oben erwähnten Hymnus lauten: „Des Gerechten Ursprung ist überall und nirgends, da ist seine Unergründlichkeit, seine Allmacht, mit der er Himmel und Erde geschaffen. Er hat sein Dasein getheilt und ist zur Erde nicdcrgestiegcu, um zu helfen und zu retten bis ans Ende der Zeiten. Da leuchtete der Tag auf, und die dunklen Schatten flohen, und Alles trägt die Zeichen seiner ewigen Wesenheit." Sind das nicht erhabene, wahrhaft christliche Worte? Die Unterschrift besagt: „Beiden Herrschern liegt des Handelns Wille und Gebot; wir Diener künden den Ruhm ihrer Thaten und haben dies Denkmal hier errichtet zum Unterpfand unseres Dankes für gewährtes Glück." So klingt die Inschrift aus im Dank eines demüthigen Christcuhcrzens für den Schutz dessen, was ihm das theuerste ist, mitten im heidnischen Lande, in der Verbannung. Die Entdecker des Denkmals, das im Jahre 1625 ausgegraben wurde, waren, wie ?. Heller nachweist, zwei Jesuiten, ?. Nikolaus Trigault und ?. Alvarez Semedo, die nach dreißigjährigem Forschen, wie L. Semedo sagt, „endlich das Glück hatten, ein Zeugniß dafür zu finden, daß das Christenthum in China schon vor Jahrhunderten geblüht hatte". Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Glaubcnöbotcn von der malabarischen Küste aus nach China gekommen sind, wofür die dort erhaltenen Kirchenbücher sprechen. Die Geschichte der Entdeckung des Steines im Jahre 1625 wird also berichtet: Bei Gelegenheit eines Neubaues im Städtchen Hsi-Au-Fn wurde der Denkstein bloßgelcgt. Man meldete dies dem Ortsvorsteher. Dieser brachte in seinem Aberglauben den Tod seines zärtlich geliebten Söhnchens, das er gerade um diese Zeit verlor, n Zusammenhang mit dem Funde des Steines, dessen yrische Schrlftzeichcn ihm räthselhaft und gcheimnißvoll erschienen. So ließ er das Denkmal sorgsam aufbewahren in eben dem buddhistischen Tempel, wo cS Graf Szschenyi antraf. Ja es gab sogar Zeiten, wo der merkwürdige Stein ganze Schaarcn von Wallfahrern anzog, die in ihm ein Zeichen göttlicher Fügungen und verborgener Kräfte sahen. Siegreich führt k. Heller den Nachweis für die Echtheit des Steines, die unter andern auch Gelehrte von hervorragendem Ruf, wie Frhr. von Nichthofcn, Panthicr,rs) St. Julien, Renan, Bikell, Nöldeke, Gut- schmid, Aule, Brctschneidcr, vertreten haben. Einer der entschiedensten Gegner der Echtheit, der namhafte Orientalist K. F. Nenmann, der vor etwa einem halben Jahrhundert die Sinologie an der Universität München repräsentirte, suchte in seiner Abhandlung „über die erdichtete Inschrift von SI-ngan-Fn" (Zeitschr. d. deutsch, morgen!. Gesellschaft IV, S. 23 u. ff.) den langwierigen Streit mit der Behauptung aus der Welt zu schaffen, es liege augenscheinlich nur eine plumpe Fälschung der Jesuiten vor, man solle die Sache endlich einmal abgethan sein lassen. Zunächst zweifelte Nenmann an der Echtheit, weil ihm die chinesischen Schriftlichen viel zu gut erhalten und viel zu modern schienen, um ihren Ursprung ins 6. bis 8. Jahrhundert znrückdatiren zu können; dann forderte er auch die Verwendung von Estranghelo-Schrist, deren sich die ThomaS-Christen bedienten. Nun aber sind die syrischen Inschriften des Denkmals gerade eben im Estranghelo geschrieben; sie waren den chinesischen Gelehrten, die sich mit dem Denkstein befaßten, fremd und blieben