Leonhard Eitler. (Geb. 15. April 1707.) ^ Einer der fruchtbarsten Schriftsteller, welche die Geschichte der Wissenschaften kennt, einer der gliiütichsten Forscher und zugleich einer der vornehmsten Charaktere in der Gelehrtenwclt war Leonhard Enler. Die Menschheit vergißt in Undankbarkeit oft ihre größten Geisteshelden, während sie das bettelarme Geschreibe des seichtesten Nomanfabrikantcn hoch und heilig verehrt; und so ist in der „gebildeten Welt" der Name Eulers nicht sehr bekannt, selbst nicht Jenen, nullche ihr Bildnngsweg durchs Gymnasium geführt hat. Desto höher steht Leonhard Enler bei der kleinen Gemeinde der Mathematiker und Physiker; denn er ist der Schöpfer des modernen mathematischen Denkens. Diese Wissenschaft, welche den Geist in strengste Zucht nimmt, sträubt sich zu sehr gegen Popn- larisirung und ist, beschränkt auf einen engen Kreis von „Fachmännern", von den Anderen zu sehr gehaßt, als haß wir hier dem Leser, den vielleicht schon beim Namen „Mathematik" ein Grausen befällt, znmnthen wollten, in Einzelheiten mathematischer Natur einzutreten. Damit sei er verschont; aber dem großen Denker, der gerade vor 190 Jahren das Licht der Welt erblickte, ein kurzes Gedenkblatt zu weihen, können wir uns nicht versagen. Leonhard Enler wurde am 15. April 1707 zu Basel geboren. Ein Jahr nachher zog sein Vater Paul als Pastor in das nahe Dorf Riehen,, woselbst Leonhard die erste Jugend verlebte. Die einfachen Lcbcnsverhültnisse auf dem Lande legten in ihm frühzeitig den Grund zu dem offenen und hellen Sinn sowie zur schlichten und bescheidenen Einfachheit, die den Mann bis an sein Ende zierte; das „rsrum evAnosasra oaumas" trat schon in der Kindcssccle hervor. Im Hühnerhof seines Vaters machte der kleine Forscher seine ersten Naturbeobachtnngcn, und so fand man denn einst zum allgemeinen Gaudium ! das vierjährige Biiblein dort über einem großen Haufen Eier sitzend, und auf die Frage, was er denn da treibe, antwortete der künftige Akademiker allen Ernstes, er wolle Hühner ausbrüten. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater Paul; Leonhard zeigte besonders Liebe zur Mathematik, was der Vater, selbst ein tüchtiger Mathematiker, gerne sah, obgleich er den Sohn für das Studium der Theologie bestimmte und in Gedanken ihn schon als seinen Nachfolger in Riehen sah. Es sollte anders kommen. Leonhard bezog die Universität Basel und studirte in der That Theologie und daneben orientalische Sprachen. Ein Jüngling von so hervorragender Fassungsgabe und so unglaublichem Gedächtniß, fand er außerdem noch Zeit für die schwierigsten mathematischen Aufgaben, so daß er, erst 16 Jahre alt, die Aufmerksamkeit seines Lehrers Johann Bcrnouilli, des damals größten Mathematikers, erregte. Bald erhielt Enler von seinem Vater die Erlaubniß, sich ausschließlich der Mathematik widmen zu dürfen, erwarb die akademischen Grade und erhielt, obwohl nie aus Basel hinausgekommen und noch keines größeren Schiffes ansichtig geworden, bereits in seinem 19. Lebensjahre einen Preis, den die Pariser Akademie für die beste Arbeit über die Bcmastnng der Schiffe ausgesetzt hatte. Daniel und NicolanS Bcrnouilli, Eulers ') Vgl. Fuß Nie., Lobrede auf Leouh. Enler. Basel 1786. — Radio F., Lconbard Eulcr (Oesfeutl. Vortrüge, geh. in der Schweiz. Bd. VIII. H. 3). Basel 1831. ältere Freunde, die Söhne seines verehrten Lehrers, waren damals von der russischen Kaiserin Katharina I. an die neugegründete Petersburger Akademie gerufen worden. Von da schrieb Daniel Bcrnouilli an den 19jährigen Enler die ehrenvollen Worte: „Kommen Sie sobald als möglich nach Petersburg, und zeigen Sie der Akademie, daß, wie viel Gutes ich auch von Ihnen erzählte, ich noch lange nicht genug gesagt habe, denn ich behaupte, daß ich durch Ihre Berufung unserer Akademie einen weit größeren Dienst erweise, als Ihnen selbst." Enler nahm das Anerbieten freudig an, obwohl er in Petersburg Physiologie dociren sollte. Hatte er in den Naturwissenschaften schon bedeutende Kenntnisse erworben, so vervollständigte er sie jetzt durch eifriges Studium der Anatomie und Physiologie und verließ, erst 20 Jahre alt, sein Vaterland, und zwar für immer. In Petersburg angekommen, wurde Euler jedoch sofort zum Adjunkten der mathematischen Klasse ernannt und wirkte 6 Jahre an -der Seite Daniel Bernouilli's, der 1733 nach Basel zurückkehrte und 1782 starb. Beide Männer waren in innigster, selbstloser Freundschaft ohne jeden Schatten von Neid oder Eifersucht einander zugethan, was der umfangreiche, auch wissenschaftlich bedeutsame Briefwechsel bezeugt;^) es ist das unter Gelehrten wunder- seltcn, denn sie speien am liebsten Gift auf einander. Erst war Enler 26 Jahre alt und schon war seine Bedeutung für die Wissenschaft, die er als Nachfolger Bernouilli's lehrte, in der ganzen Gelehrtenwelt anerkannt. Eine astronomische Berechnung, welche die Akademie im Jahre 1735 verlangte und zu der die übrigen Mitglieder der Akademie mehrere Monate Zeit beanspruchten, löste Euler in drei Tagen. Doch zog die übermenschliche Anstrengung den: genialen Mathematiker eine gefährliche Krankheit zu, die mit dem Verluste des rechten Auges endete. Gleichwohl wurde Eulers Arbeitsgeist nicht vermindert, eher vermehrt. Die politischen Verhältnisse machten indeß dem freien Schweizer das Leben in Petersburg unerträglich, und so folgte Euler 1741 mit größter Freude einer Einladung Friedrichs II. an die 1700 gegründete Berliner Akademie der Wissenschaften, deren erster Präsident Leiblich war. Unter dem Soldatenregiment Friedrich Wilhelms I. konnte ein Verständniß für wissenschaftliche Bestrebungen nicht aufkommen, und so war auch die Akademie verfallen. Friedrich II. schaffte Wandel durch Berufung der hervorragendsten Gelehrten Europa's. Unter allen damals lebenden Mathematikern erschien der 34jährige Leonhard Euler als der würdigste, die glänzende Reihe von berühmten Namen zu eröffnen, und blieb 25 Jahre der bedeutendste Vertreter des auserlesenen Gelehrtcn- kreises. Im Jahre 1766 verließ Enler Berlin, nm, 60 Jahre alt, veranlaßt durch einige Meinungsverschiedenheiten der Akademie sowie durch die glänzenden Auer- bictungen der Kaiserin Katharina II., abermals nach Rußland zu ziehen. Kaum in Petersburg angekommen, befiel ihn eine heftige Krankheit, die ihm das Augenlicht gänzlich raubte. Dies Unglück, das kleinere Geister in muthlose Verzagtheit niedergebeugt und zur Rast und wohlbcgreif- lichen Unthätigkeit gezwungen hätte, schien Euler nur noch zu größerem Fleiß: anzuspornen. Getragen von ungewöhnlicher Kraft Sl>s Willens und Fähigkeit des Geistes, ') D-erielbe, ein Denkmal edler Seelen, ist von Nie. Fuß herausgegeben. unterstützt lediglich von dein Vorstellnngsveriiiögcn und einem allerdings fabelhaften Gedächtniß, schuf der nun gänzlich