auch den Jesuiten lange unverständlich, bis der an der malabarischen Küste weilende k. Antonius Fernande; sich aufmachte, um den Denkstein in Augenschein zu nehmen, und in den fremden Zeichen syrische Estrangheloschrift erkannte. Die chinesischen Charaktere der Inschrift boten keine besondere Schwierigkeit und wurden längst von Chinesen entziffert; lächerlich ist der Einwand Neumanns, sie seien modern, denn er mußte von dem conservativen Sinn der Chinesen Kenntniß haben und wissen, daß sie im Laufe der Jahrhunderte ihre Schriftlichen in der That sehr wenig verändert haben. Und gerade diese minimalen Eigenthümlichkeiten des Schriftzuges, die selbst dem geübten Auge des europäischen Sinologen entgehen, sprechen für die Echtheit der Inschrift; der einheimische Gelehrte aber wird darin auf den ersten Blick die Kalligraphie der Tang-Dynastie (618 — 907) erkennen, unter deren Regierung (etwa um 780) mau die Entstehung des Denkmals ansetzt. Richtig ist, daß die chinesischen Zeichen so schön erhalten sind, daß man sie selbst in ziemlich verkleinerten Photographien gar klar und deutlich zu erkennen vermag. Auch haben die Chinesen selbst die Inschrift für echt gehalten, sonst hätten sie ihr gewiß nicht , die Ehre angethan, in ihren eigenen Jnschriftwerken davon zu sprechen, und hätten bei ihrem eminenten historischen Sinn mit Worten der Anzweifelung sicher nicht zurückgehalten. Ganz abgeschmackt aber ist es endlich, von einer Fälschung der Jesuiten zu reden. Was hätten diese doch für ein Interesse, welchen Zweck oder Vortheil davon haben sollen, ein Denkmal herzustellen oder zu fälschen, das ihnen gerade die Ehre nimmt, das Christenthum zuerst nach China gebracht zu haben, und ein Denkmal, das noch dazu nestorianischen Ursprungs ist? Eine Stelle des chinesischen Schriftstellers Ming-Tshou (11. Jahrh.), die von dem Monument spricht, hat nach Renan (a. a. O. S. 271) bereits Stanislaus Julien bekannt gemacht. Ein weiterer Grund für die Echtheit des Monumentes '2) Lautllier, vs I'autllenkieits äs k'wscription nsstorionns äs 8i-n§an-kon. t?aris 1887. — L'inseription szn-o-slliuoiss äs Si-nZ-au-kon. Laeis 1688. — Derselbe in der „Lsvuo äs k'orksnt" 1662, p. 318. Die Ausführungen dieses unermüdlichen Gelehrten sind zwar verdienstlich, doch noch gerade nicht überzeugend. Als Uebcrsetzcr ist er, wie sein College Fauche, der ANcrwelt-SanZkritüber» scher, leider nicht zuverlässig 126 Ist vielleicht ein Fund von altromischen Münzen (davon 13 aus der Zeit von 14—280 n. Chr.), der bei der Stadt Hsi-An-Fll gemacht wurde; davon machte ein hervorragender Sinologe, Pros. Dr. Fr. Hirth (zur Zeit in München, damals in Shaug-H'ai), im „North-China- Hcrald" Mittheilung.") Freilich bringt Hirth die Miinz- sunde mit kaufmännischen Beziehungen China's'") mit Alcxandrien und Syrien in Verbindung, aber für die Echtheit der berühmten ncstorianischcn Inschrift tritt derselbe Gelehrte, der fast drei Jahrzehnte in China gelebt hat und über umfassende litcratnr- und kulturgeschichtliche Kenntnisse verfügt, mit aller Entschiedenheit ein. Merkwürdig ist, daß sich nach den „Mittheilungen der Wiener gelehrten Gesellschaft für Anthropologie" auch im Gebiete von Scmirctschensk Ziemlich viele ncftorianische Denkmäler vorfinden. Auf die Aehickichkeit der Inschrift von Hsi-An-Fn