erblindete Greis in fieberhafter Thätigkeit die letzten 17 Jahre seines Lebens beinahe die Hälfte all seiner Werke. Kurze Zeit nach der Erblindung traf ihn ein weiterer harter Schicksalsschlag, indem sein Hans mitsammt seiner Bibliothek und mit werthvollen Handschriften eigener Werke ein Raub der Flammen wurde und er selbst mit genauer Noth dem Tode entging. Aber nichts vermochte den Muth des Gelehrten, der sich die Ruhe und Heiterkeit in allen Fällen bewahrte, zu beugen; unverdrossen kehrte er sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu. Der Tod überraschte den großen Gelehrten am 18. September 1783 mitten in seiner Thätigkeit. Die Luftschifffahrt war damals eben eine neue Entdeckung, die Euler mit lebhaftestem Interesse verfolgte. Gerade hatte er eine schwierige Berechnung glücklich gelöst und besprach dieselbe mit einem seiner Freunde, da sank er zurück, die Feder entfiel seiner Hand, und Euler, einer der größten Mathematiker aller Zeiten, hatte aufgehört zu rechnen, d. h. zu leben. Euler war nicht bloß ein eminenter Gelehrter, sondern, was man nicht so häufig damit verbunden trifft» auch ein vorzüglicher Mensch, ein gerader, offener Charakter, ein zärtlicher, treubcsorgter Vater seiner zahlreichen Familie. Ungewöhnliche Herzensgute verband er mit einem unerschütterlichen Christenglauben und einer kindlichen Frömmigkeit. Ein rührendes Denkmal dessen hat sich Euler selbst in einer kleinen Schrift gesetzt, die den Titel führt: „Rettung der göttlichen Offenbarung gegen die Einwürfe der Freigeister." (Berlin 1747.)«) Was wir heute „allgemeine Bildung" nennen» besaß Euler in ungleich höherem Maße, als unsere modernen Fachmänner, die über ihren engen Kreis gewöhnlich keine Nasenlänge weit hinaussehen. Ja, Euler war ein Polyhistor. Das klassische Alterthum, Literatur und Geschichte kannte er gründlich, Naturwissenschaft und Medizin waren ihm wohlbekannte Gebiete, war er doch eigentlich, um Physiologie zu lehren, nach Petersburg berufen worden. Zur Erholung setzte er sich aus Klavier, aber auch da zeigte er sich als Mathematiker, der eben gewohnt war, jede Erscheinung mathematisch aufzufassen, und das Werk seiner Mußestunden war ein Werk* *) über die Theorie der Tonkunst. Seine Gedächtnißkraft war geradezu unglaublich: In einer schlaflosen Nacht berechnete Euler, schon 75 Jahre alt, die ersten 6 Potenzen der ersten 20 Zahlen und konnte dieselben mehrere Tage lang vorwärts und rückwärts hersagen. Im hohen Alter wußte er Virgils Aeneide ganz und gar auswendig, ja er konnte von jeder einzelnen Seite seiner in der Jugend benutzten Ausgabe den ersten und letzten Vers aufsagen. So war denn Euler ein Mathematiker, dem die glücklichste Natur- anlage in jedem Augenblicke die Gesammtheit seiner Kenntnisse zu Gebote stellte. Euler war keiner jener Lehrer, die dem Grundsatz huldigten: Professor zu werden sei zwar schwer, Professor zu sein aber leicht, und die, zufrieden mit einer kleinen Promotions- und Habilitationsschrift, auf diesen Lorbeeren ausruhen; nein, sein Dasein war ein Leben ununterbrochener Thätigkeit ') Vgl. Hagenbach K. N., Lconh. Euler als Apologet des Christenthums. Basel 1851. (Enthält auch den vollständigen Abdruck seiner kurzen, aber inhaltreichen Schrift.) *) leutawou novas tbsorias musioas ex certissimw daianonias xrineixiis sxxo«itas. kstropoli, 1739. Dazu noch ein Dutzend kleinere Abhandlungen. als Schriftsteller und als Lehrer, der von seinen Schülern schwärmerisch geliebt, bewundert und angebetet wurde. Enlers zahlreiche Schriften sind nicht etwa das Ergebniß einer compilatorischcn Schreibewnth, sondern sie sind in vieler Hinsicht von grundlegender oder epochemachender Bedeutung. Der Fnnktionenlehre hat er zwei Hauptwerkes gewidmet, seine Einleitung in die Analysis des Unendlichen und seine Anleitung zur Jnfinitesünal-Rech- nung. Heute nach 100 Jahren sind diese Werke noch die lesenswerthesten Lehrbücher der höhern Analysis, auf denen alle neuern fußen. Was knapve und klare Ausdrucksweise betrifft, so ist Enlers überaus anschauliche Darstellnngsweise Muster für alle Zeiten geworden. Hier hat Euler erst eine Kunst gelehrt, die wir bei seinen Vorgängern, Bernouilli nicht ausgenommen, vergebens suchen. Der Mathematiker nennt den Namen Enlers nur mit dem Gefühl staunender Bewunderung, aber auch der Physiker und Astronom verehrt ihn als Bahnbrecher. Die Theorie der Bewegung der Himmelskörper behandelt Euler in mehreren größeren Werken; er war der erste, der eine richtige Vorstellung vom Wesen der Wärme hatte; er hielt gegen Newtons Autorität, der einen Lichtstoff annahm, an der Ansicht fest, daß das Licht in der schwingenden Bewegung des Aethers seinen Grund hat; ihm (nicht Dolland) gebührt der Ruhm, die wichtige Erfindung achromatischer Linsencombinationen gemacht zu haben.«) Es ist unfaßbar, wie Euler, der auf rein mathematischem Gebiete wohl die bedeutendste Erscheinung aller Jahrhunderte ist, noch Zeit finden konnte, rein praktische Fragen mit Gründlichkeit zu behandeln. So verfaßte er ein umfangreiches Lehrbuch der Artillerie- wissenschaften mit einer vollständigen Theorie der Ballistik; die Schiffsbaukunde bereicherte er mit einer Reihe hochwichtiger Werke, die das größte Aufsehen erregten und in alle Sprachen Europa's übersetzt wurden.?) Dem größeren Publikum ist Enlers „Anleitung zur Algebra"«) am bekanntesten. Der Gelehrte, dessen Geist mit den schwierigsten Problemen der höheren Mathematik beschäftigt Ivar, verschmähte es indessen auch nicht, populäre Werke zu schreiben. Unter diesen haben die „Briefe an eine deutsche Prinzessin" °) Berühmtheit erlangt. Diese, 234 an der Zahl, sind gerichtet an eine Nichte Friedrichs II. und bilden die Fortsetzung mündlichen Unterrichtes, den Euler ertheilt hatte. Diese Briefe behandeln die wichtigsten Gegenstände der Mathematik, Physik und Philosophie °) Ivtroäuetio in avalz^in intinitoruw. Dauganvas 1749, 2 voll. — Ivstitutionss ealeuli äiK'srsntiali,?. Lsro- lini 1755, 2 voll. — Ivstitutionss calculi intsKralis. Dstro- poli 1768 — 70, 3 voll. — Vgl. auch äo1lz?, Da LulsA ineritis circa tunotiones oircularos. 1834. *) Ibenris, inotus Innas. Dero). 1753. — Tbsoria ino- tuum plaustarum st comstaraw. Dsrol. 1744. — Llsobauiea avaIMcs exposita. kstropoli 1736, 2 voll. — Dbooria mo- tus corpoi-um soliäorum. Rostoobii 1765. — Onastructio lsntiurn objectivaruw. Dstrop. 1762. — Dioptrie», ketrov. 1769—71, 3 voll. ') Neue Grundsätze der Artillerie. Berlin 1745. — Lvisntia navalis ssu tractatus äs cvnstrusuäis st üiri» Ksnäis navibus. ketropoli 1749, 2 voll. °) Zuerst Petersburg 1771 (2 Theile), dann in mehreren Ausgaben: zuletzt deutsch in Leipzig (Reclam's Univcrsal- bibliothek Nr. 1802—1805): eine hübsche Ausgabe, die erneuert zu werden verdient, ist die lateinische: LIsmsnta alAsbras ex Aalliea in lati'nam lin^nain vsrsa oum notis st aääitionibus (von Jesuiten besorgt). 8°. 2 voll. Veuotiis, ksWana, 1790. ") Zuerst französisch, Petersburg 1768—72; deutsch bearbeitet von Loh. Müller. (Stuttgart 1847, 3 Bde.) 147 kn überaus lichtvoller und liebenswürdiger Darstellung; man darf sie geradezu als Muster populärer Darlegung bezeichnen, und sie verdienten auch heute noch die größte Beachtung und weitere Verbreitung. In allen seinen Werken ist Euler ein Meister des Stiles. Das Studium seiner Schriften ist für den Anfänger wie für den Geübten gleich anregend und genußreich. Euler bediente sich fast ausschließlich der lateinischen Sprache, und er handhabte selbe mit großer Zierlichkeit und Gewandtheit. Der Meister würde gewiß sich schänlcn, deßhalb gelobt zu werden, so selbstverständlich war es ihm, daß des Gelehrten Muttersprache das Latein ist; heutzutage aber darf man diese Kunst schon hervorheben» da selbst Philologen nicht mehr Latein schreiben, geschweige Mathematiker, und erstere durch unverständige Pnristerei ihr redlich Theil dazu beitragen, einen Brauch, der ebenso nützlich wie ehrenvoll wäre, immer mehr zurückzudrängen. Die alberne Phrase, daß die lateinische Sprache dem Ausdruck modernen Denkens nicht gewachsen sei, hat Euler, wie später auch noch Gauß und Jacobi, ^) durch die Thatsache schlagend widerlegt. Möchte die gelehrte Welt daraus ein Beispiel nehmen zum Vortheil der Wissenschaft, die doch ein Weltgut ist und keine engherzigen nationalen Schrecken kennen soll! Die ungeheuere Fruchtbarkeit Enlers steht vielleicht kn der Geschichte aller Wissenschaften ohne Beispiel da. Euler hat sich mehrmals anheischig gemacht, so viele mathematische Arbeiten zu schreiben, daß dieselben noch 20 Jahre nach seinem Tode die Denkwürdigkeiten der Petersburger Akademie füllen konnten. Und er hat mehr gehalten, als er versprochen. Seine Arbeiten zierten noch 40 Jahre nach seinem Tode die Annalen jener gelehrten Gesellschaft, und als mau nach weiteren 20 Jahren bei einer Revision seiner Beiträge das Riesenvermächtniß endlich bewältigt zu haben glaubte, fanden sich doch noch über 50 angedruckte Abhandlungen, die man übersehen hatte. Ein vollständiges Verzeichnis der Arbeiten Enlers, das lediglich die Titel namhaft macht, ist selbst ein kleines Buch und weist über 800 wissenschaftliche Publikationen auf, viele allerdings kleinere Abhandlungen, viele aber auch Werke von mehreren dicken Bänden. Eine Gesammt- ausgabe der Werke Leonhard Enlers dürfte mehr als 40 stattliche Quartbände umfassen. Leider besitzen wir noch immer keine des unsterblichen Forschers würdige Gesammtausgabe seiner Arbeiten, während die Akademien zu Leipzig und Berlin die Werke anderer bedeutender Mathematiker, wie Graßmann, Steiner, Wcicrstraß, Kronecker, Gauß, Jacobi in vortrefflichen Sammelans- gaben veröffentlicht haben. An Leonhard Euler hat also die gelehrte Welt noch eine Ehrenschuld abzutragen. Zehn Jahre trennen uns noch von der 200jährigen Gedenkfeier des Geburtstages dieses größten Mathematikers. Möchte sich bis dahin ein reicher Mäcenas finden, der dein Unternehmen den finanziellen Bestand sichert. Einen Mann, der die wissenschaftliche Aufgabe zu leiten im Stande wäre, besitzen wir ja; es ist kein anderer, als unser deutscher Landsmann, der vortreffliche Mathematiker und Astronom Johann G. Hagen, Priester der Gesellschaft ") Dre beiden bedeutenden Mathematiker gebrauchten für ihre wichtigsten Arbeiten die lateinische Sprache, obgleich sie schon einer jüngeren Zeit angehören. Die gesammelten Werke des C. G. I. Jacobi (7 Bde., Berlin 1861—91) weisen 53 Arbeiten in lateinischer Sprache auf aus der Zeit 1825-51. Jesu, Direktor der Sternwarte in Georgetown, eine dem Meister Euler kongeniale Natur. Der gelehrte Jesuit") hat vor einigen Monaten eine wichtige und unerläßliche Vorarbeit für eine Gesammtausgabe von Enlers Werken herausgegeben, nämlich einen sehr sorgfältig gearbeiteten, bibliographisch genauen, vollständigen „Inclsx spornn» lisouarcii Lulsri« (8° px>. X -s- 80. Lsrvliai, vamss 1896, M. 2,00). — Der granitene Denkstein, den die Petersburger Akademie ihrem berühmtesten Mitgliede gesetzt, mag nach Jahrhunderten verfallen, die Inschrift verwittert sein, aber der Name Leonhard Euler wird als Wahrzeichen geistiger Größe leben, so lange es eine Cultur gibt, denn er selbst hat sich ein Denkmal gesetzt, erhabener als jedes Gebilde von Menschenhänden, seine unsterblichen Werke. Dürften wir des k. Hagen verdienstvolle Vorarbeit als ein gutes Augurium bezeichnen und möchten wir die gelehrten Vater der Gesellschaft Jesu, die ja sonst überall auf der Höhe der Wissenschaft stehen, auch an dieser Arbeit sehen! Des Dankes der Gelehrtenwelt wären sie sicher. Es wäre das geradezu eine Großthat, die den alten Ruhm dieses Ordens, die mathematischen Studien mit Erfolg zu Pflegen, in neuem Glänze erstrahlen ließe. laxit Oeus! Streifziige durch die socialpolitische Literatur der Renaissance. VonFrz.Jos. Strohmeyer, Benefiziatin Oberstdorf. (Fortsetzung.) Um die Mitte des 16. Jahrhunderts ist nicht nur bei den politischen Schriftstellern jeder Widerstand verstummt, auch die Masse des Volks steht dem absoluten Herrscherthum treu zur Seite. „Unvergleichlich loyal ist, hören wir 1547, dieses Volk, sein Wahlsprnch ist überfeinen Stadtthoren zu lesen: ua äisu, un roi, uns loi, uns toi."") Selbstverständlich hatte dieser Aufschwung der absoluten Monarchie, begleitet von einem Erstarken des Na- tionalgefühls, auch in der Dichtung dieser Zeit seinen Niederschlag hinterlassen. Wir dürfen zwar in diesen Zeiten nicht schon eine tiefere Auffassung und Begründung des Absolutismus in der Dichtung zu finden hoffen. Aber fast ausnahmslos stellen sich die Dichter entschlossen in den Dienst des aufstrebenden Königthums. Das absolute Königthum zog eben alle frischen Kräfte unwiderstehlich an sich; denn es war das Neue, es stellte den Fortschritt dar. Wir erinnern nur an die Dichter der burgundischen Schule, an Mcschinot, Jean le Maire u. a. Auch Element Marot (1505-1544) stand als nationaler Dichter im Dienste der französischen Politik. Neben ihm erblicken wir seinen Zeitgenossen Rabelais (1483—1553) auf der Seite der Anhänger eines absoluten Königthums. Wenn dieses aus seinem „6arZLntug. st kantaZruel" nicht ohne weiteres klar wird, so liegt k- Joh. Hagen (geb. zu Bregen; am 6. März 1847) veröffentlicht seit ein paar Jahren eine großartig angelegte „Synopsis der Hähern Mathematik" (Berlin, Dames), deren beide ersten Bände von seinen Fachgenossen mit außerordentlichem Beifall aufgenommen worden sind. Bekannter ist sein Name durch leine Betheiligung am vorjährigen Astronomencongreß zu Bamberg. Eben steht er im Begriffe, einen vollständigen Atlas der veränderlichen Sterne herauszugeben, den ersten dieser Art. welcher je in der wissenschaftlichen Welt erschienen ist. Marcks. „Gaspard v. Coligny" S. 133. 