mit der hebräisch-chinesischen'") von K'ai-Fong- Fu hat schon Renan hingewiesen. Wenn derselbe Forscher über unsere nestorianischc Inschrift behaupten wollte: „I/es odgeetiolls Zrnvas Hui out rouäu longsemps uck O'.o rmoau oricul: 11e8ec!re!iL8 into tlxckr cmciont incckiocvat rclaticm? tu olcl e.tuno,<-L rocorlls. tzluuiKlici 1S?N. Vgl. .loinnol o( ll>e. American oriental soctclr, AI, 401 (1800) n. IV. 411 (1804). Schaar Soldaten herbeigeeilt wäre und ihn ihren Händen entrissen hätte. Der Hauptmann führte ihn in die Burg und übergab ihn dem anwesenden Höchsten, dein Tribunen Lysias, weil der Landpfleger Felix abwesend war, nicht etwa in Jerusalem, sondern in Cäsarca; dorthin wurde denn auch Paulus geschickt. Einige Jahre darauf wurde bekanntlich die Stadt erobert und die Antonia zerstört» lag auch lange in Trümmern, wie der hl. Bischof Eyrillus (st 386) noch bezeugt: 1o 7rcX«ioo TcpA'.ickipcv'- vov Eat. 13» 39. In diesem Zustande fand sie der älteste Pilger von Bordeaux (333), dessen Bericht erhalten ist. Er schreibt: Ilt eas kora.3 murum clo 8icm, ermti aä portmm Dleapolitnnnm aIu8 miuuv xa88U3 numero I-. Qe äomo Laiirbas imgue ack pretorium Lilati numoro 0. Ibi oZt oce1e8ia, 8. Loxbiav. -luxta eam mi8Lus cst lloremias in laeum. A äomo kilnti U8ciuo aci xiscinam probatioam x1u8 minu3 numero 0. Da er von der Petcrskirche bis zum Hanse des Pilatns blos 100 Schritte zählt, so wollte man letzteres in der Hcrodi'anischen Königsbnrg anf Sion suchen, allein auch dahin ivären 400 Meter nnd wird dort niemals eine Sophicnkirche erwähnt, was hier zum ersten Male geschieht. Die hl. Sophia bedeutet die ewige Weisheit, den Sohn Gottes. Von nun an wird sie auch genannt von, Lraviarirm (540), Antoninns (570) und vom Patriarchen SophroninS noch vor dem Perscrei'nsall (615). Er singt in seinen den, Anacreon nachgebildeten Liedern 127 (XX): „Nachdem ich die Warte Elan verlasse», de» Stein, an ivelchcm mein Schöpfer gegeißelt worden, umfangen habe, möchte ich hinabsteigen zum Steine, auf dem der Fürst der Weisheit sein Urtheil gehört hat; möchte eintreten beim Schafteichc." Kenntlich genug deutet er die Gekßclsänle in der Pctcrskirche nnd den Stein, auf den Christus bet der Verurtheilung gestellt worden, in der Sophienlirche unweit des Schafteichc«, also im Hause des Pilatns an. Das ist denn auch entscheidend bei Theodojius. Auf seine Zahlenangabcn ist überhaupt kein Verlaß.^) Er rechnet z. B. von dem Grabe Christi bis zum Orte der Krcuzfinduug nnd zur Stelle der Kreuzigung je 15 Schritte, während Autouiuus das Dreifache angibt. Dagegen setzt er übereinstimmend mit den Andern das Haus des Pilatns in die Sophienlirche unweit dcS Schasiciches und des Jcremiaskerkers, welche im Norden des Dcmpclplatzes bei dem Kerker- und Schaf- thore gewiesen wurden, was auch wahrscheinlich ist. Fast gleichzeitig (540—50) lieferte ein Ungenannter eine kurze Beschreibung, daher Lrevmrnm genannt. Er erwähnt wie Andere die Kirche auf Sinn sammt der Geißclsänle, dann die Petersktrche im Hanse des Kaiphas. Ochiul« vnckis aet domum kilnti, ubi tradidit I)o- nrinnna üaZallatum IndaLM. Ildi 68t Lasiliea gromdig ob 68t Ibi eudictUnw, nsii exxoliavornnt oum 6t Lggeltntus 68t, 6t voentnr sgnota Lopliia. Bald darauf (570) besuchte Antoninus von P'iaceuza, genannt --lauter, die hl. Orte und erzählt, was er gesehen. In der Sionskirche (richtiger als 8im6oni8) erwähnt er wieder der Geißelsaule, ferner Dornenkrone, Lanze nnd Abendmahlskclch. Die Erlöser- oder Petcrs- tirche fuhrt er nicht an, wohl aber die Marienkirche unweit des hl. Grabes. Dann fährt er fort: Lt oravinnm in pratorio, üki amditus est Oümiuu3 et ravdo est Uasilie», 6. Lopliino nnto ruirms te-vipli Lalornonis. In ixsa lmsiliea, est eeäas, in szna uoäit?iiatuZ, ^narrdo Dorninnw. andivit. Auch sah er den Stein, auf den Christus gehoben wurde und auf dem seine Fuß- stapfen znrüllblicbeii, sowie ein schönes Bildniß der ganzen Figur Christi; in der Nähe der Jeremiasbrunnen. Der Fels, über welchem die Sachra-Moschee erbaut ist, zeigt wohl auch Fußspuren, ist jedoch 17 Meter lang und 13 Meter breit; liegt auch nicht „vor den Ruinen des Tempels", sondern dortselbst. Wer den Koran zum Beweise anführt, muß auch die Fabeln von dem nächtlichen Ritte, vom Borok u. dgl. annehmen. Die Sitte, daß Richter und Angeklagter je auf einem Steine sich befanden, kam wenigstens in Gricchcrüand vor (Gilde- meister). Gegen Ende des 7. Jahrhnnderls besuchte der französische Bischof Arcnlf das hl. Land, bald nach Beginn der Araücrhcrrschaft, nnd kam glücklich durch. Doch kurz vor der Ankunft in der Hcimaih erlitt er Schiffbrnch und wurde nach der Insel Jonas bei Irland verschlagen, wo er von dem dortigen Abt» Adamnan gastlich aufgenommen wurde. Dieser, dem er seine Reise erzählte, brachte sie zu Papier. Da der Reisende also nur nach dem Gedächtniß erzählte, auch nicht selbst schrieb, so sind seine Angaben nicht einwandfrei. Doch werden sie vielfach von Anderen bestätiget nnd sind wegen der Zeit sehr willkommen. Auf Sion beschreibt er die große Kirche und gibt selbst einen genauen Plan. Bon. der Erlöser- oder 0 Wenn die Reisenden ibre Berichte niederschrieben, hatten sie wohl die Lage der Orte, aber rächt mehr die Entfernungen genau !m Kopfe. Pctcrskirche schweigt er. Die Sophienlirche kommt mw in einem späteren Ansznge mit Zusätzen vor. Kaiser Karl d. Gr. schickte im Jahre 803 einige Priester nach Palästina, um sich über den Stand der christlichen Religion dort zu erkundigen. Von ihrem Berichte ist ein kurzer Auszug (Lomirwuroratorium ds cusis l)cä) erhalten, welcher wcrthvoll ist. Iri 8nr>ct» Livu, heißt es da, intor presid^teicm ot clerleos XVII, in 8. I?6tre>, ubi iyss ploravit, int er zmcLsizsieroZ st clerwog V, in pretorio V, in s. Nnria norm, gnuin In8tiniü.nu3 imxsrator ex8truxit XII, in 8». Nuria, ndi natn iuit in xrolmticm, inelusa.6 Leo SLLiL- tuo XXV. Da die Kirche im Hanse des Kaiphas Weber vom hl. Willibald (723—26), noch von Arcnlf vorher, noch vom Mönche Bernard nachher mehr erwähnt wird, während sie alle der Sionkirche gedenken, so bestand sie offenbar seit der Verheerung der Perser nicht mehr. Dafür war eine andere Pctcrskirche, wo er seinen Fehler beweinte, am Abhänge des Berges gegen Osten erbaut worden, welche Hahnschrci oder Galiläa genannt und in der Folge regelmäßig erwähnt wird. (Bernard, Johannes v. W., Engeflvpns,,'Wilhelm v. T., LaCitcz u. A.) Hier also waren 5 Geistliche nnd cbcnfovlcle iu xroiorio; was nur von der Sophicnkirchc verstanden werden kann, indem ein anderes damals nicht cxistirle. Nun kamen Zeiten, welche sich für die Christen immer