148 es eben daran, daß sein Interesse kein politisches, sondern „insbesondere ein Bildungsinteresse" ^ ist. Mit der Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt dann die Wirksamkeit einer neuen literarischen Schule, der Plejade. So sehr sie sich auch in der Dichtkunst in Gegensatz zu Marot setzen mochte, in der Politik zeigte sich doch in beiden dieselbe Richtung, wie sie schon im Manifest der Plejade von Du Bellay angekündigt und charakterisier wird.") Der erste größere Vertreter einer Literatur, in der das politische und patriotische Element einen großen Theil des dargestellten Stoffes bildet, ist in jener Zeit Pierre de Ronsard (1525 — 1585). Er hat nicht bloß bis zum Auftreten Malherbe's einen beherrschenden Einfluß auf die französische Literatur ausgeübt, sondern war auch in seinen Dichtungen politisch, wie keiner seiner Zeitgenossen von der Plejade. Mau hat ihn darum schon den „Meister und das Vorbild des literarischen Patriotismus" 2 °) genannt. Unter den ersten Stücken, die er 1549 veröffentlichte, ist auch eine „Hymne auf Frankreich", und hier erklingt schon gewaltig der Grundton seiner Poesie: die glühende Liebe zu Vaterland und König. Nach dem Dichter des Nolandsliedes hat keiner glühender und wirkungsvoller die „äouss Trance" besungen, wie er. Wer das eigene Volk vom Stamme der Götter ableitete, es als Jupiters „raos legitime" ?') betrachtete, mußte ihm auch unter den Völkern der Erde die erste Stelle anweisen. Die große Mission seines Volkes (graucie vaticm) zur Weltherrschaft unterliegt schon bei ihm keinem Zweifel. Zur Befriedigung solcher weiischanenden, patriotischen Wünsche und Ideen denkt er sich an der Spitze Frankreichs einen großen, vollendeten Herrscher. Heinrich II. entsprach einigermaßen dem Ideale des Dichters, wie er besonders in den ersten 4 Büchern der Oden 22 ) zu erkennen gibt; aber die Sprache, die er Karl IX. gegenüber führt, findet auch Töne ernster Mahnung. 23) Uebrigens ist uns weniger wichtig, inwiefern die verherrlichten Herrscher die Worte des Dichters bewahrheiteten, als die Vorstellung, die der Dichter selbst sich von dem Ideale des Herrschers gebildet hatte, mochte er dabei auch den wirklich existirenden Königen manche Eigenschaft andichten. Ausführlichere Erörterungen über die Stellung des Königs, seine Erziehung, über die Zeitverhältuisse, Ansätze zu einer systematischen Entwicklung staatsrechtlicher Grundsätze finden wir in den „viseours".^) Hier haben wir sozusagen ein Compendium seiner Socialpolitik. Nach der hier zum Ausdruck kommenden Auffassung ist aber auch der absolute Herrscher den „natürlichen" Gesetzen, d. h. den Gesetzen der Moral, unterworfen. Tugend und Vernunft müssen die Leitsterne für sein Handeln sein. Die einzelnen Tugenden finden wir in dem Erziehungsplane für Karl IX.23) Unter den hier angeführten 17 ") Birsch-Hirschseld, Gesch. d. franz. Literat. seit Anfang des 16. Jahrh. Bd. I, S. 268. '°) Ausgabe der Werke Rouen 1592, Bl. I. 2 °) ek. Birsch-Hirschseld, ebdas. 2') Nach der Ausgabe von k. Blanchemain, Paris, 1887-1867, 7 Bde. V. L. S. 280 ff. 22) In der ersten Ode des 6. Buches verseht er den König sogar unter die Götter (Bd. II, 5. Buch. S. 299). 22) er. Sonnst« Divers, Bd. V, S. 305. -) °k. Bd. VII. 2«) „Institution xour l'aäolescencs cku kov Ires- Obrestisn tZbsrles IX. äs es noin," zum ersten Male ge« dyrAt ParjZ 1564. Tugenden ist ganz besonders charakteristisch die humanistische Forderung, daß der König in allen Wissenschaften und Künsten unterrichtet sein soll, in Mathematik, Geschichte, Rhetorik, Musik, sogar Physiognomik, damit er seine Unterthanen schon auf den ersten Blick erkenne und zu beurtheilen im Stande sei. 2«) Socialpolitisch weniger bedeutend ist Nousard's Ist'anoiaäs, deren 4 erste Bücher 20 Tage nach der Bartholomäusnacht (13. Septbr. 1572) erschienen. Die Stimme der Zeitgenossen und die Literatnrgeschichte haben dieses Werk, auf das die Blicke aller Franzosen seit langem mit Spannung gerichtet waren, in ihn« das langersehnte NationalepoS erhoffend, als mißlungen bezeichnet Für uns bleibt es aber immerhin ein weiteres Zeugniß tiefer patriotischer Gesinnung und der unerschütterlichen Ueberzeugung von der Hoheit des unumschränkten französischen Königthums. Daß überhaupt die Franzosen um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein nationales EpoS verlangten, das ist charakteristisch und lehrt uns, wie sehr die Ideen von Vaterland und unumschränktem Königthum im Aufsteigen begriffen waren. Eine demokratische Richtung macht sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, also gegen Ende der Lebenszeit Nousard's, geltend. Es erschienen damals die drei hauptsächlichsten gegen das absolute Herrscherthnm gerichteten Streitschriften des 16. Jahrhunderts. Diese drei oppositionellen Werke sind aber nur im Zusammen hang der Thatsachen zu verstehen. Die eine Thatsache ist die Pariser Bluthochzeit. Mit diesem Ereigniß tritt ja überhaupt das französische Königthum in eine neue, kritische Phase. Man scheut sich nicht, die Person des Königs selbst in die Diskussion hineinzuziehen und anzugreifen. Der Fürst wird nur als der erste Diener des Staats betrachtet und das Princip der Volkssouveränetät aufgestellt. Die andere Thatsache ist, daß die drei Schriften aus den Reihen der Protestanten hervorgegangen sind. Man könnte sie darum als den ersten literarischen Ausdruck des protestantischen Princips auf politischem Gebiete bezeichnen. Produkte des Augenblicks, bezeichnen die 3 Schriften deutlich eine der kritischsten Phasen der französischen Entwicklung, ohne aber für das folgende Jahrhundert wirksam sein zu können. Das bemerkenswertheste Buch dieser neuen Richtung ist die st'ra.n oo-6a11ia. des Franz Hotmann, lateinisch geschrieben 1573, ins Französische übersetzt 1574 von Simon Gonlard. Darmstetter und Hatzfeld^) vergleichen dieses Buch mit Rousseau's „Oontrat Loalal" und schreiben ihm für das 16. Jahrhundert eine ähnliche Wirkung zu, wie jenem Werke für das 18. Jahrhundert. Dagegen schließen wir uns der Ansicht Ranke's 23) an, daß ihm, wie den Lehren Hotmann's und seiner Genossen überhaupt, nur eine vorübergehende Bedeutung zukomme, daß es weniger als ein „Fortschritt der Ideen" als vielmehr als „eine Aufwallung des Moments" zu betrachten sei. Den Ausgangspunkt seiner Erörterungen stellt Hotmann in der „krasintiv" fest: „tzusraaäinoäum sor- pora, nosti'u. sxtorno uliyuo lotn luxata, sanrrri nisi msinstrm suuin HnistuLhus in loornn st rmturalsm ssäoin rsstitutis nou xossunt: ita rsmpuiilioam nostruin tnm cismguo sanatam iri eonüäiinus, eum --) ck. Bd. VII, S. 34. . ^ ^ 25) 1^6 seirüoniQ en 1^1'Liies, ?LN'1s 1693, S. 27. '°) Französ. Gesch. Bd. I. S. 380. 