trauriger gestalteten. Der Mönch Bernard der Welse (865) konnte noch reisen, doch wenig mehr berichten. Auf dem Sion nennt er drei Kirchen von Maria, Stcphanns und Pctri Hahnschrei, von einem Prätorium macht er nirgends Erwähnung. Nach ihm wurde Jerusalem gar das Ziel moslemischer Wallfahrten, statt Mekka, nnd demnach unnahbar. Als dieses aufhörte, athmeten die Christen für kurze Zeit auf. Da (964) machte Nltmann, der nachmalige hl. Bischof von Passan, in Begleitung der Bischöfe von Negcnsburg, Mainz nnd Vamberg und vieler Edlen eine Wallfahrt, von welchen sein Lebcusbeschreibcr (bei den Bollandisten August II) Einiges erzählt. Der Nebermnth der Ungläubigen war so groß, daß sie aus den Rücken de Pilger sprangen nnd mit Sporen daraus ritten, anderer unsagbarer Grauet zu geschweige«. Sie .konnten nur die Orte der Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt besuchen. Einzelheiten sind nicht angegeben. Bald darnach wurde die Hl. Grabkirche niedergerissen, doch später durch die Bemühungen des griechischen Kaisers Constantin M. wieder aufgebaut. Erst mit Eroberung der hl. Slade im Jahre 1099 wurde die Bahn wieder frei. Die Franken stürzten sich mit Ungestüm auf die hl. Orte, allein sie überstürzten sich vielfach, weil sie die einheimischen Ueberlieferungen nicht verstanden. Sie urtheilten' nur nach dem, was sie sahen, ohne die Vergangenheit zu befragen. Wo im Dränge der Zeilen ein Denkmal versetzt worden war, meinten sie, es sei immer so gewesen. Eine kluge Zurückhaltung beobachteten noch die (Isstg. Vrancorniu Iliorosolvmanr oxMgurmtinur, wie bereits angegeben worden. Dann aber begannen die Irrungen: die Führer sind theils solche, von denen man nicht viel mehr weiß als den Namen, bei den meisten kennt man selbst diesen nicht. Dabei stimmen sie vielfach so überein, daß ihre Abhängigkeit offenbar ist. Indeß ging die alte Fährte nicht verlöre!?, sondern blieb wohl im Ge- ! dächtuisse, wie glcichzeui'gc Berichte bezeugen, i Der russische Ärchimandrit Daniel besuchte um das Jahr 1115 das hl. Land und erhielt seine Kunde ohne 128 Zweifel von seinen Glaubensgenossen, den einheimischen griechischen Christen. Er schreibt: „Bon da (wo Helena das Kreuz des .Herrn fand) nahe ist ein Ort gegen Osten, der Prätorlum heißt, wo man den Soldaten Jesum überlieferte, und er ließ ihn geißeln und übergab ihn den Soldaten, daß sie ihn kreuzigten. Und cbendort ist das Stadtgcfänguiß, aus diesem führte der Engel den hl. Petrus heraus. Und von da wenig fortschreitend, kommt man an den Ort, wo Christus die Blutflüssige heilte?) Ebenda ist die Grube, wo der hl. Prophet Jcremias hineingeworfen wurde." Auf Siou fand er „den Hof des Kaiphas, wo Petrus Christum dreimal verläuguete. Im Osten von da ist eine sehr tiefe Höhle, wo Petrus weinte, und darüber ist eine Kirche auf den Namen des Apostels Petrus erbaut." (Schluß folgt.) Recensionen und Notizen. Abriß der Geschichte der deutschen National- Literatur. Nach G. Brugier von C. M. Harms. 2. verb. Aufl. Freibnrg, Herder. 