149 iv LNNM nntichnnm et tnnguanr unturnlein 8tkrtuM ärvino aii^uo dsnetieio restituotur." Wie wir sehen, vertritt Hotmann schon damals, wenn auch noch unklar und unbestimmt, den Standpunkt der sogenannten Naturstandshypothese, der den ursprünglichen Gesellschaftszustand als einen Zustand der Wildheit und Gesellschaftslosigkeit bezeichnet. Er sieht darum alles Heil für das Vaterland in dem Zurückgehen auf den Status guo antu, d. h. auf den ursprünglichen, natürlichen Zustand, und kommt in den 2? Kapiteln seines Buches zu folgenden Resultaten: 1. Die beste Regicrungsform ist diejenige, die die drei Formen des Staates (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) vereinigt. Volk und König stehen ihrer Natur nach zu weit auseinander; deßhalb bedarf es eines einigenden Bandes, das Hotmann in der Aristokratie sieht. So entsteht aus den widerstrebenden Elementen ein einheitliches Staatsgebilde."") Dieses aus Cicero (äo rexudlica) entnommene Staatsideal sieht Hotmann in der Staatsform des alten Gallien verwirklicht; denn er sagt: „yueva ex tribus xernuxbis Mnerikus tsinxeratuiv Majores nostri in k'rsmeo- 6nIIia,o leZno eonstituenäo tenuorrmk." 2. An der Spitze dieses Staates steht der König. Aber Staat und König sind nicht dasselbe. Das ganze 19. Kapitel handelt über den Unterschied zwischen König und Staat. 3. Die höchste Entscheidung steht nicht dem König, sondern allein dem Volke zu. Denn das Volk ist frei, wie schon der Name der alten Franken andeutet. Aus freiem Willen haben sie sich ihre Könige gewählt, sich selbst zum Schutz und zum Schutz der Freiheit. (Cap. V, Seite 56.) 4. Das Volk gibt seinen Willen kund durch die öffentliche Volksversammlung. Bei ihren Entscheidungen lasse sie sich von jenem alten, goldenen Gesetze: „snlns xoxnli suprvma, lax esto", leiten (S. 138). Auf die Entscheidungen der Volksversammlung beziehe sich die Formel: „yuia tnlo est nostrum xlaoltum," welcher man jetzt den Sinn gegeben habe: „cnr toi est notro plaisir". (S. 184.) Die Volksversammlung, d. h. die Versammlung der Stände, entscheidet über Krieg und Frieden, über die Gesetze, die höchsten Ehren und Aemter, über das Erbgut der Söhne des verstorbenen Königs, über die Mitgift der königlichen Töchter und, wenn es nöthig ist, über die Entsetzung des Königs. 5. Der König ist absehbar. Er beweist dies aus verschiedenen Beispielen, u. a. ans dein Geschick des Merowingers Childerich (S. 84). Ein Vorrecht bei der Wahl in der öffentlichen Volksversammlung (prne- rogntivum in comitüs) hätten die Könige für ihre Söhne nur, wenn sie letztere gut erziehen und unterrichten lassen (Seite 92: „og, sxo.... nääuoti summnm in üliis üono IionesteHne instituenäis stuäium colloenront"). Wenn so Hotmann das Recht der Volksversammlung, nach freier Entscheidung sich den neuen König zu wählen, als das erstrebenswerthe Ideal aufstellt, so rechnet er doch genug mit den bestehenden Verhältnissen, um dem „Salischen Gesetz" das Zurechtbestehen zuzusprechen. 6. Das „Salische Gesetz" beziehe sich Zwar eigentlich nur auf das Privatrccht, es habe aber auch bezüglich der k'raiieisei Hotmavoi .^raneo-Oallia" kd'üucoiui-ti Spuck OeoiF l'iek^viit 1063. I'raelutio IZI. 7. °") bü'sneo-Lallia, ext. XII, S. 137 f. Thronfolge durch jahrhundertlange Gewohnheit Gesetzeskraft erlangt (S. 118). 7. Der König hat kein Recht an die Staatsdomäne, nur an sein Erbgut (S. 100). 8. Die Nationalversammlung hat heute dem Parlament von Paris Platz gemacht, womit die Herrschaft der Juristen (rognnva rnbularinm) begonnen hat (ok. ext. XXVII). Wenn auch die Iranoo Oailia. bald wieder vor den Theorien, die zur Befestigung des Absolutismus aufgestellt wurden, zurücktreten mußte, so hat sie doch in den Jahren ihres Erscheinens einen starken Einfluß auf die Zeitgenossen ausgeübt. Sie erschien ihnen bemerkens- werth vor allem wegen der Betonung der Volkssouvcräne- tät und der Stellung des Verfassers dem römischen Recht gegenüber. (Fortsetzung folgt.) Hans Eschelbach's „Wildwnchs". Von I. B. F. (Schluß.) Durch „Einst und Jetzt" geht der süße Hauch klagender Liebe; klassisch bewegt sich „Asträa". Ein märchenhaftes, traumverlornes Lied ist „Unerreichbar". Eine anmnthvollc Romanze in markigen Versklängen haben wir in dem Gedichte „Die Königin der Nacht". Aus „Wissenschaftliche Naturstudien" bricht wieder wie strahlendes Sonnenlicht wahrhaft goldncr Dichterhumor hervor. „Verklungen" zieht wie ein sehnendes Nachtigalllied durchs Herz. Der Dichter leiht der Klage und dem Schmerze seine Leier; doch Licht und Lebensfreude, die Quellen der Poesie, versiegen nie. In die lyrische Naturbeseligung mischt sich „holde Frühlingsandacht" wie in dem Gedichte „Das Christus bild im Frühling", wirkungsvoll wie Goethe's „Erlkönig". „Vor Allerseelen" ist eine tief ergreifende Erinnerung an eine vieltheure Todte. Während so viele von des Dichters Zunftgcnossen in ausgetretenen Geleisen sich bewegen, geht Eschclbach gern seine eigenen Wege. Wenn auch im „Wildwnchs" öfters eine alte Idee nur in neuer Form wiederkehrt, so weht doch überall die frische Luft der deutschen Gemüthswelt. Sich in verschwommenen, nebelhaften Vorstellungen und Gefühlsschwärmcreien zu verlieren, das ist nicht unseres Dichters Art. In all- weg huldigt er dem Grundsätze, wie Herbert ihn in ihren geistvollen „Aphorismen" aufstellt: „Ein zu weiches Herz haben ist fast so verderblich als keines haben." „Friedhofsrosen" sind Todtenblnmen: „Blumen auf das Grab meines Vaters" und „Immortellen auf Frcundesgräber" hat sie der Dichter genannt. Die „Koblenzer Volkszcitung" und die „Deutsche Reichs- zeitung" wollen darüber einig sein, daß sich in der ganzen deutschen Literatur leine Lieder finden, die sich den „Fricdhofsroscn" gleich stellen können. Auf dem stillen Fricdhofe ruht ein guter Vater, und junge Freunde, Frühlingsblüthen der Menschheit, deren reinen Schmelz nicht des Lebens frostiger Hauch trübte, liegen friedlich zwischen Blüthen und Blumen. Von den letzten Stunden seines treu besorgten Vaters spricht der Dichter aus tiefem Herzen: „Wer weiß, ob ich lebe noch morgen; Johannes! Nm eines bitt' Dich ich: Du mußt für die Mutter sorgen!" lind nun haben sie den Vater in die fühle Gruft gebettet; hier schlummert .r Auferstchungsmorgcn 150 entgegen, denn er weis;, daß „der große Frühling kommt". „Wer so wie Du gestritten, Wer so wie Du gelebt" gemahnt unwillkürlich an die Chor- lieder in der heitern Göttersprache der Griechen und ist auch wirklich als stimmungsvoller Trauerchor im „Antiochns" verwendet, nnd ist in zwei verschiedenen Kompositionen feierlich gehalten in 6-moII von C. Spiller und C. Roeder. Dr. Macke, der Dichter des Wüstensanges „Vom Nil zum Nebo" sagt: „Eschenbach zeigt sich als tief fühlender Lyriker, und auch dem Epischen in der Form der Ballade wird er gerecht." Im dritten Theile seines „Wildwuchs", „Bilder" überschrieben, bringt der Dichter schwungvolle Balladen und gemüthvolle Romanzen. „Barbarossa nnd Heinrich der Löwe" tönt voll Kraft und Mark: Denkst Dn noch an Chiavenna, wo ich schwur des Tags zu denken. Da Du wagtest. Deinen Kaiser zu verlassen und zu kränken? Denkst Du noch an Chiavenna. wo ich meinen Schwur gegeben? Heute ist mein Schwur erfüllet, heute mag der Löwe beben! Eine farbenprächtige Ballade ist „Kolumbus". Reichthum des Rhythmus, Freiheit und Anmuth der Bewegung sind die angenehmen Zuthaten eines geborenen Dichtergenies. Da ist Handlung, da ist Leben. Finstere Nacht brütet überm ewigen Ozean. Am Mastbaum lehnend, wacht sinnend Kolumbus. Der letzte Morgen, den ihm die meuternde Schiffsmannschaft noch gegeben zur Fahrt auf Leben und Tod, bricht au: „Grollend die donnernde Woge schäumt Und singt mir den Todesgesäug. Einmal nur möcht' ich, vom Aufruhr umtost. Glänzend die Küste sehn. Einmal, nur einmal, und dann getrost Sterben und untergehn!"- „Vauxchamp" ist heldeukühn. „Jm Lazareth" spricht die rührende Liebe des schwer verwundeten Kriegers zum Mütterleiu. Etwas unendlich tief Ergreifendes, ins Innerste des Herzens Erschütterndes ist „Fürs Geld". Es erinnert in seiner Idee an den veilchenduftigen Roman „Die Tochter des Kunstreiters". Im Cirkus wogt die Menge und staut steh das Publikum, daß die Bänke krachen. „Hufgestampf und Peitschenknallen" hört man jetzt: „Die Königin des bunten Festes Auf ihrem Hengst den Raum durchwettert. Ein Wagestück, ihr kühnstes, bestes! — Sie liegt an: Boden hiugeschmettert. Ein banger Schrei. — Mit holdem Lächeln Erhebt sie sich. — Ein stumm Verbeugen, Ein Jubelrufen, Kühlnngsfächeln; Sie schreitet fort, und rings herrscht Schweigen." Doch dort, wo sie vom Volke nicht mehr gesehen werden kann, „Da muß sie stumm zusammenbrechen: Ihr Blut entströmt in dunklen Bächen." Bis zu Thränen rührend, aber gleichwohl lebendig und wuchtig, ist die herrliche Ballade „Der Sklave"; man muß sie lesen, um solch üppige Poesie in vollen Zügen zu genießen. Die Rache des Edleu hat hier Eschelbach, der Liebling der rheinischen Muse, mit überwältigender Kunst gepriesen und verherrlicht; er hat mit Stoff und Sprache gerungen und ist Sieger über beide geblieben. Auch in den gewaltigen poetischen Stoff der deutschen Sage vom ewigen Juden, der seit Goethe von mehr denn vierzig Dichtern verwerthet wurde, hat Eschelbach in seinem „Ahasver" episch stolz gegriffen. Seelenvolle Lieder reiner Minne, Weisen mit dem Herzschlag keuscher Liebe sind Eschelbachs „Namenlose Lieder". Unnachahmlicher Reiz ist darüber ausgegasten. Schlichte Lieder sind's, aus jugendfroher Brust gesungen. Wie auch sollte die holde Frone, „des alten Liedes Licht", um mit Uhland zu reden, bei Eschelbach nicht gebührend zu Ehren kommen! Die „Namenlosen Lieder" sind Volkslieder, die nur wild in den Wäldern und auf den thau- igen Wiesen gedeihen. Ja, solch eines Liedleins brauchte sich wahrlich selbst der Liederkönig von Weimar nicht zu schämen; man dürfte darunter nur seinen Namen setzen — und das Liedlein wäre goethisch. „Kennst Du namenlose Gräber? Kennst Du namenlose Leiden? Namenlose Lieder sind wir. Eng verwandt den ersten beiden." Damit hat der Dichter den Gruudton seiner „Namenlosen Lieder" angegeben; aus ihnen tönt das ergreifende Klagen um verlorene Liebe: ,D. Vater, nimm mir alles. Nur meine Liebe nicht." Süßer Trost, felsenfeste Zuversicht und reine Himmels- frende geben seinem Sänge höhere Weihe. Wer ist denn die Eine, von der er singt: „Sie wußte nicht, was sie mir alles nahm! — O, mög' Dein Weg durch Blumenauen gehen! — Doch daß es kommen mußte, wie es kam. Verzeih' es mir. ich kann es nicht verstehen." Ist es ein schönes Kind, auf der weißen Stirne lichtes Haargelock, mit Wangen in Roseugluth und Augen veilchenblau? Es ist wohl jeder stillen Jungfrau erblüht, deren reines Herz im Lercheujubel seliger Hoffnung den sonnengoldeuen Tagen des Maien entgegenschlägt! So treuherzig und fromm, wie Eschelbach singt, das versteht Jedermann. Eines der wundervollsten aus den „Namenlosen Liedern" ist das herzliche: „Vom Mai bis Allerseelen Ist eine lange Zeit, Da kann in's Herz sich stehlen Gar manches tiefe Leid." Um aber die tiefinnigen Lieder „Zürnst Du mir noch?" oder „Im Maien war's" mit dem Dichter genießen zu können, möge man im geeigneten Sinne sich die sinnigen Worte eines andern Dichters zurecht legen, wenn dieser vom „Waldesrauschen" singt: „Doch wer dies Rauschen will versteh'». Der muß im Wald zu Zweien geh'n!" Denn ein holdes Menschenkind hat dem Trautgesellen die Leier gestimmt und ihm den reichen Liederborn gereicht: „Du bist durch meine Lieder geschritten In stiller Weihe .... Im Lenz und im Sturm und im Kampf nnd in Nacht... Mein Lieb, ich hab' Dich unsterblich gemacht!" Liebe Leserin! Freundlicher Leser! Das also ist Hans Eschelbach's „Wildwuchs", und nun kennst Du auch das „neue Dichtertalent am Rhein". Im Nahmen einer Skizze konnte der Verfasser nur einen Ausschnitt geben, mir etliche der schönsten Blumen wollte er zum Strauße winden. Wie oft mußte er die Wahrheit der Dichter- worte fühlen: „Wahl macht Qual". Gleichwohl haben wir nun ein überaus günstiges Gesammtbild von dem 151 jugendfrischen Dichter am Nheine gewonnen. „Der Dichtkunst, des Gesanges Preis ward ihm zu Theil," darüber sind wir einig. Seine Muse ist bekränzt mit dem ewigfrischen Immergrün der freudigsten Hoffnung auf ein beseligendes Jenseits nach diesem wechselvollen Erdcnwallen. Gott, Religion, Hcimath und Vaterland sind die uralten Tonangebcr Eschelbach'scher Dichtung. Jugendträume, erste Lieder, Lenz und Liebe, Sinnen und Minnen locken in die Zauberwildniß der Kölnischen Muse. Der Dichter des melodienreichen „Wild- wuchs" erscheint uns zuweilen wie ein drolliger Knabe, der im Lenzessonnenschein durch Busch und Hecken streift, eiu wildes Heckenröschen von den Dornen bricht, an seine Brust es steckt und daheim es sorgt und pflegt, der aber, wenn des Nachbars holdes Töchterleiu kommt und mit den tiefen Blauäuglein Wildröschen wohlgefällig betrachtet, es nicht über sich bringt, das Blümlein dem schönen Kinde vorzuenthalten, sondern flugs es nimmt und der Traut- gcspielin in die hellen Locken flicht. Eschelbachs Poesie erhebt über die Kleinlichkeiten des Alltaglebens, wie ein tiefgründiges Gebet weht ein christlicher Geist durch seine Lieder. Eschelbach ist durch die Tiefe seines Gemüths ein echter Sohn Deutschlands und durch die träumerische Gluth seiner Phantasie ein echter Knabe des sangesreichen Rhein. Wem hat der Dichter seine duftigen Weisen abgelauscht? „Alldeutschlands Völkerstimmen!" Wer hat sie ihm zugeraunt? „Wo sie wuchsen? Fragt die