1897. gr. 8". X u. 233 S. 2.20 M., geb. 2.90 M. ^ In unserer bücherreickgm Zeit ist es eine sehr de- placirte Redensart, von klaffenden Lücken innerhalb der literarischen Welt zu sprechen, und doch gibt es Gebiete, auf denen für uns Katholiken noch lange nicht von einer Ueberproduktion geredet werden kann. Das gilt gleich von der Geschichte der Literatur. Brugier und Lindemann sind gewiß vorzügliche Werke, die allen Ansprüchen an ein Lehrbuch genügen, aber einen wirklichen Mangel haben wir an kleineren Leitfäden, die, in erster Linie für das Bedürfniß der Schule berechnet, Vollständigkeit des Inhalts und Gedrängtheit der Darstellung mit einander verbinden. Das vorliegende Buch ist somit einem wirklichen Bedürfniß entgegengekommen, und schon aus diesem Grunde ist es erklärlich, daß der im Jahre 1895 erschienenen ersten Auflage schon jetzt die zweite folgt, die mit Recht eine verbesserte genannt wird, da fast keine Seite ohne Aenderungen geblieben ist. — Das Buch ist nach Brugier bearbeitet, d. h. die Eintheilung in acht Perioden sowie die Umrisse der Biographien sind jenem altbewährten Literarhistoriker entnommen, sonst aber ist dasselbe mit größter Selbstständigkeit ausgearbeitet. Die Hauptstärkc des Buches beruht vor allem in den wohlgelungenen, trefflich abgerundeten Inhaltsangaben der bedeutenderen literarischen Produkte; eine Reihe derselben sind so warm und sorgfältig gehalten, dabei von einem so zarten und vcrständnißvollen Auffassungsvermögen eingegeben, daß sie wahre Kabinetsstücke darstellen: wir erinnern ;. Ä. nur an die Besprechung von Gudrnn (S. 22) und vom armen Heinrich (S. 26), von Hermann und Dorothea (S. 137) und Maria Stuart (S. 160). Dazu kommt noch weiterhin die sorgfältige Charakterisirung der Dichter, die mit Recht nicht bloß nach ihrer literarischen Thätigkeit, sondern auch nach ihrem Verhalten zur christlichen Moral und zum Osfenbarungsglauben behandelt werden. Wie Arrestant rst z. B. die Darstellung von Grillparzer (S. 260 g.) und von Adalbert Stifter (S. 255), oder der Gegensatz zwischen Carmen Sylvia (S. 268) und Luise Hensel (S. 267)! Daß die beiden Dichterfürsten besonders reich bedacht werden, versteht sich von selbst. Auf Schiller entölten 19, auf Goethe gar 28 Seiten. „Faust" erhält auf vier Seiten eine sehr ausführliche und ansprechende Darstellung; ob freilich die geistreiche Deutung des zweiten Theiles völlig alle Räthsel löst, wagen wir nicht zu behaupten, hat ja Goethe selbst es abgelehnt, das Chaos zu Mtwirren. — Der katholische Standpunkt ist mit Eiitschledenhelt gewahrt, trotzdem wird Licht und Schatten obrektiv vertheilt, man lese etwa mir nach, was über Luthers Bibelübersetzung (S. 49), über Laus Sachs (s. 51), über Fleming (S. 59), über Paul Gerhardt *) Diesen Ort erwähnt auch Säwnlf. (S. 60), über Gcibel (S. 220) über Gottfried Keller (S. 242) und über Ottilie Wildermuth (S. 270) gesagt wird. — Da wir nicht zweifeln, daß dem sehr brauchbaren Buche noch manche Ausfahrt beschieden sein dürfte, wollen wir gleich einige Desiderien anfügen. Alban Stolz, Chr. v. Schmid, Adolf Kolping, Drostc-Hülshoff scheinen uns, obgleich ja ihre Werke gewürdigt werden und letztere als die „größte aller deutschen Dichterinnen" gefeiert wird, noch immer zu kurz behandelt zu sein; Wilhelm Meinhold haben wir ungern vermißt, wogegen wir bei Christian Hebbcl (S. 248 ff.) eine Kürzung für angezeigt hielten. Die Dichter der neueren und neuesten Zeit sind allerdings bei der phänomenalen Produktivität, bei der Mannigfaltigkeit ihrer Richtungen wie Systemlosigkeit ihrer Anschauungen schwer in Kategorien einzutheilen, dennoch dürste cme noch prägnantere Gliederung der achten Periode (seit 1832) gelingen. Die katholischen Literaten sind mit einem Sternchen versehen, was nur zu begrüßen ist, bei k. Galt Morcll (S. 230) und wohl auch bei M. Herbert (S. 269) ist dasselbe zu ergänzen. — Ein warmer katholischer und patriotischer Geist weht uns aus dem Buche entgegen; sollte dies etwa ein Fehler sein, ihm die Pforten der Studienanstalt zu verschließen? Müssen da bloß dürre und magere Excerpten, kalte und trockne, dein Jndifsercn- tismns huldigende Leitfäden zur Benützung kommen? — Das Buch ist zugleich eine wahre Orientirnngs- und Warnungstafel, darum auch für die Sclbstbelchrung trefflich geeignet, um sich rasch und sicher über irgend eine literarischc Erscheinung zu orientircn, zumal es bis auf die neueste Gegenwart fortgeführt ist. Ein sorgfältig gearbeitetes Personen- und Sachregister enthält aus 11 dreispaltigen enggedruckten Seiten weit über 1500 Stichwörter. * Eine päpstliche Empfehlung. Der Heilige Vater- Papst Leo XIII. hat seit Beginn seines Pontificatcs den philosophischen Studien die regste Förderung an- gedeihen lassen und behält deren Entwicklung mit aller Sorgfalt im Auge. Davon zeugt auch in nicht geringem Maße das nachfolgende Schreiben Sr. Heiligkeit an den Herausgeber des im Verlage von Ferdinand Schöningh in Paderborn erscheinenden „Jahrbuches für Philosophie und spekulative Theologie", Herrn Pros. Dr. Commer in Brcslau, welches in der Uebersetzung lautet: „Papst Leo XIII. Geliebter Sohn, Gruß und apostolischen Segen! Nachdem Wir durch das Rundschreiben „ü,otorm katrls" dafür gesorgt haben, daß die philosophischen Wissenschaften wieder an diejenigen Quellen gewiesen werden, woraus sie in der Vergangenheit so viel Licht und Sicherheit geschöpft hatten, mußten Wir Uns beglückwünschen, daß katholische Männer überall sich wie ein Heer zusammenschnürten und in geziemendem Gehorsam gegen Unseren Willen es unternommen haben, sich mit den unsterblichen Schriften Thomas von Agnins unausgesetzt zu beschäftigen und sie durch ihre angestrengten Studien zu erklären. Daß auch Du, geliebter Sohn, schon Beweise Deiner Arbeit an der Lösung dieser Aufgabe geliefert hast, haben Wir vor vier Jahren erfahren, als Du Uns die ersten sechs Bände des von Dir und anderen talentvollen Männern herausgegebenen „Jahrbuchs für Philosophie und spekulative Theologie" überreichtest. Jetzt aber, da Du Uns mit vier weiteren Bänden desselben Jahrbuches beschenken wolltest, gefalle es Uns, Dich und Deine Genossen mit Lob für die erduldete Arbeitsmühe zu krönen. Während dieses Lob als verdiente B eloh nung gelten soll, so soll es zugleich ein Ansporn sein, daß Ihr von dem begonnenen Werke nicht ablasset, sondern daran arbeitet, die Irrthümer der falschen Philosophie zu besiegen, die Lehren des Aquinaten aber weiter zu verbreiten und in der ihnen gebührenden Ehre zu erhalten. Ein Beweis Unseres väterlichen Wohlwollens und ein Mittel zur Erlangung der göttlichen Gaben soll aber der apostolische Segen sein, welchen Wir Dir und Deinen übrigen Mitarbeitern in größter Liebe ertheilen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 22. Februar im Jahre 1897, dem zwanzigsten Unseres Pon- tifikates. Leo U. U. XIII." Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.