Drossel! Viele wuchsen wild am Raine. Wo sie wuchsen? Fragt die Eine! — Fragt sie nicht! Mit trübem Lächeln Würde stumm das Haupt sie neigen. Nur die blassen Sterne wiffen's. Und die Sterne — werden schweigen." Eschelbach ist in literarischen Kreisen und darüber hinaus rasch berühmt geworden. Zwar liefert uns Friedrich von Matthisson's literarische Laufbahn in auffallender Weise ein Beispiel, wie hohe Berühmtheit bisweilen binnen Kurzem der Geringschätzung weichen kann; allein das neue Dichtertalent am Rhein, dem die Muse an der Wiege Pathe gestanden, wird auch bei einer dankbaren Nachwelt jung bleiben. Mit dem liebenswürdigen Dichter sollten auch vornehmlich die jungen Geistlichen sich innig vertraut machen; der Sänger vom Rhein hat so viele seiner Dichtungen ja dem geselligen Vercinswcsen gewidmet. Die erste Würde nun, womit der junge Geistliche bekleidet wird, ist die Bürde eines Vereins-Präses. Als solcher hat er sich in den allermeisten Fällen bei festlichen und feierlichen Anlässen um ein Repertoire für das Vereinstheater umzusehen, das heutzutage selten fehlt. Wesentlich wird der vielbeschäftigte Präses seine Bürde erleichtern, und viele Verlegenheiten wird er sich ersparen können, wenn er den volksthümlichen Dichter Eschelbach kennt. Was er dichtet, ist volksthümlich, so drückt nur das Volk seine Gefühle aus. Beim Lesen seiner Werke hat mau die Empfindung, daß alles so sein müsse und gar nicht anders sein könne. Die Eschelbach'sche Muse gehört nicht zu jener Poesie, „Die Gelehrte nur gemacht und nie dabei aus Volk gedacht." Sie singt vom deutschen Volk, so wie es leibt und lebt, glaubt und liebt, freit und stirbt. Der edle Barde vom Rhein schreitet zu hohen Thaten befeuernd mit goldnem Saitcnspiel durch die Geschlechter — Eschelbach will die Menschheit beglücken: „Bei denen soll man mich nicht nennen. Die tändelnd nur zu Blumen traten; Im meinen Adern fühl' ich's brennen — O, gebt mir Thaten! Gebt mir Thaten!" Recensionen nnd Notizen. Dr. Franz Kampers, Mittelalterliche Sagen vom Paradiese und vom Holze des Kreuzes Christi in ihren vornehmsten Quellen und in ihren hervor ftechendsten Typen. vu Mit der Wahl dieses Themas für die erste Vereinsschrift des Jahres 1897 hat die Görresgcsellschaft unzweifelhaft einen glücklichen Wurf getroffen. Denn was steht dem gläubigen Christen näher als die Erweiterung seiner Kenntnisse über das so rasch Verlorne Glück unserer Stammeltern im Paradiese? Was bietet sür Verstand und Wille so reiche Anhaltspunkte als die Lehre vom Kreuze des Erlösers? Freilich, Dr. Kampers, der sich durch sein Buch über die Kaiserfagen des Mittelalters so vortheilhaft in die katholische Literatur eingeführt hat, behandelt diese grundlegenden Wahrheiten vom Falle nnd der Wiedererbebung des Menschen nicht vom theologischen Standpunkte aus, sondern er geht mit liebender Sorgfalt den mehr oder minder dunklen Spuren der sagenhaften Entwickelung jener Offenbarungsthatsachen in der vorchristlichen und in der mittelalterlichen Periode nach und führt die mannigfachen Gebilde einer überreichen Phantasie auf ihre einfachen und einheitlichen Urgedanken zurück. Gerade die bunte Welt der Sagen iin unerlöstcn Geschlechte über das Paradies und den Lebensbaum, über das erste Menschenpaar Adam und Eva u. f. w. ist ein mächtiger Beweis für die historische Glaubwürdigkeit der biblischen Angaben. Denn wie sollten derartige Gedanken dem sinnenden Menscheugeiste sich aufgedrängt haben, wenn alles nur Traum und Schaum? Wenn Adam nnd Christus, der Baum des Lebens im Paradiese und das Kreuzesholz auf Golgatha nicht historische Realitäten sind, wie konnte sich an diesen Namen ein so herrlicher blüthenrcicher Kranz von volksthümlichen Erweiterungen und kindlicher Einbildung emporranken? Wie hätten überhaupt einschlägige Sagen sich aus dem leeren Nichts emporheben können? Mit diesen und ähnlichen Gedanken haben wir das anregende, fein geschriebene Werk des eifrigen Mitarbeiters des Historischen Jahrbuches, Dr. Kampers, zur Seite gelegt, dessen Lektüre allen Gönnern und Mitgliedern der Görrcsgesellfchaft eben solchen Reiz nach des Tages Mühe gewähre, wie es auf uns ausgeübt hat. Handbuch des katholischen Pfründewesens, bearbeitet von L. H. Krick, Pfarrer. Passau. Verlag von Rnd. Abt. Preis 5 Mark 40 Pfg. " Vorstehend genanntes Buch ist der II. Band der vortrefflichen Handbibliothek für die pfarramtliche Geschäftsführung in Bayern, und liegt in dritter vielfach verbesserter und größtentheils umgearbeiten Auflage vor. Die Brauchbarkeit dieses Buches ist allseitig anerkannt und wird dasselbe in keiner Pfarrbibliotbek mehr zu entbehren sein. Es gibt durchwegs verläßige Aufschlüsse über die einschlägigen Materien, welche in 40 Paragraphen systematisch behandelt und in 4 Theile geschieden sind: I. Stiftung, Errichtung und Veränderung der Pfründen; II. Besetzung und Erledigung der Pfründen; Hl. Einkommen der Pfründenbesitzer; IV. Verwaltung des Pfründe- vermögens. In einem Anhang ist eine große Anzahl von Formnlaricn für StistungZbriefe, Eingaben, Fassionen, Rechtsgeschäfte n. s. w. beigegeben. Anleitung zur Berechnung der Jntercalar» fruchte der erledigten kathol. Pfründen, bearbeitet von L. A. Krick, Pfarrer. Pafsau, Verlag von Rnd. Abt. Preis M. 1,20. ? Die Berechnung der Jntcrcalarfrüchte macht bekanntlich nicht selten sehr viel Schwierigkeiten. Es wird daher mit Dank zu begrüßen fein, daß eine berufene Kraft, wie es der Verfasser obiger Broschüre ist, eine Anleitung gegeben hat. Etwas Aehnliches ist bisher im Buchhandel sucht vorhanden gewesen. Im I. Theil gibt der Verfasser eine Darstellung über Verwendung, Verwaltung und Berechnung der Jntercalarfrüchte und über einschlägige Com- petenzfragen und im II. Theil ein Muster einer derartigen Rechnungsführung und Nechnnngsstcllung. 152 Die Volksschnlfrage. Vortrag des Landgcrichtsraths vr. Kiene, Vicepräsident der württembergischcn Abgeordnetenkammer. Ravensbnrg, 1897. Verlag von Herm. Kitz. Preis 40 Pf., 10 Exempl. 3 M. * Der Kamps gegen das. Christenthum und gegen die Kirche als die Trägerin der göttlichen Autorität macht sich zur Zeit besonders auf dem Gebiete der Schule geltend. Hier offenbart sich der Streit zwischen Glaube und Unglaube immer deutlicher und deßhalb ist keilt anderer Kampf so schwer wie der Schnlkampf, keine Frage für das christliche Volk so wichtig als die Schnlfrage. Das kleine Werkchen vr. Kiene's, das die Frage nach allen Richtungen hin beleuchtet, kann jedem nur bestens empfohlen werden. Pichler, Domvicar, Dr., Mitglied des Deutschen Reichstages und der Bäuerischen Abgeordnetenkammer. Zur Agrarfrage der Gegenwart. Zwei Vortrüge, gehalten auf dem praktisch-socialen Kursus zu Schw.-Gmünd. Verlag der Germania, Berlin. Preis 35 Pf. Die Vortrüge des auf dem Gebiete der Agrarfrage hervorragend thätigen Parlamentariers wurden inGmünd mit größtem Beifall aufgenommen. Dieselben verbreiten sich in übersichtlicher, klarer Weise über die Ursachen der gegenwärtigen Nothlage lind die Mittel zur Abhilfe. — Der Verfasser ist bestrebt gewesen, in den beiden Vortrügen Aufklärungen zu geben, gleichzeitig aber auch Anregungen für die Privatthätigkelt und Anhaltspnnkte zur Würdigung der gesetzgeberischen Aufgaben zur Besserung des landwirthschaftlichen Nothstandes. — Jeder Interessent wird das Büchlein mit Nutzen lesen können. Von dem Werke: Christliche Schule der Weisheit von A. Kotte (Verlag der Jos. Kösel'scheu Buchhandlung in Kemptcn) gelangte die Schlußlieferung zur Ausgabe. Damit schließt ein drei stattliche Bände umfassendes Werk ab, welches namentlich seitens des Clerus zu hohem Grade Beachtung verdient. Das complete Werk, in 3 Bänden ü M. 5,60 erhältlich, enthält eine Sammlung von Aussprüchen und Erklärungen der Heiligen und vorzüglicher Geisteslehrer der katholischen Kirche über die verschiedensten Themata, z. B. Altarssakrament, Beicht, Ehre, Frömmigkeit u. s. w., in alphabetischer Reihenfolge. Diese Sammlung ist die Frucht einer durch volle 24 Jahre fortgesetzten, mühevollen Arbeit und bietet durch ihre Reichhaltigkeit und die sorgfältigste Auswahl des Stoffes für Prediger, Religionslehrer und Beichtvater ein so praktisches Hand- und Nachschlagebuch, wie uns kein ähnliches Werk bekannt ist. Weltenmorgen. Dramatisches Gedicht in drei Handlungen von Eduard HIatky. I. Im Himmel: Der Sturz der Engel. — II. Im Paradiese: Der Sünden- fall. Freiburg, Herder, 1896. 8". M. 1 u. 1.60. Eine schone Blüthe der religiösen Dichtung, tadellos in der Form. Inhaltlich spricht der II. Theil mehr zum Herzen, da er nicht so stark mit Dogmatik durchdrungen ist. Manches erinnert an Calderon. Auf den III. Theil, welcher das erste Opfer behandeln wird, darf man gespannt sein. — 2 . Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich erscheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. oder 80 S. gr. 8°. Preis ganzjährig 5 Mk. In Commission der Buchhandlung Gg. Kleiter in Passau. Inhalt des 4. Heftes 1897: Die abessinischeKirche über den Primat. — Bibel und Wissenschaft. — Warum werden die Apostel in der hl. Schrift niemals saosrllotss genannt? — Unentgeltlichkeit der Verwaltungsorgane eines Raiffeisen-Vereins. — Die Feier der Regmemmesse nach den neuesten Dekreten der Ritencongregation. — Versicherung der kirchlichen Einrichtung gegen Brandschaden. — Ist Vernachlässigung der Preßschäden von Seite der Seelsorger Sünde? — Das heilige Feuer am Cbarsams- tage. — Zeitgemäße Ausführungen zum Rundschreiben der 8. V. tspp. s ks§. über die moderne Predigtweise. — Was ist private, und was ist öffentliche Aussetzung des Allerheiligsten? — Forstrechte der Pfründebesitzer und Ablösung derselben. — Was soll ich morgen predigen? — Verpflichtung des Gemeindeschreibers zur Besorgung der Schrcibgeschäste der Armenpflege. — Dir neuesten Aenderungen in den Rubriken des Breviers. — Aufkündigung von Hypothekdarlehen. — Ein Gradmesser für Seelsargs- tüchtigkeit. — Die Absolutionsgebcte an Concurstagen. — Beachtenswertste Kleinigkeiten. — Neueste Erlasse und Entscheidungen der römischen Kongregationen. — Erlasse der obersten Verwaltungsstellen und Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. — Literarische Novitätenschau. Der Katholik. Nedigirt v. Joh. Mich. Naich. 12 Hefte. M. 12. Mainz, Kirchheiru. Inhalt von 1897, Heft III. März: Oovstitntio apoeto- liea äs xrobibitiono st osvsura Itbioruw. — Aufruf zur Ueberwindung der religiösen Trennung. Von einem evangelischen Geistlichen. — Dr. Jos. Kolbcrg, Die Einführung der Reformation im Ordenslande Preußen. — Carl Maria Kaufmann, Die Legende der Aberkiosstele im Lichte ur- chriftlicher Eschatologie. — Dr. A. Bellesheim. Charles Cardinal Lavigerie, Erzbifchof von Karthago und Primas von Afrika (1825—1892). — vr. Englert, Der Zusammen- brnch der Entwickelungstheorie auf dem Gebiete der Gesellschaftslehre. — vr. Schanz , Segen und Konsekration. U. s. w. Literarische Rundschau für das katholische Deutsch» land. Herausgegeben von vr. G. Hoberg, Professor an der Universität Freiburg i. Br. Dreinnd- zivanzigster Jahrgang: 1897. 12 Nummern. M.9.—. Freiburg i. Br. Herder'sche Verlagshandlung. Inhalt von Nr. 4 u. A.: Die kath. Literatur Englands im Jahre 1896. (Bellesheim.) — Iloonadsr, Hou- vsllss stuctss sur in rostauratiou .juivs oprds I'oxil äs Babylons. (Nikel.) — Willrich, Juden und Griechen vor der makkabäischen Erhebung. (Bludau.) — Ehses, Festschrift znm elfhundertjübrigen Jubiläum des deutsche» Campo Santo in Rom. (Künstle.) — Llanssr, vossibilitas vrasmotionw vbzsioas Ibomistioas ste. (Commer.) — vuMinsrinntb, Osksrwio vootrinas 8. Ibowao ^.g. (Com- mer.) — VorsvLslll, vbiIo8oxbi,LS tüsorotisas Instita- tionos «to. (Braig.) — Bahlmann, Jesuiten-Dramen der niederrheinischen Ördensprovinz. (Nürnberger.) — Ehses- Meister, Nnntiaturbcrichte aus Deutschland. (Reinhardt.) — Nachrichten. — Büchertisch. Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahrgang 1897. Zehn Hefte M. 10.80 (oder zwei Bände » M. 5.40). Freiburg i. Br., Herder'sche Vcrlagshandlung. — Durch die Post und den Buchhandel. Inhalt des 3. Heftes u. A.: Erklärung. — Des hl. Ämbrosius Lied vom Morgenroth. (G. M. Dreves 8. I.) — Lohnvertrag und gerechter Lohn. III. (Heinrich Pesch 8. ll.) — Der Werth Afrikas. II. (Joseph Schwarz 8. I.) — Der Materialismus in Indien. II. (Schluß.) (Jos. Dahlmann 8. I.) — Zur Choralkunde. II. (Schluß.) (Theodor Schmid 8. I.) U. s. w. Katholische Warte. Von dieser durchweg gediegenen Fannlienzeitschrift liegt uns reich illustrirt Heft 10 und 11 vor. Die neuesten Hefte bringen Biographien von Franz Pendl und Vr. Moriz Brosig. An Erzählungen, Novellen und Skizzen rc. finden wir vertreten: M. Buol (Ein gutes Wort), Martha Friede (Aus dem Piemont), Redeatis (Roswitha, die Nonne vonGanders- heim), Sandhage (Lolo's Aufgabe), Friedr. Koch-Breuberq (St. Sebastian in Salzburg), Fr. Grimme (Die Abter Prüm), vr. A. von Rhein (Das ehemalige Jnzigkofener Frauenkloster). Außerdem bringen die Hefte poetische Beiträge von Marg. Mirbach, Joh. Schmiedercr, Als. M. Schwämme!, C. Schönfelder, Anton Pichler, Ferd. Pecka, Viktor Hardung, Jda v. Lißberg rc. Sehr viel des Nützlichen und Interessanten enthalten die Rubriken „Literatur, Kunst und Wissenschaft", „Hanswesen" und „Buntes". Wir können bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, diese Zeitschrift, die sich bereits sehr viele Freunde erworben hat, wiederholt als Familienblatt im besten Sinne des Wortes angelegentlichst zu empfehlen. Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. — Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg.